"Ich musste es tun. Es war das Beste für uns alle."
Rätselhaftes Saint-RémyKrimis sollten keine Überlänge besitzen. Dieser aber tut es. Und obwohl er in der Provence handelt, ist er in Wirklichkeit ein Kammerspiel mit einer sehr beschränkten Anzahl von Tatverdächtigen. Ein Archäologe ...
Krimis sollten keine Überlänge besitzen. Dieser aber tut es. Und obwohl er in der Provence handelt, ist er in Wirklichkeit ein Kammerspiel mit einer sehr beschränkten Anzahl von Tatverdächtigen. Ein Archäologe wird in einer Ausgrabungsstätte mit einem aufgesetzten Kopfschuss hingerichtet. Weil die Spurenlage sehr dürftig ist, muss Capitaine Roger Blanc andere Methoden anwenden, um den Bösewicht zu ermitteln. Und das macht die Handlung eben so lang.
Im Gegensatz zu anderen Lesern fand ich das Buch dennoch nicht langweilig. Gelegentlich zieht es sich etwas, dafür muss der Autor dann plötzlich ein ungeahntes Tempo vorlegen, vermutlich weil er selbst gemerkt hat, dass sein Text ausufert. Die Lösung liefern ein Sonnenhut und ein wissenschaftlicher Artikel, der, kaum beachtet, erklärt, dass man bei einem aufgesetzten Kopfschuss nicht unbedingt Blutspuren an der Schusshand haben muss. Im Zusammenhang mit dem komplexen Beziehungsgeflecht, dass Blanc vorher mühsam ermittelt hat, kann er daraufhin den Täter durch ein geschicktes Verhör überführen.
Allerdings liefen im Hintergrund über Jahre so viele geschickte Manipulationen ab, zu denen eigentlich nur Frauen fähig sind. Während sich die Motivlage für den Täter als völlig banal herausstellt, spielen zahlreiche Ereignisse aus der Vergangenheit in diesen seltsamen Fall hinein, die zu verstehen nicht ganz so einfach ist. Am Ende wurde auch der Täter zu seiner Tat manipuliert.
Sicher mag es in Zeiten, wo alles schnell gehen muss, für manchen Zeitgenossen schwer sein diese recht komplexen Zusammenhänge zu durchschauen und zu ertragen. Rademacher aber vermag es, sie gut und flüssig zu erzählen. Wozu allerdings seine permanenten französischen Flüche gut sein sollen, hat sich mir wie in den anderen Bänden nicht wirklich erschlossen. Vielleicht denkt er, dass ein wenig Folklore den Leser nach Frankreich führen würde. Ich gehöre zu den Lesern, denen das mit der Zeit auf die Nerven gefallen ist, wenngleich es mich nicht so gestört hat, dass ich das Buch deswegen abwerten würde. Mich hat es gut unterhalten. Trotz seiner Überlänge.