Mr. Saitos reisendes Kino
Mr. Saitos reisendes KinoLita und Fabiola, es gibt nur sie zwei, als sie an der Küste Neufundlands landen. Auf einer Insel, so klein, dass sie nicht mal auf allen Karten eingezeichnet ist. Wer Litas Vater ist, weiß sie nicht. ...
Lita und Fabiola, es gibt nur sie zwei, als sie an der Küste Neufundlands landen. Auf einer Insel, so klein, dass sie nicht mal auf allen Karten eingezeichnet ist. Wer Litas Vater ist, weiß sie nicht. Doch sie hat eine beachtliche Sammelmappe angelegt mit Bildern von Vätern, die ihr sehr gefallen würde. Sie weiß nur, dass ihr Vater Bugatti Schuhe trägt, denn Fabiola ist nicht nur Tangotänzerin aus Leidenschaft, sondern auch Schuhverkäuferin.
Das argentinische Temperament, und ihr Hang zum Chaos, haben Fabiola schon das ein oder andere Mal in schwierige Situationen gebracht. So musste sie bspw. das Nonnenkloster verlassen, in dem sie zur Geburt Litas untergekommen ist, denn Tango ist dort nur bedingt erwünscht.
Auf Upper Puffin schlägt die Uhr nach ihren eigenen Regeln. Die kleine Gemeinschaft dort, wirkt auf den ersten Blick etwas sonderbar, nach wenigen Seiten werden alle Lesenden sie in ihr Herz schließen. Für Lita wird genau diese Gemeinschaft zur Familie und zum ersten Mal kann sich auch Fabiola darauf einlassen, an einem Ort zu verweilen.
"Mr. Saitos reisendes Kino" ist ein Roman voller Herzlichkeit und Menschlichkeit. Lita, das Kind ohne Vater in einer Zeit, in der das noch als größter Skandal galt, das aufgrund des Fernwehs oder des Rufes des Tangos im Herzen ihrer Mutter, lange Zeit nirgendwo richtig ankommt und deshalb einen unsichtbaren Freund erfindet, um überhaupt Gesellschaft zu haben. Auf Upper Puffin trifft sie auf Oona, die nicht hören kann, und das Leben deshalb auf ihre eigene Art wahrnimmt. Es entsteht eine ganz besondere, ganz innige Freundschaft zwischen den beiden Mädchen, die über alle Grenzen, alle Möglichkeiten hinauswächst.
Besonders berührt hat mich die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Lita und Fabiola. Wie schwer ist es, eigene Sehnsüchte und das Wohlergehen des Kindes miteinander zu verbinden? Was wiegt im Herzen schwerer? Und wie ersetzt man ein Elternteil, das nicht da ist?
In Litas Fall durch ein ganzes Dorf. Ein Dorf mit einer Tätowiererin, Fischern auf ihren Kuttern, einem finnischen Komponisten und einem Mann in einem Eisenkorsett, mit Frauen voller Herzlichkeit, einem Tierarzt, der einfach alles kann und vor allem durch einen Mann mit einem fahrenden Kino.
"Mr. Saitos Kino" zeigt nicht nur wie wertvoll Freundschaft und ein offenes Miteinander ist, sondern auch, das alles möglich ist. Nicht nur für ein Mädchen mit einem Väter-Sammelalbum, sondern für alle, die ihr Herz öffnen und diesem folgen.
Eine Leseempfehlung für alle, die ein bisschen Menschlichkeit brauchen können und sich von Herzlichkeit berühren lassen wollen.