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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2026

Zeitreise

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Kristof Magnusson nimmt uns mit in die 1990er Jahre. Europa genießt die neue Freiheit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In "Die Reise ans Ende der Geschichte" müssen sich alte und neue Agent*innen mit ...

Kristof Magnusson nimmt uns mit in die 1990er Jahre. Europa genießt die neue Freiheit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In "Die Reise ans Ende der Geschichte" müssen sich alte und neue Agent*innen mit den veränderten Begebenheiten arrangieren und ihren Platz, ihre (selbst gestellten) Aufgaben dort finden - aus Angst vor der Bedeutungslosigkeit oder schlimmerem.
Eher zufällig gerät der Dichter Jakob Dreiser in diese illustre Szene. Hier kann man Kristof Magnusson durchaus vorwerfen, dass er nicht nachvollziehbar erklärt, warum dieser bei dem Spiel mitmacht. Das ist einerseits schade, andererseits aber vielleicht einfach so.
Das Buch ist insgesamt überaus unterhaltsam, atmosphärisch und leicht geschrieben. Die Geschichte mag absurd erscheinen, aber gerade die reale Geschichte (gerade in dieser Zeit) ist ja nun mal auch oft absurd.

Veröffentlicht am 05.02.2026

Musical und Liebe

Jonah Goes Off Script
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In Robyn Greens Geschichte überzeugte mich das Setting - wobei man gleich dazu sagen muss, dass das Buch nicht an einem Theater nach deutscher Definition spielt, sondern an einem Musicaltheater. Es gibt ...

In Robyn Greens Geschichte überzeugte mich das Setting - wobei man gleich dazu sagen muss, dass das Buch nicht an einem Theater nach deutscher Definition spielt, sondern an einem Musicaltheater. Es gibt also keine Arbeit an neuen Stücken etc., aber dafür einen von einer Insiderin beschriebenen Alltag mit dem dort laufenden Stück.
In diesem Stück über den Trojanischen Krieg spielt und singt Jonah die Hauptrolle. Jonah ist auch im Buch eine sympathische Hauptfigur, die einem ans Herz wächst und mit der man bei all dem sich ergebenden Drama mitfühlt. Gegenpart ist Dexter, der viel ambivalenter, eigentlich sogar problematisch, ist. Man kann die Anziehung, die er auf Jonah hat, ein Stück weit nachvollziehen, aber halt auch nicht so richtig. Mit seinem Charakter hatte ich bis zuletzt Probleme. Für mich jetzt schwer zu sagen, ob das nun einfach realistisch ist oder ob man sich in dieser Art von Unterhaltunsliteratur doch eine andere Auflösung oder zumindest Einordnung wünschen darf.
Davon abgesehen gibt es aber schöne gefühlvolle Szenen zwischen den beiden und viel Theaterflair und da ich keinen pädagogischen Anspruch an dieses Buch haben will, macht es das für mich ein gutes Stück wett und ich habe mich insgesamt gut unterhalten gefühlt.
Sprachlich ist das Buch ziemlich wechselhaft zwischen britisch-humorvoll, kitschig und leider manchmal auch etwas unbeholfen. Insgesamt aber gut lesbar.

Veröffentlicht am 29.01.2026

Ein Leben zwischen Glamour und Tragik

Oscar Wilde – die Comic-Biografie
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Oscar Wilde war eine schillernde Persönlichkeit mit einem Leben zwischen Glamour und Tragik. Die Graphic-Novel-Biographie von Autor Tommaso Vitiello und Zeichnerin Licia Cascione schafft es, dieses Leben ...

Oscar Wilde war eine schillernde Persönlichkeit mit einem Leben zwischen Glamour und Tragik. Die Graphic-Novel-Biographie von Autor Tommaso Vitiello und Zeichnerin Licia Cascione schafft es, dieses Leben auf 124 Seiten zusammen zu fassen. Dabei wird auf einleitende oder abschließende erklärende Texte verzichtet (evtl. wäre das für die handelnden Personen sinnvoll gewesen). Dennoch hat man nach der Lektüre einen guten (ersten) Eindruck von Oscar Wilde. Sein Charme, sein Witz, sein Genie, sein Selbstbewusstsein, seine Ambivalenz, sein Fall - all das klingt gut gewichtet an. Immer fließen Original- oder leicht abgewandelte Zitate Oscar Wildes in den Text ein, was das ganze noch authentischer macht.
Auch die Bildsprache gefällt mir gut. Wirkt der Oscar Wilde auf dem Cover eher jugendlich, ist er im Buch (auch optisch) weitestgehend ein erwachsener Mann. Emotionen werden eindrücklich verdeutlicht. Die Farben sind stimmig zu Geschichte und Zeit.
Rundum ein tolles Buch, das Oscar Wilde sehr gut vorstellt.

Veröffentlicht am 27.01.2026

Vielschichtig und stimmig

Mo & Moritz
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In "Mo & Moritz" tun sich nach und nach eine Reihe jugendlicher, familiärer und gesellschaftlicher Problemfelder auf, die alle glaubhaft beschrieben werden und zu Mos Geschichte passen. Diese knallharte ...

In "Mo & Moritz" tun sich nach und nach eine Reihe jugendlicher, familiärer und gesellschaftlicher Problemfelder auf, die alle glaubhaft beschrieben werden und zu Mos Geschichte passen. Diese knallharte Realität neben dem Glamourumfeld des Friseursalons war ein guter und realistischer Gegensatz. Dazu dann noch die einfühlsam erzählte Liebesgeschichte zwischen Mo und Moritz, die ebenfalls sehr glaubhaft war. Bei der Zeichnung der Charaktere wird mir vor allem Mos Familie in Erinnerung bleiben, die einige Gegensätze beinhaltet, und so das Spannungsfeld, in dem (nicht nur) Migranten (nicht nur) in Westeuropa sich oft befinden, gut und wertfrei beschreibt.
Für mich ein stimmiges Coming-of-Age-Jungendbuch, das viele aktuelle Themen aufgreift und diesen dennoch gerecht wird, ohne für alle Lösungen zu finden.
Das in Wien spielende Buch ist von der der ebenfalls in Wien lebenden Julya Rabinowich mit österreichischem Lokalkolorit geschrieben. Vielleicht stolpern jugendliche deutsche Leser*innen da mehr drüber als ich, aber ich denke, man kommt schon gut zurecht. Sprachlich hat das Buch eine gewisse Leichtigkeit, aber immer mit Niveau.

Veröffentlicht am 10.01.2026

Wichtig

Da, wo ich dich sehen kann
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"Da, wo ich dich sehen kann" ist wie die anderen Romane von Jasmin Schreiber wieder sehr gut und einfühlsam geschrieben. Dass ich es dann doch öfter aus der Hand legen musste, liegt am heftigen Thema. ...

"Da, wo ich dich sehen kann" ist wie die anderen Romane von Jasmin Schreiber wieder sehr gut und einfühlsam geschrieben. Dass ich es dann doch öfter aus der Hand legen musste, liegt am heftigen Thema. Das Buch dreht sich um einen Femizid - die Vorgeschichte des Mordes an Emma und vor allem die Auswirkungen auf die Hinterbliebenen. Was auch deutlich wird, ist die Ignoranz bzw der Hang zur Verharmlosung der Gesellschaft und Politik gegenüber des Themas. Auch ohne explizite Gewaltdarstellung fand ich das alles schon recht heftig, aber auch wichtig. Ausgeglichen wird es ein Stück weit durch das wirklich liebenswerte Personal, nämlich die Angehörigen, aus deren Sicht das Buch kapitelweise wechselnd geschrieben ist.
Keine leichte Kost, aber ein wirklich wichtiges Buch!