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Veröffentlicht am 09.09.2019

Großartig!!

Miroloi
1

Ich möchte über "Miroloi" sprechen. Muss darüber sprechen.
Muss darüber diskutieren und laut herausschreien wie großartig dieses Buch ist.
Wie klug.
Wie wegweisend.
Wie umtreibend.
Wie wichtig.
So ...

Ich möchte über "Miroloi" sprechen. Muss darüber sprechen.
Muss darüber diskutieren und laut herausschreien wie großartig dieses Buch ist.
Wie klug.
Wie wegweisend.
Wie umtreibend.
Wie wichtig.
So fundamental, wenn es um ein Umdenken vorhandener Strukturen geht, dass ich mich frage, warum es solch eine Geschichte nicht schon mindestens fünfmal mal gibt.

"Eselshure. Schlitzi. Nachgeburt der Hölle. Ich war schon von Anfang an so hässlich, dass meine eigene Mutter mich lieber hier abgelegt hat, statt mich zu behalten. So eine wie ich, sagen sie, so eine kann nicht von hier sein, so hässlich ist hier niemand, solche Mütter gibt's hier nicht." (S.9)

Schon die ersten Sätze wirken wie eine Reibe, die meine Emotionen aufkratzt. Köhler hat mich vom ersten Moment. Ich reise in das Dorf auf die Insel, die aufgrund Vegetation und Landwirtschaftlichen Erzeugnissen im Mittelmeer liegen könnte, inmitten vieler Kulturen, zusammengesetzt aus vielen Kulturen, könnte aber auch irgendwo anders sein. Die Dorfgemeinschaft lebt abgeschottet, hat eigene Gesetze, lehnt jeglichen Fortschritt ab, lebt nach jahrhundertealten Traditionen. Die Dorfgemeinschaft hat etwas von einer Sekte, die nichts von außen herandringen lässt, ist aber gleichzeitig auch ein Mix aus verschiedenen Kulturen und Religionen. Die Dorfgemeinschaft ist beängstigend und bedrückend und gleichzeitig gibt sie durch enge Strukturen einen gewissen Rahmen, der seine eigene Form von Sicherheit bietet. Und auch der Fortschritt, dem sich die Dorfgemeinschaft verwehrt, ist nicht immer positiv zu betrachten. Arbeitsabläufe werden erleichtert, aber auf wessen Kosten?

Die Protagonistin, das Mädchen ohne Namen, ist der Teufel der Dorfgemeinschaft. Alle negativen Ereignisse werden ihr zugeschrieben, jede*r lädt die eigene Schuld auf ihr ab. Ich muss an den Glauben an Hexenkinder denken, der in einigen afrikanischen Ländern besteht. Kinder jeglichen Alters werden von der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen, müssen alleine überleben, weil sie Schuld am Unglück des Dorfes tragen.

"Miroloi" ist ein Spiegel verschiedener Gesellschaftsformen. Auch unserer eigener, die uns so klug und fortschrittlich erscheint und in Wirklichkeit in vielerlei Hinsicht so primitiv ist. Wie im Roman auch, gibt es Diskriminierung, veraltete Denkmuster, Ausgrenzung und Gewalt wo Intelligenz fehlt. Köhler schreibt so geschickt davon wie Denkmuster entstehen, wie Traditionen geboren werden und wachsen, dass die Kritik daran so offensichtlich wird, dass ein Brechen von veralteten und unsinnigen Traditionen (gerade im Namen von Religion) geradezu als Muss erscheint. Und doch fahren wir überall auf der Welt weiter in der Schiene, die Menschen herabwürdigt, verletzt oder tötet. Und trotz aller Kritik ist klar, dass ein schwarz-weiß Denken das Übel vieler Probleme ist.

Die Sprache des Romans ist naiv. Ein Stilmittel, das für mich perfekt passt. Wer den Inhalt des Romans jedoch als naiv betrachtet, sollte beim Lesen darauf achten die Augen zu öffnen. "Miroloi" ist eine moderne Parabel. Zeitgemäß. Kritisch. Brilliant konstruiert. Flüssig zu lesen und rund bis zum letzten Satz. Ich habe mir direkt nach dem Lesen auch noch das Hörbuch heruntergeladen. Ich muss nochmal in die Geschichte eintauchen. Bin mir sicher, dass ich noch einiges übersehen habe. "Miroloi" hat mich nicht nur zum Nachdenken angeregt, sondern einen ganz neuen Mut, eine neue Energie in mir geweckt. Ich wünsche dem Buch ganz viele Leserinnen und Leser, die mit offenen Augen durch die Seiten wandern. Die verstehen wollen, was da passiert. Die sich damit auseinandersetzen wollen, dass wir täglich mit Ungerechtigkeiten konfrontiert werden. Die wollen, dass sich etwas ändert. Eine Veränderung kommt erst dann in Bewegung, wenn wir erkennen. Manchmal ist es eben einfacher dies im fiktiven zu finden, als in einer realen Erzählung. Und deshalb hat Karen Köhler alles richtig gemacht.

Veröffentlicht am 28.08.2019

Rebellion und Machtspielchen - absolut lesenswert

Die dreizehn Gezeichneten
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Wo fange ich an? Wo höre ich auf?

"Die 13 Gezeichneten" ist ganz anders, als erwartet. Noch besser. Komplexer, vielschichtiger, ernster, überraschender, fesselnder, aufrüttelnder.

Der Focus der Geschichte ...

Wo fange ich an? Wo höre ich auf?

"Die 13 Gezeichneten" ist ganz anders, als erwartet. Noch besser. Komplexer, vielschichtiger, ernster, überraschender, fesselnder, aufrüttelnder.

Der Focus der Geschichte liegt auf der Rebellion einer kleinen Widerstandsgruppe, die gegen die Machtübernahme ihrer Heimatstadt Sygna durch Kaiser Yulian kämpft. Daraus ergibt sich ein Netz an Gedanken, die vom Autorenpaar Vogt ganz großartig in die Geschichte eingewoben werden.

Worum es im Buch geht, steht ja schon in der Inhaltsangabe, deshalb möchte ich mich damit nicht lange aufhalten. Da wir anfangs fast allen Protagonisten mal begegnen, ist mir der Einstieg in den Roman etwas schwer gefallen. Von der ersten Seite an war ich mitten im Geschehen und musste mich erstmal orientieren wer, was, wohin. Eine Dramatis Personae wäre hilfreich gewesen, aber der eingängige Schreibstil der Autoren hat sein übriges getan und nach etwa 50 Seiten fühlte ich mich angekommen.

Handlungsort ist Sygna, eine Stadt, in der die Handwerkskunst durch Magie der Zeichen verstärkt wird. In der die Handwerke in Gilden aufgeteilt sind, die sich eine fundierte Ausbildung auf die Fahne schreiben. Auch die damit verbundene Magie der Zeichen basiert auf jahrelang erlerntem und über Generationen weitergegebenem Wissen. Durch den Einsatz der Magie steigt die Qualität. Ob Schmiede- oder Papierhandwerk oder Fechtkunst. Wie überall ruft auch hier der Erfolg Neider auf den Plan und auch die damit verbundene Macht weckt gierige Hände, die gewaltvoll danach greifen.

Kaiser Yulian nimmt Sygna ein. Zunächst unter dem ehrenvollen Hintergedanken die Magie der Zeichen für jeden zugänglich zu machen und das Kastenähnliche System der Gilden zu durchbrechen, doch dann läuft alles anders, als geplant.

Das ist ja auch irgendwie der Knackpunkt von Rebellionen und Umstürzen von Machtsystemen, egal ob wirtschaftlicher oder politischer Art. Es ist nicht so einfach aus einem diktatorischen System ein demokratisches zu bilden, weil die Umstrukturierung gut durchdacht sein muss und nicht übers Knie gebrochen werden kann. Gelangt man dann noch unerwartet zu Macht, greift diese oftmals auch noch zum ehemals vielleicht toleranten Charakter und zieht ihn auf die dunkle Seite.

Was die Rebellen in "Die 13 Gezeichneten" erreichen wollen, ist relativ klar. Der Weg dorthin weniger, denn auch sie bemerken, dass dieser nicht so gradlinig zu erreichen ist, wie sie sich das vorgestellt haben. Eine Rebellion kostet immer. Menschen, Leben, Werte. Entscheidungen gehen einher, Trennungen, Verzicht. Dinge, die nicht jeder entbehren kann. Wie einfach ist es wohl ein ehrbares Ziel zu verfolgen, wenn geliebte Menschen darunter leiden? Wie lässt sich ein ehrbares Ziel überhaupt messen? Was darf dafür auf der Strecke bleiben? Dürfen einzelne Menschen leiden / sterben, um viele Menschenleben zu retten? All diese und viele weitere Fragen, die mit dem Thema Widerstand / Rebellion / Auflehnung zu tun haben, sind mir während des Lesens über den weg gelaufen und haben mich zum Nachdenken gebracht.

Zugleich ziehe ich viele Verbindungen zum realen Leben. Sehe Kämpfe von Minderheiten, die wir in der Vergangenheit ausgetragen haben und noch heute austragen. Der Kampf für Frauenrechte, für Menschrechte, für Entscheidungsrechte, für Meinungsfreiheit. "Die 13 Gezeichneten" informiert und rüttelt auf darüber nachzudenken wie sehr wir unsere Freiheiten überhaupt noch ernst nehmen.

Verpackt ist dies alles in einen sehr spannenden Roman, der mich an manchen Stellen atemlos zurückgelassen hat. Das Autorenpaar spielt mit den Figuren, lässt sie leiden, schürt Hoffnungen, um sie kurz danach wieder zu zerstören. Es gibt Passagen, da habe ich die beiden echt gehasst, es aber geliebt wie sehr sie mich überraschen konnten.

"Die 13 Gezeichneten" ist der fesselnde Auftakt einer Trilogie, die definitiv einen Platz in meinem Regal bekommen wird.

Veröffentlicht am 19.08.2019

Spannend und geheimnisvoll

Secret Keepers 1: Zeit der Späher
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Ruben ist ein ganz normaer 11-jähriger. Etwas zu klein für sein Alter, etwas verhuscht, eher unauffällig. Er lebt gemeinsam mit seiner Mama in einer fiktiven Stadt, die von einem Etwas, das "Der Schatten" ...

Ruben ist ein ganz normaer 11-jähriger. Etwas zu klein für sein Alter, etwas verhuscht, eher unauffällig. Er lebt gemeinsam mit seiner Mama in einer fiktiven Stadt, die von einem Etwas, das "Der Schatten" genannt wird, beherrscht und kontrolliert wird. Da sein Vater schon vor vielen Jahren verstorben ist, muss seine Mutter allein für den Lebensunterhalt der beiden aufkommen, was ihr eher schlecht gelingt. Als Ruben eine wertvoll aussehende Uhr entdeckt, glaubt er durch den Verkauf derselbigen alle Probleme lösen zu können. Doch seine Bemühungen erwirken eher das Gegenteil. Statt Probleme zu lösen, erschafft er viele neue. Die Uhr erweckt die Aufmerksamkeit vieler gieriger Männer und plötzlich sieht sich Ruben einer ungeahnten Gefahr gegenüber.

"Zeit der Späher" ist der Auftakt einer Dilogie. "Zeit der Jäger" ist der zweite Band und gleichzeitig das Finale, das am selben Tag veröffentlicht und sicherlich die Lösung vieler Geheimnisse offenbaren wird.

Geheimnisse gibt es viele. Schier alles ist geheimnisvoll. Die Uhr, die magische Fähigkeiten besitzt. Der Schatten, von dem wir nicht wissen, wer oder was dahinter steckt und welche Absichten er hegt. Familie Meyer mit dem mürrischen Sohn Jack, der wortgewandten Tochter Penny und der zahlreichen nah- und weitläufigen Verwandtschaft, die sich alle dem Schutz des Geheimnisses ihrer Ur-Ur-Ur-Ahnin verschrieben haben. Das ganze Buch steckt so voller Geheimnisse, dass es von Anfang bis Ende ziemlich spannend ist. Einzig die Auflösung der Geheimnisse kommt hier und das etwas holter die Polter. Ich hätte mir etwas komplexere Wege gewünscht, um die Lösungen darzustellen.

"Secret Keepers" hat dadurch aber kaum Einbußen was den Unterhaltungswert betrifft. Das Buch hat seinen ganz eigenen Charme, bedingt durch die vielfältigen und zum Teil etwas skurrilen und ausgefallenen Charaktere. Figuren, die allesamt absolut sympathisch sind. Allen voran Ruben und Penny, die so konzipiert sind, dass man ihnen gern auch im realen Leben begegnen würde. Hier bietet der Autor vor allem Identifikationspotential für junge Leser.

Auch wenn ich nicht der eigentlichen Zielgruppe des Kinderbuchs entspreche, habe ich mich von Rubens Geschichte gut unterhalten gefühlt und sie so gerne gelesen, dass ich auf jeden Fall auch "Zeit der Jäger" lesen werde. Trenton Lee Stewart, der einigen vielleicht schon durch "Die geheime Benedict-Gesellschaft" bekannt ist, schreibt locker, flüssig, mit einem humorvollen Unterton und in der Art und Weise, wie man Erzählungen gut folgen kann. Atmosphärisch, bunt und sympathisch.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Das Wunder der Bäume

Das Wunder der Bäume
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Bäume sind etwas Menschenverbindendes. Denn Bäume gibt es auf der ganzen Welt. Doch der Klimawandel macht den Bäumen mehr und mehr zu schaffen. Unsere Wälder sind durstig, vertrocknen, sterben. Umso wichtiger, ...

Bäume sind etwas Menschenverbindendes. Denn Bäume gibt es auf der ganzen Welt. Doch der Klimawandel macht den Bäumen mehr und mehr zu schaffen. Unsere Wälder sind durstig, vertrocknen, sterben. Umso wichtiger, dass unsere Kinder Wälder verstehen und lieben lernen.

"Das Wunder der Bäume" ist sehr informativ. Es umfasst gefühlt alles, was man über Bäume wissen sollte. Ich habe dank dieses Buches so viel Neues gelernt, obwohl es für Kinder ab 7 Jahre gedacht ist, und nicht für Erwachsene.

Beginnend bei was Bäume überhaupt sind, wie sie sich zusammensetzen und wie sie arbeiten, über verschiedene Sorten, verschiedene Lebensräume und Länder bis hin zu Tieren, die auf, unter, in und um Bäumen leben, wird jede Frage zum Thema Bäume beantwortet. Damit es nicht zu trocken wird, sind alle Themen mit bunten und gut verständlichen Zeichnungen untermalt.

Das letzte Kapitel des Buches gefällt mir besonders gut. Es erklärt wie wichtig Bäume für uns sind, dass wir aber gerade dabei sind sie zu vernichten und fordert zum Handeln auf. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Tipps, die gut umsetzbar sind. Dieses Buch ist wirklich ein Must Have für Alle, die sich für Naturschutz einsetzen und ihre Kinder aktiv daran beteiligen wollen, indem sie ihnen die entsprechende Philosophie vermitteln.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Reise durch die Natur

Reise durch die Natur
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"Die Natur verändert sich,drum nimm dir Zeit, sie anzusehn,an jedem Tag, in jedem Jahr, bevor die Wunder schnell vergehn.[...]Schau dich um, denn ringsherum,in Wäldern und auf grüner Flur,entdeckst du ...

"Die Natur verändert sich,drum nimm dir Zeit, sie anzusehn,an jedem Tag, in jedem Jahr, bevor die Wunder schnell vergehn.[...]Schau dich um, denn ringsherum,in Wäldern und auf grüner Flur,entdeckst du sie an jedem Tag - die kleinen Wunder der Natur."

"Reise durch die Natur" ist ein sehr besonderes Buch. Jede Seite beginnt mit einem kleinen Vers, der fast etwas meditatives hat. Der zu Achtsamkeit rät, zum Innehalten, dazu die Natur auf sich wirken zu lassen. In Reimform, nicht kindlich, aber so, dass Kinder es gut aufnehmen können. Fast wie auf einer Traumreise, werden sie in das entsprechende Thema mitgenommen.

Durch kleine Ausstanzungen in den Zeichnungen, die wie Stempeldruck wirken und an Leo Lionni erinnern, lässt sich erahnen, was zu sehen ist, wenn man die Buchseite aufklappt. Dort befindet sich eine eingehendere Erläuterung zu den jeweiligen Themen. Beispiel: Strand. Welche Tiere leben dort? Woraus besteht der Strand? usw. Diese Erläuterungen sind nicht in Reimform, sondern in Fließtext geschrieben und sehr informativ und Kindgerecht.