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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2025

Tödlicher Skiurlaub

Lügennebel
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Eine Gruppe junger Leute verbringt Winterferien im romantischen, aber auch eiskalten Bergdorf Åre. Die sechs Studenten sind befreundet und wohnen in einem noblen Ferienhaus. Auf ihrer Feier fließt ...

Eine Gruppe junger Leute verbringt Winterferien im romantischen, aber auch eiskalten Bergdorf Åre. Die sechs Studenten sind befreundet und wohnen in einem noblen Ferienhaus. Auf ihrer Feier fließt reichlich Alkohol und am nächsten Morgen liegt eine junge Frau aus der Gruppe tot im Schnee. Nun verdächtigt jeder jeden, mit der Freundschaft scheint es vorbei zu sein. Dennoch wagen sie sich an riskante Skiabfahrtmanöver. Bis plötzlich alles aus dem Ruder läuft.

Das mystisch gestaltete Cover lässt einige Vermutungen zu und hat mich sofort in Bann gezogen. Der ersehnte vierte Teil der schwedischen Krimi-Queen Viveca Sten um das sympathische Ermittlerduo Hanna Ahlander und Daniel Lindskog ist endlich da. Sie müssen den Tod einer jungen Frau aufklären, wobei am Anfang noch von einem Unfall und nicht von Mord ausgegangen wird. Doch die Anzeichen hierfür verdichten sich im Laufe der Ermittlungen. Nicht nur einige der Freunde geraten in Verdacht, sondern auch Einwohner des kleinen Ortes. Die Autorin hat mit der Gruppe junger Studenten interessante und sehr authentische Charaktere gezeichnet. Ich habe mir sofort Sorgen um die schüchterne Fanny gemacht. Sie scheint eine Außenseiterin in der Gruppe zu sein.Wie immer versteht es Viveca Sten meisterhaft, atemlose Spannung zu erzeugen.Dazu tragen die wechselnden Erzählperspektiven entscheidend bei. Wie immer bildet die Kulisse der eisigen Winterlandschaft eine passende Atmosphäre. Auch das Privatleben der sympathischen Ermittler, wozu neben Hanna und David auch Anton und Ruffe gehören, spielt eine Rolle. Wobei die Erlebnisse von Hanna aus meiner Sicht einen etwas zu breiten Raum einnehmen. Der Thriller war insgesamt an Dramatik nicht zu überbieten. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Gefährliche Begegnungen

The Business Trip
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Jasmine verlässt heimlich die Wohnung ihres gewalttätigen Freundes Glenn, um in ein Flugzeug zu steigen, dass sie weit fortbringt. Zeitgleich begibt sich Stephanie, Nachrichtenchefin eines Fernsehsenders, ...

Jasmine verlässt heimlich die Wohnung ihres gewalttätigen Freundes Glenn, um in ein Flugzeug zu steigen, dass sie weit fortbringt. Zeitgleich begibt sich Stephanie, Nachrichtenchefin eines Fernsehsenders, auf eine Dienstreise. Beide Frauen treffen im Flugzeug aufeinander. Einige Tage später schreiben sie an Freunde und Kollegen eigenartige Nachrichten. Beide haben offensichtlich denselben Mann kennengelernt. Bald wird klar, dass etwas nicht stimmt und die Frauen sich in Gefahr befinden könnten.

Das interessant und perfekt auf den Inhalt des Thrillers abgestimmte Cover hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Debüt-Thriller von Jessie Garcia hat mich sofort in Bann gehalten. Zunächst habe ich Jasmine für ihren Mut bewundert, sich von ihrem gewalttätigen Freund zu trennen. Sie hat ihre Flucht sogar vorbereitet, wenn auch nicht bis ins kleinste Detail. Ich war gespannt zu erfahren, wie sich zwei so unterschiedliche Frauen, die Barkellnerin und die erfolgreiche Geschäftsfrau, im Flugzeug kennenlernen. Darauf musste ich länger warten, da die Hauptprotagonistinnen erst zur Mitte des Buches und zum Ende zu Wort kamen. Stattdessen haben Freunde und Kollegen von Jasmine und Stephanie in der Erzählung viel Raum eingenommen. Das war aus meiner Sicht ungewöhnlich, aber dennoch spannend. In den kurzen Kapiteln erleben diese Personen die Tage nach dem Abflug der beiden. Zunächst entspannt, dann immer besorgter. Sowohl Jasmine als auch Stephanie senden verwirrend und zunehmend erschreckende Textnachrichten. Diese Nachrichten sind in Kursivschrift verfasst und heben sich somit angenehm vom sonstigen Text ab. Die Autorin erzählt aus ständig wechselnden Perspektiven, was die Spannung steigert. Einzig die sich zum Ende des Buches oft wiederholenden Textnachrichten haben mich etwas gestört. Die kurzen Kapitel, die fesselnde Handlung und die äußerst facettenreichen Charaktere tragen dazu bei, den Spannungsbogen bis zuletzt hoch zu halten. Bis zu dem völlig unerwarteten Ende tappt der Leser im Dunkeln. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und vergebe für den Thriller fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Vermisste Kinder

Die Farbe des Schattens
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Wechtershagen, Mecklenburg im Januar 1992: In einer Plattenbausiedlung wird ein elfjähriger Junge vermisst. Hauptkommissar Arno Groth und seine Kollegen übernehmen den Fall, dessen Aufklärung ...

Wechtershagen, Mecklenburg im Januar 1992: In einer Plattenbausiedlung wird ein elfjähriger Junge vermisst. Hauptkommissar Arno Groth und seine Kollegen übernehmen den Fall, dessen Aufklärung sich als schwierig erweist. Hinweise aus der Bevölkerung gehen ein, führen aber zunächst zu keinem Ergebnis. Dann ergibt sich auch durch einen früheren, unaufgeklärten Mord eine völlig neue Spur.

Vorliegend handelt es sich um den ersten Krimi, den ich von der Autorin Susanne Tägder gelesen habe.
Bereits das düster gezeichnete Cover mit dunklen Wolken und einem achtlos hingeworfenen Fahrrad lässt nichts Gutes vermuten. Obwohl die Autorin es ruhig angehen lässt, erzeugt sie doch von der ersten Seite an Spannung. Es sind die Andeutungen und leisen Worte, die den Inhalt des Krimis wesentlich prägen. Schauplatz der Handlung ist die Plattenbausiedlung Mönkeberg im kleinen mecklenburgischen Ort Wechtershagen. Der sympathische Hauptkommissar Arno Groth, aus der lebhaften Hansestadt Hamburg nach Wechtershagen versetzt, hat es zunächst nur mit Kleinkriminalität zu tun. Bis der elfjährige Matti vermisst wird und Arno Groth eine weiträumige Suchaktion veranlasst. Susanne Tägder beschreibt die Trostlosigkeit und die bedrückende Atmosphäre des Plattenbauviertels sowie die Resignation der zumeist arbeitslosen Bewohner sehr authentisch. Das Misstrauen der Menschen gestaltet die Ermittlungen für den Hauptkommissar noch schwieriger. Es ist ein Kind, das in endlich auf die richtige Spur bringt. Der Krimi besticht nicht zuletzt durch seine vielschichtigen Charaktere, der Leser kann sich in die jeweiligen Situationen perfekt hineinversetzen. Ich vergebe für das Buch vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Emilia und ihr Weg

Mein Name ist Emilia del Valle
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Emilia del Valle wurde 1866 als Tochter einer irischen Nonne und eines chilenischen Adligen in San Francisco geboren. Sie wächst, behütet von ihrem fürsorglichen Stiefvater, unter bescheidenen ...

Emilia del Valle wurde 1866 als Tochter einer irischen Nonne und eines chilenischen Adligen in San Francisco geboren. Sie wächst, behütet von ihrem fürsorglichen Stiefvater, unter bescheidenen Verhältnissen auf. Unbeeindruckt von der Meinung anderer geht Emilia zielstrebig ihren eigenen Weg. Mit nur 17 Jahren schreibt sie einfache Romane, arbeitet sich hinauf bis in die Redaktion von Zeitungen. Sie fühlt sich zu ihrem Kollegen Eric immer mehr hingezogen und begibt sich gemeinsam mit ihm nach Chile, wo sich ein Bürgerkrieg anbahnt. Zugleich geht sie zurück zu ihrer chilenischen Familie, zu ihren Wurzeln.

Bereits das eindrucksvoll gestaltete Cover hat mich in Bann gezogen. In ihrem neuen Roman erzählt Isabell Allende die Geschichte der jungen Emilia. Eindrucksvoll schildert Isabell Allende, wie Emilia einen Weg geht, der für junge Frauen ihrer Zeit ungewöhnlich ist. Sie widmet sich mit Hingabe der schriftstellerischen Tätigkeit und gelangt in die Verlage großer Zeitungen. Für ihre Begabung sprechen die im Buch veröffentlichten Reportagen und Artikel. Auch als Emilia auf ihrer Reise nach Chile seekrank wird, bricht sie diese nicht ab. In Chile angelangt, steht ein Treffen mit ihren Vater bevor, der die Briefe ihrer Mutter nicht beantwortet hat. Es gelingt Emilia, sich mit ihm und ihrer Herkunft auszusöhnen. Dann gerät sie im Bürgerkrieg zwischen die Fronten und riskiert ihr Leben. Die Autorin beschreibt die Schrecken des Krieges, den Hunger und die Todesangst Emilias aber auch der Soldaten schonungslos. Interessant sind auch die politischen Verhältnisse dieser Zeit, schon damals übernahm eine Junta durch Putsch die Macht. Was sich Jahrzehnte später ebenso blutig wiederholen sollte.
Immer wieder an der Seite Emilias ist ihr treuer Freund Eric, mit dem sie bald mehr als Freundschaft verbindet. Wie immer fesselt Isabell Allende durch ihre kraftvolle Ausdrucksweise und den bildhaften Erzählstil. Sie hat mit Emilia eine packende Frauenfigur geschaffen sowie eine spannende Geschichte erzählt. Ich vergebe für diesen Roman fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Verletzte Kinderseelen

Der Sommer am Ende der Welt
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Die Journalistin Hanna begibt sich gemeinsam mit ihrer Tochter Katie nach Borkum, um Recherchen über Verschickungskinder aufzunehmen. Diese Kinder wurden in den 1960er-Jahren in ein Kinderkurheim ...

Die Journalistin Hanna begibt sich gemeinsam mit ihrer Tochter Katie nach Borkum, um Recherchen über Verschickungskinder aufzunehmen. Diese Kinder wurden in den 1960er-Jahren in ein Kinderkurheim auf die Insel geschickt. Hanna hat Kontakt zu Susanne, einem ehemaligen Kind, das auch als Erwachsene noch traumatisiert ist. Dann liegt das Tagebuch einer ehemaligen Betreuerin vor der Tür ihres Hotelzimmers, die ihre Recherche voranbringt und zugleich Schreckliches offenbart.

Das ansprechend gestaltete Cover hat mein Interesse geweckt und ich wurde auch von der Leseprobe nicht enttäuscht. Die Autorin Eva Völler ist mir nicht unbekannt, am besten hat mir ihr Roman "Die Dorfschullehrerin" gefallen. Ihr neuer Roman hat die schlimmen Erfahrungen von Kindern zum Inhalt, die in den 1960-er Jahren zu Kinderkuren verschickt wurden. Ihre Recherchen führen sie auf die Insel Borkum, wohin einst ihre Mutter zur Kur verschickt wurde.
Die Realität hatte für Susanne sowie die anderen Verschickungskinder nichts mit einer Kur zu tun. Unfassbar war für mich, dass die Kinder sofort nach ihrer Ankunft nicht mit ihren Vornamen angesprochen, sondern von Betreuerinnen zu Nummern degradiert wurden. Sie mussten diese Frauen sogar noch mit „Tante“ anreden. Unter der harten Aufsicht der Betreuerinnen gab es drastische Strafen, Schläge und Vernachlässigungen, die sogar zum Tod eines Kindes geführt haben.
Die Autorin hat ihre Protagonisten sorgfältig und sehr authentisch charakterisiert.
Zu den liebenswerten Charakteren gehört die Betreuerin Luise, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Anhand der Betreuerin Angela kommt die Unmenschlichkeit zum Ausdruck, der die Kinder ausgesetzt waren. Auch Hanna, Katie und Ole waren interessante Protagonisten, die für Abwechslung gesorgt haben. Eva Völler hat die Ereignisse mit einer Liebesgeschichte verknüpft, die sich etwas zu schnell entwickelte und nicht ganz glaubwürdig war.
Das Tagebuch von Luise ist in Kursivschrift verfasst, was sich sehr angenehm von den übrigen Kapiteln des Buches abhebt.
Eva Völler schreibt sehr einfühlsam und emotional, sie baut überraschende Wendungen in ihr Buch ein. Der Roman hat mich berührt und zum Nachdenken darüber angeregt, weshalb so etwas noch bis zu Beginn der 1970er-Jahre geschehen konnte. Ich vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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