Cover-Bild Raumpatrouille

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18,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 176
  • Ersterscheinung: 08.09.2016
  • ISBN: 9783462045673
Matthias Brandt

Raumpatrouille

Geschichten
Streifzüge im Astronautenkostüm

Dieses Buch ist eine herrliche Überraschung: Matthias Brandt zeigt mit seinem literarischen Debüt, dass er nicht nur ein herausragender Schauspieler, sondern auch ein bemerkenswerter Autor ist.

Die Geschichten in Matthias Brandts erstem Buch sind literarische Reisen in einen Kosmos, den jeder kennt, der aber hier mit einem ganz besonderen Blick untersucht wird: der Kosmos der eigenen Kindheit. In diesem Fall einer Kindheit in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts in einer kleinen Stadt am Rhein, die damals Bundeshauptstadt war. Einer Kindheit, die bevölkert ist von einem manchmal bissigen Hund namens Gabor, von Herrn Vianden, mysteriösen Postboten, verschreckten Nonnen, kriegsbeschädigten Religionslehrern, einem netten Herrn Lübke von nebenan, bei dem es Kakao gibt und dem langsam die Worte ausgehen. Es gibt einen kauzigen Arbeitskollegen des Vaters, Herrn Wehner, einen Hausmeister und sogar einen Chauffeur, da der Vater gerade Bundeskanzler ist. Erzählt wird von komplizierten Fahrradausflügen, schwer bewachten Jahrmarktsbesuchen, monströsen Fußballniederlagen, skurrilen Arztbesuchen und von explodierenden und ebenso schnell wieder verlöschenden Leidenschaften wie z.B. dem Briefmarkensammeln. Nicht zuletzt lesen wir von gleichermaßen geheimnisumwobenen wie geliebten Eltern und einer Kindheit, zu der neben dem Abenteuer und der Hochstapelei auch Phantasie, Gefahr und Einsamkeit gehören. Ein Buch, das man nicht vergessen wird.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.11.2018

Ich wäre so gerne Astronaut

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„Wenn ich schon nicht so leben konnte, wie ich fühlte, warum konnte ich dann nicht einfach so tun, als ob? Wäre das dann, wenn ich nur überzeugend genug wäre und fest an die Täuschung glaubte, nicht dasselbe ...

„Wenn ich schon nicht so leben konnte, wie ich fühlte, warum konnte ich dann nicht einfach so tun, als ob? Wäre das dann, wenn ich nur überzeugend genug wäre und fest an die Täuschung glaubte, nicht dasselbe wie die tatsächliche Erfüllung meiner Sehnsucht?“


Inhalt


Matthias, der Ich-Erzähler ist der Sohn des Bundeskanzlers Willi Brandt und wächst in einem durchaus behüteten Kosmos auf, der ihn hin und wieder daran erinnert, dass seine Jugend nicht zwangsläufig mit der seiner Klassenkameraden vergleichbar ist. Es gibt Tage, da drängt sich dieser Umstand mit Präsenz in seine Freizeit hinein, wenn er z.B. seinen Vater beim ungewohnten Fahrradfahren begleiten muss und dann scheint wieder alles normal, zwischen den Nachmittagen auf dem Bolzplatz und dem Anspruch nicht nur Briefmarken zu sammeln, sondern gleich noch Postbote als Berufswunsch zu entwickeln. Noch besser wäre aber eine Zukunft als Astronaut, jenseits der hiesigen Verpflichtungen, mit viel Spielraum für Ruhm und Ehre …


Meinung


In diesem kurzen Debütroman von Matthias Brandt, widmet sich der Autor kleinen Episoden aus dem Leben eines Heranwachsenden mit viel Humor und Fingerspitzengefühl. Bereits im Auftakt stimmt er den Leser auf die folgenden knapp 200 Seiten ein: „Alles, was ich erzähle, ist erfunden. Einiges davon habe ich erlebt. Manches von dem, was ich erlebt habe, hat stattgefunden.“ Damit wird deutlich, dass nicht unbedingt die wahrheitsgetreue Schilderung der Erlebnisse im Vordergrund steht, sondern vielmehr das Gefühl ein junger Mensch mit klaren Vorstellungen und motivierten Zielen zu sein. Und diesen Anspruch erfüllt das Buch auf jeden Fall.


Trotzdem erwartet man etwas mehr Besonderheiten, etwas weniger Unruhe und stellenweise größere Bedacht. Ausgeglichen wird dieser Umstand durch die vielen eindrücklichen, bildhaften Episoden, bei denen sich der Leser tatsächlich in den Kopf des Kindes hineinversetzen kann. Sei es bei der Vorstellung eines Lebens als gefeierter Fussballer, selbst wenn der Hauch jeder Begabung fehlt oder auch als magischer Zauberkünstler, dem dieser einfache, elementare Fehler einfach nicht passieren darf. Mit Matthias Brandt kann man wieder Kind sein und das macht für die wenigen Lesestunden, die man mit der Lektüre verbringt richtig Spaß.


Fazit


Ich vergebe 3,5 Lesesterne (aufgerundet 4) für diesen individuellen, unterhaltsamen Roman, der weniger tiefgründig und erhellend ist, als man sich das wünscht, dafür aber einen anderen Nerv trifft. Wer damit leben kann, kleine Bagatellen, Kinderweisheiten und scheinbar wahllos herausgegriffene Aspekte eines Heranwachsenden in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schmackhaft gemacht zu bekommen, der fühlt sich mit dieser Lektüre wohl. Wer auf Tiefgründigkeit und Weitsicht spekuliert und seine Prioritäten auf Eckpfeiler der wahren Ereignisse setzen möchte, der sucht vergebens. Ich schwanke zwischen beidem und vergebe daher eine mittlere Bewertung - doch kurzweilig ist das Buch definitiv.

Veröffentlicht am 04.08.2018

Als Willy Brandt Bundeskanzler war ...

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Die großzügig gesetzten Geschichten (172 Seiten) von Matthias Brandts Debüt lesen sich flüssig und schnell. Der Autor beschreibt episodenhaft seine Kindheit in den 1970'ern in Bonn, wobei die Geschichten ...

Die großzügig gesetzten Geschichten (172 Seiten) von Matthias Brandts Debüt lesen sich flüssig und schnell. Der Autor beschreibt episodenhaft seine Kindheit in den 1970'ern in Bonn, wobei die Geschichten zeitlich nicht allzu stark verortet ist. Wäre das Buch auch interessant, wenn der Autor nicht der Sohn von Willy Brandt wäre? Ohne den Vater/Bundeskanzler, der über allem schwebt - meist ohne tatsächlich anwesend zu sein - wären das wohl eher belanglose Geschichten einer Kindheit. So fand ich aber das ungewohnte Umfeld mit anderen Politikern, Personenschützern etc. gepaart mit ganz alltäglichen Situationen durchaus interessant.

Veröffentlicht am 12.03.2017

Eine Kindheit in den 60ern

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Der kleine Matthias könnte in den 60er Jahren eine ganz normale Kindheit durchleben, wäre da nicht der Umstand, dass sein Vater der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ist. So lebt die Familie ...

Der kleine Matthias könnte in den 60er Jahren eine ganz normale Kindheit durchleben, wäre da nicht der Umstand, dass sein Vater der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ist. So lebt die Familie Garten an Garten mit dem Präsidenten im noblen Bonner Stadtteil Venusberg. Matthias wird hin und wieder eben dort zu einem heißen Kakao eingeladen. Außerdem freundet er sich mit einigen der Personenschützer an, nur um sich diebisch zu freuen, wenn er ihnen später entwischen kann um mit seinem Bonazarad den angrenzenden Wald zu durchforsten. In der Schule lebt er nach dem Motto, nur nicht aufzufallen, denn er möchte nicht im Mittelpunkt stehen und auch nicht zeigen, dass er über gewisse Privilegien verfügt.

Matthias Brandt hat mit „Raumpatrouille“ Geschichten seiner Kindheit festgehalten, mit den kleinen Episoden, die voller Detailliebe stecken, zeigt er, welch ein brillanter Geschichtenerzähler er doch ist. Jede Kurzstory ist für sich selbst ein kleines Kunstwerk und ich kann als Leserin jede Szene vor meinem inneren Auge ablaufen sehen. Die Sprache, die der Autor verwendet ist ausdrucksstark. Der Schreibstil ist beeindruckend und Matthias Brandt kann mich mit jeder einzelnen Geschichte fesseln. Auch wenn er im Vorwort quasi offen lässt, ob das worüber er schreibt wirklich genauso passiert ist, wird doch das besondere Verhältnis zu den Eltern deutlich und von Matthias Brandt mit viel Gefühl beschrieben.

Ich bewerte dieses Buch mit fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es absolut weiter. Leser, die in den 60er Jahren geboren wurden, werden viele Erinnerungen aus ihrer eigenen Kindheit wieder entdecken und wie ich darin schwelgen. Zusätzlich zum Buch ist der Soundtrack erschienen, auf der CD „Memory Boy“ von Jens Thomas hat der Musiker mit Matthias Brandt zusammen eine Songliste erstellt; für jede Geschichte ist ein Lied vertreten. Die Musik unterstützt hervorragend den Rückblick in die Zeit.

Veröffentlicht am 06.11.2016

Eine Kindheit im Bundeskanzleramt

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„Raumpatrouille“ ist in schriftstellerischer Hinsicht das Debüt des Schauspielers Matthias Brandt. Titelgebend für das Buch ist ein Rollenspiel, dem sich der Protagonist gerne hingibt. In den Erzählungen, ...

„Raumpatrouille“ ist in schriftstellerischer Hinsicht das Debüt des Schauspielers Matthias Brandt. Titelgebend für das Buch ist ein Rollenspiel, dem sich der Protagonist gerne hingibt. In den Erzählungen, die in diesem Buch versammelt sind, nahm mich der Autor mit in die 1960er und 1970er Jahre. Inhaltlich bieten die Geschichten Erinnerungen an eine Kindheit. Was davon er selbst erlebt hat, bleibt dem Willen des Autors nach offen. In seinen Schilderungen erzählt er von einem Jungen, der im Bundeskanzleramt in Bonn aufwächst, so wie er selbst als Sohn von Willy Brandt.

Matthias Brandt erlaubte mir als Leser einen neugierigen Blick auf das ganz normale Leben eines Jungen in einer prominenten Familie. Trotz des ihn und seine Eltern umgebenden Sicherheitspersonals vermag er dessen Anwesenheit auszublenden oder es sogar in sein Spiel mit einzubeziehen. Große Politikernamen sind für ihn nur Kollegen seines Vaters. Aufgrund seiner Sonderstellung versucht er sich in der Öffentlichkeit möglichst unauffällig zu verhalten und einfach nur ein kleiner Junge in einer großen Welt zu sein.

Der Autor schreibt in einer leicht lesbaren Sprache mit humorvollem Unterton und immer mit viel Einfühlungsvermögen. Er schildert seine damaligen Berufsträume und die Wege die er als Kind beschreitet, diese umzusetzen. Film und Fernsehen haben dabei seine Vorstellungswelt mit geprägt, an vieles davon konnte ich mich auch erinnern. Die Geschichten des Buchs erzählt er in Ich-Form. Immer wieder wirft er Fragen auf, die ihn an den Rand seines Wissens bringen und ihm dabei helfen, sich seinen Kosmos zu erschließen.

Viel zu schnell waren die Kapitel gelesen. Wer sich wie ich gerne mit dem Autor an die damalige Zeit rückerinnern möchte, dem kann ich dieses Buch empfehlen.