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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2026

Atmosphärisch

Melken
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Melken von Sanna Samuelsson ist eine stimmungsvolle Schilderung einer Suche nach Heimat und der eigenen Identität. Die Ich-Erzählerin Ellen kehrt auf den Milchhof ihrer Kindheit zurück, von dem ihre Familie ...

Melken von Sanna Samuelsson ist eine stimmungsvolle Schilderung einer Suche nach Heimat und der eigenen Identität. Die Ich-Erzählerin Ellen kehrt auf den Milchhof ihrer Kindheit zurück, von dem ihre Familie schon vor Jahren weggezogen sind. Die Realität auf dem Land hat sich seit ihrer Kindheit radikal geändert - Milchwirtschaft wird z.B. kaum noch betrieben. In Rückblicken wird die Kindheit auf dem Milchhof und der Beginn dieses Wandels sehr stimmungsvoll und ohne Kitsch beschrieben. Auch die Orientierungslosigkeit der Protagonistin nach einer Trennung in der Jetzt-Zeit ist eindrücklich beschrieben. Auch die sommerliche, ländliche im Wandel begriffene Landschaft wird sehr lebendig.
Viel passiert in diesem Buch nicht und mir fehlte hier schon eine Entwicklung, aber wer gerne atmosphärische Beschreibungen liest, ist hier richtig.

Veröffentlicht am 30.03.2026

Berührend, aber nichts Ganzes

Lola im Spiegel
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Die Geschichte einer wohnungslosen Jugendlichen ist anfangs berührend, bis sie dann an Fahrt aufnimmt und immer rasanter wird. Ich fand die Schilderung des Lebens als Wohnungslose in Brisbane, Australien ...

Die Geschichte einer wohnungslosen Jugendlichen ist anfangs berührend, bis sie dann an Fahrt aufnimmt und immer rasanter wird. Ich fand die Schilderung des Lebens als Wohnungslose in Brisbane, Australien eindrücklich und die der wohnungslosen Gemeinschaft berührend. So richtig gepackt hat mich die Story aber nicht. Es war mir zu sehr zwischen Sozialdrama, Action und Thriller. Nichts Halbes (Drittel) und nichts Ganzes.
Die Wohnungslosigkeit der Protagonistin ist Resultat der in der Ankündigung zentralen Flucht. Diese Ankündigung finde ich etwas missverständlich ausgedrückt. Ja, es gibt eine Flucht, aber die ist sowohl anfangs als auch später ganz anders als ich gedacht hätte. Und auch wenn sie ein zentrales Motiv ist, steht für mich doch die mutige, künstlerische Protagonistin und ihre Entwicklung im Vordergrund.
Ein Buch, das sich schwer verorten lässt, sowohl in der Stimmung als auch im Genre. Das gleichzeitig traurig und düster als auch hoffnungsvoll und lebensfroh ist, das interessante Charaktere hat. Manchmal dachte ich, dass hier Tiefe fehlt, aber vielleicht ist es ok so und eine sowohl berührende als auch unterhaltende Lektüre.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2026

Interessanter Rahmen mit ausbaufähiger Geschichte

Das schönste aller Leben
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Betty Boras erzählt eine Familiengeschichte aus Frauenperspektive. Sie alle haben kein leichtes Leben, aber sie sind alle stark diese Frauen, auch wenn sie das vermutlich nicht von sich selbst sagen würden. ...

Betty Boras erzählt eine Familiengeschichte aus Frauenperspektive. Sie alle haben kein leichtes Leben, aber sie sind alle stark diese Frauen, auch wenn sie das vermutlich nicht von sich selbst sagen würden. Geprägt ist ihr Leben von ihrer Identität als Banater Schwaben. Die sehr gefühlvolle Beschreibung dieser oft übersehenen Gruppe, ihrer Identität und Kultur, ihrem Stand in Deutschland und Rumänien, die fand ich sehr eindrücklich und lehrreich. Viel Platz im Buch nimmt auch die Perspektive der als Kind nach Deutschland gekommenen Vio ein, deren Kleinkind Verbrennungen im Gesicht hat. Die struggles von Vio hiermit fand ich nachvollziehbar, auch den Bezug auf die Familiengeschichte, allerdings fehlte mir hier eine nachvollziehbare Weiterentwicklung. So zog sich dieser Part mit all seiner Tragik und Problematik leider etwas.
Interessanter Rahmen mit ausbaufähiger Geschichte.

Veröffentlicht am 19.03.2026

Bildhaft

Moosland
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Ein sehr stimmungsvolles Buch. Das Leben auf dem isländischen Bauernhof wurde in "Moosland" für mich lebendig und wirkte sehr authentisch. Die deutsche Gastarbeiterin Elsa verstummt auftreten zu lassen ...

Ein sehr stimmungsvolles Buch. Das Leben auf dem isländischen Bauernhof wurde in "Moosland" für mich lebendig und wirkte sehr authentisch. Die deutsche Gastarbeiterin Elsa verstummt auftreten zu lassen war ein guter Schachzug von Katrin Zipse. Das passte gut zum Setting in einem fremd(sprachig)en Land und war auch mit einem Kriegstraumata gut zu begründen. Aber für mich wurde dieses Konzept leider überstrapaziert, indem es keine Entwicklung gab. Weder erfährt man mehr über das Traumata, noch kommt man als Leserin Elsa wirklich nah. Sie bleibt für die Leserin genauso unnahbar wie für ihre isländische Familie. Das mag konsequent umgesetzt sein, ist aber etwas frustrierend zu lesen.
Die bildhafte, stimmungsvolle Szenerie hat für mich aber doch einige rausgerissen und insgesamt ist es eine gelungene Beschreibung dieser historischen Nische.

Veröffentlicht am 19.02.2026

Zeitreise

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Kristof Magnusson nimmt uns mit in die 1990er Jahre. Europa genießt die neue Freiheit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In "Die Reise ans Ende der Geschichte" müssen sich alte und neue Agent*innen mit ...

Kristof Magnusson nimmt uns mit in die 1990er Jahre. Europa genießt die neue Freiheit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In "Die Reise ans Ende der Geschichte" müssen sich alte und neue Agent*innen mit den veränderten Begebenheiten arrangieren und ihren Platz, ihre (selbst gestellten) Aufgaben dort finden - aus Angst vor der Bedeutungslosigkeit oder schlimmerem.
Eher zufällig gerät der Dichter Jakob Dreiser in diese illustre Szene. Hier kann man Kristof Magnusson durchaus vorwerfen, dass er nicht nachvollziehbar erklärt, warum dieser bei dem Spiel mitmacht. Das ist einerseits schade, andererseits aber vielleicht einfach so.
Das Buch ist insgesamt überaus unterhaltsam, atmosphärisch und leicht geschrieben. Die Geschichte mag absurd erscheinen, aber gerade die reale Geschichte (gerade in dieser Zeit) ist ja nun mal auch oft absurd.