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Veröffentlicht am 27.01.2023

Gute Unterhaltung

Bissle Spätzle, Habibi?
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Amaya ist die älteste Tochter einer marokkanischen Familie. Ihre jüngere Schwester heiratet morgen und ihr Bruder kündigt seine Verlobung an. Nur Amaya ist immer noch Single. Damit das nicht so bleibt, ...

Amaya ist die älteste Tochter einer marokkanischen Familie. Ihre jüngere Schwester heiratet morgen und ihr Bruder kündigt seine Verlobung an. Nur Amaya ist immer noch Single. Damit das nicht so bleibt, melden ihre Schwester und ihre Mutter sie auf Minder an, der muslimischen Dating-App. Ihr erstes Date mit Ismael ist so erfolgreich, dass sich die beiden ein weiteres Mal treffen. Doch als Amaya Daniel, den besten von Freund von Ismael, kennenlernt, ist es um sie geschehen. Schnell sind die beiden ein Paar und Daniel stellt sie auch seiner schwäbischen Familie vor. Nur Amaya weiß nicht, wie sie ihrer Familie beibringen soll, dass sie einen Atheisten und zudem noch Schwaben datet.

Wie realistisch das Leben und die kulturellen Hintergründe von Amaya und ihrer Familie dargestellt werden, kann ich nicht beurteilen. Mir ging es beim Lesen darum, eine schöne Liebesgeschichte zu genießen, in der zwei Kulturkreise aufeinandertreffen.

Die Autorin Abla Alaoui erzählt uns ihre Geschichte auf zwei Ebenen. Da ist die junge Amaya, die in der Schule auf Klara trifft. Die beiden werden beste Freundinnen und Klara bringt der jungen Amaya die ganzen Dinge über Jungs und die Liebe bei, die diese Zuhause nicht erfährt. In der Gegenwart sind Klara und Amaya immer noch beste Freundinnen und teilen nach wie vor Freud und Leid miteinander. Amaya ist eine selbstständige, mutige und selbstbewusste Frau geworden. Nur wenn es um die Liebe geht, traut sie sich nicht, ihren Eltern die Wahrheit zu sagen.

Der Schreibstil der Autorin hat mir ausgesprochen gut gefallen. Denn auch schwierige Themen vermittelt mir Abla Alaoui mit großer Leichtigkeit, die sich auf alles im Buch überträgt. Das macht das Lesen sehr angenehm, denn das Leben in dem Buch ist schön, auch wenn es gerade Probleme zu überwinden gilt. Diese Lebensfreude zu begleiten, hat mir einfach gut getan.

Leider geht Amaya jedoch nicht alle Schwierigkeiten konsequent an, sodass sie sich zum Ende des Buches immer größere Lügengebilde aufbaut. Sie sieht auch nicht, dass der Weg aus diesen Lügen im Laufe der Zeit nicht leichter, sondern immer schwerer wird. Da hätte ich sie gerne geschüttelt und sie zu einer Entscheidung genötigt. Die Geduld und Toleranz von Daniel hätte ich auf keinen Fall aufgebracht. Beides war bei mir als Leserin irgendwann erschöpft. Dabei habe ich mich dann gefragt, ob das daran liegt, dass ich ihre besondere kulturelle und familiäre Situation nicht ausreichend nachvollziehen kann.

Doch bis auf die Tatsache, dass Amaya meint, sich in einem unlösbaren Dilemma zu befinden, hat mir das Buch sehr gut gefallen und mich super unterhalten. Gerne mehr davon!

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Veröffentlicht am 21.01.2023

Ich will mehr davon

Grenzfall - In der Stille des Waldes
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Bei Bauarbeiten im Tiroler Gnadenwald werden ausgestopfte Dachse gefunden, die in ihrem Inneren Babykleidung beherbergen. Da der Fund ungewöhnlich ist, zieht die Bezirkspolizei den erfahrenen Chefinspektor ...

Bei Bauarbeiten im Tiroler Gnadenwald werden ausgestopfte Dachse gefunden, die in ihrem Inneren Babykleidung beherbergen. Da der Fund ungewöhnlich ist, zieht die Bezirkspolizei den erfahrenen Chefinspektor Bernhard Krammer und seine Kollegin zu den Ermittlungen hinzu. Schnell wird den beiden klar, dass hinter den vergrabenen Dachsen ein weit größeres Verbrechen steckt. Zur selben Zeit begibt sich Oberkommissarin Alexa Jahn in Deutschland mit einem ehemaligen Kollegen auf die Suche nach einem Tatverdächtigen in einem Mordfall.

„Grenzfall – In der Stille des Waldes“ von Anna Schneider ist der dritte Teil um die deutsche Oberkommissarin Alexa Jahn und den österreichischen Chefinspektor Bernhard Krammer. Für mich war es der erste Fall, den ich von dem Duo gelesen habe – und ich bin begeistert.

Die Ermittler und ihre beruflichen sowie privaten Verwicklungen sind spannend. Beide waren mir sehr schnell ungemein sympathisch. Beide sind stark, mutig und neugierig. Es hat mir super gefallen, sie bei ihren Ermittlungen zu begleiten.

Die beiden Fälle waren interessant, wobei die Autorin es stets geschafft hat, die Ermittlungen so weit voranzutreiben, dass Entwicklungen erkennbar wurden und sich gleichzeitig viele neue Fragen stellten, sodass es spannend blieb. Beiden Fährten bin ich gleich gerne gefolgt. Wobei ich mich stets gefragt habe, ob die Ermittlungen zum Ende hin zusammenlaufen oder ob es zwei voneinander unabhängige Fälle bleiben werden. Anna Schneider hat beide Handlungsstränge sehr geschickt nebeneinander erzählt. Dabei hat sie die Spannung konstant hochgehalten, sodass ich das Buch innerhalb kürzester Zeit beendet hatte.

Einen Ausblick auf den vierten Band liefert sie gegen Ende des Buches auch noch, sodass ich es kaum erwarten kann, zu erfahren, wie es weitergeht. Bis dahin kann ich zum Glück erst einmal die ersten beiden Grenzfall-Bücher lesen. Mich hat die Autorin auf jeden Fall von ihrem Können überzeugt und ich hoffe auf viele weitere spannende Fälle.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2023

Erschreckende Zukunftsvision

Mind Gap
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Wie wäre unser Leben, wenn wir einen Chip ins uns tragen würden, mit dessen Hilfe wir jede Sprache sprechen könnten? Der dafür sorgt, dass wir traumatische Erlebnisse einfach vergessen? Wie sähe die Rückseite ...

Wie wäre unser Leben, wenn wir einen Chip ins uns tragen würden, mit dessen Hilfe wir jede Sprache sprechen könnten? Der dafür sorgt, dass wir traumatische Erlebnisse einfach vergessen? Wie sähe die Rückseite der Medaille aus?

Die Autorin Anne Freytag entwirft in ihrem neuen Thriller genau so ein Szenario. Und das ist unglaublich spannend. Obwohl ich, seitdem Corona unsere Welt im Griff hatte, Verschwörungsmythen gegenüber sehr skeptisch bin, schafft es die Autorin schnell, mich mit ihrer Geschichte in den Bann zu ziehen.

Doch worum geht es: Vor zwei Jahren hat die Journalistin Silvie Mankowitz ihren Bruder Samuel zu Grabe getragen. Deshalb kann sie es erst auch gar nicht glauben, als eines Abends ihr Handy klingelt und eben jener Bruder ihr mitteilt, dass er sie dringend sehen muss. Doch am vereinbarten Treffpunkt taucht er nicht auf. Wenig später stehen ein Polizist und eine Psychologin vor ihrer Tür, um ihr mitzuteilen, dass ihr Bruder sich vor wenigen Stunden das Leben genommen hat. Silvie ist erschüttert von den aktuellen Ereignissen und will Licht in das dunkle Geheimnis um ihren Bruder bringen.

Wir erleben die Geschichte anhand mehrerer Handlungsstränge. Einen bilden die Ereignisse um Silvie Mankowitz. Zeitgleich arbeitet in Manila Mayari Morales in einem Unternehmen, das für die Überwachung von Daten weltweit zuständig ist. Jede Nachricht, jeder Post im Internet muss überprüft werden. Gefährliche Inhalte werden gelöscht. So zumindest sollte die Arbeit von Mayari und ihren Kollegen aussehen. Nun muss Mayari jedoch feststellen, dass etwas nicht so läuft wie sonst. Wie hängen die beiden Ereignisse zusammen und was hat damit die Politikerin Dr. Irene Kallmann zu tun? Diese bereitet sich auf den wichtigsten Schritt in ihrer Karriere vor, denn morgen sind Wahlen und sie ist die Favoritin für das Amt der Kanzlerin. Ausgerechnet an diesem Tag wird ihr größter Widersacher ermordet – der rechte Politiker Johannes Nowak. Und wie passt der ehemalige Soldat Marc ins Bild, der dringend auf eine Nachricht von seinem besten Freund Samuel Mankowitz wartet?

Geschickt und unglaublich spannend verknüpft die Autorin diese Handlungsstränge. Jeder für sich hat mich den Atem anhalten lassen, hat mich vorangetrieben in der Geschichte, weil ich unbedingt wissen wollte, wie und ob die einzelnen Figuren heil aus der Sache herauskommen. Apropos, welcher Sache überhaupt? Worum geht es eigentlich genau? Und wie sieht der gemeinsame Nenner aus, der hinter allen Ereignissen steckt?

Selten habe ich einer so fesselnden Geschichte gelauscht. Die Autorin schafft es spielend, die Dramatik auf einem hohen Niveau zu halten. Zwischendurch war ich geradezu froh, wenn die Erzählung ein wenig ruhiger wurde, damit ich kurz Luft holen konnte.

Empfehlen kann ich, sich „Mind Gap“ als Hörbuch vorlesen zu lassen. Der Sprecher Herbert Schäfer liest gut, weiß sein Publikum zu fesseln. Doch die Sprecherin Vera Teltz hat mich geradezu umgehauen. Sie hat eine tolle Stimme und liest so lebendig, pointiert und mitreißend, wie ich es bislang selten erlebt habe. Daher mein Rat, das Buch unbedingt als Hörbuch zu genießen.

Veröffentlicht am 15.01.2023

Weder Fisch noch Fleisch

Ein Abend mit Marilyn
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In einem Restaurant wird der 36. Geburtstag von Marilyn Monroe gefeiert. Alle sind sie gekommen – Billy Wilder, Marilyns Mutter, ihre Schauspiellehrerin, Laurence Olivier und sogar einer ihrer Ex-Ehemänner. ...

In einem Restaurant wird der 36. Geburtstag von Marilyn Monroe gefeiert. Alle sind sie gekommen – Billy Wilder, Marilyns Mutter, ihre Schauspiellehrerin, Laurence Olivier und sogar einer ihrer Ex-Ehemänner. Wer fehlt ist das Geburtstagskind. Marilyn befindet sich Zuhause und ist bislang weder geschminkt noch angezogen.

Die Ausgangsidee fand ich gut und interessant. Da sitzen viele Berühmtheiten in einem italienischen Restaurant um einen Tisch und warten auf DAS Sexsymbol ihrer Zeit. Dabei geraten sie ins Plaudern über ihre Erinnerungen an Marilyn. Unterbrochen wurde dies durch einzelne Szenen, in denen wir erleben, was Marilyn zeitgleich in ihrer Wohnung treibt.

Doch nach und nach rückte das Warten auf Marilyn immer mehr in den Hintergrund. Verdrängt wurde das aktuelle Geschehen durch immer ausschweifendere Ausflüge in die Vergangenheit von Marilyn Monroe. Das Gefühl, ein Teil der wartenden Runde zu sein, konnte ich nicht mehr aufrechterhalten. Die Rückblicke lesen sich wie eine Biografie. Der Schreibstil ändert sich radikal. Wir schauen von außen auf das Geschehen. Geschildert werden Marilyns Geburt, ihre Kindheit und Jugend. Wir erfahren etwas über die Umstände der ersten Hochzeit, erhalten kurze Einblicke in ihre weiteren Ehen. Leider entfernen wir uns dadurch immer weiter von der Grundidee. Die illustre Gesellschaft im Restaurant dient lediglich noch als Stichwortgeber für weitere umfangreiche biografische Details.

Beim Lesen habe ich mich dann gefragt, was für ein Buch die Autorin, Maxine Wildner, eigentlich schreiben wollte? Eine unvollständige Biografie, einen biografischen Roman, einen Roman, indem sie uns eine Geschichte erzählt, die so fast wahr sein könnte? Zumindest in mir hat sich nach und nach der Eindruck festgesetzt, dass die Autorin sich nicht wirklich entscheiden konnte. Sie hatte eine gute Idee, wusste diese jedoch nicht mit einer Geschichte zu füllen und hat deshalb teilweise die Biografie von Marilyn Monroe erzählt.

Mich hat das Buch daher enttäuscht. Mehr feucht-fröhliche Tischgespräche mit kurzen Erinnerungen an die Begegnungen der versammelten Personen mit der Hollywood-Ikone in Verbindung mit Szenen von Marilyn, wie sie Zuhause unschlüssig ist, hätten das Buch zu einer hervorragenden Lektüre machen können. Schade fand ich zudem, dass die biografischen Schilderungen nicht einmal in jedem Fall von einer Person am Tisch stammen konnten, da keiner der Versammelten etwas mit den Geschehnissen zu tun hatte.

Das Buch „Ein Abend mit Marilyn“ ist auch nicht als eine Hommage an die Künstlerin zu sehen. Denn diese wird nicht positiv geschildert. Sie erscheint nach außen als reines Kunstprodukt, das innerlich unsicher, zerbrechlich und selbstzerstörerisch ist.

Insgesamt war das Buch daher eine Enttäuschung für mich. Es gab eine gute Idee, deren Umsetzung in meinen Augen nicht gelungen ist.

Veröffentlicht am 12.01.2023

Schöne Geschichte mit leichten Mängeln

Rooftop-Challenge - Bis zum Horizont
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Paxton und seine Freunde vertreiben sich die Zeit mit einer Rooftop-Challenge. Das heißt, sie klettern ungesichert auf die Dächer von Chicagoer Gebäuden. Beim Verlassen des Krankenhauses, das sie gerade ...

Paxton und seine Freunde vertreiben sich die Zeit mit einer Rooftop-Challenge. Das heißt, sie klettern ungesichert auf die Dächer von Chicagoer Gebäuden. Beim Verlassen des Krankenhauses, das sie gerade erklettert haben, müssen sie vor den Sicherheitskräften fliehen. In seiner Not flüchtet Paxton in das nächste Krankenzimmer und landet bei Laila. Sie liegt im Krankenhaus, weil sie an Leukämie leidet und auf einen Spender wartet. Spontan hilft sie Paxton, damit er nicht erwischt wird.

Dass die Chemie zwischen Laila und Paxton stimmt, ist schnell zu spüren. Beide sind absolute Sportfanatiker und klettern für ihr Leben gerne – Laila an gesicherten Kletterwänden und Paxton ungesichert an Häuserfassaden. Die Szenen zwischen den beiden fand ich schnell sehr schön und habe mich jedes Mal gefreut, wenn die beiden aufeinandergetroffen sind.

Paxton ohne Laila war jedoch nicht immer leicht zu ertragen. Er ist der rebellische Sohn reicher Eltern und damit nicht gerade ein Sympathieträger. Doch er macht im Laufe der Geschichte eine tolle Entwicklung durch, die gerade durch gelegentliche Rückfälle sehr glaubhaft erscheint.

Auffällig fand ich, dass bei der Autorin H.C. Hope die Mütter nicht sonderlich gut wegkommen. Die beiden Mütter der Hauptfiguren wirken herrschsüchtig, egozentrisch und Empathie kennen sie auch kaum.

Schade fand ich, dass die Erzählung zum Ende hin sehr gekürzt und gehetzt wirkt. Ab dem Zeitpunkt, zudem Leila ihre dritte Chemotherapie erhält, überschlagen sich die Ereignisse und sind mir zu wenig ausgearbeitet. Da hätte ich mir weitere Szenen gewünscht, die mich an den Entwicklungen und dem Geschehen teilhaben lassen.

Nach meinem Gefühl waren die Zeitabläufe innerhalb der Geschichte nicht immer stimmig. Hier empfehle ich der Autorin und dem Lektorat, die einzelnen Szenen in einen Zeitstrahl einzutragen, um zu schauen, ob die Zeiten angepasst werden oder für die Leserin verständlicher herausgearbeitet werden müssen.

Insgesamt ist die Liebesgeschichte zwischen Paxton und Laila schön. Für mich blieb die Spannung außerdem erhalten, weil man bis zum Ende nicht weiß, ob es ein Happy End gibt oder nicht. Einen Punktabzug gibt es von mir für die meiner Meinung nach unstimmigen Zeitabläufe und das übereilte Ende.