"India is Broken, A People Betrayed, Independence to Today"
Das gespaltene IndienSo lautet der Originaltitel dieses Buches. Was macht der deutsche Verlag daraus? "Das gespaltene Indien". Das ist ein völlig anderer Titel, vor allem aber passt er nicht zum Inhalt. Ich habe keine Ahnung, ...
So lautet der Originaltitel dieses Buches. Was macht der deutsche Verlag daraus? "Das gespaltene Indien". Das ist ein völlig anderer Titel, vor allem aber passt er nicht zum Inhalt. Ich habe keine Ahnung, was da in den verantwortlichen Leuten vorgegangen ist – mir schwant aber, dass sie sich vom linken Zeitgeist in die Irre haben führen lassen. Denn Spaltung der Gesellschaft ist dort ein Lieblingsthema.
Thema dieses Buches ist jedoch die fast schon systematische Zerstörung Indiens durch verschiedene ideologische Akteure. Angefangen hat alles mit Nehru, der von irgendeiner Art Sozialismus träumte. Einen wirklichen Plan hatte dieser Staatsmann wohl nicht. Aber er legte die Anfänge für ein durch und durch korruptes System. Man spricht im Westen immer gerne von der größten Demokratie der Welt. Wenn man dieses Buch gelesen hat, dann glaubt man das nicht mehr. Hinter der Fassade der angeblichen Demokratie steckt ein käufliches System, das kriminelle Energie belohnt. So jedenfalls schildert es der Autor. Ob das tatsächlich so ist, kann man von Deutschland aus schlecht beurteilen.
Neuerdings wird Indien als die neue wirtschaftliche Supermacht gesehen. Gewissermaßen das kommende neue China. Geht es nach den Einsichten des Autors, dann ist das kompletter Unsinn. Dazu müsste Indien ein in sich logisches und geschlossenes Bildungssystem besitzen. Das aber ist nicht der Fall. Zwar gehen wohl inzwischen alle Kinder wenigstens in die Grundschule, aber danach wird es angeblich immer enger. Der Unterschied zu China oder Vietnam, den der Autor immer wieder beschreibt, ist riesig. Dazu kommt noch, dass die Korruption auch das Hochschulwesen durchdrungen hat. Diplome kann man kaufen. Sie sagen also nichts über die Qualität ihrer Besitzer aus.
Indien besitzt keine entwickelte Infrastruktur. Insbesondere in den großen Städten fehlt es an einem vernünftigen Entsorgungssystem, an Wohnungen, sauberem Wasser und vielen anderen Voraussetzungen für wirtschaftlichen Fortschritt. Der Bevölkerungszuwachs pro Monat wird in Millionen angegeben. Oder mit anderen Worten: Es gibt einfach zu viele Inder. Alle Versuche, den Bevölkerungszuwachs zu verlangsamen oder gar zu stoppen, sind fehlgeschlagen. Wenn unter diesen Voraussetzungen fast die Hälfte der Inder in der Landwirtschaft arbeitet, dann bedeutet dies immer kleiner werdende Parzellen. Außerdem steigt der Wasserverbrauch, wodurch immer tiefere Brunnen gebohrt werden müssen, der Grundwasserspiegel also sinkt. Die Folgen kann man sich leicht überlegen.
Industrielle Arbeitsplätze sind Mangelware. Auch das ist bei einer rasant steigenden Bevölkerung kein Wunder. Das niedrige (tatsächliche) Bildungsniveau erschwert die Lage zusätzlich. Das Rechtssystem ist durch Korruption ausgehöhlt. Und im Land gibt es mit großer Regelmäßigkeit Gewaltexzesse, die auch noch von den Regierungen angestachelt werden. Von der schlechten Position der weiblichen Bevölkerung zeugen gelegentlich bis nach Europa vordringende Meldungen über Massenvergewaltigungen.
Kurzum: Indien besitzt zwar auf bestimmten Gebieten auch einmal annähernd das Niveau des Westens. Doch das scheinen eher irreführende Ausnahmen zu sein. Glaubt man dem Autor, dann ist Indien kaputt. Denn so lautet auch der eigentliche Titel des Buches.
Ob das alles so stimmt, wie es der Autor behauptet, kann man nicht wirklich aus Deutschland überprüfen. Eine wirtschaftliche Weltmacht ist Indien jedoch keineswegs. Eher ein gescheiterter Staat.