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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2019

Spannend und krass

Und es schmilzt
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Lize Spits viel gepriesenes Debüt "Und es schmilzt" war sehr viel schonungsloser, krasser, als ich gedacht hätte bzw. als es Klappentext und Cover (das niederländische Original-Cover wirkt da schon sehr ...

Lize Spits viel gepriesenes Debüt "Und es schmilzt" war sehr viel schonungsloser, krasser, als ich gedacht hätte bzw. als es Klappentext und Cover (das niederländische Original-Cover wirkt da schon sehr viel unheilvoller) vermuten lassen. Wie erbarmungslos die Menschen (Erwachsene, Jugendliche) hier miteinander umgehen, hat mich sehr getroffen. Dadurch dass hier fast jeder der Protagonisten irgendwie Schuld auf sich lädt, ist es umso düsterer und hoffnungsloser.
Die Schilderung in mehreren, sich abwechselnden Zeitebenen (wobei in der Gegenwart das Geschehen auf einen Tag komprimiert ist) baut eine Spannung auf, die bis zum Schluss aufrecht gehalten wurde, auch wenn das Ende irgendwann absehbar war.


Kein Lesevergnügen, aber dennoch definitiv lesenswert – mit einer Ich-Erzählerin, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Veröffentlicht am 19.09.2019

Schnodderige gewitzte Ich-Erzählerin

Scherbenpark
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Nachdem ich mittlerweile schon fast das Gesamtwerk der von mir sehr geschätzten Alina Bronsky gelesen habe, war nun zum (vorläufigen!) Abschluss das Debüt der Autorin an der Reihe.

Die 17-jährige Ich-Erzählerin ...

Nachdem ich mittlerweile schon fast das Gesamtwerk der von mir sehr geschätzten Alina Bronsky gelesen habe, war nun zum (vorläufigen!) Abschluss das Debüt der Autorin an der Reihe.

Die 17-jährige Ich-Erzählerin Sascha hat alles andere als eine behütete, glückliche Jugend in einer Hochhaussiedlung in Darmstadt. Das ganze Drama erschließt sich erst nach und nach (wenn man den Klappentext vorher nicht liest – meine Empfehlung!) und als Leser kann man nur erstaunt sein, dass sie trotz allem ihren Lebensmut, die Lust am Lernen und auch ihren Humor behält. Sie trifft nicht immer kluge Entscheidungen und dabei hätte ich sie gerne von manchen abgehalten, denn Sascha ist mir bei der Lektüre ans Herz gewachsen.
Wird oft als Jugendbuch verkauft – ich fand es (auch) als Erwachsene sehr lesenswert.

Veröffentlicht am 17.09.2019

Anklage und Mahnung

Abschied von Sidonie
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Das dünne Büchlein "Sidonie" ist ein frühes Werk von Erich Hackl, das ganz zufällig seinen Weg zu mir fand.

Es ist eine Geschichte, die nahe geht. Eine Anklage und Mahnung. Sehr empfehlenswert!

Der Stil ...

Das dünne Büchlein "Sidonie" ist ein frühes Werk von Erich Hackl, das ganz zufällig seinen Weg zu mir fand.

Es ist eine Geschichte, die nahe geht. Eine Anklage und Mahnung. Sehr empfehlenswert!

Der Stil ist vor allem anfangs sehr dokumentarisch, aber der Autor bleibt nicht neutral, sondern schreibt auch emotional und wertend – insgesamt ergibt das eine runde, angemessene Erzählung. Es handelt sich bei "Sidonie" nämlich um eine wahre Geschichte, die der Autor so authentisch wie möglich und dennoch auch mit den Mitteln eines Literaten aufschreibt.

Veröffentlicht am 05.09.2019

Als Stimmungsbild interessant – ansonsten: naja

Dutschki vom Lande
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Die Aneinanderreihung von episodenhaften Szenen, die jeweils ein Kapitel umfassen, bremste für mich immer wieder die Handlung von "Dutschki" aus. Überhaupt passierte im Buch wenig handfestes – einen Spannungsbogen ...

Die Aneinanderreihung von episodenhaften Szenen, die jeweils ein Kapitel umfassen, bremste für mich immer wieder die Handlung von "Dutschki" aus. Überhaupt passierte im Buch wenig handfestes – einen Spannungsbogen oder eine überraschende Entwicklung gab es nicht. Stattdessen scheint der Autor Michael Bauer einfach seine Erinnerungen an ein Semester an der Uni Mainz zu rekapitulieren, ohne das ganze 'Autobiographie' nennen zu wollen. Das ergibt für mich ein Stimmungsbild aus dem spannenden Jahr 1968, was durchaus interessant ist, auch wenn es manchmal etwas tiefergehender hätte beschrieben werden können.

Als Stimmungsbild interessant – ansonsten weder Roman noch Autobiographie, sondern irgendetwas halbgares dazwischen. Insgesamt so wie man sich die Studentenrevolte in der 'Provinz' vorstellt: eher träge.

Veröffentlicht am 04.09.2019

Exodus der Afro-Amerikaner

Ein anderer Takt
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William Melvin Kelleys Debüt versetzt den Leser in die Südstaaten der USA Ende der 1950'er Jahre. Wie auf ein geheimes Signal hin, verlassen alle Schwarzen den unbenannten Bundesstaat. Die weiße Bevölkerung ...


William Melvin Kelleys Debüt versetzt den Leser in die Südstaaten der USA Ende der 1950'er Jahre. Wie auf ein geheimes Signal hin, verlassen alle Schwarzen den unbenannten Bundesstaat. Die weiße Bevölkerung bleibt ratlos zurück, sucht Erklärungen, weiß nicht, ob und wie sie reagieren soll. Es ist klar, dass dieser Exodus einen Wendepunkt bedeutet.

Dabei schreibt der afro-amerikanische Autor ausschließlich aus der Sicht der weißen Bevölkerung, was ein interessanter Schachzug ist – nicht nur, weil die genauen Umstände des massenhaften Aufbruchs mysteriös bleiben. Der tief verwurzelte Rassismus und der Glaube an die Legitimität einer weißen Vorherrschaft wird gerade durch diese Erzählform in verschiedenen Facetten beschrieben und es wird deutlich, dass sich diese Ansichten durch alle Bevölkerungsschichten ziehen. Das ist erschreckend, auch wenn bis zum Schluss die Hoffnung bleibt, dass sich an diesem System doch noch etwas ändern kann.

William Melvin Kelleys im Original bereits 1962 veröffentlichtes Debüt erscheint in Deutschland zu einem Zeitpunkt, in dem der Rassismus nicht nur in den USA wieder auf dem Vormarsch ist. Ein wichtiges, erschreckendes und mahnendes Buch.