Profilbild von Franci

Franci

Lesejury Star
offline

Franci ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Franci über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.02.2026

Starke Story mit reiferen Figuren und etlichen Geheimnissen

These Ancient Flames 1: Awake
0

„Awake“ ist der Auftakt der „These Ancient Flames“-Dilogie von Melanie Lane, die mich vor allem durch den Trope „Dragons are real“ sofort auf den Plan gerufen hat.

Meiling Yolanda Ang ist eine ranghohe, ...

„Awake“ ist der Auftakt der „These Ancient Flames“-Dilogie von Melanie Lane, die mich vor allem durch den Trope „Dragons are real“ sofort auf den Plan gerufen hat.

Meiling Yolanda Ang ist eine ranghohe, angesehene Leibwächterin, die sich einen Namen gemacht – hart erarbeitet – hat. Ihr Schutz gilt Tao Yao – ihrem besten Freund und dem Fürstensohn Tianlongs. Ungebrochen ist ihr Glaube an die Drachen, die als Ursprung der Magie der Auguren gelten und vor fast einem Jahrhundert verschwunden sind. Als Raven – Sohn des Fürsten des dritten Kantons – in Meis Zimmer auftaucht, um sie vor dem Angriff seines Vaters zu warnen, gerät ein Stein ins Rollen der alles ändert. Plötzlich sind Raven und sein Wächter Cole sowie Mei und Tao Teil einer Mission, die bittere Enttäuschung bringen oder die größte Hoffnung sein kann …

»Strebe nach Frieden, aber sei bereit, um in den Krieg zu ziehen.«

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive von Raven und Meiling, was uns die Protagonisten und ihre Eigenarten sowie die nach und nach stattfindenden (inneren und zwischenmenschlichen) Veränderungen näher bringt. Auch werden wir auf diese Weise intensiv in das Quartett eingebunden, denn Tao und Cole gehören zur Story, sind mehr als bloße Statisten. Diese Gruppendynamik war hervorragend ausgearbeitet und eingebettet – echt, ehrlich, humorvoll. Trotz Konflikten und Schwierigkeiten, Argwohn und leiser Abneigung rücken die vier zusammen, arbeiten und kommunizieren offen miteinander.
Während Mei ihr Ziel – Taos Schutz, die Sicherheit von Tianlong und die Suche nach der einzigen Möglichkeit, einen Krieg zu verhindern – nie aus den Augen verliert, Mitgefühl und Effizienz vereint, taff und stark agiert, hüllt Raven sich und sein Motiv, sein Können, gekonnt in Schatten, animiert subtil dazu, ihn nie zu unterschätzen. Erinnerungen, die ihn zu Distanz mahnen, auf seinem Weg gen Freiheit halten, begleiten ihn – doch je länger er mit Mei unterwegs ist, umso näher sich die beiden kommen, umso schwerer wird es für den Rabenprinzen, seine Mauern hochzuhalten …

In „These Ancient Flames“ betreten wir Valtherra, eine Welt, die mich aufgrund der äußerst gelungenen und vielversprechenden Kombination aus High- und Urban-Fantasy tatsächlich überrascht hat. Unter den vier „magischen“ Kantonen, die alle von einem/r FürstIn regiert werden, von Kraftlinien durchzogen sind und auf Mythen bauen, existieren Menschen – mit all ihren technischen, modernen Fortschritten. Eine Art Koexistenz, eine stille Übereinkunft, eine fragile Akzeptanz. Das komplette System war interessant und originell, wenn es auch hier und da an Details, Hintergründen und Tiefe fehlte. Bspw. den scheinbar längst unterschwellig brodelnden Zwist unter den Kantonen, die verschiedenen Fähigkeiten einzelner Auguren und die Kraftlinien betreffend.
Melanie Lane hat jedoch ihre im Fokus stehenden Charaktere detailreich und greifbar gezeichnet. Es machte Spaß, das Vierergespann kennenzulernen und zu begleiten, die sich wandelnde Dynamik zu verfolgen, hinter Ravens Mysterium und Meis Schutzwall zu dringen. Die Dialoge waren locker, oft spritzig und interessant – kurz: genauso lebendig wie die gesamte Geschichte. Aufgrund einer bedrohlichen Note, allerhand Geheimnissen, unterschwelligem wie offensiven Misstrauen und der im Verlauf aufgeworfenen Fragen – welche Intentionen verfolgt Fürst Ignació und welche sein Sohn? Was ist vor all den Jahrzehnten geschehen, um die erhabensten Geschöpfe vom Erdboden zu tilgen, und wie lange noch, bis die Magie der Linien von Valtherra vollends versiegt? – bleibt die Spannung selbst in den ruhigen, von Stillstand geprägten Sequenzen erhalten.

Neben der Suche nach Spuren, die die Existenz der Drachen belegen, erhält auch die Beziehung zwischen Raven und Mei einiges an Beachtung – die gegenseitige körperliche Anziehung ist von Anfang an präsent und wird schnell zu mehr. Gerade der unnahbare Fürstensohn von Marviento lässt uns an seinen Empfindungen und an seiner Faszination für Meiling teilhaben, gibt nachvollziehbare Einblicke in sein Umdenken und seine Entscheidungen. Mei hingegen wird von Vorsicht und Enttäuschung zurückgehalten, zögert, obwohl sie genau weiß, was sie will.
Je näher das kleine Team der Wahrheit kommt, desto mehr Emotionen mischen die Gemüter und somit die Handlung auf. Das Ende empfand ich verhältnismäßig knapp, dabei sparte die Autorin hier nicht an Wendungen – zwar waren nicht alle Offenbarungen unvorhergesehener Natur, doch einige Entwicklungen ändern alles.

Mit bildreichen Worten, einer guten Portion Action und heißem Spice, mit bedingungslosen Freundschaften und warmherzigen Found-Family-Vibes, mit Geheimnissen und Misstrauen, Humor und der eindrucksvollen Drachenkomponente konnte mich „Awake“ auf jeden Fall unterhalten und überzeugen. „Burn“ kann kommen – ich bin gespannt, wie es weiter- und ausgeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2026

Humorvoll, romantisch und voller Tiefe

Life's Too Short
0

„Life's too short“ ist der neueste Romance von Abby Jimenez und überzeugt wieder einmal mit der unwiderstehlichen Kombination aus Humor und Ernst, aus Momenten der Leichtigkeit und solchen, die zum Innehalten ...

„Life's too short“ ist der neueste Romance von Abby Jimenez und überzeugt wieder einmal mit der unwiderstehlichen Kombination aus Humor und Ernst, aus Momenten der Leichtigkeit und solchen, die zum Innehalten drängen.

Vanessa Price ist eine erfolgreiche Reisebloggerin, die mit ihren Videos vorrangig auf ALS aufmerksam machen und Spenden für die Forschung der Erkrankung sammeln möchte. Denn die Frauen ihrer Familie werden nur selten dreißig Jahre. Doch gerade werden ihre Lust und Sehnsucht nach neuen Orten und Abenteuern durch ein Baby gestoppt – denn Grace, ihre Nichte, verlangt jeden Moment ihrer Zeit und sämtliche Aufmerksamkeit. Ein nicht abschwellender Schreianfall des Nachts ruft ihren attraktiven Nachbarn auf den Plan. Der Anwalt scheint ein überraschend sicheres Händchen für Kinder zu haben und wird schon bald zu dem “Göttlichen Waschbrettbauch”, der Vanessas FollowerInnen bei der Stange hält …

Gemeinsam mit Hund Harry Puppins wachsen die drei zu einer Gemeinschaft zusammen, entwickeln Routine, lernen einander mit – fast – all ihren Päckchen Stück für Stück kennen, teilen ihren Alltag, ihre Schlüssel, ihre Liebe zu gutem Wein und Essen. Nur ihren ganz persönlichen, fest in sich verschlossenen Kummer, den hält Vanessa zurück, und sowieso: Mehr als Freunde wird aus ihnen ja eh nie werden. Oder?

Jimenez lässt uns aus wechselnder Perspektive in ihre unterschiedlichen Protagonisten, ihr Denken und Fühlen eintauchen. Vanessa, die das Leben und ihre Träume in vollen Zügen auskosten, jeden Tag bestmöglich nutzen, niemals zögern will, weil sie weiß, wie schnell alles enden kann. Von ihren Einnahmen auf diversen Plattformen hält sie nur das Nötigste für sich zurück, investiert in Projekte für ALS, sorgt vor und unterstützt ihre zerbrochene Familie, von der jede/r für sich den Schmerz auf eigene, ungesunde Weise versucht, zu vergessen. Um keine Last zu sein, macht die Influencerin, was sie schon immer getan hat: sich um das Chaos anderer kümmern.

Adrian Copeland ist ein einfühlsamer, aufmerksamer Workaholic, der seine Tage in der Kanzlei verbringt. Seit er sich nicht mehr um seine Mutter und Großmutter kümmern muss, ihn seine Freundin verlassen hat und auch das Training wortwörtlich auf Eis liegt, das Gefühl, gebraucht zu werden, schlicht nicht mehr existent ist, vergräbt er sich mehr denn je in seiner Arbeit. Erst dank Vanessa – so offen und lebenslustig – lernt Adrian, wieder hinzusehen – auf die Wunder des Alltags. Doch die Starinfluencerin hält ihn vehement auf Abstand, wenn es um Mehr geht. Und erst als es zu spät ist, versteht er, wieso.

Ich habe „Life's too short“ regelrecht verschlungen, mich in die Figuren und ihre anfangs holprig-unbeholfene Freundschaft, die heimlichen Anzüglichkeiten, den Witz verliebt. Je mehr wir über die Familien und Vergangenheiten der Protagonisten erfahren, umso nachvollziehbarer werden ihre Eigenheiten, ihr Verhalten, ihre Zweifel. Umso realer, verletzlicher wirken Adrian und Vanessa. Der Stil der Autorin ist wie gewohnt bildlich, locker und klar, sehr authentisch und an passender Stelle emotional. Immer wieder wird die Leichtigkeit von Ernst überschattet – sei es durch Verlustängste, Sucht- und Zwangsstörungen, Vanessas unguten Verdacht und ihre Mission auf Social Media: für eine unbekanntere, tödliche Krankheit Aufmerksamkeit zu generieren. Grace und Harry Puppins geben der Geschichte etwas Herzliches, und auch Becky, Adrian, Drake und all die anderen eigenwilligen Charaktere bereichern und erfrischen die Storyline. Wirklich cool: Abby Jimenez bringt Charaktere ihrer vorherigen Romances als Easter-Egg ein. Der Verlauf entwickelt sich interessant, stimmig und abwechslungsreich, wird bittersüß und tränennass. Denn trotz Freude, Romantik, Spaß und der Reiselust liegt über dem Geschehen, in ihm, etwas Schweres, ein leichtes Zittern. Die Botschaft klar: Lebe. Jetzt. Weil niemand weiß, ob es ein Morgen gibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2026

Schnappt euch einen Platz in der „Show Illusion“

Illusion – A Truth Worth Doubting
0

𝗦𝘁𝗲𝗹𝗹𝗮 𝗥𝗵𝗼𝗱𝗲𝘀 ist einsam, pleite, verschuldet und verbringt ihre Abende in einer Bar als Kellnerin mit gelegentlichen Gesangseinlagen, die niemand zu schätzen weiß. Als ein merkwürdiger Fremder in ihr ...

𝗦𝘁𝗲𝗹𝗹𝗮 𝗥𝗵𝗼𝗱𝗲𝘀 ist einsam, pleite, verschuldet und verbringt ihre Abende in einer Bar als Kellnerin mit gelegentlichen Gesangseinlagen, die niemand zu schätzen weiß. Als ein merkwürdiger Fremder in ihr Leben tritt, ändert sich für die junge Sängerin alles – nicht nur die Geldsorgen sind verschwunden, auch sind da plötzlich Menschen, die Familie werden könnten, und ein Publikum, das sie hört – und sieht. Mitten in Las Vegas empfangen sie Glitzer, Glamour und verheißungsvolle Versprechungen. Ein Neuanfang, von dem Stella niemals gewagt hätte, auch nur zu träumen. Doch die Zweifel bleiben, denn wann war ihr das Schicksal je gnädig gesinnt? Bald schon zeigt sich, dass der wohl bekannteste Illusionist Vegas’ nichts dem Zufall überlässt, sondern sein Spielfeld ganz genau bestimmt …



☆ »𝐷𝑖𝑒 𝑆ℎ𝑜𝑤 (…) 𝑆𝑖𝑒 ℎ𝑜𝑒𝑟𝑡 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑎𝑢𝑓, 𝑤𝑒𝑛𝑛 𝑑𝑒𝑟 𝐴𝑝𝑝𝑙𝑎𝑢𝑠 𝑣𝑒𝑟𝑘𝑙𝑖𝑛𝑔𝑡. 𝑆𝑖𝑒 𝑠𝑖𝑐𝑘𝑒𝑟𝑡 𝑖𝑛 𝑑𝑒𝑖𝑛𝑒 𝑇𝑟𝑎𝑒𝑢𝑚𝑒, 𝑖𝑛 𝑑𝑒𝑖𝑛𝑒 𝐻𝑎𝑢𝑡, 𝑖𝑛 𝑑𝑒𝑖𝑛 𝐻𝑒𝑟𝑧. 𝑆𝑖𝑒 ℎ𝑜𝑒𝑟𝑡 𝑛𝑖𝑒 𝑎𝑢𝑓. (...) 𝐵𝑖𝑠 𝑑𝑢 𝑛𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑚𝑒ℎ𝑟 𝑤𝑒𝑖ß𝑡, 𝑤𝑎𝑠 𝑒𝑐ℎ𝑡 𝑖𝑠𝑡 𝑢𝑛𝑑 𝑤𝑎𝑠 𝑛𝑢𝑟 𝑤𝑖𝑟𝑘𝑒𝑛 𝑠𝑜𝑙𝑙.«



𝗟𝗲𝘃𝗶𝗻 𝗥𝗶𝗽𝗹𝗲𝘆 ist ein Visionär, der hart dafür gearbeitet hat, um dorthin zu kommen, wo er jetzt ist. Mithilfe seiner sorgsam gewählten Crew begeistert er mit technisch modifizierten, komplexen Räumen und fantastischen Shows seit Jahren scharenweise ZuschauerInnen. Aber um dem Erbe seiner Eltern gerecht zu werden, sich einen Namen in der Stadt, die niemals schläft, zu machen, reichten weder Träume noch fortschrittliche Entwicklungen oder intensive Forschung – Levin musste auch sich, seine Ideen, verkaufen. Doch der 25-Jährige hat einen Plan, mit dem er die Ketten, die um ihn, sein Werk, seine Wahlfamilie liegen, sprengen und gleichzeitig ein Versprechen erfüllen kann. Nicht einmal Fias Abgang oder die Tatsache, eine Außenstehende in sein fragiles Netz zu ziehen, halten ihn jetzt noch davon ab, sich zurückzuholen, was ihm gehört. Was ihm schon immer gehörte … Dabei ist Levin längst nicht mehr der Spielmacher.



Zuerst: „𝐈𝐥𝐥𝐮𝐬𝐢𝐨𝐧: 𝐀 𝐥𝐢𝐞 𝐰𝐨𝐫𝐭𝐡 𝐛𝐞𝐥𝐢𝐞𝐯𝐢𝐧𝐠“ ist optisch wunderschön – die aufgehübschten Kapitelanfänge sowie die visualisiert dargestellten Notizen und Zeitungsartikel werten das Buch zusätzlich auf. Vor allem begeistert bin ich aber von der Idee: Inmitten spektakulärer Illusionen, zwischen eindrucksvollen Shows und auf das Individuum reagierenden Räumen, stetig im Wandel, wartet eine Suspense-Romance, in die Janine Ukena Mysterien, Halbwahrheiten und perfide Pläne gesetzt hat, nebulöse Figuren und Misstrauen an jeder Ecke.

Stilistisch dürfen wir in einen Mix aus Poesie und purem Gefühl eintauchen, in Verletzlichkeit und malerisch-leuchtende Worte. Das Setting von Las Vegas – nie dunkel, nie still – kam genauso greifbar zur Geltung wie die in der Handlung verstreuten Informationen über die Funktion der hier angewandten Technik, die magischen Showeinlagen und die zahlreichen Fragen, die sich nicht nur vor Stella auftun. Ihr nagendes Unbehagen über Levins wankelmütiges, aber anziehendes Auftreten, ihr Unglaube darüber, dass dies, dieses glamouröse Leben, wirklich ihres sein könnte, sein soll, und die Angst vor dem Haken in Kombination mit Euphorie flauten zu keiner Zeit ab. Ob ihr Zögern berechtigt ist, ihr Hinterfragen Antworten bringt?



Levin, von dessen – unheilvollen – Gedanken wir im selben Maße Teil werden wie von Stellas, hüllt sich zumindest für uns nicht in Schweigen – wenn auch lange nicht gewiss ist, wieso gerade sie. Welches Ziel er im Alleingang verfolgt. Und was es mit dem plötzlichen Verschwinden von Rhodes’ Vorgängerin auf sich hat – Fia Rivers, von der selbst das Internet nichts weiß. Vage Andeutungen, Kalkül und seine steinharte Fassade, Levins widersprüchliches Verhalten und die bemühte Distanz machen den Illusionisten interessant. Lassen ihn signifikant zum Auslöser der Anspannung werden – denn Stella ist nicht nur hier, auf seiner Bühne, weil sie Musik atmet …



Im Verlauf erhaschen wir Einblicke in das Aufwachsen beider, in ihre Empfindungen und Eindrücke, erhalten Fragmente, die sich zu einem Ganzen zusammensetzen, Verständnis auslösen. Sind bei spritzigen Schlagabtauschen dabei, bei emotionalen Gesprächen. Dennoch bleibt die beständige Ahnung einer Bedrohung, subtil und unterschwellig, erhalten. Ebenso wie das Wissen, dass längst noch nicht alle Geheimnisse enthüllt wurden, und Levin … Levin nicht alles kontrolliert. Nicht als einziger manipuliert. Im Auftakt der Dilogie werden wir von Wendungen überrascht, von erinnerungswürdigen Inszenierungen, von leisen Herzklopfen und Offenbarungen, die alles infrage stellen …

Ukena bestückte ihre Storyline mit einer dichten, einnehmenden Atmosphäre, mit etwas Gefährlichem und einem raffinierten Labyrinth aus Täuschungen und Irrungen. Einem Hauch Wahnsinn. Wir lernen Charaktere kennen, die sowohl FreundIn als auch FeindIn sein könnten – ausreichend integriert, mit Eigenheiten gezeichnet, mit Charme und Resignation.

Aber wem misstraust du, wenn du nichts von alledem glauben kannst? Wo findest du Realität, wenn um dich herum alles eine Lüge ist?

____________

☝🏻Gut zu wissen: Band 2 der Dilogie erscheint bereits im Mai!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2026

Konnte nicht überzeugen, schade.

Empire of Whispers and Shadows
0

„Empire of Whispers and Shadows“ von Ursa Jaumann ist Band eins einer Dilogie, die uns in eine japanisch inspirierte, von einem Monarchen regierte und von Plagen heimgesuchte Welt entführt. Uns in gefährliche ...

„Empire of Whispers and Shadows“ von Ursa Jaumann ist Band eins einer Dilogie, die uns in eine japanisch inspirierte, von einem Monarchen regierte und von Plagen heimgesuchte Welt entführt. Uns in gefährliche Prüfungen und Intrigen, in eine Geschichte voller Tod und Leidenschaft trägt.
Seit die alten Götter vor knapp 200 Jahren ausgelöscht wurden, herrscht der Gottkaiser über das Reich, das nur noch dank ihm und seiner mystischen Kräfte existiert. Damit das Volk sicher bleibt, werden Gezeichnete eliminiert, bevor sie zu einer Bedrohung werden können, oder von seiner sorgsam erwählten Schattenarmee exekutiert. Denn, so heißt es, jene mit einem Sternenmal hätten Teile seiner Macht gestohlen …

Saya wird im Haus des Flüsterns und der Schatten zu einer Waffe ausgebildet – sieben Prüfungen trennen sie jetzt noch von der Chance, eine Assassine des Kaisers zu werden. Dann muss sie zehn Jahre überstehen, bis sie endlich frei sein, ihre eigenen Pläne verfolgen und Rache an all jenen nehmen kann, denen sie dieses Schicksal zu verdanken hat.
Dass ihr gerade Teno als Partner zugeteilt wird, um die letzten Aufgaben zu absolvieren, treibt die junge Kriegerin an die Grenzen ihrer Selbstbeherrschung, ist er doch der erste Name auf ihrer Todesliste. Teno, der ihre Zieheltern verraten hat. Teno, der ihren Weg aus Gewalt und Verlust, aus Schmerz und Einsamkeit geebnet hat …

Nach einem interessanten Prolog verfolgen wir die Handlung aus wechselnder Perspektive, was uns die gegenwärtige Situation sowie die sich im Verlauf wandelnden Gefühle, gewonnenen Erkenntnisse und individuellen Ziele näherbringt. Teno, der seine Ausbildung absolvieren will, um zu bekommen, was ihm zusteht, ist von der Aussicht, mit einer zierlichen Frau, die ihn hasst, zusammenarbeiten zu müssen, nicht begeistert. Aber sie loszuwerden ist gegen die Regeln … Und schon bald wird beiden klar, dass ihnen nicht nur die Zeit im Nacken sitzt …
Wir erhalten einen vorstellbaren Eindruck von Mingoku – Hauptstadt und Sitz des Gottkaisers. Jaumann bedient sich japanischer Begrifflichkeiten und Gebaren, lässt die Straßen genauso detailliert aufleben wie die etlichen Kampf- und Fluchtszenen. Dennoch konnte mich der Assassinen-Aspekt nicht überzeugen. Saya, die sich Gewissen und Mitgefühl, ihren Glauben, bewahrt hat, agiert mehrfach impulsiv und zögernd, unbedacht. Im Verlauf werden ihre Vergangenheit und ihr persönlicher Umgang mit ihren Taten zwar feinfühlig aufgegriffen, bestärken jedoch den Eindruck, dass sie zu gelähmt für dieses Dasein ist. Tenos Präzision und Kalkül hingegen werden relativ schnell von den Gefühlen zu seiner Mitstreiterin torpediert. Nichtsdestotrotz unterhält die Rivals-to-Lovers-Romance mit spritzigen Schlagabtauschen, einer knisternden, wenn auch vorhersehbaren Anziehung und offenen Gesprächen.

Zugegeben: Wirklich viel Gutes kommt nicht mehr. Meiner Meinung nach verliert sich die Story viel zu oft in Nebensächlichkeiten, in Monologen, Abwägen und Lücken, was Interesse und Spannung vehement erstickt. Das komplette Worldbuilding bleibt flach – sowohl den fantastischen, den politischen als auch den mythologischen Aspekt betreffend. Auch Nebenfiguren fungieren lediglich als Schemen. Ebenso enttäuschend und wirr: die Aufgaben, die Saya und Teno von ihren MeisterInnen zugespielt bekommen (sollten). Hierzu erhaschen wir knappe Erwähnungen, manchmal eine unkoordinierte Suche nach Hinweisen und abrupte Zeitsprünge, die es schwer machen, (in diesem Bereich) den Überblick zu behalten.
Leider muss ich auch sagen, dass ich „Empire of Whispers and Shadows“ insgesamt nicht fesselnd oder atmosphärisch geschrieben fand. Der Stil war sehr einfach gehalten und abgesehen von den Details, die das Setting hervorhoben, fehlte es mir an Relevanz, Fokus, Struktur und Klarheit. Viele Worte, die kaum etwas preisgeben. Selbst die kleinen Spannungsspitzen, zarte Überraschungsmomente oder der Hauch von Misstrauen täuschen nicht über Langatmigkeit und Längen hinweg.
Eine Geschichte, die ohne Frage auf einer interessanten Idee basiert, jedoch nicht überzeugen konnte.

Außerdem empfehle ich dem Verlag eine zweite Korrekturrunde, um fehlende oder doppelte/falsche Worte auszumerzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.02.2026

„Willkommen am St. Clair, wo die Realität die Regeln frisst.“

Royal Clair Club 1: Her First Hunt
0

Man nehme Twilight in abgefuckt, Fairytales ohne Glitzer, Wednesday mit Libido und ein elitäres Internat mit einer Vielzahl gestörter, intriganter und gewissenloser Peeps – gesprenkelt mit Gossip-Girl ...

Man nehme Twilight in abgefuckt, Fairytales ohne Glitzer, Wednesday mit Libido und ein elitäres Internat mit einer Vielzahl gestörter, intriganter und gewissenloser Peeps – gesprenkelt mit Gossip-Girl – und voilà …

Granny Zooza ist es zu verdanken, dass Inez Campbell die schäbige Schuleinrichtung Westcliffs und ihr heruntergekommenes Zuhause hinter sich lassen kann, um im Elite-Internat der St. Clair ihren akademischen Weg zu beschreiten. Inez – nicht gefasst auf das, was sie in dem herrschaftlichen Gemäuer erwartet – setzt all ihre Hoffnungen auf einen Abschluss, um für sich und ihre Familie eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen, weg vom Dreck. Außerdem will die 21-Jährige unbedingt hinter Zoozas Geheimnisse und ihre Beweggründe kommen, immerhin war sie selbst einst eine Schülerin der berüchtigten Academy …
Allerdings zählt hier nicht harte Arbeit, sondern Einfluss, Schamlosigkeit und das Wort der X-Boys. Jede/r hier wetteifert um einen Platz im exquisiten Royal Clair Club der Königssöhne – ohne zu wissen, was es letztlich bedeutet, von den Barclays auserwählt zu werden, treten MitschülerInnen in blutigen Bällen und tödlichen Prüfungen gegeneinander an. Inez kommt sich vor wie im falschen Film und ist doch mittendrin. Denn der jüngste Prinz hat eine ungesunde Obsession ihr gegenüber entwickelt … Statt Pauken bis zum Umfallen heißt es nun kämpfen, flüchten, jagen, stöhnen. Plötzlich setzt auch Inez alles daran, es bis ins Finale und darüber hinauszuschaffen – denn je tiefer die junge Frau in die Gerüchte und Mythen der St. Clair eintaucht, in das Netz aus Intrigen, Dominanz und Lügen, desto tiefere Abgründe, umso mehr Fragen tun sich auf – Fragen über sich selbst, über Zooza, die Königsfamilie und all die verschwundenen SchülerInnen …

Mit 700 Seiten enthält der Auftakt der Dark-Romantasy-Dilogie eine Menge Input, der sich schwerlich zusammenfassen lässt. Fakt ist: Ayla Dade hält ihr Versprechen aus dem Vorwort: Dieses Buch ist – auf die bestmögliche Weise – creepy, verstörend, intensiv und dunkel. Es gibt keine HeldInnen, keinen Pseudo-Bad-Boy, der durch Liebe seine Ritterlichkeit entdeckt, kein Gewissen und auch kein Schamgefühl. Dafür nimmt uns die Atmosphäre von der ersten Seite an gefangen. Brutale Szenen bannen den Blick aufs Papier, zügellose Begierde heizt ordentlich ein und freche, schlagfertige Dialoge, Sarkasmus und ein Hauch Glamour sorgen samt „ausgefallener“ (kranker) Charaktere für eine Art schrägen Humor. „Royal Clair Club“ ist skurril, fesselnd und erschreckend faszinierend.
Wirkt Inez zu Beginn noch ziemlich und regelkonform, lernen wir im Verlauf eine knallharte Bitch kennen, die nicht davor zurückschreckt, sich die Hände schmutzig zu machen, zurückzuschlagen, zu betteln. Ihre Empfindungen sind ambivalent – hin- und hergerissen zwischen „Das ist falsch“ und „Ich will es trotzdem“ war sie nahbar, aber definitiv nicht perfekt. Auf den Spuren ihrer Granny zu wandeln, deren kryptischen Hinweisen nachzugehen, nicht an der Academy – nicht während der Spiele, nicht in Calix' Nähe – unterzugehen, allen zu beweisen, mehr zu sein als ihre armselige Herkunft, treibt die Studierende mehrfach an ihre Grenzen. Immer öfter bleibt die Frage nach dem Warum: Warum ist Zooza tot, warum ist Inez hier und warum ist sie – ein Mädchen aus dem Armenviertel – für die X-Boys so interessant? Zumindest wird dem „Black Swan“ schnell und sehr deutlich vor Augen geführt, dass sie niemandem trauen kann, weder an der St. Clair noch in Westcliff, und dass die ganze verdammte Insel ein Morast aus Geheimnissen ist.

In wenigen Kapiteln sind wir Teil von Calix – trotz rührender Hintergründe über sein Aufwachsen, Einblicke, die ihn verletzlich und die Familien,dynamik’ griffiger machen, trotz gestohlener Augenblicke und überraschender Intentionen bleibt er, was er ist … Diese Konsequenz zieht Ayla Dade nicht nur bei ihren Figuren knallhart durch – auch erzählerisch haben wir ausschließlich einen direkten, ungeschönten und dabei sehr bildhaften Ton, ohne, dass das Geschriebene einen billigen Beigeschmack erhält.
Sadistische Szenen und psychopathische Züge, Gräuel und Creepy-Things, ohne rosa Flimmern. Von moralischen Grautönen bis hin zur schwärzesten Nacht.
Ein weiteres Beispiel sind die Mysterien, die verborgen bleiben. Dade facht Vermutungen an, gibt wankende Hinweise, wirft rege alles um und verrät dabei nichts. Bis zum Ende – und darüber hinaus – sind die X-Boys, der König, die Spiele, Inez' und Zoozas Rollen sowie allerhand anderes nur eine Ahnung. Frustrierend? Im Gegenteil. Einerseits erhält die Story dadurch einen ganz eigenen Sog, weiß man doch nie, was kommt, woran man wirklich ist, andererseits bleibt so die Neugier konstant erhalten und die Überraschungsmomente gesichert.
Und der Spice? Die expliziten Szenen? Die sind gewagt – klatschnass und steinhart. Nie sanft. Mit Konsens im Zwiespalt.

Weitere Mitwirkende – ob FreundIn, Initiator oder irre/r KonkurrentIn – beleben die Handlung zusätzlich: Violet, Fergie, Yule, Shay, Don, die restlichen X-Kids oder der perfide Monarch von Monclair (…) Auch hier ist nie gewiss, wem zu trauen ist. Ich fand sie alle jedenfalls äußerst eigenwillig und interessant. Gerade Pixie und Bellatrix sind abgefahrene Nummern für sich! Der fantastische Aspekt ist mehr oder minder gegeben, jedoch Teil der Ungewissheit, die Ayla Dade um ihre Dilogie gesponnen hat.

Zwischen poetischen Worten und vulgären Ausdrücken, zwischen harten Ficks und absurder Obszönität; Wettbewerben, die einem Horrorstreifen entspringen könnten, und bitterbösen Abgründen finden sich Blut und Verderben, Leidenschaft und Abscheu, Huldigungen, die stark an Sekten, und Szenen, die an eine abgefuckte Twilight-vs-Aschenputtel-Version erinnern. Ich habe diese Kombination geliebt, gibt es doch einiges zu entdecken – inmitten Wiedererkennen und der offensiven Neugestaltung des Bekannten.
Die Dark-Academia-Vibes, die Inszenierung der Schauplätze – von dekadenten Anwesen, alles verschlingendem Moor, verlassenen Wäldern und Gänsehaut erregenden Zeremonien – sowie die temporeichen Sequenzen und jene, in denen Beklemmung dominiert, waren hervorragend ausgearbeitet. Jedoch fehlte es stellenweise an Tiefe und Momenten zum Verweilen. Vor allem ab der zweiten Hälfte hechtet Campbell von einer Gefahr, einer Aufgabe, einer Spur zur nächsten; der Unterricht, die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Tiefe gesammelter Erkenntnisse und Empfindungen bleiben hingegen auf der Strecke. Nichtsdestotrotz ist „Her first Hunt“ ein mitreißendes Sammelsurium aus Geheimnissen, Irrungen, Gewalt und einer Dunkelheit, die selbst die abgeklärtesten Fassaden bricht. Der Cliffhanger lässt jetzt sehnsüchtig auf „His last Bite“ warten!
Seid ihr bereit, in die schillernde Elite einzutauchen, vor den Prinzen im Dreck zu knien und eure Seelen zu verkaufen?

Übrigens: nicht nur äußerlich ein Hingucker. Im Inneren warten neben einem ziemlich coolen Vorwort und einer Karte der Insel, stilvolle Kapitelüberschriften und mehrere Illustrationen.

Bock auf einen Schocker – unzensiert? Dann werdet Mitglied im „Royal Clair Club“.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere