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Veröffentlicht am 13.11.2020

In seiner eigenen Luftblase gefangen?

Das schüchterne Organ
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Etwas komplett anderes, wenn man den gebügelten, hochglänzenden Einheitsbrei satt hat! Einfühlsam, ernst ( aber nicht moralinsauer ), witzig!!!

Ruben leidet unter Paruresis. Was bedeutet das? Er kann ...

Etwas komplett anderes, wenn man den gebügelten, hochglänzenden Einheitsbrei satt hat! Einfühlsam, ernst ( aber nicht moralinsauer ), witzig!!!

Ruben leidet unter Paruresis. Was bedeutet das? Er kann in anderer Leute Anwesenheit nicht pinkeln. Sehr unangenehm, wenn man sich erleichtern muß, aber bei den Urinalen jemand ist oder hinzukommt.

Ruben ist eher introvertiert, was ihm die Teilnahme an Diskussionen ( engagiert isser ja! ) und das Anflirten von Frauen ungemein erschwert. Wenn die Probleme kommen und gedeihen, dann aber megaprächtig! Uah!

Drogen sind eine temporäre Lösung für seine Paruresis. Doch er lernt tatsächlich eine Frau kennen, Rosa und die zartenen seidenen Bande einer sein Herz umschlingenden Liebe blühen auf. Dann noch einen Altrocker, der ihn sehr ungewöhnlich zu coachen beginnt. Wird sich alles zum Besseren wenden? Wird sein schüchternes Organ ( seine bedauernswerte Blase ) in Gegenwart anderer endlich extrovertierter? Wird die Liebe ihn als Flächenbrand entflammen, bis all das, was ihn behindert, ein Häuflein Asche ist?

Marius Harrer hat einen außergewöhnlichen eleganten, charmanten Erstling auf die staunende Literaturwelt losgelassen. Und wer ihn noch nicht kennt, wird ihn noch ( auf positive Art selbstredend ) noch kennenlernen.

Er nimmt seinen Protagonisten Ruben ernst in dem Sinne, daß er ihn nicht lächerlich macht oder eindimensional darstellt. Er versteht es dennoch trotzdem, dem Leben, das an sich absurd ist, Humor abzugewinnen. Ein vielschichtiges, tiefgründiges Debüt! ( Wenn ich da an manch überschätztes anderes Debüt denke, die gleich unverdientermaßen mit Preisen überschüttet wurden, obwohl sie das Paper, auf dem sie gedruckt wurden, nicht wert sind! )

Ruben ist ein ganz eigener, aber sehr sympathischer Charakter, den ich gleich ins Herz geschlossen habe, authentisch inklusive seiner Genese.

Der Autor schafft es unter diesen Prämissen ein fluffiges Panorama unserer seltsamen Gegenwart zu entwerfen, die wir ohnehin alle kollektiv neurotisch sind, ja, es sein müssen, um zu überleben.

Das Buch liest sich gut weg, hat eine wunderbare Aura, ist informativ und unterhaltend, ohne bleiern zu sein.

Von diesem Autoren ist noch viel zu erwarten. Skurril, realistisch, ansprechend, witzig auf niveauvolle Art ( ohne jemals plump zu sein ) und liebenswert!

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Veröffentlicht am 13.11.2020

Frauen müssen immer eine Spur raffinierter sein! 😏

La Maitresse
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Ein schwelgerisches Buch mit einer starken Frau, die viel riskiert und gewinnt? Mit erotischer Spannung und eine gute Spiegelung der Societé!

Es bedeutet das Aus, der gesellschaftliche Tod, weil Minna ...

Ein schwelgerisches Buch mit einer starken Frau, die viel riskiert und gewinnt? Mit erotischer Spannung und eine gute Spiegelung der Societé!

Es bedeutet das Aus, der gesellschaftliche Tod, weil Minna Dupont es wagte, mit einem der meistgesuchten Männer Englands eine Affair fatal zu haben.

Zurück in den vertrauten Gefilden der französischen Hauptstadt versteht sie es, nach ihrem Sturz ihr Krönchen wieder zu richten und legt einen komplett neuen Grundstein ihres Lebens. Minna ist nicht auf den Kopf gefallen und sehr intelligent, geradezu raffiniert.

Sie nutzt geschickt neue Liaisons, um voranzukommen.

Aber die Vergangenheit, die ruhende Bestie, erwacht erneut zu fauchendem Leben ...

In einer formvollendeten, geschliffenen Sprache versteht es Freja Schaub sowohl die Gesellschaft zu spiegeln als auch ein Psychogramm einer ehrgeizigen Frau zu generieren.

Es ist verdichtet, aber nicht überfrachtet oder weitschweifig. Es entrollt eine epische Handlung.

Es ist spannend und kehrenreich. Man fiebert mit Minna mit. Die Emotionen sind greifbar. Liebe und Erotik kommen nicht zu kurz in jenen wilden 1970er Jahren.

Die dunklen Seiten kommen auch zum Tragen mit Verrat, Intrigen, Hass und Neid. Vielschichtig und fesselnd, realitätsnah sowie plastisch. Das Setting und die Protagonisten gehen eine perfekte Verbindung ein.

Logische Brüche bleiben aus und die Geschichte bleibt bis zum Ende in sich stimmig.

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Veröffentlicht am 13.11.2020

Wieviel Leid kann ein ?Mensch? ertragen? 😟😖

Tempel des Leids
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Düstere Dystopie und das Schicksal eines Mannes, der unendlich leiden muß, aber für entscheidende Änderungen den Anstoß gibt! Tolles Prequel

Dieses Buch ist eine Novelle von 109 Seiten und das Prequel ...

Düstere Dystopie und das Schicksal eines Mannes, der unendlich leiden muß, aber für entscheidende Änderungen den Anstoß gibt! Tolles Prequel

Dieses Buch ist eine Novelle von 109 Seiten und das Prequel zu Lew Marschalls Roman "Piloten des Zorns". Diese Geschichte hier ist also quasi die geistige Vorspeise.

Warum ich im Titel "Mensch" in Anführungszeichen gesetzt habe, erläutere ich noch.

Die Geschichte spielt in einer nicht so fernen Zukunft, plus, minus 230 Jahre circa. Aber es ist nicht fix auf ein Jahr festgelegt, weil es Rückblicke in die Vergangenheit des Tristo Berliner gibt.

Die Klimakatastrophe hat die Erde verheert und durch eine astronomische Katastrophe wurde der Mond zu einem nicht unerheblichen Teil zerstört. Die Erde ist ungeschützt, aber noch zum Teil bewohnt.

In jener Gesellschaft nennen sich die Mächtigen das Weltgericht und sind Menschen. Sie haben Klone erschaffen als Arbeitskräfte für die dreckigsten Jobs. Zum Beispiel die verseuchten Teile der Erde reinigen und damit wieder bewohnbar machen.

Obwohl die Klone sich in nichts von den Menschen unterscheiden außer in einigen physischen Eigenheiten, werden sie zwar von den Menschen benutzt, aber bestenfalls als Tiere angesehen und auch so behandelt bzw. mißhandelt.

Was macht ein Lebewesen zum Menschen? Diese Frage wird hier tiefgründig präsentiert. Und man liest fassungslos von ungeheuren Grausamkeiten gegen Klone, schon gleich zu Beginn, so daß einem der Atem stockt.

Kein Wunder, daß es Aufständische unter ebenjenen Klonen gibt, die sich das nicht länger gefallen lassen
wollen. Dem Icherzähler fallen wichtige Dokumente in die Hand, unter anderem das Tagebuch des Tristo Berliner, der aufwuchs und nicht wußte, daß er ein Klon ist. Es fängt schon mit sadistischen Mißhandlungen durch seinen vermeintlichen Vater an.

Dadurch baut sich Tristo ebenjenen Tempel des Leids in seiner Psyche, an den er sich zurückziehen kann, wenn das Leben harsch und brutal wird. Seine Geschichte erinnert an Hiob. Aber bitte nicht erschrecken! Es ist keine religiöse Story, die als Science Fiction verbrämt wurde. Es kommt zwar ein Engel darin vor, aber wahrhaftig nicht in einem spirituellen Kontext, sondern komplett anders, als man zunächst denkt.

Etwas sehr Wichtiges ereignet sich in Tristos Leben, das für die rebellischen Klone sehr wichtig ist und alles verändern kann ...

Das Buch hat Tiefgang und philosophischen Anspruch, indem er aufzeigt, daß Menschen es nicht lassen können, sich immer dadurch abgrenzen zu wollen, daß sie immerzu besser als ... sein wollen. Besser als Tiere, als Pflanzen, als Klone sowieso, besser als was auch immer. Was macht den Menschen zum Menschen? Dieses Thema wird hier faszinierend eruiert. Und sollte auch den Leser zum Nachdenken anregen, was er für "menschlich" hält. Oder eben nicht!

Wie er sich unter den gegebenen Umständen verhalten oder positionieren würde. Deswegen die Fragezeichen im Titel beim Wort "Mensch". Denn Tristo verhält sich und fühlt wie ein Mensch, ist aber "nur" ein Klon. Können diese überhaupt leiden? Diese Frage ist zynisch! Genau wie: Können Tiere Schmerzen spüren? Überhaupt denken, intelligent sein, empfinden? Bei solch blöden Fragen geht bei mir das mentale Klappmesser auf!

Eindringlich und intensiv hat Lew Marschall diese Novelle verfaßt. Das kann nicht kaltlassen. Und weil
es eben eine Novelle ist, sollte man keine epischen langen Schilderungen erwarten. Das habe ich auch nicht und deswegen bin ich eben nicht enttäuscht. Ich finde es genau richtig so. Die Schwarzweiß - Illustrationen sind noch ein zusätzliches Bonbon, vor allem die von dem Engel.

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Veröffentlicht am 13.11.2020

Eine immerzu feurige Wiederkehr! 🔥🔥🔥🔥🔥🔥🔥🔥

Der Schatten des Phönix
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Außergewöhnlich tiefsinnig, mit herrlichem Humor und unglaublicher Phantasie, ein Füllhorn der allerbesten Überraschungen, unvorhersehbar!!!

Von diesem Buch bin ich hin und weg sowie restlos begeistert. ...

Außergewöhnlich tiefsinnig, mit herrlichem Humor und unglaublicher Phantasie, ein Füllhorn der allerbesten Überraschungen, unvorhersehbar!!!

Von diesem Buch bin ich hin und weg sowie restlos begeistert. Am liebsten würde ich hundertundeinen Stern 🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟 vergeben!!!

Dieser listige österreichische Autor Tom Zausner hat hier ein wahrhaftes Kompendium der positiven Überraschungen auf die ahnungslosen Leser losgelassen! Jetzt bin ich froh, in dieses Buch initiiert zu sein! Ha!

Das Buch hat 568 Seiten und keine davon ist zuviel.

Tja, um was geht es? Es ist nicht ganz leicht, die komplexe Handlung auf eine relativ kurze Beschreibung herunterzubrechen, aber ich werde mein Bestes geben.

David Emmanuel, ein fünfundzwanzigjähriger promovierter Philosoph, rechte Hand und Assistent des Professors, der sein Förderer ist, an der Vilenzer Universität. Vilenz ( ein zwar fiktiver Stadtstaat, aber von massiv österreichischem Charme und Kultur geprägt! 😘 ) ist nicht außergewöhnlich, so scheint es. Eine Stadt Mitteleuropas wie viele andere auch? Ja, von wegen!

Erst hat David ( der übrigens rothaarig ist, was paßt! Wer das Buch liest oder bereits gelesen hat, weiß was ich meine ) eine verstörende Begegnung über philosophische Grundsatzfragen mit einem ihm unbekannten Altstudenten.

Dann begegnet ihm in der U-Bahn ein sprechendes Pferd und ein Brand, direkt neben ihm bricht aus. Diesen Riss in der vermeintlichen Realität begegnet David mit einem Stupor. Und landet in der Psychiatrie. In seinen Alpträumen oder Visionen oder anderen Dimension trifft David auf eine furchteinflößende Gestalt, die ihm offenbar Übles will.

Aus der Psychiatrie wird er von zwei mysteriösen Personen geholt und an einen merkwürdigen Ort gebracht, jedenfalls seltsam für David, der mehr auf Ratio und Beweise setzt, als auf alles andere. Ein geheimnisvoller magischer Geheimbund will David im Kampf gegen seinen besessenen Schatten helfen, der nur Schlechtes im Sinn hat.

Kann er ihnen vertrauen? Sagen sie die Wahrheit? Was ist Realität? Ist unsere Welt die einzige? Warum ist sein Schatten besessen und wer und warum zieht die Fäden?

Es ist ein uralter Fluch involviert, doch wie tangiert das David? Was hat seine Familie damit zu tun? Und wie hängen seine früheren Inkarnationen damit zusammen? Was wird ihm noch abverlangt werden?

Das Buch erreicht eine Tiefgründigkeit, die man in Fantasy gerne noch öfters hätte und man merkt, daß Tom Zausner Philosophie studiert hat, denn dieses Denken ist auf angenehme Weise eingeflossen. Es ist nicht akademisch geworden oder belehrend bzw. langweilig, sondern locker, aber stringent eingebunden. Viele der aufgeworfenen Fragen und deren möglichen Antworten haben viele von uns garantiert schon einmal abgewogen.

Inkarnation, andere Dimensionen, Sinnhaftigkeit, was Realität oder Denken überhaupt ist und wie man sich sicher sein kann, daß die Realität tatsächlich echt ist, die man gerade erlebt. Aber bedeutungsschwer bleiern wird das Buch keineswegs, weil ein unwiderstehlicher Humor wie ein Taifun die Handlung herrlich aufwirbelt. Klasse ironisch und wunderbar, wie Eigenarten und Schwächen von Menschen aufs Korn genommen werden!

Und dann noch all die anderen schönen Beigaben, die Erinnyen ( schön schräg! ), sprechende Sphingen, Engel und sprechende Engelsstatuen, Flaschengeister, verhextes Klo, Elementargeister, Magier, und und und.

Eine wahrhafte Fülle, die aber den Leser nicht erschlägt und ein Buch, daß zum Ende alles auflösend ein sehr passendes Ende hat. Melancholia mischt sich auch so manches Mal hinein. Und die österreichische Grammatik ( wie ich sie mal nenne ) sowie Ausdrücke geben dem Buch einen zusätzlichen Liebreiz, aber keine Angst, nicht Dialekt oder unverständlich, einfach nur der Wiener Geist Tom Zausners, der hier eingeflossen ist. Ein hypnotischer Schreibstil, sehr gut zu lesen und ungemein originell sowie auf positive Art ganz anders!!! 💀👻👹😈😇👼

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Veröffentlicht am 13.11.2020

Werden wir jemals unsere Stränge los?

Puppenspiel
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Neue Zukunft? Aber alte Bestie Mensch! Sehr fesselnd und in großartigem Tempo geschrieben! Klasse bis zum letzten Wort und Ausrufezeichen!!!

2040. Egidius Stahl, 60 ( also 1980 geboren, als es noch Wählscheiben ...

Neue Zukunft? Aber alte Bestie Mensch! Sehr fesselnd und in großartigem Tempo geschrieben! Klasse bis zum letzten Wort und Ausrufezeichen!!!

2040. Egidius Stahl, 60 ( also 1980 geboren, als es noch Wählscheiben gab ) ist pensioniert und noch von der alten Schule. Nun Privatdetektiv. Sein nächster Fall, den er annimmt, wird für ihn und sein Team, bestehend aus Bülent und Lizz ziemlich brisant.

Marion Mannwalter will eine Entführung beobachtet haben. Und es soll noch ein spurenloser Einbruch vorgefallen sein. Es gibt aber Indizien, daß die gute Frau nicht spinnt.

Egidius hat zur modernsten Technik ein eher gespaltenes Verhältnis. Etwas ist definitiv im Busch beim jüngsten Fall. Nicht nur Marion, sondern auch die Schnüffler, sowie der deutsche Außenminister schweben schon bald in tödlicher Gefahr. Aber warum bloß?

Andreas Aschberg hat die Genese der Technik für die nächsten Jahre konsequent weitergedacht und diese seine Vision ist gar nicht einmal so unwahrscheinlich.

Aber unter der Oberfläche von Science Fiction entwickelt sich doch ein schöner old school Krimi, der ironischen und sarkastischen Humor pflegt sowie Bezüge zur Populärkultur aufweist.

Das Buch gefällt mir sehr gut, weil er in sich schlüssig und spannend ist. Wunderbar knurrige, aber sympathische Hauptprotagonisten bevölkern das Buch. Ein Echo an Raymond Chandler wird geweckt.

Der Erzählbogen wird konstant hoch und niveauvoll gehalten. Aber es ist noch weit mehr als ein Krimi, mit Emotionen und fundierter Gesellschaftskritik an verschiedensten Aspekten.

Ein rasantes Tempo und sehr gut lesbar sowie einnehmend flogen die Seiten nur so dahin!

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