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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.11.2017

Rhythmus im Blut

Swing Time
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Tracey und die Ich-Erzählerin lernen sich als kleine Mädchen beim Ballettunterricht kennen. Die Liebe zum Tanzen verbindet sie, auch wenn sie sich aus den Augen verlieren und ihre Leben trotz ähnlicher ...

Tracey und die Ich-Erzählerin lernen sich als kleine Mädchen beim Ballettunterricht kennen. Die Liebe zum Tanzen verbindet sie, auch wenn sie sich aus den Augen verlieren und ihre Leben trotz ähnlicher Herkunft ganz unterschiedlich verlaufen. Mit der Erzählerin lernen wir die Welt der Popstars kennen, denn sie wird persönliche Assistentin der erfolgreichen Aimée. Und verliert die eigene Herkunft, das eigene Leben dabei völlig aus den Augen…
Zadie Smith nimmt uns mit in eine Welt der Musik und des Tanzes, aber auch in eine Welt, in der die eigene Hautfarbe das Leben bestimmt, die Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen und das Engagement der Eltern dem eigenen Werdegang Grenzen setzen. Einerseits steckt viel Wahrheit in der Geschichte, andererseits wirkte sie oft sehr konstruiert und als ob die Autorin ihre Themencheckliste abgearbeitet hätte. Der Spagat zwischen glitzernder Popwelt und ärmlichem Afrika beispielsweise ist der Autorin nur mäßig gelungen, ich fand die Handlung in dieser Beziehung doch sehr klischeebeladen. Mir hat eigentlich der Anfang des Buches am besten gefallen, die Freundschaft der jungen Mädchen und ihre Jugend sind sehr authentisch und glaubhaft gelungen. Danach entwickelt sich die Handlung etwas zäh und eben auch zu sehr gewollt. Sprachlich hat mir das Buch sehr gut gefallen, Smith hält ihr gewohntes Niveau. Nur inhaltlich konnte sie mich diesmal nicht so recht überzeugen.

Veröffentlicht am 04.11.2017

Bruchstücke

Die Affekte
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Monika ist die Tochter von Riefenstahls ehemals bestem Kameramann. Nach dem zweiten Weltkrieg landet die Familie in Bolivien. Während der Vater statt Nazigrößen jetzt den Urwald und seine Bewohner filmt, ...

Monika ist die Tochter von Riefenstahls ehemals bestem Kameramann. Nach dem zweiten Weltkrieg landet die Familie in Bolivien. Während der Vater statt Nazigrößen jetzt den Urwald und seine Bewohner filmt, zerfällt die Familie immer mehr und gerade Monika kommt mit ihrer neuen Identität immer weniger zurecht.
Ich mag episodische, bruchstückhafte Erzählungen. Aber ich erwarte schon, dass der rote Faden, der sie verbindet nicht hauchdünn ist. Mir hat in Hasbúns Roman etwas der Zusammenhalt gefehlt; man könnte da jetzt Parallelen zum dargestellten Familienleben ziehen, das ist nämlich schon bald nicht mehr vorhanden. Der Autor beschreibt dieses tragische Geschehen trotzdem sehr emotionslos, mich hat kaum ein Ereignis berührt. Eine Identifizierung mit den Protagonisten ist schwer möglich, auch weil die Perspektiven zu schnell wechseln, die Kapitel zu kurz sind, alles sehr gerafft erzählt ist. Die Handlung orientiert sich an Fakten, die Familie Ertl und ihr Wirken sind historisch verbürgt. Wieviel Wahrheit tatsächlich drin steckt, kann ich nicht wirklich beurteilen. Verleiten mich ähnliche Romane oft dazu, mehr und Genaueres über die Personen herausfinden zu wollen, hat „Die Affekte“ bei mir so gar keine Lust auf weitere Recherche ausgelöst.
Fazit: Insgesamt kein Buch, das ich weiterempfehlen könnte.

Veröffentlicht am 04.11.2017

Guter Spionageroman

Die Nadel
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Ende des zweiten Weltkriegs hängt das Wohl und Wehe von Europa von der geplanten Landung der Alliierten ab. Tag und Ort dieses Gegenschlags sind geheim, Täuschungsmanöver und falsche Informationen über ...

Ende des zweiten Weltkriegs hängt das Wohl und Wehe von Europa von der geplanten Landung der Alliierten ab. Tag und Ort dieses Gegenschlags sind geheim, Täuschungsmanöver und falsche Informationen über vertrauliche Kanäle essentiell. Der deutsche Spion, bekannt unter dem Tarnnamen „die Nadel“ hat eines der größten Geheimnisse der Alliierten entdeckt und ist auf dem besten Wege diese Information bis zu Hitler persönlich zu tragen. Das Schicksal kann noch gedreht werden, die Nadel MUSS gefasst werden. Eine beispiellose Jagd beginnt…
Ken Follett hat mit „Die Nadel“ seinen Platz auf den Bestsellerlisten der Welt gefunden. Auch mir hat dieses frühe Werk gut gefallen. Eine spannende Jagd quer durch England mit einem Charme, der mich an ältere James-Bond-Filme erinnert hat. Der Roman ist packend geschrieben, Follett lässt sich aber trotzdem Zeit seine Charaktere ordentlich einzuführen. Es gibt Perspektivwechsel zwischen der Seite der Alliierten und der Nadel selbst, sodass die Spannung zusätzlich angeschürt wird. Obwohl es sich um ein fiktives Geschehen handelt, bleibt am Schluss der Gedanken, dass vielleicht doch ein Fünkchen Wahrheit…? Die Handlung ist auf jeden Fall sehr authentisch gelungen und hat mich überzeugt.
Mich hat Folletts Geschichte sehr gut unterhalten und ich kann dieses Buch Fans von Spionageromanen nur ans Herz legen.

Veröffentlicht am 01.11.2017

Großer Aufruhr im schwedischen Nirgendwo

Kleine Stadt der großen Träume
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Im schwedischen Björnstadt dreht sich seit Jahrzehnten alles nur um Eishockey. Könnte man zumindest meinen. Entweder ist man selbst Spieler, war früher Teil der Mannschaft, ist eingefleischter Fan oder ...

Im schwedischen Björnstadt dreht sich seit Jahrzehnten alles nur um Eishockey. Könnte man zumindest meinen. Entweder ist man selbst Spieler, war früher Teil der Mannschaft, ist eingefleischter Fan oder zumindest mit einem Spieler verwandt, verschwägert usw. Als die Juniorenmannschaft plötzlich zu landesweitem Ruhm gelangen kann, wird das abgeschriebene, sterbende Städtchen plötzlich zum Magnet für Sponsoren und Investoren. Alles hängt vom entscheidenden Spiel ab, und natürlich von den Spielern: Kevin, Benji, Bobo und Amat müssen ihr Bestes geben. Doch dann passiert etwas Dramatisches, und Björnstadt steht endgültig Kopf.

Ich kannte bisher noch keines der Backman’schen Bücher und war mit relativ großen Erwartungen an die Lektüre herangegangen. Diese wurden tatsächlich voll erfüllt, der Autor hat mich mit seiner Geschichte schnell eingefangen. Das liegt einerseits an der mitreißenden Handlung, die fesselt und überrascht. Die Protagonisten tun ihr Übriges, hat der Autor sein fiktives Städtchen doch mit allerlei interessanten Figuren bevölkert. Einige sind etwas klischeebehaftet (der alternde Trainer, die Übermutter), doch die meisten sind sehr realistisch gelungen und alles andere als flache Pappkameraden. Manche mochte ich, manche nicht, aber mit allen habe ich mitgefiebert. Überhaupt versteht es Backman hervorragend Gefühle zu transportieren: Beklemmung, Angst, Melancholie, Hass, Freude, Liebe… Die Lektüre dieses Buches ist ein wahres Gefühlsbad (keine Angst, es wird nicht kitschig). Selten habe ich beim Lesen so sehr mitgefühlt, egal in welche Richtung das Gefühlsbarometer umschlägt. Das Ganze erzählt der Autor sehr gekonnt, meist mit einem düsteren Unterton, aber auch mit vielen starken, humorvollen Momenten. Sein Erzählstil hat es mir wirklich angetan.

Kleine Abzüge gibt es für die gehäuften melodramatischen Andeutungen; ich muss nicht alle zwei Seiten lesen, dass ganz-doll-bald etwas sehr Schlimmes passiert, das habe ich nach Andeutung Nr. 1 und 2 sehr wohl schon verstanden. Auch fand ich das Timing an manchen Ecken zu offensichtlich konstruiert, ebenso wie manche Figuren und deren Reaktionen. Das ist aber alles Meckern auf sehr hohem Niveau, denn insgesamt ist Backmans Roman wirklich sehr lesenswert. Auch für Nicht-Eishockey-Fans ; )

Veröffentlicht am 28.10.2017

Der gefährlichste Ort der Welt...

Der gefährlichste Ort der Welt
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… ist die Schule. Zumindest, wenn man der Autorin Glauben schenken mag. Grüppchenbildung, Mobbing, Prügeleien, viraler Shitstorm im Internet… es gibt nichts, was sich die Jugendlichen von heute nicht gegenseitig ...

… ist die Schule. Zumindest, wenn man der Autorin Glauben schenken mag. Grüppchenbildung, Mobbing, Prügeleien, viraler Shitstorm im Internet… es gibt nichts, was sich die Jugendlichen von heute nicht gegenseitig zumuten würden. Ein Fünkchen Wahrheit liegt sicherlich in der Geschichte rund um Tristan, Dave, Cally und wie sie alle heißen. Mir kam es aber oft so vor, als hätte die Autorin sämtliche Klischees über reiche, verwöhnte Kids zusammengetragen und sich daraus eine möglichst dramatische Geschichte gebastelt. Der Aufbau der Handlung ist durchaus sehr gelungen, klar strukturiert und der Perspektivwechsel zwischen den Kids liefert neue Einsichten. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahre, sodass man die Entwicklung der Protagonisten verfolgen kann. Sympathischer hat sie das in den meisten Fällen leider nicht gemacht.
Der Erzählstil hat mir hingegen sehr gut gefallen, denn schreiben kann die Autorin; ein gutes Gefühl für Atmosphäre und Spannungsaufbau, aber auch ein Blick für die kleinen Details sind ihr zu eigen. Trotzdem war ich letztendlich vom Inhalt zu enttäuscht, um das Buch richtig genießen zu können. Vielleicht ist „Der gefährlichste Ort der Welt“ das perfekte Buch für Jugendbuchleser mit etwas literarischem Anspruch, mich hat es nicht endgültig überzeugen können.