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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2020

Die Zeit hätte ich sinnvoller nutzen können

Der Spiegelmann
2

Jenny Lind wird aufgehängt auf einem Spielplatz gefunden. Fünf Jahre zuvor war die Schülerin auf dem Heimweg spurlos verschwunden. Als seine Kollegen den einfachen Weg und den offensichtlichen Täter wählen ...

Jenny Lind wird aufgehängt auf einem Spielplatz gefunden. Fünf Jahre zuvor war die Schülerin auf dem Heimweg spurlos verschwunden. Als seine Kollegen den einfachen Weg und den offensichtlichen Täter wählen wollen, findet Joona Linna eine Spur, die auf einen Serientäter hinweist…

Die Geschichte startete nervenaufreibend mit der Entführung von Jenny Lind und geht mit einem Unfall in einem See ebenso spannend weiter. Danach wird die Geschichte ein wenig ruhiger, behält jedoch ein hohes Tempo bei.

Das Buch strotzt nur so vor Gewalt. Dabei gibt es Szenen, die sich durchaus in die Handlung eingliedern und damit erklärt werden können. Die Gewaltpassagen sind oftmals kaum zu ertragen, aber als Stilmittel, um darzustellen, was die Opfer erleben, für mich halbwegs akzeptabel. Nicht akzeptieren will und kann ich Gewalt um der Gewalt willen, losgelöst vom sonstigen Handlungsgeschehen. Da beschleicht mich der Eindruck, dass dies nur ein billiger Trick ist, um Quote zu bringen, wie Boulevardmedien. Schade, dass die Autoren meinen, dass sie dies nötig haben, wo sie doch schon Bestseller schreiben. Auch eine unappetitliche Sexszene enthält das Buch mal wieder, die ebenso losgelöst von der Handlung des Buches ist. Fand ich diese im Buch „Hasenjagd“ noch witzig, ist sie hier nur noch überflüssig.

Die Autoren verstehen es, eine Handlung so aufzubauen, dass sie spannend ist und man einfach nicht mehr mit dem Lesen aufhören kann. Das haben sie teilweise auch in diesem Buch wieder bewiesen. Doch die Auflösung war für mich dann genauso hanebüchen, wie der Mittelteil. Der Täter wird mit einem billigen Trick präsentiert, der in Psychothrillern regelmäßig angewendet wird. In vielen Thrillern zudem besser als hier. Als Leserin habe ich mich zum Schluss gefragt, wie schlüssig dieser Täter sein kann und ich bin zu dem Urteil gekommen, dass die Auflösung große Löcher enthält, wie ein Schweizer Käse.

Ganz zum Ende des Buches wird dann noch präsentiert, worum es im nächsten Fall von Joona Linna gehen wird. Ganz abgesehen davon, dass mir die Aussicht nur ein müdes Gähnen entlockt, habe ich für mich entschieden, die Reihe mit diesem Buch abzuschließen, denn ich kann sie einfach nicht mehr ernst nehmen.

  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Handlung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 30.11.2020

Candice Fox hat es einfach drauf

Dark
0

Einst war Blair eine erfolgreiche Ärztin. Doch nach einer Silvesternacht wird sie des Mordes angeklagt und verurteilt. Ihr Sohn, der im Gefängnis geboren wird, wird von einer Freundin großgezogen, während ...

Einst war Blair eine erfolgreiche Ärztin. Doch nach einer Silvesternacht wird sie des Mordes angeklagt und verurteilt. Ihr Sohn, der im Gefängnis geboren wird, wird von einer Freundin großgezogen, während Blair sich die Zelle mit Sneak, einer Prostituierten und Drogensüchtigen, teilt. Blair ist erst seit einem Jahr wieder auf freiem Fuß, als sie in der Tankstelle, in der sie nun jobbt, überfallen wird. Ausgerechnet von Dayly, Sneaks Tochter. Das setzt Ereignisse in Gang, die dazu führen, dass eine illustre Gruppe, nämlich Blair, Sneak, die Polizistin, die Blair einst verhaftete, und Ada, eine harte Gangsterin, zusammen nach Dayly suchen.

Zu Beginn des Buches dachte ich noch, dass dieses Buch nicht mehr an die Hades-Trilogie oder Crimson-Lake-Serie heranreicht. Doch nach und nach laufen die Fäden der Geschichte zusammen, wir lernen die Figuren immer besser kennen und ich durfte feststellen, dass Candice Fox es auch hier wieder drauf hat und mich in ihren Bann zieht. Die Figuren sind, wie man es von ihr kennt, sehr speziell und schräg. Das Gute ist, dass sie sich dabei nicht wiederholt, sondern stets ganz eigene, neue Charaktere erschafft. Das ist eine ihre Stärken.

Ihre Figuren sind (fast) nie einfach nur schwarz oder weiß. Sie haben alle ihre Licht- und ihre Schattenseiten. Ganz egal, ob es Polizisten oder Mafiosi sind.

Zudem hat Candice Fox einen unvergleichlichen Humor. Ein wenig wie die Bücher von Elmore Leonard, dessen Bücher ich ebenfalls sehr liebe. Wobei ich Candice Fox besser und wesentlich lustiger finde.

Tja, und dann hat sie auch noch etwas zu erzählen. Und auch hier erfindet sie jedes Mal wieder eine neue Geschichte mit einer Handlung, die mich fesselt und erzählt nicht ihre alten Geschichten in einem neuen Gewand.

Das Buch „Dark“ ist böse, brutal, humorvoll und zum Schluss bin ich sogar ein wenig rührselig geworden. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Buch dieser tollen Autorin und bin gespannt, welche Geschichte sie mir dann erzählen wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.11.2020

Super Idee, enttäuschend umgesetzt

The Last Goddess, Band 1: A Fate Darker Than Love
0

Blair ist die Tochter einer Valkyre. Da Blairs Schwester Fenja nun alt genug ist, soll sie das Erbe ihrer Mutter antreten. Doch auf dem Weg nach Valhalla sterben Mutter und Schwester. Blair macht sich ...

Blair ist die Tochter einer Valkyre. Da Blairs Schwester Fenja nun alt genug ist, soll sie das Erbe ihrer Mutter antreten. Doch auf dem Weg nach Valhalla sterben Mutter und Schwester. Blair macht sich nun auch auf den Weg dorthin, um verstehen zu können, was passiert ist. Schnell zeigt sich, dass die Valkyren, Blair und ihr bester Freund Ryan ein Schicksal teilen…

Schon der Einstieg in das Buch gestaltet sich nach ein paar Seiten langatmig. Zu Beginn werden Blair und ihr bester Freund Ryan ausführlich eingeführt, damit wir als Leser/innen eine Verbindung zu ihnen aufbauen können. Doch dann verunglücken Blairs Mutter und ihre Schwester. Nun geht es sehr lange und ausführlich um die Trauer, die Blair vollständig im Griff hat und um die Entscheidungen, die sie aufgrund ihrer Weigerung, den Tod dieser geliebten Menschen zu akzeptieren, trifft. Entscheidungen, die ich nicht nachvollziehen und deren Sinn ich nicht verstehen konnte.

Den Großteil des Buches befindet sich die Geschichte auf der Gesprächsebene, statt auf der Handlungsebene. Dadurch geschieht gefühlt gar nichts und ich musste mich immer wieder zwingen, weiterzulesen, damit ich von der Stelle komme.

Zwischendurch gibt es zwar kurze interessante Lichtblicke, in denen wir und auch Blair ein paar interessante Dinge aus der Mythenwelt erfahren. Doch diese Szenen sind schnell vorbei und dann geht es mit Beziehungsgesprächen weiter.

Gegen Ende gab es eine Szene, in der Blair mit einer Valkyre und einem kleinen Mädchen trainiert. Da dachte ich mir, dass diese Szene ins erste Drittel des Buches gehört hätte und danach hätte die Geschichte richtig durchstarten können. Das macht die Erzählung dann auch. Nur leider geht es dann in eine Richtung, die mich nur noch wütend gemacht hat. Kampf, Verrat, Dummheit… und für mich die Erkenntnis, dass ich Teil 2 nicht lesen werde.

Bianca Iosivoni kann, wie ich aus Liebesgeschichten weiß, gut schreiben. Vielleicht ist das Fantasy-Genre einfach nicht der richtige Bereich für sie und sie sollte bei dem bleiben, wo sie gut ist. Für mich war „The last goddess – A fate darker than love“ eine spannende Idee, die schlecht umgesetzt wurde. Das Beste an dem Buch ist nach meiner Ansicht das Cover.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2020

Super Idee, gut umgesetzt

Frostgrab
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Fünf Personen treffen sich in einem Chalet in den Bergen. Vor 10 Jahren waren sie Teil einer Clique, die die Wintermonate in dieser Gegend verbracht hat. Sie verband das Snowboarden, das Training und die ...

Fünf Personen treffen sich in einem Chalet in den Bergen. Vor 10 Jahren waren sie Teil einer Clique, die die Wintermonate in dieser Gegend verbracht hat. Sie verband das Snowboarden, das Training und die Wettkämpfe. Doch dann ist etwas passiert, das ihre Freundschaften zerbrechen ließ. Nun, in der Gegenwart, sind sie in eine Falle getappt und sitzen in den Bergen fest. Nach und nach kommen die Geheimnisse und Ereignisse der Vergangenheit ans Licht…

Der Beginn des Buches „Frostgrab“ erinnerte mich zum einen an Bücher von Agatha Christie. Eine eingeschlossene Gruppe Menschen, die durch ein Geheimnis verbunden sind.

Zum anderen hatte die Atmosphäre etwas von einem Horrorfilm. Die Personen erkunden das Chalet, es passieren immer wieder unheimliche Dinge und über allem liegt eine Atmosphäre der Bedrohung.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen. Wir begleiten Milla, unsere Ich-Erzählerin, Curtis, Brent, Heather und Dale im Heute. Und wir lernen die Ereignisse von vor 10 Jahren kennen. Die Zeitebenen wechseln sich kapitelweise ab. So erfahren wir nach und nach, was damals passiert ist. Dadurch verstehen wir die Dynamik der Figuren im Heute.

Das Buch ist spannend, teilweise gruselig, aber auch eine Sozialstudie. Die Ereignisse im Heute hätte im Mittelteil mehr Tempo vertragen können. Da dümpelte die Erzählung eine Weile recht ereignislos vor sich hin. Doch durch die Geschichte, die in der Vergangenheit spielt, war das Buch immer noch spannend. Trotzdem fragte ich mich im Heute mehrfach, wann die Lage der 5 Personen wohl eskaliert und die Geheimnisse ans Licht kommen.

Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten. Das liegt unter anderem daran, dass die Autorin Allie Reynolds die Personen und die Gruppendynamik sehr anschaulich beschrieben hat. Die Handlungsweisen der Figuren sind gut und verständlich ausgearbeitet. Als Leserin konnte ich sehen und gut nachempfinden, wie die Protagonisten in beiden Zeitebenen unaufhaltsam auf die Katastrophe zuschliddern.

Da ich nicht am Snowboarden interessiert bin, hätte der Sport im Buch nicht so ausführlich beschrieben werden müssen. Die Autorin hat diese Sportart jedoch jahrelang ausgeübt, daher war es für sie wahrscheinlich ganz normal, die Abläufe ausführlich zu beschreiben. Und Leser/innen, die Ahnung davon haben, werden die Ausführungen vermutlich schön finden und genießen.

Das Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert und ich werde die Autorin im Blick behalten, damit ich das nächste Buch nicht verpasse.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2020

Toller neuer Ermittler

Der Petticoat-Mörder
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Fred Lemke schließt 1958 die Polizeischule als zweitschlechtester seines Jahrgangs ab. Trotzdem erhält er eine Anstellung als Kriminalassistent in der Abteilung für Mordermittlungen in Berlin. Sofort an ...

Fred Lemke schließt 1958 die Polizeischule als zweitschlechtester seines Jahrgangs ab. Trotzdem erhält er eine Anstellung als Kriminalassistent in der Abteilung für Mordermittlungen in Berlin. Sofort an seinem ersten Arbeitstag wird er mit seinem Vorgesetzten, Kommissar Auweiler, an den Tatort eines Mordes gerufen…

Fred Lemke hat ein schlechtes Zeugnis auf der Polizeischule erhalten, weil er einen fantasievollen Ermittlungsstil hat und sich Autoritäten nicht unterordnen will. Und genau diese beiden Merkmale zeichnen auch seine Arbeit in der Mordkommission aus. Die altgedienten Vorgesetzten sind stets auf der Suche nach der schnellen, bequemen Lösung des Mordfalls. Doch das reicht dem Kriminalassistenten Fred Lemke nicht. Er will die Wahrheit herausfinden. Auch, wenn er dabei immer wieder in die Nazi-Vergangenheit Deutschlands vorstoßen will. Denn diese ist für viele Menschen in den 50er Jahren Geschichte, die unter den Teppich gekehrt wurde und dort ruhen soll.

Zu Beginn führt der Autor Leonard Bell uns langsam und leise in die Zeit der 50er Jahre ein, damit wir als Leser/innen ein Gefühl für diese Zeit bekommen. Genauso gemächlich stellt er uns seine Hauptfigur Fred Lemke ausführlich vor, damit wir ein Gespür für ihn entwickeln. Daher hatte ich zu Beginn die Befürchtung, dass die Kriminalhandlung zu kurz kommt.

Doch bald durfte ich feststellen, dass dies nicht der Fall ist. Die gesamte Handlung kreist um ihren Ermittler. Dabei erfahren wir viel darüber, was dieser für ein Mensch ist, wie er denkt und die Welt erlebt. Doch wir begleiten ihn ebenso bei seinen Ermittlungen. Sehen, wie er sich wie ein Terrier nicht von seinen Ermittlungen abbringen lässt und trotz Gegenwind von oben beharrlich nach der Wahrheit und nicht nach der offensichtlichen Lösung sucht. Begleitet wird er immer wieder von der Sonderermittlerin Ellen von Stain, die am gleichen Tag in der Abteilung für Mordermittlungen anfängt wie er. Allerdings hat sie einen Sonderstatus, der sogar die Chefs vor ihr zurückweichen lässt. So kann sie sich einige Dinge erlauben, die sich ein neuer Kriminalassistent nicht erlauben darf.

Die Ermittlungen selbst sind spannend. Wir kreisen ein ums andere Mal Verdächtige ein, müssen sie wieder ziehen lassen. Zweifeln, ob wir den Täter nicht doch übersehen haben. Diese Art des Rätselratens liebe ich an guten Krimis. Zusätzlich ist hier die Auflösung nach meiner Ansicht auch noch gut gelungen.

Weiter so Fred Lemke – und natürlich auch Leonard Bell.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere