Profilbild von Fornika

Fornika

Lesejury Star
offline

Fornika ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Fornika über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.12.2018

Spannender zweiter Band

Redemption Point
0

Doppelmord in Crimson Lake! Eigentlich ist das verschlafene australische Nest kein typischer Schauplatz für solch grausige Taten, und so ist die Polizei ganz froh, dass sich die Detektivin Amanda Pharell ...

Doppelmord in Crimson Lake! Eigentlich ist das verschlafene australische Nest kein typischer Schauplatz für solch grausige Taten, und so ist die Polizei ganz froh, dass sich die Detektivin Amanda Pharell und ihr Partner Ted Conkaffey in die Ermittlungen einklinken. Doch Letzterer wird bald darauf abgelenkt, denn seine Vergangenheit droht ihn einzuholen.

„Redemption Point“ ist bereits der zweite Band mit dem eigenwilligen Ermittlerduo und konnte bei mir wieder punkten. Ted und Amanda sind sehr unterschiedlich, ergänzen sich aber perfekt. Wo der eine zu sehr grübelt, ist die andere oft sehr impulsiv usw. Diesen Gegensatz mag ich sehr gerne, immer wieder kommt auch so neuer Schwung in die Handlung. Die ist aber ansonsten mitnichten langweilig, denn der Doppelmord und auch die neuen Entwicklung in Teds Fall (er wurde fälschlicherweise der Vergewaltigung angeklagt) sorgen dafür, dass man förmlich an den Seiten klebt. Dazu trägt natürlich auch die lockere Schreibweise bei, denn die Geschichte liest sich sehr flüssig. Etwas mehr Tiefgang, gerade im Hinblick auf Teds Vergangenheit wäre schön gewesen, ist jetzt aber kein großes Manko. Insgesamt hat mich „Redemption Point“ sehr gut unterhalten, und ich bin schon gespannt was die zwei als Nächstes erleben werden.

Veröffentlicht am 24.11.2018

Der Blumensammler

Der Blumensammler
0

Mit einem Liebesbrief fängt alles an. Peter findet ihn in einem verstaubten Bibliotheksbuch, und ihm scheint die kurze Liste mit sechs außergewöhnlichen Blumen nicht mehr aus dem Kopf zu gehen. Obwohl ...

Mit einem Liebesbrief fängt alles an. Peter findet ihn in einem verstaubten Bibliotheksbuch, und ihm scheint die kurze Liste mit sechs außergewöhnlichen Blumen nicht mehr aus dem Kopf zu gehen. Obwohl er eigentlich sonst weder ein spontaner noch ein reisefreudiger Mensch ist, befindet er sich plötzlich auf einer Reise um die Welt auf der Spur dieser seltenen Pflanzen.

David Whitehouse hat mich schon mit seiner Reise in einem gestohlenen Bibliotheksbus überzeugt, dass er wunderbare und etwas schrullige Geschichten kann. Auch der Blumensammler passt in diese Kategorie. Ich mochte den etwas langweiligen Peter auf Anhieb, denn er hat ein gutes Herz und den Mut sein Leben auch mal anders anzupacken. Seine irrwitzige Reise hat viel Spaß gemacht, nebenbei hat man einiges über Blumen gelernt und wird ganz wunderbar unterhalten. Der zweite Handlungsstrang rund um Dove, der ca. 30 Jahre später als Peters spielt, hat mich nicht immer überzeugen können. Man muss sich hier auf die „magische“ Verbindung einlassen können, und das ist mir nicht richtig gelungen. Der Erzählstil bleibt natürlich immer derselbe, und den mochte ich wiederum so sehr, dass ich die etwas schwächeren Szenen auch gut verschmerzen konnte. Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, der den Leser auf etwas schrullige Art in die Welt der Botanik entführt.

Veröffentlicht am 18.11.2018

The Queen

Queen Victoria
0

„Victoria war eine Königin in Schwarz-Weiß, die so leidenschaftlich regierte, wie sie liebte.“
Über Queen Victoria, die Namensgeberin eines ganzen Jahrhunderts, hat so ziemlich jeder ein paar Fakten im ...

„Victoria war eine Königin in Schwarz-Weiß, die so leidenschaftlich regierte, wie sie liebte.“
Über Queen Victoria, die Namensgeberin eines ganzen Jahrhunderts, hat so ziemlich jeder ein paar Fakten im Kopf. Doch was davon stimmt wirklich? Die Australierin Julia Baird räumt mit vielen dieser Halbwahrheiten auf, und das auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise. Schon nach wenigen Kapiteln war ich von Bairds Erzählung gefesselt, denn ihre Biografie liest sich sehr gut, fast wie ein historischer Roman. Man merkt gleichzeitig aber die vielen Jahre der akribischen Recherche in jeder Zeile, viele Zitate werden eingebunden ohne dass sie die Texte überlaufen, einige Fotografien und Gemälde geben zusätzliche Informationen preis. Die Fakten hinter den Fakten kann der besonders interessierte Leser im Anhang finden. Baird erzählt weitestgehend chronologisch, erklärt Ereignisse und Persönlichkeiten aber immer auch im großen Zusammenhang, sodass man nicht nur sehr viel über Victoria selbst, sondern auch über ihre Mitmenschen, Vor- und Nachfahren erfährt. So wie sich hinter ihr nicht nur eine Königin, sondern auch eine liebende Ehefrau, eine aufopferungsvolle Mutter und nicht zuletzt Tierfreundin verbirgt, so wird auch das 19. Jahrhundert immer wieder neu beleuchtet und auf die gesellschaftlichen Veränderungen eingegangen.
Ich habe Bairds faszinierende Biografie sehr gerne gelesen, eine großartige Möglichkeit die Frau hinter dem Mythos kennen zu lernen.

Veröffentlicht am 18.11.2018

Kommt ein Vogel geflogen

Das Vogelhaus
0

Vor einem kleinen Häuschen im englischen Sussex steht ein Schild „Bitte kein Besuch.“ Warum? Hier lebt und forscht Len Howard über die Vögel in ihrem Garten, die nach kurzer Zeit so zutraulich sind, dass ...

Vor einem kleinen Häuschen im englischen Sussex steht ein Schild „Bitte kein Besuch.“ Warum? Hier lebt und forscht Len Howard über die Vögel in ihrem Garten, die nach kurzer Zeit so zutraulich sind, dass sie es sich auch im Haus gemütlich gemacht haben. Die Beziehungen untereinander, ihr Gesang, der Charakter jedes einzelnen Tieres wird liebevoll und gleichzeitig akribisch erforscht und für die Nachwelt festgehalten.
Die niederländische Autorin Eva Meijer hat das Leben der Vogelkundlerin zur Vorlage für ihren Roman gewählt. Howards Bücher über ihre Vögel waren zu Lebzeiten sehr bekannt und geschätzt, sind heute aber eher in Vergessenheit geraten. Umso schöner, dass man auf diese Weise wieder ihrer erinnert. Schon allein der Werdegang von einer professionellen Geigerin hin zu jemandem, der abgeschieden ganz dem Hobby frönt, das er schon von Kindesbeinen an pflegt, war sehr faszinierend zu lesen. Howard war nicht etwa studierte Biologin, sondern hat sich einfach schon immer gerne mit den gefiederten Bewohnern ihres Gartens befasst. Auch die Widrigkeiten, die ihr als „Laie“ begegneten lässt die Autorin nicht aus, und so bekommt man einen sehr guten Einblick in Howards Leben und Wirken. Leider hat mir der Erzählstil nicht so richtig zugesagt, der ist sehr ruhig (wahrscheinlich um die Vögel nicht zu erschrecken), aber auch ohne echte Emotion. So war ich zwar von den Abschnitten über das Vogelverhalten gefesselt, der fiktive Teil über die Forscherin war aber eher schleppend zu lesen. Trotzdem bin ich froh auf „Das Vogelhaus“ gestoßen zu sein, denn so habe ich einiges über meine gefiederten Balkonbesucher gelernt.

Veröffentlicht am 13.11.2018

Was wäre, wenn...

NSA - Nationales Sicherheits-Amt
0

Bereits 1851 hat Lord Babbage den Vorläufer der heutigen Komputer erfunden. Die Technik hat seitdem riesige Fortschritte gemacht und so verfügen im Jahre 1942 viele Menschen über ein tragbares Volkstelefon, ...

Bereits 1851 hat Lord Babbage den Vorläufer der heutigen Komputer erfunden. Die Technik hat seitdem riesige Fortschritte gemacht und so verfügen im Jahre 1942 viele Menschen über ein tragbares Volkstelefon, einen eigenen Komputer, schicken sich über das Weltnetz Elektropost oder diskutieren in den vielen Foren. Auch die Nationalsozialisten machen sich die Technik zu Nutze, im NSA, dem Nationalen Sicherheitsamt, werden sämtliche Daten jedes Einzelnen gespeichert, verarbeitet und ausspioniert. Dort arbeitet Helene als Programmstrickerin, deren Job bald zu einem Kriegsentscheidenden wird.

Das Gedankenexperiment des Autors hat mich schon sehr interessiert. Was wäre, wenn im Dritten Reich schon die Möglichkeiten von heute verfügbar gewesen wären? Hat man sich erst mal an die eingedeutschen Begriffe wie z.B. Komputer, Parole (=Passwort), Weltnetz etc. gewöhnt, findet man sich schnell in der neuen Welt zurecht. Diese birgt neben dem historisch verbrieften Schrecken des Nationalsozialismus nun auch die Gefahren des gläsernen Ichs, und es wird mehr als deutlich was private Daten in den falschen Händen anrichten können. Ich fand die Ausführungen des Autors sehr authentisch, erschreckend und auf eine sehr verquere Art faszinierend. Erzählt wird dieses Szenario sehr anschaulich, selbst für mich komplexere Themen wie die Funktionsweise von Komputerprogrammen werden gut erklärt und waren so für mich nachvollziehbar. Den Erzählstil fand ich sehr ansprechend und so war ich schnell an die Seiten gefesselt. Die Figuren fand ich insgesamt ganz ok, es wäre aber sicherlich noch mehr drin gewesen. Helene als „Gute“ im Spiel bleibt etwas auf ihre Rolle reduziert und hätte durchaus mehr Tiefe vertragen können. Eugen als Gegenspieler fand ich schon spannender, doch auch er bleibt oft zu blass. Abgesehen von diesen fiktiven Figuren, kommen natürlich auch viele historische Persönlichkeiten vor, seien es die Oberen des Naziregimes, bekannte Wissenschaftler, oder auch bekannte Opfer der Nationalsozialisten. Alle werden recht authentisch dargestellt, und spielen perfekt mit den fiktiven Figuren zusammen.
Insgesamt fand ich NSA sehr gelungen, ein erschreckendes Gedankenexperiment, das einerseits zum Nachdenken anregt und andererseits aber auch großartig zu unterhalten weiß.