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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.11.2025

Herausragende Trivialliteratur

Zwei Leben
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Nachdem dieses Buch in der Presse gelobt wurde, habe ich es erst einmal beiseite gelegt. Meine Erfahrung besagt, dass solche Titel entweder nichts taugen oder um Preise betteln. Oft beides zur gleichen ...

Nachdem dieses Buch in der Presse gelobt wurde, habe ich es erst einmal beiseite gelegt. Meine Erfahrung besagt, dass solche Titel entweder nichts taugen oder um Preise betteln. Oft beides zur gleichen Zeit.

Hier ist das ganz anders. Einen Preis wird dieses Buch sicher nicht erringen, denn es orientiert sich sehr geschickt am Publikumsgeschmack. Es ist weder anstrengend, noch geht es einem auf die Nerven. Es unterhält einfach sehr gut. Und es spricht empathische Menschen raffiniert an. Mancher soll sogar Tränen verdrückt haben. Aber es bleibt letztlich Unterhaltungsliteratur wie sie massenweise jedes Jahr auf den Markt kommt. Doch im Gegensatz zur Massenware, die meist schlecht geschrieben und umständlich konstruiert ist und kaum die Gefühle der Leser anspricht, geht es bei Arenz direkt zur Sache.

Wie bei dieser Art von Literatur üblich, ist die Handlung so konstruiert, dass man auch kaum etwas falsch verstehen kann. Alles greift direkt und geschickt ineinander. Für die Komplexität mancher Lebenssituation bleibt da kein Platz. So funktioniert Trivialliteratur nun einmal. Das muss man nicht hochnäsig von oben betrachten, denn diese Bücher wollen Menschen Unterhaltung und Freude bringen. Was soll daran schlecht sein?

Ich habe schon jede Menge dieser Literatur gelesen und rezensiert. "Zwei Leben" sticht dabei jedoch deutlich heraus. Natürlich ergeben sich auch Schwächen. Beispielsweise wird das familiäre Umfeld von Roberta (abgesehen von ihrem Großvater) nur sehr unscharf beschrieben. Da bei dieser Art von Literatur jede Figur nur eine bestimmte Rolle für die Handlung spielt, aber bis auf die Hauptdarsteller kein wirkliches Eigenleben besitzt, bleiben stets Fragen offen. Mir ist beispielsweise nicht ganz klar geworden, was genau Roberta zum Ausbruch aus dem bäuerlichen Leben brachte. Da dieser Ausbruch aber bereits nach wenigen Seiten festzustehen schien, fragt man sich das wahrscheinlich dann auch nicht mehr. Bei ihrer Verbundenheit mit dem Land, hätte man größere Qualen bei dieser einschneidenden Entscheidung erwartet.

Die Tragik innerhalb der Geschichte wird früh und gleich mehrfach angekündigt. Man weiß eigentlich mit ein wenig Erfahrung, was später passieren wird. Arenz überlässt nichts dem Zufall. Überraschungen und Unbestimmtheiten sind nicht vorgesehen in diesem Genre.

Kurz gesagt: Insbesondere für Frauen ist das hervorragende Unterhaltungsliteratur mit einem nur scheinbaren Anspruch auf Tiefgreifendes. Meine Bewertung richtet sich an diese Zielgruppe.

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Veröffentlicht am 22.11.2025

Einzigartig und völlig unerwartet

Die wunderbaren Gärten von Cornwall
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Beim ersten Betrachten der Bilder war ich verblüfft. Diese Pflanzenwelt hätte ich in Südeuropa, aber niemals in England erwartet. Das lokale Klima, angetrieben von Golfstrom, bietet sogar passende Lebensbedingungen ...

Beim ersten Betrachten der Bilder war ich verblüfft. Diese Pflanzenwelt hätte ich in Südeuropa, aber niemals in England erwartet. Das lokale Klima, angetrieben von Golfstrom, bietet sogar passende Lebensbedingungen für exotische Gewächse, die in England nicht heimisch sind. Sie wurden vor langer Zeit bereits aus den ehemaligen englischen Kolonien auf die Insel gebracht.

Dieser Bildband zeigt und erklärt 20 private Gärten Cornwalls, wobei Gärten nicht der richtige Begriff zu sein scheint. Es sind eher Parks, angelegt von Landschaftsgestaltern und Gärtnern der englischen Oberschicht. Selbst der botanisch ungebildete Betrachter dieses Buches wird aus dem Staunen nicht herauskommen. Und die Liebhaber dieses Landstrichs werden sich in ihrer Zuneigung bestätigt fühlen.

Da der Autor schon lange in Cornwall lebt und vom Fach ist, kann man sich auf eine professionelle Beschreibung dieser nicht für jeden zugänglichen Gärten freuen. Für Liebhaber der englischen Gartenkultur und für alle Pflanzenfreunde ist das ein wunderbares Buch. Und natürlich für Cornwall-Fans.

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Veröffentlicht am 22.11.2025

Mutige Idee

Hinter dem Zeitenspiegel
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Offenbar hat es sich die Autorin zur Aufgabe gemacht die japanische Mythologie in Kinderbüchern zu verarbeiten. Ich finde diese Idee mutig, jedenfalls wenn man sie außerhalb von Japan verwirklicht, da ...

Offenbar hat es sich die Autorin zur Aufgabe gemacht die japanische Mythologie in Kinderbüchern zu verarbeiten. Ich finde diese Idee mutig, jedenfalls wenn man sie außerhalb von Japan verwirklicht, da man als Leser in eine recht fremde und deshalb ungewöhnliche Welt mitgenommen wird. Wenn es dann nicht gelingt Spannung zu erzeugen, dann wird die ganze aufgezogene Geschichte schnell langweilig.

Und genau das passiert der Autorin. Komischerweise gleich am Anfang, noch in der Gegenwart und noch in den USA, wo die Autorin lebt. Die Geschichte kommt nur zäh in die Gänge. Als Yuki dann den Zeitsprung in die Vergangenheit durch den Spiegel geschafft hat, wird es auch erst mal nicht besser. Yuki tritt in Geschehnisse ein, die auf die japanische Mythologie und ein besonderes Buch aus diesem Kreis zurückgehen. Als sie einen Poetenwettbewerb gewinnt soll sie Hohepriesterin der Dichtkunst werden. Allerdings weiß sie zunächst nicht, was das für sie bedeutet. Nichts Gutes nämlich, wie sie bald erfahren wird.

Erst dann gewinnt die Geschichte an Spannung, denn Yuki würde nun gerne aus dieser Zeit verschwinden und in die Gegenwart zurückkehren. Davor stehen jedoch zahlreiche Hindernisse.

Um es kurz zu machen: Die Idee zu diesem Buch ist schon mutig, und die Umsetzung zeigt erwartungsgemäß Schwächen. Besonders spannend fand ich es nicht. Und irgendwie ist es auch aus der Zeit gefallen, was angesichts der Idee nicht verwundert.

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Veröffentlicht am 22.11.2025

Die Rettung der Welt, der x. Versuch

Mondia-Dilogie 1: Silent Secrets
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Was braucht man, wenn man solche Geschichten erfinden will? Ein Schema natürlich. Entweder gibt es irgendwo eine Lehranstalt dafür, oder aber man kann abstrakt denken und sieht die Strukturen bei anderen ...

Was braucht man, wenn man solche Geschichten erfinden will? Ein Schema natürlich. Entweder gibt es irgendwo eine Lehranstalt dafür, oder aber man kann abstrakt denken und sieht die Strukturen bei anderen Romanen dieser Gattung und wiederholt sie einfach in einer anderen Form.

Hier also wird die Welt durch eine riesige Bibliothek zusammengehalten, die sich in einer Höhle unterhalb von Paris befindet und die in gewisser Weise lebt. Mit einem Herz aus Zahnrädern, wie es so schön heißt. Aber natürlich braucht diese Bibliothek nicht nur Bibliothekare, sondern auch Wesen, die ihre Funktionalität verstehen. Das letzte Wesen dieser Art ist gerade verstorben, was zu einem riesigen Chaos auf der Welt geführt hat. Die Bibliothek verschließt sich, Notre Dame ist eingestürzt, Vulkane brechen aus. Man kann darüber lachen oder diese Konstruktion in ihrem ganzen Schwachsinn akzeptieren und den Roman als Fantasy lesen.

Natürlich bleibt es nicht bei diesem Chaos. Es findet sich eine weitere Ripari, so heißen die Wesen, die sich in den Geheimnissen der Bibliothek auskennen. Nur hat sie keine Ahnung von ihrem Schicksal, was die Sache natürlich interessant macht. Die verschlossene Bibliothek muss dringend wieder geöffnet werden, sonst droht der Weltuntergang. Dazu braucht es einen Schlüssel, den man aus verschiedenen Komponenten zusammensetzen muss. Und diese Komponenten muss man erst einmal finden.

Bei dieser Suche tritt der nächste Spannungseffekt ein, denn die Bibliothekare haben mächtige Feinde, die offenbar vor nichts zurückschrecken und zu Mord und Totschlage neigen. Damit hat man alle Komponenten für eine Geschichte, die man nun nur noch spannend erzählen muss. Das gelingt der erprobten Autorin auch leidlich. Und ehrlich: Ich bewundere Menschen, die solche Geschichten über fast 500 Seiten ausbreiten können. Da es sich hier um den ersten Teil handelt, kann man getrost von der doppelten Seitenzahl am Ende ausgehen.

Natürlich wird alles gut ausgehen. Das kann man auch ohne die Kenntnis der Fortsetzung bereits wissen. Egal – spannende Unterhaltung ist es dennoch. Jedenfalls dann, wenn man solche Romane liebt. Geschickt gemacht und gut geschrieben.

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Veröffentlicht am 19.11.2025

Der Baum in der Kunst – ein faszinierender Bildband

BÄUME - Der Atem der Welt
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Der Baum in der Kunst – ein faszinierender Bildband

Schon einmal bin ich auf einen solchen Titel hereingefallen und habe mich dann über einen faszinierenden Bildband gefreut. Man denkt ja bei diesem Titel ...

Der Baum in der Kunst – ein faszinierender Bildband

Schon einmal bin ich auf einen solchen Titel hereingefallen und habe mich dann über einen faszinierenden Bildband gefreut. Man denkt ja bei diesem Titel nicht an Kunst, aber ich hätte es besser wissen müssen, denn der Verlag brachte schon einmal einen solchen Band heraus. Damals ging es um Vögel in der Kunst.

Bäume besitzen einen sehr beruhigenden Einfluss auf Menschen. Gelegentlich sind sie sehr alt, hoch und mächtig im Umfang. Im Buch findet man dafür Beispiele. Was mag ein Baum, der über 3000 Jahre alt ist, schon alles erlebt und gesehen haben, wenn er denn dazu fähig wäre? Man steht voller Ehrfurcht vor einem solchen Lebewesen. Aber auch ein ganz gewöhnlicher Wald besitzt eine ungeheure Wirkung auf Menschen, wenn sie es denn zulassen. Und natürlich inspirieren Bäume insbesondere Künstler. Das Buch zeugt davon.

Auf über 300 Bildern kann man bewundern, wie Maler, Fotografen, Grafiker oder andere Künstler dieser Inspiration gefolgt sind. Es gibt dabei kein System. Jedenfalls habe ich keins entdeckt. Und vermutlich war das eine geniale Absicht, denn man weiß einfach nicht, was einem auf der nächsten Seite erwartet. Gerade dieser Überraschungseffekt macht das Buch noch interessanter, weil man gerne weiterblättert. Dann sieht man ein neues Bild, das man erst einmal für sich entdecken muss. Liest man dann den darunter stehenden Text, freut man sich in den meisten Fällen über weitere Erkenntnisse.

Das Buch ist insofern nicht nur ein visueller, sondern auch ein intellektueller Genuss.

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