Gut gemacht, aber der Funke fehlt
Paranoia in HollywoodDer Titel des Buches klang sehr plakativ, trotzdem hat mich das Thema gereizt. Ich habe schon einige Biografien über Emmigranten gelesen und wollte nun einen anderen Aspekt sehen. Letzlich fällt mir eine ...
Der Titel des Buches klang sehr plakativ, trotzdem hat mich das Thema gereizt. Ich habe schon einige Biografien über Emmigranten gelesen und wollte nun einen anderen Aspekt sehen. Letzlich fällt mir eine Bewertung schwer, weil das Buch für mich gut war, aber der Funke fehlte.
Worum geht es?
Das Buch beschreibt die Zeit der Emmigranten in Hollywood in den 40er Jahren und behandelt dabei Themen wie Arbeit, Kunst und das berüchtigte HUAC (Kommitee für anti-amerikanische Umtriebe). Im Mittelpunkt stehen dabei Thomas Mann, Billy Wilder und William Wyler. Viele weitere Persönlichkeiten werden eingeflochten. Den roten Faden bildet die Salonière Salka Viertel.
Wie hat mir das Buch gefallen?
Das Buch hat mich gefesselt, ich habe es flott durchgelesen, es hatte keine Längen. Für mich passen Titel und Klappentext aber nur bedingt zum Inhalt, weil es nur im zweiten Teil tatsächlich um das HUAC, um die Paranoia geht. Das führte bei mir dazu, dass die Spannung ein bisschen raus war.
Das Buch versammelt wundervoll faktenreich verschiedene Biografien von emmigrierten Künstler:innen in den USA, überwiegend aus dem Filmgeschäft. Es war interessant zu lesen und nie langweilig. Der Autor erzählt lebhaft, an seltenen Stellen wird kommentiert. Es gibt für 330 Seiten 744 Fußnoten, was sehr viel ist. Das Buch ist also gut recherchiert.
Die Auswahl der Persönlichkeiten fand ich nicht ganz gelungen. Der Autor versammelt die Großen der Filmbranche und schafft es, verschiedene Strömungen darzustellen. Beispielsweise wird Bertholt Brecht erwähnt, der die USA ohnehin verlassen wollte und die Anhörung vor dem HUAC eher als Bühne betrachtete, auf der er seine Abschiedsvorstellung gibt. Ich mochte auch die Verflechtungen der Studiobosse, von denen einige jüdische Wurzeln haben, ins Thema. Der Antisemitismus in den USA, der im Buch manchmal anklingt.
Für mich war Thomas Manns Rolle im Buch zu groß. Mann ist ein sehr gut erschlossenes Feld, aber für mich war er eher ein Mensch, der mit seiner politischen Meinung gehadert hat. Dem Konflikt mit Adorno und Schönberg bei der Entstehung des "Doktor Faustus" gibt das Buch einige Seiten. Ich fand das nett, habe mich aber gefragt, ob es nicht andere Persönlichkeiten gegeben hat, die mehr Raum verdient hatten. Die unbekannter sind, mehr bewegt oder eine andere Ansicht gehabt haben.
Mich hat das Buch emotional nicht so gepackt, weil ich die Zusammenhänge manchmal nicht gut nachfühlen konnte. Für mich haben manchmal ein paar Grundlagen gefehlt z.B. bei der Entstehtung des HUACs. Der Weg wird erklärt, aber ... es fehlte etwas. Auch die Frage, welche Persönlichkeiten sich in den USA heimisch fühlten und warum, das interessiert mich. Es ist ein Sachbuch, klar. Aber manchmal wären weniger Fakten und mehr Erzählerisches gut gewesen.
Wirklich bildhaft ist das Buch an Anfang und Ende, als der Autor das Haus Salka Viertels beschreibt. Die Szene ist sehr beeindruckend und führt gut in das Buch ein (und aus). Dieser rote Faden funktioniert sehr gut, obwohl ich Salka Viertel vorher nicht kannte.
Fazit
Ich denke, das Buch gefällt vielen Leuten. Es ist gut erzählt, vereint verschiedene bekannte Persönlichkeiten und bleibt meistens fokussiert. Der eigentliche Schwerpunkt ging bei mir etwas unter, das empfindet aber jeder anders. Defintiv ein gutes Buch.