Gesellschaftskritischer Kriminalroman mit Potenzial – thematisch stark, stilistisch noch ausbaufähig
Ende des Schweigens„Ende des Schweigens“ beginnt mit einem düsteren Fund: Der 17-jährige Jackson Schulz - Nebenfigur - entdeckt auf einem Berliner Spielplatz die Leiche eines kleinen Jungen – ohne erkennbare Gewalteinwirkung, ...
„Ende des Schweigens“ beginnt mit einem düsteren Fund: Der 17-jährige Jackson Schulz - Nebenfigur - entdeckt auf einem Berliner Spielplatz die Leiche eines kleinen Jungen – ohne erkennbare Gewalteinwirkung, was zunächst auf einen natürlichen Tod oder Unfall hindeutet. Hauptkommissarin Helene Eberle und ihr Kollege Walter Paul übernehmen die Ermittlungen. Die beiden sind erfahrene Ermittler, wirken aber zugleich geerdet, realistisch gezeichnet. Besonders Eberles Perspektive – sie ist selbst Mutter – bringt eine emotionale Tiefe in den Fall.
Schnell wird klar: Es handelt sich um einen Mord – das Kind wurde mit Beruhigungsmitteln ruhiggestellt und starb an einer Überdosis
Im Zentrum steht die Frage, warum das Kind sterben musste? Die Spur führt zu einem ehemaligen Psychologen, der unter Verdacht steht, sich Jungen unangemessen genähert zu haben. Er war als Therapeut des Jungen tätig – aufgrund dessen Mobbingerfahrungen. Doch ist er tatsächlich der Täter?
Das Buch arbeitet mit zahlreichen Nebenfiguren. Diese werden funktional eingeführt, zeigen aber auch, wie viele kleine Versäumnisse und Wegsehen letztlich zu einer Tragödie führen können. Die gesellschaftliche Botschaft des Romans: Schweigen schützt die Falschen.
Die Sprache bleibt klar, sachlich, fast nüchtern und gleicht einer stringenten Kriminalerzählung mit Fokus auf Thema und Aufklärung. Es gibt keine klassischen Kapitel, eher einen Szenenwechsel. Der Roman kommt ohne große Abschweifungen aus, wirkt aber dadurch an manchen Stellen auch etwas karg. In Summe ist "Ende des Schweigens" ein gesellschaftskritischer Roman, der sich einem ersten Thema stellt – aber es literarisch nicht ausformt. Inhaltlich relevant, aber formal und emotional zu wenig investiert. Der Text kratzt an der Oberfläche eines Tabus, dem er erzählerisch nicht gerecht wird.