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Veröffentlicht am 31.01.2026

Back to the 2000er

Jonah Goes Off Script
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Jonah hat gerade einen Preis gewonnen und spielt eine Hauptrolle in "The wooden horse", einem Theaterstück (oder Musical) über Troja. Als Konkurrent Dexter eine Rolle im selben Stück bekommt, befürchtet ...

Jonah hat gerade einen Preis gewonnen und spielt eine Hauptrolle in "The wooden horse", einem Theaterstück (oder Musical) über Troja. Als Konkurrent Dexter eine Rolle im selben Stück bekommt, befürchtet Jonah um seinen Status. Außerdem leidet Jonahs Mutter unter der Alzheimer-Erkrankung des Vaters, was zusätzliche Problem verursacht.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Erstmal: Diesmal finde ich den Titel, obwohl englisch, sehr einprägsam. Das Cover ist schön, ich guck das gerne an. Aber für die stellenweise düstere Thematik ist es etwas zu fröhlich.

Mein größtes Problem sind die Figuren. Ich habe lange kein Buch gelesen, bei dem ich eine Hauptfigur wirklich unsympatisch fand. Bei Dexter habe ich aber ständig Red Flags gesehen. Auch wenn das am Ende grob mit seiner Vergangenheit erklärt wird und Dexter sich entschuldigt, habe ich ein schlechtes Gefühl gehabt. Dexter ärgert Jonah ständig, übt Kritik an seinem Schauspiel, gibt ihm die Schuld, wenn dieser sich schlecht fühlt. Und Jonah ist eine Person, die sich, so habe ich das empfunden, gern unterordnet. Er beneidet viele Leute um deren Aussehen, hat ständig Angst, nicht gut genug zu sein. Er lässt sich aber gern von Dexter leiten und beschützen. Am Ende macht auch Jonah eine Entwicklung durch. Aber ich fand die Dynamik der beiden nicht so gut.

Ich fühlte mich stellenweise zurückversetzt in die 2000er, als latent-toxistische Beziehungen im Bereich Boys Love romantisiert wurden.

Dazu kommt, dass die harmonischen Momente der beiden eher spärlich gesäht sind. Der Wechsel von Abneigung zum Freundschaft wird mit zwei Sätzen erklärt und wirklich unterstützen tun sie sich nicht. Dafür wirken die Neckereien eher verkrampft. Die Liebensszenen sind da, aber sie wirkten auf mich nicht stimmig.

Gut geworden ist das Kollektiv: Die Figuren am Theater, überwiegend queer, sind plastisch gestaltet und Jonah hat eine wirkliche Verbindung zu ihnen. Die Beziehung zu BFF Bash hätte etwas mehr sein können, aber ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Jede Figur hat ihre Eigenheiten, auch ihre eigene Sprache, ein paar Antipatie-Träger:innen gibt es auch. Und zwei Bösewichte, von denen einer für die Handlung nicht wichtig war, aber für die Erklärung der Figuren.

Einen großen Teil nimmt die Geschichte um Jonahs Vater ein. Dieser lebt zu Beginn bei der Mutter, 6 Stunden entfernt von London. Das Buch zeigt in einigen Momenten die Erkrankung, aber vor allem die Folgen für die Mutter. Ich fand das realistisch, mehr hätte gern sein können. Das Thema schafft einen gute Ausgleich zur Liebesgeschichte, hat sogar mehr Raum eingenommen als diese. Und es macht Jonah sympatisch. Der Kreis wird am Ende des Buches gut geschlossen, die Rolle des Vaters noch einmal aufgegriffen. Die Autorin arbeitet hier mit Musik als Anker, das war wirklich gut.

Das Thema Theater konnte mich nur halb abholen, was vor allem daran liegt, dass ich das fiktive Stück nicht kannte und mit der Vorlage nicht vertraut bin. Menschen, die sich mit der Sage um Troja beschäftigt haben, werden sicher mehr Spaß haben. Ich fand die Zitate am Anfang der Kapitel gut gewählt und mochte, dass das Buch am Ende dem eher "klassischen" Musical eine erneuerte Variante mit Publikum gegenüber stellt. Auch davon hätte ich gern mehr gesehen. Vom Theater-Umfeld selbst sieht man wenig. All die Gewerke werden nicht sichtbar, und trotz vieler Beschreibungen fehlte mir der Theater-Geist. Meistens sieht man die Figuren am Bühnenausgang Autogramme schreiben. Letztlich ist es aber eine Geschmacksfrage.

Die Dramaturgie ist ok. Obwohl das Buch 313 Seiten hat, passiert relativ wenig. Die Rivalität der beiden ist nicht so spritzig, weil die Figuren nicht gleichwertig sind. Dazu kommen zwei Ex-Freunde, die es für's Drama und den Hintergrund braucht, die aber rückblickend nicht notwendig gewesen wären. Denn ihre Handlungsstränge sind erstaunlich kurz.

Sehr schleppend machen das Buch auch die langen Beschreibungen von Personen und der Umgebung - es gibt Leute, die das mögen, ich mochte es nicht so. Außerdem gibt es einige Bandwurmsätze, bei denen ich den Überblick verloren habe. Die Übersetzung von Emilia Stemmler fand ich nicht immer gut. Über deutsch-englische Konstruktionen wie "Seid ihr ok damit, diese zu beantworten?" (29 %) oder "needy" (bedürftig) kann man streiten. Aber "Das Glitzerspry, mit dem sie sich übergossen hatte" (30 %), "Sein Gesagtes klang plötzlich viel zusammenhängender" (34 %) oder "jetzt können wir es mindestens sieben Werktage lang nicht adressieren" (71 %) war etwas holprig.

Was mir im Buch aufgefallen ist, dass sich die Figuren häufig betrinken. An einer Stelle wird das kritisch hinterfragt, aber es gibt einige Situationen, in denen Alkohol nicht notwendig gewesen wäre.

Die Liebesszenen sind nicht so explizit; warm, aber nicht heiß. Es fällt aber auf, dass die Figuren meistens mündlich aktiv werden. Dazu passt, dass die Autorin im Nachwort erwähnt, dass sie Panik vor Liebesszene gehabt hat. Aus meiner Sicht wären sie nicht nötig gewesen, aber für Leute, die keine detailreichen Beschreibungen haben wollen, ist das Buch gut.

Fazit

"Jonah goes off script" besticht mit dem Theater-Thema und hat mit dem Vater eine gute Nebenhandlung. Mit der Liebesgeschicht hatte ich aber Probleme. Daher für mich eher Flop.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Kein Contemporary

On Edge
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Ich habe das Buh im Rahmen einer Leserunde bekommen, daher war das Lesen sehr intensiv. Der Roman besticht mit einer tollen Alltagssprache, hat aber deutliche Schwächen in der Storyline. Kurz gesagt: Es ...

Ich habe das Buh im Rahmen einer Leserunde bekommen, daher war das Lesen sehr intensiv. Der Roman besticht mit einer tollen Alltagssprache, hat aber deutliche Schwächen in der Storyline. Kurz gesagt: Es geht um den Mann.


Worum geht es?

Tänzerin Elena braucht eine Pause vom Tanzen und flüchtet in den Dolomiten. Dort lernt sie den gefallenen Skifahrer Luca kennen, der nach einem Sturz in ein Loch gefallen ist und sich mit einer Skischule die Zeit vertreibt. Daneben gibt es noch eine hilfreiche Schwester und viele Freunde. Genug Stoff für eine Liebesgeschichte.


Wie hat mir das Buch gefallen?

Der Schwerpunkt des Textes liegt auf der schönen Umgebung und dem Skifahren. Man merkt, dass sich die Autorin auskennt und ich denke, dass das Leser:innen gefallen wird, die sich gern dort aufhalten.

Im Gegensatz dazu sieht man vom Contemporary nur wenig. Die Szenen sind stark gerafft und man erfährt fast nichts. Das hat zur Folge, dass Elena als Charakter den Rahmen bildet, man von ihr aber nicht viel sieht. Daher wirkt auch die Liebesgeschichte nicht glaubhaft, denn Elena entwickelt sich kaum, auch über ihre Gefühle erfährt man wenig. Vieles bleibt einfach unklar.

Das Buch hat effektiv 160 Seiten (der Rest sind Nachwort und Auszug aus dem ersten Band) - davon handeln gefühlt 120 von Luca und seinem Problem. Und Luca ist auch die Figur, die sich ständig missverstanden fühlt. Allerdings hat er auch mehr zu bieten: eine Verletzung und ein gestörtes Verhältnis zum Vater. Das war wirklich interessant und vielfältig. Aber nicht das, was ich nach dem Klappentext erwartet habe.

Das ist umso trauriger, weil Elenas Familie eher zusammenhält - davon sieht man aber nicht viel. Der Gegensatz der beiden hätte Potential gehabt, wird aber nicht ausgeschöpft.

Lucas Schwester Giulia hält alle Figuren zusammen und fungiert als moralische Instanz - genauso wie Elenas Bruder Simon, der leider nur einen Mini-Auftritt hat. Allerdings trifft sie Entscheidungen manchmal für andere Figuren - das wird angesprochen, hat aber keine Konsequenzen.

Ohnehin wird im Roman viel erzählt, aber nicht soviel gezeigt. Das betrifft sowohl die Handlung als auch die Charakterisierung. Das hat, trotz zweier Ich-Perspektiven, eine Distanz geschaffen.

Nett waren die Freunde von Luca und Guilia, die in einer Szene vorkommen und sich authentisch angefühlt haben. Davon hätte ich gern mehr gehabt.

Die Fallhöhe ist überwiegend niedrig. Denn viele Konflikte versanden oder werden nicht angesprochen. Nach ca 75 % gibt es einen moralischen Konflikt, den Luca auslöst. Das versprach Spannung. Doch diese verpufft, weil plötzlich ein anderes Problem konstruiert wird, durch das Luca nicht Handelnder ist, sondern eher "Opfer".

Neben dem Setting besticht der Roman aber mit seiner Sprache. Alltags-Formulierungen werden ganz natürlich eingebunden, ohne, dass es kostruiert klingt. In Romanen erlebe ich oft, dass Umgangssprache gewollt eingebaut wird - das ist hier nicht der Fall. Aus meiner Sicht ist das eine Stärke.

Es gibt eine Kuss und eine erotische Szene unter einer Dusche. Die Idee war gut und dass BEIDE anfangen, das hat mir gefallen. Danach geht es aber nur noch darum, dass die Frau die Taten des Mannes genießt. Das war langweilig und ein bisschen paradox, weil Elena im Buch öfters die Initiative ergreift, zumindest, was Luca betrifft.

Fazit

Der Roman hat gute Ansätze, die man hoffentlich in weiteren Romanen sieht - die Sprache, um Umgebung. Dramaturgisch gibt es aber große Schwächen und besonders Elena als Figur hat kaum Ecken und die titelgebenden Kanten. Die Autorin sollte man im Blick behalten, das Buch war für mich aber ein Flop.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

400 Seiten Einleitung ...

Royal Heist
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Ich habe das Buch über einen Adventskalender bekommen und fand das Krimi-Element faszinierend. Leider passiert auf 400 Seiten erstaunlich wenig. Und - Spoiler!: Das Buch endet auf dem Höhepunkt - es ist ...

Ich habe das Buch über einen Adventskalender bekommen und fand das Krimi-Element faszinierend. Leider passiert auf 400 Seiten erstaunlich wenig. Und - Spoiler!: Das Buch endet auf dem Höhepunkt - es ist also nicht abgeschlossen.

Ein Wort zum Cover

Das Titelbild ist typisch für das Genre, sieht aber leider so farblos aus wie der Inhalt das Buches aus. Die Cover für die Bände 2 und 3 verheißen mehr.

Worum geht es?

Darcy ist eine geniale Trickbetrügerin, die mit ihrer Crew, allem voran dem Bruder, die Reichen bestielt, die Armen beschenkt. Doch ein Coup ist besonders wichtig: Sie möchte die Royal Family bestehlen, weil diese nach einem Unfall die Mutter entlassen hat. Das führte dazu, dass die Mutter verschwand, der Vater an Kummer starb und die beiden Geschwister bei Pflegefamilien aufwuchsen. Die zentrale Frage ist, ob man ein Leid gegen ein anderes tauschen darf.

Wie hat mit das Buch gefallen?

Wie so häufig beginnt das Buch stark, in dem wir Darcy bei einem der Raubzüge sehen. Ich mochte diese Stellen, weil Darcy sehr durchdacht agiert und fand es spannend einen Einblick zu bekommen.

Danach plätschert das Buch dahin und ich habe manche Stellen einfach überflogen. Das Buch nervt nicht, die Beschreibungen sind vorhanden, aber nicht zuviel. Aber es gab lange nichts, was mich wirklich begeistert hat. Erst ab 60 % kommt die Handlung in Gang, Konflikte entwickeln sich und manche Wendung habe ich nicht kommen sehen.

Den Konflikt aus den Love-Interests und Prinzen Tristan und Spencer war mir zu vage geschildert und konnte mich nicht packen. Auch wenn ich mag, dass Tristan handwerklich arbeitet. Tristan ist der nette Typ, der mich nur an einer Stelle wirklich gefesselt hat - als er seine Emotionen unerwartet zeigt.

Besser waren die Geschwister Darcy und Linus, weil sie mit dem Verlust der Eltern unterschiedlich umgehen und auch den Raub unterschiedlich betrachten: Für Darcy reicht es, wenn sie ein Schmuckstück klauen. Linus will den Royals mehrere, emotional wichtige Stücke nehmen und agiert deutlich cleverer. Beide weichen von ihren Plänen ab, werden mitgerissen von ihren Emotionen. Ich hätte gern mehr von dieser Dynamik gesehen.

Die Autorin hat es gut geschafft, den beiden eine Familie gegenüberzustellen, die sehr vielseitig ist. Die steife Königin, die für sich Konflikte birgt, die beiden Prinzessinnen, die eher liberal eingestellt sind ... Dazu Darcys Crew, die ebenfalls interessante Charaktere vereint. Umso trauriger, dass diese Figuren zwar prägnant sind, aber nur wenige Momente haben, in denen sie glänzen können.

Die Dialoge sind fließend, aber bekannt und wenig überaschend. Es wirkt einfach sehr geplant. An manchen Stellen kommt jedoch Umgangssprache hinein und an diesen Stellen wirken die Gespräche natürlich. Diese Momente haben für mich geglänzt.

Es gibt eine explizite Szene, die jedoch nichts Neues bietet. Frauen mögen es, wenn Männer sie begehren - eigenes Begehren haben sie wenig.

Fazit

Ich hätte das Buch gern gemocht und fand die Geschwister gut. Es ist aber emotional nicht packend, ziemlich lang und aufgelöst wird am Ende nichts.

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Veröffentlicht am 13.12.2025

Gute Idee, nicht ganz geglückte Umsetzung

Wir sind anders!
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Mir ist das Buch wegen seines knalligen Titels aufgefallen und da Thema "Frauen in der DDR" auch in den Medien präsenter wird, habe ich reingelesen. Ich finde den Titel ein bisschen irreführend, denn ich ...

Mir ist das Buch wegen seines knalligen Titels aufgefallen und da Thema "Frauen in der DDR" auch in den Medien präsenter wird, habe ich reingelesen. Ich finde den Titel ein bisschen irreführend, denn ich habe die Frauen im Buch nicht kämpferisch als "anders" empfunden, sondern als Menschen, die Umbrüchen ausgesetzt sind. Für mich hat das Buch deswegen vor allem eine melancholische Note.

Worum geht es?

Das Buch verzeichnet 13 Porträts verschiedenener Frauen, die einen Bezug zur DDR haben und aus Ostdeutschland stammen. Die meisten sind in den 60er geboren, wenige sind Ende der 80er bzw. in den 20ern geborgen und haben die DDR eher durch ihre Folgen miterlebt.

Das Buch orientiert sich dabei an einer "oral history", die Autorin hat die Personen also frei erzählen lassen und das dann unter der zentralen Fragestellung zusammengefasst und eingeordnet.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Eine Bewertung fällt mir schwer, denn wie so oft: Das Thema ist gut und wichtig, mit der Gestaltung bin ich nicht ganz glücklich.

Die Autorin hat es geschafft, sehr unterschiedliche Frauen zu vereinen. Manche Geschichten und Gedanken haben mich bewegt. Ich fand faszinierend, wie sehr "der Osten" auch in der jüngeren Generation nachwirkt und wieviel aufgearbeitet werden muss. Das Buch kann ein guter Ansatz sein, mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Besonders erstaunt hat mich das Rollenbild. Denn auch in der DDR hat sich die Frau um Haus, Herd und Kinder gekümmert - und es wurde erwartet, dass sie Vollzeit arbeitet. Auch der Zusammenhalt innerhalb des Betriebes wurde deutlich. Und es fällt auf, dass die Eltern der Frauen den Staat oder Teile davon kritisch sahen, aber gern darin liebten. Sie gaben an ihre Kinder eine teils kritische Meinung wider, aber auch das Bewusstsein, dass man manche Dinge nur im Privaten sagen durfte.

Die Autorin hat es gut geschafft, den Frauen Raum zu geben, aber immer wieder auf das zentrale Thema zurückzukommen.

Mein großes Problem ist der Erzählstil. Die Autorin lässt die Frauen nicht in der Ich-Form erzählen, sondern sie erzählt nach. Manchmal sind direkte Zitate eingefügt oder Worte in Anführungszeichen gesetzt, wenn die Frauen etwas als besonders ungewöhnlich empfanden. Fragen der Autorin an die Porträtierten werden ohne Anführungszeichen gesetzt. Das lässt die Autorin als Fragestellerin unauffälliger wirken, verschleiert aber auch ein Stück ihren Einfluss. Ich spürte beim Lesen einen klaren Tonfall, der weniger sachlich war, sondern eher Mitgefühl zeigte. Das hat dazu geführt, dass ich die Portätierten eher als Leid-Tagende ihrer Vergangenheit empfand. Ich fand das sehr traurig. Ich vermute, dass die Dankbarkeit gegenüber den Personen war und der Wunsch, ihre Geschichte mit Respekt zu behandeln.

Dieser Respekt wird positiv deutlich, wenn die Autorin bei einem Gefängnisaufenthalt und einer Krankenschwester im Altenheim auf schlimme Details verzichtet, um dem Voyeurismus keinen Raum zu geben. Das fand ich wirklich gut, denn das hätte abgelenkt.

Ein weiteres Problem des Buches ist, dass es Ähnlichkeiten der Frauen gibt: Viele haben ein problematisches Verhältnis zu den Eltern, oft zum Vater, die besonders Leistung fordern. Sie sind ein Stück gefangen in ihrem Umfeld. Viele Frauen fanden die DDR grundsätzlich gut, nur die Umsetzung und Ungleichheit nicht. Hier überschneiden sich die DDR und das Zeitgeschehen - was war System, was war gesellschaftlicher Konsens, in Ost und West? Die Frauen wollten oft weg, aber nicht wirklich ausreisen. Sie empfanden den "Westen" als zu laut und sind selten dort geblieben. Sie haben mit ihrem Beruf gehadert - sie haben ihn gern gemacht, hatten aber Probleme. Die meisten Frauen sind Arbeiterinnen, es gibt nur zwei Künstlerinnen. Ich hätte mir Frauen gewünscht, die gern im "Westen" lebten, die politisch engagiert oder "alternativ" waren. Es sind 13 sehr unterschiedliche Frauen, aber mir fehlten Gegengewichte, Gegensätze.

Mir fehlten im Buch auch manche Erklärungen; Infokästchen oder weiterführende Informationen wären schön gewesen. Besonders, wenn man der jüngeren Generation angehört. Man versteht das Buch, aber ich hatte einige Stellen, die ich gern ausführlicher gehabt hätte. Z.B. die Unterschiede im Theaterbetrieb, oder anderes. Allerdings ist jedes Porträt ca. 20 Seiten lang, ich denke, dass es nicht ins Konzept gepasst hätte, manchen Frauen deutlich mehr Platz zu geben.

Ich begrüße auch, dass es keine aktuellen Bilder der Porträtierten gibt, sodass die Anonymität gewahrt ist. Kinderfotos sind enthalten. So kann man sich wundervoll auf die Geschichten konzentrieren. In einem Fall geht die Anonymität aber so weit, dass kaum Fakten zur Familie oder andere Ankerpunkte vorhanden sind. Bei dieser Person hatte ich große Problem, sie greifen zu können.

Fazit

Das Buch ist keine schlechte Wahl und man kann viel mitnehmen. Es ist aber auch nicht so umfassend, wie ich gedacht habe. Wirkliche Erkenntnisse habe ich wenige gewonnen.

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Veröffentlicht am 06.12.2025

Flott, aber wenig Krimi

The Heat is on – Something‘s Cooking Between Us
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Ich habe das Buch gelesen, weil es verfügbar war und ich einen gemütlichen Liebesroman für zwischendurch brauchte. Erstaunlicherweise entpuppte sich der Text als ein gut geschriebener Pageturner mit dem ...


Ich habe das Buch gelesen, weil es verfügbar war und ich einen gemütlichen Liebesroman für zwischendurch brauchte. Erstaunlicherweise entpuppte sich der Text als ein gut geschriebener Pageturner mit dem richtigen Maß an Drama und Liebe.

Spoiler am Anfang: Eine Nebenrolle spielt Morbus Chron, eine entzündliche Autoimmun-Erkrankung.

Worum geht es?

FBI-Agent Dwight wird beauftragt, das Restaurant Julia Villas zu infiltrieren, weil deren Vater Kontakte zu einem Mafia-Boss hat. Die beiden ahnen jedoch nicht, dass sie sich erst hassen und dann verlieben.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Das Buch war zu jeder Zeit spannend, vor allem, weil die Klischees nicht zu deutlich sind. Natürlich ist die Handlung vorhersehbar, aber die Figuren schmachten sich erst nach dem ersten Drittel an. Außerdem nimmt das Kollektiv um das Restaurant viel Raum ein. Die Nebenfiguren sind nicht immer unterscheidbar, aber vielfältig und bringen Humor rein.

Die Selbstfindung deutet sich bereits am Anfang an und ich fand die Entwicklung nachvollziehbar. Kochen als Thema mochte ich sehr, auch wenn ich nicht alles verstehen konnte.

Spoiler: Das Thema "Morbus Chron" fand ich gut eingebracht, weil es die negativen Seiten aufzeigt, aber nicht überdramatisch ist. Die Autorin macht das sehr klug: Sie verknüpft die Krankheit mit der Dynamik zwischen Julia und ihrem überbeschützenden Vater. Denn dieser ist es, der Julia ihre Autonomie nimmt - weniger die Krankheit. Einziges Manko: Julia trinkt zu wenig Wasser.

Bis die erotische Spannung aufkommt, dauert es. Und hier findet man die üblichen Vokablen. Dennoch: Es gibt wenige explizite Szenen, was auch ein Stück durch Julias Krankheit verhindert wird. Ich mochte das.

Das Ende war für mich ein bisschen zu gewollt, auch wenn die Überraschung geglückt ist. Und die Übergänge zwischen den Szenen waren manchmal plump - man wird einfach in einen neuen Schauplatz geworfen. Außerdem haben wir im Buch Perspektivwechsel, doch beide Stimmen klingen gleich. Julias sind klar überschrieben, Dwights erst am Ende. Denn davor lebt er unter seinen Tarnpersönlichkeit. Diese Kapitel tragen keinen Namen. Ich verstehe die Logik, war aber nicht angetan davon.

Außerdem ist das Krimi-Element relativ dezent. Es wird ständig darüber gesprochen, aber eine knallige Auflösung gibt es nicht. Spannend, aber nicht actionreich. Wer sich auf Verfolgungsjagden etc. gefreut hat, wird enttäuscht.

Ein Wort zum Cover

Ich finde das Cover schön, aber nicht so passend. Es erinnert mich an einen Garten und lässt das Krimi-Element in den Hintergrund treten.

Fazit

Das Buch ist ein flotter Liebesroman, der sich gut lesen lässt. Der Krimi-Aspekt steht im Hintergrund, dafür die Krankheit, das Kochen und die Figurenentwicklung. Keine schlechte Wahl.

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