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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2020

Dem Buch fehlen Sympathieträger

Die Telefonistin – Mrs. Dalton hört mit
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Vivian Dalton lebt in den 1950er Jahren in einer Kleinstadt in Ohio. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter und arbeitet bei einer Telefongesellschaft. Als Telefonistin hat sie immer ein Ohr in den Telefonaten, ...

Vivian Dalton lebt in den 1950er Jahren in einer Kleinstadt in Ohio. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter und arbeitet bei einer Telefongesellschaft. Als Telefonistin hat sie immer ein Ohr in den Telefonaten, die sie vermittelt. Denn Vivian liebt Klatsch und Tratsch. Bis sie selber eines Tages der Grund für den neuesten Skandal in ihrer Stadt ist.

Zu Beginn war es für mich nicht ganz leicht, mich in das Buch „Die Telefonistin – Mrs. Dalton hört mit“ von Gretchen Berg einzulesen. Zum einen ist Mrs. Dalton keine Figur, über die ich gerne etwas gelesen habe. Sie ist kleingeistig, tratschsüchtig und vergleicht sich und ihre Stellung stets mit ihrem Umfeld. Vieles ist eindeutig der Zeit, in der das Buch spielt, geschuldet. In den 50er Jahren zählte mehr der Schein als das Sein. Wichtig war, die perfekte Ehefrau, Hausfrau und Mutter zu sein. Daher mochte ich die Frauen in diesem Buch nicht, denn sie wirkten oberflächlich und missgünstig.

Zum anderen kommt noch hinzu, dass um den Tratsch, welchen Vivian eines Abends belauscht und der sie betrifft, ein großes Geheimnis gemacht wird. Da in der Inhaltsangabe zu dem Buch jedoch bereits steht, worum es geht, war das eher nervig als spannungssteigernd. Ich war sehr froh, als im Buch endlich der Skandal benannt wurde.

Ein wenig Spannung kam dann gegen Ende des Buches auf, als endlich alle Fäden der verschiedenen Skandale zusammenliefen. Die Auflösung hat mir gut gefallen und ich konnte endlich einmal schmunzeln, darüber, wie die Fäden des Lebens miteinander verknüpft sind.
Gut gefallen hat mir zudem, dass die Telefonistin sich im Laufe des Buches entwickelt und eine eigene Persönlichkeit sowie Bedürfnisse entwickelt.

Doch insgesamt reicht es nur zu einem Buch, das ich mittelmäßig finde. Den Großteil der Geschichte war ich von den Figuren und der Handlung gelangweilt.
Schade, dass nicht das gesamte Buch so unterhaltsam war wie das Ende. Wahrscheinlich hätte schon eine Figur gereicht, mit der ich mich als Leserin identifizieren oder die ich mögen kann, um das Buch lieber zu lesen.

Veröffentlicht am 03.07.2020

Nicht so gut wie erhofft

Die Frau mit den zwei Gesichtern
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Noa leitet eine Securityfirma. Sie bietet Personenschutz für Frauen an. Eines Tages steht Tiara, die Tochter eines Unterweltbosses vor ihrer Tür und bittet um Schutz vor ihrem Vater Samy Moussa. Mit gemischten ...

Noa leitet eine Securityfirma. Sie bietet Personenschutz für Frauen an. Eines Tages steht Tiara, die Tochter eines Unterweltbosses vor ihrer Tür und bittet um Schutz vor ihrem Vater Samy Moussa. Mit gemischten Gefühlen willigt Noa ein und setzt damit eine Spirale aus Gewalt in Gang.

Der Autor Uwe Wilhelm erschafft in seinem ersten Krimi um Noa Stern ein paar interessante und eigenwillige Figuren. Da ist die mutige, emanzipierte Hauptfigur Noa Stern. Sie kämpft mit allen Mitteln, wenn sie etwas erreichen oder ihr jemand etwas Wichtiges nehmen will. Ihre ehemalige Geliebte Alma, die ebenfalls stark und sehr unkonventionell ist. Auch Noas Mutter Rena ist eine starke Frauenfigur. Als interessante männliche Figur gibt es den Polizisten Bukowski, der um jeden Preis den Unterweltboss Samy Moussa hinter Schloss und Riegel bringen will.

Doch es gibt da auch Figuren, die der Autor viel zu stereotyp gezeichnet hat. Allen voran die beiden Teenagermädchen Ava und Tiara. Tiara ist die Tochter von Samy Moussa. Sie ist über alle Maßen verwöhnt, sehr dumm und oft zickig oder hysterisch. Ava, die Tochter von Noa Stern, zeichnet sich ebenfalls durch Naivität, Dummheit, zickiges Auftreten und einen Hang zu Drama und Hysterie aus. Das fand ich ziemlich nervig. Mehr als einmal habe ich mich gefragt, welches Problem der Autor mit weiblichen Teenagern hat.

Genauso eindimensional hat er die Mitglieder zweier moslemischer Unterweltbanden gezeichnet. Egal, ob diese Figuren dumm oder intelligent dargestellt wurden, sie waren alle sehr gewaltbereit. Gewalt war die Lösung für alle Probleme. Die Botschaft dahinter hieß für mich, dass Moslems auf jeden Fall böse und brutal sind.

Und damit sind wir auch schon bei dem Punkt angelangt, der mich am meisten an diesem Buch gestört hat. Der Autor glaubt, er müsse seine Meinung zu vielen Problemen dieser Zeit einfließen lassen. Ganz egal, ob es dabei um die Me-Too-Bewegung, Migranten in Deutschland oder den Wohnungsmarkt in Berlin ging. Klar, das Buch spielt in der realen Welt und kann dann auch reale Themen aufgreifen. Teilweise hat der Autor dabei jedoch regelrecht doziert. Mir hat das den Spaß an diesem Krimi mit der Zeit genommen.

Denn die eigentliche Krimihandlung fand ich aufgrund der zum Teil ungewöhnlichen Figuren zu Beginn spannend und erfrischend. Bis zum Ende gab es zudem die eine oder andere Überraschung. Das habe ich sehr begrüßt. Im Großen und Ganzen hat mich das Buch gut unterhalten. Wenn es weniger Meinungsmache enthalten hätte, wäre es jedoch besser gewesen.

Veröffentlicht am 29.06.2020

Ich habe beim Lesen Gift und Galle gespuckt

The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman
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Das Ehepaar Thea und Gavin gerät in Streit. Erst zieht sich Gavin beleidigt zurück, dann wirft Thea ihn raus und spricht von Scheidung. Doch Gavin will Thea zurück und um seine Ehe kämpfen. Doch dafür ...

Das Ehepaar Thea und Gavin gerät in Streit. Erst zieht sich Gavin beleidigt zurück, dann wirft Thea ihn raus und spricht von Scheidung. Doch Gavin will Thea zurück und um seine Ehe kämpfen. Doch dafür braucht es auch Theas Willen und Wollen…

Selten habe ich mich beim Lesen so oft und so sehr aufgeregt und immer wieder überlegt, ob ich das Buch in die Ecke pfeffer und es mir gestohlen bleiben kann. Thea und ihre Schwester sowie die Gräfin fand ich unglaublich nervig und jeder Mann sollte froh sein, wenn er diese schrecklichen Damen los ist und sein Leben unbeschwert genießen kann. Aber wahrscheinlich würde jeder Mann, der die Erfahrung mit diesen Frauen gemacht hat, danach gar keine Beziehung mehr haben wollen. So entstehen Bad Boys.

Die Hauptaussage dieser Frauen war:“ Ich ziere mich, bis du mir die Sterne vom Himmel geholt hast. Und danach finde ich immer noch einen Grund, warum du Schuld bist.“ Thea täuscht ihrem Mann seit mindestens drei Jahren ihre Orgasmen vor. Sie kümmert sich auch ansonsten nicht um ihre Bedürfnisse, vernachlässigt ihre Wünsche und die Frage, wer sie ist und wer sie sein will. Als sie dann feststellt, dass sie unglücklich und unzufrieden ist, trägt selbstverständlich ihr Mann die Schuld daran. Schließlich ist es doch seine Aufgabe, ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen, Gedanken lesen zu können und sie glücklich zu machen. Wenn sie nicht glücklich ist, hat folglich er versagt. Von der Vorstellung, selbst die Verantwortung für ihre Zufriedenheit und ihr Glück und die Partnerschaft zu übernehmen, hat sie offenbar noch nie gehört. Es hätte vielleicht schon gereicht, sich und den Partner nicht zu belügen, zu täuschen und stattdessen offen miteinander zu reden. Doch Thea ist nie sie selber, sie spielt immer die perfekte Fassade: in der Ehe, bei Freunden und Bekannten, beim Sex. Als Ehemann dieser Frau würde ich mich belogen und betrogen fühlen.

Die Schwester ist dann ein noch härteres Kaliber. Sie macht Thea laufend ein schlechtes Gewissen, wenn diese nur ein gutes Wort über Gavin verlauten lässt. Statt ihre Schwester und deren Wünsche zu akzeptieren, hetzt sie laufend gegen Männer und Gavin im Speziellen. Zum Glück sieht sie jedoch ein, dass sie ein Problem mit Männern hat, denn auf Seite 272 brüllt Liv: „Ich hasse Männer“. Auf mich wirkt Liv verbittert, verbiestert und intrigant.

Als Thea schließlich mit Hilfe von Liv entdeckt, dass Gavin Liebesromane verschlingt, um die Ehe zu retten, macht sie gleich die nächste Ehekrise daraus. Daran, dass sie ihm drei Jahre lang ihre Orgasmen vorgespielt hat, war er schuld. Wenn er versucht, der Mann zu sein, den sie sich wünscht, ist er ein Lügner und Betrüger. Ihr Verhalten ist in ihren Augen ganz okay gewesen, seins dagegen geradezu ein Kapitalverbrechen. Ich finde es unfassbar, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Botschaft: Was für Frauen okay ist, ist es für Männer noch lange nicht! Denn die Einstellung der drei weiblichen Hauptfiguren in diesem Buch ist eindeutig: Alle Männer sind Schweine. Zudem haben Männer grundsätzlich niedere Motive.

Nach meiner Ansicht sollten Frauen, die die Schuld der ganzen Welt bei Männern sehen, besser solo bleiben. So haben die Männer wenigstens die Chance, eine gesunde Frau zu finden.

Wenn die Autorin hier nur die Rollen herkömmlicher Liebesromane vertauschen wollte, geht die Rechnung nach meiner Meinung nicht auf. Der männliche Bad Boy gibt nicht der Frau die Schuld an allem, was in seinem Leben schief läuft. Gavin dagegen hat die Rolle des lieben Teils super ausgefüllt.

Es gab im Buch ein paar schöne romantische Szenen und auch das Ende war romantisch, kitschig und schön. Das Buch konnte dadurch jedoch nicht gerettet werden. Dies wird mein erster und letzter Roman der Reihe bleiben.

  • Cover
Veröffentlicht am 29.06.2020

Die schönste Liebesgeschichte, die ich seit langem gelesen habe

Faded - Wenn alles stillsteht
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Genau! Dies ist der zweite Teil der „Faded“-Dilogie von Julie Johnson. Die Geschichte von Felicity und Ryder geht weiter. Nachdem Felicity sich zwei Jahre lang vor der Welt versteckt hat, muss sie nun ...

Genau! Dies ist der zweite Teil der „Faded“-Dilogie von Julie Johnson. Die Geschichte von Felicity und Ryder geht weiter. Nachdem Felicity sich zwei Jahre lang vor der Welt versteckt hat, muss sie nun auf Druck ihrer Plattenfirma mit ihrer Band Wildwood auf Tournee gehen. Das heißt, dass sie sich Ryder stellen muss, den sie zwei Jahre zuvor in L.A. verlassen hat…

Die Geschichte von Ryder und Felicity hat wirklich alles, was ich mir von einem guten Liebesroman wünsche. Sie ist leidenschaftlich, traurig, romantisch, witzig und manchmal kaum zu ertragen, weil ich gerne helfend in die Handlung eingreifen würde. Deshalb habe ich geweint und gelacht. Ich war wütend, habe mit den Figuren gelitten und gebangt, war verzückt, erfreut und noch vieles mehr. Vor allem aber konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, nachdem ich mit der Geschichte gestartet bin.

Es ist wirklich lange her, dass mir eine Liebesgeschichte so dermaßen unter die Haut gegangen ist. Die Autorin hat es super geschafft, mich für die Figuren einzunehmen, und zwar nicht nur für das Liebespaar. Auch die restlichen Bandmitglieder, Aiden und Lincoln, sowie Carly, Felicitys beste Freundin, hätten eine eigene Geschichte verdient. Die Hauptfiguren drücken so viel Gefühl aus, verwirklichen nicht nur ihre Träume, sondern lösen auch in mir mehr Mut für meine eigenen Träume aus.

Veröffentlicht am 27.06.2020

Wunderschönes Fantasy-Märchenbuch

Ein Kleid aus Seide und Sternen (Ein Kleid aus Seide und Sternen 1)
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Maia wächst die ersten Jahre ihres Lebens mit ihren drei Brüdern und den Eltern in einem liebevollen Zuhause aus. Als die Mutter stirbt, gerät dieses Leben ins Wanken. Der Vater ist von Beruf Schneider. ...

Maia wächst die ersten Jahre ihres Lebens mit ihren drei Brüdern und den Eltern in einem liebevollen Zuhause aus. Als die Mutter stirbt, gerät dieses Leben ins Wanken. Der Vater ist von Beruf Schneider. Da die Brüder kein Talent für diesen Beruf haben, erlernt Maia schon früh das Handwerk. Leider darf sie im Reich A´landi – in dem sie lebt - als Frau diesem Handwerk nicht offiziell nachgehen. Als der Kaiser eines Tages einen neuen Hofschneider sucht, verkleidet sie sich als Mann und geht an den Hof des Kaisers, um der beste Schneider des Reiches zu werden.

Bereits mit dem Prolog und dem ersten Satz des 1. Kapitels hatte mich die Autorin Elizabeth Lim auf ihrer Seite. Ich war neugierig und hatte Lust auf mehr. Das Buch „Ein Kleid aus Seide und Sternen“ mutete für mich zu Beginn wie ein Märchen an. Die Superlative bzw. Übertreibungen, die die Autorin verwendet, passen perfekt in ihren Erzählstil und machen das Buch liebenswert. Ein Beispiel von Seite 32 des E-Books: “…, dass er blendend genug aussah, um selbst die Sonne erbleichen zu lassen.“

Zu Beginn denkt man als Leser/in noch, man weiß, worauf das Buch hinausläuft. Doch die Erzählung ändert immer wieder die Richtung und wartet mit Überraschungen auf. Die Liebesgeschichte ist sehr romantisch geschrieben und baut sich erst nach und nach auf. Dadurch finde ich sie wunderschön. Besonders im letzten Fünftel hat diese mir sehr gut gefallen.

Durch das gesamte Buch ziehen sich immer wieder Elemente aus bekannten Märchen. Das passt sehr gut zur Stimmung der Geschichte. Auch ansonsten bietet „Ein Kleid aus Seide und Sternen“ alles, was ich mir von einem schönen Buch wünsche. Es gibt unglaublich liebenswerte Figuren, die mir sofort ans Herz gewachsen sind. Dann sind mehrere Gegenspieler vorhanden, die Spannung ins Geschehen bringen. Es sind Figuren vorhanden, die nicht durchschaubar und nicht einfach einzuordnen sind und von denen ich als Leserin nicht weiß, was ich von ihnen zu halten habe. Die Welt steckt voller Magie – auch hier guter und böser.

Maia und der Magier Edan müssen im Laufe des Buches mehrere Aufgaben lösen und aufregende Abenteuer bestehen. Diese waren für mich im Großen und Ganzen toll geschrieben. Lediglich während der einzelnen kleinen Höhepunkte hätte die Handlung ein bisschen dramatischer sein können. Auch hier waren die Ideen gut, aber das Erreichen der Zwischenziele wirkte oft ein wenig zu einfach.

Das Ambiente hat auf mich wie eine Mischung aus orientalisch, asiatisch und märchenhaft gewirkt. Auch das hat dazu beigetragen, dass ich mich einfach wohl gefühlt habe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere