Platzhalter für Profilbild

Dr_M

Lesejury Profi
offline

Dr_M ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Dr_M über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.10.2025

Relative Armut für alle oder relativer Wohlstand für die Mehrheit am Beispiel von Polen und Vietnam

Warum Entwicklungshilfe nichts bringt und wie Länder wirklich Armut besiegen
0

Dieses Buch ist unter dem Titel "Der Aufstieg des Drachen und des weißen Adlers: Wie Nationen der Armut entkommen" bereits 2023 erschienen. Der Autor gibt an, mit dem damaligen Titel einen Fehler gemacht ...

Dieses Buch ist unter dem Titel "Der Aufstieg des Drachen und des weißen Adlers: Wie Nationen der Armut entkommen" bereits 2023 erschienen. Der Autor gibt an, mit dem damaligen Titel einen Fehler gemacht zu haben, weil kaum jemand etwas mit Drachen und Adler anfangen konnte. Das mag sein, doch auch der neue Titel ist nicht ohne Manko, denn man könnte dahinter einen ganz anderen Inhalt vermuten. In Wirklichkeit zeigt Zitelmann in seinem Buch wie Polen und Vietnam sich zu relativ reichen Nationen entwickelt haben, indem sie die inneren Kräfte des Kapitalismus zur Entfaltung kommen ließen. Diese neue Ausgabe des Buches enthält ein anderes Vorwort und ein zusätzliches Kapitel über Adam Smith, das an den Anfang gestellt wurde, um der Grundaussage des Textes noch mehr Geltung zu verschaffen.

Relative Armut für alle oder relativer Wohlstand für die Mehrheit - darauf läuft es hinaus, wenn man sich fragt, welche Gesellschaftsordnung die bessere ist: Sozialismus oder Kapitalismus? Sicher ist das ein wenig plakativ, doch am Ende stimmt die Antwort. Diejenigen, die einen realen Sozialismus nie erlebt haben, zum Beispiel viele Westdeutsche, neigen dazu ihn zu verklären und als eine Art Paradies für Gerechtigkeit und Gleichheit zu empfinden.

Doch Sozialismus hat noch nie praktisch funktioniert. Und das hat objektive Gründe und liegt keinesfalls daran, dass man ihn etwa nur falsch organisiert hätte. Sozialisten verstehen menschliches Verhalten einfach nicht. Da das kapitalistische System spontan entstand, also im Gegensatz zum Sozialismus keine Kopfgeburt ist, muss es menschlichem Verhalten entsprechen. Und weil der Mensch sich im Sozialismus nicht so verhält, wie es Sozialisten in ihrer Einfalt erwarten, endet jeder Versuch, ein solches System zu installieren im Totalitären. Man will den "neuen Menschen" erschaffen, weil einem der "alte" nicht passt. Und die angepriesene Gleichheit vollzieht sich als Herrschaft einer Funktionärselite, die ein wenig gleicher ist als die anderen.

Und ökonomisch läuft man stets in den Zusammenbruch, weil diese naive "Elite" glaubt, sie könne ein hochkomplexes System "steuern". Alles wird von oben bestimmt und gerät damit ins Absurde. Das betrifft insbesondere Preise, die in einem selbstorganisierten ökonomischen System der wichtigste Indikator sind. Fällt er weg oder werden Preise festgelegt, gerät das ganze System in Schieflage, weil falsche Anreize geschaffen werden.

Rainer Zitelmann untersucht in diesem Buch am Beispiel Polens und Vietnams, was das Freisetzen einer Marktwirtschaft für erstaunliche Wirkungen in kurzer Zeit bringt. Dabei zeigt er zunächst, wohin Sozialismus beide Länder brachte. Mit dem globalen Scheitern des sogenannten sozialistischen Lagers konnten sowohl Polen als auch Vietnam marktwirtschaftliche Strukturen aufbauen. In Vietnam geschah das zunächst nicht, weil die kommunistische Partei immer noch am überall gescheiterten System der sozialistischen Planwirtschaft festhielt und damit alle selbstgesteckten Ziele verfehlte und eine Hungersnot erzeugte. Immerhin erkannte die Parteiführung das dann aber und änderte ihre Politik, was sehr schnell zu enormen Verbesserungen führte.

Ähnliches geschah in Polen, wenngleich man hier auch den nicht unerheblichen Förderprozess der EU ins Spiel bringen muss, was Zitelmann jedoch nicht tut. Und bei diesem Thema sollte man nicht unerwähnt lassen, dass es das reine kapitalistische System nirgendwo gibt. Besonders in Europa wird es zunehmend von einer planwirtschaftlichen Komponente beschädigt. Oder von Eingriffen des Staates, etwa bei der sogenannten Bankenrettung, die Fehlentwicklungen nicht behob, sondern eher noch verstärkte. Aber der "moderne" Sozialstaat braucht die Großbanken, um sich Kredite zu besorgen. Das sind jedoch keine Themen dieses Buches.

Vielmehr geht es Zitelmann darum, zu zeigen, dass Entwicklungshilfe, wie sie bis heute durchgeführt wird, keinesfalls zu Wohlstand führt, sondern reine Verschwendung von enormen Mitteln ist. Darüber gibt es genügend Bücher von wirklichen Experten, die dieses ernüchternde Fazit untermauern. Darin findet man übrigens auch genügend Belege wie Entwicklungshilfe lokale Marktwirtschaften beschädigt, statt sie aufzubauen oder zu unterstützen.

Ziemlich ernüchternd sind im Übrigen auch Zitelmanns Statistiken am Ende seiner zwei Kapitel. Sie zeigen insbesondere welche sozialistischen Verblendungen in deutschen Köpfen herumirren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 20.10.2025

"Wilfried (war) auch an Land ein Einhandsegler"

Wilfried Erdmann - von außen nach innen
0

Diese Worte stammen von Burghard Pieske, ebenfalls eine Segellegende, ein Freund von Erdmann, aber auch ein Gegensatz zu ihm. Vielleicht muss man die Einsamkeit lieben, wenn man alleine in einem kleinen ...

Diese Worte stammen von Burghard Pieske, ebenfalls eine Segellegende, ein Freund von Erdmann, aber auch ein Gegensatz zu ihm. Vielleicht muss man die Einsamkeit lieben, wenn man alleine in einem kleinen Segler die Welt umrundet. Wilfried Erdmann, vielleicht bis vor kurzem der bekannteste deutsche Segler, war so ein Einzelgänger. Vielleicht hat ihn nun Boris Herrmann an Bekanntheit überholt, weil er im Gegensatz zu Erdmann auf allen Kanälen sendet. Etwas, was Erdmann sicher nicht eingefallen wäre.

An ihn erinnern sich neben Pieske und Herrmann noch 18 andere bekannte Persönlichkeiten in diesem Buch. Damit erhält man einen neuen Eindruck von Erdmann, wenn man ihn bislang nur aus seinen Büchern kannte. In diesem Sinne ist dieser Band sehr empfehlenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2025

Ringelnatz und kein Plan

Mein merkwürdig schöner Sommer mit Luna
0

Skat ist übrigens ein dänischer Name, behauptet jedenfalls eine Suchmaschine. Natürlich gebührt deutschen Eltern, die ihren Sohn Skat nennen wenigstens ein Preis der Stadt Altenburg. Oder man sollte ihnen ...

Skat ist übrigens ein dänischer Name, behauptet jedenfalls eine Suchmaschine. Natürlich gebührt deutschen Eltern, die ihren Sohn Skat nennen wenigstens ein Preis der Stadt Altenburg. Oder man sollte ihnen vielleicht einfach einen Vogel zeigen.

Skat jedenfalls soll seine Sommerferien in Cuxhaven verbringen. Im Zug dorthin trifft er auf Luna, die von zu Hause abgehauen ist, weil sie herausgefunden hat, dass ihr Papa nicht ihr biologischer Vater ist. Sie ist sauer auf ihre Eltern. Und die hatten es wirklich schwer, denn wann ist der richtige Zeitpunkt für eine solche Offenbarung? Etwaige Einsichten kann man von einer Elfjährigen allerdings nicht verlangen oder erwarten.

Lunas einzige Information ist ein Foto, das ihre Mutter und ihren wirklichen Vater in Cuxhaven zeigt. Dort wohnt übrigens ihre Oma von der Mutterseite, wohin es Luna nun zieht. Skat verspricht Luna seine Hilfe bei der Vatersuche in Cuxhaven. Und davon berichtet dieses Buch. Sein Anfang ist sprachlich etwas holprig, aber dann wird es deutlich besser und durchaus spannend.

Man kann ja wirklich froh sein, wenn es noch Kinderbücher gibt, die tatsächliche Probleme thematisieren und in denen niemand hexen oder zaubern kann oder in irgendwelche ausgedachten Parallelwelten flieht um dies und das zu retten. Hier geht es um ein nicht seltenes Problem, das gerne verschwiegen wird. Allerdings ist Luna kein Kuckuckskind, was die ganze Geschichte dann wieder etwas einfacher macht.

Ob Lunas und Skats Suche erfolgreich sein wird, kann hier nicht verraten werden. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, weil es nicht lebensfremd ist, sondern spannend und kindgerecht ein echtes Problem und eine verletzte Kinderseele beschreibt.

Ach ja, Ringelnatz. Auf der Rückseite des Fotos, das Luna von ihrem Vater zu Hause fand, steht ein Ringelnatz-Wort. Und in Cuxhaven gibt es ein Ringelnatz-Museum. Eine Spur? Ich finde es bemerkenswert, dass die Autorin Schülern der fünften Klasse Kenntnisse über Ringelnatz zutraut. Mich würde das sehr überraschen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2025

Vielfältig und bäuerlich rustikal

Veronikas Backstube
0

Auf den ersten Blick scheint das ein hervorragendes Backbuch zu sein. Die Autorin ist Bäuerin. Und dennoch steht sie vermutlich jeden Tag in ihrer Backstube. Und eine Hofküche hat sie schließlich auch ...

Auf den ersten Blick scheint das ein hervorragendes Backbuch zu sein. Die Autorin ist Bäuerin. Und dennoch steht sie vermutlich jeden Tag in ihrer Backstube. Und eine Hofküche hat sie schließlich auch noch. Ihr Backbuch bietet zunächst Rezepte für die Grundteige. Dann folgen Toppings, Saucen und Glasuren, Rezepte für süßes Kleingebäck, Kuchen und Schnitten, Torten, Strudel und Rouladen, Brot, pikantes Gebäck, Schmalzgebackenes und Weihnachtliches. Also eine riesige Auswahl.

Wer sich für einen Grundkurs im bäuerlichen Backen interessiert, der ist bei diesem Buch genau richtig. Was mich hingegen etwas gestört hat, war bei den Kuchen und Torten das bäuerlich Rustikale, was man insbesondere bei den Obsttorten sieht. Die Autorin leibt es frisches Obst auf en Torten zu platzieren. Das mag zwar lecker sein, sieht aber etwas ungelenk aus. Als Konditormeisterin würde Veronika nicht durchgehen.

Wer an den Rezepten scheitert, kann einen QR-Code scannen und sich den Herstellungsprozess im Video ansehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 20.10.2025

"An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen" (Matthäus 7:16)

Ist mir egal.
0

Angela Merkel hat viele Reden gehalten. Wenn man das, was sie dort gesagt hat, wirklich immer geglaubt hat, wäre man jetzt ziemlich durcheinander. Beispielsweise wollte sie 2003 auf dem Leipziger Parteitag ...

Angela Merkel hat viele Reden gehalten. Wenn man das, was sie dort gesagt hat, wirklich immer geglaubt hat, wäre man jetzt ziemlich durcheinander. Beispielsweise wollte sie 2003 auf dem Leipziger Parteitag der CDU die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland stark reduzieren. 2015 machte sie aber genau das Gegenteil und öffnete die Schleusen. Nicht erst bei Merkel, aber besonders bei ihr, kann man sehen, dass die CDU eine Karrieristen-Partei ist, die sich keineswegs an irgendwelchen ach so bedeutsamen Werten orientiert, sondern eher an den Ansichten und Vorhaben des jeweiligen Vorsitzenden. Das jüngste Beispiel verblüfft nur diejenigen, die naiv genug sind, um dieses Grundprinzip der CDU nicht zu sehen.

Mit der Zeit von Merkel begann sich dieses Schema jedoch erstmals gegen Deutschland zu wenden. Auch das ist kein Wunder. Es ist eher ein Wunder, dass das nur wenige Beobachter erkennen. Das Land ist gespalten, die Infrastruktur marode und die Kommunen stehen fast alle vor dem Bankrott. Bemerkenswert ist, dass die Mitklatscher von damals heute so tun, als wären sie gerade erst in die Politik gekommen.

Vera Lengsfeld versucht in diesem Buch zu erklären, was Merkel wirklich antrieb. Das gelingt ihr teilweise und oberflächlich betrachtet ganz gut, auch wenn der Text an manchen Stellen so seine Längen aufweist. Aber auch sie kommt leider nicht auf den eigentlichen Punkt. Denn es entstehen doch Fragen: Was befähigt eine in der DDR sozialisierte Frau zu einem Ministerposten in der völlig anders organisierten Bundesrepublik? Welche Fähigkeiten und welches Wissen sind die Grundlage für ihre spätere Kanzlerschaft?

Die Antwort ist: Solche Fähigkeiten und solches Wissen können damals nicht vorhanden gewesen sein. Und genau deshalb zögerte Merkel stets und wartete ab, bis die Richtung für sie irgendwie klar war. Das ist der eigentliche Grund für ihr Durchwurschteln.

Dazu muss man noch Merkels politischen Hintergrund sehen. Sie war in der DDR keine Oppositionelle. Ihr Vater genoss den Ruf, ein roter Kirchenfunktionär zu sein. Auch Merkels Karriere in der DDR spricht keineswegs für irgendeine Staatsfeindschaft. Ohne dass ich das verurteilen würde: Sie war eine Angepasste. Und sie genoss offenbar einige Privilegien. Bekam man an einer DDR-Uni nach dem Studium eine Anstellung, dann war die auf vier Jahre befristet. In dieser Zeit musste man promovieren. Und selbst dann war die Festanstellung kein Selbstläufer. Merkel hingegen hat rekordverdächtige acht Jahre für ihre Doktorarbeit gebraucht. Folgen hatte das nicht. Merkel war also eine wenig erfolgreiche Doktorandin der Physik, die es trotz fehlender fachlicher Fähigkeiten bis in die Kanzlerschaft brachte. Das ist bemerkenswert und sagt viel über Politik aus.

Nach der Wende trat sie nicht etwa in die CDU ein, sondern ging zum Demokratischen Aufbruch, dessen Vorsitzender ein DDR-Anwalt war. Nur Naivlinge konnten annehmen, dass er nicht der Stasi rechenschaftspflichtig war. Merkel hätte das wissen müssen, denn sie verkehrte wenigstens tangential in den Kreisen, die dieser Anwalt gelegentlich verteidigte.

Dass Merkel dann in ihrer Kanzlerschaft Deutschland und die CDU ruiniert hätte, ist nicht ganz richtig, schließlich gibt es beide noch. Aber ihr Beitrag für eine solche zukünftige Entwicklung ist erheblich. Ihre Partei, manchmal auch als Kanzlerwahlverein verspottet, ist ihr schließlich begeistert gefolgt.

Immerhin findet die Autorin deutliche Worte für Merkels verheerende Politik. Wie die ehemalige Bundeskanzlerin tatsächlich im Inneren denkt, konnte man in der Corona-Zeit deutlich verfolgen. Oder bei ihrer legendären Botschaft aus Südafrika anlässlich der Wahl in Thüringen. Von demokratischem oder liberalen Gedankengut war sie dabei meilenweit entfernt. Im Gegenteil, die Tendenz zur staatlichen Übergriffigkeit konnte nicht mehr übersehen werden. In der Krise zeigt sich eben der Kern eines Menschen.

Wenn Merkel wirklich ein Prinzip hatte, dann war es die gnadenlose Abstrafung ihrer innerparteilichen Gegner. Es ist also nicht wirklich überraschend, dass dabei eine Partei umerzogen wurde, in der es nun keine wirklichen Meinungsunterschiede mehr gibt. Da Merkel ihre Partei dann auch noch immer mehr nach links verschob, dahin, wo sie wirklich zu Hause ist, muss man sich heute nicht mehr wundern, dass man wählen kann, was man will und dennoch immer eine linke Regierung bekommt.

Diesen Prozess beschreibt Vera Lengsfeld recht ausführlich und auch oberflächlich sehr gut. Sie erklärt aber die wahren Gründe für Merkels Politik nicht. Und sie erklärt nicht, wie sie die CDU ohne eigene Hausmacht auf so freche Weise übernehmen konnte. Frechheit und Mut in entscheidenden Situationen – das sind Merkels wirkliche Stärken. Und damit hat sie offenbar die männlichen Leitfiguren der westdeutschen CDU in die Knie gezwungen. Niemand in der deutschen Nach-Wende-Politik ist anfangs dermaßen unterschätzt worden wie Angela Merkel. Leider geht Frau Lengsfeld darauf nicht tiefgründig ein. Wenn es einen Beweis dafür bräuchte, dass Frechheit siegt, dann hat ihn Angela Merkel geliefert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung