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Fever

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Veröffentlicht am 08.06.2021

Eine sympathische Ermittlerin in einem Heimatkrimi mit einigen Längen

Heidewut
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Wer Regionalkrimis mag, wird sicher hellhörig bei „Heidewut“ von Angela L. Forster, denn der Roman spielt in der idyllischen Lüneburger Heide, mitten im Naturschutzgebiet. Aber all die naturverbundene ...

Wer Regionalkrimis mag, wird sicher hellhörig bei „Heidewut“ von Angela L. Forster, denn der Roman spielt in der idyllischen Lüneburger Heide, mitten im Naturschutzgebiet. Aber all die naturverbundene ländliche Idylle schützt nicht vor Mord – und leider auch nicht vor einigen Längen und verwirrenden Verstrickungen.

Kommissarin Inka Brandt und ihr Team ermitteln in gleich mehreren Fällen, die Inka vom wohlverdienten Urlaub mit ihrer kleinen Tochter abhalten. Inkas Patenonkel, der Ratsvorsitzende von Schneverding, wird erschossen aufgefunden, kurz zuvor verschwindet die junge Heidekönigin spurlos. Ein Zusammenhang wird vermutet, und so hat das Ermittlerteam alle Hände voll zu tun. Als sich dann auch noch eine Verbindung zu den örtlichen Schweinebauern auftut, wird das Chaos perfekt.

All das belegt Inka allerdings nicht so mit Beschlag, dass ihr Privatleben nicht auch ausführlich thematisiert werden könnte. Ihr Ex bereitet ihr Schwierigkeiten, ihre Lebenssituation auf dem Hof ihrer Schwester ist nicht ideal, und ihre neue Flamme Sebastian macht die Lage mit seiner traumatischen Vergangenheit und seinen Privatermittlungen noch komplizierter. Kurzum: Es passieren zu viele Dinge gleichzeitig, sodass der Lesefluss ein wenig holprig ist. Dazu kommen ausführliche Naturbeschreibungen, lange, sich teils wiederholende Verhöre und regelmäßige Updates darüber, was gerade gegessen wird.

All das trägt durchaus dazu bei, die Heidelandschaft und ihre Bewohner*innen vor unseren Augen etwas aufblühen zu lassen, zieht sich mitunter aber auch in die Länge. Der Fall ist durchaus spannend, wird aber an einem bestimmten Punkt recht vorhersehbar, sodass die Lektüre insgesamt ein wenig zäh ist. Aufgrund des ausgeprägten Lokalkolorits und einiger spannender Ideen trotzdem ein Roman, den es sich zu lesen lohnt, wenn man ein wenig Geduld und Gemütlichkeit mitbringt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.06.2021

Ein humorvoller Krimi mit echtem Pfälzer Charme – und einer Prise Phantastik

Rieslingmord
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Wer das kleine Pfälzer Dorf Elwenfels sucht, wird wohl vergeblich auf die Karte starren – denn (nicht unähnlich einem gewissen Dorf von unbeugsamen Galliern) ist dieser idyllische Ort und Schauplatz von ...

Wer das kleine Pfälzer Dorf Elwenfels sucht, wird wohl vergeblich auf die Karte starren – denn (nicht unähnlich einem gewissen Dorf von unbeugsamen Galliern) ist dieser idyllische Ort und Schauplatz von „Rieslingmord“ der Phantasie des Autorenpaars Britta und Christian Habekost entsprungen. Aber auch in der Idylle passieren Verbrechen – und das bereits zum dritten Mal, denn es handelt sich um den dritten Band der Reihe um den Hamburger Ermittler Carlos und die schräg-sympathischen Bewohner des kleinen Dorfs, das sie mit Geistern und Elwetritschen teilen.

Als Carlos vor ein paar zwielichtigen Gestalten aus Hamburg fliehen muss, versteckt er sich in Elwenfels. Jedoch ist er nicht der einzige unerwartete Besucher im Ort, denn eine Gruppe von Yoga-Enthusiastinnen auf Selbstfindungstrip, frisch aus Indien angereist, hat das Dorf ebenfalls zu ihrer neuen Wirkungsstätte erklärt. Als einer von ihnen jedoch unter mysteriösen Umständen zu Schaden kommt, ist Carlos’ Schnüfflernase gefragt … denn nicht alles ist so ideal und harmonisch, wie es scheint.

Mit viel Witz, schrägen, jedoch warmherzigen Charakteren und einer großen Portion Lokalkolorit erwecken Britta und Christian Habekost das kleine Dörfchen Elwenfels zum Leben. Dass dort auch einmal ein Geist auftaucht und manche Probleme sich mit Zauberwein lösen lassen (und natürlich alle Probleme mit Rieslingschorle!), macht das ganz besondere Flair dieses Romans aus. Denn der magische Realismus beißt sich so gar nicht mit dem leicht gemütlichen, manchmal schroffen, aber immer warmherzigen Charme der Einheimischen. Dass nebenbei noch ein Verbrechen aufgeklärt werden muss, trübt die Stimmung kaum, sorgt aber für das nötige Maß an Spannung und so manchen Lacher.

Elwenfels ist (trotz dem ein oder anderen Mord) ein Sehnsuchtsort und wird die, die noch keine Liebhaber
innen der Pfalz sind, dazu machen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.06.2021

Neues aus Elwenfels – diesmal im Untergrund

Weingartengrab
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Wer Elwenfels bereits aus den drei Vorgängerbänden kennt, wird schon eine Ahnung haben, wie viel Pfälzer Charme, ironischer Witz und phantastische Elemente ihn in diesem fiktiven Pfälzer Örtchen erwarten. ...

Wer Elwenfels bereits aus den drei Vorgängerbänden kennt, wird schon eine Ahnung haben, wie viel Pfälzer Charme, ironischer Witz und phantastische Elemente ihn in diesem fiktiven Pfälzer Örtchen erwarten. Wem das noch fremd ist, dem sei „Weingartengrab“ und die gesamte Elwenfels-Reihe von Britta und Christian Habekost wärmstens empfohlen.

In „Weingartengrab“ geht es im lauschigen Elwenfels plötzlich hoch her, denn in bisher verborgenen Katakomben unter dem Dorf wurde eine Leiche entdeckt, gemeinsam mit einem fast 100 Jahre alten mysteriösen Tagebuch. Archäologen (oder eher: Arschologen, wie der Volksmund sagt?), Polizei, Presse und Hobby-Ausgräber machen das sonst so beschauliche Dörfchen zum Rummelplatz, und die Elwenfelser sehen ihren Status als autonome Enklave und ihre ganz eigenen Geheimnisse gefährdet.

Mit Pfälzer Dialekt, rustikalem Charme und viel Humor ermitteln sich Carlos, der ortsansässige Detektiv und Ex-Polizist, die zupackende Cordula, die eigentlich einen Unterwäsche-Laden führt, und die anderen ElwenfelserInnen durch die Geschichte des Ortes und einen (oder mehrere?) mysteriöse Todesfälle. Dass sie sich dabei noch eines raffgierigen Archäologen erwehren müssen, erschwert das Unterfangen, aber die Dorfgemeinschaft hält zusammen und hat eine Menge Tricks im Ärmel.

Elwenfels ist ein Ort voller grundsympathischer, bodenständiger Menschen, die man gerne alle einmal in den Arm nehmen würde. Mit viel Lokalkolorit und Humor, aber auch einer ordentlichen Portion Spannung erwecken Britta und Christian Habekost das Dorf zum Leben, sodass man sich beim Lesen sofort zu Hause fühlt – angekommen in Elwenfels. Absolute Wohlfühl-Lektüre, von der ich gar nicht genug bekommen kann!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.06.2021

Ein herrlich schräger Alien-Thriller, der vor trockenem Humor nur so strotzt

Fressfeind
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Ein Buch wie „Fressfeind“ von Mikael Lund kann man nicht mehr aus der Hand legen, wenn man einmal mit dem Lesen angefangen hat. Daher die Empfehlung: Nicht spät am Abend mit dem Lesen anfangen, sonst wird ...

Ein Buch wie „Fressfeind“ von Mikael Lund kann man nicht mehr aus der Hand legen, wenn man einmal mit dem Lesen angefangen hat. Daher die Empfehlung: Nicht spät am Abend mit dem Lesen anfangen, sonst wird es eine kurze Nacht!

Dieser urkomische Roman begleitet eine Truppe glückloser Alien-Jäger und einen desillusionierten Polizeikommissar dabei, wie sie einer Reihe merkwürdiger Ereignisse auf die Spur zu kommen versuchen: Neben einer Reihe toter Tiere im Zoo und einem überfallenen Butterlaster hat es auch den Freund der etwas ruppigen Jacky erwischt, die nähere Auskunft geben kann – ein schuppiges Alien war es, und es scheint auf Fett aus zu sein!

Die bunt zusammengewürfelte Truppe begibt sich schnurstracks in die Ermittlungen – dabei kommen ihnen ihre jeweiligen Spezialfähigkeiten zugute, die bloß der Rest der Welt nicht so recht anerkennen kann. Mit einer guten Portion Galgenhumor und sarkastischen Wortgefechten improvisieren sie sich durch den Fall und stolpern von einer Absurdität in die nächste.

Mikael Lund ist hier ein WIRKLICH originelles, unfassbar witziges und nonstop spannendes Alien-Abenteuer gelungen. Wer „District 9“ mochte, wird „Fressfeind“ lieben!

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Veröffentlicht am 08.06.2021

Humorvoll, scharfzüngig und unterhaltsam – und oft aus dem Leben gegriffen

Nachrichten von Männern
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„Nachrichten von Männern“ liefert, was man sich von den Autorinnen Katja Berlin und Anika Decker erwartet hat: gute Unterhaltung mit viel Selbstironie, ein scharfer Blick auf die Dinge und viele Momente ...

„Nachrichten von Männern“ liefert, was man sich von den Autorinnen Katja Berlin und Anika Decker erwartet hat: gute Unterhaltung mit viel Selbstironie, ein scharfer Blick auf die Dinge und viele Momente des bestätigenden schmunzelnden Nickens.

Das Buch stellt 37 verschiedene „Männertypen“ vor, die aus über Jahre hinweg gesammelten Textnachrichten hervorgehen, darunter etwa „Der Einsilbige“, „Der Autoverkäufer“ oder „Die Massenkarambolage“. In kurzen, knackigen Kapiteln werfen die Autorinnen einen humorvoll-analytischen Blick auf (anonymisierte) Nachrichten, die so tatsächlich an sie oder Frauen in ihrem Umfeld versendet wurden. Da muss frau schon manchmal ungläubig lachen, findet aber erschreckend vieles auch in ihrer eigenen Chat-Biographie wieder.

Der Schreibstil dieses kurzen Büchleins ist flott, locker und stets mit einem Augenzwinkern versehen. Ab und zu blitzen für meinen Geschmack ein paar Klischees zu viel durch (sowohl auf männlicher als auch auf weiblicher Seite), insgesamt ist „Nachrichten von Männern“ jedoch ein großer Lesespaß. Zugegeben: Sehr viel lernen kann man daraus nicht, sich aber prächtig darüber amüsieren. Der Humor steht eindeutig im Vordergrund, sodass Kritik oder auch echte Hinweise, wie frau mit manchem Männertyp umgehen könnte, wenig vertreten sind.

„Nachrichten von Männern“ ist für mich eine ideale Lektüre für zwischendurch, mit viel Unterhaltungspotenzial, aber etwas weniger Anspruch als erwartet. Insgesamt trotzdem ein tolles Buch und zwei starke Frauenstimmen, von denen ich gerne immer mehr lesen möchte!

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere