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Veröffentlicht am 02.08.2021

Dieses Buch will mit dem Herzen gelesen werden

Bevor ich dich sah
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Alice und Alfie liegen beide nach einem traumatischen Erlebnis im Krankenhaus, im selben Zimmer, durch einen Vorhang getrennt. Langsam nähern sich die beiden einander an, schütten sich gegenseitig ihr ...

Alice und Alfie liegen beide nach einem traumatischen Erlebnis im Krankenhaus, im selben Zimmer, durch einen Vorhang getrennt. Langsam nähern sich die beiden einander an, schütten sich gegenseitig ihr Herz aus, erzählen sich von ihren Leben…

Zu Beginn stellten die Kapitelüberschriften ein Problem für mich dar. Diese Überschriften sind in sehr schnörkeliger Schrift gehalten, sodass die Namen Alice und Alfie sich auf den ersten Blick sehr ähneln. Hier wäre ein Schrifttyp, wie z. B. Arial besser geeignet gewesen.

Die Autorin, Emily Houghton, wählt ein Szenario, welches in unseren deutschen Krankenhäusern nicht zu finden ist. Im Krankenhaus von Alice und Alfie werden die Zimmer nicht nach Geschlechtern getrennt. Alice befindet sich aufgrund ihrer Verbrennungen hinter Vorhängen. Das Personal richtet den Tagesablauf an den Bedürfnissen der Patienten aus, um ein paar Beispiele zu nennen. Diese Ausgangsvoraussetzungen hat die Schriftstellerin bewusst gewählt, damit diese ungewöhnliche Liebesgeschichte überhaupt möglich ist. Nach meiner Ansicht ist es deshalb notwendig „Bevor ich dich sah“ mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf zu lesen. Denn, wenn es uns gelingt, den Verstand, der ständig „aber“ sagen will, auszublenden, erleben wir eine wunderschöne und tiefe Liebesgeschichte.

Alfie, der mit seiner extrovertierten Art die ganze Station unterhält bzw. bei Laune hält, hat auf Anhieb den Sprung in mein Herz geschafft. Alice dagegen ist sehr introvertiert und hadert mit ihrer Situation. Sie war immer stark und selbstständig und ist nun zum ersten Mal auf die Hilfe anderer angewiesen, was ihr sehr schwer fällt. Dadurch dauerte es länger, bis ich auch Alice mögen lernte. Doch auch sie lag mir schließlich am Herzen.

Besonders gelungen finde ich die Darstellung der langsamen Annäherung von Alfie und Alice aufgrund tiefsinniger Gespräche, in denen beide sich immer weiter öffnen. Dadurch konnte ich richtig gehend spüren, wie die beiden sich nach und nach ineinander verliebten. Daher konnte ich den Roman auch gar nicht mehr aus der Hand legen, bis ich endlich wusste, wie die Autorin diese Spannung, die entsteht, zum Ende auflösen will. Und das ist ihr auf jeden Fall gelungen. Dieses Buch ist für Leserinnen, die gerne in die Gefühlswelt der Protagonisten eintauchen.

Veröffentlicht am 24.07.2021

Super Schreibstil, müde Story

Unbarmherziges Land
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In den Wäldern Kentuckys wird eine Frauenleiche gefunden. Die ermittelnde Linda Hardin ist nicht nur neu in dem Job, sondern auch der erste weibliche Sheriff der Stadt und dadurch vielen Männern ein Dorn ...

In den Wäldern Kentuckys wird eine Frauenleiche gefunden. Die ermittelnde Linda Hardin ist nicht nur neu in dem Job, sondern auch der erste weibliche Sheriff der Stadt und dadurch vielen Männern ein Dorn im Auge. Also wendet sie sich bei den Ermittlungen an ihren Bruder Mick, der Militärermittler ist und gerade aufgrund persönlicher Probleme in seiner Heimatstadt ist…

Der Schreibstil von Autor Chris Offutt ist genau mein Fall. Seine zynisch humorvolle Beschreibung der Geschehnisse, Menschen und Umgebung, passt wunderbar zu den auftretenden schrägen und skurrilen Figuren. Zusätzlich wird die Erzählung durch super Einfälle des Autors bereichert. Genau das liebe ich an Autoren wie Elmore Leonard und Candice Fox. Chris Offutt kann zumindest vom Erzählstil auf jeden Fall mithalten.

Doch leider ist dies bei der Story nicht der Fall. Es fehlt der Erzählung an Dynamik. Das Erzählte wirkt zu dünn und plätschert so vor sich hin, dass die tollen Winkelzüge verpuffen, ohne bei mir als Leserin Interesse für die Geschichte zu erzeugen. Auch fehlte mir ein Spannungsbogen. Der Autor konzentriert sich oftmals auf die Beschreibung der Zustände, wenn er das Geschehen vorantreiben sollte. Weniger Sätze zur Umgebung oder dem Aufenthaltsort der Personen und mehr Interaktion hätte das Buch gebraucht. Vielleicht würden mehr innere Dialoge oder Gespräche zwischen den Personen, was nun folgt, zu mehr Spannung führen. So fehlte mir jedoch ein spannender Inhalt.

Ich hoffe, dass der Autor seine Plotentwicklung verbessert und den tollen Erzählstil beibehält. Auf jeden Fall werde ich auch das nächste Buch von Chris Offutt lesen und bin gespannt, ob er mich damit überzeugen kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2021

Das Warten hat sich gelohnt

Witchghost
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Cassandra Castairs, genannt Cass, entstammt einer uralten Hexenfamilie. Aufgrund eines Vorfalls vor mehreren Jahrhunderten, haben sich die Castairs vom Rest des Coven losgesagt. Als Cass Familie nach und ...

Cassandra Castairs, genannt Cass, entstammt einer uralten Hexenfamilie. Aufgrund eines Vorfalls vor mehreren Jahrhunderten, haben sich die Castairs vom Rest des Coven losgesagt. Als Cass Familie nach und nach stirbt, bis sie die Letzte ihrer Familie ist, weigert sie sich, Hexerei auszuüben. Da sie allerdings sehr mächtig ist, versuchen die Familien des Covens sie für sich zu gewinnen. Doch so einfach lässt sich Cass Castairs nicht vereinnahmen.

Seit Jahren schon habe ich auf ein neues Buch von Lynn Raven gewartet. Beim Lesen ihres neuen Buches „Witchghost“ ist mir nach und nach wieder klar geworden, dass es dafür einen guten Grund gibt. Die Autorin schreibt spannend und einnehmend. Selten schaffe ich es, ein Buch von knapp über 500 Seiten innerhalb von 3 Tagen durchzulesen. „Witchghost“ konnte ich jedoch einfach nicht mehr aus der Hand legen, bis ich wusste, wie es endet.

Die ersten Kapitel habe ich als ein wenig verwirrend empfunden. Zum einen konfrontiert uns die Autorin mit einer Unmenge Namen, die wir noch gar nicht einordnen können. Zum anderen spielt die Geschichte auf zwei Zeitebenen, was vorher nicht angekündigt wird und deshalb im ersten Moment verwirrt, bis ich mich als Leserin zurechtgefunden habe. Wenn man sich jedoch auf die Geschichte einlässt, verschlingt einen das Buch zügig.

Der Schreibstil ist humorvoll, bildreich und bringt die Atmosphäre sowohl der Gegenwart als auch der Vergangenheit gut rüber. Die Hauptfigur Cass zeichnet sich durch ihren Mut, ihre Eigenwilligkeit, viel Humor und Selbstbewusstsein aus. Deshalb fiel es mir sehr leicht, Cass ins Herz zu schließen. Die anderen Figuren blieben hingegen oft ein wenig blass, da sie alle hinter Cass´ Präsenz verschwanden. Eine weitere tolle Figur ist die Katze Pointers. Sie weiß mit Cass zu kommunizieren, ist schlau und immer da, wenn sie gebraucht wird – und ich liebe Katzen in Büchern.

Die Autorin konfrontiert uns im Laufe der Geschichte mit einigen Toten, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Die eine oder andere Szene fand ich sehr gruselig, sodass ich froh war, dass ich sie nicht nachts gelesen habe. Aber gerade dadurch war das Buch ungemein spannend und die Seiten flogen nur so dahin.

Die Liebesgeschichte in dem Buch nahm für mich zu wenig Raum ein. Mir ist zwar klar geworden, dass sich die beiden verliebt haben, ich konnte diese Liebe jedoch nicht fühlen. Lynn Raven hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie das besser kann.

Enttäuscht hat mich auch die Schlüsselszene, in der das Gute gegen das Böse kämpft. Die Vorgänge wurden nur ungenau beschrieben, sodass mir als Leserin nicht klar war, was genau gerade geschieht. Zudem wurde mir die Auflösung um die böse Hexe nicht deutlich genug gemacht, sodass ich auch hier nur raten kann, was genau hinter dem Verhalten steckt. Das ist sehr schade, denn ich denke, die Autorin hätte nur ein paar zusätzliche Sätze schreiben brauchen, um die beiden Sachverhalte schlüssig zu erklären.

Die Schlussszenen waren dann wieder super. Sie waren voller Humor und die Atmosphäre des neuen Lebens wurden sehr gut herübergebracht.

Fazit: ein tolles Buch, das ich verschlungen habe, mit leichten Schwächen, die ich der Autorin jedoch verzeihe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2021

Ich hatte mehr erwartet

Pfoten vom Tisch!
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Hape Kerkeling lässt uns an seinem Wissen über Katzen teilhaben. Er erzählt uns von den Katzen, mit denen er sein Leben teilt oder teilte, von Katzen anderer Menschen, von berühmten Katzen und er informiert ...

Hape Kerkeling lässt uns an seinem Wissen über Katzen teilhaben. Er erzählt uns von den Katzen, mit denen er sein Leben teilt oder teilte, von Katzen anderer Menschen, von berühmten Katzen und er informiert darüber, was man über Katzen wissen sollte.

Vom Sachteil sollte mensch sich nicht zu viel versprechen. Ich habe nichts erfahren, was man nicht auch im Internet nachlesen kann. Gehofft habe ich auf viele Anekdoten über die eigenen Katzen bzw. Katzen von Freunden und Bekannten. Davon gab es für meinen Geschmack jedoch viel zu wenig in „Pfoten vom Tisch“. Da der Autor schon mehrere Katzen besessen hat und über viele Jahre Katzenerfahrung verfügt, sollte er eigentlich ausreichend Geschichten auf Lager haben. Wir haben unseren Kater erst seit 2,5 Jahren und ich weiß schon unzählige Possen zu erzählen.

Den Anfang des Hörbuchs fand ich unglaublich witzig und musste mehrfach laut auflachen. Doch leider war das bereits nach wenigen Kapiteln vorbei und ich konnte nur noch selten schmunzeln oder lachen. Als Katzenliebhaberin kann ich natürlich den ganzen Tag damit verbringen, mir etwas über Katzen anzuhören. Allerdings habe ich mir von einem Komiker vom Format eines Hape Kerkeling mit vielen Jahren Katzenerfahrung mehr versprochen. Das Gehörte war nett, aber nichts Besonderes.

Gelesen wird das Hörbuch vom Autor selbst. Das ist selbstverständlich super, denn jede Betonung stimmt und jede Pointe sitzt. Da ist ein Profi am Werk. Fans von Hape Kerkeling dürften begeistert sein. Ich habe mich gefreut, dass das Buch perfekt gelesen war. Allerdings hat Hape Kerkeling es bei mir sehr schwer, da ich tiefe Männerstimmen bevorzuge.

Alles in allem ist das Hörbuch „Pfoten vom Tisch“ von Hape Kerkeling kurzweilig, unterhaltsam und perfekt gelesen. Es hätte jedoch gerne persönlicher sein dürfen.

Veröffentlicht am 18.07.2021

Solider Auftakt einer neuen Krimireihe

Hundstage für Beck
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Zu Beginn von „Hundstage für Beck“ treffen wir auf den Polizisten Nick Beck, der sich ganz unten in seinem Leben befindet. Einst war er ein erfolgreicher Ermittler des LKA Hamburg. Doch als bei der Jagd ...

Zu Beginn von „Hundstage für Beck“ treffen wir auf den Polizisten Nick Beck, der sich ganz unten in seinem Leben befindet. Einst war er ein erfolgreicher Ermittler des LKA Hamburg. Doch als bei der Jagd nach dem Elbripper seine Kollegin ums Leben kommt, verliert er den Boden unter den Füßen. Er lässt sich auf eine kleine Polizeistation versetzen, trinkt und zeichnet sich durch kriminelles und skrupelloses Verhalten aus. Nachdem er im betrunkenen Zustand eine junge Frau überfahren hat, überlegt er, wie er verhindern kann, dass dies auffliegt. Er packt die Leiche kurzerhand ein, um sein Vergehen zu vertuschen. Dieses kaltblütige Vorgehen eines Gesetzeshüters hat mich fassungslos gemacht. Zudem war ich neugierig, wie der Autor Tom Voss seinen Helden Nick Beck aus dieser verfahrenen Situation wieder herausholen will.

Bei den Ermittlungen zu der vermissten jungen Frau treffen schließlich Nick Beck und Cleo Torner vom LKA Hamburg aufeinander. Cleos Leben befindet sich gerade im Umbruch, sowohl beruflich als auch privat. Die ehrgeizige, intelligente junge Frau träumte immer davon, in der Mordkommission zu arbeiten. Doch dieser Traum scheint in immer weitere Ferne zu schwinden.

Beck und Cleo geben ein interessantes Team ab. Sie harmonieren sehr gut miteinander und ergänzen sich prima. Zudem mag ich es, interessantes Privates über die ermittelnden Menschen in Krimis zu erfahren. Beck kämpft gegen seine Süchte und Dämonen. Cleo sucht nach einem Weg, um mit den Veränderungen in ihrem Leben klarzukommen.

Der Autor legt geschickt mehrere Fährten zu möglichen Tätern. Damit entfacht er meinen Spürsinn und ich fange an, nach dem Täter und Motiv zu suchen. Welches ist die richtige Fährte oder lockt er mich in die komplett falsche Richtung?

Schnell wird klar, dass der Fall in diesem Buch wesentlich komplexer ist als es zuerst scheint. Nach und nach erweitert der Autor unser Wissen um das Opfer und die Verdächtigen. Die Art und Weise, wie der Kriminalroman aufgebaut war, gefiel mir sehr gut. Bereits nach der Vorstellung der Figuren, entwickelt die Story eine große Spannung und kann dieses Niveau halten.

Tom Voss zeichnet in „Hundstage für Beck“ außergewöhnliche Charaktere. So wohnt Nick Beck bei einem Pärchen, das man schon fast skurril nennen kann. Und auch die anderen Personen haben alle ihre Macken und Kanten, wie wir Menschen im wahren Leben auch.

Der Krimi war spannend, hat mich gut unterhalten und gipfelte in einem gelungenen Finale. Mit Nick Beck und Cleo Torner hat der Autor ein tolles Team eingeführt. Ich freue mich schon sehr auf Band 2.