Humdada, humdada …
Die Schatten der Solaren UnionWir schreiben das Jahr 2256 und befinden uns in einer Raumstation, auf der die Obrigkeit der Solaren Union sitzt. Und da erschallt plötzlich Roland Kaisers Santa Maria mit dem so lächerlichen Humdada der ...
Wir schreiben das Jahr 2256 und befinden uns in einer Raumstation, auf der die Obrigkeit der Solaren Union sitzt. Und da erschallt plötzlich Roland Kaisers Santa Maria mit dem so lächerlichen Humdada der Background-Sänger. Das war der Punkt in diesem Roman, wo ich endgültig "meine Sinne verlor, in dem Fieber, das wie Feuer brennt". Wer glaubt denn ernsthaft, dass nach über 270 Jahren noch jemand Roland Kaiser auf Deutsch zuhört, wie er pathetisch über einen Urlaubsflirt in der Südsee singt?
Tatsächlich hatte ich schon früher, nämlich nach wenigen Seite meine Schwierigkeiten mit diesem Buch. Da ich es zu einer Leserunde erhalten hatte, las ich es brav weiter. Eine Mitleserin traf den Kern dieses Buches sehr gut, als sie schrieb, dass sie das Gefühl hat die Handlung spielt in der Gegenwart, aber in einem Paralleluniversum. Man hat es also mit einen Roman zu tun, der in über 220 Jahren angesiedelt ist, diese Zeitdifferenz aber völlig ignoriert und dabei versucht allgemeine Probleme der Politik in diese Zukunft zu transformieren. Aus meiner Sicht ist das ein sehr fragwürdiges Konzept, wenngleich es viele künstlerische Freiheiten schafft.
Der Autor meint sicher zu Recht, dass es Verhaltensweisen gibt, die sich nie ändern. Für ein solches Anliegen wäre es aber viel zielführender, es in einen glaubhaften, also wenigstens in der Phantasie nacherlebbaren, Kontext zu stellen.
Wenn man die Handlung verfolgt, kann man bei gutem Willen Anleihen aus der Gegenwart ziemlich sicher erkennen. Wie immer in der Politik geht es um Machtgehabe, Korruption und andere dunkle Methoden. Leider fehlt dem Buch neben einem glaubhaften Hintergrund auch ein ansprechender Spannungsbogen. Stattdessen beschäftigt man sich mit politischem Geplänkel und all den unschönen Dingen, die damit verbunden sind.
Nach eigener Aussage wollte der Autor keinen utopischen Unterhaltungsroman schreiben, sondern einen ernsthaften Inhalt gut verpacken. Aus meiner Sicht ist ihm das misslungen. Eigentlich passt in diesem Buch fast nichts zusammen. Der Mars und der Saturnmond Enceladus sind 2256 besiedelt. Auf dem Mars leben 500 Millionen Menschen. Es gibt einen Ozean und natürlich eine Atmosphäre. Das hervorzubringen, bedeutet einen ungeheuren technologischen Fortschritt.
Enceladus ist ein Saturn-Mond, der mit einer kilometerdicken Eisschicht bedeckt ist, jedenfalls in unserer Zeit. Auf der Oberfläche erwarten einen heute -200 Grad Celsius. Im Jahre 2256 leben auch dort Menschen, offenbar auch unter einer erdähnlichen Atmosphäre. Mit solchen technologischen Leistungen verändern sich Alltag und Denkweisen von Menschen. Davon ist in diesem Buch keine Spur. Stattdessen haben sich die Ansichten über die sexuelle Vielfalt zurückentwickelt.
Und Soldaten benutzen immer noch mechanische Gewehre wie in unserer Zeit. Auch andere Gegenstände und Verhaltensweise erinnern eher an unsere Gegenwart. All das und viele andere Kleinigkeiten verwirren und erwecken den Eindruck, dass der Autor offenbar wenig über sein Bühnenbild nachgedacht und sich eher einem gewissen Sendungsbewusstsein ergeben hat.
Das Buch endet mit einem Cliffhanger. Vermutlich rettet auch eine Fortsetzung den misslungenen Ansatz nicht.