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Veröffentlicht am 14.03.2026

Spannender erster Teil der Dilogie

Happy Head
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Das Programm Happy Head in Josh Silvers gleichnamigem Jugendroman (erschienen bei Magellan im Februar 2026) ist eine Mischung aus dystopischer Welt, Sekte, Therapiecamp und Umerziehungslager.
Der Protagonist ...

Das Programm Happy Head in Josh Silvers gleichnamigem Jugendroman (erschienen bei Magellan im Februar 2026) ist eine Mischung aus dystopischer Welt, Sekte, Therapiecamp und Umerziehungslager.
Der Protagonist Seb ist kein klassischer junger Held dystopischer Jugendromane. Er ist auf den ersten Blick kein Kämpfer gegen das System, sondern schüchtern und introvertiert. So versucht er zunächst sich anzupassen und nicht anzuecken. Er will seine Eltern stolz machen und sich durch die Teilnahme an HappyHead einen guten Studienplatz sichern. Im Verlauf des Programms, das angeblich auf psychische Gesundheit ausgerichtet ist, werden die Jugendlichen mit unterschiedlichen Challenges konfrontiert. Die zu bewältigenden Aufgaben werden jedoch immer düsterer und existentieller. So merkt auch Seb, dass hinter HappyHead weit mehr steckt als ein Camp für Jugendliche zur Förderung individueller Stärken.
Der Roman wird aus Sebs Perspektive erzählt, was die Geschichte spannend und die Charaktere nahbar macht. Als Leserin habe ich mit ihm mitgelitten und hatte immer ein leicht beklemmendes Gefühl, weil die Gefahr nicht greifbar war und es zunächst keinen konkreten Gegner oder Feind gab. Das ändert sich im Lauf des Romans und Seb kommt hinter die düsteren Machenschaften von HappyHead.
Da es sich bei Happy Head um den ersten Band einer Dilogie handelt, ist ein offenes Ende natürlich erwartbar. Dennoch fiebere ich dem Herbst und der Veröffentlichung des zweiten Teils entgegen.
Fazit: Sehr spannender und kurzweiliger Jugendroman und ein überraschendes Romandebüt des Autos Josh Silver. Ich freue mich auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Achtsamkeit mit Nebenwirkungen

Einatmen. Ausatmen.
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In seinem neuesten Roman Einatmen. Ausatmen., erschienen im März 2026 bei Kiepenheuer & Witsch, stellt Maxim Leo Menschen in den Mittelpunkt, die unbewältigte Krisen und Probleme mit sicher herumtragen, ...

In seinem neuesten Roman Einatmen. Ausatmen., erschienen im März 2026 bei Kiepenheuer & Witsch, stellt Maxim Leo Menschen in den Mittelpunkt, die unbewältigte Krisen und Probleme mit sicher herumtragen, oft ohne sich dessen selbst wirklich bewusst zu sein. Solang das Leben in seinen gewohnten Bahnen verläuft und niemand daran rüttelt, scheint alles in Ordnung. Doch sobald das kleinste Steinchen in Getriebe des Lebens gerät, droht alles zu zerbrechen.
Marlene Buchholz ist Topmanagerin des Aviola-Konzerns, und nun steht der nächste Schritt in ihrer Karriere an: CEO! Doch in selbem Maße, in dem sie fachlich für diese Leitungsposition brilliert, hat sie Schwierigkeiten mit Empathie und zwischenmenschlicher Interaktion. Zahlreiche Beschwerden der Mitarbeiten stehen nun zwischen ihr und der Beförderung. Daher muss Marlene zunächst zwei Wochen Achtsamkeitstraining absolvieren.
Geleitet wird die die Akademie, in die Marlene geschickt wird, von Alex Grow. Er hat sich über Jahre hinweg einen großen Namen in der Szene gemacht und ein beachtliches Zentrum mit weit über hundert Mitarbeitenden aufgebaut. Doch Alex ist nach Jahren der unermüdlichen Arbeit ausgebrannt. Zudem plagen ihn Geldsorgen, denn um seine Academy steht es wirtschaftlich nicht zum Besten. Sollte es ihm jedoch gelingt, Marlene so zu coachen, dass der Aufsichtsrat ihrer Ernennung zur CEO zustimmt, winken ihm und seiner Academy lukrative Aufträge, die all seine wirtschaftlichen Sorgen mit einem Schlag beseitigen würden.
Maxim Leos Schreibstil ist unterhaltsam, leicht zugängig und dennoch tiefgründig. Mit großer Präzision auf der einen Seite und viel Leichtigkeit auf der anderen beschreibt er die Narben, die das Leben bei seinen Figuren hinterlassen hat. Er fängt ihr Marotten und Spleens ein und versteht es immer eine gehörige Portion Humor einfließen zu lassen, ohne Themen zu bagatellisieren oder die Ernsthaftigkeit zu schmäler. Für mich macht gerade dieses Gleichgewicht aus feiner Beobachtungsgabe, psychologischer Genauigkeit und ironischer Distanz den Reiz des Romans aus.
Ich habe die Lektüre sehr genossen, habe mit den beiden Protagonisten mitgefühlt, über ihre Eigenheiten geschmunzelt und ihre inneren Konflikte gebannt verfolgt. Gerade die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor macht diesen Roman zu einer ebenso klugen wie unterhaltsamen Lektüre, die noch eine Weile nachwirkt. 5/5 Sternen!

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Ein zauberhaftes Buch über Freundschaft und Mut und Abschied

Herwig und Elsie – Wo ist der große Zauberer?
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Das Buch „Herwig und Else. Wo ist der große Zauberer?“ von Ute Kraus (erschienen im cbj-Verlag im Februar 2026) ist wunderschön, ein wenig traurig und sehr hoffnungsvoll. Es erzählt davon, wie man Freunde ...

Das Buch „Herwig und Else. Wo ist der große Zauberer?“ von Ute Kraus (erschienen im cbj-Verlag im Februar 2026) ist wunderschön, ein wenig traurig und sehr hoffnungsvoll. Es erzählt davon, wie man Freunde und Mut findet, wie man Abenteuer besteht und wie aus einem Abschied ein Neuanfang wachsen kann.
Der kleine Hase Herwig wacht eines Morgens auf und der große Zauberer Hokus van Pokus ist verschwunden. Zurückgelassen hat er für Herwig nur einen Abschiedsbrief und einige Zauberutensilien. Herwig ist zunächst sehr verängstigt und fühlt sich schrecklich alleine. Doch schon bald macht er die Bekanntschaft mit der Elefantin Else. Nach anfänglichen Schwierigkeiten freunden die beiden sich schnell an und gemeinsame begeben sie sich auf die Suche nach Hokus van Pokus.
Auf allen Seiten gibt es kleinere oder größere Illustrationen von der Autorin selbst. Diese sind detailreich und mit größter Sorgfalt ausgeführt, so dass es überall etwas zu entdecken gibt. Herwig, Else und die übrigen Tiere und Menschen sind äußerst liebevoll gezeichnet und ergänzen den Text überaus stimmig.
Zwischen den Zeilen scheint durch, dass Hokus van Pokus verstorben ist, doch das steht nicht im Vordergrund. Wichtiger sind der Neuanfang und der Blick nach vorne. Es geht in der Geschichte darum, dass der kleine Hase die Angst vor „dem großen Unbekannten“ verliert, dass er lernt auf sich und seine Fähigkeiten zu vertrauen und neue Freunde findet.
Das Buch ist in 13 Kapitel unterteilt und eignet sich wunderbar als Gute-Nacht-Geschichte zum Vorlesen. Es ist voller Spannung und unerwarteter Wendungen, welche die Vorfreude und das Interesse auf das nächste Kapitel wachhalten. Ein bezauberndes Kinderbuch, das lange nachklingt. Daher aus vollem Herzen: 5/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Eine Geschichte wie eine russische Matroschka

Böser, böser Wolf
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Zunächst beginnt Böser, böser Wolf von Alexandra Benedict (erschienen im Tropen Verlag im Februar 2026) als klassischer Thriller aus unterschiedlichen Erzählperspektiven: der eines Entführungsopfers und ...

Zunächst beginnt Böser, böser Wolf von Alexandra Benedict (erschienen im Tropen Verlag im Februar 2026) als klassischer Thriller aus unterschiedlichen Erzählperspektiven: der eines Entführungsopfers und der einer Ermittlerin. Der Plot ist in drei Abschnitte unterteilt, doch mit dem zweiten Abschnitt beginnen wir, zwischen den Welten zu wandeln. Es entwickelt sich eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. Unterschiedliche Realitätsebenen sind miteinander verwoben und greifen ineinander, bis derdie Leserin sich zwischen den Ebenen wiederfindet. Geschichten und Märchen bekommen ein Eigenleben und verselbstständigen sich zusehends.

Ich würde das Buch als Fantasy-Thriller einordnen. Aufgrund der Genrezuweisung als Thriller habe ich jedoch etwas anderes erwartet und bis zuletzt gehofft, dass die Autorin die Kurve zurück in Richtung Realität bekommt. Das Ende hat mich daher ein wenig enttäuscht und meine Erwartungen nicht erfüllt.

Fazit: Sehr starker und spannender Beginn, zur Mitte hin eine durchaus überraschende Wendung – nicht nur im Plot, sondern auch im Genre. Als Thriller hat mich das Buch leider nicht abgeholt. 3/5 Sterne

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Raffiniert bis zur letzten Seite

Das Signal
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Ursula Poznanski ist eine echte Meisterin, wenn es darum geht, ihre LeserInnen in Atem zu halten. In ihrem neuesten Thriller Das Signal, erschienen bei Knaur im Februar 2026, ist Viola nach einem schweren ...

Ursula Poznanski ist eine echte Meisterin, wenn es darum geht, ihre LeserInnen in Atem zu halten. In ihrem neuesten Thriller Das Signal, erschienen bei Knaur im Februar 2026, ist Viola nach einem schweren Unfall an das Haus gefesselt. Sie hat mit ihrem Mann Adam ein altes Haus gekauft, das sie nun wieder herrichten. In einem Nebengebäude befindet sich ein baufälliger Weinkeller. Dieser bricht über Viola zusammen und zerquetscht ihr Bein, welches sie daraufhin verliert. Adam engagiert nach Violas Entlassung aus dem Krankenhaus eine Pflegerin und Haushaltshilfe, die bei den beiden einzieht und sich während er im Büro ist um Viola kümmern soll. Doch sowohl Adam verhält sich seltsam und so beginnt Viola ihrem Mann hinterherzuspionieren. Sie bestellt winzige GPS-Tracker, die ihr immer verraten wo er sich gerade aufhält und das stimmt leider so gar nicht mit dem überein, was er ihr über seinen Tag erzählt. Auch ihre Freundinnen und die Haushälterin benehmen sich merkwürdig. Steckt mehr dahinter oder fällt es ihnen nur schwer mit Violas Behinderung umzugehen?
Irrführend finde ich jedoch den Werbetext “Der neue Psychothriller in der Nachfolge der BURG - raffiniert, emotional, digital”. So dacht ich zunächst, dass es eine Fortsetzung von der Burg geben würde. Doch der Plot dieser beiden Bücher hat nichts miteinander zu tun. Zum Glück möchte ich sagen, denn Das Signal ist um Längen besser! Da war der weitere Vergleich zu Hitchock und dem Fenster zum Hof doch viel passender.
Ein Element, das mir besonders gut gefällt, ist die Nennung der Lieder und Interpreten wenn Viola ihre Übungen macht. Sie hat einen tollen Musikgeschmack und die Lieder, die ich nicht kannte, habe ich tatsächlich anschließend angehört und finde die Auswahl sehr spannend. Denn die Lieder passen wirklich immer wieder richtig gut zu den Situationen oder der Stimmung von Viola. Ich empfehle tatsächlich mal in die Lieder reinzuhören, die man selbst nicht kennt. Für mich war das eine wirkliche Bereicherung und ein sehr kreatives Element.
Ursula Poznanskis Schreibstil ist wie immer fesselnd, überaus flüssig und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Der Thriller ist super-spannend und ich war mehr als einmal auf dem Holzweg. Ich finde Psychothriller sehr spannend, in denen die ProtagonistInnen sich das Verhalten anderer selbst zusammenreimen müssen und Schlüsse daraus ziehen. Ich war echt traurig, als ich das Ende des Buches erreicht habe. Eindeutige Leseempfehlung und 5/5 Sternen.

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