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Veröffentlicht am 07.09.2022

Ein Roman über eine selbstbewusste Frau, der nicht so richtig abhebt

Die Wolkenstürmerin
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„Die Wolkenstürmerin“ von Birgit Zimmermann ist hauptsächlich ein kurzweiliger und eingängig geschriebener seichter Liebesroman, der verpackt als historischer Roman über eine selbstbewusste Frau, die sich ...

„Die Wolkenstürmerin“ von Birgit Zimmermann ist hauptsächlich ein kurzweiliger und eingängig geschriebener seichter Liebesroman, der verpackt als historischer Roman über eine selbstbewusste Frau, die sich als Pilotin beweisen will, zu einer Zeit, als Frauen nur als Hausfrau gesehen wurden, daherkommt.

Marlene Lilienthal ist Pilotin aus Leidenschaft und verbringt gerne Zeit im Cockpit ihrer Vega Gull. Ihre Begeisterung für das Fliegen wurde ihr schon in die Wiege gelegt, baut ihre Familie seit Generationen Flugzeuge. Doch für das Unternehmen ihrer verstorbenen Eltern sieht es wirtschaftlich nicht gut aus. Um das Unternehmen zu retten, schlägt Marlene ihrem Onkel und Vetter vor, ein Flugtaxiunternehmen zu gründen, gegen das vor allem ihr Vetter Vorbehalte hat. Wären das nicht schon genug Probleme und Sorgen für Marlene, trifft sie bei einem Aufenthalt an der Ostsee in dem elterlichen Ferienhaus auf einen mysteriösen Mann beim Schwimmen, zu dem sie sich gleich hingezogen fühlt. Doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern …

Wie schon gesagt, wer sich einen Roman über eine selbstbewusste Frau, die sich Ende der 50er-Jahre in der von Männern geprägten Flugzeugbranche durchsetzt, erhofft, wird nur zum Teil glücklich mit dem Roman. Zwar werden die Hürden und Intrigen, die Marlene auf ihren Weg zum Flugtaxiunternehmen überwinden muss, aufgezeigt, doch steht dabei eher die Leidenschaft Marlenes für Fliegen im Vordergrund und aufkommende Herausforderungen und Konflikte werden schnell und ohne größere Probleme gelöst. Die Handlung wirkt hier zum Teil etwas oberflächlich und vorhersehbar.
Auch der Handlungsteil, der die Liebesgeschichte behandelt, fehlt die nötige Tiefe trotz der eingebauten Ost-West-Thematik. Entscheidet Marlene in Bezug auf das Unternehmen eher rational, lässt sie sich in Bezug auf ihr Liebesleben hier sehr von ihren Gefühlen leiten, was nicht weiter schlimm wäre, wenn die Liebesgeschichte im Verlauf des Buches nicht immer mehr Raum einnehmen und unnötig dramatisiert werden würde.

Insgesamt lässt „Die Wolkenstürmerin“ mich etwas enttäuscht zurück, hatte ich mir doch einen historischen Roman mit mehr Tiefe und weniger Liebesgeschichte erhofft.

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Veröffentlicht am 25.08.2022

Skurrile und nachdenklich machende Geschichte über Trauer

Schlangen im Garten
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Trauer ist ein äußerst individuelles Gefühl, jeder geht anders damit um und jeder braucht unterschiedlich lange für den Trauerprozess und den erlittenen Verlust anzunehmen. Was dem einen hilft, ist für ...

Trauer ist ein äußerst individuelles Gefühl, jeder geht anders damit um und jeder braucht unterschiedlich lange für den Trauerprozess und den erlittenen Verlust anzunehmen. Was dem einen hilft, ist für jemand anderes keine Hilfe. Auch innerhalb einer Familie äußert sich Trauer bei jedem anders und ein jeder geht anders damit um.

So auch bei Familie Mohn, die im Roman „Schlangen im Garten“ von Stefanie vor Schulte um die tote Mutter Johanne trauert. Der Vater Adam und die drei Kinder Micha, Steve und Sinne versuchen alle auf ihre eigene Art und Weise mit dem Verlust der geliebten Mutter klarzukommen. Doch wie sie das Machen entspricht nicht der Vorstellung ihres Umfelds, so schaltet sich sogar das Traueramt ein und wirft der Familie Mohn Verschleppung der Trauerarbeit vor.
Das Vorhandensein eines Traueramts deutet schon an, dass die Geschichte nicht in der uns bekannten realen Welt erzählt wird. Als Leser*in taucht man in eine surreale, teils schräge und märchenhafte Welt ein, in der man die einzelnen Familienmitglieder bei ihrer individuellen Trauerbewältigung begleitet, wobei sie sich nicht an die Normen und Regeln der Gesellschaft halten. Passend zu dieser surrealen Welt ist die Sprache voller Metaphern und Poesie, was jedoch auch manchmal etwas zu viel des Guten ist und den Lesefluss behindert.

Es ist definitiv kein Roman für zwischendurch, man muss sich auf den klaren Schreibstil voller Metaphern einlassen und das skurrile und fantasievolle Setting auch mehr als Versinnbildlichung der Gefühle ansehen, um an „Schlangen im Garten“ richtig Freude daran zu haben. Doch es lohnt sich, den man wird mit einer ausdrucksstarken Geschichte, die Trauer in einem anderen Licht zeigt, belohnt, die trotz des eher traurigen Themas voller Wärme und Herz ist.

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Veröffentlicht am 14.08.2022

Lisa Fittko - Porträt einer Frau im Widerstand

Die Wagemutige
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In dem eingängig geschriebenen und flüssig zu lesenden historischen Roman „Die Wagemutige“ von Caroline Bernard wird die Widerstandskämpferin Lisa Fittko porträtiert. Näher beleuchtet wird Lisas Internierung ...

In dem eingängig geschriebenen und flüssig zu lesenden historischen Roman „Die Wagemutige“ von Caroline Bernard wird die Widerstandskämpferin Lisa Fittko porträtiert. Näher beleuchtet wird Lisas Internierung im Lager Gurs, ihre Flucht aus diesem und ihre Zeit danach als Fluchthelferin in den Pyrenäen. Die Handlung fokussiert sich hierbei auf die Zeit von 1940-41 und verbindet eben genannte historische Ereignisse mit der fiktiven Liebesgeschichte zwischen Lisa und Louis, einem amerikanischen Journalisten. Mithilfe der Liebesgeschichte wird anstatt Lisa als Widerstandskämpferin, Lisa als Frau mit ihren eigenen Gefühlen, Bedürfnissen, Sehnsüchten und Ängsten in den Vordergrund gerückt.

Die Autorin schafft es auf fast 400 Seiten ein authentisches und bewegendes Porträt von Lisa Fittko zu zeichnen, sowohl als mutige Widerstandskämpferin als auch das einer Frau, die zweifelt, die ein normales Leben führen will und die einfach nur als Lisa geliebt werden will. Trotz der dunklen Zeit und den schwierigen Umständen, unter denen sie lebte, ist der Roman keine gänzlich bedrückende Lektüre, spürt man beim Lesen doch mit jeder vollbrachten kleinen und großen Widerstandsaktion gegen das Nazi-Regime etwas Hoffnung und teils auch Freude in Lisa aufkommen.

Empfehlenswert für Fans von historischen Romanen mit starken Frauen im Mittelpunkt und für all diejenigen, die mehr über Lisa Fittko, eine mutige und faszinierende Widerstandskämpferin erfahren wollen.

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Veröffentlicht am 08.08.2022

Gelungenes Porträt der Liebe zwischen Bachmann und Frisch

Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe
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„Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe“ von Bettina Storks ist Teil der Reihen „Berühmte Paare – Große Geschichten“ des atb-Verlags und erzählt sprachlich wunderschön die besondere Liebesbeziehung ...

„Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe“ von Bettina Storks ist Teil der Reihen „Berühmte Paare – Große Geschichten“ des atb-Verlags und erzählt sprachlich wunderschön die besondere Liebesbeziehung zwischen Bachmann und Frisch, die von 1958 bis 1964 dauerte. Beide lernen sich 1958 in Paris kennen. Für Frisch war es Liebe auf den ersten Blick, Bachmann hingegen spürte zunächst eine gewisse Faszination und Anziehung ihm gegenüber. Schnell kommen sich beide näher.

Abwechselnd aus Sicht von Bachmann und Frisch und gespickt mit Zitaten wird dieses (Ver)Lieben, das gemeinsame Leben als Liebespaar und ihr Auseinanderleben sehr einfühlsam beschrieben. Die Liebe zwischen beiden war voller Höhen und Tiefen und geprägt von Bachmanns Drang nach Freiheit und von Frischs Eifersucht, besonders auf Paul Celan, Bachmanns Ex-Geliebten. Zwar heißt es Gegensätze ziehen sich an, aber auf Dauer können sie auch zermürbend für die Liebesbeziehung sein, da mag die Liebe auch noch so groß und intensiv sein, wie sie will und genau das ist mit der von Bachmann und Frisch passiert. Ihre unterschiedlichen Lebenseinstellungen und Arbeitsweisen wurden immer mehr zum Hindernis für ihre Liebe, sodass es dann 1964 zur Trennung kam.

Auf über 400 Seiten schafft es die Autorin hierbei, ein poetisches, intimes und fiktional authentisches Porträt der intensiven Liebe zwischen den beiden zu zeichnen. Fesselnd von Anfang bis zum Ende lernt man Bachmann und Frisch als Person und als Schriftsteller kennen. Lesenswert nicht nur für Literaturbegeisterte.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Eine Geschichte, so zart und sinnlich wie Schokolade

Drei Tage im August
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Wir schreiben das Jahr 1936. Es ist der 5. August und in Berlin finden die Olympischen Spiele statt. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Chocolaterie Sawade und die Personen, die auf irgendeine Art und ...

Wir schreiben das Jahr 1936. Es ist der 5. August und in Berlin finden die Olympischen Spiele statt. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Chocolaterie Sawade und die Personen, die auf irgendeine Art und Weise mit dieser verbunden sind, insbesondere Elfie, die dort arbeitet und auf der das Hauptaugenmerk in der Erzählung gelegt wird. Elfie, die schwermütig ist und von Zweifeln und Ängsten geplagt wird, erfährt von Madame Conte, was eine verbotene Liebe mit einer besonderen Praline der Chocolaterie Sawade zutun hat. Sie selbst kommt dem Nachtklubbesitzer El-Hammady näher und muss sich entscheiden, ob sie ihrer Sehnsucht folgt. Dann ist da noch Trude, die mit Elfie in der Chocolaterie arbeitet und Franz Marcus, der benachbarte jüdische Buchhändler. Auch diese beiden kommen sich näher, doch scheint es um ihr Liebesglück nicht gut bestellt zu sein, macht sich doch Franz als Jude Sorgen um seine Zukunft in Nazideutschland. Überall dem liegt eine Vorahnung der dunklen und schrecklichen Zeiten, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten in der Zeit danach kommen wird. Die Linden der Straße „Unter den Linden“, in der sich die Chocolaterie befindet, können davon berichten. Doch trotz der bedrohlichen und düsteren Stimmung, die im Hintergrund mitschwingt, können sich Elfie und Co. ihre Menschlichkeit bewahren.

Als Leser*in folgt man diesen und anderen Personen drei Tage lang und wird Zeuge ihrer Leben, Gedanken und Gefühle. Die Handlung steuert dabei auf keinen richtigen Spannungshöhepunkt zu, wodurch sie jedoch nichts an ihrer Faszination verliert. Gerne folgt man Elfie und all den anderen Charakteren. Die Stärke des Romans „Drei Tage im August“ von Anne Stern liegt in seiner wunderschönen und poetisch angehauchten Sprache, die zusammen mit den außergewöhnlichen und gut gezeichneten Charakteren die Geschichte lesenswert macht. Am besten zu genießen mit einem Stück Lieblingsschokolade bzw. -praline.

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