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Veröffentlicht am 24.09.2020

200 Seiten weniger hätten dem Buch gut getan

Der Halbbart
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Sebi ist etwa 12 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und den beiden älteren Brüdern in einem Dorf in Schwyz. Er zeichnet sich durch sein gutes Gedächtnis und seine Vorliebe für erzählte Geschichten aus. ...

Sebi ist etwa 12 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und den beiden älteren Brüdern in einem Dorf in Schwyz. Er zeichnet sich durch sein gutes Gedächtnis und seine Vorliebe für erzählte Geschichten aus. Eines Tages erreicht ein Fremder, der Halbbart, das Dorf. Sebi freundet sich mit ihm an und profitiert von der Weisheit des Fremden…

Der Roman „Der Halbbart“ besticht durch seine schöne Sprache und den Erzählstil. Wir verfolgen die Ereignisse durch die Augen des Jungen Sebi. Sebi ist schlau, aufgeweckt, etwas naiv, hat aber das Herz am rechten Fleck. Und genauso ist auch die Erzählweise. Sebi hinterfragt grundsätzlich das Verhalten seiner Mitmenschen und kommentiert dies. Das ist zum Teil witzig, manchmal unfreiwillig komisch, weil Sebi noch zu jung ist, um die Zusammenhänge zu begreifen. Der Text wirkt trotz der zum Teil schrecklichen und blutrünstigen Ereignisse meistens sehr positiv von der Grundstimmung her, was das sonnige Gemüt von Sebi widerspiegelt. Im Laufe des Buches macht Sebi eine Entwicklung durch und wird erwachsen.

Der Höhepunkt des Buches ist für mich die Gerichtsverhandlung, die jedoch schon während der ersten Hälfte des Buches stattfindet. Der Autor Charles Lewinsky erzählt in „Der Halbbart“ viele Geschichten in einer. Oft enden die Erzählungen allerdings noch nicht auserzählt an einer Stelle und werden auch nicht wieder aufgegriffen. Wir begleiten das Leben von Sebi und wenn er an einem Punkt dem Geschehen den Rücken zudreht, wenden auch wir uns neuen Ereignissen zu.

Das ist auch mein größter Kritikpunkt an dem Roman. Viele Handlungsstränge enden im Nirgendwo, obwohl ich als Leserin noch viele Fragen dazu hätte oder obwohl dieser Strang richtig spannend war. Dann geht es mit einer neuen Geschichte weiter, die mich jedoch oft gar nicht neugierig auf das weitere Geschehen macht. Zum Schluss wollte ich einfach nur noch, dass es endlich vorbei ist und ich das Buch beenden kann. Der Inhalt des Buches dümpelte für mich irgendwann nur noch vor sich hin und oft empfand ich das Erzählte als sehr langatmige Plauderei. Da konnte auch der schöne Erzählstil nichts mehr retten. Das letzte Kapitel ist noch einmal super, aber für ein umwerfendes Buch reicht es dann doch nicht, ein gutes letztes Kapitel zu schreiben.

Nach meiner Ansicht wäre hier weniger mehr gewesen. Weniger Ereignisse und dafür auf das Interessante konzentriert. Mehr Erlebnisse vor die Gerichtsverhandlung gepackt und die Verhandlung als Höhepunkt am Ende des Buches – dann wäre dies ein spannendes, lehrreiches Buch geworden.

Veröffentlicht am 24.09.2020

Ein Buch, wie ein schöner Sommerabend

Das Buch eines Sommers
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Nicolas will Schriftsteller werden, wie sein Lieblingsonkel Valentin. Doch dann übernimmt er die Firma seines Vaters, die ihn völlig auffrisst. Seine Frau und sein Sohn kommen immer zu kurz. Doch dann ...

Nicolas will Schriftsteller werden, wie sein Lieblingsonkel Valentin. Doch dann übernimmt er die Firma seines Vaters, die ihn völlig auffrisst. Seine Frau und sein Sohn kommen immer zu kurz. Doch dann stirbt Onkel Valentin und reißt Nicolas aus seinem Trott…

Die Stimmung des Buches ist schlicht und einfach wohltuend. Sie umschmeichelt mich versöhnlich, hat trotz der ernsten Themen einen positiven, lebensbejahenden Unterton und ich möchte ewig in „Das Buch eines Sommers“ von Bas Kast eintauchen.

Das Buch enthält wunderschöne Gespräche und Gedanken zu den Themen Leben und Tod, Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung. Diese Abschnitte habe ich sehr genossen, die Überlegungen sind oft sehr treffend und die Diskussionen haben mich wiederholt zum Weiterdenken angeregt.

Dazu kommt, dass ich mir schon früh die Frage gestellt habe, wie viel von Bas Kast steckt in der Hauptfigur Nicolas und wie sehr identifiziert sich der Autor mit seinem Hauptprotagonisten.

Ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und gerne anderen Leser/innen ans Herz lege. Gerade für die kommenden regnerischen und stürmischen Tage ein schönes Buch, um darin zu versinken, nachzudenken und sich neue Anregungen zu holen.

  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.09.2020

Eine Neuentdeckung für mich

Wer auf dich wartet
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Zoe wird in ihrer Wohnung ermordet. Im Focus der Ermittlungen stehen ihre Freunde. Da ist die magersüchtige Angeline, die männerfixierte Maeve, der jähzornige Victor, ihr Vermieter Felix und ihr Geliebter ...

Zoe wird in ihrer Wohnung ermordet. Im Focus der Ermittlungen stehen ihre Freunde. Da ist die magersüchtige Angeline, die männerfixierte Maeve, der jähzornige Victor, ihr Vermieter Felix und ihr Geliebter Aidan. DCI Jonah Sheens und sein Team erforschen das Sein und den Schein dieser Personen und kommen dem Täter dadurch langsam aber stetig näher.

Für mich war „Wer auf dich wartet“ von Gytha Logde der erste Krimi dieser Autorin. Ich bin begeistert. Das liegt zum einen daran, dass ich Whodunit-Krimis im Stil des englischen Kriminalromans sehr mag. Die Ermittler fangen an, die Verdächtigen zu ermitteln, einzugrenzen, decken nach und nach deren Leben und Geheimnisse auf. Als Leser/in bin ich mit dabei, mache mir meine Gedanken, finde Verdächtige, verwerfe meinen Verdacht wieder. Dieses Rätselraten auf Seiten der Polizei und auch auf Seiten der Leser mag ich und genieße es sehr.

Doch auch das Ermittlerteam, das in Teilen ein wenig blass bleibt, finde ich sehr interessant. Da ist der Chef DCI Jonah Sheens. Er lebt für seine Arbeit, hadert mit der Liebe und den beiden Frauen, die sich in sein Herz geschlichen haben. Er versteht es, sein Team zu leiten und zu motivieren. Die Frau im Team Juliette Hanson ist klug und sehr empathisch. Im Umgang mit ihren Kollegen wirkt sie zum Teil ein wenig unsicher, was wohl ihrer schlechten Erfahrung mit einem Exfreund zuzuschreiben ist. Ben Lightman ist der Womanizer des Teams. Jede weibliche und auch einige männliche Verdächtige sowie Zeugen erliegen umgehend seinem Charme. Das sorgt für Erheiterung im Dezernat. Ansonsten ist er verschwiegen, was sein Privatleben angeht, aber immer zur Stelle, wenn er gebraucht wird.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen. Zum einen befinden wir uns in der Gegenwart und begleiten die Polizei oder eine Person aus dem Umfeld des Opfers. Zum anderen gibt es den Handlungsstrang, der 20 Monate vorher beginnt und die Entwicklung zeigt, die zur Tat geführt hat. Beide Erzählebenen habe ich unterhaltsam und spannend gefunden. Dadurch, dass wir erfahren, was in der Vergangenheit passiert ist, gewinnen wir eine genauere Vorstellung vom Opfer und dem Kreis der Verdächtigen.

Fazit: Ein spannender Krimi der englischen Machart, der mich gut unterhalten hat. Nun werde ich erst einmal Teil 1 „Bis ihr sie findet“ lesen und dann sehnsüchtig auf Teil 3 warten.

Veröffentlicht am 13.09.2020

Spannendes Finale

Feuerrache
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Nach dem Tod ihrer Mutter geht Sara mit ihrer Schwester Lina nach Stockholm zurück. Fortan arbeitet sie bei den schwedischen Streitkräften. Auch hier steigt sie schnell in der Hierarchie nach oben. Mittlerweile ...

Nach dem Tod ihrer Mutter geht Sara mit ihrer Schwester Lina nach Stockholm zurück. Fortan arbeitet sie bei den schwedischen Streitkräften. Auch hier steigt sie schnell in der Hierarchie nach oben. Mittlerweile hat sich der Konflikt zwischen Sara und der Geheimorganisation, die sie jagt, dermaßen verschärft, dass ihr kaum eine Ruhepause gegönnt wird…

Der dritte und letzte Teil der Widerstandstrilogie hat endlich das, was ich mir auch schon bei den ersten beiden Bänden gewünscht habe: er hat Tempo, er hat überraschende Wendungen, er hat eine dichte Handlung. Kurzum: er ist richtig spannend. Obwohl die Welt von Sara, Andreas und Sally eher beschaulich und strukturiert ist, verdichten sich die Ereignisse, die die drei aufrütteln und zum Handeln zwingen sollen. Sie fühlen sich verfolgt, der BSV scheint alles aus ihrem Leben zu wissen. Sie werden in kompromittierende Situationen geführt, aus denen es kein Entkommen zu geben scheint. Nach wie vor wissen sie jedoch nicht, was ihre Widersacher genau von ihnen wollen – außer ihnen ein Gefühl von Hilflosigkeit und Angst zu vermitteln.

Und auch als Leser/in frage ich mich, was die Geheimorganisation im Hintergrund bezweckt und warum sie sich die drei nicht einfach schnappt. Stattdessen tauchen immer wieder Personen auf, die Sara in die eine oder andere Richtung drängen wollen. Oft ist nicht klar, wer zu den Guten oder den Bösen gehört. Dazwischen wird die Handlung, wie auch schon bei „Blutblume“ und „Scheintot“, von Zeitungsmeldungen oder anderen Berichten unterbrochen, die sich mit korrupten Vorgängen in Schweden befassen.

Als schließlich klar wird, was sowohl BSV als auch der Widerstand von Sara wollen, beginnt ein Wettlauf auf Leben und Tod. Dabei habe ich die Actionszenen nie als zu aufgeblasen oder langwierig empfunden. Die Szenen waren spannend und haben zum Mitfiebern angehalten.

„Feuerrache“ ist ein toller und spannender Abschluss einer Reihe, die in den ersten beiden Teilen ein paar Längen aufweist und durch die willkürliche Gewalt manchmal genervt hat. Wir bekommen endlich Antworten auf alle Fragen, die wir uns in den beiden vorherigen Bänden gestellt haben. Sara möchte ich auch im dritten Teil das eine oder andere Mal schütteln, weil sie sich alles gefallen lässt. Da sie jedoch aktiver agiert und sich immer wieder Unterstützung holt, konnte ich mit ihr in diesem Band insgesamt gut leben. Und zum Schluss tut sie genau das, was ich schon ein paar Seiten lang von ihr erwartet habe. Damit versöhnt sie mich dann vollends. Wer Teil 1 + 2 gelesen hat, sollte sich das Ende nicht entgehen lassen.

Veröffentlicht am 13.09.2020

Tolles Buch

Das Lied des Wolfes
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Die Stählerne Horde im Norden hat einen neuen Anführer – Kehlbrand. Ihm gelingt, was bisher noch keinem gelang, er kann die verschiedenen Stämme seines Volkes einen und die Treue eroberter Völker erlangen, ...

Die Stählerne Horde im Norden hat einen neuen Anführer – Kehlbrand. Ihm gelingt, was bisher noch keinem gelang, er kann die verschiedenen Stämme seines Volkes einen und die Treue eroberter Völker erlangen, indem er sich zum Gott erklärt. Vaelin al Sornas muss nun genau dahin, wo die Stählerne Horde ihr Unwesen treibt. Denn er will Sherin retten, die Frau, die er vor Jahren geliebt und dann weggeschickt hat…

„Das Lied des Wolfes – Rabenklinge 1“ ist das erste Buch, das ich von Anthony Ryan gelesen habe. Von Anfang an fällt mir auf, dass der Autor sehr gut und routiniert schreibt. Der Einstieg in die Geschichte bereitete mir keine Probleme, da der Schreibstil einen sofort mitnimmt.

Ich hatte zu Beginn lediglich die Befürchtung, dass ein großer Teil der Handlung Kämpfe darstellt. Denn direkt zu Beginn geht es immer wieder ums Kämpfen. Doch diese Befürchtung bewahrheitet sich zum Glück nicht. Erst einmal begibt sich unser Held Vaelin al Sornas mit seinen Gefährten in das Nachbarreich. Seine Ankunft und die Schilderung der damit verbundenen Schwierigkeiten habe ich als ein wenig langatmig empfunden.

Doch nach dem ersten Drittel des Buches hat die Handlung mich voll und ganz gepackt. Denn zum einen erfahren wir durch Luralyn, die Schwester von Kehlbrand, wie dieser seine Macht zementiert, indem er die Priester ausschaltet, die Sklaven befreit und erste Eroberungszüge durchführt. Zum anderen begleiten wir Vaelin auf seiner abenteuerlichen und spannenden Reise. Schnell hat sich der Turmherr der Nordlande durch seine Intelligenz, seinen Mut und Führungsstärke in mein Herz geschlichen. Ebenso seine Gefährten, wie z. B. sein Bruder, seine Nichte und alte Gefährten sowie auch die willensstarke Heilerin Sherin.

Die Handlung habe ich als extrem abwechslungsreich empfunden. Es passiert laufend etwas und Anthony Ryan versteht es, eine packende Geschichte mit viel Tempo zu erzählen. Sehr gut gefallen hat mir, dass es magische Fähigkeiten gibt und Figuren, die Teile der Zukunft vorhersagen können. Das hat der Handlung eine besondere Note verliehen.

Der Kampf zum Ende des Buches hat mich ein wenig ermüdet. Obwohl auch dieser sehr abwechslungsreich gestaltet war, hat er mir insgesamt zu lang gedauert. Die Schlussszene dieses tollen Buches war für mich noch einmal ganz großes Kino und hat mich ungemein begeistert.

Nun werde ich in der nächsten Zeit die vorherigen Abenteuer von Vaelin al Sornas, die in der Rabenschatten-Trilogie niedergeschrieben sind, lesen und warte dann auf den zweiten Teil von Rabenklinge.