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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2018

Kurze, komplexe Geschichte

Zwischen zwei Scheiben Glück
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Die Konstellation Sohn - Vater - Großvater ist interessant. Die kindliche Sicht auf den Nationalsozialismus ist gut beschrieben. Beides ist nicht wirklich neu, aber doch gut umgesetzt.
Die Auflösung ist ...

Die Konstellation Sohn - Vater - Großvater ist interessant. Die kindliche Sicht auf den Nationalsozialismus ist gut beschrieben. Beides ist nicht wirklich neu, aber doch gut umgesetzt.
Die Auflösung ist am Ende sehr sehr kurz. Vom Leser wird hier Interpretation gefordert. Ein bisschen hat mich gestört, dass das Schicksal des Vaters nur in Gerüchten wiedergegeben wurde.

Gerade durch die Kürze und das komplexe Ende, regt das Büchlein Jugendliche und Erwachsene zum Nachdenken an.

Veröffentlicht am 10.08.2018

Polen lässt sich mögen

Viva Polonia
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Steffen Möller lebt seit 1994 in Polen und hat sein erstmals 2008 erschienenes Buch "Viva Polonia" nun überarbeitet und neu herausgegeben.

Das Buch ist eine Mischung aus Autobiographie und Beobachtung. ...

Steffen Möller lebt seit 1994 in Polen und hat sein erstmals 2008 erschienenes Buch "Viva Polonia" nun überarbeitet und neu herausgegeben.

Das Buch ist eine Mischung aus Autobiographie und Beobachtung. Steffen Möller schreibt von seinem Leben in und mit den Polen. Dabei sagt er selbst, dass seine Charakterisierung Polens subjektiv ist - es ist nun mal auch keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein unterhaltendes Sachbuch, das aber dennoch Gehalt hat. Ich finde es ein interessantes Buch, das sowohl Polen-Kenner als auch Neulinge mit Gewinn lesen können.

Geschrieben ist das ganze sehr kurzweilig, intelligent und sympathisch.

Veröffentlicht am 04.08.2018

Als Willy Brandt Bundeskanzler war ...

Raumpatrouille
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Die großzügig gesetzten Geschichten (172 Seiten) von Matthias Brandts Debüt lesen sich flüssig und schnell. Der Autor beschreibt episodenhaft seine Kindheit in den 1970'ern in Bonn, wobei die Geschichten ...

Die großzügig gesetzten Geschichten (172 Seiten) von Matthias Brandts Debüt lesen sich flüssig und schnell. Der Autor beschreibt episodenhaft seine Kindheit in den 1970'ern in Bonn, wobei die Geschichten zeitlich nicht allzu stark verortet ist. Wäre das Buch auch interessant, wenn der Autor nicht der Sohn von Willy Brandt wäre? Ohne den Vater/Bundeskanzler, der über allem schwebt - meist ohne tatsächlich anwesend zu sein - wären das wohl eher belanglose Geschichten einer Kindheit. So fand ich aber das ungewohnte Umfeld mit anderen Politikern, Personenschützern etc. gepaart mit ganz alltäglichen Situationen durchaus interessant.

Veröffentlicht am 31.07.2018

Blick hinter die Kulissen

Kampfsterne
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Alexa Hennig von Lange hat mit "Kampfsterne" ein Buch geschrieben, das nicht einfach einzuordnen ist. Eine Geschichte über Kindheit und Jugend in den 1980'ern, Dynamiken innerhalb von Familien, die Charakterisierung ...

Alexa Hennig von Lange hat mit "Kampfsterne" ein Buch geschrieben, das nicht einfach einzuordnen ist. Eine Geschichte über Kindheit und Jugend in den 1980'ern, Dynamiken innerhalb von Familien, die Charakterisierung des westdeutschen oberen Mittelstandes in den 1980'er Jahren, ein genauer Blick hinter die Kulissen - das Buch ist all das, dafür gibt es aber keine handfeste Handlung. Das Buch dreht sich wie seine Charaktere um sich selbst.
Die typischen Klischees der 1980'er wie Neue Deutsche Welle oder Terrorismus werden nur ganz am Rande gestreift. Die Eltern scheinen zu sehr mit sich selbst beschäftigt, was andererseits von ihren Kindern klug beobachtet wird. Die Eltern kommen dabei überhaupt nicht gut weg - sie waren mir jeder auf ganz eigene Art einfach nur unsympathisch.
Die Geschichte wird als Ich-Erzählung im schnellen Wechsel von den verschiedenen Protagonisten erzählt. Die Charaktere werden dabei anfangs fast nicht eingeführt - Altersgruppe und Persönlichkeiten werden erst im Laufe der Handlung deutlich. Das beides machte es für mich manchmal zu einer Herausforderung, die Protagonisten (es gibt Jonathan UND Joschi) und die Familien auseinander zu halten.
Ich habe diese ungewöhnliche, nicht ganz einfache, offenbar autobiografisch geprägte Geschichte gerne gelesen.

Veröffentlicht am 29.07.2018

Geschmackssache

Der Duft des Lebens
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Ich bin hin-und hergerissen - "Der Duft des Lebens" bewegt sich für mich auf einem schmalen Grad zwischen kluger, zum Nachdenken anregender Literatur und allzu offensichtlichem Kitsch. Clara Maria Bagus ...

Ich bin hin-und hergerissen - "Der Duft des Lebens" bewegt sich für mich auf einem schmalen Grad zwischen kluger, zum Nachdenken anregender Literatur und allzu offensichtlichem Kitsch. Clara Maria Bagus hat in jedem Fall eine Geschichte geschrieben, in der Stimmung, Beschreibungen und vor allem zum Nachdenken anregende Gedanken vor der eigentlichen Handlung stehen. Die ins märchenhafte gehende Handlung ist überschaubar, auch wenn sie in der zweiten Hälfte des Buches unerwartet Fahrt aufnimmt. Für mich wäre eine gleichmäßigere Verteilung wünschenswert gewesen. Die eigentliche Handlung erinnert an Süskinds "Das Parfum", kann aber meiner Meinung nach nicht damit mithalten. Im Gegensatz zu Süskind setzt Bagus ihre Handlung in einer phantastischen, manchmal märchenhaft anmutenden Welt an und hat mit dem Glasbläser Aviv und dem Seelensammler Kaminski zwei Hauptcharaktere geschaffen - ein guter und ein böser. Im Vergleich zu Süskinds komplexen Charakter Jean-Baptiste wirkt Letzteres ziemlich schwarz-weiß. Für ein Märchen mag diese einfache schwarz-weiß-Kategorisierung der Protagonisten aber wohl in Ordnung sein. Die fremde Welt wird einerseits minimalistisch beschrieben - die Details, die aber beschrieben werden, werden farben- und detailreich beschreiben. Auch wenn mir die gut recherchierte Welt bei "Das Parfum" besser gefallen hat, hat auch die Umsetzung von Bagus ihren Reiz.

Aber weg vom Vergleich mit anderer Literatur! Ein wichtiger Bestandteil von Bagus' Buch sind die Passagen, in denen sie den Leser zum Nachdenken anregen möchte. Diese sind keinesfalls falsch oder dumm, aber wirklich neu sind sie auch nicht. Wie anfangs erwähnt, bewegt sich die Autorin auf einem schmalen Grad und droht manchmal, in Klischee und Kitsch abzurutschen.

Es ist kein Buch für Leser, die eine spannungsgeladene Handlung oder bahnbrechende neue Erkenntnisse erwarten. Wer jetzt aber trotzdem noch neugierig ist, sollte sich auf "Der Duft des Lebens" einlassen!