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Veröffentlicht am 16.10.2025

Mädchenkönig, Königsmädchen?

The Lost Girl King
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Irgendwie konnte man sich vermutlich nicht ganz einigen, wie dieser seltsame Titel zu übersetzen ist. Also hat man ihn einfach aus dem Original übernommen. Komischerweise gibt es doch aber im Englischen ...

Irgendwie konnte man sich vermutlich nicht ganz einigen, wie dieser seltsame Titel zu übersetzen ist. Also hat man ihn einfach aus dem Original übernommen. Komischerweise gibt es doch aber im Englischen eine Queen und einen King. Wieso also Girl King? Irgendwie passt das in diese seltsame Zeit, in der gewisse Leute alles durcheinanderbringen möchten. Im Pressetext gibt es den verlorenen Mädchenkönig, im Buch (Kapitel 30) das Königsmädchen, das am Ende heimkehrt. Verstehe das wer will.

Die Geschichte selbst verläuft nach bekannten Vorgaben. Zuerst wird das Harry-Potter-Schema angewandt. Hier müssen die Protagonisten nicht durch eine Wand im Bahnhof rennen um in eine magische neue Welt zu gelangen. Vielmehr gibt es im guten alten Irland eine Stelle, wo die Schwerkraft besiegt ist und ein Wasserfall von unten nach oben fließt. Es müsste also korrekt Wassersteig heißen, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Da muss man jedenfalls durch, wenn man in die Phantasiewelt der Autorin gelangen möchte.

Dort hat sie nun freie Hand und kann abstrakt wieder dem Harry-Potter-Schema folgen und sich eine Welt nach ihren Vorstellungen ausdenken. Das tut sie dann auch zur Genüge. In diesem Land herrscht ein böser Zauberer, der es doch glatt geschafft hat, die Sonne an eine Kette zu legen. Auch hier wollen wir mal nicht kleinlich sein und nicht auf die Schmelztemperaturen von Ketten aus Metall hinweisen. Und weil die Sonne nun mal festgehalten wird, steht auch angeblich in diesem Land der Phantasie die Zeit still. Wieder wollen wir nicht kleinlich sein und es vermeiden, darauf hinzuweisen, dass man die Sonne nicht festhalten muss, denn sie ist ein Fixstern. Um zu verhindern, dass es Tag und Nacht gibt, müsste man die Erdrotation zum Stillstand bringen. Aber selbst dann würde die Zeit nicht stillstehen.

In den Märchen aus Zeiten der Gebrüder Grimm ging es zwar auch gelegentlich etwas phantastisch zu, aber das hielt sich in einem gewissen für alle erkennbaren Rahmen. Apropos Märchen – im Folgenden benutzt die Autorin dann das bekannte Märchenschema vom Prinzen, der eine Prinzessin befreien muss, um ihre Liebe zu erlangen. Hier nun dreht die Autorin zeitgemäß die Rollen um. Eine Schwester muss ihren Bruder befreien, der nicht begreifen wollte, dass die Naturwissenschaften überwindbar sein sollen.

Das Mädchen besitzt den Mut früherer Prinzen und vereint in sich kommunikative Fähigkeiten, die ewig streitsüchtige Männer zusammenführt, was schließlich zum Erfolg beiträgt. Eine moderne Heldin halt. Sie befreit nicht nur ihren Bruder, sondern auch noch ihre Großtante, die der Mädchenkönig ist. Aus welchen Gründen auch immer braucht nämlich der örtliche Bösewicht neben seiner Kette für die Sonne auch einen Anker dafür. Und das muss ein Mensch sein, der dann König in diesem Reich wird. Ein Herrscher ohne Macht und ohne Erinnerungen. Und da dieser Mensch hier ein Mädchen ist, heißt er eben Mädchenkönig. Auch hier wollen wir nicht kleinlich sein.

Man verzeihe mir die Ironie. Wenn man den ganzen Unfug aus dieser Phantasiewelt akzeptiert, erzählt die Autorin eine spannende Geschichte in flüssiger und gekonnter Weise, wozu auch die Übersetzerin beitrug. Ich vertrete allerdings den seltsamen Standpunkt, dass man Kindern in jungen Jahren nicht zu viel Unsinn zumuten, sondern besser etwas zu ihrer Allgemeinbildung beitragen sollte.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Wo ist der Steinpilz geblieben?

Steinpilz, Trüffel, Pfifferling
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Dass dieses Buch nicht zur Bestimmung von Pilzen gedacht ist, merkt man schon am Format. Es soll Kindern ab sechs Jahren Wissen über Pilze vermitteln. Dazu ist es sprachlich einfach verfasst und schön ...

Dass dieses Buch nicht zur Bestimmung von Pilzen gedacht ist, merkt man schon am Format. Es soll Kindern ab sechs Jahren Wissen über Pilze vermitteln. Dazu ist es sprachlich einfach verfasst und schön bebildert. Allerdings ist diese Altersvorgabe aus wenigstens zwei Gründen recht sportlich. Kinder in der ersten Klasse oder davor können nicht noch nicht oder noch nicht gut lesen. Und mit den verschiedenen Begriffen werden sie auch nichts anfangen können, ebenso wenig wie mit Zahlenangaben wie Millionen (Vorwort).

Viel wichtiger jedoch ist ein anderer Grund: Das Buch ist nicht besonders lebensnah. Wenn nämlich Familien mit ihren kleinen Kindern in die Pilze gehen, dann suchen sie vornehmlich Röhrlinge, denn bei ihnen kann man nicht viel falsch machen. Diese gerne gesuchten Pilze findet man aber in diesem Buch kaum. Auch nicht den Steinpilz aus dem Titel.

Stattdessen werden jede Menge exotische Pilze beschrieben, die für kleine Kinder keine Bedeutung besitzen. In diesem Sinne gehört dieses durchaus schöne Buch zur Kategorie interessantes, aber weitgehend nutzloses Wissen. Das kommt dabei heraus, wenn Spezialisten aus bestimmten Fachgebieten meinen, sie wüssten, was Kinder interessiert.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Big sister is watching you

Professor Jordan und das Geräusch von nassem Herbstlaub im Sommer
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Dass es an der TH Darmstadt eine Stiftungsprofessur für Mythen und anderes Gedöns geben soll, ist eine Erfindung in diesem Kriminalroman. Und dass diese Professur ausgerechnet im Fachbereich Informatik ...

Dass es an der TH Darmstadt eine Stiftungsprofessur für Mythen und anderes Gedöns geben soll, ist eine Erfindung in diesem Kriminalroman. Und dass diese Professur ausgerechnet im Fachbereich Informatik angesiedelt sein soll, kann man zwar unter Ironie verbuchen, sollte es aber ernster nehmen als der kauzige Prof. Jordan, der sie gerade inne hat. Sein Büro liegt im Keller, weit ab von der üblichen Geschäftigkeit an einer Hochschule.

Zu Jordans Professur gehören obendrein ein Wohnrecht in einer pompösen Villa mit angeschlossenem Park, ein Hund und eine Haushälterin, die offenbar Namensgeberin des Verlages ist, in dem dieses unverkäufliche Buch veröffentlicht wurde. Das alles ist ein wenig seltsam und ungerecht, weil sich der Roman deutlich vom Mainstream der Kriminalliteratur unterscheidet. Und zwar sowohl in der Sprache als auch im politisch wenig korrekten Inhalt. Leider kann ich den hier nicht preisgeben, denn damit wäre die ganze Überraschung zunichte gemacht, die den Leser am Ende erwartet.

Wohl möglich, dass die größeren Verlage dieses Buch abgelehnt haben - wundern würde es mich nicht. Aber das entzieht sich tatsächlich meiner Kenntnis. Prof. Jordan jedenfalls ist ein sonderbarer Typ: arrogant, unfreundlich und der modernen elektronischen Welt nicht besonders zugeneigt. Wenn er ihr nicht mehr ausweichen kann, holt er sich einen seiner wenigen Studenten und lässt sich einrichten, was er nicht mehr vermeiden kann. Vielleicht hat er auch wegen seiner Technik-Aversion nicht so richtig begriffen, wozu möglicherweise die merkwürdig vielen Kameras in der Nähe seines Büros nötig sind. Er ignoriert sie eben einfach.

Natürlich entzieht sich seinem Vorstellungsvermögen auch, was man so im Fachbereich Informatik alles so treibt. Jordan hat anderes im Sinn. Er hat herausgefunden, dass ein typischer Vampir-Mythos offenbar falsch interpretiert wird. Darüber hält er einen Vortrag auf einer Konferenz in Leipzig. Kurz danach spricht ihn eine Dame an und erklärt, dass in ihrem Heimatdorf in der Ukraine seltsame Dinge passiert sind, die ihn vielleicht im Rahmen seiner Mythenforschung interessieren könnten. Da ihm die Reise in die ukrainische Pampa bezahlt wird, macht er sich auf den Weg und trifft dort eine ganz andere Frau als ihm in Leipzig versprochen wurde. Und die schickt ihn unverrichteter Dinge zurück. Kurze Zeit später fällt vermeintlich eben diese Dame in Darmstadt vom Dach der Hochschule und stirbt vor seinem Kellerfenster. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um eine ukrainische Assistentin des Fachbereichs Informatik handelt.

Jordan ist nun völlig durcheinander. Und das ist erst der Anfang. Wie es weiter geht, kann hier nicht verraten werden. Jordan muss im Weiteren um die halbe Welt reisen, um die Sache aufzuklären. Das Ende kommt dann in völlig überraschender Gestalt vorbei, obwohl man natürlich bereits lange vorher deutliche Hinweise bekam, diese aber nicht verstand.

Sicher ist der gute Prof. Jordan eine literarisch durchaus interessante Figur. Sie hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Zur Aufklärung der Morde, zu denen auch der Dachsturz gehört, trägt er nicht wirklich wesentlich bei. Das macht eine andere Figur, deren Rolle und Bedeutung nicht erklärt werden kann, will man die Spannung erhalten.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

In jeder Beziehung ein phantastisches Buch

Wale
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Das beginnt schon einmal bei der Größe, die jedes Buchregal sprengt. Diesen Nachteil gleicht das Buch durch die wunderschönen und vor allen Dingen großen Zeichnungen aus. Und irgendwie passt das ja auch ...

Das beginnt schon einmal bei der Größe, die jedes Buchregal sprengt. Diesen Nachteil gleicht das Buch durch die wunderschönen und vor allen Dingen großen Zeichnungen aus. Und irgendwie passt das ja auch zu den Giganten, um die es hier geht. Wenn man nicht gerade in den Polargebieten unterwegs ist, wird es einem kaum vergönnt sein, diese Riesensäuger von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Es sei denn, man bekommt einen Platz auf einen Walbeobachtungsboot. Von denen gibt es einige, denn anders kann man nicht erklären, dass viele Wale Namen bekommen haben. Sie wurden mit Sonden ausgestattet und sind dadurch verfolgbar. Ob das unbedingt dem Tierwohl dient, sei einmal dahingestellt.

Zunächst geht es in diesem Buch um die Bestimmung der einzelnen Unterarten dieser Riesensäuger. Dann wird erklärt, wie sie atmen, sich ernähren, schlafen und wandern. Selbst die Arten, sich an der Oberfläche der Meere zu bewegen (zu springen) kann man offenbar klassifizieren. Wenn der Mensch etwas benennen kann, fühlt er sich eben klüger. Schließlich diskutiert die Autorin noch die Lebensräume, die die Fortpflanzung, das Wandern und das Zusammenleben der Wale. Wale sind sehr intelligent und sich ihrer selbst bewusst, was wiederum Leute auf die Idee gebracht hat, sie mit Rechten auszustatten, also zum Beispiel den Fang zu ächten.

Bei der Untersuchung und Beobachtung von Walen kommt der Mensch an die Grenzen seiner ungebremsten Selbstherrlichkeit. Denn hier merkt er plötzlich, dass auch andere Lebewesen über Fähigkeiten verfügen, die uns vertraut oder ihnen gar überlegen sind. Säugetiere sind beispielsweise nicht nur empfindungsfähig, sondern ähneln uns darin.

Von den Büchern, die ich über Wale kenne, ist dieses mit Abstand das schönste und beste.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Hilfe, ich bin von Fallen umstellt!

Die Online-Dating-Falle
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Wenn ich einmal nicht der Versuchung widerstehen kann und auf meinem Handy nach rechts wische, dann sehe ich, was mir Herr oder Frau Gugel so alles zum Lesen anbietet. Und dann kommen sie, diese ewig langen ...

Wenn ich einmal nicht der Versuchung widerstehen kann und auf meinem Handy nach rechts wische, dann sehe ich, was mir Herr oder Frau Gugel so alles zum Lesen anbietet. Und dann kommen sie, diese ewig langen Artikel mit Warnungen vor Hitze, tödlichen Unwettern, leeren Konten, falscher Bepflanzung in meinem Garten und wer weiß was noch allem. Falls man diesen volkserzieherischen Quatsch liest, wird man feststellen, dass die Schreiberlinge niemals gleich auf den Punkt kommen, wenn überhaupt. Das hat einen ganz einfachen Grund: Man soll möglichst lange auf diesen Seiten verweilen.

Was hat das nun mit diesem Buch zu tun? Nun, erstens warnt auch der Autor vor einer angeblichen Falle, zweitens kommt er auch nicht auf den Punkt und drittens scheint er auch zu einer Sorte Mensch zu gehören, die genau weiß, wie wir glücklich werden. Steht ja schließlich auf dem Cover. Obwohl ich mit ziemlicher Sicherheit niemals eine Dating-Plattform benutzen würde, interessiert mich menschliches Verhalten. Und das kann man dort vermutlich gut beobachten. Also habe ich mich durch dieses völlig überladene und unsortierte Buch gequält, das offenbar keinen oder einen sehr schlechten Lektor gehabt hat. Ein guter Lektor hätte dem Autor vermittelt, dass sein Text dringend eine Straffung und eine verständliche Kapiteleinteilung braucht. Und ihm wären auch Schnitzer aufgefallen. Beispielsweise kann sich der Autor nicht entscheiden, ob einer der Fragebogenerfinder für solche Plattformen nun zwei oder gar drei Mal geheiratet hat. Beide Informationen kommen im Abstand von nur wenigen Seiten.

Wovor warnt dieses Buch nun eigentlich? Überraschenderweise hat der Autor herausgefunden, dass Dating-Plattformen gar nicht an unserem Glück interessiert sind, sondern vorrangig am Geld der Suchenden. Man sollte aber andererseits kein billiges Basis-Abo wählen, weil man dann nicht sichtbar wird. Das Premium-Angebot hat allerdings stattliche Preise. Je länger man sucht, umso besser für den Anbieter. Obwohl keine genauen Zahlen bekannt sind, vermutet der Autor, dass bedeutend mehr Männer auf solchen Plattformen zu finden sind als Frauen. Deshalb kann es gar nicht sein, dass zu jedem Suchenden ein passendes Match gefunden wird. Auch das ist wenig überraschend. Und dann lauern dort natürlich unzählige ganz fürchterliche Fallen. Beispielsweise können Daten weitergegeben werden und die eigene Identität abhandenkommen. Man kann einem Heiratsschwindler aufsitzen und dem sein Vermögen überlassen. Und man kann auf Fake-Profile hereinfallen. Wie wahrscheinlich das ist, vermittelt der Autor nicht. Woher soll er das auch wissen? Man kann auch im Straßenverkehr umkommen. Also lieber zu Hause bleiben.

Interessant hingegen sind Untersuchungen, wie sich Menschen bei einem Match verhalten. Dafür gibt es inzwischen eine ganze Begriffswelt. Und weil das ganze Dating-Zeug so schrecklich kompliziert ist, existieren inzwischen auch Beratungsfirmen, die vieles gegen Cash übernehmen. Das ist dann die Steigerung von parasitärem Verhalten. Wer dumm ist, zahlt eben drauf.

Was schlägt der Autor also nun vor, damit wir nicht in die Dating-Falle laufen? Überraschenderweise sollen wir mehr am realen Leben teilnehmen. Auf die Idee, dass auch beides geht, kommt der Autor nicht. In meiner etwas größeren Familie gibt es zwei Paare die sich über solche Plattformen kennengelernt haben. Das sind eindrucksvoll viele, und in Fallen sind sie nicht gelaufen.

Auf der einen Seite ist dieses Buch ganz interessant, weil es für Außenstehende oder Leute, die überlegen, ob das eine für sie passende Partnerfindungsmethode sein könnte, eine Reihe von Informationen enthält. Andererseits sah sich der Autor ganz offenbar außerstande aus der Fülle seines Materials ein gut sortiertes Buch zu machen. Darüber hinaus geriert er sich als ungefragter und leicht übergriffiger Ratgeber für seine Leser. Und zwar zu Themen, die deutlich über die Partnersuche hinausgehen.

Man kann diesen Text auf ein Drittel des Umfangs reduzieren ohne seinen Inhalt zu beschädigen.

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