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Veröffentlicht am 12.09.2018

Starke Frauen in harten Zeiten

Alligatoren
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Drei sehr unterschiedliche Frauen treffen im Sumpf der heißen Südstaaten aufeinander. Gertrude, die ihre hungernden Kinder vor ihrem trunksüchtigen Vater beschützen muss. Oretta, die zwar nicht mehr wie ...

Drei sehr unterschiedliche Frauen treffen im Sumpf der heißen Südstaaten aufeinander. Gertrude, die ihre hungernden Kinder vor ihrem trunksüchtigen Vater beschützen muss. Oretta, die zwar nicht mehr wie ihre Mutter als Sklavin auf der Plantage schuftet, aber als Hausmädchen mit schwarzer Hautfarbe immer noch nicht als vollwertiger Mensch behandelt wird. Und Annie, Orettas Arbeitgeberin, die eine aufstrebende Fabrik leitet. Sofern ihr Mann das zulässt.

Deb Speras Roman bietet einen sehr authentischen Ausflug in die 1920er. Das Leben ist hart, und das lässt uns die Autorin hautnah spüren. Die Beschreibungen sind sehr bildhaft, die Autorin verliert sich aber nicht in unnötiger Grausamkeit. Ihre drei Hauptfiguren kommen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, trotzdem wird einem schnell klar, dass das Leben für alle drei kein Zuckerschlecken ist. Ich fand die drei Frauen sehr interessant und auch alle irgendwo sympathisch, selbst wenn Gertrude einem das nicht immer leicht macht. Durch ständige Perspektivwechsel blickt man mal der einen, mal der anderen in den Kopf, was mir sehr gut gefallen hat, da auch das Zusammenführen dieser Erzählstränge wunderbar funktioniert. Auch sprachlich unterscheiden sich die drei, sodass der Erzählstil zwar immer flüssig, aber doch sehr abwechslungsreich ist. Bis auf Kleinigkeiten hat mir dieser Südstaatenroman wirklich gut gefallen, die Autorin sollte ich mir merken.

Veröffentlicht am 09.09.2018

Der Herzensbrecher

Er will dein Herz (Ein Marina-Esposito-Thriller 7)
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Eine junge Frau entschließt sich endlich ihren gewalttätigen Mann zu verlassen. Mit ihrer kleinen Tochter will sie in ein Frauenhaus fliehen, doch nur die Tochter wird lebend gefunden. Die Mutter: grausam ...

Eine junge Frau entschließt sich endlich ihren gewalttätigen Mann zu verlassen. Mit ihrer kleinen Tochter will sie in ein Frauenhaus fliehen, doch nur die Tochter wird lebend gefunden. Die Mutter: grausam ermordet, der Täter stahl zudem ihr Herz. Phil Brennan und seine Ex Marina Esposito gehen sich eigentlich aus dem Weg, müssen sich für diesen Fall aber zusammenraufen. Denn der Mörder ist noch nicht fertig.

Ich habe einige Bände aus der Reihe gelesen, jedoch nicht alle. Das ist aber kein großes Problem, man kann der Handlung auch so gut folgen, nötige Informationen werden eingestreut. Die Autorin ist mir eigentlich für ihre spannenden und wendungsreichen Thriller bekannt, hier geht die Rechnung aber nicht so richtig auf. Den Täter hat man relativ schnell im Visier, auch sonst folgt der Fall üblichen Thrillerpfaden; hier gibt es also wenig echte Überraschung. Am spannendsten war eigentlich für mich die Entwicklung von Brennan, den man in seiner jetzigen Form kaum wiedererkennt. Mit seiner Art und v.a. seinem Selbstmitleid ging er mir zwar zunehmend auf die Nerven, aber das brachte zumindest etwas Schwung in die Geschichte. Carvers Stil ist sehr flüssig, und so ist der etwas maue Fall recht schnell gelesen. Ich fand diesen Band nicht ganz schlecht, weiß aber, dass die Autorin es besser kann.

Veröffentlicht am 07.09.2018

Toller historischer Roman

Land im Sturm
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Alles beginnt mit dem Schmied Arnulf, der im Jahre 955 überhastet aus seinem Dorf fliehen muss. Er landet über Umwege in der großen Schlacht am Lechfeld gegen die Ungarn; und überlebt. Seinen Nachkommen ...

Alles beginnt mit dem Schmied Arnulf, der im Jahre 955 überhastet aus seinem Dorf fliehen muss. Er landet über Umwege in der großen Schlacht am Lechfeld gegen die Ungarn; und überlebt. Seinen Nachkommen folgt man durch die Jahrhunderte, auf der Flucht vor den Wenden, in Angst vor Napoleon oder aber auch in die Straßenschlachten während der industriellen Revolution. Immer dabei: der ungarische Säbel.
Ich war mehr als gespannt auf dieses Buch; zum Einen, weil ich bisher noch nichts vom Autor gelesen habe und vorher nur Gutes hörte; zum Anderen, weil mir das Vorhaben fast 1000 Jahre deutsche Geschichte in ebenso viele Buchseiten unterzubringen sehr interessant und gleichzeitig auch ambitioniert erschien. Enttäuscht wurde ich nicht ; )
Ulf Schiewe legt den Fokus auf fünf ganz unterschiedliche Epochen, die aber alle eines gemein haben: sie sind sehr wichtig für die Geschichte Deutschlands, bringen es voran oder ändern sein Schicksal. Natürlich hätte es noch viele andere Jahre gegeben, die einen Platz in diesem Buch verdient hätten, aber ich finde die Auswahl so wie sie ist, sehr gelungen. Einen Wermutstropfen gibt es dann doch, wenn auch nur einen kleinen: so ganz zusammen passen die Abschnitte nicht, zumindest nicht so, dass man das Gefühl hat eine große Geschichte zu lesen (Ausnahme bilden Abschnitt IV und V). Ein bisschen mehr Zusammenhalt hätte ich schön gefunden, auch wenn mir einleuchtet, dass das bei den z.T. großen Zeitsprüngen nicht einfach ist. Genau das hatte der Autor wahrscheinlich im Sinn als er mehrere Figuren mit denselben Namen taufte; irgendwo logisch, werden doch gewisse Vornamen in den Familien weitervererbt; für den Leser (oder zumindest mich) manchmal etwas verwirrend, liest man doch z.B. von Arnulf im Jahre 955 und 1146; da muss man erst mal verarbeiten, dass es zwei ganz verschiedene Menschen sind. Apropos Charaktere; ich mochte die Guten, und konnte die Bösen nicht leiden. Diese Schwarzweißmalerei ist recht deutlich, nur die Hauptfiguren sind etwas vielschichtiger angelegt. Dafür sind die historischen Umstände, die gesellschaftliche Stimmung und die Atmosphäre sehr detailreich, bunt und lebendig wiedergegeben. Ich habe in jedem Abschnitt etwas Neues gelernt, Eindrücke gewonnen und dabei genossen, dass es sich immer um die Sicht des kleinen Mannes gehandelt hat. Der sehr ansprechende Erzählstil hat sein Übriges dazu getan, dass ich mir nach knapp 930 Seiten nur Eines gedacht habe: zu kurz.

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Veröffentlicht am 07.09.2018

Bleib bei mir

Bleib bei mir
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Yejide und Akin führen eigentlich eine glückliche Ehe, wäre da nicht die ungewollte Kinderlosigkeit. Weder Mediziner noch Bittgebete können abhelfen, der Druck durch Akins Familie wird immer größer. Kann ...

Yejide und Akin führen eigentlich eine glückliche Ehe, wäre da nicht die ungewollte Kinderlosigkeit. Weder Mediziner noch Bittgebete können abhelfen, der Druck durch Akins Familie wird immer größer. Kann ihre Ehe dieser Belastung Stand halten?

Dieser Debütroman der jungen Nigerianerin hat mir wirklich sehr gut gefallen. Natürlich ist ihre Erzählung von der nigerianischen Gesellschaft geprägt, trotzdem könnte sie im Kern in jedem Land der Welt spielen. Die Kinderlosigkeit der Protagonisten, der Druck und die Trauer, die daraus resultieren werden schonungslos und ehrlich dargestellt, machen einen als Leser sehr betroffen. Man kann die beiden nur bemitleiden, zudem sich im Laufe der Handlung sehr tiefe Einblicke in die Innenleben der beiden ergeben. Man hofft und bangt mit, ist wütend über Akins Familie, freut sich über gute Nachrichten. Der Autorin gelingt es ganz hervorragend die ganze Bandbreite der Gefühle zu transportieren. Mir gefällt ihre Erzählweise recht gut, manchmal wirkt sie jedoch etwas steif und distanziert. Der flüssige Perspektivwechsel zwischen den Eheleuten sorgt für manchen Aha-Effekt und so wird einem die Tragik erst richtig bewusst.
Ein starker Roman mit kleinen Schwächen von einer vielversprechenden Autorin.

Veröffentlicht am 02.09.2018

Ausflug in den hohen Norden

Helle Tage, helle Nächte
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Frederike hat gerade eine Scheidung hinter sich, den Job gekündigt und braucht eine Auszeit. Sie tingelt mit ihrem VW-Bus gerade durch Südeuropa als sie von ihrer Ziehmama und Tante Anna erfährt, dass ...

Frederike hat gerade eine Scheidung hinter sich, den Job gekündigt und braucht eine Auszeit. Sie tingelt mit ihrem VW-Bus gerade durch Südeuropa als sie von ihrer Ziehmama und Tante Anna erfährt, dass diese an Krebs erkrankt ist. Ihr sehnlichster Wunsch: Frederike möge einen Brief für sie abliefern. In Lappland! Die macht sich auf den langen Weg in den kargen Norden.

Eigentlich passt das Buch nicht so recht in mein Beuteschema, ich habe es aber doch sehr gerne gelesen. Die Geschichte wird mal aus Frederikes, mal aus Annas Perspektive erzählt, ich mag beide Figuren wirklich gerne. Sie haben viel durchgemacht, das Herz aber trotzdem am rechten Fleck. Ihre samische Abstammung wird immer wieder thematisiert, zusammen mit Rikes Ausflug nach Lappland erfährt man quasi nebenbei sehr viel über Land, Leute und deren Traditionen. Auch die Natur und die Landschaft dort nehmen großen Raum in der Geschichte ein, ohne eintönig oder lückenfüllend zu wirken. Im Gegenteil, die Ruhe, die man dort finden kann, kommt auch beim Leser an. Die Handlung selbst ist jetzt nicht sehr überraschend, auch Annas Geheimnis ist für den Leser schnell keines mehr. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen, denn die Stimmung hat für mich vieles gerettet. Die Autorin schreibt sehr angenehm und so ist „Helle Tage, helle Nächte“ ein eher ruhiges und doch interessantes Buch.