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Veröffentlicht am 04.01.2023

Der Dreizehnte Bote kommt nach Moorweiher

Gespensterjäger in großer Gefahr (Band 4)
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Da der vierte Band der 'Gespensterjäger'-Serie bereits 2002 erschienen ist, kann man zu meinem Bedauern nicht davon ausgehen, dass die Autorin gedenkt, noch weitere Fortsetzungen zu schreiben, zumal sie ...

Da der vierte Band der 'Gespensterjäger'-Serie bereits 2002 erschienen ist, kann man zu meinem Bedauern nicht davon ausgehen, dass die Autorin gedenkt, noch weitere Fortsetzungen zu schreiben, zumal sie längst auf anderen Pfaden unterwegs ist. Wie auch immer aber – der Abschlussband, dem hier einige Gedanken zu widmen sind, hat es wahrhaftig in sich. Und Cornelia Funke übertreibt keineswegs, wenn sie empfiehlt, das Buch bei Anbruch der Dunkelheit zur Seite zu legen und es möglichst nicht an einsamen, nebelverhangenen Orten zu lesen!
Die um die abenteuerlichsten Einfälle nie verlegene Funke lässt es diesmal ungewohnt ernst zur Sache gehen, regelrecht furchterregend, als sie ihre drei Gespensterjäger, Hedwig Kümmelsaft, den elfjährigen Tom Tomsky, ihren trotz seines jungen Alters außerordentlich begabten und erfolgreichen Meisterschüler, und das sich leicht beleidigt fühlende, nichtsdestotrotz aber immer für amüsante Eskapaden gute Gespenst Hugo, in das von Geistern befallene Dorf Moorweiher schickt, wo der Junge die noch fehlende Aufgabe für sein drittes Gespensterdiplom absolvieren soll. Trotz unguter Vorahnungen, geschürt noch durch das reichlich seltsame Verhalten des herzlich unsympathischen Lotan Schleimblatt, Mitglied des Prüfungsausschusses der Gespensterjägervereinigung, hat der Junge zunächst keine Bedenken, die Klassifizierung und das Einfangen eines Gespenstes dritter Kategorie schnell zum Abschluss bringen zu können, sind er und seine beiden wackeren Mitstreiter doch schon mit weitaus gefährlicheren Spukerscheinungen, wie einem UEG (Unglaublich Ekelhaftes Gespenst), einem GRUBLIGEI (Grauenhafter Unbesiegbarer Blitzgeist) und zu guter Letzt sogar mit einem besonders bösartigen HISPEG (Historische Spukerscheinung) fertiggeworden!
Dass es dennoch sogar noch schlimmer kommen würde, ahnt keiner der drei mutigen Gespensterjäger, denn der NEPROSPEG (Negative Projektion einer Spukerscheinung) ist zwar unangenehm und aggressiv, doch ihn zu fangen gelingt Tom ohne große Mühen. Aufgabe erfüllt? Eigentlich schon! Warum aber reisen Kümmelsaft & Co dann nicht schleunigst ab, warum kehren sie diesem unwirtlichen Ort, an dem sich nach Gefangennahme des NEPROSPEG die Straßen in Schlammsümpfe verwandeln, nicht den Rücken?
Nun, die unerschrockene Hedwig Kümmelsaft spürt, dass noch viel mehr hinter den unheimlichen Vorfällen, von denen das Dorf lange schon geplagt wird, steckt, vor allem nachdem der NEPROSPEG sich als der 'zwölfte Bote' geoutet hat! Bote? Von wem? Hier kommt Gespenst Hugo zu Hilfe, der eigentlich hätte zu Hause bleiben müssen, denn Tom durfte laut der Regeln der Gespenstervereinigung nur einen einzigen Helfer für seine Prüfung mitnehmen. Also musste Hugo, wie alle Mitglieder seiner Gattung, derjenigen der MUGs (Mittelmäßig Unheimliches Gespenst) nämlich, sehr leicht gekränkt und Tom seine Entscheidung gegen ihn übelnehmend, zu einer List greifen. Und wie gut, dass er das getan hat, er, der nichts lieber tut als Menschen zu erschrecken! Denn durch ihn, den Insider, kommt ans Tageslicht, dass das Schreckliche, das im Hintergrund lauert, etwas sehr Altes und sehr Mächtiges ist, das im Übrigen in Moorweiher nicht zum ersten Mal auftaucht und nicht eher Ruhe gibt, bis es nicht das von ihm befallene Dorf dem Erdboden gleichgemacht hat. Und dieses Alte, Böse hat einen Namen, Zagoroth nennt es sich, ein Naturgeist, ein Minotaurischer Dämon, wie schließlich Tom herausfindet, als er dem wieder freigelassenen NEPROSPEG folgt – eine lebensgefährliche Mission, die dem Jungen beinahe das Leben gekostet hätte, denn dabei begegnete er auch dem gefürchteten Dreizehnten Boten, einem Todesgeist, dessen Blick denjenigen, der ihm nicht rechtzeitig ausweichen kann – und Tom kann das tatsächlich nicht! - kaum eine Stunde später ins Jenseits befördert, unweigerlich! Aber wozu sind Freunde da? Hedwig Kümmelsaft, so ideenreich wie ihre Erschafferin, handelt schnell und plant mit dem bärenstarken, sich vor nichts und niemanden fürchtenden Gastwirt und ehemaligen Boxer Erwin Hornhobel eine verzweifelte Rettungsaktion, von der sie sich gar nicht sicher ist, dass sie gelingen wird....
Was sie natürlich tut, denn da ist ja immer noch der Zagoroth unschädlich zu machen! Und wie sollte das gelingen, ohne Tom? Was dann kommt, da hat Cornelia Funke recht, sollte man wirklich nur bei hellem Tageslicht lesen – und sowieso nur dann, wenn man älter als acht Jahre alt ist, denn es geht gar grausig-gruselig zu Werke, und reichlich unappetitlich noch dazu! Dass Kümmelsaft & Co aber ihrem Ruf als weltbeste Gespensterjäger wieder einmal alle Ehre machen, versteht sich von selbst – und als sie schließlich Moorweiher und ihren neuen Freund Erwin Hornhobel, der sich über alle Maßen bewährt hat, gar zum Lebensretter geworden ist, verlassen, bleibt ihnen nur noch eines zu tun, sich nämlich auf den Weg zu machen zu dem verschlagenen Professor Schleimblatt, dem Misanthropen, wie er ärger nicht sein kann, der Tom in eine so außerordentlich gefährliche Lage gebracht hat, um sich, Kleingeist, der er ist – und noch viel mehr, wie wir bald sehen werden -, an Hedwig Kümmelsaft für eingebildete Kränkungen zu rächen. Doch wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten – und so endet die Geschichte doch noch auf die erheiternde Weise, mit der die Autorin diesmal weit weniger großzügig umgegangen ist als bei den drei Vorgängerbänden. Trotzdem ist der hier besprochene Band der vielleicht reifste der Serie, lässt wunderbar die Weiterentwicklung einer Schriftstellerin verfolgen, die ihre beachtliche Karriere einst mit dem Illustrieren von Kinderbüchern begonnen hat. So gesehen ist gerade der letzte Band im wahrsten Sinne eine 'reife Leistung', zeitlos, die Art von Geschichten einleitend, die sie später zur Bestsellerautorin der Kinder- und Jugendliteratur werden ließen. Bleibt zu wünschen, dass sie so produktiv und vor allem kreativ bleiben möge, wie sie es mehr als dreißig erfolgreiche Jahre lang zur Freude ihrer Leser, ob jung oder alt, immer gewesen ist!

Veröffentlicht am 02.01.2023

Das Ende der Blutigen Baronin

Gespensterjäger in der Gruselburg (Band 3)
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Ob sie denn selbst an Gespenster glaube wurde die Autorin Cornelia Funke einmal gefragt. Eigentlich schon, meinte sie, nur sei sie selber noch nie einem echten Gespenst begegnet, darum muss sie sich Gespenstergeschichten ...

Ob sie denn selbst an Gespenster glaube wurde die Autorin Cornelia Funke einmal gefragt. Eigentlich schon, meinte sie, nur sei sie selber noch nie einem echten Gespenst begegnet, darum muss sie sich Gespenstergeschichten ausdenken, um eines zu treffen! Nun, das tut sie – und hat gleich vier Bände 'Gespensterjäger' ersonnen, die ersten drei in den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts. Diese sind geradezu ein Feuerwerk an skurrilen, erheiternden und gruseligen Ideen – der rechte Lesestoff für ein junges Publikum, das es gerne spannend und aufregend und manchmal auch ein wenig zum Fürchten hat. Wohliger Grusel freilich, denn wenn es auch recht haarsträubend zur Sache geht, so ist ein gutes Ende doch vorprogrammiert.
In vorliegendem dritten Band der 'Gespensterjäger'-Serie haben 'Kümmelsaft & Co, Experten in Sachen Gespenster und deren Bekämpfung, es mit einem gar fürchterlichen Exemplar der an Vielfalt überreichen Gespensterfamilie zu tun, mit einem HISPEG nämlich, einer 'Historischen Spukerscheinung', wie sie sehr bald feststellen, nachdem sie auf Burg Dusterstein, einem großen grauen Gebäude, das umgeben ist von schwarzen Wassergräben, ankommen. Herbeigerufen wurde die erstaunliche Truppe, bestehend aus der unerschrockenen und findigen alten Dame Hedwig Kümmelsaft, Gespensterkennerin par excellence, dem einstmals schüchternen und ängstlichen Jungen Tom Tomsky, inzwischen begabter Schüler Hedwigs, und MUG Hugo, übrigens durch das Fax eines gewissen Theodor Wurm, über den gleich noch mehr zu sagen sein wird. Hugo, so weiß der Leser der vorangegangenen Bände natürlich, ist höchstselbst ein Gespenst, ein 'Mittelmäßig Unheimliches Gespenst', um es genauer zu sagen. Mit Hugo, der es sich dereinst in Toms Keller gemütlich gemacht hatte, fing alles an – und anstatt verjagt zu werden, wie Tom das eigentlich beabsichtigt hatte, wurde er, durch sein 'Insider'-Wissen hochgeschätzt, zu einem wertvollen Mitglied der Gespensterjägerfirma Kümmelsaft, das stets aufs Neue für Erheiterung sorgt!
Aber zurück zur Geschichte! Herr Wurm und seine Ehefrau Amelie sind die neuen Verwalter von Burg Dusterstein, ein bodenständiges, vernünftiges Paar, das eigentlich so gar nicht schreckhaft ist. Aber was da Nacht für Nacht an Scheußlichkeiten in ihrem neuen Domizil geschieht, hat ihre Nerven aufs Schlimmste erschüttert, zumal sie sich die rätselhaften und unheimlichen Geschehnisse nicht erklären können und inzwischen an ihrem Verstand zweifeln. Für die erfahrene Hedwig ist schnell klar, mit wem sie es bei dem unheimlichen und bösartigen HISPEG zu tun hat: Es ist die Blutige Baronin, eine schon zu Lebzeiten im 17. Jahrhundert äußerst garstige, unangenehme Erscheinung, auf deren Konto mehrere Morde gehen, bis sie schließlich von ihrer Schwägerin in den Burggraben gestoßen wurde und dort ihr Leben aushauchte. Jetzt treibt sie als Gespenst ihr Unwesen, genauer gesagt als SPUMIDUV, ein 'Spuk mit dunkler Vergangenheit', als solcher eine überaus mächtige Gegnerin, bei deren Bekämpfung selbst die unverwüstliche Hedwig Kümmelsaft zunächst ratlos ist.
Doch ist ihr Einfallsreichtum, darauf kann der junge Leser vertrauen, ebenso groß wie der ihrer Erfinderin Cornelia Funke, und schon bald entsinnt sich Hedwig des berühmten italienischen Gespensterjägers Professor Boccabella, dem es als einzigem jemals gelungen ist, einem SPUMIDUV Herr zu werden. Gemeinsam mit Tom und Hugo, der hier zur Abwechslung dauerhaft blendender Laune, gar sprühend witzig ist, stets aufs Neue für Erheiterung sorgt und die Vernichtung der Blutigen Baronin als Riesenspaß auffasst, denkt sie sich einen abenteuerlichen Plan zur Vernichtung der bösartigen, herumwütenden Schreckgestalt aus – über den freilich an dieser Stelle kein Sterbenswörtchen verraten werden soll...
Fazit: ein herrliches Buch für Leseratten jeden Alters! Ein Buch zum Lachen, zum Staunen, ein Buch, das voller Witz, voller Überraschungen steckt, das durch Detailreichtum erfreut, das die Phantasie anregt – kurz, es hat, keine Überraschung bei einer Schriftstellerin wie der sprachlich überaus versierten Cornelia Funke, alles, was ein richtig gutes Kinderbuch ausmacht und das daher in keinem gut sortierten Bücherregal fehlen sollte!

Veröffentlicht am 02.01.2023

Eine naseweise Detektivin mit Bauchblubbern

Wanda und die verschwundene Katze
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Das Einzelkind Lizzy ist gewiss ein aufgewecktes Mädchen, das über viel Phantasie verfügt, was lobenswerterweise von ihren Eltern gefördert wird, ohne das Kind, dessen Alter nicht angegeben ist, das ich ...

Das Einzelkind Lizzy ist gewiss ein aufgewecktes Mädchen, das über viel Phantasie verfügt, was lobenswerterweise von ihren Eltern gefördert wird, ohne das Kind, dessen Alter nicht angegeben ist, das ich aber auf sieben bis acht Jahre schätze, zu überfordern. Wie die meisten Kinder mag auch Lizzy Rollenspiele, die bei ihr aber über bloßes Spielen hinausgehen. Irgendwann, vielleicht wird das ja im mir unbekannten Vorgängerband erwähnt, muss jemand Lizzy ein Detektivset geschenkt haben, das dazu führte, dass das Mädchen eine zweite Identität angenommen hat, nämlich die der Superdetektivin Wanda!
Wann immer Lizzy etwas nicht ganz geheuer vorkommt, beginnt ihr Bauch zu 'blubbern' – und das tut er reichlich oft in der Geschichte – und sie mutiert zu eben jener Wanda, was sie jedoch, außer vor den Eltern, streng geheim hält. Warum das so ist, weiß man nicht, aber womöglich, weil sie meint, dass Detektive unbekannt bleiben müssen? Jedenfalls, wenn das Bauchblubbern beginnt, das mir während der Lektüre schon ein klein wenig auf die Nerven ging, verwandelt sie sich, nimmt die Haare zu einem Dutt zusammen (warum denn wohl das, frage ich mich bis zum Ende...) und schlüpft in ihren schwarzen Kapuzenpulli, ihre Uniform, in der sie sich stark und unbesiegbar fühlt. Kleider machen Leute? Für Lizzy trifft dieser weise Spruch zu, denn als Wanda ist sie kühn, stellt Nachforschungen an – man könnte auch sagen, dass sie ihre Nase in anderer Leute Angelegenheiten steckt, in Dinge, die sie nichts angehen. Sie schnüffelt herum, um das mal auf den Punkt zu bringen, was ihre Eltern freilich noch unterstützen, mit den üblichen pädagogischen Warnungen und Ratschlägen. Sie sind obendrein sogar bereit, mit dem Töchterlein, wenn es mal wieder seinen 'Bitte-bitte-Blick' aufsetzt, auf Verfolgungsjagd respektive auf die Jagd nach Phantomen zu gehen! Schließlich hat ja Lizzys Bauch geblubbert...
Und wie der Titel des Buches schon sagt hat Lizzy-Wanda einen neuen Fall zu lösen: die Katze ihrer Freundin Mia ist nicht mehr auffindbar, Mia ist dauerhaft untröstlich und in Tränen aufgelöst und bittet die Freundin um Hilfe, in der Hoffnung, dass Tausendsassa Lizzy die Dinge schon richten wird. Und in der Tat, Wanda-Lizzy, oder wer immer sie gerade ist, hat alsbald einen Verdacht! Zeitgleich mit dem Verschwinden der Katze Lucy werden bunte Waschkörbe in der Siedlung, in der Mia und Lizzy leben, vor die Haustüren gestellt. Kleidersammlung, wie die Anwohner per Flyer informiert werden. Irgendetwas kann da nicht stimmen, meint die kühne Detektivin und tüftelt einen, wie sie meint, genialen Plan aus, in den sie auch ihren Vater einspannt, der ihr nur allzu willig folgt. Das Ergebnis? Nun, das wird man erfahren, wenn man sich an die Fersen der jungen Schnüfflerin heftet, die gar zu gerne andere Leute ausspioniert....
Hm... Jeder, wenigstens in der Geschichte, ist begeistert von den herausragenden Fähigkeiten des kleinen Mädchens, das meines Erachtens aber munter über das Ziel hinausschießt. Ja, es ist unbedingt wichtig, aufmerksam zu sein, Augen und Ohren offenzuhalten, für den Fall, dass Hilfe gebraucht wird, in welcher Form auch immer! Lizzy ist mir allerdings viel zu naseweis – und muss lernen, dass es Dinge gibt, die einen nun wirklich nichts angehen, gerade dann nicht, wenn es um die Privatsphäre geht, auf die jedermann ein Recht hat, selbst wenn man sich für die großartigste Detektivin der Welt hält. Für einen unterhaltsamen Kinderkrimi – und den haben wir hier durchaus! - mag das angehen, doch im wahren Leben sollte man ein wenig aufpassen, mit Anschuldigungen vorsichtig sein. Keinem gefällt das Gefühl, unter Beobachtung zu stehen oder gar einem Kind Rede und Antwort stehen zu sollen.
Aber nun, diese Gedanken zu dem hier zu besprechenden Kinderbuch kommen von einem Erwachsenen! Kinder mögen das ganz anders sehen und an der Geschichte einfach nur ihre Freude haben – und genau darauf kommt es schließlich an – solange sie sich nicht berufen fühlen, es dem Kind Lizzy-Wanda nachzutun....

Veröffentlicht am 02.01.2023

Ein ganz besonderes Geschenk

Peng! Ein Weihnachtspinguin für Paul
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'Magie' nennt Paul seine, wie man bald feststellen wird, ungewöhnliche Tante Maggie. Ein bloßer Schreibfehler, denkt man zuerst, doch je weiter die hier zu besprechende Weihnachtsgeschichte voranschreitet, ...

'Magie' nennt Paul seine, wie man bald feststellen wird, ungewöhnliche Tante Maggie. Ein bloßer Schreibfehler, denkt man zuerst, doch je weiter die hier zu besprechende Weihnachtsgeschichte voranschreitet, umso doppel- oder vielmehr eindeutiger wird der Name. Mit einer magischen Erzählung nämlich haben wir es zu tun – und das alles wegen der Weihnachtsgeschenke der Tante, die in der Tat Magie wirken kann! Ob es nun der obligatorische Kalender mit seinem schokoladigen Inhalt ist, ein selbstgeschnitzter Weihnachtsstern oder eine Weihnachtsglocke – immer haftet ihren Geschenken etwas Zauberhaftes an und immer auch haben sie dem kleinen Paul, dessen Alter zwischen 8 und 10 Jahren liegen dürfte, auf jeden Fall ist er ein Grundschüler, die Adventszeit erhellt und mit leuchtenden Farben geschmückt.
In diesem Jahr hat sich Tante 'Magie' ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk ausgedacht, das Paul, der seine Tante liebt, ein wenig über ihr Fernbleiben vom Familienweihnachtsfest hinwegtrösten soll, das Paul aber zunächst ein wenig verblüfft, denn was sollte an dem geschnitzten Pinguin schon besonders sein? Ein Räuchermännchen eben, in Pinguingestalt. Und nicht wirklich weihnachtlich, oder etwa doch? Aber natürlich! Paul hätte es wissen müssen, denn Tante Magie schenkt nichts Alltägliches! Zu seiner Freude stellt Paul nach einigen Missgeschicken und nachdem der Pinguin zu Boden gefallen war und dabei ein wenig lädiert wurde, fest, dass Peng, denn so nennt er sich, zum Leben erwacht, sobald er mit ihm spricht, und zum flauschigen Etwas mit roter Mütze und roten Flügeln wird. Unglücklich ist er, der kleine Pinguin, geradezu untröstlich, denn die Tante hatte in Wirklichkeit einen Weihnachtsmann schnitzen wollen, das Holz aber sperrte sich dagegen und heraus kam – Peng! Paul ist jedoch hell begeistert, denn er weiß, dass ihn zusammen mit dem allerliebsten kleinen Vogel eine spannende und abwechslungsreiche Adventszeit erwartet. Wie aufregend sie aber werden würde, kann er zu diesem Zeitpunkt, am 1. Dezember also, noch nicht ahnen, zumal Peng genauso wie seine Erschafferin magische Kräfte hat und unbeabsichtigt einige Verwirrung stiftet...
Allerhand Magisches haben sich die beiden Autorinnen für ihr vergnügliches Weihnachtsbuch mit durchaus auch ernsteren Momenten – dann nämlich, wenn das wahre Leben zwischendurch an die Tür klopft! - einfallen lassen. Die bunten Zeichnungen, die die Geschichte begleiten, tun ihr Übriges, sind eine schöne Ergänzung und, so möchte ich meinen, ohne sie wäre die Erzählung nur halb so nett. An 24 kleinen Geschichten, die zusammenhängen und von denen jede eine neue Überraschung birgt, denn sie haben allesamt etwas zu tun mit dem Inhalt des Schoko-Adventskalenders, kann man sich erfreuen, mit ihnen kann man dem etwas schüchternen Paul, dessen Eltern mit ihrem Spielzeugladen gerade in der Vorweihnachtszeit alle Hände voll zu tun haben und der deswegen sehr oft sehr alleine ist und auch keine Freunde zu haben scheint, durch die Adventszeit folgen. Und als er dann Lea kennenlernt, deren Eltern einen Lebkuchenstand auf dem Weihnachtsmarkt betreiben, ist seine Einsamkeit zur Befriedigung der kleinen und großen Leser (ja, auch die haben ihren Spaß mit Paul, Peng, Lea und all den anderen, zuallermeist liebenswerten Charakteren), wie weggeblasen! Mit der furchtlosen Lea mit dem Herzen auf dem rechten Fleck macht die Adventszeit nicht nur doppelt so viel Spaß, sondern ihre Freundschaft ermutigt Paul auch, über seinen eigenen Schatten zu springen und den Hänseleien einiger seiner Mitschüler – tja, es ist hier wie überall: die Schwachen bieten sich den unvermeidlichen Bullys immer als willfährige Opfer dar! - mutig entgegenzutreten. Ja, das Mädchen hat eben seine eigene Magie, die Magie der Freundschaft und des Vertrauens nämlich! Obwohl sie auch Probleme hat, die für Kinder haushoch erscheinen, von den Erwachsenen aber nicht ernst genommen werden.... Doch – jede Adventszeit geht einmal zu Ende – und mit ihr....? Das aber sollten die zukünftigen Leser, denen ich das Buch gerne ans Herz lege, selber herausfinden!

Veröffentlicht am 31.12.2022

Kümmelsaft & Co und der Feuergeist

Gespensterjäger im Feuerspuk
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Hatten sie es schon im ersten Band der vierteiligen 'Gespensterjäger' Reihe mit einem gar garstigen Geist zu tun, der ihnen viel Kopfzerbrechen bereitete und ihren Einfallsreichtum und ganzen Mut auf die ...

Hatten sie es schon im ersten Band der vierteiligen 'Gespensterjäger' Reihe mit einem gar garstigen Geist zu tun, der ihnen viel Kopfzerbrechen bereitete und ihren Einfallsreichtum und ganzen Mut auf die Probe stellte, so treffen die drei inzwischen etablierten Gespensterjäger Hedwig Kümmelsaft, Tom Tomsky und das chronisch schlechtgelaunte und nörgelnde MUG (Mittelmäßig Unheimliches Gespenst) Hugo auf ein ganz besonders gefährliches Exemplar seiner Gattung, nämlich auf einen Grubligei, einen grauenhaft unbesiegbaren Blitzgeist, der zu den fünf gefährlichsten Gespenstern überhaupt zählt und gegen den scheinbar kein Kraut gewachsen ist. Wenn nicht einmal die resolute alte Dame Hedwig Kümmelsaft, die sich nun wirklich auskennt mit der großen Familie der Gespenster, weiß, wie sie dem Grubligei beikommen kann, gibt es wohl keine Hoffnung mehr für das piekfeine 'Hotel Strandpark', in dem nämlich so ein Grubligei sein schauerliches Unwesen treibt!
Warum nur hat jener Herr Wichtigmann, seines Zeichens Hoteldirektor, Kümmelsaft & Co. gegenüber den Gespensterbefall seines Hauses heruntergespielt, als er die bewährten Geisterjäger engagierte? Denn an Stelle der kleinen Feuergeister, mit denen Hedwig und ihre beiden Mitstreiter aufgrund des Briefes, den ihnen Wichtigmann geschrieben hatte, rechnen durften, waren sie natürlich nicht auf das unbezwingbare Supergespenst vorbereitet, das bereits gnadenlos dabei war, den 'Strandpark' zu verwüsten und gar die Gäste nach und nach selber in Feuergeister zu verwandeln. Der mitgebrachte Zucker samt Zuckerguss, auf den Feuergeister allergisch reagieren, ist beim Grubligei leider vollkommen nutzlos. Alles die Schuld des Direktors, der aus Angst, die Gäste könnten wegbleiben, am liebsten die ganze Geschichte unter den Teppich gekehrt hätte! Hedwig ist zu Recht wütend auf ihn – und während sie sich mit ihm zankt, wütet der Grubligei munter weiter...
Wer weiß, wie es Kümmelsaft & Co. ergangen wäre, gäbe es da nicht Herrn Lieblich, den die Leser bereits im ersten Band kennengelernt haben! Dieser freundliche Herr nämlich, dem Hedwig, Tom und Hugo seinerzeit aus einer sehr unangenehmen Patsche geholfen hatten, stellt derweil Recherchen an – und findet heraus, dass Blitzgeister eines ganz und gar nicht mögen: MUG-Schleim! Und ist nicht der muffige Hugo ein MUG? Ist es nicht sein Lebenssinn, Schleim zu produzieren? Ein Schlachtplan wird ausgeheckt und in die Tat umgesetzt – aber das ist gar nicht so einfach, denn der Grubligei ist erstaunlich widerstandsfähig und gibt unserem wackeren Trio gar manch harte Nuss zu knacken.
Wie es ihnen doch noch gelingt, den gefährlichen Feuergeist zu besiegen, kann man in dieser kurzweiligen Geschichte voller Action, Dramatik und Humor und nicht zuletzt den gewohnten originellen Einfällen und Wortspielen der Autorin, die auch diesen Band der 'Gespensterjäger' Serie höchstselbst und treffend wie stets illustriert hat, selber erfahren!
Kritische Stimmen mögen Anstoß nehmen daran, dass dieser zweite Band weniger harmlos ist als sein Vorgänger, dass er den jüngeren Lesern auch ein wenig Angst machen könnte, denn es geht tatsächlich recht gruselig zur Sache und der böse Feuergeist stellt gar nicht feine Dinge an mit jedem, der ihm in die Quere kommt. Doch bin ich überzeugt davon, dass die meisten jungen Leser weit weniger schreckhaft sind als ihre besorgten Eltern glauben, und stattdessen durchaus imstande, das Augenzwinkern wahrzunehmen, mit dem Cornelia Funke ihre Figuren und das, was sie anstellen, ausgestattet hat, und dass sie die Geschichten über die Gespensterjäger als das lesen, was sie sind, nämlich ein Riesenspaß mit genau der richtigen Portion Spannung und eben der Unheimlichkeit, die zu jeder guten Gespenstergeschichte dazugehört!