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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2025

Humdada, humdada …

Die Schatten der Solaren Union
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Wir schreiben das Jahr 2256 und befinden uns in einer Raumstation, auf der die Obrigkeit der Solaren Union sitzt. Und da erschallt plötzlich Roland Kaisers Santa Maria mit dem so lächerlichen Humdada der ...

Wir schreiben das Jahr 2256 und befinden uns in einer Raumstation, auf der die Obrigkeit der Solaren Union sitzt. Und da erschallt plötzlich Roland Kaisers Santa Maria mit dem so lächerlichen Humdada der Background-Sänger. Das war der Punkt in diesem Roman, wo ich endgültig "meine Sinne verlor, in dem Fieber, das wie Feuer brennt". Wer glaubt denn ernsthaft, dass nach über 270 Jahren noch jemand Roland Kaiser auf Deutsch zuhört, wie er pathetisch über einen Urlaubsflirt in der Südsee singt?

Tatsächlich hatte ich schon früher, nämlich nach wenigen Seite meine Schwierigkeiten mit diesem Buch. Da ich es zu einer Leserunde erhalten hatte, las ich es brav weiter. Eine Mitleserin traf den Kern dieses Buches sehr gut, als sie schrieb, dass sie das Gefühl hat die Handlung spielt in der Gegenwart, aber in einem Paralleluniversum. Man hat es also mit einen Roman zu tun, der in über 220 Jahren angesiedelt ist, diese Zeitdifferenz aber völlig ignoriert und dabei versucht allgemeine Probleme der Politik in diese Zukunft zu transformieren. Aus meiner Sicht ist das ein sehr fragwürdiges Konzept, wenngleich es viele künstlerische Freiheiten schafft.

Der Autor meint sicher zu Recht, dass es Verhaltensweisen gibt, die sich nie ändern. Für ein solches Anliegen wäre es aber viel zielführender, es in einen glaubhaften, also wenigstens in der Phantasie nacherlebbaren, Kontext zu stellen.

Wenn man die Handlung verfolgt, kann man bei gutem Willen Anleihen aus der Gegenwart ziemlich sicher erkennen. Wie immer in der Politik geht es um Machtgehabe, Korruption und andere dunkle Methoden. Leider fehlt dem Buch neben einem glaubhaften Hintergrund auch ein ansprechender Spannungsbogen. Stattdessen beschäftigt man sich mit politischem Geplänkel und all den unschönen Dingen, die damit verbunden sind.

Nach eigener Aussage wollte der Autor keinen utopischen Unterhaltungsroman schreiben, sondern einen ernsthaften Inhalt gut verpacken. Aus meiner Sicht ist ihm das misslungen. Eigentlich passt in diesem Buch fast nichts zusammen. Der Mars und der Saturnmond Enceladus sind 2256 besiedelt. Auf dem Mars leben 500 Millionen Menschen. Es gibt einen Ozean und natürlich eine Atmosphäre. Das hervorzubringen, bedeutet einen ungeheuren technologischen Fortschritt.

Enceladus ist ein Saturn-Mond, der mit einer kilometerdicken Eisschicht bedeckt ist, jedenfalls in unserer Zeit. Auf der Oberfläche erwarten einen heute -200 Grad Celsius. Im Jahre 2256 leben auch dort Menschen, offenbar auch unter einer erdähnlichen Atmosphäre. Mit solchen technologischen Leistungen verändern sich Alltag und Denkweisen von Menschen. Davon ist in diesem Buch keine Spur. Stattdessen haben sich die Ansichten über die sexuelle Vielfalt zurückentwickelt.

Und Soldaten benutzen immer noch mechanische Gewehre wie in unserer Zeit. Auch andere Gegenstände und Verhaltensweise erinnern eher an unsere Gegenwart. All das und viele andere Kleinigkeiten verwirren und erwecken den Eindruck, dass der Autor offenbar wenig über sein Bühnenbild nachgedacht und sich eher einem gewissen Sendungsbewusstsein ergeben hat.

Das Buch endet mit einem Cliffhanger. Vermutlich rettet auch eine Fortsetzung den misslungenen Ansatz nicht.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Kindisch und praktisch unbrauchbar

Wilde Pflanzen essen
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Ist sie nicht wahnsinnig witzig, diese Survival Siglinde? Was für eine verkrampfte Komik. Eigentlich sollte dieses Büchlein doch Menschen das Finden von essbaren Wildpflanzen erleichtern. Aber dafür ist ...

Ist sie nicht wahnsinnig witzig, diese Survival Siglinde? Was für eine verkrampfte Komik. Eigentlich sollte dieses Büchlein doch Menschen das Finden von essbaren Wildpflanzen erleichtern. Aber dafür ist es unbrauchbar. Blöde Zeichnungen nützen nichts, denn viele Pflanzen haben Doppelgänger, die entweder ungenießbar oder gar giftig sind.

Ich ernähre mich schon mehrere Jahrzehnte unter anderem auch von solchen Wildkräutern wie man sie in diesem Buch findet. Zum Beispiel von Vogelmiere, die eigentlich das ganze Jahr, also auch im Winter, wächst. Lecker ist auch junger Giersch, der gerade jetzt aus der Erde kommt. Und man muss auch nicht alle möglichen Rezepte dafür erfinden. Oder die Kräuter gar noch kochen. Einfach in den Mund stecken und essen. Roh und unverarbeitet.

Selbst die universelle Vogelmiere besitzt inzwischen einige sehr ähnliche Doppelgänger, die sich aber in Haptik und Geschmack von ihr unterscheiden. Wenn man keine Erfahrung besitzt, kann man sie leicht verwechseln, zumal sie oft auch noch nebeneinander wachsen. Auf diese Weise habe ich sie allerdings auch zu unterscheiden gelernt. Was man braucht, ist also entweder eine solche Erfahrung oder ein Buch mit vernünftigen Fotografien. Völlig unzulänglich für Anfänger sind jedoch die albernen Zeichnungen in diesem Buch.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Ein veganes Kochbuch: Ist das die Lösung?

Gesund gekocht
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Mit Sicherheit nicht. Gesunden Menschen oder Menschen mit bestimmten Krankheiten kann dieses Buch vielleicht helfen, sich wohler zu fühlen. Aber ob das immer so sein muss, kann durchaus bezweifelt werden. ...

Mit Sicherheit nicht. Gesunden Menschen oder Menschen mit bestimmten Krankheiten kann dieses Buch vielleicht helfen, sich wohler zu fühlen. Aber ob das immer so sein muss, kann durchaus bezweifelt werden. Wenn tierische Produkte durch pflanzliche ersetzt werden, und das mit gelegentlich religiösem Eifer, dann hat man ein Ressourcenproblem.

Übrig bleiben nämlich nur Kohl, Hülsenfrüchte, bestimmte Getreidesorten, Obst, Tofu und ein paar Früchte. Abgesehen davon, dass auch dabei einige Stoffe sind, die nicht jeder verträgt, erzeugen all diese Ausgangsmaterialien meist wenig Sättigung. Es verwundert deshalb nicht, dass die Gruppe der Veganer mehrheitlich aus Frauen der akademischen Mittelschicht besteht. Wer keine Zeit hat, greift im Supermarkt auch mal gerne zu veganen Produkten, die in der Regel noch ungesünder sind als das, was Veganer verdammen. Glücklicherweise kommt das in diesem Buch aber nicht vor.

Im Buch findet man ein Rezept mit dem Titel "Veganes Shakshuka mit Tofu-Rührei und Crispy Kichererbsen". An ihm kann man deutlich machen, dass die Herstellung solcher Gerichte jede Menge Arbeit macht und aus meiner Sicht oft ziemlich sinnfrei ist. Insbesondere betrifft dies das Ersetzen von Eiern durch eine Tofu-Pampe. Heraus kommt dabei ein mit erheblichem Aufwand erzeugtes Gericht, das auch nicht besonders schön aussieht. Man braucht dazu übrigens Kala Namak, ein geschwefeltes Salz, das man angeblich im Drogeriemarkt findet. Es soll den Eigeschmack imitieren.

Und das finde ich dann superkomisch. Denn Veganer verabscheuen zwar tierische Produkte, aber müssen sie unbedingt "imitieren". Übrigens dauert die Herstellung eines Shakshuka nicht einmal 20 Minuten, wenn man es nach dem Ursprungsrezept herstellt. Ich weiß nicht, warum Hühnereier so schlimm sein sollen, außer natürlich man reitet auf seinen Prinzipien herum. Es gibt noch eine andere Komik in diesem Buch. Bekanntlich "isst das Auge mit". Deshalb sind die Gerichte auch alle schön fotografiert und hergerichtet. Sie müssen dann nur noch schmecken. Und da habe ich so meine Zweifel. Mich haben aus diesem Buch nur wenige Gerichte einigermaßen überzeugt. Die meisten kosten viel Zeit und sind nicht wirklich nahrhaft. Über den Geschmack kann ich natürlich nicht urteilen. Die meisten Menschen sind an bestimmte Gerichte von Kindheit an gewöhnt. Deshalb erfordert es eine gewisse Überzeugung, wenn man damit bricht. Außerdem erzeugt eine vegane Ernährung immer das Problem des gesellschaftlichen Ausschlusses.

Es überzeugt mich auch nicht, wenn man Gemüse zerkocht. Vieles ist roh viel bekömmlicher. Und wenn man dann noch Wildkräuter zu sich nimmt, tut man sich einen großen Gefallen.

Meine Bewertung richtet sich vor allem an die Zielgruppe der Veganer. Mich hingegen überzeugten die Gerichte nicht wirklich.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Inspirierend, wenn …

Off Road Bikepacking
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Ja, wenn. Wenn man der Typ Mensch für solche Touren ist. Denn der Teufel liegt im Detail. Haben diejenigen, die sich hier gleich inspiriert fühlen, mal genau hingesehen und bemerkt, wie wenig Gepäck im ...

Ja, wenn. Wenn man der Typ Mensch für solche Touren ist. Denn der Teufel liegt im Detail. Haben diejenigen, die sich hier gleich inspiriert fühlen, mal genau hingesehen und bemerkt, wie wenig Gepäck im Spiel ist? Man muss also mit wenigen Sachen auskommen, die man täglich durchschwitzt. Also muss man sie auch ständig waschen. Und schlafen muss man auch irgendwo. Wo eigentlich? Im Text findet man zu diesen und anderen Einzelheiten, an denen mancher scheitern kann, nicht erwähnt. Geht man täglich essen? Oder wie ernährt man sich auf solchen Touren? Fragen über Fragen, die sich so manch Euphorisierter offenbar nicht stellt.

Und schließlich bleibt die entscheidende Frage nach den Einzelheiten der jeweiligen Wegstrecke. Man kann sie offenbar herunterladen, wenn man den QR-Code am Ende des Buches scannt. Oder man geht auf die Verlagsseite, wo mir nicht klar geworden ist, wie man dem Verlag nachweisen kann, dass man das Buch tatsächlich besitzt. Denn sonst kostet es etwas. Wenn man alle diese Fragen für sich geklärt hat, dann hat man ein tatsächlich inspirierendes Buch vor sich. Es beruhigt nämlich, wenn jemand eine Tour schon abgefahren hat und sie für machbar hält. Wenn also insbesondere der Untergrund vernünftig ist. Denn wenn man nur Kartenmaterial benutzt, selbst in Deutschland, kann man üble Überraschungen erleben. Ich habe in Brandenburg schon kilometerlang mein Rad geschoben, weil der vorgebliche Radweg aus feinem Sand bestand.

Die Touren in diesem Buch sind allein vom Bildmaterial großartig. Aber man muss dafür eben auch geschaffen sein. Die Beschreibungen geben nur das wieder, was man auf den Fotos zu sehen glaubt. Manchmal jedoch kann man erahnen, was wirklich dahinter steht. Liest man zum Beispiel den Text zur Weichsel-Tour, dann findet man dort, dass der Autor 209 Kilometer am Stück in 14 Stunden gefahren ist. Das ist erheblich, denn irgendwann wird er auch mal Rast gemacht haben. Es geht also keineswegs gemütlich zu, sondern im Challenge-Stil. Braucht man acht Stunden Schlaf, dann bleiben noch maximal zwei bis zur Nachtruhe übrig.

Kurzum: Dieses Buch bietet viele gute Ideen, zu deren Umsetzung man aber auch bereit sein muss.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

"Glitzer, Glamour und Kult"

ABBA - Alle Songs
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Ist es das, was an ABBA so überzeugt? Wohl kaum. Es sind die Musik und der Gesang, die die Einzigartigkeit dieser Gruppe ausmachen. Alles andere sind Vermarktungsstrategien und der unersättliche Drang ...

Ist es das, was an ABBA so überzeugt? Wohl kaum. Es sind die Musik und der Gesang, die die Einzigartigkeit dieser Gruppe ausmachen. Alles andere sind Vermarktungsstrategien und der unersättliche Drang von Schreiberlingen, irgendwelche Geschichten erzählen zu müssen, ob nun wahr oder nicht.

Mit diesem Buch können sich Menschen, denen die zeitlosen Kompositionen und Arrangements der beiden genialen Musiker hinter ABBA nicht ausreichen, ein Bild von der Entstehungsgeschichte aller Songs machen. Die damit verbundene Geschichte der Band wird dabei eingeschlossen.

Über ABBA ist so viel geschrieben und gesendet worden, dass man sich eigentlich aller Kommentare enthalten kann. Dieses dicke Buch ist so zu sagen das Kompendium zu ABBA. Es reicht bis in die jüngste Vergangenheit, als sich die Gruppe noch einmal der Öffentlichkeit zeigte.

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