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Veröffentlicht am 16.08.2019

Wie könnte ich über sie richten?

Geblendet
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Mit „Geblendet“ beendet Andreas Pflüger seine Trilogie um die erblindete Ermittlerin Jenny Aaron. Dieser 509-seitige Thriller ist im August 2019 bei Suhrkamp erschienen.
Schon der Beginn des Thrillers ...

Mit „Geblendet“ beendet Andreas Pflüger seine Trilogie um die erblindete Ermittlerin Jenny Aaron. Dieser 509-seitige Thriller ist im August 2019 bei Suhrkamp erschienen.
Schon der Beginn des Thrillers ist bedrückend: Ein Vater stiftet seine zwölfjährige Tochter, Malin, zu ihrem ersten Mord an und macht sie dadurch zu einer Killerin.
Jenny, vor fünf Jahren erblindet, begibt sich in Therapie, um ihr Augenlicht wiederzuerlangen. Doch dann wird sie in einen neuen Fall involviert und steht vor der Entscheidung: für die eigene „Abteilung“ kämpfen oder für das eigene „Seelenheil“? Während der Ermittlungen kommt sie dabei zu ganz neuen Erkenntnissen.
Dieser Band beendet eine Trilogie und ist dennoch der erste aus dieser Reihe, den ich gelesen habe. Dieses stellte mich zu Beginn vor ziemlich große Herausforderungen, da es eine Zeitlang brauchte, die einzelnen Charaktere zu sortieren. Zwar gibt Pflüger hier Hilfen, aber die Bezüge zu alten Fällen sind doch so groß, dass das Lesen einiges an Konzentration erforderte und am Ende bestimmt noch einige Lücken blieben. Daher würde ich empfehlen, zuerst die vorherigen Bände zu lesen.
Der Thriller beginnt mit einer beklemmenden Szene in Notre Dame sehr dramatisch und schreit förmlich danach, weitergelesen zu werden. Nach einem Sprung in die Gegenwart und zu Jenny Aaron lässt diese Spannung allerdings erst einmal nach. Auch dauert es etwas, bis man den Bezug zum Beginn herstellen kann, dann allerdings ergibt sich ein roter Faden, der für eine in sich logische Aufklärung sorgt.
Das Buch bietet tiefe Einblicke in die Innenwelt der Protagonist/innen, vor allem in die Jennys und Malins. Was auf der einen Seite interessant zu lesen ist, sorgt auf der anderen Seite allerdings auch für Langatmigkeit, was wahrscheinlich vor allem dann zum Tragen kommt, wenn man die Vorgängerbände eben nicht kennt. Andererseits wird diese Langatmigkeit immer wieder unterbrochen von spannenden Szenen, die es dann auch wirklich in sich haben. Insbesondere das immer wieder auftretende Spiel mit erzählter Zeit und Erzählzeit fasziniert und sorgt für immense Dramatik. Auch das Finale in Barcelona zehrt ungemein an den Nerven.
Der Autor hat für seinen Roman sehr gute Recherche betrieben, was man vor allem den Einsichten in die Welt der Blinden als auch denen in die fernöstliche Kampfkunst, gespickt mit Philosophie, entnehmen kann. Leider erscheint mir Jenny Aaron an einigen Stellen etwas zu übermenschlich: Zwar sagt man, bei Blinden seien andere Sinnesorgane besser ausgebildet als bei Sehenden, allerdings scheint dieses bei Jenny übertrieben, betrachtet man ihren Gehör- oder Geruchssinn. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Bei Andreas Pflüger überwiegen sehr kurze, prägnante Sätze, die jedoch deshalb nicht wenig anspruchsvoll sind. Auch immer wiederkehrende Wiederholungen und die Wahl des Präsens als Erzählzeit mögen anfangs gewöhnungsbedürftig erscheinen, haben mir aber sehr gut gefallen.
Die Aufmachung des Buches ist eine Augenweide: Hardcover mit schwarzem Einband und schwarzem Buchschnitt sowie der Schutzumschlag in einem leuchtenden Gelb mit schwarzer, „verwischter“ Schrift passen vorzüglich zum Inhalt. Als kleine Zugabe steht der Buchtitel auch in Brailleschrift auf dem Umschlag. Mir gefällt dieses außerordentlich gut.
Anfangs war ich von diesem Thriller vor allem angesichts der Langatmigkeit etwas enttäuscht, je weiter ich beim Lesen voranschritt, desto besser gefiel er mir indes, was vor allem auf die gute Recherche und den Erzählstil zurückzuführen ist. Insgesamt gebe ich dem Buch dreieinhalb von fünf Lesesternen.

Veröffentlicht am 13.08.2019

Die glorreiche und tragische Geschichte der Romanows

Die Romanows
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Wohl kaum ein europäisches Herrscherhaus beeindruckt die Menschen bis heute so sehr wie das der Romanows. Auf der einen Seite stehen ihr sagenumwobener Reichtum, ihre Macht und ihr Glanz, zum anderen sind ...

Wohl kaum ein europäisches Herrscherhaus beeindruckt die Menschen bis heute so sehr wie das der Romanows. Auf der einen Seite stehen ihr sagenumwobener Reichtum, ihre Macht und ihr Glanz, zum anderen sind sie fast ein Synonym für Grausamkeit und Wahnsinn. Nicht vergessen darf man natürlich den tragischen Untergang dieser Dynastie, der bis in die heutige Zeit hinein für Spekulationen sorgt.
Eine mit 1040 Seiten sehr umfassende Darstellung der Romanows legt Simon Sebag Montefiore mit „Die Romanows. Glanz und Untergang der Zarendynastie 1613 – 1918“ vor. Als Taschenbuch ist dieses Werk im September 2018 bei Fischer erschienen.
Gegliedert ist das Buch in drei Akte – Aufstieg, Höhepunkt, Untergang -, die jeweils in einzelne Szenen, die den verschiedenen Herrscher/innen gewidmet sind, unterteilt sind. Gerahmt wird die eigentliche Geschichte der Romanows von einem Prolog und einem Epilog. In Letzterem schlägt Montefiore eine Brücke zum nachzaristischen und heutigen Russland. Dass allerdings die Geschichte der Zaren auch noch Auswirkungen auf das Hier und Jetzt hat und einen Vergleich förmlich verlangt, wird im gesamten Buch deutlich, wird doch immer wieder Bezug auf dasselbe genommen. Der mit fast 100 Seiten sehr umfangreiche Anhang bietet u.a. Anmerkungen, eine Bibliographie, aufgeteilt in Primär- und Sekundärquellen, sowie ein Personenregister.
Selbst für russlandaffine Leser/innen ist die Fülle an sich doch sehr ähnelnden Namen eine Herausforderung. Deshalb ist sind die Stammbäume zu Beginn des Buches und eines jeden Aktes sowie die Listen der Mitwirkenden, die jede Szene einleiten, beim Lesen eine große Hilfe. Auch die Karte vom russischen Reich sowie die zahlreichen Abbildungen helfen bei der Orientierung und verdeutlichen das Gelesene.
Montefiores Romanow-Geschichte ist sehr lebendig erzählt. Dieses ist zum einen dem literarischen, erzählenden Sprachstil zu verdanken, der mit wissenschaftlicher Literatur nur wenig gemein hat. Auf der anderen Seite flechtet der Autor Primärquellen, in erster Linie Briefe, so geschickt in das Erzählte ein, dass er viele Figuren quasi „zu Wort kommen“ lässt. Dieses verleiht dem Gelesenen Lebendigkeit, und man hat beim Lesen oft das Gefühl, live dabei zu sein. Viele skurrile, teils monströse, teils lustige Eigenheiten der Romanows lassen das Lesen abwechslungsreich werden und haben mich oft zum Staunen, aber auch zum Nachdenken gebracht.
Mit Peter dem Großen beginnt das goldene Zeitalter der Romanows, zugleich beginnt Russland vermehrt, in der europäischen Geschichte mitzumischen. Die vielen Details haben mir beim Lesen zwar auch Neues geboten, besonders interessant fand ich persönlich jedoch den Aufstieg der Romanows, da ich dort sehr viel erfuhr, was mir bis dato unbekannt war. Insgesamt jedoch zeugt der Detailreichtum von einer sehr ausführlichen Recherche, setzt bei den Leser/innen aber auch einiges an Durchhaltevermögen und Konzentration voraus.
Um einen groben Überblick über dieses Herrschergeschlecht zu erhalten, ist dieses Sachbuch wohl weniger geeignet. Wer sich aber vertieft mit den Romanows auseinandersetzen möchte, auch in die russische und die Russland betreffende europäische Geschichte einzutauchen wünscht, wird seine helle Freude haben. Ich selber war beim Lesen fasziniert, habe viel gelernt und fühlte mich dabei auch noch gut unterhalten. Was will man mehr?

Veröffentlicht am 11.08.2019

… denn jedes Kind, das einsam ist, holt der Flüsterer gewiss.

Der Kinderflüsterer
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Alex Norths Spannungsroman „Der Kinderflüsterer“ ist im Juli 2019 bei Blanvalet erschienen und umfasst 448 Seiten.
Zwanzig Jahre zuvor: In dem kleinen Örtchen Featherbank hat der Kinderflüsterer fünf Kinder ...

Alex Norths Spannungsroman „Der Kinderflüsterer“ ist im Juli 2019 bei Blanvalet erschienen und umfasst 448 Seiten.
Zwanzig Jahre zuvor: In dem kleinen Örtchen Featherbank hat der Kinderflüsterer fünf Kinder entführt und ermordet. Der Täter sitzt seitdem seine Strafe ab.
Heute: Nach dem Tod seiner Frau zieht Tom Kennedy mit seinem kleinen Sohn Jake in ebendiese Kleinstadt. Was als Neuanfang gedacht ist, wird bald zu einem Albtraum, denn der Kinderflüsterer scheint wieder umzugehen. Und auch Jake hört nachts das Flüstern …
Von Anfang bis Ende dominiert in diesem Roman eine unheimliche, düstere Atmosphäre. Geschickt jongliert North mit Realität und Einbildung, sodass man sich beim Lesen oft nicht sicher, was jetzt der Wirklichkeit entspricht und was der Fantasie des kleinen Jungen entspringt. Vieles mutet irreal, ja fast gespenstisch an, was den Leser/innen immer wieder einen Schauer über den Rücken laufen lässt.
Die Lösung des Mysteriums wird von Anfang an angebahnt, dennoch überrascht das Ende. Mehrfach präsentiert der Autor verschiedene Verdächtige, sodass man als Leser/in eingeladen ist, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Trotzdem konnte mich das Ende letztlich nicht hundertprozentig überzeugen, da es doch einige Fragen offen lässt.
Der Roman wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, was nicht nur einen Einblick in die äußere, sondern auch in die innere Handlung gewährt. Gerade durch den Ich-Erzähler, Tom, tritt die nicht ganz einfache Vater-Sohn-Beziehung, die in der Familie Kennedy schon über Jahre hinweg eine dominante Rolle spielt, zutage. Aber auch das Innenleben anderer Charaktere wird so augenfällig, mit DI Pete Willis bspw. habe ich während des Lesens mehrere Male regelrecht mitgelitten.
Die Charaktere sind größtenteils sympathisch gezeichnet, sieht man einmal von den Verdächtigen ab. Insbesondere Amanda Beck, ebenfalls DI, hat mir gut gefallen, da sie sich sowohl um das Wohl ihres Mitarbeiters als auch um das der Opfer kümmert.
Norths Sprache ist schnörkellos und flott zu lesen. Die wechselnden Perspektiven und übersichtlichen Kapitel des Buches machen das Lesen angenehm, ohne zu über- oder unterfordern. Cliffhanger am Ende der einen oder anderen Passage zwingen förmlich zum Weiterlesen, sodass die Lektüre eine/n in ihren Bann zieht.
Das Cover ist ein richtiger Hingucker, ist mit seinen Gelb- und Grautönen harmonisch und entspricht dem Inhalt des Romans. Besonders ansprechend sind auch die haptischen Elemente.
Insgesamt legt Alex North mit „Der Kinderflüsterer“ ein gelungenes Debüt vor, das solide gestrickt ist, seine Spannung vor allem aus der unheimlichen Stimmung schöpft und Freund/innen spannungsgeladener Literatur einige schaurig-schöne Lesestunden beschert.

Veröffentlicht am 09.08.2019

Von der Erpressbarkeit des Staates

Ultimatum
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Darf sich der Staat erpressen lassen? Spätestens seit der Schleyer-Entführung ein Thema, das die Nation immer wieder bewegt. Christian von Ditfurth hat sich dieser Frage in seinem neuen, 447-seitigen Politthriller ...

Darf sich der Staat erpressen lassen? Spätestens seit der Schleyer-Entführung ein Thema, das die Nation immer wieder bewegt. Christian von Ditfurth hat sich dieser Frage in seinem neuen, 447-seitigen Politthriller „Ultimatum“, der im August 2019 bei Bertelsmann erschienen ist, angenommen. Hierbei handelt es sich um den fünften Fall für den Berliner Hauptkommissar Eugen de Bodt.
Der Mann der Kanzlerin, Professor Süß, ist gekidnappt worden. Die Entführer stellen unerfüllbare Forderungen. Um ihren Druck zu erhöhen, schicken sie kurz darauf Süß‘ Hand an das LKA. Als etwas später auch noch die Gattin des französischen Ministerpräsidenten entführt wird und zeitgleich weltweit eine Reihe russischer Diplomaten auf unnatürliche Weise stirbt, machen sich Hauptkommissar de Bodt und sein Team, unterstützt von der französischen Polizei und dem russischen Geheimdienst, daran, das Übel von Europa abzuwenden.
Dieses ist der erste Politthriller Christian von Ditfurths, den ich gelesen habe, und ich muss sagen: Ich bin sehr begeistert.
Mit Eugen de Bodt hat von Ditfurth einen Ermittlertypus geschaffen, der aufgrund seiner Arroganz und seiner unorthodoxen Ermittlungsmethoden bestimmt streitbar ist, der aber nicht zuletzt wegen seines trockenen, oftmals scharfen Humors und seiner Vorliebe für (philosophische) Zitate sehr sympathisch rüberkommt. Selbiges gilt zudem für sein Team und die übrigen Ermittelnden. Auch als Neueinsteigerin in die Reihe habe ich mich in dieser Runde gleich wohlgefühlt, lediglich einige Anspielungen auf ältere Fälle waren schwer zu verstehen; dieses hat dem Lesevergnügen an sich allerdings keinen Abbruch getan.
Russen, Deutsche, Franzosen, Italiener … nichts, was in Europa Rang und Namen hat, lässt von Ditfurth hier aus. Ebenfalls thematisch ist der Roman sehr breit gefächert - genannt seien hier nur die Geheimdienste oder die Sicherheit von Atomkraftwerken. All dies lässt den Thriller zu einem komplexen Werk werden, das auch zum Nachdenken über die Zusammenhänge in unserer doch sehr komplizierten Welt anregt. Ein gewisser Schauer angesichts der bestehenden Gefahren ist dabei nicht ausgeschlossen und bestimmt auch intendiert.
Die zahlreichen Handlungsebenen, die teils sehr kurzen Kapitel mit ihren daraus resultierenden schnellen Szenenwechseln und die schon minimalistisch anmutende Sprache, erwähnt möchte ich hier nur die kurzen, abhackten Sätze, verleihen dem Lesen höchste Rasanz und lassen Leserinnen und Leser kaum zur Ruhe kommen.
Ein wenig enttäuscht indes hat mich das Ende, das für mich so ganz und gar nicht vorbereitet war: Zwar schlummert in de Bodts Kopf die ganze Zeit über eine Idee, die nicht zu greifen ist, doch tritt sie dann so abrupt zutage, dass die Auflösung mich eher unbefriedigt zurücklässt.
Nichtsdestotrotz präsentiert Christian von Ditfurth hier einen Thriller, der von Anfang bis Ende begeistert und die Leser/innen in seinen Bann zieht. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und für mich steht fest: Dieses war bestimmt nicht das letzte Buch der de Bodt-Reihe, das ich gelesen habe.

Veröffentlicht am 08.08.2019

Die V.I.E.R. voll in ihrem Element

Nie zu alt für Heavy Metal. V.I.E.R. rocken Europa
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Kaum von ihrer Kreuzfahrt heimgekehrt, wenden die V.I.E.R. sich schon ihrem nächsten Abenteuer zu; dieses Mal reisen sie quer durch Europa. Der zweite Band der Krimireihe aus der Feder von Elisabeth Frank ...

Kaum von ihrer Kreuzfahrt heimgekehrt, wenden die V.I.E.R. sich schon ihrem nächsten Abenteuer zu; dieses Mal reisen sie quer durch Europa. Der zweite Band der Krimireihe aus der Feder von Elisabeth Frank und Christian Homma, „Nie zu alt für Heavy Metal. V.I E.R. rocken Europa“, ist im Juli 2019 bei Grafit erschienen und umfasst 272 Seiten.
Die V.I.E.R., das sind Gero Valerius, Ina-Marie, Eleonora und Rüdiger. Als Professor Ledoux‘ Doktorand, Viktor Jenko, spurlos mit wichtigen Unterlagen des Rezeptes für das alte Allheilmittel Theriak verschwindet, bittet dieser die vier Freunde um Hilfe. Doch der Fall entpuppt sich als komplexer und brisanter, als anfangs angenommen. Die Ermittlungen führen die V.I.E.R. quer durch Europa, wo es dann schließlich auf dem Heavy Metal-Festival in Wacken zu einem fulminanten Finale kommt.
In Manchem ähnelt dieses Buch dem ersten Teil der Reihe, doch keine Angst: Man kann dem Geschehen auch sehr gut folgen, ohne den ersten Band zu kennen, denn es gelingt dem Autorenduo sehr gut, alle wichtigen Informationen in den aktuellen Roman einzuarbeiten. Außerdem gibt es zu Beginn des Buches ein Verzeichnis, in dem die Protagonist/innen noch einmal vorgestellt werden. Man hat beim Lesen das Gefühl, liebgewonnene Freunde, die man schon lange kennt, auf ihrer Reise zu begleiten, was nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen ist, dass Frank und Homma immer wieder Begebenheiten aus der Kindheit und Jugend der nun Erwachsenen einfügen. Liebevoll haben die Autor/innen ihre Figuren gestaltet, jede von ihnen hat ihre teils skurrilen Eigenheiten, es kommt auch immer wieder zu Animositäten, wenn Gero bspw. seine Alleingänge startet, aber letztlich ist es die Kombination, die das Team zu ihrem Ziel führt. Was man daraus lernen kann: Streiten ist gut, Vertragen ist besser, doch das gemeinsame Ziehen an einem Strang ist von nichts zu übertreffen.
Wie schon im ersten Teil, so begleiten Leserinnen und Leser die Helden auch hier auf einer Reise, dieses Mal eine durch Europa, genauer führt die V.I.E.R. ihr Weg von München über Celje in Slowenien, Venedig, London bis hin nach Wacken, wo es zu einem actionreichen Showdown kommt. In Gotland schließlich beenden sie ihre Reise und begießen erneut ihre Freundschaft. Dass die Autor/innen mit Herzblut bei der Sache sind, merkt man an der guten Recherche. Die einzelnen Stationen sind nicht nur mit Spannung, mehr oder weniger Action und Humor gespickt, nein, man erfährt als Leser/in auch viel über Land und Leute sowie Besonderheiten der jeweiligen Region. Mit Slowenien z.B. habe ich mich noch nie beschäftigt und habe beim Lesen gedacht: Dorthin lohnt sich eine Reise bestimmt auch. Aber auch die Szenen rund um ein venezianisches Kostümfest sind sehr ansprechend und machen Lust auf den „Karneval in Venedig“. Lediglich die Exkursion nach London hat m.E. den ansonsten bestehenden Spannungsbogen doch sehr unterbrochen. Ausruhen können Lesende und Protagonist/innen immer wieder bei den Zwischenstationen in München, wo gemeinsam das Erlebte resümiert wird – für die Leser/innen eine willkommene Möglichkeit, sich vom Trubel zu erholen und die eigenen Gehirnzellen einzuschalten: Zum Mitraten lohnt sich dieser Krimi nämlich allemal.
Interessante Informationen erhalten Interessierte zudem über den im Mittelalter als Wundermittel gepriesene „Theriak“ sowie die Möglichkeiten der Astronomie - auch hier habe ich viel Wissenswertes erfahren.
Die Szene in Wacken zu lesen, bringt Heavy Metal-Freunde auf ihre Kosten, hat man doch fast das Gefühl, dabei zu sein. Insbesondere Rüdiger ist hier voll in seinem Element und man kann nicht anders, als sich mit ihm mitzufreuen oder mitzustöhnen, wenn Elli z.B. vergisst, mit der „Pommesgabel“ zu grüßen oder Gero es bei seinem Versuch, authentisch zu wirken, dann doch übertreibt.
Auch wenn im Klappentext von „Menschenopfern“ die Rede ist, brauchen zartbesaitete Krimileser/innen dieses Buch nicht zu scheuen: Es ist absolut unblutig, es dominieren eine angenehme Spannung in Kombination mit feinem Humor.
Insgesamt hat mir diese Kombination aus Spannung, Reiseführer und Humor wieder sehr gut gefallen, und ich kann allen Freund/innen humorvoller Kriminalliteratur nur empfehlen, in diese Reihe einmal hineinzuschnuppern.