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Veröffentlicht am 20.12.2021

Ein aufregendes zweites Jahr auf Hogwarts

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Harry Potter 2)
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Mit „Harry Potter and the Philosopher's Stone“ (deutscher Titel „Harry Potter und der Stein der Weisen“) hatte die weltweit berühmte Reihe um den jungen Zauberer Harry Potter, der zunächst, genauer gesagt ...

Mit „Harry Potter and the Philosopher's Stone“ (deutscher Titel „Harry Potter und der Stein der Weisen“) hatte die weltweit berühmte Reihe um den jungen Zauberer Harry Potter, der zunächst, genauer gesagt bis zu seinem elften Geburtstag, keine Ahnung von seinem Glück oder, wie man's nimmt, Unglück, der Bürde gleichsam, mit Zauberkräften ausgestattet zu sein, gehabt hatte, ihren Anfang genommen. Schon ein Jahr später, im Jahre 1998, veröffentlichte Bloomsbury den zweiten Band, „Harry Potter and the Chamber of Secrets“ (zu deutsch „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ - aus 'Geheimnissen' im Original wurden im Deutschen 'Schrecken', was im Übrigen auch durchaus zutrifft, wie man schnell feststellen wird), bereits mit Spannung erwartet, denn damals hatte man bereits munkeln gehört, dass Joanne K. Rowling die gesamte Geschichte um den kleinen Jungen mit der gezackten Narbe auf der Stirn, die sich schließlich auf sieben Bände erstrecken sollte, bereits fix und fertig in ihrem Kopf hatte. Endlich ging die Reise durch die magische Welt voller Gefahren, angefüllt mit den unglaublichsten Szenarien, die die überreiche Phantasie der Britin ersonnen hatte, weiter! Endlich durfte man mit Harry wieder nach Hogwarts, die Schule für Zauberei reisen, sich mitnehmen lassen in eine Welt weit weg von der eigenen, der realen, während der man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen würde. Und auch nicht wollte, denn das, was man da zu lesen bekam, hielt einen fest, man war Teil der Geschichte geworden, erlebte die Abenteuer Harrys und seiner Freunde und vor allem ihr vertrauensvolles Miteinander so, als wären es die eigenen, als wäre man selbst Schüler in dem weitläufigen Internat mit den vielen Türmchen und Zinnen, den sich bewegenden Treppen, den unzähligen Geheimgängen, dem riesigen Speisesaal mit der verwunschenen Decke, in dem die köstlichsten Gerichte in Hülle und Fülle aufgetischt werden – wie von Zauberhand, versteht sich! -, als würde man den ungewöhnlichsten Schulstunden beiwohnen, die man sich nur vorstellen kann und Dinge lernen, die man sich auch mit der blühendsten Phantasie nicht hätte erträumen können.
Zudem ist Nervenkitzel garantiert! Ein Nervenkitzel, der sich von Band zu Band steigern sollte, der schließlich sogar, wie alle Fans der besten Kinder- und Jugendbuchreihe, die ich in meinem Leben je gelesen habe, genau wissen, zur tödlichen Gefahr wird. Hat sich das Böse in Gestalt dessen, dessen Name nicht genannt werden darf, eines gewissen Lord Voldemort, der nicht nur Harrys Eltern, sondern unzählige weitere Menschen – Zauberer oder Nicht-Zauberer, die hier 'Muggel' heißen – auf dem Gewissen hat, dem Harry, 'der Junge, der überlebte', seine Narbe zu verdanken hat, bereits im ersten Band abgezeichnet, wenn auch nur, trotz des fulminanten Endes, diffus im Vergleich zu dem, was da noch kommen sollte, so wird die Gefahr in der hier zu besprechenden Geschichte realer, greifbarer, tödlicher. War der erste Band zum Großteil eine Einführung in die, wie man merken wird, unendlich vielfältige Zauberwelt der Joanne K. Rowling, ein Kennenlernen nicht nur Harrys und seiner Kameraden, sondern der Welt, einer Parallelwelt zu derjenigen, die Harry kannte, in der sie agieren würden, so kann man in der Fortführung bereits ahnen, worauf das alles hinauslaufen würde. Denn hier tritt der 'Dunkle Lord' als Tom Riddle, der er einst war, damals selbst ein brillanter Schüler auf eben jenem Hogwarts, um dessen Bösartigkeit und Grausamkeit allerdings nur Albus Dumbledore, der Schulleiter und zu des jungen Lord Voldemorts Zeiten noch ein Lehrer, wusste, Harry Potter in dem äußerst spannenden und düsteren Showdown in der titelgebenden Kammer des Schreckens entgegen und man erfährt, dass dieses Rendezvous von Anfang an geplant war, dass alles Schlimme, das sich in Harrys zweitem Hogwarts-Jahr ereignet hatte, inszeniert von dem Schatten, der der Superbösewicht vorerst noch ist, nur dem einen, einzigen Zweck diente, nämlich dem Jungen, der ihn bereits zweimal besiegt hatte – einmal ohne eigenes Zutun als Baby und dann im ersten Band mit Hilfe der Freunde Ron und Hermine -, ein für allemal das Lebenslicht auszublasen.
Von zahlreichen Harry Potter Fans wie auch von seinen Kritikern, die es natürlich auch gibt, denn wie alles im Leben ist auch Literatur Geschmackssache, wird „Die Kammer des Schreckens“ als der insgesamt schwächste Band der hochkarätigen Reihe angesehen. Dem kann ich nicht zustimmen, denn, obwohl hier zwei der Gewöhnung bedürftigsten, auf jeden Fall nervigsten Charaktere auftreten – der neue Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Gilderoy Lockhart, der seine Mittelmäßigkeit, ja Unfähigkeit in Sachen Zauberkunst durch ein aufgeblähtes Ego auszugleichen bestrebt ist und eigentlich nur Unfug anrichtet, damit für viel Ungemach verantwortlich ist, das Harry widerfährt, und der anstrengende Hauself Dobby, der wild entschlossen ist, Harry von seinem zweiten Jahr in Hogwarts abzuhalten und ihn dabei mehrmals fast umbringt -, entwickelt sich die Geschichte doch folgerichtig, ungemein spannend und ganz und gar bezaubernd weiter. Es gibt hier Szenen von unglaublicher Intensität und anrührender Schönheit, wie die wenigen, aber markanten Gespräche mit Dumbledore, voller Trost und Weisheit, Balsam auf der Seele des ins Abseits gedrängten Jungen, der so sehr an sich zweifelt, der nach einigen erschütternden Erfahrungen und Erkenntnissen über sich selbst nicht weiß, ob er auf die gute oder die böse Seite gehört. Darüberhinaus wird man, sofern dies noch nicht geschehen ist, ganz und gar auf Harrys Seite gezogen, denn der Junge, der es nie leicht hatte in seinem kurzen Leben, der bei Verwandten aufgewachsen ist, die wegen Kindesmisshandlung der übelsten Sorte eigentlich hinter Schloss und Riegel gehören, wird Prüfungen unterzogen, die er nicht verdient hat, die ihm andere eingebracht haben. Wurde er in „The Philospher's Stone“ noch bestaunt und ehrfürchtig bewundert, so wird er hier zunehmend zum Stein des Anstoßes, kommt in den Verdacht, ein dunkler Zauberer zu sein und wird so zum Außenseiter, gemieden von den anderen Hogwartsschülern. Dass er dennoch durchhält – erst zwölf Jahre ist er alt, ein Kind noch, trotz aller Besonderheit -, hat er nicht nur seiner eigenen Stärke zu verdanken, sondern vor allem der Treue seiner Freunde Ron und Hermine, die nie wankend wird. Wer solche Freunde hat, der muss den Feind nicht fürchten? Nun, die Furcht können ihm auch der rothaarige Schlaks mit den flotten Sprüchen und die kluge Hermine, Schlüsselfigur bei der Lösung so vieler Rätsel, nicht nehmen. Sie mit ihm tragen und ertragen können sie aber sehr wohl, ihn unterstützen, ihm immer wieder Mut machen und mit ihm durch Dick und Dünn gehen – komme, was da wolle! Diese Freundschaft schließlich, und Freundschaft überhaupt, zieht sich wie ein dicker roter Faden durch alle sieben Bände und kann so durchaus auch zum Leitfaden der jungen, wie nicht mehr ganz so jungen Leser werden!
Da gäbe es noch so vieles, das anzumerken wäre, ohne auf den Inhalt des Buches, zu dem ich ein paar Gedanken zu Papier gebracht habe, einzugehen. Letzteres jedoch halte ich, 22 Jahre nach seinem Erscheinen, auch gar nicht für notwendig. Die Potter Fans wissen Bescheid! Und denjenigen, die es werden wollen, rate ich, sich selbst und unverzüglich auf Entdeckungsreise zu begeben in die Welt voller wundersamer Ereignisse, voller Magie und Staunen, die Joanne K. Rowling ihren Lesern geschenkt hat!

Veröffentlicht am 20.12.2021

Ein aufregendes zweites Jahr auf Hogwarts

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Harry Potter 2)
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Mit „Harry Potter and the Philosopher's Stone“ (deutscher Titel „Harry Potter und der Stein der Weisen“) hatte die weltweit berühmte Reihe um den jungen Zauberer Harry Potter, der zunächst, genauer gesagt ...

Mit „Harry Potter and the Philosopher's Stone“ (deutscher Titel „Harry Potter und der Stein der Weisen“) hatte die weltweit berühmte Reihe um den jungen Zauberer Harry Potter, der zunächst, genauer gesagt bis zu seinem elften Geburtstag, keine Ahnung von seinem Glück oder, wie man's nimmt, Unglück, der Bürde gleichsam, mit Zauberkräften ausgestattet zu sein, gehabt hatte, ihren Anfang genommen. Schon ein Jahr später, im Jahre 1998, veröffentlichte Bloomsbury den zweiten Band, „Harry Potter and the Chamber of Secrets“ (zu deutsch „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ - aus 'Geheimnissen' im Original wurden im Deutschen 'Schrecken', was im Übrigen auch durchaus zutrifft, wie man schnell feststellen wird), bereits mit Spannung erwartet, denn damals hatte man bereits munkeln gehört, dass Joanne K. Rowling die gesamte Geschichte um den kleinen Jungen mit der gezackten Narbe auf der Stirn, die sich schließlich auf sieben Bände erstrecken sollte, bereits fix und fertig in ihrem Kopf hatte. Endlich ging die Reise durch die magische Welt voller Gefahren, angefüllt mit den unglaublichsten Szenarien, die die überreiche Phantasie der Britin ersonnen hatte, weiter! Endlich durfte man mit Harry wieder nach Hogwarts, die Schule für Zauberei reisen, sich mitnehmen lassen in eine Welt weit weg von der eigenen, der realen, während der man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen würde. Und auch nicht wollte, denn das, was man da zu lesen bekam, hielt einen fest, man war Teil der Geschichte geworden, erlebte die Abenteuer Harrys und seiner Freunde und vor allem ihr vertrauensvolles Miteinander so, als wären es die eigenen, als wäre man selbst Schüler in dem weitläufigen Internat mit den vielen Türmchen und Zinnen, den sich bewegenden Treppen, den unzähligen Geheimgängen, dem riesigen Speisesaal mit der verwunschenen Decke, in dem die köstlichsten Gerichte in Hülle und Fülle aufgetischt werden – wie von Zauberhand, versteht sich! -, als würde man den ungewöhnlichsten Schulstunden beiwohnen, die man sich nur vorstellen kann und Dinge lernen, die man sich auch mit der blühendsten Phantasie nicht hätte erträumen können.
Zudem ist Nervenkitzel garantiert! Ein Nervenkitzel, der sich von Band zu Band steigern sollte, der schließlich sogar, wie alle Fans der besten Kinder- und Jugendbuchreihe, die ich in meinem Leben je gelesen habe, genau wissen, zur tödlichen Gefahr wird. Hat sich das Böse in Gestalt dessen, dessen Name nicht genannt werden darf, eines gewissen Lord Voldemort, der nicht nur Harrys Eltern, sondern unzählige weitere Menschen – Zauberer oder Nicht-Zauberer, die hier 'Muggel' heißen – auf dem Gewissen hat, dem Harry, 'der Junge, der überlebte', seine Narbe zu verdanken hat, bereits im ersten Band abgezeichnet, wenn auch nur, trotz des fulminanten Endes, diffus im Vergleich zu dem, was da noch kommen sollte, so wird die Gefahr in der hier zu besprechenden Geschichte realer, greifbarer, tödlicher. War der erste Band zum Großteil eine Einführung in die, wie man merken wird, unendlich vielfältige Zauberwelt der Joanne K. Rowling, ein Kennenlernen nicht nur Harrys und seiner Kameraden, sondern der Welt, einer Parallelwelt zu derjenigen, die Harry kannte, in der sie agieren würden, so kann man in der Fortführung bereits ahnen, worauf das alles hinauslaufen würde. Denn hier tritt der 'Dunkle Lord' als Tom Riddle, der er einst war, damals selbst ein brillanter Schüler auf eben jenem Hogwarts, um dessen Bösartigkeit und Grausamkeit allerdings nur Albus Dumbledore, der Schulleiter und zu des jungen Lord Voldemorts Zeiten noch ein Lehrer, wusste, Harry Potter in dem äußerst spannenden und düsteren Showdown in der titelgebenden Kammer des Schreckens entgegen und man erfährt, dass dieses Rendezvous von Anfang an geplant war, dass alles Schlimme, das sich in Harrys zweitem Hogwarts-Jahr ereignet hatte, inszeniert von dem Schatten, der der Superbösewicht vorerst noch ist, nur dem einen, einzigen Zweck diente, nämlich dem Jungen, der ihn bereits zweimal besiegt hatte – einmal ohne eigenes Zutun als Baby und dann im ersten Band mit Hilfe der Freunde Ron und Hermine -, ein für allemal das Lebenslicht auszublasen.
Von zahlreichen Harry Potter Fans wie auch von seinen Kritikern, die es natürlich auch gibt, denn wie alles im Leben ist auch Literatur Geschmackssache, wird „Die Kammer des Schreckens“ als der insgesamt schwächste Band der hochkarätigen Reihe angesehen. Dem kann ich nicht zustimmen, denn, obwohl hier zwei der Gewöhnung bedürftigsten, auf jeden Fall nervigsten Charaktere auftreten – der neue Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Gilderoy Lockhart, der seine Mittelmäßigkeit, ja Unfähigkeit in Sachen Zauberkunst durch ein aufgeblähtes Ego auszugleichen bestrebt ist und eigentlich nur Unfug anrichtet, damit für viel Ungemach verantwortlich ist, das Harry widerfährt, und der anstrengende Hauself Dobby, der wild entschlossen ist, Harry von seinem zweiten Jahr in Hogwarts abzuhalten und ihn dabei mehrmals fast umbringt -, entwickelt sich die Geschichte doch folgerichtig, ungemein spannend und ganz und gar bezaubernd weiter. Es gibt hier Szenen von unglaublicher Intensität und anrührender Schönheit, wie die wenigen, aber markanten Gespräche mit Dumbledore, voller Trost und Weisheit, Balsam auf der Seele des ins Abseits gedrängten Jungen, der so sehr an sich zweifelt, der nach einigen erschütternden Erfahrungen und Erkenntnissen über sich selbst nicht weiß, ob er auf die gute oder die böse Seite gehört. Darüberhinaus wird man, sofern dies noch nicht geschehen ist, ganz und gar auf Harrys Seite gezogen, denn der Junge, der es nie leicht hatte in seinem kurzen Leben, der bei Verwandten aufgewachsen ist, die wegen Kindesmisshandlung der übelsten Sorte eigentlich hinter Schloss und Riegel gehören, wird Prüfungen unterzogen, die er nicht verdient hat, die ihm andere eingebracht haben. Wurde er in „The Philospher's Stone“ noch bestaunt und ehrfürchtig bewundert, so wird er hier zunehmend zum Stein des Anstoßes, kommt in den Verdacht, ein dunkler Zauberer zu sein und wird so zum Außenseiter, gemieden von den anderen Hogwartsschülern. Dass er dennoch durchhält – erst zwölf Jahre ist er alt, ein Kind noch, trotz aller Besonderheit -, hat er nicht nur seiner eigenen Stärke zu verdanken, sondern vor allem der Treue seiner Freunde Ron und Hermine, die nie wankend wird. Wer solche Freunde hat, der muss den Feind nicht fürchten? Nun, die Furcht können ihm auch der rothaarige Schlaks mit den flotten Sprüchen und die kluge Hermine, Schlüsselfigur bei der Lösung so vieler Rätsel, nicht nehmen. Sie mit ihm tragen und ertragen können sie aber sehr wohl, ihn unterstützen, ihm immer wieder Mut machen und mit ihm durch Dick und Dünn gehen – komme, was da wolle! Diese Freundschaft schließlich, und Freundschaft überhaupt, zieht sich wie ein dicker roter Faden durch alle sieben Bände und kann so durchaus auch zum Leitfaden der jungen, wie nicht mehr ganz so jungen Leser werden!
Da gäbe es noch so vieles, das anzumerken wäre, ohne auf den Inhalt des Buches, zu dem ich ein paar Gedanken zu Papier gebracht habe, einzugehen. Letzteres jedoch halte ich, 22 Jahre nach seinem Erscheinen, auch gar nicht für notwendig. Die Potter Fans wissen Bescheid! Und denjenigen, die es werden wollen, rate ich, sich selbst und unverzüglich auf Entdeckungsreise zu begeben in die Welt voller wundersamer Ereignisse, voller Magie und Staunen, die Joanne K. Rowling ihren Lesern geschenkt hat!

Veröffentlicht am 20.12.2021

Ein aufregendes zweites Jahr auf Hogwarts

Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Schmuckausgabe Harry Potter 2)
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Mit „Harry Potter and the Philosopher's Stone“ (deutscher Titel „Harry Potter und der Stein der Weisen“) hatte die weltweit berühmte Reihe um den jungen Zauberer Harry Potter, der zunächst, genauer gesagt ...

Mit „Harry Potter and the Philosopher's Stone“ (deutscher Titel „Harry Potter und der Stein der Weisen“) hatte die weltweit berühmte Reihe um den jungen Zauberer Harry Potter, der zunächst, genauer gesagt bis zu seinem elften Geburtstag, keine Ahnung von seinem Glück oder, wie man's nimmt, Unglück, der Bürde gleichsam, mit Zauberkräften ausgestattet zu sein, gehabt hatte, ihren Anfang genommen. Schon ein Jahr später, im Jahre 1998, veröffentlichte Bloomsbury den zweiten Band, „Harry Potter and the Chamber of Secrets“ (zu deutsch „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ - aus 'Geheimnissen' im Original wurden im Deutschen 'Schrecken', was im Übrigen auch durchaus zutrifft, wie man schnell feststellen wird), bereits mit Spannung erwartet, denn damals hatte man bereits munkeln gehört, dass Joanne K. Rowling die gesamte Geschichte um den kleinen Jungen mit der gezackten Narbe auf der Stirn, die sich schließlich auf sieben Bände erstrecken sollte, bereits fix und fertig in ihrem Kopf hatte. Endlich ging die Reise durch die magische Welt voller Gefahren, angefüllt mit den unglaublichsten Szenarien, die die überreiche Phantasie der Britin ersonnen hatte, weiter! Endlich durfte man mit Harry wieder nach Hogwarts, die Schule für Zauberei reisen, sich mitnehmen lassen in eine Welt weit weg von der eigenen, der realen, während der man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen würde. Und auch nicht wollte, denn das, was man da zu lesen bekam, hielt einen fest, man war Teil der Geschichte geworden, erlebte die Abenteuer Harrys und seiner Freunde und vor allem ihr vertrauensvolles Miteinander so, als wären es die eigenen, als wäre man selbst Schüler in dem weitläufigen Internat mit den vielen Türmchen und Zinnen, den sich bewegenden Treppen, den unzähligen Geheimgängen, dem riesigen Speisesaal mit der verwunschenen Decke, in dem die köstlichsten Gerichte in Hülle und Fülle aufgetischt werden – wie von Zauberhand, versteht sich! -, als würde man den ungewöhnlichsten Schulstunden beiwohnen, die man sich nur vorstellen kann und Dinge lernen, die man sich auch mit der blühendsten Phantasie nicht hätte erträumen können.
Zudem ist Nervenkitzel garantiert! Ein Nervenkitzel, der sich von Band zu Band steigern sollte, der schließlich sogar, wie alle Fans der besten Kinder- und Jugendbuchreihe, die ich in meinem Leben je gelesen habe, genau wissen, zur tödlichen Gefahr wird. Hat sich das Böse in Gestalt dessen, dessen Name nicht genannt werden darf, eines gewissen Lord Voldemort, der nicht nur Harrys Eltern, sondern unzählige weitere Menschen – Zauberer oder Nicht-Zauberer, die hier 'Muggel' heißen – auf dem Gewissen hat, dem Harry, 'der Junge, der überlebte', seine Narbe zu verdanken hat, bereits im ersten Band abgezeichnet, wenn auch nur, trotz des fulminanten Endes, diffus im Vergleich zu dem, was da noch kommen sollte, so wird die Gefahr in der hier zu besprechenden Geschichte realer, greifbarer, tödlicher. War der erste Band zum Großteil eine Einführung in die, wie man merken wird, unendlich vielfältige Zauberwelt der Joanne K. Rowling, ein Kennenlernen nicht nur Harrys und seiner Kameraden, sondern der Welt, einer Parallelwelt zu derjenigen, die Harry kannte, in der sie agieren würden, so kann man in der Fortführung bereits ahnen, worauf das alles hinauslaufen würde. Denn hier tritt der 'Dunkle Lord' als Tom Riddle, der er einst war, damals selbst ein brillanter Schüler auf eben jenem Hogwarts, um dessen Bösartigkeit und Grausamkeit allerdings nur Albus Dumbledore, der Schulleiter und zu des jungen Lord Voldemorts Zeiten noch ein Lehrer, wusste, Harry Potter in dem äußerst spannenden und düsteren Showdown in der titelgebenden Kammer des Schreckens entgegen und man erfährt, dass dieses Rendezvous von Anfang an geplant war, dass alles Schlimme, das sich in Harrys zweitem Hogwarts-Jahr ereignet hatte, inszeniert von dem Schatten, der der Superbösewicht vorerst noch ist, nur dem einen, einzigen Zweck diente, nämlich dem Jungen, der ihn bereits zweimal besiegt hatte – einmal ohne eigenes Zutun als Baby und dann im ersten Band mit Hilfe der Freunde Ron und Hermine -, ein für allemal das Lebenslicht auszublasen.
Von zahlreichen Harry Potter Fans wie auch von seinen Kritikern, die es natürlich auch gibt, denn wie alles im Leben ist auch Literatur Geschmackssache, wird „Die Kammer des Schreckens“ als der insgesamt schwächste Band der hochkarätigen Reihe angesehen. Dem kann ich nicht zustimmen, denn, obwohl hier zwei der Gewöhnung bedürftigsten, auf jeden Fall nervigsten Charaktere auftreten – der neue Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Gilderoy Lockhart, der seine Mittelmäßigkeit, ja Unfähigkeit in Sachen Zauberkunst durch ein aufgeblähtes Ego auszugleichen bestrebt ist und eigentlich nur Unfug anrichtet, damit für viel Ungemach verantwortlich ist, das Harry widerfährt, und der anstrengende Hauself Dobby, der wild entschlossen ist, Harry von seinem zweiten Jahr in Hogwarts abzuhalten und ihn dabei mehrmals fast umbringt -, entwickelt sich die Geschichte doch folgerichtig, ungemein spannend und ganz und gar bezaubernd weiter. Es gibt hier Szenen von unglaublicher Intensität und anrührender Schönheit, wie die wenigen, aber markanten Gespräche mit Dumbledore, voller Trost und Weisheit, Balsam auf der Seele des ins Abseits gedrängten Jungen, der so sehr an sich zweifelt, der nach einigen erschütternden Erfahrungen und Erkenntnissen über sich selbst nicht weiß, ob er auf die gute oder die böse Seite gehört. Darüberhinaus wird man, sofern dies noch nicht geschehen ist, ganz und gar auf Harrys Seite gezogen, denn der Junge, der es nie leicht hatte in seinem kurzen Leben, der bei Verwandten aufgewachsen ist, die wegen Kindesmisshandlung der übelsten Sorte eigentlich hinter Schloss und Riegel gehören, wird Prüfungen unterzogen, die er nicht verdient hat, die ihm andere eingebracht haben. Wurde er in „The Philospher's Stone“ noch bestaunt und ehrfürchtig bewundert, so wird er hier zunehmend zum Stein des Anstoßes, kommt in den Verdacht, ein dunkler Zauberer zu sein und wird so zum Außenseiter, gemieden von den anderen Hogwartsschülern. Dass er dennoch durchhält – erst zwölf Jahre ist er alt, ein Kind noch, trotz aller Besonderheit -, hat er nicht nur seiner eigenen Stärke zu verdanken, sondern vor allem der Treue seiner Freunde Ron und Hermine, die nie wankend wird. Wer solche Freunde hat, der muss den Feind nicht fürchten? Nun, die Furcht können ihm auch der rothaarige Schlaks mit den flotten Sprüchen und die kluge Hermine, Schlüsselfigur bei der Lösung so vieler Rätsel, nicht nehmen. Sie mit ihm tragen und ertragen können sie aber sehr wohl, ihn unterstützen, ihm immer wieder Mut machen und mit ihm durch Dick und Dünn gehen – komme, was da wolle! Diese Freundschaft schließlich, und Freundschaft überhaupt, zieht sich wie ein dicker roter Faden durch alle sieben Bände und kann so durchaus auch zum Leitfaden der jungen, wie nicht mehr ganz so jungen Leser werden!
Da gäbe es noch so vieles, das anzumerken wäre, ohne auf den Inhalt des Buches, zu dem ich ein paar Gedanken zu Papier gebracht habe, einzugehen. Letzteres jedoch halte ich, 22 Jahre nach seinem Erscheinen, auch gar nicht für notwendig. Die Potter Fans wissen Bescheid! Und denjenigen, die es werden wollen, rate ich, sich selbst und unverzüglich auf Entdeckungsreise zu begeben in die Welt voller wundersamer Ereignisse, voller Magie und Staunen, die Joanne K. Rowling ihren Lesern geschenkt hat!

Veröffentlicht am 16.12.2021

Alte Sünden werfen lange Schatten

Mord am Watzmann
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Simon Perlinger ist Bergpolizist in Berchtesgaden. Der perfekte Beruf für einen wie ihn, der bereits als kleiner Junge mit seinem Vater in den Bergen unterwegs war, von ihm angeleitet und angesteckt wurde ...

Simon Perlinger ist Bergpolizist in Berchtesgaden. Der perfekte Beruf für einen wie ihn, der bereits als kleiner Junge mit seinem Vater in den Bergen unterwegs war, von ihm angeleitet und angesteckt wurde von dieser seiner Leidenschaft fürs Klettern. Bergsteiger wollte er werden, der kleine Simon, die höchsten Berge der Welt erklimmen, am liebsten gemeinsam mit dem Vater. Doch dann machte ein tragischer Unfall den Traum zunichte – die Eltern starben bei einem Brand im neugebauten Wohnhaus der Familie. Bis heute quälen Simon Schuldgefühle, denn womöglich hat er vergessen, den Heizofen auszuschalten, als er das Haus verließ und zum Sport ging? Niemand ist da, der ihm seine Schuld nimmt, niemanden kann er befragen, denn der Großvater, bei dem er nach dem Unglück aufwuchs, schweigt sich nicht nur aus, sondern lässt ihn sogar in dem Glauben, die Verantwortung für den Tod der Eltern zu haben. Es spricht für die Stärke, die Persönlichkeit des inzwischen 29jährigen, dass er sich aufraffte und mit der Disziplin, die ihm frühzeitig als essentiell wichtig beigebracht wurde, seinen Weg zu gehen und wenn schon nicht seinen Traum zu verwirklichen, so doch eine ihn zutiefst befriedigende Laufbahn einzuschlagen, inmitten der geliebten Berge.
Ja, Regeln und deren Befolgung sind wichtig für Simon, denn nur dann, davon ist er überzeugt, kann eine Gemeinschaft funktionieren! So mag es verwundern, dass gerade er, der Gesetzestreue, von seinen lebenslangen Prinzipien abweicht und gegen die Vorschriften, die er in seinem Beruf einzuhalten hat und deren Nichtbefolgung durchaus das Ende seiner Karriere bedeuten könnte, verstößt und auf eigene Faust in einem von den zuständigen Behörden bereits als Unfall deklarierten Fall ermittelt, bei dem ein Ehepaar aus Lübeck von der Mittelspitze des Watzmann in den Tod stürzte. Simon vermutet, das mehr hinter dem beklagenswerten Absturz der beiden Urlauber steckt, die ihrerseits keine Neulinge am Berg waren, verbündet sich mit den beiden, ihm im Alter nahestehenden Kindern des Paares, um die Wahrheit herauszufinden.
Wahrheit, auch die ist dem jungen Bergpolizisten wichtig, denn nach Wahrheit sucht er ja schließlich selber, all die Jahre, die seit dem Brand des Elternhauses vergangen sind. Mit der Wahrheit kann man lernen zu leben, so hart sie auch ist, nicht jedoch mit der dauernden Ungewissheit. Die möchte er dem Geschwisterpaar ersparen! Je weiter er vorankommt bei seiner mühsamen Spurensuche, die er ja nicht öffentlich machen kann, von den Kindern der Verunglückten – nennen wir sie für den Moment einmal so – unterstützt, umso näher kommt er gleichzeitig auch seiner eigenen Wahrheit. So stößt er nicht nur auf Erstaunliches in den Akten seines Großvaters, der als Hobbyhistoriker und Chronist seiner Heimatregion seit mehr als 50 Jahren jedes noch so geringfügige Ereignis, das sich in dieser Zeit zugetragen hat, akribisch aufgezeichnet und belegt und damit ein unschätzbares Archiv geschaffen hat, was ihm den letzten Beweis für seine Theorie bezüglich des Mordes – denn dass es sich um einen solchen handelt ist längst klar für ihn – an dem Reeder aus dem Norden und dessen Frau liefert, sondern findet obendrein auch endlich die Fragen beantwortet, die ihn seit 17 Jahren umtreiben.
Jede Menge Figuren unterschiedlichster Couleur tummeln sich in diesem recht langsam voranschreitenden, eher rätselhaften als wirklich spannenden Kriminalroman, der in sehr ansprechender Aufmachung daherkommt. Ein Blickfang ist der leuchtend grüne Schnitt, ist das eindrucksvolle Schwarzweißporträt des schneebedeckten Watzmann auf dem Cover. Man greift gerne nach einem solchen Buch, ist neugierig, was zwischen den Buchdeckeln zum Vorschein kommt, zumal sich der Klappentext spannend liest und Bilder vor dem inneren Auge zum Leben erweckt. Dass der vermeintliche Unfall ein Mord war, weiß der Leser übrigens von Anfang an – der Titel verrät es!
Nach erst einem knappen Drittel der Geschichte ereignet sich dieser Mord. Bis dahin lernen wir die, wie zuvor erwähnt, zahlreichen handelnden Personen kennen, von denen die meisten in einem Personenregister, das dem Krimi vorangestellt ist, aufgelistet sind. Manche lernt man nur flüchtig kennen, andere ziemlich detailliert, wie das Lübecker Ehepaar und wie den sympathischen Simon selbst. Diese drei sind eindeutig die Protagonisten, das Ehepaar über seinen Tod hinaus. Und beinahe alle übrigen Mitwirkenden, die da kommen und gehen, um schließlich wiederzuerscheinen, oder die urplötzlich und scheinbar ohne jeden Bezug zur Handlung auf die Erzählbühne treten, haben auf die eine oder andere Weise mit dem Geschehen auf dem Watzmann respektive seiner Vorgeschichte zu tun, wie ganz allmählich aufgedeckt wird. Wie Figuren, zunächst wahllos, auf einem Schachbrett verteilt, ihren Einsatz abwartend, muten sie an. Der Leser, obgleich, was die nach außen hin glückliche Ehe der beiden Lübecker anbelangt, völlig im Bilde – im Gegensatz zu Simon, der den Fall schließlich löst -, tappt bis beinahe zum Ende hin völlig im Dunkeln, denn wichtige Puzzleteile, die der heimlich ermittelnde Bergpolizist findet, bleiben sein Geheimnis, werden dem Leser nicht mitgeteilt. Es ist Simon, der den Schachfiguren ihren Platz zuweist, sein Spiel spielt und den König – oder die Königin? - schachmatt setzt und der dafür trotz all seiner Eigenmächtigkeiten, wegen derer er von Anfang bis Ende ein schlechtes Gewissen hat, die gerechte Belohnung erhält.
Der Fall ist gelöst – und alle sind zufrieden? Nicht so ganz! Zwar ist der Krimi, wie ich das von einem guten Vertreter dieser Gattung erwarte, rätselhaft und ganz schön verzwickt, aber die Auflösung macht mich nicht wirklich glücklich, ist mir zu konstruiert, zu weit hergeholt, nicht so recht nachvollziehbar. Zudem wird sie zu schnell abgehandelt im Vergleich zu den vielen Längen, die der „Berchtesgaden-Krimi“ leider auch aufweist, gerade dann, wenn er sich in ausufernden Stimmungs- und vor allem Lokalitätsbeschreibungen verliert. Wer das Berchtesgadener Land und seinen imposanten Watzmann nicht kennt, gerät da leicht ins Trudeln, verläuft sich ein wenig. Interessant und spannend finde ich hingegen den Einblick in den Alltag der Bergwachtler, so wie ganz hervorragend die Notwendigkeit der Achtung vor der Natur vermittelt wird, der Respekt vor den Gewalten, die sie gerade im Gebirge entfalten kann und schließlich die Vorsicht, die Weitsicht und die Sorgfalt, die erforderlich sind, wenn man sich aufmacht, einen Berg, in diesem Falle den heimlichen Mit-Protagonisten der Geschichte, den Watzmann, zu besteigen, und dass es oberstes Gebot ist, nicht nur das eigene Leben, sondern auch das der anderen durch Leichtsinn und unüberlegtes Handeln nicht in Gefahr zu bringen. Eine generelle Wahrheit, die niemand anzweifeln wird!

Veröffentlicht am 13.12.2021

Läuterung eines Egomanen und andere Überraschungen

Die Täuschung
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Der Mittvierziger – so recht bestimmen kann man sein Alter nicht, denn die Angaben im Buch differieren – Victor Adams, als Illusionist und nicht etwa nur Zauberkünstler, worauf er Wert legt, ein ums andere ...

Der Mittvierziger – so recht bestimmen kann man sein Alter nicht, denn die Angaben im Buch differieren – Victor Adams, als Illusionist und nicht etwa nur Zauberkünstler, worauf er Wert legt, ein ums andere Mal zu betonen, berühmt und gefeiert, ist unzweifelhaft ein empathieloser Egomane, ein Soziopath, wie ihm von den wenigen Menschen, mit denen er Umgang pflegt bescheinigt wird. Herzlos und geradezu krankhaft den ultimativen Erfolg suchend gleitet er durch sein Leben, von einer Illusion zur nächsten, dieser seiner Sucht alles unterordnend. Bereits als Junge hatte er nur ein Ziel vor Augen, nämlich der Welt berühmtester, bester Illusionist zu werden. Er brauchte, so meinte er, sofern er jemals darüber nachdachte, keine Freunde, seine Familie, die ihn nach anfänglicher Skepsis stets unterstützte auf seinem Weg zum Ruhm, behandelte er grob und gleichgültig, andere vor den Kopf zu stoßen bereitet ihm nicht die geringsten Gewissensbisse. Er maß die Menschen, die das Pech hatten, seinen Weg zu kreuzen, allein an ihrer Nützlichkeit, und hatten sie ihren Zweck erfüllt, ließ er sie fallen. Ganz einfach so, ohne weiter darüber nachzudenken. Ein unsympathischer Zeitgenosse, jemand, den die Welt ebenso wenig braucht, wie er sie, wenn es nicht darum geht, ihm zuzujubeln und zu Füßen zu liegen? Ganz gewiss!
Doch dann geschieht etwas, eigentlich eine bloße Kleinigkeit, eine Nebensächlichkeit, die der Fassade, hinter der er sich verschanzt hatte und derer er sich nicht einmal bewusst war, Risse versetzt und eine Lawine ins Rollen bringt, die nicht mehr aufzuhalten ist und Victors bisheriges Leben in Frage, ja völlig auf den Kopf stellt. Der große Magier Victor Horus, so sein Künstlername, bekommt es mit der Angst zu tun, er sieht Dinge, die nicht da sind, hat unerklärliche Albträume, die sich wiederholen und die er nicht deuten kann. Er spürt, dass Erinnerungen ans Licht wollen, Erinnerungen, die er tief in seinem Inneren vergraben hat, die er festhalten aber gleichzeitig auch verscheuchen möchte, denn Wahrheiten ins Auge zu blicken ist sein Ding nicht! Dafür ist er sehr gut darin, den Kopf in den Sand zu stecken, denn der mutigste ist er nicht.
Als seine langjährige Assistentin Julia während einer seiner scheinbar perfekten Illusionen mitten in einer Vorstellung zwar wie geplant verschwindet, aber dann nicht mehr auftaucht, verliert er mehr und mehr die Kontrolle über sein bisheriges Leben. Besessen von dem Drang zu wissen, wie Julia ihn, den Perfektionisten, dessen Tricks minutiös und bis auf die Sekunde genau geplant sind, getäuscht, ausgetrickst, überlistet hat, geht er auf die Suche nach ihr, die er eigentlich, herz- und gewissenlos, wie er ist, schon seit einer ganzen Weile hatte entsorgen wollen, weil sie, genau wie er selber übrigens, nicht mehr taufrisch war und ihm daher, so meinte er, nichts mehr nützen könnte. Ja, da kann einem schon der Atem stocken! Womit er allerdings nicht gerechnet hatte war, dass die Suche nach seiner verschwundenen Assistentin zu einer Suche nach sich selbst werden würde, nach dem Victor, der er hätte sein können und vielleicht immer noch war, ganz tief unter dem Panzer aus Zynismus und Gefühllosigkeit. Und mit welcher so haarsträubender wie überraschender Erkenntnis er dabei konfrontiert werden wird, soll natürlich nicht vorweggenommen werden! Es lohnt sich unbedingt, es selber herauszufinden.
„Die Täuschung“ ist wahrlich der perfekte Titel für den Roman oder treffender, für den Psychothriller aus der Feder der Autorin Astrid Korten. Gekonnt spielt er mit dem Leser, der ihrer Inszenierung neugierig folgt, immer wieder auf die Folter gespannt, wie Victor, der große Magier höchstselbst, von einer Falle in die nächste tappt, einer Illusion nach der anderen zum Opfer fällt, ohne überhaupt zu merken, dass es sich dabei um eine Falle, respektive eine Illusion handelt. Den Leser im Dunkeln tappen lassen, ganz lange, bis kurz vor dem Ende, ihn regelrecht an der Nase herumzuführen – das kann die Autorin meisterhaft, dabei ihrem unsympathischen Protagonisten, den sie jedoch dankenswerterweise eine Wandlung, einer Läuterung gleich, durchmachen lässt, der während seiner Show dem verzückten Publikum genauso meisterhaft etwas vorgaukelt, was aufgrund gewisser felsenfester physikalischer Gesetze schlichtweg unmöglich ist, in nichts nachstehend. Dazu schafft sie es auch noch, eine ganz und gar unheimliche Atmosphäre über ihrer mehr als rätselhaften, undurchsichtigen Geschichte schweben zu lassen, die, je tiefer der Protagonist in die düsteren Sümpfe seiner eigenen Vergangenheit hineingezogen wird, fast greifbar wird, ja die den Leser sogar mit hineinzieht in einen Strudel von Geschehnissen, die alle einem Ziel dienen – der gänzlich unerwarteten Erkenntnis, dass man, gemeinsam mit dem ehrgeizigen Horus, der doch eigentlich in Punkto Illusionen keine Konkurrenz zu scheuen hat, einer Täuschung vom allerfeinsten aufgesessen ist. Großartig, kann ich da nur sagen! Und nicht einmal die doch recht zahlreichen Unstimmigkeiten in Bezug auf zeitliche Angaben, sowie syntaktische Ungenauigkeiten vermögen den sehr positiven Gesamteindruck zu schmälern!
Abschließend kann ich nur sagen, dass es mich zutiefst erfreut und befriedigt, mit diesem Psychothriller eine Autorin kennengelernt zu haben, die ihr Handwerk versteht, die, wenn ich von dem hier zu besprechenden Werk ausgehe, ohne Gewaltszenen auskommt und die Spannung auf eine Weise erzeugt und durchgehend hält, gar noch ins kaum Erträgliche steigert, dass einem ein kalter Schauer nach dem anderen über den Rücken läuft. Was kann man sich mehr wünschen von einem wirklich guten psychologischen Spannungsroman!