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Veröffentlicht am 30.10.2022

Tiefe menschliche Konflikte

Was auf das Ende folgt
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Schauplatz ist eine vermeintlich langweilige und heile Welt in einer amerikanischen Kleinstadt. Doch bald ziehen dunkle Wolken am Horizont auf und begleiten einen als Leser auf eine Reise in tiefe menschliche ...

Schauplatz ist eine vermeintlich langweilige und heile Welt in einer amerikanischen Kleinstadt. Doch bald ziehen dunkle Wolken am Horizont auf und begleiten einen als Leser auf eine Reise in tiefe menschliche Konflikte, welche erst am Ende der Geschichte ihren Höhepunkt finden. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten konnte ich mich im Laufe der Erzählung immer besser in die Story hineinversetzen und war angetan von den vielen verschiedenen Charakteren der Handlung. In der Geschichte geht es um die junge Mutter Jess, welche ihren Sohn Harry Monroe als vermisst meldet. Sie verzweifelt jeden Tag, an dem sie keine Nachricht von ihm bekommt. Der Polizist Jim nimmt sich ihrer Sache an und versucht das vermisste Kind aufzuspüren. Bald verändern einzelne Ereignisse die sonst so idyllische Kleinstadt. Wird es Jim schaffen Harry Monroe zu finden? Die Story lebt von ihren unterschiedlichen Charakteren. Da sind neben Jim und Jess noch die alleinerziehende Mutter Elena mit ihrem Sohn Manny sowie ihrer Tochter Thalia. Des Weiteren sind Jerry Lee ein Mitarbeiter eines örtlichen Fotostudio sowie der geheimnisvolle Jared zu nennen. Der Hauptdarsteller Jim war für mich etwas zwielichtig und ich konnte mich leider nur bedingt mit ihm identifizieren. Auch legte er manchmal ein nicht professionelles Verhalten an den Tag. Bei den Nebendarstellern hat mir Jared am besten gefallen. Ich hatte ihn während des Lesens in verschiedene „Schubladen“ gesteckt. Das Ende mit der Auflösung seiner Charaktereigenschaft empfand ich dann als umso überraschender. Der Aufbau der Handlung ist sehr stringent und es sind keine Zeitsprünge zu erkennen. Der Schreibstil des Autors ist dialogorientiert und manchmal mit Kraftausdrücken versehen. Als Zielgruppe des Romans kommen Anhänger von Thrillern in Frage. Das Fazit ist insgesamt aber positiv. Mit einer interessanten Wendung am Ende des Buches und sehr zwielichtigen Charakteren versehen, weiß die Geschichte zu überzeugen. Erst wenn man oft hinter die heile Fassade schaut, sieht man wie krank oft der Inhalt dieser ist.

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Veröffentlicht am 30.10.2022

Die Zeit von Völkerschauen

Das Mädchen und der Totengräber (Die Totengräber-Serie 2)
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Eine interessante Geschichte mit vielschichtigen Persönlichkeiten und einem tiefen Einblick in das Jahr 1894 in Wien lassen die Seiten nur so dahinfliegen. Ich bin erneut sehr gut unterhalten worden. In ...

Eine interessante Geschichte mit vielschichtigen Persönlichkeiten und einem tiefen Einblick in das Jahr 1894 in Wien lassen die Seiten nur so dahinfliegen. Ich bin erneut sehr gut unterhalten worden. In der Geschichte geht es um einen mysteriösen Leichenfund im Kunsthistorischen Museum in Wien. Die Leiche eines Professors wird mumifiziert aufgefunden. Kurze Zeit später wird ein weiterer Toter entstellt in Wien gefunden. Beide Morde weisen keinerlei Parallelen auf bevor ein weiterer brutaler Todesfall Wien erschüttert. Können Leopold Herzfeld und seine Kollegen von der Polizei in Wien den Fall lösen?

Leopold Herzfeld ist ein sehr charismatischer Hauptdarsteller, welcher wie im ersten Fall durch seine Eleganz und sein Interesse an den modernsten kriminaltechnischen Errungenschaften überzeugt. Ihm zur Seite steht erneut der berühmt berüchtigte Totengräber Augustin Rothmayer. Seine eigenwillige, aber auch sehr herzliche Art machen ihn zu meinem Lieblingscharakter. Er ist der heimliche Star des Romans und ich bin froh, dass er wieder eine wichtige Rolle bei dieser brutalen Mordserie spielen durfte. Als weitere interessante Nebenfiguren können neben Julia Wolf der Lebensgefährtin von Leopold Herzfeldt, Charlotte Rapoldy, die Tochter des ermordeten Professors, Dr. Clemens Rapoldy ihr Ehemann, Dr. Friedrich Carl Knauer, der Direktor des Wiener Tiergartens sowie sein Assistent Carl Rebers genannt werden. Gerade das Ehepaar Rapoldy war aufgrund seines opulenten Auftretens ein interessanter Faktor im Laufe der Geschichte.

Der Aufbau der Erzählung ist stringent und wird nicht durch Zeitsprünge unterbrochen. Der Schreibstil des Autors ist bildhaft, dem damaligen Sprachgebrauch angepasst und dialogorientiert. Was mir sehr gut gefallen hat war die schonungslose Darstellung des Rassismus, welcher in der damaligen Zeit leider alltäglich war. Auch die Darstellung der Völkerschau im Tiergarten hat der Autor sehr gut in die Geschichte eingebaut. Am Ende des Romans nimmt der Autor sehr gut Stellung, weshalb er sich entschieden hat diese Darstellung unverblümt wiederzugeben. Ich zitiere an dieser Stelle: „Ich glaube, wenn wir Geschichten in Romanen (und Filmen) abbilden, dürfen wir nichts ausblenden. Sonst wird irgendeine spätere Generation sagen, es seid doch nicht so schlimm gewesen- weil sie längst vergessen hat, wie schlimm es wirklich war.“ Genau dieses Problem hat der Autor mit diesem Zitat exakt taxiert.

Wir müssen uns der Vergangenheit stellen und dürfen diese nicht beschönigen. Es war leider vollkommen normal um 1894 Menschen anderer Hautfarbe als nicht gleichberechtigt zu behandeln. Diese wurden als Wilde den Tieren gleichgestellt klassifiziert. Leider hat es noch sehr lange gedauert bis dieses Gedankengut aus den meisten Köpfen herausgebrochen werden konnte. Wir müssen alles daransetzen, dass dieses auch bei zukünftigen Generationen so bleibt.

Als Besonderheit in dem Roman ist noch ein Personenverzeichnis zu nennen. Das Fazit ist sehr positiv. Eine spannende Geschichte, facettenreich mit einer interessanten Wendung am Ende hat mir sehr schöne Lesestunden beschert. Eine klare Leseempfehlung für alle Freunde von gut recherchierten und schön erzählten historischen Kriminalromanen

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Veröffentlicht am 25.10.2022

Der Traum vom Theater

Die Wintergarten-Frauen. Der Traum beginnt
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Wäre die Welt ein Theater, welchen Platz würde jeder einzelne davon einnehmen? Die des Zuschauers oder die der Schauspieler? Manch einer wäre vielleicht auch gerne Regisseur. Mit viel Eleganz und dem Flair ...

Wäre die Welt ein Theater, welchen Platz würde jeder einzelne davon einnehmen? Die des Zuschauers oder die der Schauspieler? Manch einer wäre vielleicht auch gerne Regisseur. Mit viel Eleganz und dem Flair der Berliner 20iger Jahre verziert bin ich sehr angetan von diesem Roman. In der Story geht es um die junge Nina von Veltheim, welche in der Provinz auf einem Gestüt groß wird. Schon in sehr jungen Jahren begeistert sie sich für das Theater und lebt auf dem Dachboden mithilfe von Puppen oder Tieren die Rolle der Regisseurin aus. Trotz vieler Vorbehalte in der Provinz unterstützt ihre Familie sie bei ihrem Vorhaben den Traum der Theaterkünste zu leben. In Berlin angekommen macht Nina schnell die Feststellung, dass sie sich in ein Haifischbecken begibt.

Facettenreich, laut und mondän kommt die große pulsierende Weltstadt daher. Dann hat sie ein Vorsprechen und ihr Traum droht sich in Luft aufzulösen. Aber da ist der so einzigartige Schauspieler Anton, welcher ihre Aufmerksamkeit erregt. Wird es Nina schaffen sich trotz der ganzen Hindernisse durchzusetzen?

Nina ist eine junge sehr willensstarke Frau, welche sich in den Kopf gesetzt hat in der Theaterwelt Fuß zu fassen. Dabei hat sie keinerlei Ängste ihre Meinung gegenüber gestandenen Theaterdirektoren oder gar Regisseuren zu äußern. Sie ist sehr von sich überzeugt und versteht es nicht, dass es geschlechterspezifische Rollenverteilungen in der Theaterszenerie gibt. Leider wirkt sie oft etwas verträumt, was sie öfters in Schwierigkeiten bringt. Als weitere sehr wichtige Figuren in dem Roman sind der Schauspieler Anton, die Tänzerin Jenny, sowie ihr Bruder Carlo zu nennen. Gerade Anton und Jenny sind neben Nina die tragenden Charaktere der Erzählung. Jenny war mir dabei am Anfang etwas unsympathisch, was sich im Laufe der Geschichte aber schnell gelegt hat. Sie beweist sehr viel Stärke und wer mit ihr befreundet ist, kann sich auf sie immer verlassen. Anton ist ein sehr gefragter Schauspieler, welcher im Innersten seiner Seele kleine Konflikte mit sich selbst ausfechtet. Er möchte sich nicht auf einzelne Rollen oder Szenerien festgelegt sehen und merkt erst sehr spät was ihm eigentlich wichtig ist.

Der Aufbau der Geschichte ist stringent und wird nur durch vereinzelt ganz kurze Zeitsprünge unterbrochen. Sehr detailliert beschreibend und mit sehr schöner Sprachfärbung versehen ist der Schreibstil der Autorin ein Genuss. Gerade die sehr tiefgründige Darstellung der damaligen Theaterszenerie mit der aufkeimenden Filmindustrie im Berlin der 20iger Jahre hat mir als Kulturfreund sehr imponiert. Ich konnte eintauchen in das Berlin der damaligen Zeit und hatte die erlebten Ereignisse sehr bildlich vor Augen. Als Besonderheit ist noch ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen bzw. Orten der Erzählung zu nennen. Verspielt mit einer schönen Erzählung der Theaterlandschaft Berlins der 20iger Jahre taucht der Leser in ein Varieté ein, was durchaus zum Träumen anregt oder der geliebten Fantasie einen Streich zu spielen droht.

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Veröffentlicht am 02.10.2022

Der Buchhandel in der Nachkriegszeit

Worte und Wunder
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Ann-Sophie Kaiser hat für mich einen recht typischen Nachkriegsroman geschrieben, der mich leider nicht überraschen konnte. Bereits nach der Hälfte des Buches war mir klar, wie dieses Buch mehr oder weniger ...

Ann-Sophie Kaiser hat für mich einen recht typischen Nachkriegsroman geschrieben, der mich leider nicht überraschen konnte. Bereits nach der Hälfte des Buches war mir klar, wie dieses Buch mehr oder weniger enden würde.

Im Mittelpunkt des Romans stehen Rosa und Ruth, zwei Frauen, von deren Männern nach dem 2. Weltkrieg jedes Lebenszeichen fehlt. Rosa und Ruth sind Schwägerinnen und gemeinsam versuchen sie die Familienbuchhandlung Klinger nach dem Krieg wieder aufzubauen.

Der Roman erzählt eine Geschichte, die wir so schon öfters gelesen haben. Es sind die Frauen, welche nach dem Krieg die Städte wieder aufbauen und sich um die Geschäfte kümmern. Wie viel Ungewissheit kann man aushalten und wie viel Mut muss man aufbringen, um weiterzumachen? Doch was passiert, wenn die Männer eines Tages aus der Gefangenschaft wieder auftauchen?

Für mich die interessanteste Person war Lore, eine junge Frau, die ihre Heimat und ihre eigentliche Familie sucht. Ihre Mutter ist verstorben und sie hat nun erfahren, dass ihr Vater jemand ganz anderes ist und so macht sie sich auf die Suche nach ihrer “anderen” Familie.

Der Schreibstil der Autorin ist recht ausschweifend und detailliert, oft wird vieles indirekt erzählt, was ich lieber aktiv erlebt hätte. Zudem hätte meiner Meinung nach das Tempo in dem Roman höher sein können, teilweise dauert es sehr lange bis wieder Bewegung in die Handlung kam.

Ein guter Roman, wenn man mehr über die Zeit des Buchhandels in Deutschland nach dem 2. Weltkriegs erfahren möchte. Was aber die Rolle der Frauen oder der Familie angeht, so gibt es da interessantere und tiefgründigere meiner Meinung nach. Von daher kann ich nur eine eingeschränkte Leseempfehlung abgeben.

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Veröffentlicht am 02.10.2022

Bedingungsloses Grundeinkommen zum Bedingungslosen Glück?

Freiheitsgeld
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Deutschland im Jahr 2064: Kaum ein Mensch geht notwendigerweise einer Tätigkeit nach. Klingt dies nach einer futuristischen Traumwelt? Die aktuellen politischen Debatten legen allerdings nahe, dass dieses ...

Deutschland im Jahr 2064: Kaum ein Mensch geht notwendigerweise einer Tätigkeit nach. Klingt dies nach einer futuristischen Traumwelt? Die aktuellen politischen Debatten legen allerdings nahe, dass dieses Szenario durchaus Realität werden könnte. Ich war von der Grundidee des Romans sehr angetan, wobei ich mit der Umsetzung nur mittelmäßig zufrieden bin.

In der Story geht es um Deutschland im Jahr 2063 bzw. 2064 indem ein sogenanntes Freiheitsgeldes (so ähnlich wie das heute bereits diskutierte Bedingungslose Grundeinkommen) dafür sorgt, dass die aktive Mehrzahl der Bevölkerung keiner geregelten sozialversicherungs-pflichtigen Tätigkeit mehr nachgeht. Wer dennoch arbeiten möchte wird über den Betrag des Freiheitsgeldes steuerlich kräftig belastet. Die Geschichte spielt in verschiedenen Handlungs-strängen in der Ruhrstadt (das ehemalige Ruhrgebiet) und zeigt den Alltag von verschiedenen Personen zu dieser Zeit. Da ist zum einen der Polizist Ahmad Müller, welcher aufgrund der beruflichen Perspektive von der Steuerfahndung zur Kriminalpolizei wechselt. Er wird im Laufe der Romanerzählung mit den weiteren Protagonisten, namentlich Valentin, sowie dem ehemaligen Physiotherapeuten Kilian und seiner Familie konfrontiert. Plötzlich treten Todesfälle auf, welche sich so schnell nicht erklären lassen. Hat das Freiheitsgeld seine Grenzen oder ist der eigentliche Feind gar unsichtbar?

Ahmad Müller ist ein junger Mann, welcher den Traum eines Polizisten lebt. Er möchte sich in die Gesellschaft einbringen und bewahrt auch in brenzligen Situationen stets die Ruhe. Als weiter wesentliche Nebendarsteller, neben den bereits oben beschriebenen Figuren Kilian und Valentin, ist noch der Kriminalkommissar Pfenning zu nennen. Pfenning ist ein notorischer Draufgänger und Frauentyp. Ich empfand ihn als zu überzeichnet, obwohl ich manchmal bei seinem Verhalten etwas schmunzeln musste.

Einer der Hauptkritikpunkte an dem Roman ist die Ausarbeitung der Charaktereigenschaften der einzelnen Protagonisten und Protagonistinnen. Mir waren diese oft zu überzeichnet und oberflächlich dargestellt. Teilweise kam mir das Verhalten in dem Beziehungsgeflecht einzelner Personen untereinander sehr infantil vor. Am Ende war trotz großer Meinungsverschiedenheiten alles wieder in Ordnung. Dies war mir in manchen Passagen zu nuanciert dargestellt.

Der Aufbau der Geschichte ist stringent und wird nicht durch große Zeitsprünge unterbrochen. Die Handlung spielt in Deutschland im Jahr 2064 und ist somit gut einordbar. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und sehr dialogorientiert. Ein weiterer Kritikpunkt ist das vorhersehbare Ende des Romans bzw. die Auflösung am Ende. Gerade am Ende hätte ich mir einen interessanteren Turn bzw. endlich mal etwas „Gegenwehr“ der einzelnen Protagonisten gewünscht. Positiv anzumerken sind die guten, innovativen und sehr realistischen Ideen, wie ein Deutschland in der Zukunft vielleicht ausschauen könnte. Ich konnte die einzelnen „Denkansätze“ sehr gut nachvollziehen und denke das diese durchaus in dreißig Jahren so sein könnten. Mein Fazit ist demnach sehr zwiegespalten. Eine gute Idee mit teilweise sehr guten Ansätzen wurde durch sehr oberflächliche Figuren und einer mäßigen Story leider doch zunichte gemacht.

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