Eine Geschichte, die nachdenklich macht.
Frankie – Unter MenschenIm zweiten Band rund um Kater Frankie geht dieser verloren und begegnet einem Mädchen, das aus ihrer Heimat vor einem Krieg fliehen musste. Auch aus dem Flüchtlingsheim ist sie geflohen und schlägt sich ...
Im zweiten Band rund um Kater Frankie geht dieser verloren und begegnet einem Mädchen, das aus ihrer Heimat vor einem Krieg fliehen musste. Auch aus dem Flüchtlingsheim ist sie geflohen und schlägt sich nun allein auf der Straße durch. Der Kater und das Mädchen schließen sich zusammen und erleben sowohl Schlimmes und als auch Gutes. Dabei stoßen sie auf menschliche Abgründe und erleben aber auch unerwarteten Nächstenliebe und Güte.
Klug, tiefsinnig, humorvoll, traurig, abscheulich und wundervoll – all diese Adjektive beschreiben den zweiten Band rund um Kater Franke sehr treffend. Jochen Gutsch hat mit Frankie – Unter Menschen (erschienen bei Penguin im März 2026) einen Roman geschrieben, der zum Nachdenken anregt, ohne dabei schwer oder gar belehrend zu wirken. Es ist eine berührende Geschichte über Freundschaft, Höhen und Tiefen, Angst und Freude und das Überleben in einer von Widersprüchen geprägten Welt, erzählt aus der Perspektive des Katers.
In lockerem, zugänglichem Ton schildert Frankie seine Eindrücke von Menschen und Tieren. Ehrlich, direkt und unverstellt spricht er, wie ihm das Maul gewachsen ist und bricht komplexe Themen auf einfache Gedanken runter. Gerade in der sprachlichen Schlichtheit liegt die Stärke des Romans, denn er schafft es große Fragen greifbar zu machen, ohne sie jedoch zu bagatellisieren. Gerade lässt die Geschichte lange nachhallen und hat mich nachdenklich gemacht.
Besonders eindrücklich ist Frankies naiver, zugleich aber erstaunlich kluger Blick auf die Welt. Als das Mädchen ihm beispielsweise erklärt, dass sie “illegal” sei, reagiert er mit entwaffnender Selbstverständlichkeit: "Klar, illegal. Na und? Jeder hat so seine Macken. Ich bin zum Beispiel genial. Da kannst Du auch 'n bisschen illegal sein. So lange es nicht ansteckend ist oder was. Illegal, Rübezahl, Silberaal. Mann, ist mir doch egal." Wer hätte das schöner formulieren können als ein kleiner Streuner?
Trotz seiner vielen Stärken ist der Roman stellenweise sehr schlicht erzählt, was nicht für alle Leser gleichermaßen ansprechend sein dürfte. Wer jedoch bereit ist, sich auf diese Perspektive einzulassen, wird mit einer eindringlichen und nachhaltigen Geschichte belohnt.
Ich empfehle diesen Roman sehr – besonders Leserinnen und Lesern, die Geschichten schätzen, die leise daherkommen und gerade dadurch lange nachwirken, denn manchmal muss man die Welt durch die Augen anderer sehen, um sie zu verstehen. 5/5 Sternen