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Veröffentlicht am 10.02.2026

Einschlafen zwischen Dinos, Durst und Gedanken

Familienreihe 1: Ich bin noch gar nicht müde!
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„Ich bin noch gar nicht müde!“ – ein Satz, den wohl die meisten Eltern nur zu gut kennen. Genau hier setzt dieses Buch an. Ich es gelesen und finde vor allem eines: Es ist nicht nur ein Bilderbuch, sondern ...

„Ich bin noch gar nicht müde!“ – ein Satz, den wohl die meisten Eltern nur zu gut kennen. Genau hier setzt dieses Buch an. Ich es gelesen und finde vor allem eines: Es ist nicht nur ein Bilderbuch, sondern auch ein richtig guter, alltagstauglicher Ratgeber für Eltern.

Eigentlich ist das Buch als gemeinsame Bilderbuchgeschichte angelegt. Wir begleiten Mika, der wie viele Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren abends mitten im Spiel steckt, wenn plötzlich Schlafenszeit ist. Routinen werden unterbrochen, der Kopf ist noch voll mit Ideen, plötzlich gibt es Durst, Toilettengänge, Schatten an der Wand, Monster im Zimmer oder den Wunsch nach der liebsten Bezugsperson. Und manchmal ist das Kind schlicht schon übermüdet. All diese typischen Einschlafprobleme werden sehr kindgerecht, in einfacher Sprache und mit viel Verständnis als Geschichte erzählt. Perfekt zum abendlichen Vorlesen.

Besonders gut gefallen haben mir die kleinen lilafarbenen Sprechblasen auf jeder Seite. Sie laden dazu ein, mit dem Kind ins Gespräch zu kommen. Fragen wie: Was machen Mama und Papa abends unterschiedlich? Was brauchst du, um gemütlich einzuschlafen? Hast du manchmal viele Gedanken im Kopf? Gibt es Schatten, die dir gruselig vorkommen? Oder magst du es, wenn jemand deine Hand hält? Diese Impulse sind wirklich schön und machen das Buch interaktiv, ohne Druck aufzubauen.
Für Eltern gibt es zusätzlich kleine Infokästen mit Hintergrundwissen und konkreten Anregungen. Warum Kinder sich abends so schwer umstellen können, wie sanfte Übergänge helfen oder warum klare Rituale Sicherheit geben. Das ist verständlich erklärt, nicht belehrend und sehr praxisnah. Man merkt schnell, was man vielleicht schon richtig macht, bekommt aber auch neue Ideen, wie man bestimmte Situationen entspannter gestalten kann.

Jetzt kommt mein kleines Aber. Nicht jedes Kind hat dieselben Einschlafprobleme. Beim Lesen dachte ich öfter: Das machen wir schon so oder Das Thema haben wir gar nicht. Für jüngere Kinder kann die Geschichte außerdem recht lang sein. Deshalb würde ich empfehlen, das Buch als Elternteil einmal alleine durchzulesen und dann gezielt die Seiten auszuwählen, die zur eigenen Situation passen. Das funktioniert problemlos, weil sich einzelne Themen gut überspringen lassen.

Die Illustrationen sind total süß, der Schreibstil ist sehr kindgerecht und die Elternfiguren werden liebevoll, geduldig und bedürfnisorientiert dargestellt. Kein Schimpfen, kein Druck, sondern echtes Ernstnehmen der kindlichen Gefühle. Auch die Vielfalt in den Illustrationen, zum Beispiel beim Vater, hat mir gut gefallen.

Unterm Strich ist "Ich bin noch gar nicht müde!" für mich ein situationsabhängiges Bilder- und Ratgeberbuch, das genau das hält, was der Untertitel verspricht. Es unterstützt Kinder beim Einschlafen und gibt Eltern das beruhigende Gefühl, nicht allein zu sein. Dafür gibt es von mir ganz klar fünf Sterne

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Die Zwillingsloks sind unterwegs

Henri-Jette-Sausebahn
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Henri-Jette-Sausebahn ist ein Bilderbuch in Reimform für kleine Kinder und dreht sich um die Enkelkinder von Henriette: Henry und Jette. Zwei kleine Loks, die immer zusammen unterwegs sind. Henry vorne, ...

Henri-Jette-Sausebahn ist ein Bilderbuch in Reimform für kleine Kinder und dreht sich um die Enkelkinder von Henriette: Henry und Jette. Zwei kleine Loks, die immer zusammen unterwegs sind. Henry vorne, dann drei Waggons, Jette hinten. Einer zieht vorwärts, der andere lässt sich rollen und fährt rückwärts. Und wenn einer mal nicht mehr kann, übernimmt einfach der andere. Diese Idee als Zwillingspaar finde ich wirklich total süß und sehr gelungen.

Wie schon beim Vorbild tingeln Henry und Jette mit ihren Waggons durch die Gegend, sammeln Kinder und andere Passagiere ein und sind ständig in Bewegung. Gleichzeitig ist die Geschichte klar in der heutigen Zeit angekommen: Väter schnarchen, Kinder schnattern, Mütter murren, ein Handy piept, Signale und Ampeln gehören selbstverständlich dazu. Auch die Illustrationen sind deutlich moderner, ohne den Bezug zum Original zu verlieren. Die Bilder haben mir richtig gut gefallen.

Die Geschichte selbst plätschert eher ruhig vor sich hin. Es gibt keine großen Highlights oder Spannungsbögen, sondern ein gleichmäßiges, sanftes Unterwegssein. Genau deshalb eignet sich das Buch meiner Meinung nach sehr gut als unaufgeregtes Gutenachtbuch für ganz kleine Kinder.

An den Charme von Band 1 kommt es für mich persönlich allerdings nicht ganz heran. Ich vermute, das liegt vor allem an den Reimen. Einige wirken leider etwas konstruiert und gehen stellenweise auf Kosten von Logik und Sprachfluss. Beim Vorlesen stolpert man das ein oder andere Mal darüber.

Trotzdem bleibt unterm Strich ein schönes, liebevoll gestaltetes Bilderbuch mit tollen Illustrationen und einer ruhigen Geschichte für die Kleinsten. Für mich ein solides Vier-Sterne-Buch, auch wenn der Kultstatus des Originals für mich unerreicht bleibt.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Sehr berührend

Mats und Mathilde 3. Ein Freund wie ein Zuhause
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Manche Bücher klappt man zu und bleibt erst einmal still sitzen. Ein Freund wie ein Zuhause ist genau so ein Buch. Man weiß, dass die Geschichte zu Ende ist, aber im Kopf und im Herzen geht sie noch weiter.
Das ...

Manche Bücher klappt man zu und bleibt erst einmal still sitzen. Ein Freund wie ein Zuhause ist genau so ein Buch. Man weiß, dass die Geschichte zu Ende ist, aber im Kopf und im Herzen geht sie noch weiter.
Das Finale von Mats und Mathilde ist fantasievoll, warm und gleichzeitig erstaunlich tiefgründig. Die Reise führt durch wundersame Welten voller Wortwitz und kreativer Ideen, doch diesmal steht nicht nur das Abenteuer im Mittelpunkt. Es geht um Verlust, Vergänglichkeit, Familie und darum, was Heimat eigentlich bedeutet. All diese großen Themen werden behutsam und kindgerecht erzählt, ohne ihnen die emotionale Kraft zu nehmen.
Im Zentrum steht die Freundschaft zwischen Mats und Mathilde. Sie ist ehrlich, tröstlich und voller Vertrauen. Mathildes ruhige Art und Mats Mut, der über die Jahre gewachsen ist, machen ihre Verbindung besonders stark. Das Ende ist emotional und hat mich sehr bewegt. Es tut ein bisschen weh und fühlt sich gleichzeitig richtig an.
Die Illustrationen von Anne Hofmann tragen die Geschichte wunderbar. Sie sind stimmungsvoll, detailreich und laden dazu ein, jede Seite länger zu betrachten. Gerade beim Vorlesen merkt man, wie sehr Text und Bild hier miteinander verschmelzen.
Dieses Buch ist weit mehr als ein Kinderbuch. Es ist eine Geschichte über Abschied und Neubeginn, über Freundschaft und darüber, dass ein Zuhause manchmal kein Ort ist, sondern ein Gefühl. Ein leises, mutiges und wunderschönes Finale, das lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Ein schönes Buch für die Adventszeit

Der Wunschzetteldieb
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Der Wunschzetteldieb ist ein richtig schönes Vorlesebuch für die Adventszeit. Die Geschichte ist in 24 kurze Kapitel aufgeteilt. Perfekt, um jeden Abend ein kleines Stück Weihnachtszauber zu lesen, ohne ...

Der Wunschzetteldieb ist ein richtig schönes Vorlesebuch für die Adventszeit. Die Geschichte ist in 24 kurze Kapitel aufgeteilt. Perfekt, um jeden Abend ein kleines Stück Weihnachtszauber zu lesen, ohne dass es zu lang wird.

Wir begleiten die Zwillinge Anni und Tim, die gerade mitten in der Vorweihnachtszeit stecken und es dieses Jahr nicht so recht schaffen, ihre Wunschzettel zu schreiben. Als es dann endlich soweit ist, verschwinden die Zettel plötzlich; geklaut von einer geheimnisvollen Gestalt mit kleinen roten Handschuhen. Von da an entwickelt sich eine Art Mini-Detektivgeschichte, in der die beiden versuchen herauszufinden, wer dahintersteckt und warum die Wunschzettel ausgerechnet aus ihrem Ort verschwunden sind.

Mir hat besonders gut gefallen, wie kindgerecht und leicht die Geschichte erzählt ist. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm vorzulesen, und die Länge der Kapitel ist genau richtig... so bleibt die Aufmerksamkeit auch bei jüngeren Zuhörer:innen gut erhalten. Immer wieder tauchen kleine farbige Wörter oder hervorgehobene Ausdrücke im Text auf, was dem ganzen Buch optisch richtig gut tut und zwischendurch kleine Highlights setzt.

Die Illustrationen sind sparsam, aber passend eingesetzt: kleine bunte Bilder, die die Handlung auflockern, ohne das Buch zu überladen. Für die Altersgruppe ab etwa 6–8 Jahren finde ich das sehr stimmig, zumal Anni und Tim ja selbst in der dritten Klasse sind. Für Erst- und Zweitklässler zum Vorlesen passt es ebenfalls super.

Inhaltlich ist die Geschichte eine schöne Mischung aus Spannung, Humor und Weihnachtsmagie. Die Idee rund um den Wunschzetteldieb ist kindgerecht umgesetzt und bietet genau die richtige Menge „Abenteuer“, ohne zu aufregend zu werden. Besonders schön: Der Weihnachtsmann wird nicht infrage gestellt; das ist bei Weihnachtsgeschichten für dieses Alter immer ein wichtiger Punkt.

Insgesamt war es für mich eine locker-leichte, warmherzige Adventsgeschichte, die sich gut weglesen lässt und gleichzeitig genug kleine Überraschungen bereithält, damit jeden Tag ein bisschen Vorfreude entsteht. Ein rundum gelungenes Buch für gemütliche Dezemberabende.

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Veröffentlicht am 04.12.2025

Sherlock für Kids

Manhwa für Kids: Sherlock Holmes (Band 1) - Eine Studie in Scharlachrot
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„Manhwa für Kids: Sherlock Holmes“ hat mich wirklich positiv überrascht. Ich kannte die originalen Sherlock-Holmes-Fälle vorher gar nicht, deshalb war das für meinen Sohn und mich eine komplett neue Erfahrung. ...

„Manhwa für Kids: Sherlock Holmes“ hat mich wirklich positiv überrascht. Ich kannte die originalen Sherlock-Holmes-Fälle vorher gar nicht, deshalb war das für meinen Sohn und mich eine komplett neue Erfahrung. Umso cooler fand ich, dass die drei Fälle offenbar wirklich auf den Originalgeschichten von Arthur Conan Doyle basieren und hier kindgerecht im Manhwa-Stil erzählt werden. So führt das Buch Kinder auf eine leichte und grafisch ansprechende Art an klassische Literatur heran.

Der Zeichenstil ist dabei für mich ein echtes Highlight. Alles ist bunt, überzogen, dynamisch und manchmal herrlich dramatisch; typisch Manhwa eben. Dadurch wirken selbst die makaberen Elemente der Fälle deutlich weniger düster. Und ja, solche Elemente gibt es: Leichen, eine Schlange, ein sehr fragwürdiger Hundetest und sogar ein wirklich böses Elternteil. Das gehört nun mal zu Sherlock Holmes dazu, aber durch die Comicoptik bleibt es gut aushaltbar. Mein Sohn hat sich beim gemeinsamen Lesen jedenfalls an keiner Stelle gefürchtet.

Die Rätsel zwischendurch fand ich richtig schön, weil sie die Kinder aktiv ins Mitdenken holen. Für meinen Sohn hätten es gern noch ein paar mehr sein dürfen... hier steckt noch Potenzial. Trotzdem bringen sie eine tolle Abwechslung rein, genau wie der kleine Forensik-Teil am Schluss, der noch ein bisschen echtes Detektivwissen vermittelt.

Insgesamt ist das Buch ein richtig guter Einstieg in die Welt von Sherlock Holmes. Spannende Fälle, cooler Stil, kleine Mitmachanteile und eine Mischung aus Classic und Comic, die erstaunlich gut funktioniert. Uns beiden hat das Lesen viel Spaß gemacht.

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