Profilbild von Elchi130

Elchi130

Lesejury Star
offline

Elchi130 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Elchi130 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.12.2025

Nicht alles für den Laien interessant

Dr. Katze
0

Seitdem im Februar 2019 ein Kater in unseren Haushalt eingezogen ist, finde ich Katzen extrem interessant. Denn unser Kater Max und wir lernen uns jeden Tag besser kennen, wir lernen auch nach fast 7 Jahren ...

Seitdem im Februar 2019 ein Kater in unseren Haushalt eingezogen ist, finde ich Katzen extrem interessant. Denn unser Kater Max und wir lernen uns jeden Tag besser kennen, wir lernen auch nach fast 7 Jahren immer noch voneinander und ich glaube, das hört auch nie auf.
Daher war ich sehr gespannt auf ein Buch, das sich mit Katzen als Therapietieren beschäftigt. Merke ich doch, wie viel Liebe und Trost eine Katze spenden kann. Aber auch, wie eigensinnig sie sein kann, wenn es darum geht, wann sie die Zeit mit uns Menschen verbringt.
Auf alle meine Fragen, wie man eine Katze als Therapietier einsetzen kann, liefern mir die Autorinnen Renate Deimel, Karin Hediger und Roswitha Zink in ihrem Buch „Dr. Katze – Therapie auf samtenen Pfoten“ eine Antwort. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie Ihre beiden Katzen Jonathan und Fuchur im Kinderhospiz Lichtblickhof die Therapeutinnen unterstützen und wertvolle Arbeit leisten. Es ist den Autorinnen sehr gut gelungen, mir hiervon einen Eindruck zu vermitteln.
Auch konnte ich immer wieder sehr gut meine Katzenerfahrungen mit denen im Buch vergleichen, sodass es mir möglich war, nachzuvollziehen, warum neben Pferden und Hunden auch Katzen für die Therapie geeignet sind. Die Ausbildung zum Therapeuten mit Therapietieren wird im Buch ebenfalls angesprochen und es wird zudem erläutert, warum es wichtig ist, neben der Therapeutischen Ausbildung noch die Zusatzausbildung zu erwerben. Da es während der Sitzung jederzeit notwendig ist, das Wohl des Patienten sowie des Tieres im Blick zu haben.
Für mich als interessierte Laiin gab es Wiederholungen, die ich nicht gebraucht hätte und die mich beim Lesen ausgebremst haben. Da ich zudem keine therapeutische Ausbildung habe, waren die beruflichen Ausführungen für mich auch nur teilweise interessant.
Als Katzenliebhaberin habe ich das Buch gerne gelesen und dabei auch wieder einiges Neues und Interessantes über Katzen gelernt. Das Buch zählt für mich nicht zu den MUSS-Büchern, wenn man Katzen liebt, sondern zu den KANN-Büchern.

Veröffentlicht am 30.12.2025

Es menschelt im Dritten Reich

Lebensbande
0

Drei Frauen helfen sich in der NS-Zeit und werden zu Freundinnen. Krankenschwester Nora versucht Leo, den Sohn von Lene, zu schützen, als dieser auf ihre Station kommt. Lieselotte und Nora lernen sich ...

Drei Frauen helfen sich in der NS-Zeit und werden zu Freundinnen. Krankenschwester Nora versucht Leo, den Sohn von Lene, zu schützen, als dieser auf ihre Station kommt. Lieselotte und Nora lernen sich in Danzig kennen und versuchen, gemeinsam im Gulag zu überleben.
Mit sehr viel Emotionen, Menschlichkeit und freundschaftlichen Bindungen schildert uns die Autorin Mechtild Borrmann in „Lebensbande“ Auszüge aus den Leben von Lene, Nora und Lotte. Sie ist teilweise ganz nah an diesen Figuren dran, nimmt Anteil an ihrem Schicksal, ihrer Familie, der Liebe, Freud und Leid. Das ist schön und sorgt beim Lesen für Verbindung mit den Figuren. Die Hauptfiguren sind Heldinnen, die ich beim Lesen mag, mit denen ich mitfiebere, die ich gewinnen sehen möchte. Deren Leid ich fast selbst spüre. Das alles sorgt dafür, dass ich nur so durch die Seiten fliege und das Buch schnell beendet habe.
Doch zum Schluss bleibt bei mir dennoch ein schaler Geschmack zurück. Denn wir bewegen uns zu Beginn im Jahr 1931 und enden im Jahr 1993. Das Geschehen findet auf zwei Zeitebenen statt. Eine uns zu Beginn nicht bekannte weibliche Person schreibt ihre Erinnerungen an früher auf und schnell ergänzen diese Erinnerungen die zweite Zeitebene. Im Buch gibt es immer wieder Andeutungen, wenn es um die Gräuel der NS-Zeit geht. Sie werden jedoch nie in ihrer ganzen Härte und Grausamkeit benannt. Sehr viele HelferInnen in dieser Geschichte riskieren ihr Leben, um zu helfen. Das wird mir jedoch nicht deutlich genug herausgearbeitet. Wenn im Buch jemand erwischt wird, kommt er mit einem blauen Auge davon. Ob das wirklich realistisch war? Insgesamt finde ich, kann man schon fast von einer Romantisierung der Nazi-Zeit reden.
Böser werden da schon die Russen dargestellt. Die Vergewaltigungen werden zwar nicht als solche benannt, es wird jedoch klar, was den Frauen passiert. Und auch der Aufenthalt im Gulag ist schlimmer als alles, was im Deutschen Reich beschrieben wurde. So schön die Geschichte der drei Frauen ist, so verschleiernd erscheint mir das Bild, das hier von unserer Vergangenheit gezeichnet wird. Ja, der Arzt ist überzeugter Nazi. Ja, im zweiten Kinderpflegeheim sterben verdächtig viele Kinder an Lungenentzündung. Aber reicht das schon, um klarzustellen, was wirklich passiert ist? Mir nicht!

Veröffentlicht am 30.12.2025

Ein richtig guter Krimi

Wem du traust
0

Die beiden Freundinnen Eva und Susanne feiern mit ihren Partnern auf einem Geburtstag, während Susannes Tochter Sofia auf Evas Sohn Linus aufpasst. Im Anschluss bringt Evas Mann Sofia mit dem Auto nach ...

Die beiden Freundinnen Eva und Susanne feiern mit ihren Partnern auf einem Geburtstag, während Susannes Tochter Sofia auf Evas Sohn Linus aufpasst. Im Anschluss bringt Evas Mann Sofia mit dem Auto nach Hause. Doch am nächsten Tag erfahren sie, dass Sofia nie Zuhause angekommen ist. Die Polizei beginnt zu ermitteln und es tauchen im Laufe der Tage immer mehr Unstimmigkeiten auf.
„Wem du traust“ ist mein erstes Buch von Petra Johann. Sehr schnell ist mir beim Lesen klar geworden, dass ich als Leserin miträtseln kann, was mit Sofia passiert ist und wer beteiligt war. Genau das liebe ich an guten Kriminalromanen.
Wir erleben die Ermittelnden sowohl in ihrem Arbeitsumfeld als auch teilweise in ihrem Privatleben. Dadurch entsteht für mich schnell Nähe besonders zu Hauptkommissarin Heide Westphal, die wir als Hauptermittelnde kennenlernen.
Die Autorin versteht es sehr gut, uns die beiden Familien nahe zu bringen und uns dabei immer wieder auf Ungereimtheiten, Lügen, Unstimmigkeiten und Brüche hinzuweisen. Ich ertappe mich wiederholt dabei, dass ich das Verhalten der Freundinnen, ihrer Partner, aber auch der Lehrer und Mitschüler sowie Mitschülerinnen von Sofia hinterfrage. Petra Johann legt mehrere Fährten aus, denen ich mal folge und mal nicht.
Insgesamt war das Buch für mich ein spannender Kriminalroman, den ich sehr stimmig fand. Das Ende habe ich als Abwechslung zu sonstigen Auflösungen empfunden, aber auch als passend. „Wem du traust“ war mein erstes Buch der Autorin, aber sicherlich nicht mein letztes.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Erwartungen übertroffen

Ring the Bells
3

„Ring the Bells – Nicht jede Bescherung ist ein Geschenk“ ist der 5. Teil der Stranger Times Reihe von C.K. McDonnnell. Ein paar Damen eines Buchclubs möchten anhand weißer Magie die Welt zu einem besseren ...

„Ring the Bells – Nicht jede Bescherung ist ein Geschenk“ ist der 5. Teil der Stranger Times Reihe von C.K. McDonnnell. Ein paar Damen eines Buchclubs möchten anhand weißer Magie die Welt zu einem besseren Ort machen. Leider beschwören sie den Gott Zalas herauf, der mit Hilfe seiner Anhänger die Welt beherrschen will. Während sich die Stranger Times-Crew auf die Suche nach Zalas begibt, ist dieser bereits damit beschäftigt, einen Kreis von Anhängern um sich zu scharen.
Viele Serien starten stark und lassen mit jedem neuen Teil ein wenig nach. Das kann man C.K. McDonnell und seiner Stranger Times Reihe nicht nachsagen. Dem Autor fallen immer wieder gute, neue Ideen ein. Sein schräger Humor, der ausgefallene Plot, skurrile Charaktere sind in jedem neuen Band wieder sein Markenzeichen, so auch in „Ring the Bells“.
Gelungen fand ich zu Beginn des Buches, wie der Autor uns nebenbei noch einmal alle Mitglieder der Stranger Times kurz vorstellt. Denn meistens ist es ungefähr ein Jahr her, seitdem der letzte Teil erschienen ist. Obwohl sich jeder neue Band der Stranger Times mittlerweile anfühlt, als ob wir nach langer Zeit wieder nach Hause kommen, brauche ich trotzdem einen Moment, um mir alle Figuren und ihre Charakteristika wieder in Erinnerung zu rufen. Da ist so eine kleine Hilfe vom Autor sehr willkommen.
Sehr faszinierend ist hier, dass er nicht nur aberwitzige Handlungen, klamaukiges Geschehen, lustige Dialoge schreiben kann. Er kann genauso glaubhaft ernste, ergreifende Ereignisse in die Handlung einbauen. Bei vielen Schriftstellern würde das bestimmt nicht funktionieren. Aber bei C.K. McDonnell klappt das tadellos. Gerade lesen wir noch eine schwarzhumorige Situation und lachen lauthals über das Geschehen. Zwei Seiten später bleibt uns das Lachen dann im Halse stecken, wir sind beklommen, voller Mitgefühl und traurig, weil eine liebgewonnene Person in der Vergangenheit so viel leiden musste. Einfach toll, wie der Autor das hinbekommt.
Für mich ist der 5. Teil ein Lieblingsband. Er ist nicht so verschachtelt, wie Band 3 und 4, sodass ich dem Geschehen besser folgen konnte. Ich fand das Buch spannend, lustig, skurril und voll toller Ideen. So kann die Reihe gerne weiter gehen. Ich hoffe noch auf viele Bände.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 10.11.2025

Gelungener Ausflug in die BRD der 70er Jahre

Die Frau der Stunde
0

Als der liberale Außenminister Helmut Busch im Jahr 1978 aufgrund einer Affäre zurücktreten muss, setzt er sich dafür ein, dass Catharina Cornelius aus seiner Partei seine Nachfolgerin wird. Diese ergreift ...

Als der liberale Außenminister Helmut Busch im Jahr 1978 aufgrund einer Affäre zurücktreten muss, setzt er sich dafür ein, dass Catharina Cornelius aus seiner Partei seine Nachfolgerin wird. Diese ergreift die Chance. Im Gegensatz zu Helmuts Vorstellung, wird sie jedoch nicht zu seiner Marionette, die stets nach seinem Wunsch und Wollen handelt. Catharina hat ganz eigene Vorstellungen von einer liberalen Außenpolitik. Sie ist klug, stark und weitsichtig genug, diese auch nach ihren Wünschen zu gestalten.
Die Autorin Heike Specht schafft es von Anfang an, uns in die 70er Jahre der BRD zu führen. Es wird stets und überall geraucht, Bier und Schnaps getrunken. Telefoniert wird teilweise aus Telefonzellen, die weibliche Hauptfigur steckt sich ein „Big Red“ Kaugummi, ein Zimtkaugummi, das ich aus meiner Kindheit kenne, in den Mund. So geht es mir immer wieder beim Lesen des Buches, es gibt immer wieder typische Eigenheiten der 70er Jahre, die mir aus meiner Kindheit bekannt sind.
Das Buch handelt nicht nur von Catharina Cornelius, die als erste Außenministerin der BRD in diesem Buch in die Geschichte eingeht. Auch ihre beiden besten Freundinnen, die ebenfalls zwei starke Frauen sind, stehen immer wieder im Mittelpunkt der Handlung.
Da ist Suzanne, verheiratet, Kinder, als Journalistin tätig. Sie ist stark, lebt für den Beruf. Ihr Mann ist Lehrer und die Bezugsperson der Kinder. Die dritte im Bunde ist Azadeh. Iranerin, lebt in Berlin und Amsterdam. Als es ins Teheran zur Revolution kommt, geht sie zurück in ihre Heimat. Sie hofft, hier nun in Freiheit leben zu können. Doch dann muss sie erleben, wie Khomeini und die Mullahs die Macht übernehmen.
Gerade die starken Frauen in diesem Buch machen das Buch lesenswert. Die drei Freundinnen sind bei weitem nicht die einzigen. Sie verbreiten Optimismus, Mut und Aufbruchsstimmung. Die Männer versuchen zum Teil mit Sexismus, mit Kleingeistigkeit und mit Intrigen dagegen vorzugehen. Leider wirkt auch das sehr realistisch.
Heike Specht gelingt es, uns in eine Zeit zu führen, die von Umbruch, Tatendrang und Aufbruch zeugt. In diese lebendige Zeit setzt sie Figuren, die entweder genau das auch erreichen wollen oder die im Gegensatz für das Bewahren und den Bestand der guten alten Zeit stehen. Dadurch entstehen ein interessantes Spannungsfeld und eine gute Geschichte.
Nicht gut gefallen hat mir das Ende des Buches. Die einzelnen Handlungsstränge werden viel zu offen liegen gelassen. Wenn der Sinn dahinter ist, diese für einen weiteren Band wieder aufzunehmen, ist es ok. Wenn das jedoch das ultimative Ende ist, dann ist mir das zu wenig. Denn dann ist nichts geklärt, nichts beendet und alles in der Schwebe.