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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.09.2018

Lass dich entführen in eine Welt voller Wunder...

Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherkönig
3

Nach "Bücherstadt" zieht einen Akram El-Bahay mit "Bücherkönig" wieder in den Bann von Paramythia, der unterirdischen Bücherstadt von Mythia.

All die liebevoll gestalteten Fabelwesen und Figuren aus dem ...

Nach "Bücherstadt" zieht einen Akram El-Bahay mit "Bücherkönig" wieder in den Bann von Paramythia, der unterirdischen Bücherstadt von Mythia.

All die liebevoll gestalteten Fabelwesen und Figuren aus dem ersten Band, werden in diesem immer vielschichtiger. Besonders interessant fand ich Sams Zwiespalt zwischen Liebe und Eigensucht. Der Dieb aus dem ersten Band wächst Stück für Stück über sich hinaus. Aber auch alle anderen Charaktere des ersten Teil halten Überraschungen parat, mit denen man so nicht gerechnet hätte.
Als besonderes Highlight empfand ich die neuen Fabelwesen, die hinzu kommen und die eindrucksvoll beschriebenen Schauplätze an die, die Protagonisten kommen. Diese sind vor allem durch die Aufteilung des Handlungsstrang vielzählig. Kani und Samir bleiben diesmal nicht fortwährend zusammen. Stattdessen entführt einen Kani in die Wüste hinter die Mauer und ins Gebirge, währen Samir in Mythia und Paramythia wechselnd an sich selbst und an die zauberhaften Wesen um sich herum denkt. Dabei hat er die ganze Zeit das alte Bücherwurmpärchen aus Bibliothekar Jakobus und Urinsammlerin Umm im Rücken, die ihn nicht zu knapp auf der Nase herumtanzen.
Am Ende werden die beiden Strängen in einem fulminanten Finale wieder vereint.

Auch der Übergang zwischen dem ersten und dem zweiten Teil empfand ich sehr gelungen. "Bücherkönig" schließt nahtlos an "Bücherstadt" an. Trotzdem ist es kein Problem mitzukommen, da der Autor einen in liebevoll verpackten Rückblenden an das Geschehene erinnert.

Natürlich ist auch der Schreibstil von Akram wieder einmal besonders erwähnenswert. Mit seiner bildgewaltigen Sprache, erschafft er ganze Welten in den Köpfen seiner Leserschaft und lädt einen dazu ein die Realität zeitweilig zu vergessen.

Insgesamt bin ich begeistert von dem Buch. Auch wenn ich in vielen spannenden Szenen den Ausgang eben jener bereits früh erahnte, tauchte ich vollkommen ab in diese Welt aus Büchern, Intrigen, Lügen und spannenden Persönlichkeiten. Für mich hat dieses Buch alles gehabt, mit seiner kunstvollen Sprache, außergewöhnlichen Ideen, schönen Namen und Schauplätzen, die zum Verweilen einladen. Für mich waren es vor allem Fragen zur Persönlichkeit der Prota- und Antagonisten, die mich packten, als das eigentliche Ziel jener.

Ich freue mich schon auf den dritten Band!

Veröffentlicht am 11.09.2017

Hörst du das Wispern und Flüstern der Bücher?

Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherstadt
2

Ich habe das Buch "Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherstadt" von Akram El-Bahay im Rahmen einer Leserunde gelesen. Dafür vielen Dank an Lübbe und den Autor, der die Runde begleitete.

Die ...

Ich habe das Buch "Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherstadt" von Akram El-Bahay im Rahmen einer Leserunde gelesen. Dafür vielen Dank an Lübbe und den Autor, der die Runde begleitete.

Die Geschichte liest sich fast wie ein einziges, langes Gedicht. Akram El-Bahay ist ein Magier des geschriebenen Wortes.
Kurz nachdem ich das Buch aufschlug, war ich bereits tief unter der Erde zwischen Millionen von Büchern. Beim Lesen habe ich Gänsehaut bekommen...

Die Handlung nimmt dich nicht mit sondern reißt dich regelrecht in einen Strudel von Ereignissen. Dennoch kommen Beschreibungen der Umgebung und der Fabelwesen, die in bisher unbekannten Formen auftreten, nicht zu kurz. Immer wenn ich dachte, dass ich jetzt wüsste in was für einer Welt die Geschichte spielt kam noch einmal eine völlig neue Idee, ein völlig neuer Ort um die Ecke. Immer wenn ich meinte das Schicksal der Protagonisten vorausahnen zu können, kam doch wieder alles ganz anders.
Es ist ein Buch, das sich nur mit viel Überwindung aus der Hand legen lässt. So eines, dass ich noch schnell fertig lesen musste - nachts. Um halb drei. Mit Arbeitsbeginn um sieben.

Besonders gut gefallen haben mir auch die im Buch vorkommenden Namen wie Nushishan (Nus-hi-schan gesprochen) oder Asfura. Teilweise lohnt es sich, die jeweilige Bedeutung der Namen zu googeln. ;)

Die Charaktere sind vielschichtig und durchlaufen fast alle eine enorme Entwicklung während dem Fortlauf der Geschichte.
Da wäre zum einem Samir, ein ehemaliger Meisterdieb und Schlitzohr mit dem Herz am rechten Fleck, der in die Garde des Weißen Königs eintreten und sein Leben in der Diebesbande hinter sich lassen möchte. Trotz seines Freundes Majid, der ebenso ein Profi im Umverteilen von Besitz ist.
Dann gibt es noch Kani ein Mädchen, dass scheinbar einfach nur sehr klug und stark ist, aber die dennoch spezielle Fähigkeiten zu haben scheint.
Außerdem sind da noch Sabah und Layl, die den Leser viel rätseln lassen und deren Geheimnisse in diesem Band nur teilweise gelüftet werden.
Auch noch erwähnt seien Hakim - der Vater von Kani und ein etwas zerstreuter Professor und Jacobus ein griesgrämiger Bibliothekar, dem Bücher wohl mehr bedeuten als selbst dem größten Bücherwurm in der realen Welt.

Außerdem lässt der Autor immer wieder einen dezenten Humor einfließen, der mir erst gar nicht aufgefallen ist, mir jedoch immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht trieb, als ich Stellen für die Leserunde ein zweites Mal las.

Hier nun noch eine kurze Anmerkung zum Cover - die drei Bücher werden nebeneinandergelegt ein großes Bild ergeben. Ich liebe solche Spielereien und finde, dass sie das i-Tüpfelchen einer guten Buchreihe sind.

Fazit:
Das Cover ist schön und außerordentlich passend, der Schreibstil atemberaubend, die Ideen märchenhaft, die Charaktere musst du einfach lieben und die Handlung fesselt dich bis zur letzten Silbe.

Veröffentlicht am 19.02.2018

Turbulent, mafiös, spannend - eine Familie schräger als alle die ich kenne

Die erstaunliche Familie Telemachus
1

Daryl Gregory hat mit seinem Fantasyabenteuer ein packendes Buch geschaffen, das zwischendurch jedoch auch die ein oder andere Länge aufweist, dass sich aber dennoch definitiv lohnt.
Die Geschichte spielt ...

Daryl Gregory hat mit seinem Fantasyabenteuer ein packendes Buch geschaffen, das zwischendurch jedoch auch die ein oder andere Länge aufweist, dass sich aber dennoch definitiv lohnt.
Die Geschichte spielt um 1995, einige Jahre nach dem Tod des weiblichen Familienoberhauptes Maureen, die mithilfe von Fernwahrnehmung für die Regierung arbeitete. Sie hatte gemeinsam mit Teddy, einem sehr begabten Trickbetrüger, drei Kinder - alle mit übernatürlichen Fähigkeiten.
Nach ihrem Tod kümmert sich mehr oder weniger die elfjährige Irene als ältestes und einzig weibliches Kind um alles und alle.
Neben ihr gibt es noch Frankie, eine liebenswürdige Vollpfeife, der mit den Gedanken Dinge bewegen kann - zumindest dann wenn es funktioniert... Zuletzt gibt es noch den vom Leben überforderten Buddy, der in die Zukunft sehen kann und sich auf ganz eigene Weise um die Familie kümmert. Die meiste Zeit des Buches wirkt er ein wenig verrückt und in jedem Fall seinen Kräften ziemlich ausgeliefert.
Zu Beginn der Geschichte gibt es außerdem auch bereits einige Enkelkinder. Unter anderem eben Matty, der seinen Körper verlassen kann und Zwillinge die auch das ein oder andere anstellen können.
Es wird regelmäßig aus der Sicht eines anderen Familienmitgliedes geschrieben. Außerdem gibt es aber noch weitere Charaktere. Fast bin ich etwas verwundert wie gut ich den Überblick über all diese Individuen mit eigener Story, die doch irgendwie alle miteinander verwoben sind, auseinanderhalten konnte...
Die Geschichte ist teilweise unübersichtlich und sehr verstrickt. Wer arbeitet mit wem? Gibt es überhaupt ein Gut und Böse? Es gibt die Regierung und die Mafia und die Familie selbst die zwischen diesen beiden Mächten hin und her gezogen wird. Diese versucht dabei mehr oder weniger verzweifelt ein geordnetes Leben zu führen - und scheitert kläglich.
Nicht oft sieht man Geschichten mit Charakteren wie diesen. Sie wirken sehr plastisch und authentisch. Für einige von ihnen sind die Superkräfte mehr ein Problem, denn ein Geschenk. Doch obwohl die Geschichte die meiste Zeit vom Scheitern handelt, ist das Buch humorvoll und letztlich sind dann doch alle Helden. Helden voll Menschlichkeit und Versagertum...
Für Menschen, die etwas älter sind als ich mit meinen zweiundzwanzig Jahren dürfte das Buch zudem auch nostalgische Züge haben - insbesondere für Amerikaner, da das Buch dort spielt und die Stimmung dieser Zeit sehr schön vermittelt.
Der Schreibstil ist einfach zu lesen und so zog mich das Buch in seinen Bann. Auch wenn es - wie bereits erwähnt - teilweise Längen gibt, ist es trotz seinem Umfang schnell gelesen. Vor allem das Finale, in dem alles perfekt zusammenläuft, hat mich endgültig überzeugt!
Ein interessantes Detail finde ich, dass die Buddy-Teile im Präsens stehen, während der ganze Rest im Präteritum verfasst wurde.
Auch sonst gibt es das ein oder andere Easter-Egg zu entdecken - aber sucht da einfach selbst ein wenig. ;)
Insgesamt kann ich das Buch sehr empfehlen. Zumindest wenn dir Mafiageschichten und Charaktere, die man nicht nur liebt, sondern auch ein wenig kritisch beurteilen kann, magst!

Veröffentlicht am 13.10.2016

Ein Bilderbuch mit Seele

Das Traumfresserchen
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Das Traumfresserchen von Michael Ende und Illustrationen von Annegert Fuchshuber, handelt von der kleinen Prinzessin aus Schlummerland, die immer wieder von Alpträumen geplagt wird. Da immer der, der am ...

Das Traumfresserchen von Michael Ende und Illustrationen von Annegert Fuchshuber, handelt von der kleinen Prinzessin aus Schlummerland, die immer wieder von Alpträumen geplagt wird. Da immer der, der am besten schlafen kann König wird, ist es natürlich eine Katastrophe, dass ausgerechnet seine Tochter nicht gut schläft und so macht er sich aus Sorge um sein Kind auf den Weg ein Heilmittel zu finden.

Die Geschichte ist simpel - wie für ein Bilderbuch üblich - aber dennoch schön geschrieben und hat einige sehr schöne Wortschöpfungen parat.
Zu einem Highlight wird dieses Bilderbuch jedoch durch die wunderschönen Illustrationen. Manche sind märchenhaft, andere haben Wimmelbildcharakter und wieder andere strahlen eine kindgerechte Schaurigkeit aus. Die Bilder können gut und lange mit Kindern besprochen werden und die Kinder sprechen auch noch lange Zeit nach dem Lesen von dem Traumfresserchen.
Außerdem hat die Geschichte sogar einen ziemlich guten Placeboeffekt und viele Kinder schlafen tatsächlich besser durch dieses Buch (ich habe schon mit vielen Kindern zu tun gehabt).
Zuletzt gehört es auch zu den Büchern, die man selbst als Erwachsener gerne noch einmal durchblättert - aus Nostalgiegründen.

Fazit:
Das Traumfresserchen ist ein Buch mit Seele, dass man auch im Erwachsenenalter manchmal noch herauszieht, wie alte Fotos. Die Geschichte und die Illustrationen sind sehr lieb gemacht und ich lege allen Eltern und Erziehern das Buch sehr ans Herz.

Anmerkung:
Ursprünglich war das Traumfresserchen ein Singspiel, wobei bei diesem die Handlung ist, dass die Prinzessin das Traumfresserchen im Keller des Schlosses findet und es auf Grund seiner Hässlichkeit wegschickt, worauf die Königsfamilie nicht mehr gut schläft. Der König versucht es dann zurückzuholen.
Es gibt das Traumfresserchen auch als Hörspiel, in der Variante des Buches.

Veröffentlicht am 08.07.2019

Künstliche Intelligenz und Religion

Die Unvollkommenen
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"Die Unvollkommen" von Theresa Hannig, schließt an "Die Optimierer" an, spielt aber fünf Jahre später. Die Charaktere sind jedoch zu großen Teilen die selben. Ich denke, dass es schöner ist, wenn man beide ...

"Die Unvollkommen" von Theresa Hannig, schließt an "Die Optimierer" an, spielt aber fünf Jahre später. Die Charaktere sind jedoch zu großen Teilen die selben. Ich denke, dass es schöner ist, wenn man beide Teile und auch in der richtigen Reihenfolge liest. Auch wenn beide an sich in sich geschlossene Geschichten sind, so lässt sich damit die Entwicklung der Charaktere besser nachvollziehen und sie haben mehr Tiefe.

Inhaltlich geht es um Lila, die sich nach den Geschehnissen des ersten Bandes sich im "Internat" - einer Art goldener Käfig für Verbrecher - wiederfindet und erfahren muss, dass sie die letzten fünf Jahre in staatlich angeordneter Bewusstlosigkeit verbracht hat.
Ihre Widerstandsorganisation ist zerschlagen, sie eingesperrt und von Luxus überhäuft, damit sie doch bald vergessen möge, wer sie einmal war.
Doch so leicht lässt sie sich nicht unterkriegen und als sie in Eoin Köfler, einem Mitgefangenen, einen Verbündeten findet, wachsen neue Pläne...
Derweil wird Samson, eine KI, die alles mitbekommt, die Gefühle tausender Menschen beeinflussen kann und der Staatschef ist, als Gott verehrt. Die Szenen dazu erinnern an strengen Katholizismus. Von außen betrachtet, geht es allen super im Staat der Optimalwohlökonomie, in der jeder seinen Platz hat...

"Die Unvollkommenen" ist sehr viel philosophischer, als sein Vorgänger. Die Geschichte beschäftig sich mit der Frage was einen Gott ausmacht, wie weit der Mensch gehen sollte und was ihn überhaupt ausmacht. In gewisser Weise beschäftigt es sich auch damit, was das Leben lebenswert macht und was eigentlich ein freier Wille ist.

In dem Buch gibt es sehr viele Twists. Von überall kommt noch mal etwas Neues und als Leser kam ich mir irgendwann so vor, als hätten mehrere Parteien ein Lasso um Lila geworfen, um nun wie wild an ihr zu reißen. Zwischenzeitlich las sich das Buch ziemlich abgespaced und mir persönlich war einiges einfach zu überzogen.
Trotzdem kann man das Buch gut lesen. Es ist so flüssig geschrieben, dass ich die Leseabschnitte immer an einem Stück durchgelesen habe. Trotz der philosophischen Fragestellungen, war es für mich einfach eine leichte Unterhaltung für Zwischendurch.

Das offene Ende finde ich persönlich sehr passend, auch wenn ein Folgeband interessant wäre, da es ein fast vollkommen neues Setting wäre...