Profilbild von Elchi130

Elchi130

Lesejury Star
offline

Elchi130 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Elchi130 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2025

Das Erzähltempo hätte höher sein können

Neuanfang in Notting Hill
0

Jess ist nach einer üblen Trennung in der Wohnung ihrer besten Freundin gelandet. Hier lebt sie in einer kleinen Kammer, die jedoch für das nächste Kind ihrer Freundin hergerichtet werden muss. Ein neues ...

Jess ist nach einer üblen Trennung in der Wohnung ihrer besten Freundin gelandet. Hier lebt sie in einer kleinen Kammer, die jedoch für das nächste Kind ihrer Freundin hergerichtet werden muss. Ein neues Zuhause für Jess muss also her. Als die achtzig jährige Joan über eine Zeitungsannonce nach einer Untermieterin in ihrem Haus in Notting Hill sucht, stellt Jess sich kurzerhand vor. Schnell finden die beiden Frauen, nachdem Jess eingezogen ist, einen Draht zueinander und lassen sich auf eine Challenge ein. Joan lernt mit einem Smartphone und einem Laptop umzugehen. Im Gegenzug geht Jess offline und lernt, ihr Leben wieder im Hier und Jetzt zu gestalten.
Ich mag die Figuren, die die Autorin Norie Clarke erschafft, sehr gerne. Sie sind alle sehr liebenswert. Natürlich haben sie alle irgendwelche Macken und Eigenheiten, aber sie entwickeln sich weiter, lernen dazu und zum Ende des Buches hatte ich alle ins Herz geschlossen. Jess, die in einem Kino arbeitet, hat hier ihre Freunde gefunden, die für sie im Laufe der Jahre zu einer Familie geworden sind. Die Autorin zeigt uns, wie sich im Laufe der Jahrzehnte das Leben der Gesellschaft geändert hat und was das für Konsequenzen für unser Zusammenleben hat. Kinos waren einst der Mittelpunkt des Ortsteils und verlieren im Zeitalter von Film- und Serienstreaming an Bedeutung.
In ihrem Buch „Neuanfang in Notting Hill“ hat die Autorin direkt zwei Liebesgeschichten in die Handlung verwoben. Die Geschichte von Joan und ihrer großen Liebe ist wunderschön und herzzerreißend. Doch zum Ende hin hätte ich mir hier mehr gewünscht. Die Geschichte von Jess war mir zu leise und langsam angelegt. Diese Liebe hätte gerne schneller kommen können, weniger vorhersehbar sein dürfen und wesentlich mehr Raum im Rahmen des Buches einnehmen sollen.
Das Buch war schön, aber es wäre mehr drin gewesen. Das Leben hier war oft ein zu langer, zu ruhiger Fluss und ich hätte mir mehr Action gewünscht.

Veröffentlicht am 24.07.2025

Die Idee ist gelungen, die Umsetzung leider nicht immer

Gesellschaftsspiel
0

Als Gabi stirbt, kommen drei Frauen zusammen. Isabelle, die Lehrerin, die in Weimar geblieben ist und einen Sohn hat, wollte in der Nähe ihrer Mutter Gabi bleiben. Ihre Schwester Annika ist in die USA ...

Als Gabi stirbt, kommen drei Frauen zusammen. Isabelle, die Lehrerin, die in Weimar geblieben ist und einen Sohn hat, wollte in der Nähe ihrer Mutter Gabi bleiben. Ihre Schwester Annika ist in die USA gegangen und lebt dort mit einem IT-Spezialisten zusammen. Die Tante Dagmar ist Dozentin an der Universität in Weimar. Zur gleichen Zeit, in der die Drei wieder aufeinandertreffen, verkündet der Tech-Milliardär Double Z, dass er ein neues Gesellschaftssystem auf die Beine stellen will, und zwar in Weimar. Sofort stehen die Welt, das Internet und Weimar Kopf.
Die Vorstellung, in Form eines Experiments eine neue Gesellschaftsordnung in einem streng abgesteckten Bereich einzuführen, klingt zum einen sehr verlockend, schürt bei mir als Leserin jedoch auch sofort Ängste. Ich finde, die Autorin Dora Zwickau hat in ihrem Buch „Gesellschaftsspiel“ sehr gut mit den Möglichkeiten, Ängsten, Vorbehalten, Sehnsüchten usw. gespielt. Sie hat das Szenario sehr glaubhaft aufgebaut, indem es eine App gibt, in der sich alles über die Utopie „Syndicat“ befindet. Hier stellt Double Z seine Vision vor, lässt die Bürger alles mitgestalten. Jede Person darf Vorschläge einreichen, eigene Ideen einstellen und die restlichen Bürger können mit abstimmen. Schnell wird dabei klar, dass auch die Skeptiker und Feinde dieser Ideen aktiv werden und durch die App trollen. Das Für und Wider hat die Autorin sehr gut dargestellt. Doch fehlt mir ein Höhepunkt, eine dramatische Entwicklung, auf die die Geschichte zuläuft und an deren Ende eine Entscheidung für oder gegen die Idee steht. Das Gesellschaftsspiel bleibt, was es ist, nämlich ein Spiel. Da hätte ich mir ein klareres Ergebnis gewünscht.
Gelungen ist der Autorin zudem die Darstellung von Isabelle, Annika und Dagmar. Ihre Vorbehalte gegeneinander, ihre Annäherung, die alten Wunden, die neue Gemeinschaft. Doch auch hier fehlt mir ein konkretes Ende. Das Buch beginnt, wir begleiten die drei Frauen und über sie das Experiment von Double Z. Doch zum Ende hin verlassen wir sie, wie ich finde, ziemlich unspektakulär wieder.
Die Idee der Autorin war super, aber ich hatte mir einfach mehr erhofft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 24.07.2025

Der Erzählstil gefällt mir unglaublich gut

Ein ungezähmtes Tier
0

Arpa und Sophie Braun führen ein luxuriöses Leben in Genf. Sie ist Anwältin und er Finanzberater in einer Privatbank. Sie leben mit ihren beiden Kindern in einem noblen Glashaus direkt am Wald. Ihr perfektes ...

Arpa und Sophie Braun führen ein luxuriöses Leben in Genf. Sie ist Anwältin und er Finanzberater in einer Privatbank. Sie leben mit ihren beiden Kindern in einem noblen Glashaus direkt am Wald. Ihr perfektes Leben gerät jedoch ins Wanken, als ein alter Freund aus der Vergangenheit auftaucht.
Es gibt zwei Gründe, warum ich diesen Autor so gerne lese. Zum einen erzählt er seine Geschichten nicht linear. Vielmehr springt er vor und zurück, noch weiter zurück und noch weiter nach vorne. Das erfordert von den Lesenden eine erhöhte Aufmerksamkeit. Dabei hält er uns manches vor, das er erst im Laufe der Erzählung nachreicht. Da werden Szenen, die wir bereits kennen, ergänzt und erscheinen dadurch oft in einem ganz neuen Licht. Gerade das macht für mich die Spannung des Buches aus. Es ist unterhaltsam, geheimnisvoll, spannend, führt mich auf falsche Fährten, löst diese gelungen und logisch auf. Das Geschehen entblättert sich nach und nach vor mir, bis ich zum Kern vorstoße und am Ende nur staunen kann, wie originell mich Joel Dicker wieder einmal unterhalten hat.
Zum anderen liebe ich seine Figurenzeichnungen. Diese sind nie eindimensional. Es gibt keine ausschließlich guten oder bösen Menschen. Alle Personen verfügen über eine vollständige Persönlichkeit, so wie auch wir Menschen im realen Leben nicht eindimensional sind. Das finde ich sehr spannend, denn die einzelnen Personen verändern bzw. vervollständigen sich im Laufe des Geschehens immer wieder. Dabei muss auch ich wiederholt meine Meinung zu den Figuren hinterfragen und meine Sicht auf sie anpassen. Wie bereits bei seinem Schreibstil, präsentiert der Autor den Blick auf eine Person, nur um diesen nach und nach vollkommen über den Haufen zu werfen. Vor unseren Augen werden unsere automatischen Annahmen entlarvt und wir revidieren im Laufe der Geschichte mehrfach das Bild, welches wir uns beim Lesen von der Figur gemacht haben. Das ist spannend und unterhaltsam, lässt meine Neugierde darauf, was ich noch nicht über die Person weiß, ins Unendliche wachsen.
Genau diese beiden typischen Eigenheiten bietet mir der Autor auch wieder in seinem Buch „Das ungezähmte Tier“ und hat mich damit erstklassig unterhalten. Bis zum Ende der Geschichte bin ich mir nie sicher, welche Wendung die Handlung noch nehmen und was mit den Personen passieren wird. Am Ende des Buches bin ich zufrieden mit der Erzählung, die der Autor mir geliefert hat. Manches habe ich gemutmaßt, anderes kam überraschend.
Gelesen wird das Hörbuch von Torben Kessler. Er liest auch die anderen Bücher des Autors. Das macht er sehr gut und er passt für mich perfekt zum Erzählstil von Joel Dicker.
„Das ungezähmte Tier“ kommt vielleicht nicht an die Romane um seine berühmte Figur Harry Quebert heran. Das Buch ist jedoch besser als viele andere Romane, die gehypt werden und in den Bestsellerlisten zu finden sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2025

Zum Teil kitschig, aber auch schön

Words Like Feathers
0

Olivia und Tristan teilten die erste große Liebe miteinander. Als diese auseinanderbrach, blieben viele Dinge zwischen ihnen ungesagt. Nun, drei Jahre später treffen sich die beiden unverhofft, auf einem ...

Olivia und Tristan teilten die erste große Liebe miteinander. Als diese auseinanderbrach, blieben viele Dinge zwischen ihnen ungesagt. Nun, drei Jahre später treffen sich die beiden unverhofft, auf einem Retreat für Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Schauspiel und Musical wieder. Ausgerechnet beim Cinestage Hill, dem Retreat, an dem teilzunehmen für Olivia schon immer ein großer Lebenstraum war. Womit sie nicht gerechnet hat, war, hier auf Tristan zu treffen, der als Stargast an den CineStage Hill Tagen teilnimmt. Denn in den letzten drei Jahren ist aus ihm ein erfolgreicher und bekannter Musicaldarsteller geworden.
Die Chemie zwischen Olivia und Tristan stimmte direkt wieder von der ersten Sekunde an. Sowohl in den Szenen, in denen sie sich noch nicht ausgesprochen hatten als auch in denen, in denen eine Annäherung stattfand. Zudem werden wir auch in die Zeit zurückgeführt, als die beiden sich als Teenager kennen- und liebengelernt haben. Ich konnte die Anziehung der beiden von Anfang an spüren. Daher fand ich die Szenen der beiden sehr romantisch und wunderschön. Allerdings treibt die Autorin Marie Weis es oft auf die Spitze, sodass ich manche Gesten, Aussagen und Verhaltensweisen besonders von Tristan richtig kitschig fand.
Für meinen Geschmack ist die Einleitung des Buches, in der wir Olivia und ihre Freunde kennenlernen, viel zu lang geraten. Auch die Beschreibung des Anwesens, in dem das Retreat stattfand, war viel zu ausführlich. Gefühlt wurde jeder Raum intensiv beschrieben. Zum Glück hat die Autorin dann jedoch noch die Kurve gekriegt und sich mehr auf die Handlung als auf Beschreibungen konzentriert.
Am Ende des Buches musste ich für mich feststellen, dass es der Autorin leider nicht gelungen ist, mich nach dem obligatorischen Konflikt wieder vertrauensvoll und versöhnlich zu stimmen. Ich hätte nicht so leicht verzeihen und hätte schon gar nicht einfach so wieder vertrauen können.
Insgesamt jedoch eine schöne Liebesgeschichte mit zwei tollen Protagonisten, denen ich das Glück aus vollem Herzen gewünscht habe. Mein Wunsch an die Autorin: Bitte mehr davon.

Veröffentlicht am 29.06.2025

Zu seicht

Emotional Female
1

Yumiko, wurde zwar in Japan geboren, lebte dort jedoch nie. Ihre Schule beendet sie in Sydney als Musterschülerin, um dort im Anschluss Medizin zu studieren. Das Studium dauert 6 Jahre. Im Anschluss arbeitet ...

Yumiko, wurde zwar in Japan geboren, lebte dort jedoch nie. Ihre Schule beendet sie in Sydney als Musterschülerin, um dort im Anschluss Medizin zu studieren. Das Studium dauert 6 Jahre. Im Anschluss arbeitet sie als Ärztin im Praktikum und nicht-akkreditierte Assistenzärztin in unterschiedlichen Kliniken in Australien. Dabei hat sie stets ihr Ziel im Blick – Chirurgin der plastischen Chirurgie. Diesem Ziel ordnet sie alles unter. Und dann erleidet sie nach 8 Jahren, in denen sie in verschiedenen Krankenhäusern tätig war, jedoch noch nicht in das Ausbildungsprogramm zur Fachärztin der plastischen Chirurgie aufgenommen wurde, einen Burnout.

Ich war sehr neugierig auf die Lebens- und Leidensgeschichte von Yumiko Kadota. Schnell musste ich jedoch feststellen, dass mir ihre Schilderungen zu sehr an der Oberfläche blieben. Sie breitet ihre Ausbildung in aller Breite vor uns aus. Gefühlt lässt sie keinen Arzt, keine Erkrankung und keinen Patienten aus, denen sie begegnet ist. Das ist natürlich eine Übertreibung, Die Geschichte fühlte sich für mich jedoch so an. Lieber wäre mir gewesen, wenn die Autorin in einzelne Szenen tiefer eingetaucht wäre. Weniger wäre hier mehr gewesen. So plätscherte das Buch für mich vor sich hin.

Mit Yumiko konnte ich mich weder identifizieren noch konnte ich ihr Leid nachfühlen. Bei vielen Belastungen/Beschwernissen, die sie beklagte, dachte ich mir, dass das im Arbeitsleben ganz selbstverständlich und normal ist. Sie erschien mir oft zu sensible und auf sich selbst bezogen. Dazu möchte ich jedoch anmerken, dass ich die Arbeitswelt generell als toxisch beschreiben würde, Yumikos als auch meine. Chefs spielen eigentlich immer ihre Macht an einem gewissen Punkt aus und erwarten, dass der Arbeitnehmer/Untergebene Folge leistet. Arbeit bedeutet keine Beziehung auf Augenhöhe, es gibt stets ein Machtgefälle.

Emotionen konnte ich bei Yumiko erst spüren, nachdem sie im Krankenhaus gekündigt hatte. Ihren Weg aus dem Burnout und der Depression konnte ich fühlen.

Im gesamten Buch wird Yumikos Sozialisation deutlich. Als Kind musste sie neben der regulären Schule am Nachmittag noch eine japanische Schulbildung meistern. Daher und aufgrund ihrer Erziehung durch ihre japanischen Eltern, verfügte sie über großen Ehrgeiz, eine hohe Opferbereitschaft, einen strengen Umgang mit sich selbst. Das alles führte neben einem unmenschlichen Krankenhaussystem zu ihrem Zusammenbruch. Diese Wechselwirkung ist sehr deutlich geworden.

Im Großen und Ganzen wird mich das Buch jedoch nicht sonderlich begleiten und ich werde den Inhalt bestimmt schnell wieder vergessen haben. Es war einfach nicht eindringlich genug. Zu fremd ist mir der Mensch Yumiko geblieben.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema