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Veröffentlicht am 30.03.2026

High Fantasy x Slow Burn

Der Hof der silbernen Nacht
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Noch neunhundertelf erfolgreiche Aufträge trennen Niva Liorell von ihrem Ziel – der Freiheit für ihre Schwester. Bis Borwin ihr ein Angebot macht, das gefährlich, potenziell tödlich und zum Scheitern verurteilt ...

Noch neunhundertelf erfolgreiche Aufträge trennen Niva Liorell von ihrem Ziel – der Freiheit für ihre Schwester. Bis Borwin ihr ein Angebot macht, das gefährlich, potenziell tödlich und zum Scheitern verurteilt ist, dem sich die Lichtwandlerin jedoch nicht entziehen kann. Immerhin könnte sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Riennes Ketten sprengen und sich an ihrem Feind, dem König von Emberfall, rächen. Der Mann, der den Schwestern die Eltern, ihre Kindheit und eine selbstbestimmte Zukunft genommen hat.
Was sie dafür tun muss? Sich in den Silberhof einschleusen, das Vertrauen des allseits gefürchteten Dunkelelfen gewinnen, ihm Informationen entlocken und ihm ein mysteriöses Artefakt direkt vor der Nase wegschnappen. Ein Klacks … nicht. Denn obgleich Niva ein enormes, seltenes Talent dafür hat, ihre Gestalt mit ihrer Magie zu wandeln und in fremde Rollen zu schlüpfen, sie allerhand Zauber und Pulver kennt, die ihre Täuschungen perfektionieren, und sie für die einen oder anderen Tücken, die eine Anstellung am Hofe von Elarun mit sich bringt, einen Plan hat, ist sie noch immer eine Sonnenelfe, ein Wesen, das seine Kraft aus dem Licht zieht. Und in Valerian Kaelvanes Reich herrscht die Dunkelheit, regieren die Schatten, die viel zu oft Augen und Ohren besitzen …

Gemeinsam mit dem Seheräffchen Gimo, mit dem Gedanken an ihre Schwester und dem Wunsch nach Vergeltung macht sich Niva auf nach Emberfall – wird zu Milena Rosenthau – und ahnt nicht, dass sie in wenigen Wochen alles, was sie zu wissen glaubte, woran sie jahrelang festgehalten hat, loslassen muss. Dass Hass und Vorurteile von ihr abfallen werden, wie im Schlaf die sorgsam gewirkten Illusionen. Denn schon bald wird die Lichtmagierin mehr als nur ihr Leben riskieren – für den König des dunklen Landes, den Kriegstreiber, den Mörder …

„Verliere dich nie in deiner Rolle.“

„Der Hof der silbernen Nacht“ ist der Auftakt einer High-Fantasy-Dilogie, der mich von Anfang bis Ende mitgerissen hat. K. T. Steen schaffte es, mich mit ihrer mutigen und selbstlosen, nicht unfehl-, dafür nahbaren Protagonistin, der im Hintergrund entstehenden, jedoch zumindest in diesem Band nicht dominierenden Romance sowie dem komplexen Worldbuilding an die Seiten zu fesseln.
Gemeinsam mit Niva tauchen wir in die Düsternis der Dunkelelfen ein, erschmeicheln uns einen Platz als Schriftführerin am Silberhof, werden mit Fragen und Ungereimtheiten konfrontiert, mit tragischen Schicksalen und Offenbarungen, die sich mit derselben niederschmetternden Präzision in der Illusionistin festkrallen wie Zuneigung, Mitgefühl und Wärme. Denn je länger Niva im Silberschloss weilt, je stärker sie ein Teil der fragilen Schattengemeinschaft wird, je näher sie dem gnadenlosen Herrscher kommt und je mehr Fragmente – fehlende Teile – sie findet, umso angekommener fühlt sie sich.
Sie, eine Lichtelfe. Eine Lügnerin. Der Feind, den Valerian so unbedingt enttarnen will. Dabei darf Niva zu keiner Zeit vergessen, wer sie ist, darf ihr Ziel – für Rienne – nicht aus den Augen verlieren … wenn es sie auch ihr Herz und ihr Leben kosten könnte.

Mimt Valerian Kaelvane auch bemüht den harten Bad-Boy, lässt sich im voranschreitenden Verlauf erkennen, dass hinter der gleichgültigen, selbstsicheren und nahezu arroganten Fassade Schmerz steckt, Schuld. Vorsicht. Denn schon einmal war es Vertrauen, das ihm und seinen Getreuen zum Verhängnis wurde. Ein Fehler, der ihn seitdem aussaugt, ihm täglich in Erinnerung ruft, sich niemals wieder verletzlich zu machen …

Die Autorin erzählt in einem mitreißenden Ton, klar, vorstellbar, gespickt mit Gefühl und Witz. Kreierte eine einnehmende, wankelmütige Atmosphäre, die über das ganze Szenario eine Schwere legt, eine pulsierende Gefahr und Argwohn. Begleitet werden diese Eindrücke von Nivas Angst, enttarnt zu werden, der Möglichkeit, zu scheitern, und der Konsequenzen, die Versagen bedeuten würde. Da sich die Dynamik zwischen ‘Milena Rosenthau’ und ihrem neuen Chef nur langsam wandelt, sind die kleinen Veränderungen in der Haltung von Vale und seiner Schriftführerin, ihr zaghaftes öffnen, greifbar. Slow-Burn at the best.
Abgesehen von der wunderbaren Charakterzeichnung konnte mich vor allem das merklich durchdachte, detailliert dargelegte und interessante Worldbuilding begeistern – wir treffen auf verschiedene Wesen und Magie, besuchen einen Teil von Mirilor, spüren die Wunder uralter Artefakte, reisen durch Schatten und sehen, wie Illusionen lebendig werden. Steen lässt die Erklärungen zu einzelnen Gegebenheiten wie auch relevante Hintergründe und Politik stimmig in ihre Story einfließen, spart nicht an Humor und Aufregung, nicht an Spannung und Action, nicht an Geheimnissen und prickelnder Tension. Von puren Emotionen und Tragik bis hin zu Leid und Schuld, von den diversen Arten der Liebe zu Freundschaft bis hin zu Hass und Verrat – in diesem Buch wartet so viel, das es zu entdecken, in dem es sich zu verlieren gilt.

Zudem wird die Handlung von einigen Nebenfiguren bereichert – abgesehen von Taren und Gimo, die mir beide sehr ans Herz wuchsen, sind da Evelyne Caelius, Rienne und Aurélie. Auch andere, deren Rolle lange ungewiss ist, deren Ziele verborgen liegen, mischen mit und animieren dazu, aufmerksam zu bleiben. Denn wem kann man wirklich trauen, wenn es um Macht geht?

Die letzten Kapitel strotzen vor Überraschungen und Wendungen, vor Verlusten und Ausweglosigkeit, vor Hilfe aus ungeahnter Richtung und weiteren, alles infrage stellenden Erkenntnissen, während sich Niva Liorell in noch mehr, in neue Risiken stürzt und wir gespannt auf das Finale der Schattenlicht-Saga sein können.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Spice, Consens, Spannung und Humor

Brutal Vows
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„Brutal Vows“ ist der vierte Teil der spicy Romance-Reihe um die „Queens and Monsters“. Auch in diesem Buch zeigt J. T. Geissinger sehr deutlich, dass selbst die härtesten Mafiosi nicht vor den Waffen ...

„Brutal Vows“ ist der vierte Teil der spicy Romance-Reihe um die „Queens and Monsters“. Auch in diesem Buch zeigt J. T. Geissinger sehr deutlich, dass selbst die härtesten Mafiosi nicht vor den Waffen der – ihrer – Frauen gefeit sind …

Um ihre Nichte zu retten, würde Reyna alles tun – auch ihre hart erkämpfte Freiheit aufgeben. Und so gleitet sie – mit hocherhobenem Haupt und bebendem Herzen – statt Lili zum Traualtar, um das Arrangement zwischen ihrem Bruder, dem Oberhaupt des Caruso-Clans, und der irischen Mafia zu erfüllen und keinen Krieg vom Zaun zu brechen.

Für Spider ist diese Eheschließung nicht mehr als eine zweckdienliche Pflicht, die er bereitwillig für seine Familie, die ihn auffing, als sein Leben gleich eines Infernos in Flammen aufging, erfüllt. Declan O'Donells rechte Hand ist überzeugt davon, nie mehr zu lieben, schon gar nicht eine Teenagerin. Aber als Reyna auf ihn zuschreitet, will er von der Viper alles.
Und ahnt dabei nicht, welche Waffe er sich ins Bett holt.

„Alle Frauen sind in derselben Situation wie ich und Lili. Wir werden wie Vermögenswerte an Männer versteigert, die nicht wissen, wie man liebt.“

„Brutal Vows“ wird aus wechselnder Perspektive erzählt, wobei uns hauptsächlich Rey durch das sich langsam aufbauende Geschehen und in sich auf unerwartete Weise zuspitzende Situationen trägt. Seit drei Jahren trägt die „Viper“ schwarz, hat der Liebe schon lange davor abgeschworen und war sich sicher, niemals wieder „Ja“ zu einem Mann zu sagen. Dass ihr Ruf – erbaut aus geflüsterten Vermutungen und Angst, aus ihrer eigenen Kälte – sie vor Avancen und Blicken schützt, kommt der „Schwarzen Witwe“ nur zugute.
Doch Mr. Quinn fordert sie mit seiner bloßen Präsenz heraus, mit seinem überlegenen Gehabe und mit seinem Verhalten, das nicht zu den Strukturen passt, die Reyna gewohnt ist.

Zwischen heftigen Diskussionen, unterschwelligen Drohungen, harten Verhandlungen und spritzigen Schlagabtauschen erwärmt die mysteriöse Bad-Ass-Hexe Spiders Herz, vereinnahmt seinen Verstand, seine Träume und seinen Schwanz. Quinn will die Geheimnisse der Viper, ihren Hass ergründen, will ihre Mauern einreißen, will ihre Wahrheiten, ihre Schreie – niemals hätte er zu hoffen gewagt, all das und mehr wirklich zu bekommen …

Wie gewohnt war Geissingers Stil sehr direkt und modern, emotional und nicht frei von Sarkasmus. Trotz blutiger und gewaltvoller, anschaulich dargelegter damn expliziter Szenen und der interessanten, in meinen Augen authentisch inszenierten Mafia-Komponente, der über allem liegenden Gefahr und des nie abklingenden Misstrauens ist die temporeiche Story reich an Humor und Witz. Ich habe die Wortgefechte und Reys Schlagfertigkeit genossen und mich wieder köstlich amüsiert. Zum hohen Unterhaltungsfaktor tragen zudem die Nebenfiguren bei, allen voran Reynas Mutter. Auch die bereits bekannten Couples – Natalie & Kage, Malek & Riley und Declan & Sloane – sowie Kieran und Gianni mischen mit, sodass Rivalität und Feindschaft zwar in der Luft lagen, aber nicht gegen die Stärke der taffen, sich ihres Einflusses bewussten Frauen ankamen. Hinter der Romance brodeln die Fehden zwischen der Bratwa, dem Irish Mob und der Cosa Nostra – und dieser schwelenden Bedrohung ist sich der Lesende stets gewahr.

Während die Autorin auf einen griffigen und vorstellbar ausgebauten Verlauf, der reich an Abwechslung und Wendungen ist, Wert legt, wurden die Protagonisten mit Fehlern gezeichnet, mit Abgründen und Schatten.
Die Dynamik zwischen der Witwe und dem Iren schwankt von heiß zu kalt, von Leidenschaft zu bodenloser Abneigung, quillt über vor Konflikten und Zärtlichkeit. Ihre Hintergründe – die traumatischen, sie gezeichneten Erlebnisse und ihre seelischen Narben – zu entdecken, war absolut bewegend. Und intensiv.
Von allen bisher kennengelernten Kämpferinnen der „Queens and Monsters“ war Reyna Caruso die Unberechenbarste, wurde sie doch in diese Welt, in ein System, in dem Männer die Macht und Frauen nichts haben, hineingeboren. Rey kennt die wahren Ungeheuer, ihren Verrat und die brüchigen Bündnisse, kennt ihren Platz und ist sowas von bereit, diesen zu verlassen und aufzusteigen …

Die Handlung ist von Anfang bis Ende mitreißend und spannend, spaßig und heiß. Hält Spicy-Szenen, Romantik und Überraschungen bereit.
Ich jedenfalls hätte nichts gegen mehr Geschichten über die Monster und ihre Königinnen. Kurz: absolute Suchtgefahr!

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Lebensnah, authentisch, berührend

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Jules und Adam sind in ihren 50ern, seit 25 Jahren verheiratet, Eltern von zwei erwachsenen Kindern und waren die erste große Liebe füreinander.
Doch wo früher Aufregung und Schmetterlinge waren, haben ...

Jules und Adam sind in ihren 50ern, seit 25 Jahren verheiratet, Eltern von zwei erwachsenen Kindern und waren die erste große Liebe füreinander.
Doch wo früher Aufregung und Schmetterlinge waren, haben sich längst Gewohnheit und Distanz eingenistet. Resignation und Unzufriedenheit haben Leidenschaft und Wertschätzung ersetzt. Ihre euphorischen Zukunftspläne wurden von der Monotonie des Alltags überschrieben, von Ängsten, Scheitern und Zögern. Die Ehe von Jules und Adam befindet sich in einem Zustand, der nach Stagnation schreit und nach Wehmut. Denn was wäre gewesen, wenn …
Welche Chancen haben sie verpasst, welche Fehler gemacht und was kommt noch? Was bleibt, wenn Nelly und Liam das Nest verlassen?

Als Adam sich nach einem Streit ein altes Mixtape anhört, ist er wieder 17 Jahre jung. Mit dieser unglaublichen Entdeckung verändert sich für das Paar alles – in dieser und in jeder Zeit zuvor. Was als Beobachtung beginnt, entwickelt sich zu einer Sucht, in der nichts unmöglich zu sein scheint. Aber jedes Eingreifen in die Vergangenheit hat unberechenbare Folgen.
Statt die Gegenwart besser zu gestalten, erkennen sich Adam und Jules, erkennen sie einander, schon bald nicht wieder. Und plötzlich droht, dieses Abenteuer zu entgleisen und all ihre Jahre, ihre Erinnerungen, ihre Familie zu zerstören …
Wie viel musst du ändern, um zufrieden zu sein?

„You and Me: Die zweite erste Liebe“

Emlyn Rees und Josie Lloyd lassen uns aus wechselnder Perspektive, in einem direkten und modernen, lebendigen Ton, an dem Geschehen, das mich von Seite eins an gefesselt, ungeahnt berührt und interessiert hat, teilhaben. Zu Beginn erhalten wir Einblicke in die gegenwärtige Situation des Ehepaares, erhaschen Funken der brodelnden Konflikte, der vergeblichen Bemühungen, der monotonen Gleichgültigkeit. Es fehlt an Geld, neuen Perspektiven, Herausforderungen und frischem Wind. An dem Kribbeln, das der andere einst entfachte, an der glückstrunkenen Liebe ihrer Jugend. Auch der Blick in den Spiegel, die körperlichen Veränderungen – der nicht mehr ganz so straffe Körper, die Falten im Gesicht, die ersten grauen Haare –, einschneidende Erlebnisse, die ihren Weg steiniger werden ließen, sowie die Vergleiche mit FreundInnen, beißender Neid, stille Vorwürfe quälen Adam und Jules. Dass sich die Protagonisten um ihren grundverschiedenen Nachwuchs sorgen, kommt erschwerend hinzu. Das Autorinnenduo hat all diese Empfindungen, die Probleme und die Wut unglaublich authentisch dargelegt. Nahbar. Sich mit den Gefühlen der beiden zu identifizieren, gelingt mühelos, passiert einfach so.
Sobald die – anfangs hoffnungsvoll betrachteten – Mixtapes, diese verführerische Chance auf ein erfüllteres, leichteres Leben, ins Spiel kommen, steigt neben Tempo, Nervenkitzel und Euphorie auch die Verzweiflung an. Parallel hierzu wird die Vergangenheit des Paares mit relevanten, für uns hilfreichen Informationen ausgeschmückt. Denn während der Zeitreisen sind wir mittendrin: in den romantischen Anfängen, bei schweren Entscheidungen und den ersten Brüchen, entdecken Facetten und Träume, Sehnsüchte und Geheimnisse, Enttäuschung und Trauer. Adams und Jules individuelle Motivationen waren natürlich und nachvollziehbar, genau wie die wachsende Panik. Wie die langsam zunehmende Gewissheit, nicht mehr umkehren zu können, auf jeder Reise etwas zurückzulassen und einen Teil ihrer selbst, ihrer Beziehung, der Wahrheit auszuradieren …

Adam und Jules wurden mit viel Liebe zum Detail, mit Fehlern, ambivalenten Empfindungen und Eigenheiten gezeichnet, waren unfair und wütend, einsichtig und voller Bedauern. Beide entwickeln sich, gewinnen Erkenntnisse und wachsen an diesem fantastischen und zugleich gefährlichen Abenteuer. Die Story war bunt und echt, strotzt trotz der beklemmenden Umstände vor Unterhaltung und auch die Nebenfiguren – vor allem Darius, Nelly und Liam – bekommen den nötigen Raum und bereichern mit ihrer Präsenz, ihren Eigenschaften und Intentionen die Handlung.

Die Autorinnen haben in ihrem aussagekräftigen, ereignisreichen und spannenden Plot sich stetig wandelnde Charaktere, etliche Überraschungen und unvorhersehbare Wendungen platziert. Es gab bewegende Szenen, humorvolle Momente, Augenblicke, die schwer von Wehmut und Melancholie waren. Kapitel, die von einer bedrückenden Stimmung begleitet wurden, und solche, die vor Leichtigkeit sprühen.
Hier und da flossen die Übergänge zwischen Vergangenheit und (neuer) Gegenwart auf eine Art ineinander, die es schwierig machte, den Überblick zu behalten, doch abgesehen davon hatte ich unglaublich viel Spaß mit dem Roman, der zum Innehalten und Nachdenken, zum Mitfiebern und -fühlen drängt. Der Nostalgie und Vorfreude, Verständnis und Wiedererkennen weckt. Mut macht.

Rees und Lloyd schrieben mit „You and Me: Die zweite erste Liebe“ eine turbulente, realitätsnahe Geschichte, die daran erinnert, dass wir jetzt die beste und einzig richtige Version unserer selbst sind und jede Entscheidung, mag sie noch so klein sein, Veränderungen birgt. Dass es nie zu spät ist, seine Träume zu leben. Und die Liebe von gestern auch in einem neuen Morgen bestehen kann, wenn man sie wirklich will.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Emotional Scars meets Boys Love

Go Luck Yourself
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𝐆𝐨 𝐥𝐮𝐜𝐤 𝐲𝐨𝐮𝐫𝐬𝐞𝐥𝐟

Die Magie von Weihnachten, die Freude, wurde gestohlen, dabei brauchen die Clausens jeden Funken, um ihre Schulden bei den anderen Feiertagen zu tilgen. Diese Nachricht würde nach dem ...

𝐆𝐨 𝐥𝐮𝐜𝐤 𝐲𝐨𝐮𝐫𝐬𝐞𝐥𝐟

Die Magie von Weihnachten, die Freude, wurde gestohlen, dabei brauchen die Clausens jeden Funken, um ihre Schulden bei den anderen Feiertagen zu tilgen. Diese Nachricht würde nach dem kürzlich aufgedeckten Skandal um die mächtige Winterfamilie nicht gut ankommen und so beschließen die Erben der Weihnacht, dem einzigen Hinweis, den sie am Tatort gefunden haben, nachzugehen. Da Coal mit politischen Verhandlungen, diplomatischem Kram und der Planung seiner baldigen Krönung beschäftigt ist, stürzt sich Kris in die Aufklärung der … Rache? Vergeltung? Oder des Karmaschlags?

Was der vermeintliche „Ersatzprinz“ nicht weiß: 𝗟𝗼𝗰𝗵𝗹𝗮𝗻𝗻 𝗣𝗮𝘁𝗿𝗶𝗰𝗸 ist nicht nur der Kronprinz des St. Patrick’s Days, sondern auch der arrogante Student, mit dem er erst kürzlich eine in einem Lamettastrom ausartende Konfrontation ausgetragen hat …


𝑬𝒎𝒐𝒕𝒊𝒐𝒏𝒂𝒍 𝑺𝒄𝒂𝒓𝒔 𝒙 𝑯𝒂𝒕𝒆𝒓𝒔 𝒕𝒐 𝑳𝒐𝒗𝒆𝒓𝒔


Positiv vorweg: Ich mag die originelle Idee der „𝗥𝗼𝘆𝗮𝗹𝘀 𝗮𝗻𝗱 𝗥𝗼𝗺𝗮𝗻𝗰𝗲“-Reihe, in der Sara Raasch den Feiertagen ein Gesicht gibt und Liebe über den eigenen Horizont hinaus erschafft. Dass die sensiblen Themen, die in die Geschichten einfließen, mehr sind als Beiwerk, sondern tragend für die Entwicklung der Figuren, der Beziehungen und der Storyline, sorgt für überraschend viel emotionale Tiefe.
Jedoch fehlt es beiden Teilen an der angepriesenen Gemütlichkeit sowie dem Witz.

Erzählt wird aus der Sicht von 𝗞𝗿𝗶𝘀𝘁𝗼𝗽𝗵𝗲𝗿 𝗖𝗹𝗮𝘂𝘀, der seine Energie und Fürsorge seit Jahren aufwendet, um den Menschen um sich herum zu gefallen, ihnen zu helfen – es einfach allen recht zu machen, mit der Intention, einem weiteren Verlust entgegenzuwirken. Kris schreibt über Happy Ends, wagt es aber nicht, von seinem eigenen zu träumen.
Nun, da sein Bruder das Weihnachtsimperium führt und mit dem Prinzen von Halloween auf Wolke sieben schwebt, er nicht für eine Koalition mit Ostern Sorge tragen kann und ihn auch sein eingeschlagenes Studium nicht erfüllt, driftet der Christmas-Prinz in einen Strudel aus sich verstärkenden Selbstzweifeln und dem Gefühl, nutzlos zu sein. Und seine Eltern? Die machen ihm sein Dasein nur noch schwerer.
Somit kommt die neue Aufgabe Kristopher nur recht. Getarnt als diplomatisches Friedensangebot und Publicity-Session reist er – angriffslustig und siegesgewiss – nach Irland. Aber schnell fällt ihm die unverhältnismäßige Lebenssituation der hiesigen Royals auf: keine Bediensteten, kein Prunk, keine Magie. Und wo ist eigentlich der König?

Obwohl Kris weder seinen Ärger ob der Dreistigkeit noch sein Misstrauen loswird, lässt er sich auf die St.-Patrick's-Day-Family, die so gar nicht in glückstrunkener Feierlaune zu sein scheint, ein. Zwischen saftigen Schlagabtauschen, unangenehmen Fragen und zu viel Whiskey, Wohltätigkeitsveranstaltungen, heimlicher Spionage und subtiler Provokation kommen sich die Royals näher, offenbaren einander ihre Bürde, ihren Schmerz. Der Weihnachtsprinz sieht hin, zu Loch, dem arroganten Künstler, der kalt wie Eis ist und für schlechte Presse sorgt. Der im Hintergrund die Strippen zieht, organisiert und arrangiert und alles versucht, um den grünen Feiertag am Leben zu halten. Dabei hat Kris nicht vor, sich von seinen unangebrachten Gefühlen ablenken zu lassen und mit seinem Versagen Coal zu enttäuschen … Denn irgendjemand stiehlt die unabdingbare Freude und Weihnachten muss wissen, wieso.

Stilistisch erleben wir die verzwickte Situation in einem direkten und modernen, oft lockeren Ton, der in einem starken Kontrast zu den aufgegriffenen Themen und der vorherrschenden tristen, melancholischen Stimmung steht. Im Verlauf werden wir mit der Suche nach der eigenen Identität konfrontiert, mit der Angst vor dem Scheitern und Verlassenwerden, mit manipulativen und toxischen Beziehungen und dem harten Schritt, endlich loszulassen. Zwar verstreut die Autorin hier und da Informationen, die dem politischen und magischen Verständnis zugutekommen, aber ein großer Teil der Handlung besteht aus Kristophers kreisenden Überlegungen, seinem Abwägen und ausgedehnten Monologen, was den Schwung der Urban-Fantasy ausbremst und auch den Auftrag, mehr über die Familie von St. Patrick heraus- und ggf. den Dieb zu finden, in den Hintergrund drängt. Die Autorin versucht mit Lochlanns Bemühungen, dem St. Patrick's Day Gewichtung abseits des Klischees zu verleihen, schafft dies jedoch nur bedingt, da es dem Aspekt an Tiefe fehlte. Ebenfalls schade war, dass Loch hinten runterfällt. Dabei hätte sein gesamtes, von der Presse und seinem Onkel klein gehaltenes Wesen definitiv für Abwechslung sorgen können.

Wie schon in „Nightmare before Kissmas“ erhielt der familiäre und freundschaftliche Strang hingegen ausreichend Raum – mit Hex, Iris, Fionnuala, Siobhán, Coal und Wren (…) bekam die Handlung einige warmherzige Momente, die von Zusammenhalt und Witz geprägt waren. Ich mochte die Figuren, ihre Eigenheiten, Rollen und ihre Unverblümtheit wieder sehr gern.

Bis Loch und Kris über ihre Rivalitäten und den Argwohn springen, vergeht viel Zeit. Ihr aufeinanderzubewegen verläuft holprig, nicht ohne spritzige Neckereien und erkenntnisreiche Gespräche, nicht ohne Lügen und Enttäuschungen. Nicht ohne Geheimnisse, die vielleicht jeden persönlichen und zwischenmenschlichen Fortschritt zunichtemachen könnten … Kurz: im angemessenen Slow-Burn-Modus. Aber: Die Spicy-Szenen empfand ich in Relation zu dem (eigentlichen/vorherigen) Plot als zu ausschweifend – wären diese Intimitäten das i-Tüpfelchen einer ereignisreichen und lebendigen Storyline, hätten sie sicher gut funktioniert, aber da der Roman trotz Deep Thoughts, berührenden Sequenzen und Überraschungen größtenteils unspektakulär und seicht dahin schreitet, hat mich die Aufmerksamkeit an dieser Stelle genervt. Ob wir dem Dieb der Feiertagsmagie auf die Schliche kommen? Das findet ihr heraus, wenn ihr euch in „Go luck yourself“ stürzt.

Aller Kritik zum Trotz: Aufgrund der Originalität und der relevanten, nahbaren Probleme sowie der charmanten Figuren empfehle ich die Royal und Romance Reihe allen, die nicht vor mit Ernst gesprenkelten Urban-Fantasy Geschichten zurückschrecken.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Leider nicht die erhoffte bewegende Romance

Can't Stop Thinking About You
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„Can't stop thinking about you“ ist die neue Romance von Bella Paasch, in der wir in das Showbusiness mit all den Schattenseiten ab- und in eine Liebe, von der niemand wissen darf, eintauchen.

Esthеr ...

„Can't stop thinking about you“ ist die neue Romance von Bella Paasch, in der wir in das Showbusiness mit all den Schattenseiten ab- und in eine Liebe, von der niemand wissen darf, eintauchen.

Esthеr Kenneth ist die rechte Hand, der personifizierte Terminkalender und vielleicht so etwas wie eine Freundin von Sienna Cartwright. Stets an der Seite der berühmten Schauspielerin zu sein, heißt auch, dass Begegnungen mit der Prominenz, mit den Sternchen Hollywoods für sie nichts Neues sind. Doch als Esthеr plötzlich Owen Everson gegenübersteht – dem neuen Fake-Freund ihrer Chefin – reißt ihr sein charmantes Auftreten, seine provokante, flirty Art den Boden unter den Füßen weg. Schnell weckt er Gefühle in der sonst so professionellen Assistentin, die weit über reines Verlangen hinausgehen. Aber Esther weiß, dass sie dieser Anziehung unter keinen Umständen nachgeben sollte, denn eine Schlagzeile à la »Cartwrights treue Angestellte spannt ihr den umtriebigen Mann aus!« wäre aktuell die absolut falsche Publicity für Sienna und ihre Karriere.

Owen Everson hat seinen Ruf als Aufreißer, Frauenheld und Partyhengst längst weg. Dass sein Management ihn nun eine Fake-Frau an die Seite pinnt, passt dem Musiker so gar nicht. Und doch bleibt ihm nichts anderes übrig, als mitzuspielen. Zumindest ist Esther, die fortan immer in der – in seiner – Nähe zu sein scheint, ein Lichtblick, der das zeitintensive Arrangement für den Rockstar mit einer Prise Aufregung und Nervenkitzel bestückt …

Je mehr sie einander kennenlernen, je alltäglicher heimliche Treffen und scheue Blicke, verruchte Lächeln, flüchtige Berührungen in der Öffentlichkeit werden, je häufiger sie ihre Geheimnisse und Sehnsüchte teilen, umso stärker steigt das Risiko, aufzufliegen. Doch weder Esther noch Owen können sich gegen ihre Gefühle, gegen den Reiz wehren …

Positiv vorab: Paasch verzichtet auf Starallüren und abgehobene Egos und bestückt ihre Celebrity-Romance mit realistischen, strategischen Inszenierungen. Von Versuchen, die Schlagzeilen zu beeinflussen und von Skandalen abzulenken, ein Scheinbild zu kreieren, bis zu jenen, dem Trend und den Erwartungen hunderttausender Fremder zu entsprechen. Die LeserInnen spüren den Zwang von Owen und Sienna, das darzustellen und zu leben, was andere fordern, spüren den Druck, die Flüchtigkeit des Ruhms. Die seichte Angst. Tief drinnen der Wunsch: für Talent geliebt zu werden. Mehr zu sein als eine Marke.
Und leider war es das für mich auch schon.
Die romantische Komponente fand ich unspektakulär und lasch. Aufgrund der sofortigen (körperlichen) Reaktionen und beidseitiger Bereitschaft fehlte es mir an Prickeln und einer spannenderen Entwicklung. Bedauerlicherweise gefiel mir auch der Stil nicht, wirkte das Gelesene auf mich doch durch und durch „wie einfach runtergeschrieben“, frei von Raffinesse oder Eleganz. Ohne Authentizität. Unrunde Sätze und Wortwiederholungen gab's obendrauf. Dementsprechend waren die Gefühle für mich nicht greifbar, ebenso wenig wie mich der „Humor“ oder das Geplänkel unterhalten konnten. Im Gegenteil: Die „Neckereien“, das Verhalten und auch die ausschweifenden, sich kreisenden Monologe waren nervig. Einen Pluspunkt gibt es zumindest für Ella und Valentina, die echt cool waren. Hierbei handelt es sich um meine persönliche Meinung.

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