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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2025

Be-ziehung statt Er-ziehung

Erziehung war gestern
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Als ich Ruth Abrahams „Erziehung war gestern“ anfing zu lesen, hatte ich keine Ahnung, wie viel inspirierender und provokanter Inhalt mich in diesem dünnen Büchlein erwartet. Die Autorin stellt interessante ...

Als ich Ruth Abrahams „Erziehung war gestern“ anfing zu lesen, hatte ich keine Ahnung, wie viel inspirierender und provokanter Inhalt mich in diesem dünnen Büchlein erwartet. Die Autorin stellt interessante Ideen vor, wie wir mit unseren Kindern umgehen können. Dabei verzichtet sie auf einen oberlehrerhaften Tonfall und den erhobenen Zeigefinger, fordert den Leser aber mit provokanten Denkanstößen und Reflexionsfragen heraus.

Gefreut habe ich mich über ihr tiefes Verständnis und darüber, gesehen zu werden. Denn Elternschaft und Care-Arbeit sind in unserer Gesellschaft noch immer oft ungesehen und mit wenig Anerkennung und Unterstützung verbunden. Ich verspürte auch Erleichterung bei ihren Ratschlägen, da ich mich in meinem Umgang mit meinen eigenen Kindern bestätigt gefühlt habe. Doch nicht nur das, ich kann auch Inspiration und praxisnahe Vorschläge aus dem Buch mitnehmen.

Dennoch haben mir nicht alle Inhalte gefallen. Zuweilen ist Abrahams Ton sehr dominant, fast schon aggressiv und nicht jeden ihrer Gedankengänge fand ich nachvollziehbar. Das tut aber der Sinnhaftigkeit ihrer innovativen Perspektive keinen Abbruch. Ich konnte die Inhalte für mich gut selektieren und picke mir raus, was ich für mich und meine Familie gebrauchen kann. Ohne Stress und Druck, ganz im Sinne der Autorin:

Und nicht vergessen: Du bist und bleibst souverän auf deinem Weg. Dies ist auch ein Anti-Ratgeber: „Ich weiß nicht, was für dein Leben gut ist. Geh einfach los und setze das um, was zu deiner Familie und deinem Weg passt und vor allem, was deinen Werten entspricht.“

Veröffentlicht am 12.12.2025

Epischer Kampf von Licht und Schatten

Die Chroniken von Wetherid
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In Aufbau und Namensgebung habe ich mich bereits zu Anfang des Buches „Die Chroniken von Wetherid“ stark an „Herr der Ringe“ erinnert gefühlt. Christian Dölder entführt den Leser in eine fantasievoll ausgestaltete ...

In Aufbau und Namensgebung habe ich mich bereits zu Anfang des Buches „Die Chroniken von Wetherid“ stark an „Herr der Ringe“ erinnert gefühlt. Christian Dölder entführt den Leser in eine fantasievoll ausgestaltete Welt voller magischer Kreaturen und Wesen. Diese Wesen sind zahlreich und so hält der Autor es auch mit den Charakteren. Zuerst war ich mit den vielfältigen Namen und Informationen überfordert, aber nach und nach kristallisiert sich eine liebenswerte Gruppe heraus, die in einer detailliert ausgestalteten Fantasiewelt vor gefährliche Herausforderungen und den Kampf gegen die Dunkelheit gestellt wird.

Gewöhnungsbedürftig war für mich der teilweise etwas umständliche Schreibstil des Autors, der aber bei solchen Geschichten nicht ungewöhnlich ist. Oft denken die Figuren in wörtlicher Rede, was ich persönlich nicht so mag. Die Aufgaben und Umgebungen sind hingegen von faszinierender Detailliertheit. Manchmal etwas zu langatmig beschrieben, aber das ist Geschmacksache.

Das Grundthema ist der unerschöpfliche Kampf von Schatten und Licht. Die Begleiter der Hauptcharaktere sind Mut, Hoffnung, Freundschaft und das Streben nach Gerechtigkeit. Christian Dölder hat spürbar Herzblut in die Handlung investiert, inspiriert von großen Geschichten und beflügelter Fantasie.

Veröffentlicht am 12.12.2025

Mystisch, philosophisch, weise - ein außergewöhnliches Buch

Der Ruf der Nomaden
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Um 1950. Wir befinden uns auf einem Schiff. Bei stürmischer See. Ein Mann fällt besonders auf, denn er scheint unerschütterlich. Eine Gruppe von Menschen bildet sich um ihn und der Mann erzählt seine Geschichte. ...

Um 1950. Wir befinden uns auf einem Schiff. Bei stürmischer See. Ein Mann fällt besonders auf, denn er scheint unerschütterlich. Eine Gruppe von Menschen bildet sich um ihn und der Mann erzählt seine Geschichte. Er heißt Jonathan, doch das ist nicht sein einziger Name. Als Junge hat er bei einem Nomadenstamm gelebt, was seine Entwicklung für immer geprägt hat. Wir reisen mit ihm zurück ins frühe 20. Jahrhundert. Ein kleines Dorf, ein Nomadenstamm, bedrohliche Wölfe. Und der Junge, der das Schicksal aller verändern wird ….


„Der Ruf der Nomaden - Die Initiation“ ist der erste Band einer außergewöhnlichen Reihe. Für mich war es auch der erste Roman des Autors und sein Inhalt hat mich nachhaltig beeindruckt. Aufgrund seines speziellen und etwas umständlichen, aber dennoch eindringlichen Schreibstils, ist das Buch sicher nicht jedermanns Sache. Ich brauchte eine Weile, um hineinzufinden, aber die Geschichte ist so atmosphärisch und interessant, dass ich unweigerlich in ihren Bann gezogen wurde. Sie liest sich wie ein mystisches Märchen und ist gesponnen aus Realismus und faszinierender Fiktion.


Was mich besonders berührt hat, ist die tiefgreifende Weisheit zwischen den Zeilen, aber auch ganz klar formuliert und verständlich in ganzen Passagen. Ich verspürte das Bedürfnis, sie zu markieren oder herauszuschreiben, um mich auch später noch damit befassen zu können. Die Geschichte hat mich zum Nachdenken gebracht, auch nachdem ich sie beendet hatte. Sie fordert Geist und Emotionen und auch Geduld, denn sie entfaltet sich langsam, für manchen vielleicht sogar langatmig, sanft und manchmal brutal. In jedem Fall ist sie etwas ganz besonderes.

Veröffentlicht am 12.12.2025

Mut zur Liebe und zum Leben

Die tausend Farben von Paris
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Jack, Rose, Frank und Amelie. Was verbindet diese liebevoll ausgearbeiteten Charaktere in „Die tausend Farben von Paris“? Nicht nur die Liebe zu Frankreich, sondern auch zur Kunst. In Catherine Durands ...

Jack, Rose, Frank und Amelie. Was verbindet diese liebevoll ausgearbeiteten Charaktere in „Die tausend Farben von Paris“? Nicht nur die Liebe zu Frankreich, sondern auch zur Kunst. In Catherine Durands berührendem Roman begleiten wir Jack, den ambitionierten Maler, Rose, die erfrischende Fotografin, Frank, den Bühnenstar und Amelie, die Blumenliebhaberin auf ihren schicksalhaften Wegen, die auf unvorhersehbare Weise miteinander verknüpft werden.

Was mir besonders gefallen hat, waren die bildhaften, spürbaren Emotionen, die durch Durands flüssigen und packenden Schreibstil transportiert werden. Es fiel mir leicht, in die Geschichte hineinzufinden. Die Charaktere sind so authentisch und liebenswert, dass es mir eine Freude war, sie kennenzulernen. Ich habe mit jedem der Vier mitgefiebert und auf ein glückliches Ende gehofft.

Sehr gut gelungen und absolut faszinierend ist die Einbindung realer Orte, Personen und geschichtlicher Ereignisse in die fiktive Geschichte. Dadurch wurde für mich alles noch lebhafter. Außerdem wartet die Autorin mit allem auf, was ein fesselndes Buch braucht: Romantik, Drama, Thrill und überraschende Twists. Mir hat es wunderbar gefallen und ich vergebe verdiente fünf Sterne für die großartige Unterhaltung.

Veröffentlicht am 12.12.2025

Mitten durch den Schmerz

Dem Sturm entgegen
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Eine schicksalhafte Nacht hebt Enyas nach außen hin so beschauliches Leben aus den Angeln. Bei Nacht und Sturm rettet die Ärztin einen verunfallten Jungen, danach findet sie nicht mehr zurück in den Alltag, ...

Eine schicksalhafte Nacht hebt Enyas nach außen hin so beschauliches Leben aus den Angeln. Bei Nacht und Sturm rettet die Ärztin einen verunfallten Jungen, danach findet sie nicht mehr zurück in den Alltag, in ihre Familie. Schon lange sind ihr Mann und Enya nicht mehr glücklich miteinander und ihr gemeinsamer Sohn kapselt sich zusehends ab. Sie braucht einen Neustart, doch auch als Landärztin in einem weit entfernten Dorf, lässt der Unfall des Jungen Enya nicht los. Jetzt, wo sie in dem Alter ist, in dem ihre Mutter viel zu früh verstorben ist, gerät ihr Leben unwiderruflich in eine Krise …

Schon seit „P.S. Ich liebe dich“ bin ich Fan von Cecelia Aherns Romanen. Viel Zeit ist seitdem vergangen, ihre Geschichten haben sich verändert, behandeln ernste, moralisch graue Themen, gehen in die Tiefe. In „Dem Sturm entgegen“ schlittert Protagonistin Enya in einen Strudel aus Angst, Schuld und Hoffnung. Realitätsnah und authentisch durchleben wir mit ihr gemeinsam den Verlust von Integrität, vom sicheren Stand und dem Vertrauen ins Leben. Wie schnell verliert man den Boden unter den Füßen, wird geradezu wahnhaft, wenn alles im Chaos zu versinken scheint? Doch Enya erfährt auch Güte und Freundschaft, darf sich ganz neu sortieren. „Dem Sturm entgegen“ zeigt berührend, dass der Weg oft mitten durch den Schmerz führt.

Ich konnte mich in Enya, die wir in personaler Erzählperspektive begleiten, gut hineinversetzen. Sprecherin Sandrine Mittelstädt hat dazu aktiv beigetragen. Sie gibt Enya eine authentische und sehr angenehme Stimme, liest lebhaft und mit emotionaler Tiefe. Gefallen hat mir an der Geschichte sehr, dass ich sie nicht vorausahnen konnte und sie einen eleganten, wenn auch schmerzhaften Bogen nimmt, der zu einer runden Handlung führt. Dass mich Enyas Schicksal ehrlich berührt hat, habe ich dadurch gemerkt, dass ich noch tagelang über das Hörbuch nachgedacht habe.