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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2017

rasant und fesselnd, allerdings fragwürdiges Ende

The Couple Next Door
1

Ein Szenario wie es immer und überall vorkommt. Zwei Nachbarsfamilien, die Tür an Tür wohnen, treffen sich zu einem geselligen Abend. Die neugeborene Tochter liegt im Babybettchen, das Babyphone ist mit ...

Ein Szenario wie es immer und überall vorkommt. Zwei Nachbarsfamilien, die Tür an Tür wohnen, treffen sich zu einem geselligen Abend. Die neugeborene Tochter liegt im Babybettchen, das Babyphone ist mit auf der Feier dabei und alle halbe Stunden sieht ein Elternteil nach ihr.

Soweit alles in Ordnung – nichts verwerfliches.
Im Gegensatz zu Marco hatte Anne allerdings von Anfang an keine Lust auf die Feier und noch dazu ein schlechtes Gewissen ihr Kind allein zu lassen. Der Babysitter ist kurzfristig aus privaten Gründen abgesprungen und Anne hadert lange mit sich ob sie denn überhaupt zur Feier soll.

Das Buch macht kein Geheimnis daraus, dass die Eltern als sie nach Hause entdecken müssen, dass die Haustür offen steht und Cora verschwunden ist. Ziemlich schnell nimmt die Story so an Fahrt auf und es scheint nichts so wie es scheint.

Es wird immer wieder aus den verschiedenen Perspektiven erzählt, vor allem die des Detecive Rasbach hat mich voll und ganz überzeugt. Er merkt sofort, dass etwas ganz und gar nicht stimmt und er fragt sich ob die Entführung nicht vielleicht geplant war – kann sich aber, wie auch wir Leser, keinen Reim darauf machen.

Anne wird im Laufe des Buches immer mehr zum psychischen Wrack. Man blickt ein wenig in ihre verstörende Vergangenheit und lernt ihre Eltern kennen, die der ganzen Beziehung mit Marco eher skeptisch gegenüber stehen. Vor allem der Vater Richard macht keinen Hehl darauf Marco nicht zu mögen.

Während wir Marcos Passagen lesen erfahren wir etwas über seine Firma und die brisante finanzielle Lage.

Der Kreis der Geschehnisse zieht sich immer weiter zusammen und die ganze Tragik kommt zum Tragen. Auch der Buchtitel „The Couple next door“ erschließt sich erst gegen Ende des Buches. Denn außer am Anfang bei der Geburtstagsfeier tauchen Cynthia und Graham so gut wie gar nicht auf. Dafür viele andere Personen und es ist erstaunlich wie alles zusammen hängt.

Das Buch ist rasant und fesselnd geschrieben und die verschiedenen Sichtweisen der Akteure sind sehr gelungen. Auch sind die Handlungen der jeweiligen Personen in einer solchen Ausnahmesituation eher nicht zu hinterfragen.

Einziger Minuspunkt ist für mich das Ende - bzw. vielmehr eigentlich der letzte Satz. Auch wenn es sicherlich im Verlauf der Story Andeutungen dafür gab, es passte irgendwie so gar nicht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

herrlich unterhaltsamer Krimi

Tante Poldi und die Früchte des Herrn
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Tante Poldi ist genau so, wie man sich eine knatterige alte Dame vorstellt die auf eigene Faust ermittelt. Poldi raucht, trinkt, flucht, hat Männergeschichten und kann vor allem selbst viel vom Leben erzählen. ...

Tante Poldi ist genau so, wie man sich eine knatterige alte Dame vorstellt die auf eigene Faust ermittelt. Poldi raucht, trinkt, flucht, hat Männergeschichten und kann vor allem selbst viel vom Leben erzählen. So ist es auch, dass der ganze Fall nicht etwa in Echtzeit passiert sondern der Neffe, der die Tante in Sizilien besuchte, erzählt diese Geschichte. Und der hat sie natürlich zuvor aus erster Hand von Poldi erfahren. Und während sie also erzählt gibt sie ihrem Neffen nebenbei noch Tipps, denn dieser möchte Schriftsteller werden.
Ein besonderer Clou ist bei diesem Buch, dass jedes Kapitel eine kleine Zusammenfassung vorab hat was den Leser in etwa erwartet.
Ich gestehe, der Fall selbst hat mich tatsächlich nur nebensächlich interessiert. Viel mehr habe ich mich an Poldis Dialekt, den ungläubigen Kommentaren des Neffen und die herrliche Schreibweise erfreut. Vor allem die Treffen mit dem Tod in Kapuzenpulli sind das Lesen wert! "Lecktsmialleamarsch"

Und überhaupt sind alle Charaktere sympathisch und stimmig gewählt. Wenn man von Poldi und Montana liest ist es schwer vorstellbar in welchem hohen Alter sich die Dame befindet. Natürlich torpediert sie mit ihren Alleingängen (bzw. zusammen mit ihrem Ermittlerteam) hin und wieder auch die offiziellen Ermittlungen. Auch Wein und die Mafia dürfen nicht fehlen und auch ein bisschen historisches über Sizilien bekommt man vermittelt.

Das Buch lebt eher von seine Situationskomik als von einem spannenden Kriminalfall, der natürlich am Ende dennoch gelöst wird. Ich kenne den ersten Band nicht, ich würde aber behaupten, dass man diesen auch nicht benötigt. Figuren die damals schon vorkamen werden auch hier kurz vorgestellt.
Abgerundet durch ein wirklich treffendes Cover. Tante Poldi mit Perücke, der handbemalten Vespa und natürlich auch mit einer Flasche Wein im Gepäck

Für mich eine Leseempfehlung! Kein hochspannender Krimi wo man bis zum Schluss völlig im dunkeln tappt, aber eine herrlich komische, lockere leichte Geschichte die jeden Leser zum Schmunzeln bringen wird.