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Veröffentlicht am 16.02.2022

Atemlos, spannend, düster - ein perfekter Krimi!

So kalt der See
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Kriminalromane, die von Anfang bis Ende spannend sind, die den Leser so fesseln können, dass er alles um sich herum vergisst, so dass er gar nicht anders kann, als weiterzulesen, immer weiter, bis zum ...

Kriminalromane, die von Anfang bis Ende spannend sind, die den Leser so fesseln können, dass er alles um sich herum vergisst, so dass er gar nicht anders kann, als weiterzulesen, immer weiter, bis zum Ende, sind nicht häufig zu finden in dem mittlerweile unüberschaubaren Wust von Vertretern dieser Gattung, die alljährlich den Büchermarkt überfluten! Vielleicht wird man als eingefleischter Krimileser aber auch immer kritischer, immer wählerischer, immer schwerer zufriedenzustellen? Oder wird es auch guten Schriftstellern immer unmöglicher, etwas zu ersinnen, das nicht schon dagewesen ist, in den unterschiedlichsten Varianten und Güteklassen? Denn in der Tat, seitdem Edgar Allan Poe, der bekanntlich als Begründer der „Detektivgeschichten“ gilt, mit „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ 1841 den ersten richtigen Krimi schrieb – fassen wir hier mal Werke der Weltliteratur von der Antike bis zu Zeiten eben jenes Amerikaners Poe, die kriminalliterarische Züge aufweisen, nicht als solchen auf! -, scheint es thematisch nichts Neues auf diesem Gebiet mehr zu geben, und alle Bemühungen um echte Originalität und die Thematisierung etwas noch nie Dagewesenen erscheinen mir zum Scheitern verurteilt. Vergebene Liebesmüh, die gar nicht erst in Angriff genommen werden sollte.
Die Kunst liegt vielmehr darin, aus Altbekanntem etwas ganz und gar Neues zu machen, es auf eine Weise zu konzipieren und zu erzählen, die anders ist, als man es kennt, nicht irgendwo abgekupfert oder jemandem nachgeahmt, sondern authentisch ist, eine ganz eigene Handschrift verrät und nicht ein Mischmasch ist aus Handschriften, die man in den 180 Jahren Kriminalromangeschichte kennengelernt hat.
Und diese schwierige Kunst – um endlich zu dem hier zu besprechenden Krimi zu kommen – beherrscht die Autorin Tina Schlegel auf eine Weise, für die ich ihr nichts anderes als höchstes Lob zollen muss! Dass sich jemand für etwas, das in der Vergangenheit geschehen ist, rächt und nach und nach die damals vermeintlich Schuldiggewordenen dahinmeuchelt – denn darum geht es hier -, ist beileibe nichts Neues. Jeder versierte Krimi- oder Detektivgeschichtenleser kennt das zur Genüge. Aber die Art und Weise, auf die die Autorin ihren Roman aufbaut, wie sie ihre Handlung sich entwickeln und entfalten lässt, Hintergründe langsam preisgibt und Einblicke in die Charaktere vermittelt, um schließlich in einem furiosen Finale die Spannung eskalieren und den Leser tief, wenn auch nicht unbedingt erleichtert, ausatmen zu lassen – die ist nirgendwo abgeschaut, bei keinem anderen Krimiautor entliehen! Sie ist ganz eigen, ganz und gar Tina Schlegel, so kann ich nur mutmaßen, denn ihr Bodenseekrimi „So kalt der See“ ist der erste Roman, den ich von ihr gelesen habe. Dass es gewiss nicht der letzte bleiben wird, soll nur nebenbei erwähnt werden....
Was aber macht ihn, immer nach meinem subjektiven Empfinden freilich, so besonders? Der rote Faden, der den Leser von der ersten bis zur letzten Seite durch die düstere, erschreckende, verstörende und zum Nachdenken bringende Geschichte führt, ist etwas, was ich bei jedem guten Roman, ob Krimi oder nicht, voraussetze. Spannung sowieso, wenn sie sich steigert – wie das hier der Fall ist -, umso besser! Oft scheitert es, auch gelegentlich in guten Krimis, an der Logik – hier nicht! Alles ist nachvollziehbar, folgerichtig, die Auflösung ist hieb- und stichfest und lässt keine Fragen offen – etwas, das ich nur selten bei Krimis erlebe, nehmen wir diejenigen aus der Feder der Großen dieses Genres, von Dame Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und P. D. James, die mich grundsätzlich höchst befriedigen, einmal aus.
Sogar das, was sich in den allermeisten Kriminalromanen leicht als Schwachpunkt erweisen kann, nämlich die Einschaltung unterschiedlicher Perspektiven, das Erzählen auf mehreren Ebenen, ist in Tina Schlegels zweitem Bodenseekrimi um die Polizistin Cora Merlin und ihr Team mich völlig zufriedenstellend umgesetzt und erwies sich gar als wichtiges Spannungselement. Das zeichnet handwerkliches Können aus, das meines Erachtens das A und O eines jeden Schriftstellers sein muss, um ihn als solchen bezeichnen zu können – und hierzu gehört selbstredend auch eine korrekte Verwendung der Sprache, ohne grammatikalische oder orthographische Entgleisungen. Wobei ich allerdings immer öfter den Eindruck gewinne, dass solche 'Kleinigkeiten' ruhig vernachlässigt werden können! Nicht für mich und offensichtlich auch nicht für Tina Schlegel, die sich keine derartigen Unachtsamkeiten zuschulden kommen gelassen hat. Im Gegenteil ist ihre Sprache so makellos wie der gesamte Kriminalroman.
Was diesen aber schließlich besonders auszeichnet sind die Charaktere, die sie ersonnen hat! Sie sind einfühlsam und sorgfältig gezeichnet und die wahren Handlungsträger. Cora Merlin und ihre Kollegen Christian, Thomas und Matthias, Ermittler bei der Polizei Lindau, sind mit dem Fall um unerklärliche Tötungen nebst der Entführung eines kleinen Mädchens betraut und stehen mit ihrem Chef Emmenbach im Mittelpunkt der Ermittlungen, aber wohlweislich nicht der Handlung, worauf ich im Folgenden noch zu sprechen kommen werde. Ihr Zusammenspiel ist ein Kaleidoskop an menschlichen Verhaltensmustern, geprägt von Ethik, Vertrauen, Verständnis und wahrer Kollegialität, die auch unverständliche Entscheidungen, gegensätzliche Meinungen, sogar Verfehlungen mühelos tragen kann. So unterschiedlich die Einsatztruppe ist, so steht doch jeder für den anderen ein. Von Konkurrenzdenken keine Spur, individuelle Befindlichkeiten bleiben angesichts der fieberhaften Suche nach dem Kind, von dem man nicht weiß, ob es überhaupt noch am Leben ist, außen vor.
Nebenbei verrät der Roman eine Menge über Polizeiarbeit im Allgemeinen, so etwa über die Schwierigkeiten, die notwendigen Durchsuchungsbefehle zu erhalten, über das Prozedere, das in Gang gesetzt wird bei Ermittlungen zu Fällen, bei denen Gefahr im Verzuge ist und bei denen mit Hochdruck, rund um die Uhr und unter Einbeziehung aller verfügbaren Polizeibeamten gearbeitet werden muss. Von schleppender Polizeiarbeit, die man den Vertretern von Recht und Ordnung in gewissen Kreisen gerne nachsagt, kann – und das halte ich für realistisch – überhaupt keine Rede sein!
Doch obschon die Ermittler die Handlungsträger sind, obschon ihre Beziehungen untereinander genauso thematisiert werden wie sich an die sehr ungewöhnliche Hauptperson Cora Merlin angenähert wird, wie weite Teile des Geschehens aus ihrem Blickwinkel beleuchtet werden – der fein ausgeklügelte Kriminalfall selbst ist genau da, wo er hingehört! Er ist das Zentrum des Geschehens, der Dreh- und Angelpunkt. Zu keinem Zeitpunkt wird er zugunsten eines gewiss verführerischen längeren Exkurses in die Privatsphäre der Ermittler vernachlässigt. Deren Befinden muss warten – was, wie man gleich mehrere Male erleben muss, nachteilige, vielleicht sogar verhängnisvolle Folgen hat. Doch soll an dieser Stelle, der Komplexität des Romans geschuldet, darauf nicht näher eingegangen werden. Vielmehr schließe ich nun meine Ausführungen – und es bleibt mir nur noch, Tina Schlegels Werk allen Liebhabern anspruchsvoller Kriminalliteratur allerwärmstens ans Herz zu legen!

Veröffentlicht am 15.02.2022

Eindrücke einer Pilgerreise

Camino. Mit dem Herzen gehen
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„Mit dem Herzen gehen“ - diesen Ratschlag erhält die Autorin zum Abschied von einem Pater, als sie ihre erste Herberge verlässt, um von Leon aus auf dem Jakobsweg die letzten 300 Kilometer bis nach Santiago ...

„Mit dem Herzen gehen“ - diesen Ratschlag erhält die Autorin zum Abschied von einem Pater, als sie ihre erste Herberge verlässt, um von Leon aus auf dem Jakobsweg die letzten 300 Kilometer bis nach Santiago de Compostela, dem Ziel jeden Pilgers auf dem Camino de Santiago, in Angriff zu nehmen. Aber wie geht man mit dem Herzen, wenn die Füße schmerzen, und das bei jedem Schritt stärker? Wenn man, besser die Füße, gar nicht die Chance bekommt, sich an den langen und steinigen Weg zu gewöhnen, wie das zwangsläufig der Fall ist, wenn man nicht die gesamte Strecke von den Pyrenäen aus geht oder von viel weiter herkommt, wie einige Pilger, die die Autorin unterwegs trifft und die in ihren Heimatländern gestartet sind. Und wie schafft man es, den Ballast, den man mitgebracht hat, sichtbar oder unsichtbar, abzuwerfen, um das zu finden, was man sucht, wenn man denn weiß, was man sucht?
Unzählige Bücher sind über den Jakobsweg veröffentlicht worden; jährlich kommen neue hinzu, darunter immer mehr Erfahrungsberichte von Pilgern aus aller Welt. Inflationär geradezu! Was drängt einen Pilger, seine Tagebucheinträge mit wildfremden Menschen, den Lesern, die er sich sicherlich erhofft, zu teilen? Mehr oder minder minutiös, gar oft geradezu peinlich privat. Warum soll alle Welt teilhaben an den sehr persönlichen und individuell unterschiedlichen Erfahrungen, die sich dennoch, so paradox es klingen mag, stark ähneln, die man, hat man denn viele davon gelesen – wobei sich hier die Frage auftut, warum man das eigenlich tut – gar nicht mehr als individuell wahrnimmt, egal aus welch divergierenden Gründen jene schreibenden Pilger sich einst aufgemacht haben, den vom einstigen Geheimtipp zum touristischen 'Kassenschlager' gewordenen magischen uralten Pilgerweg zu begehen? Der Gedanke an einen gewissen Drang zur Selbstdarstellung liegt nicht fern!
Dass man aber nicht alle Pilgerwegsberichte und -erfahrungen über einen Kamm scheren kann, zeigt Birgit Kelles angenehm überschaubares Büchlein über ihre eigene, wenn auch für die orthodoxen Pilger des Jakobswegs und so vieler anderer Pilgerwege dieser Welt belächelte, kurze Etappe auf dem Camino de Santiago, das in sehr hübscher Aufmachung daherkommt! Ihre Tagebucheinträge – die meisten Pilger führen tatsächlich eine Art Tagebuch, in welcher Form auch immer! - gleichen Streiflichtern, sind keine detaillierten Berichte sondern kurze Zu- und Umstandsgedanken, wie ich sie mangels eines besseren Terminus bezeichnen möchte, die insgesamt mehr als nur eine bloße Ahnung von dem geben, was der historische Pilgerweg mit all seinen Begegnungen in ihr hervorgerufen, angestoßen, ja was er letztlich mit ihr gemacht hat. Und wie nachdrücklich ihre neuen Erkenntnisse oder Einsichten oder Weltsichten dann tatsächlich sind, wird erst die Zukunft zeigen, die Zeit nämlich, wenn man nach der Pilgerreise wieder im normalen Leben mit seinem Alltagstrott angekommen ist. Sofern man nicht, wie der eine oder andere Weggefährte der Autorin, ganz und gar beschließt, auf dem Weg zu bleiben, zu laufen wohin und vor allem wohl so lange ihn seine Füße tragen.
Birgit Kelle pilgerte alleine, schloss sich während der zwei Wochen in der Adventszeit des Jahres 2019 – welch eine ungewöhnliche Jahreszeit dachte ich zunächst, fand dies aber am Ende des Buches gar nicht mehr, im Gegenteil könnte ich mir selbst vorstellen, dass..., aber das gehört nicht hierher!- niemandem dauerhaft an. Freilich traf sie die Mitpilger – aus vielen verschiedenen Ländern, was gewiss auch den Reiz des Weges ausmacht – immer wieder, spätestens des Abends in den zu dieser Zeit des Jahres recht verwaisten Herbergen. Je nach Temperament, Typ und Gemütslage führte man dann Gespräche, lachte, aß und trank miteinander oder man schwieg, einträchtig oder weil man sich nichts zu sagen hatte oder sich nicht mitteilen wollte. Alles ist in Ordnung, nichts wird hinterfragt auf diesem magischen Weg, man nimmt den anderen genau so an, wie er ist. Warum kann man diese Erkenntnisse dann nicht oder nur selten mitnehmen in seinen Alltag? Oder vielleicht hat Birgit Kelle genau dies ja getan? Niemals hat einer der vielen, die über ihren persönlichen Jakobsweg geschrieben haben, das 'Danach' miteinfließen gelassen – doch gerade das wäre doch sehr interessant zu erfahren! Hat der Camino Spuren hinterlassen? Lebt man hinterher bewusster, menschlicher, duldsamer und toleranter?
Wie dem auch immer sei – Birgit Kelles Eindrücke sind lesenswert! Gerade weil sie vieles ungesagt lässt, nicht kommentiert, nicht verrät, überhaupt mit Offenbarungen vorsichtig ist, was ich durchaus als angenehm empfunden habe. Sie lässt den Leser ahnen, interpretieren vielleicht, teilnehmen auf jeden Fall - doch der Zugang zu ihrer Persönlichkeit bleibt, mir jedenfalls, verborgen. Aber womöglich ist das ja auch ihre Intention. Das ist dann, wie man auf dem Jakobsweg erfahren hat, auch völlig in Ordnung!

Veröffentlicht am 14.02.2022

Dementoren, Werwölfe, Hippogreife - und ein mächtiger Patronus!

Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Harry Potter 3)
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Als Joanne K. Rowlings Verlag 'Bloomsbury' 1999 den dritten Band der, das war zu diesem Zeitpunkt schon klar, zum Schluss sieben Bände umfassenden Harry Potter Reihe herausgab, war diese schon lange kein ...

Als Joanne K. Rowlings Verlag 'Bloomsbury' 1999 den dritten Band der, das war zu diesem Zeitpunkt schon klar, zum Schluss sieben Bände umfassenden Harry Potter Reihe herausgab, war diese schon lange kein Geheimtipp mehr! Nur zwei Jahre nach dem Überraschungserfolg des ersten Bandes „Harry Potter and the Philosopher's Stone“ (deutscher Titel „Harry Potter und der Stein der Weisen“) hatte Harry, der kleine Waisenjunge, der bei seinen kaltherzigen Verwandten, den Dursleys, hatte aufwachsen müssen, bevor man ihn nach Hogwarts, der Schule für Zauberei einlud, längst seinen Siegeszug angetreten. Millionen von kleinen und größeren Kindern auf der ganzen Welt kannten ihn und waren fasziniert von der Zauberwelt, der er nun angehören durfte, mit unglaublicher, offensichtlich unerschöpflicher Phantasie ersonnen von der inzwischen nach der Queen berühmtesten Britin. Die 'Potter-Manie' hatte begonnen – und sie würde sich mit jedem Band steigern, dessen Erscheinen publikumswirksam mit allem Tamtam angekündigt werden sollte, was die Spannung bei den Fans bis zum Zerreißen hochtrieb! Vor lauter Ungeduld, denn bis die Übersetzungen in den jeweiligen Landessprachen der Leser erschienen, dauerte es, griffen die jungen Leseratten gierig nach dem englischen Original, um nicht noch einmal ein halbes Jahr oder länger warten zu müssen. Gar mancher Englischlehrer mag sich über die Leistungssteigerung seiner Schüler gewundert haben....
Verblüfft über diesen so durchschlagenden Erfolg fragt man sich natürlich, was die Faszination des Harry Potter ausmacht, eines bis auf seine Zauberkräfte und seine Rolle als Retter der Zauberwelt, die ihm ganz ohne eigenes Zutun aufgestülpt wurde, recht durchschnittlichen Jungen mit mäßigen Schulleistungen, denn Anstrengen ist seine Sache nicht, wenn man mal von seiner Leidenschaft für Quidditch absieht, mit der Tendenz zum Umgehen oder schlicht Nichtbefolgen von Regeln und eigenmächtigem Handeln, wenn er es für geboten hält.
Auf diese Frage erhält man die unterschiedlichsten Antworten: die einen fühlen sich von der starken Magie und Kraft des Universums, das die Autorin geschaffen hat, angezogen, können darin abtauchen und sich frei fühlen; andere meinen gar, dass die Fantasywelt des Harry Potter sehr nahe an der Realität sei und führen zur Bekräftigung das Machtstreben Lord Voldemorts an und die Diskriminierung, die in der Zauberwelt genauso zu spüren ist, wie in der realen; wieder andere geben an, dass sie die Charaktere einfach wunderbar finden und gerne so wie sie wären, auch gerne so gute Freunde hätten, wie es Harry, Ron und Hermine füreinander sind, und viele bewundern die Tiefgründigkeit und Detailliertheit der Romane! Man sieht, es ist nicht nur ein Faktor, der uns dazu bringt, uns in Harry Potters Welt, einem Universum für sich, zu verlieren und dann alles um sich herum zu vergessen. Es ist vielmehr die gesamte Geschichte in all ihrer Komplexität, ein Gesamtkunstwerk sozusagen, mit allem, was die Autorin hineingepackt hat, das begeistert, da es in der Tat die Realität vergessen macht und stattdessen sich magische Welten heraufbeschwert, die so bunt sind, dass man sich mit Freuden hineinziehen lässt. Dass Bücher dieser Art die Kreativität fördern, kann nicht bestritten werden!
Dass aber Erfolgsromane auch ihre Kritiker haben, versteht sich von selbst. Und die Argumente, die diese anführen für ihre negativ-nörgelige Sicht auf das so zauberhafte Werk sind vielfältig. Joanne K. Rowling sei eine bestenfalls mittelmäßig begabte Autorin, die sich eines Klischees nach dem anderen bedient, kann man da erfahren, wenn man sich mit der Rezeption ihrer Romane beschäftigt, auch, dass ihre Art zu schreiben simpel sei und voraussehbar und dass sie ihren Erfolg ohnehin nur einem außerordentlich geschickten Marketing zu verdanken habe.
Dann wiederum wirft man der Reihe vor, sie hätte einen Suchtfaktor, der nicht zu unterschätzen wäre – was im Übrigen, so möchte ich hinzufügen, für Fantasy-Literatur generell gilt! Diese Art von Kritikern unterstellt Joanne K. Rowling sogar eine Tendenz zum Okkulten und ist überzeugt, dass die Zaubersprüche an mythische Verse angelehnt sind, dass sie mittelalterlichen Geisterglauben zelebrieren und damit im Widerspruch zur Bibel stünden, und dass diese Art der Darstellung von Magie unverantwortlich sei. Wie man erfahren kann führte diese Aufregung unter vor allem gewissen evangelikalen Gruppierungen an Schulen in den USA und England sogar zu einem Leseverbot der Harry Potter Bücher.
Demgegenüber erklärt die Psychologin Mary Whitney, „dass es in Rowlings Büchern um moralische Werte wie Mut und Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Ehre gehe. Solange über das Buch geredet werde, sei es völlig harmlos. Die Zauberei möge doch dazu dienen, eine Traumwelt voller Ideale zu kreieren, die es in der Realität immer seltener gibt.“ Dem stimme ich uneingeschränkt zu! Für mich ist die Reihe einfach perfekt, sie spricht durch ihre besondere Mischung aus Kinder- und Jugendbuch, Entwicklungsroman, Bildungsroman, Fantrasy-Literatur und Märchen alle Altersgruppen und alle Schichten an, man kann sie immer und immer wieder lesen und entdeckt jedes Mal etwas Neues, ein bislang übersehenes oder überlesenes Detail – und ich kenne kein anderes literarisches Werk, auf welches dies ebenso zutrifft!
Nach dieser ausführlichen allgemeinen Betrachtung wende ich mich nun schließlich dem dritten Band selbst zu, der für mich nach den aufregenden Vorgängerbänden, durch die man mit der Geschichte vertraut gemacht und in denen nicht nur unseren Helden – denn außer der Titelfigur gehören dazu selbstredend Ron und Hermine, die trotz gelegentlicher Querelen dem 'Jungen, der überlebte' stets treu zur Seite stehen – das Fürchten gelehrt wurde, trotz aller Spannung wie die Ruhe vor dem Sturm anmutet. Voldemort, der Bitterböse, taucht nicht auf, er muss erst einmal seine Kräfte sammeln, seine in alle Winde verstreuten Anhänger wieder einsammeln, um in den folgenden vier Bänden in seiner ganzen Schrecklichkeit auferstehen zu können.
Auch die Auftritte der fürchterlichen Dursleys halten sich hübsch in Grenzen, dankenswerterweise, denn das Martyrium, das Harry jeden Sommer aufs Neue bei seinen bösartigen Anverwandten erleiden muss, strengt mich mehr an, als all die Gefahren, denen Harry während seiner jeweiligen Schuljahre in Hogwarts begegnen muss. Hogwarts ist sein wahres Heim, so wie es ein Heim ist für all die mit Zauberkräften ausgestatteten Jugendlichen, ob sympathisch oder unsympathisch, hoch begabt oder eher mittelmäßig oder sogar vermeintliche Versager.
Das dritte Hogwarts-Jahr ist ein ganz besonderes, seltsame Dinge geschehen, Ängste werden geschürt, Intrigen gesponnen; Missverständnisse führen zu gefährlichen Situationen. Wir treffen außer den vielen, aus den beiden ersten Bänden bekannten, erfreulichen, liebenswürdigen wie auch garstigen Figuren, menschlicher, tierischer und magischer Art, neue Mitwirkende – und wir erfahren gemeinsam mit Harry mehr über dessen eigene Geschichte, bekommen nach und nach Antworten, unter anderem auf die Frage, wie sich die Ermordung seiner Eltern wirklich zugetragen hat, die Zauberwelt gewinnt neue, schillernde Facetten, genauso wie Harry und seine Freunde!
Dreizehn Jahre sind sie nun alt, nähern sich im Laufe der Handlung ihrem vierzehnten Geburtstag – und verhalten sich genau so, wie das Pubertierende nun einmal tun! Die Heranwachsenden der Parallelwelt, die die Welt der Zauberer und Hexen nun einmal ist, verhalten sich nicht anders als ihre Pendants in der Muggel-, also der Nichtzaubererwelt – und können so den jungen Lesern in der Tat als Identifikationsfiguren dienen. Wir erleben, wie Harry, Ron und Hermine immer versiertere Zauberer werden, allen voran letztere, die stets fleißige, zuverlässige Musterschülerin. Ihr Stundenplan ist zum Bersten voll, ihr Lerneifer ist unverändert überwältigend. Die neuen Fertigkeiten werden sie brauchen, um die Prüfungen zu bestehen, die auch diesmal wieder auf sie warten und worüber die Harry Potter Fans sowieso bestens Bescheid wissen, während Neulingen besser nicht zuviel verraten werden soll....
Alles in allem wartet die Autorin in ihrem dritten Band mit einem kreativen Feuerwerk an Einfällen und Ereignissen auf, die, wie ich meine, nicht mehr übertroffen werden in den Bänden, die danach kamen. Und nicht zuletzt führt sie zwei uneingeschränkt sympathische Charaktere ein, die ein Gegengewicht darstellen zu den Unsympathen aus dem Hause Slytherin, Verbündete für Harry, Menschen, denen er ganz und gar vertrauen kann, die ihn weiterbringen auf seinem Weg, ihre schützende Hand über ihn halten – und die wird er brauchen angesichts dessen, was ihm noch bevorsteht!

Veröffentlicht am 30.01.2022

Harte Zeiten für Gasperlmaier

Letzter Knödel
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„Schön langsam machte Gasperlmaier der Wirbel nervös“. - So beginnt der bereits neunte Band um den Protagonisten Franz Gasperlmaier, seines Zeichens Postenkommandant des 2-Mann-Polizeireviers in seinem ...

„Schön langsam machte Gasperlmaier der Wirbel nervös“. - So beginnt der bereits neunte Band um den Protagonisten Franz Gasperlmaier, seines Zeichens Postenkommandant des 2-Mann-Polizeireviers in seinem Heimatort Altaussee. Kein Freund von Veränderungen und schon gar nicht von allzuviel Trubel, muss der friedfertige Polizist nun erleben, dass in seinem ruhigen Revier die große Politik eingekehrt ist, denn da hat man sich doch wahr und wahrhaftig entschlossen, das Gipfeltreffen zwischen den höchsten Politikern Österreichs und Russlands ausgerechnet hier, im schönen Salzkammergut und ausgerechnet in Aussee stattfinden zu lassen! Sicherheitskräfte und Absperrungen allenthalben, die Presse schwirrt herum und was das Schlimmste ist – da hat man den Gasperlmaier, der am liebsten mit seinem Nachnamen angeredet werden möchte, wie die Leser im Verlauf der Handlung erfahren, doch tatsächlich das Büro beschlagnahmt, sein eigenes Hauptquartier. Hinauskomplimentiert hat man ihn, einfach so! Im Weg ist er dem bedeutenden Major aus der Stadt, der hier seine ebenso bedeutenden Einsätze koordiniert. Wer den zurückhaltenden und gemütlichen Dorfpolizisten aus den vorhergehenden Romanen Herbert Dutzlers kennt weiß, dass das einem wie Gasperlmaier nicht gefallen kann!
Doch hat er schon bald keine Gelegenheit mehr sich zu krämen, findet man doch vor dem Cateringzelt, das da zur Versorgung des Fußvolks, das so ein Gipfel nunmal im Gefolge hat, aufgeschlagen wurde, die Leiche einer Aushilfskraft – erschlagen! Mit einer Bratpfanne, wie es sich in der Küchenzunft gehört, wenn man schon jemanden ins Jenseits befördern möchte. Ablenkung für den wackeren Gasperlmaier – und die perfekte Gelegenheit, die Frau Doktor Kohlross aus dem nahen Liezen herbeizuholen, um endlich wieder einmal mit ihr zusammen ermitteln zu können, oder, wie Gasperlmaier das versteht, ihr die Ermittlungen zu überlassen, während er hinterhertrabt und Zubringerdienste leistet. Im Mittelpunkt mag er halt auch nicht stehen, und Befehle zu erteilen und umtriebig herumzuwuseln ist sein Ding nicht. Wenn er es dann doch tut, wie viel später in einer denkwürdigen Szene des Romans, bleibt einem vor Verblüffung fast die Sprache weg! Für eine Überraschung ist der Gasperlmaier eben immer gut....
Die Frau Doktor bewundert unser menschenfreundlicher Postenkommandant, wie er überhaupt eine Schwäche hat für das weibliche Geschlecht. Ein Genießer ist er, der schon vom Anschauen satt wird, schließlich hat er zu Hause seine langjährige Ehefrau Christine, die nebenbei noch die Schulleiterin am Ort ist. Dass er einmal, wirklich nur ein einziges Mal, schwach geworden ist, wofür ihn die Christine, der er seinen Fehltritt reuevoll gebeichtet hat, büßen lässt, erfährt der Leser gleich zu Anfang. Aber da das zu einer anderen Gasperlmaier-Geschichte gehört, wollen wir es bei dieser Andeutung belassen.
Jedenfalls wird sich der Gasperlmaier hüten, noch einmal in fremden Revieren zu wildern, lässt ihn die Christine doch, wie schon erwähnt, leiden, wahrt sie Distanz zu dem unglücklichen Gemütsmenschen, den sie – Außenansicht! - das Glück hat, ihren Mann nennen zu dürfen. Wenn man so ganz und gar auf Gasperlmaiers Seite ist, wenn er sich, wie auf dem Klappentext zu lesen ist, „erst einmal in dein Herz ermittelt hat“, kann man nicht viel Sympathie empfinden für Christine, die ein wahrer Zerberus ist, ihren Mann gängelt und unaufhörlich maßregelt und ihn wie einen Deppen behandelt. Aber ist der Gasperlmaier denn wirklich ein Depp? Beileibe nicht! Seine vermeintlichen Schwächen, seine Ruhe, Geduld, sein Abwarten und seine Nachdenklichkeit sind in Wahrheit seine größten Stärken! Als Familienmensch geht er für die Seinen durchs Feuer. Danken sie es ihm? Man mag es anzweifeln. Der Sohn ist nicht präsent in der hier zu besprechenden Geschichte, scheint sein Domizil permanent in Kanada aufgeschlagen zu haben. Dafür haben wir das nervige Vergnügen, Tochter Katharina zu begegnen – und wenn man sie sich so ansieht, so weist das verwöhnte Katharinchen verblüffende Verhaltensähnlichkeiten mit ihrer Mutter auf! Eine Zicke ist sie – was mir der Autor verzeihen möge! -, ein Prinzesschen, nach dessen Kopf alles zu gehen hat. Und jetzt taucht sie bei Gasperlmaier auch noch mit ihrer Lebenspartnerin Stefanie auf, einer Journalistin, die im weiteren Verlauf der Handlung noch eine wichtige Rolle spielen wird. Gasperlmaier fällt, derart überrumpelt, aus allen Wolken, fängt sich aber erstaunlich schnell wieder – erstaunlich schnell für die Seinen, nicht aber für die Leser, die ihn und sein butterweiches Herz besser kennen....
Nun gut, verlassen wir die Familie Gasperlmaier für den Moment und wenden uns dem Geschehen zu, dessen Aufklärung nun in den Händen der blitzgescheiten und überdies wohlvernetzten Frau Doktor und natürlich des Postenkommandanten höchstpersönlich liegt. Verzwickt ist die Geschichte allemal, schon gar, als mehr bekannt wird über die Getötete und ihre wahre Identität. Diese stellt vor neue Rätsel und führt zu neuen Theorien. Gibt es eine Verbindung zu der präpotenten und abstoßend-überheblichen Führungsriege einer patriotischen Heimatpartei, deren Gesinnung schon aus dem Namen geschlossen werden kann und die sich just zur Zeit des Politgipfels und des Mordes in einem Altausseer Hotel aufhält? Was haben die Köche Horak und Krummböck mit der Toten zu tun? Und dann gibt es da auch noch einen nicht greifbaren Sicherheitsmann, der in Wirklichkeit ein Undercover-Polizist ist und den man laut Befehl von ganz oben in Ruhe zu lassen hat...
Dem Dauerregen zum Trotz, dem sich die Frau Doktor und der inzwischen schon sehr erschöpfte Gasperlmaier mit seinem ewig knurrenden Magen aussetzen müssen, ermitteln sie nach allen Seiten, alsbald unterstützt von Gasperlmaiers Kollegin vom Posten Aussee, Manuela, frisch von einer Datenforensik Fortbildung zurückgekehrt und nun begierig, ihr neuerworbenes Wissen anzuwenden und, klar, denn so ist sie nun einmal, damit zu glänzen.
Und an dieser Stelle müssen wir doch wieder zu den Gasperlmaiers zurückkehren, denn in genau deren Wohnzimmer wurde kurzerhand das Hauptquartier der drei eifrig Ermittelnden aufgeschlagen. Hier finden sie sich immer wieder ein, zumeist schlammbesudelt, durchweicht und zum Umfallen müde. Von Gasperlmaiers Hunger gar nicht zu reden! Der Mann braucht halt seine geregelten Mahlzeiten, punktum! Ohne die kann er sich nicht konzentrieren – und sein Schnäpschen braucht er auch, immer mal, zur Stärkung sozusagen, zum Ankurbeln der kleinen grauen Zellen. Muss man sich deswegen etwa Sorgen machen? Nicht doch! Sein 'Zerberus' sorgt schon dafür, dass die Schnäpse nicht überhand nehmen, genauso wie sie seinen Bierkonsum überwacht. Sie selbst trinkt nur Wein – was nicht verwundert bei jemandem wie ihr, die ja schon etwas eingebildet ist und gelegentlich ein unangenehmes High-Society Verhalten an den Tag legt (wieder bitte ich den Autor vorsorglich um Verzeihung!), nicht Gasperlmaiers Bodenhaftung hat. Oder vielleicht doch? Wie gesagt, ich bin parteiisch – und wer meinen Gasperlmaier schikaniert, hat meine Sympathien eingebüßt.
Sei es wie es sei – natürlich wird am Ende das Rätsel um die tote Küchenhilfe, deren letzte Mahlzeit in der Tat ein Knödel war, oder zwei, oder drei, aufgedeckt. Gasperlmaier und seine beiden Kolleginnen lösen den Fall, aber nicht bevor der eher betuliche Krimi erstmals spannend wird, als sich die Ereignisse nach dem Auffinden einer zweiten Leiche und dem Verschwinden der Freundin der Gasperlmaiertochter zwar nicht überschlagen, denn das würde nicht in diese Art von Kriminalroman passen, aber immerhin rasch aufeinanderfolgen. Heitere, komische, skurrile Einlagen und viel Situationskomik sind dabei – wie stets – garantiert.
Na denn Servus, Gasperlmaier, bis zum nächsten Mal. Und, ein Rat von jemandem, dem du am Herzen liegst: lass dir von der Christine nicht die Butter vom Brot nehmen – und gönne dir deine Erholungspausen. Mit mindestens einer schnurrenden Katze auf dem Bauch!

Veröffentlicht am 28.01.2022

Berührende Geschichten aus einem erfüllten Leben

Der Abenteuergarten
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Wie schon seine treueste Leserin, Margit Helten, in ihrem Vorwort schreibt, öffnet Rüdiger Marmulla in dem schmalen Bändchen mit dem Titel „Der Abenteuergarten“ die Tür zu seiner Persönlichkeit – mehr ...

Wie schon seine treueste Leserin, Margit Helten, in ihrem Vorwort schreibt, öffnet Rüdiger Marmulla in dem schmalen Bändchen mit dem Titel „Der Abenteuergarten“ die Tür zu seiner Persönlichkeit – mehr als nur einen Spalt breit! Er tut dies in kurzen Geschichten, Anekdoten, manchmal wenig mehr als Eindrücken, Gedankensplittern, die allesamt mit ihm und seinem Leben zu tun haben. Und in der Tat, am Ende hat man das Gefühl, ihn zu kennen, selbst wenn man bislang noch keine seiner zahlreichen Veröffentlichungen gelesen hat, auf die man freilich während des Lesens neugierig wird, von denen man schließlich das eine oder andere auf seine Leseliste setzt.
Ich habe genau das getan, so wie ich schon nach den ersten paar Geschichten weitere Auskünfte über den Autor eingeholt habe; und was ich da herausfand über ihn und sein Leben, erstaunte mich zunächst, verblüffte mich, wiewohl ich , nachdem ich das Büchlein zuklappte – für den Moment nur, denn es wird sich die Gelegenheit ergeben, die eine oder andere Geschichte wiederzulesen, wird mir gar ein Bedürfnis sein -, fanden das, was ich über Rüdiger Marmulla recherchiert hatte und meine Eindrücke, die ich nach beendeter Lektüre von ihm gewonnen hatte, nahtlos zusammen. Es war stimmig, es passte! Authentizität, so spürte ich, ist das, was den Autor, sein Werk und sein Leben kennzeichnet.
Ohne Schwierigkeiten kann man das Kind, das er einmal war in seinem Abenteuergarten, den er zu Beginn der Geschichtensammlung betritt, und der sein Bild vom Himmel widerspiegelt – damals wie heute - in dem nicht mehr jungen Mann erkennen, der nach langen Jahren, als Abschluss seiner Reminiszenzen gleichsam, diesen Garten erneut betritt. Und er muss nur die Augen schließen, dann sind sie wieder da, die Bilder von einst, die Menschen, in deren Geborgenheit er aufwachsen konnte, die bereits ihren Erdenweg vollendet haben, aber stets Teil von ihm geblieben sind – bis zum Wiedersehen in einem anderen, einem ewigen Abenteuergarten.
Die in klarer, schöner Sprache verfassten kleinen Geschichten, die ich mit Bedacht gelesen habe, denn jedes Durchhasten verbietet sich, haben mich berührt und nicht zuletzt auch dazu gebracht, über mein eigenes Leben nachzudenken. Zur gleichen Generation wie der Autor gehörend, kam mir so vieles, an das er sich erinnert, sehr vertraut vor, obschon sich unsere Sichtweisen naturgemäß unterscheiden. Tatsächlich war mir manchmal so, als führte mich jemand zu meinen eigenen Erinnerungen zurück, zu meinem eigenen, ganz persönlichen Abenteuergarten. Und das ermutigte mich, tiefer zu schauen, längst vergessen geglaubte Details aus meinem Leben ans Tageslicht kommen zu lassen, darüber nachzusinnen, sie einzupassen in ein Gesamtbild, das mein Leben ist, das Vergangenheit und Gegenwart ineinander übergehen lässt und Zukunft verspricht.
Danke, Rüdiger Marmulla, für diesen kleinen Schatz, den Sie vertrauensvoll in die Hände Ihrer Leser gelegt haben!