Profilbild von Dani_Lisbeth

Dani_Lisbeth

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Dani_Lisbeth ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Dani_Lisbeth über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.12.2025

Unendlichkeit im Angesicht der Endlichkeit

Write Me for You
1

Tillie Cole nimmt uns mit auf eine schwere Reise, die gegen den Krebs und mit der großen Liebe. Der Krebs hat auch der Autorin große Verluste zugefügt, wodurch sie weiß, wovon sie schreibt, und das merkt ...

Tillie Cole nimmt uns mit auf eine schwere Reise, die gegen den Krebs und mit der großen Liebe. Der Krebs hat auch der Autorin große Verluste zugefügt, wodurch sie weiß, wovon sie schreibt, und das merkt man auch.

June ist erst 17 Jahre alt, als bei ihr eine Leukämie im Endstadium diagnostiziert wird. Sie glaubt, ihren Traum vom Schreiben, ihre erste Liebe und wahre Freundschaft nicht mehr erleben zu können, weil ihr die Zeit entrinnt. Ihre einzige Chance ist eine neue Studie, die eine Therapie speziell für jugendliche Krebserkrankte erforscht. June begibt sich auf die Reise zu der Ranch, auf der diese Therapie angeboten wird. Sie begibt sich zugleich auf die Reise ihres Kampfes gegen den Tod und damit der Reise ihres Lebens. Und sie schreibt sie auf, denn sie möchte Autorin werden.
Das Buch führt junge Lesende zu einem schweren Thema. Es erzählt von der Endlichkeit des Lebens und auch davon, dass die Krankheit Krebs nicht fair ist, sich nicht an Regeln hält. Auch junge Menschen sind betroffen und zu oft ist ein Leben einfach zu kurz.
Während „Write me for you“ mich gleich zu Anfang durch die wundervolle Sprache Coles mit den wirklich beeindruckenden sprachlichen Bildern sofort in seinen Bann zog, begeisterte es mich kurz darauf für eine Weile weniger: Das Leben auf der Ranch, die Jugendlichen in ihrer Bubble, die schnelle intensive Liebesgeschichte waren mir zu seicht, zu oberflächlich, zu rosarot.
Rückblickend muss ich aber zugeben, dass es wahrscheinlich genau das brauchte, um auch Jugendliche mit dem Thema einer lebensbedrohlichen Krankheit vertraut zu machen, ohne zu dunkel zu werden. Und mal ehrlich: Was erwartet man bei dem Cover – KEIN Rosarot?!?
Schließlich entfaltet sich Junes Geschichte zu einer wahren „Story in der Story“, die den Leser/die Leserin auffordert, sich gedanklich selbst einzubringen und zu entscheiden, welches welche ist. Eine wirkliche Glanzleistung, die mich tief beeindruckt hat.
Als Mutter konnte ich viel aus der Geschichte mitnehmen. Als Mensch kann dies bestimmt jeder von uns, wenn wir das Buch und sein Thema an uns heranlassen.
Allerdings wäre auch ein Mehr an Tiefgang, mehr Charakter und mehr Information möglich gewesen. Die Story hätte diesbezüglich definitiv mehr gekonnt.
Cole schreibt eine Romanze für jugendliche Leser:innen, die auch ein ernstes Thema aufgreift, wenn auch unter einem wirklich dichten zartrosa Schleier – für dieses Publikum auf jeden Fall eine Empfehlung!


Tillie Cole ist bekannt dafür, dass ihre Bücher die Leserschaft zu Tränen rührt und führt. Doch neben einer Packung Taschentücher für die Tränen, braucht man definitiv auch ein bisschen Schokolade fürs Herz beim Lesen dieses wundervollen YoungAdult-Romans.
Er erzählt die Liebesgeschichte von June und Jesse: eine Geschichte von intensiver Freundschaft und eine Geschichte über die eigene Kraft und auch die eigene Endlichkeit.
Thank you, Tillie Cole, that you „Wrote them for us“!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 29.11.2025

Grundrisse, die auf Horrorgeschichten deuten

HEN NA IE - Das seltsame Haus
0

Ein Freund überlegt, ein Haus zu kaufen und zeigt dem Autor, der der Protagonist der Geschichte ist den Grundriss. Hierin ist ein seltsamer Raum zu sehen. Der Autor zieht daraufhin einen Architekten, der ...

Ein Freund überlegt, ein Haus zu kaufen und zeigt dem Autor, der der Protagonist der Geschichte ist den Grundriss. Hierin ist ein seltsamer Raum zu sehen. Der Autor zieht daraufhin einen Architekten, der Horror mag, hinzu. Beide entspinnen Theorien zu dem Unglaublichen, dass in diesem Haus geschehen ist.

Der Autor verfolgt ein völlig neues Konzept, einen mit einer Horrornote versehenen Krimi zu etablieren. Das macht es interessant. Der Stil ist dabei eine Mischung aus Bildern und dem Geschriebenen, das fast nur die Wiedergabe von Gesprächen - eine Art Interviewstil - enthält.
Dies macht es leicht zu lesen. Man kann es in wenigen Stunden komplett schaffen. Sicherlich ist das auch das, was ich an Putztüchern bewerten würde: Ich habe das Buch kaum aus der Hand gelegt und in einem durchgelesen.
Inhaltlich fand ich es aber eher schwach. Die Handlung ergibt sich nur aus dem, was der Architekt spekuliert. Die vielen Namen und Stammbäume aus mehreren Jahrzehnten, insgesamt drei Grundrisse mit angeblichen Verstecken und die Horrorgeschichte dahinter waren für mich manchmal anstrengend.
Mittelständler konnte man kaum, da alle vermeintlichen Lösungen plötzlich präsentiert wurden und teilweise auch zuvor nicht in den Bildern ersichtlich waren. Hier verdeutlicht sich schon, dass ich die angebotenen Lösungen auch nicht immer plausibel fand.

Wer mal eine völlig neue Art des Romans ausprobieren will und vielleicht auch einen japanischem Hintergrund mag, der wird sich hier sicherlich wiederfinden.
Mir fehlten die Darstellung der Charaktere, damit ich mich wirklich einlassen kann. Deren fehlende psychologische Aspekte und die für mich kaum existente Handlung - sie existierte nur in den Gesprächen - machen das Buch für mich nicht zu einem Liebling.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.11.2025

Kein „Safe Space“ - wirklich nirgendwo!

Safe Space
11

Anna, aus deren Perspektive der Haupterzählstrang geschildert wird, geht als junge forensische Psychologin in die JVA, um dort in einer sozialtherapeutischen Abteilung mit Schwerverbrechern zu arbeiten. ...

Anna, aus deren Perspektive der Haupterzählstrang geschildert wird, geht als junge forensische Psychologin in die JVA, um dort in einer sozialtherapeutischen Abteilung mit Schwerverbrechern zu arbeiten. Gleichzeitig verfolgt sie hierbei aber auch einen privaten (Rache-)Plan. Und sie ist damit nicht allein, denn ihr Gegenspieler verstrickt sie in ein mörderisches Spiel – doch wer ist es?

Aus meiner Sicht ein psychologisch fundierter Thriller, der seinem Genre alle Ehre macht!
Viele verschiedene Erzählstränge und Stilmittel wie Tagebucheinträge und Rückblenden lassen die Figuren lebendig werden. Man kann sich einfühlen, mitfühlen und mitleiden.
Gleichzeitig wird der Spannungsbogen bis zum Bersten ausgereizt. Immer wieder finden Wendungen in der Geschichte statt, mit denen nicht zu rechnen war.
Der Titel ist einfach genial gewählt, denn er trifft auf schon fast unheimliche Art auf so viele Bereiche zu!
Und wenn ich auch mehrfach Momente hatte, in denen ich dachte, dass etwas nicht ganz rund ist, so gab es jedes Mal irgendwann doch eine logische Erklärung. Prima, denn ich bin sehr enttäuscht, wenn sich Ungereimtheiten einstellen, ein Ende mir unlogisch oder einfach nur zu platt vorkommt. Bei einer recht neuen Autorin hatte ich da zugegebenermaßen schon etwas Bedenken. Aber hier wurde ich nicht enttäuscht: Alle Fäden wurden wieder aufgenommen und zu Ende gesponnen.
Auch die psychologischen Hinter- und Abgründe sind fachlich nicht zu beanstanden.
So macht Thrillerlesen Spaß! Ich jedenfalls werde die Autorin weiterhin im lesenden Auge behalten und mich bestimmt bald an ihr erstes Buch begeben!

Ein Psycho-Thriller mit so vielen plötzlichen Wendungen, dass einem dabei ganz schwindelig werden kann!
Wer sich aber darauf einlassen kann, dass man dranbleiben und sich manchmal auch ein wenig gedulden muss, bis etwas aufgeklärt wird, wird hier mit einer ordentlichen Portion Nervenkitzel belohnt! Dieses Buch ist wirklich psycho!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 19.11.2025

Auf Samtpfoten zum Nachdenken gebracht

Frankie
0

Ein Kater, der eigentlich auf einer Mülldeponie lebt, trifft zufällig auf einen tief traurigen Mann, der sich umbringen will.
Frankie, der Kater, kann sprechen und er weiß so einiges über die Menschen. ...

Ein Kater, der eigentlich auf einer Mülldeponie lebt, trifft zufällig auf einen tief traurigen Mann, der sich umbringen will.
Frankie, der Kater, kann sprechen und er weiß so einiges über die Menschen. Gold, der seine Liebe verloren hat, sieht keinen Sinn mehr im Leben und weiß so gar nichts über Katzen.
Beide ziehen zusammen und entwickeln eine tiefe Verbundenheit.

Ein Buch, das auf Samtpfoten daherkommt und dem Leser kräftig auf das Zwergfell trommelt, die Krallen ausfährt gegen die Überheblichkeit der Menschen und schnurrend genossen werden will!
Einfach großartig: Frankie hat bei mir alle möglichen Emotionen angesprochen! Ich habe laut gelacht, gestaunt über so viel sanfte Weisheit und mich geärgert über so vieles, das wir als selbstverständlich ansehen.

Ich empfehle diese Sicht eines Katers - der auch als Kater spricht und denkt - sehr!
Man kann viel (über sich selbst) lernen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2025

Tolle Idee, ganz sensibles Thema

Jahr um Jahr um Jahr um Jahr
0

Die Idee für das Buch - ein Mann, der jedes Jahr von allen vergessen wird - hat mich sofort angesprochen.
Wie geht man damit um?
Wie fühlt sich das an?
Wie findet man eine Ausweg?
Der Autor hat einen ...

Die Idee für das Buch - ein Mann, der jedes Jahr von allen vergessen wird - hat mich sofort angesprochen.
Wie geht man damit um?
Wie fühlt sich das an?
Wie findet man eine Ausweg?
Der Autor hat einen sehr einfühlsamen Schreibstil, der dem Thema gerecht wird.
Es werden Details bedacht und dargestellt, die man als Folge des Problems erst einmal alle erdenken muss!
Leider habe ich das Buch an der ein oder anderen Stelle als etwas zu langatmig empfunden. Die Lösung hingegen war zu schnell erzählt.
Es bleibt die offene Frage: Wieso? Wie konnte es zu diesem Phänomen kommen?
Ich hätte mir gewünscht, eine Antwort wäre angedeutet worden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere