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Veröffentlicht am 31.03.2023

Wenn Engel schweigen

Der Junge von Angel Falls
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Dieser Roman von Kristin Hannah ist wieder ein berührender, romantischer und unheimlich dramatischer Roman über eine Familie, die sehr überraschend aus ihrem Leben herausgerissen wurde.»Der Junge von Angel ...

Dieser Roman von Kristin Hannah ist wieder ein berührender, romantischer und unheimlich dramatischer Roman über eine Familie, die sehr überraschend aus ihrem Leben herausgerissen wurde.»Der Junge von Angel Falls« von Kristin Hannah ist ein berührender, romantischer und unheimlich dramatischer Roman über eine Familie, die sehr überraschend aus ihrem Leben herausgerissen wurde.

Bret ist neun Jahre alt. Es ist Halloween und er zieht schon am Morgen im Pferdestall seine Cowboykleidung an, in der er am Abend um Süßes und Saures schnorren möchte.

Seine Mutter Mikaela kommt in den Stall, um auf ihrem Lieblingspferd eine einen kleinen Ritt zu machen. Das Pferd muss bewegt werden. Mika peppelt heruntergekommene Pferde wieder auf und ist glücklich damit.

Das Pferd erschreckt sich, bäumt sich auf und Mika fällt herunter. Sie schlägt mit dem Kopf gegen den Zaun. Bret eilt zu ihr und bleibt starr, als er nur das geöffnete Auge seiner Mutter sieht. Sie bewegt sich nicht mehr.

Liam und Jacey, Brets Vater und Schwester, eilen herbei und rufen den Notarzt.

Die Mutter liegt wochenlang im Koma und ihre Familie versucht alles, sie in die Welt zurückzuholen. Doch alle Versuche, zu ihr durchzudringen, scheinen zu scheitern.

Kristin Hannah erzählt von den verworrenen Gefühlen und Beziehungen dieser lieben Menschen, die versucht haben, eine Familie zu sein. Liam wusste zwar, dass er nicht der erste Ehemann für Mikaela war. Aber Mika hat ihm und den Kindern nie erzählt, wer ihr erster Mann war.

Die Tochter Jacey, die Liam kennengelernt hatte, als sie 4 Jahre alt war, erfährt, dass alles in ihrem Leben eine Lüge war.

Bret versteht nicht, was mit seiner Mutter passiert ist. Er hält sie für tot, will sie auch nicht besuchen und kann mit ihrem Komazustand gar nicht umgehen. Wie soll er es mit 9 Jahren auch?

Alle sind froh, dass Mikas Mutter Rosa gekommen ist, um die kleine Familie zu unterstützen. Liam hätte nicht gewusst, wie er es allein hätte schaffen sollen.

Kristin Hannah erzählt sinnlich und feinfühlend. Man kann die Reaktionen und das Verhalten der agierenden Figuren vor dem inneren Auge sehen und sehr gut nachvollziehen. Obwohl sich viel in den Gedanken der Leute abspielt, gibt es in der Handlung stets neue Überraschungen. Die zentrale Frage wandelt sich von „Wird Mika aufwachen?“ zu „Wird die Familie zerbrechen?“

Die dramatischen Konflikte sind unübersehbar und sehr gut von Kristin Hannah gefühlsbetont an die Leser gebracht.

Es ist ein herzzerreißender Roman, bei dem die Romantik nicht einfach nur zu einem Liebesroman führt. Ein toller Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 24.03.2023

Voller Humor und Leidenschaft

Der Gärtner von Wimbledon
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Der Roman von Jane Crilly ist einer der anrührendsten und tragischsten Liebesromane, den ich gelesen habe. Er wird garantiert zu meinen Favoriten in diesem Jahr zählen, obwohl das Jahr noch sehr jung ist.

Es ...

Der Roman von Jane Crilly ist einer der anrührendsten und tragischsten Liebesromane, den ich gelesen habe. Er wird garantiert zu meinen Favoriten in diesem Jahr zählen, obwohl das Jahr noch sehr jung ist.

Es beginnt alles mit einer Journalistenklammer, die die eigentliche Geschichte umrahmt und in der Gegenwart spielt. Die Ich-Erzählerin schreibt für ein Magazin eine Kolumne mit wahren Liebesgeschichten. Doch dann verliert sie diesen Job wegen Umstrukturierungen. Ihr Chef aber vermittelt ihr einen neuen Auftrag. Leider nur eine einmalige Sache, für vier Seiten. Der Gärtner von Wimbledon geht nach 50 Jahren in den Ruhestand. Sie soll ihn interviewen und ein Porträt daraus machen. Henry Evans, der Gärtner, stimmt dem Interview und Porträt zu. Die Journalistin trifft sich mit ihm und er erzählt ihr seine Geschichte.

Damit beginnt nun die eigentliche Geschichte, die sich über den Zeitraum von 1938 bis 1946 hinzieht. Henry ist noch ein kleiner Junge, als die Mutter viel zu früh stirbt. Der Vater zieht mit ihm von der großen Stadt auf’s Land. Er wird Gärtner auf Blake Hall. Henry wächst zwischen all den Angestellten der Herrschaften auf. Aber nicht nur zwischen ihnen, sondern auch mit der Tochter der Blakes, die nur wenige Monate älter als er ist. Für Henry ist dies eine ganz neue Welt und er muss lernen, dass es unterschiedliche Klassen von Menschen gibt. Aber zwischen Rose und ihm entsteht eine ganz besondere Beziehung. Ist es nur Freundschaft? Oder ist da mehr? Auch nach Jahren kann sich Henry diese Frage nicht beantworten.

Jane Crilly hat einen ganz sanften, aber emotional starken Roman geschrieben. Der Humor, der in den Köpfen der Kinder und später Jugendlichen steckt, zeigt immer wieder die vielen kleinen Freuden, die zwischen all den Konflikten und Dramen liegen. Die Dialoge sind lieblich und amüsant. Die Gedanken der Protagonisten sind ernst, die Themen tiefgründig. Das Ausbrechen aus den gesellschaftlichen Regeln scheint für alle schwer.

Da Henry der Sohn vom Gärtner ist, aber mit der Tochter des Hauses, die einmal Wimbledon gewinnen möchte, Tennis spielen darf, kommt in diesen Roman ein Gefühl von „Downton Abbey“ auf. Beide Gesellschaftsschichten werden beleuchtet und die Geschichte spielt sich dazwischen ab.

Das Ende der Geschichte des Gärtners berührt emotional sehr stark. Doch wenn man schließlich in der Gegenwart erfährt, wie und warum Henry der Gärtner von Wimbledon geworden ist, stimmen alle Sätze die Leser wieder versöhnlich.

Ein umwerfender Roman mit einer anrührenden Liebesgeschichte zwischen all den ernsten Themen, wie sie wohl besonders in der britischen Gesellschaft hervortreten.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 17.03.2023

Fischland: Verbrechen vom Feinsten

Der Strand: Verraten
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Dies ist der zweite Teil der Fischland-Trilogie von Karen Sander, in der es um die gehörlose junge Frau Lilli Sternberg geht.

Fast alle Bewohner des fiktiven Ortes Sellnitz hatten sich an der Suche beteiligt. ...

Dies ist der zweite Teil der Fischland-Trilogie von Karen Sander, in der es um die gehörlose junge Frau Lilli Sternberg geht.

Fast alle Bewohner des fiktiven Ortes Sellnitz hatten sich an der Suche beteiligt. Aber die Suche war ergebnislos geblieben. Der Fall soll zu den Akten gelegt werden. Doch nicht nur der Ermittler Tom Engelhardt sträubt sich dagegen. Seine Kollegin Mascha Krieger aus dem LKA in Schwerin lässt sich für eine Woche beurlauben, um auf eigene Faust weiter in Sachen Sternberg zu ermitteln.

Schließlich bekommen sie offiziell doch noch eine weitere Woche für diesen Fall.

Währenddessen wird eine weibliche Leiche an den Ostseestrand gespült. Dass es sich dabei um Lilli Sternberg handeln könnte, lässt alle den Atem anhalten. Doch die Spuren ergeben, dass es sich nicht um die vermisste Frau handelt. Dafür liegt eine weitere Tote vor den Ermittlern.

Karen Sander schafft in dieser Trilogie drei spannende Thriller, die zwar jeder für sich gelesen werden können, aber zusammen ein umso besseres Bild ergeben. Die Suche nach der Vermissten zieht sich über alle Romane. In jedem einzelnen Roman bleiben noch so viele Tote, Verbrechen und Konflikte, dass sowohl das Ermittlerteam als auch die Leser sehr viel Raum für Spannung und Spekulation erhalten. In jedem Roman gibt es Fälle, die für sich genommen aufgelöst werden müssen. Sie sind schon spannend genug. Aber die Vermisste über alle drei Romane hinweg gibt der Trilogie noch den Kick.

Die regionale Verortung auf dem Fischland finde ich persönlich besonders interessant als jemand, der dort viele Jahre gelebt und studiert hat.

Karin Sander bietet wieder mal pure Spannung mit Geschichten die man nicht missen sollte. Ich freue mich schon auf den dritten Teil dieser Reihe.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

Veröffentlicht am 13.03.2023

Familien in zwei Diktaturen

Mit aller Macht
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Dieser Roman von Rainer Wittkamp ist posthum erschienen und herausgegeben aus seinem Nachlass von Günter Butkus und Alexander Häusser. Für die Veröffentlichung dieser Geschichte, die sich der jüngeren ...

Dieser Roman von Rainer Wittkamp ist posthum erschienen und herausgegeben aus seinem Nachlass von Günter Butkus und Alexander Häusser. Für die Veröffentlichung dieser Geschichte, die sich der jüngeren deutschen Historie annimmt, war dem Schriftsteller und Drehbuchautor leider keine Zeit mehr geblieben. Er starb 2020 überraschend und viel zu früh.

Peter Körber, Kind aus dem Zweiten Weltkrieg, wächst bei seinen Stiefeltern in Ostberlin auf. Sein Stiefvater ist linientreu der Partei und dem Staat gegenüber. Er lenkt Peter auf den richtigen Weg, fördert dessen Karriere. Eine frühe Begegnung mit dem Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, prägt Peters Lebensweg. Bis zu einem entscheidenden Ereignis, in dem er von seinem leiblichen Vater erfährt.

Sein leiblicher Vater war in der Zeit des Nationalsozialismus Henker im Auftrag der deutsche Regierung.

Die Geschichten von Vater und Sohn sind weitestgehend als zwei separate Geschichten erzählt. Die des Vaters beginnt, nachdem der Sohn von seinem leiblichen Vater erfährt. Aber erst in einem dritten Teil erfährt der Leser, wie der Sohn mit dem Wissen um seinen leiblichen Vater umgehen wird. Überraschungen sorgen für weitere Spannung und bieten ein überraschendes Ende.

Rainer Wittkamp erzielt einen Familiendrama über zwei Generationen hinweg. Detailliert zeigt er den Zwiespalt zwischen den privaten Interessen einerseits und dem vom Staat aufgezwungenen Erfordernissen andererseits. Vater und Sohn werden zu Schritten gedrängt, die sie im Innersten nicht wirklich wollten. Aber um Leben zu können, fügen Sie sich in die Notwendigkeit und scheinen daran zu zerbrechen.

Anhand beider Figuren zeigt der Autor nachvollziehbar, wie aus unbescholtenen zukunftsgewandten Menschen ohne ihr wirkliches Wollen Täter werden. Und trotzdem stellen siech auch diese Täter die Frage, ob das denn wirklich so schlimm war, was sie gemacht hatten. Schließlich mussten sie es doch machen.

Besonders den Teil um Peter Körber im Berlin der DDR fand ich sehr authentisch und nachvollziehbar geschrieben. Eine Fähigkeit, die nicht jedem im Westen geborenen Autor liegt. Rainer Wittkamp beweist mit dieser Geschichte, dass er es konnte.

Der Roman versucht, die Schwarz-Weiß-Sichtweise, wie sie auch heute immer wieder praktiziert wird, in viele Grautöne aufzulösen. Er zeigt, dass man Menschen nicht immer nach dem ersten Bild beurteilen sollte.

Ein beeindruckender und lesenswerter Roman, der bei Pendragon erschienen ist.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 21.02.2023

wenn aus einem Urlaub ein Albtraum wird

In blaukalter Tiefe
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Mit diesem Roman lockt die Autorin Kristina Hauff ihre Leser auf einen Segeltörn. Sie beschreibt die Schönheit einer solchen Reise mit emotionalem Engagement, obwohl es in der Handlung alles andere als ...

Mit diesem Roman lockt die Autorin Kristina Hauff ihre Leser auf einen Segeltörn. Sie beschreibt die Schönheit einer solchen Reise mit emotionalem Engagement, obwohl es in der Handlung alles andere als beschaulich zugeht.

Der Rechtsanwalt Andreas einer Kanzlei hat den Segeltörn zum Kitten seiner Ehe mit Caroline organisiert. Zusätzlich hat er einen frisch in der Kanzlei angestellten Anwalt und dessen Freundin eingeladen. Drittes Ehepaar beim Segeln sollten der Skipper und dessen Frau sein. Doch letztere ist krankheitsbedingt abgemeldet.

Andreas ist ein Mensch, der es genießt, wenn andere zu ihm aufschauen. Das sollte auch seine Frau. Aber nicht mal dieser Segeltörn bringt sie dazu, ihrem Mann mit einem lobenden Wort zu schmeicheln. Gut, dass er den Angestellten eingeladen hat. Dieser himmelt ihn an, weil er gerne Partner in der Kanzlei, also Teilhaber statt Angestellter, sein möchte.

Doch die Enge auf dem Segelboot wird für die fünf Menschen an Bord zu einer Zerreißprobe.

Den Formulierungen der Autorin kann man die Liebe zum Detail entnehmen. Sie beschreibt einen Mikrokosmos von Beziehungen, Befindlichkeiten, Verflechtungen und Abhängigkeiten, wie sie Menschen nur erleben, wenn sie ihren Aufenthaltsort nicht verlassen können. Wenn Menschen in kritischen Situationen nicht voreinander fliehen, sich aus dem Weg gehen können, kommt es unweigerlich zu emotionalen Sprengstoff. Kristina Hauff hat solch eine Situation wie durch eine Lupe betrachtet detailgenau beschrieben.

Um dies zu erreichen, wird für die Sicht auf das Geschehen die Perspektive gewechselt. Die Kapitel sind jeweils mit dem Namen der Figur überschrieben, aus deren Sicht es geschildert wird. Elegant wird manchmal das Ende des vorhergehenden Kapitels in das neue übernommen.

Besonders schön fand ich die Klammer um die Haupthandlung herum, die aus einem Prolog und einem Epilog besteht. Diese Klammer beschreibt das Geschehen sechs Wochen nach dem einschneidenden Ereignissen, liegt also in der Gegenwart, während die Haupthandlung bereits vergangen ist. So wird im Prolog bereits deutlich, dass einige Wochen zuvor etwas Schreckliches passiert sein muss. Bis zum vorletzten Kapitel erfährt man dann, was an Bord der Yacht passiert und wie sich die Menschen aneinander reiben. Doch die letzte Auflösung gibt es dann im letzten Kapitel als Epilog. Das ist wunderbar konstruiert.

Der Roman macht Lust auf Segeln und gibt Einblicke in menschliche Abgründe. Er zeigt aber auch Wege aus den Tiefen heraus. Einfach nur empfehlenswert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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