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Veröffentlicht am 08.10.2024

Wohltuend-magisch.

Spellshop
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Als die Revolution in der Hauptstadt ihren Höhepunkt erreicht, Jahrhunderte altes Wissen in Flammen steht, bleibt Kiela nichts anderes übrig, als mit ihrer/m treuesten FreundIn und jenen Schriften, die ...

Als die Revolution in der Hauptstadt ihren Höhepunkt erreicht, Jahrhunderte altes Wissen in Flammen steht, bleibt Kiela nichts anderes übrig, als mit ihrer/m treuesten FreundIn und jenen Schriften, die sie tragen kann, zu fliehen. Der einzige Ort, der ihr einfällt, ist die abgelegene Insel, auf der sie geboren wurde. In dem verlassenen Cottage ihrer Eltern angekommen wird der introvertierten Bibliothekarin bewusst, dass sie Nahrung braucht. Und nicht um Reparaturen herumkommt. Doch weder hat Kiela Münzen noch ist sie besonders bewandert in sozialen Gepflogenheiten... Nur gut, dass es ihr die BewohnerInnen Caltreys, allen voran der freundliche Seepferdchenzüchter von nebenan, leicht machen, sich in die Gemeinschaft mehr oder weniger freiwillig einzufinden – und dann wären da ja noch die Bücher, die sie vor dem Feuertod bewahrt, und die Rezepte ihrer Eltern, die sie gefunden hat. Na, wenn man sich mit diesem Know-how, teilweise verboten, teilweise unglaublich lecker, nicht ein neues Leben aufbauen kann ...

Sarah Beth Durst schuf eine wunderbar-gemütliche Geschichte, in der sich der Duft von Zimtschnecken und Marmelade mit jenem alter Bibliotheken und der Frische von Meeresbrisen vereint. „𝐒𝐩𝐞𝐥𝐥𝐬𝐡𝐨𝐩: 𝐕𝐨𝐦 𝐙𝐚𝐮𝐛𝐞𝐫 𝐝𝐞𝐫 𝐤𝐥𝐞𝐢𝐧𝐞𝐧 𝐃𝐢𝐧𝐠𝐞“ liest sich locker-leicht, der Ton ist authentisch und vor allem die Protagonistin nahbar. Ich konnte mich sofort mit Kiela, ihrer Liebe zu dem geschriebenen Wort und ihrer Einstellung den Menschen gegenüber identifizieren, verstand die Probleme, die der Kontakt mit der Außenwelt bereithält, und wurde von ihrer saloppen, frischen Art, in der stets Wärme mitschwang, großartig unterhalten. Durch einen bildhaften Stil war es leicht, sich die Figuren und Orte, die Wirkung der Magieexperimente vorzustellen und sich treiben zu lassen, denn trotz der einen oder anderen Schwierigkeiten, trotz Missverständnissen und einem Hauch Angst, mitschwingender Melancholie und Gesellschaftskritik, ist dies ein ruhiger Fantasy-Roman, in dem herannahendes Drama häufig zielsicher gelöst wurde.
Mit Caltrey schuf die Autorin ein traumhaftes Setting. Wenn die Insel auch nicht vor Reichtum strotzt, pulsierten Zufriedenheit, Akzeptanz und Vielfalt auf ihr – zusehen an allerhand bekannten und neuen Wesen. Sobald sich Kiela an den Zaubern bediente, sie testet, ausprobiert – warten ulkige Fauxpas, skurrile Szenen und etliches an Humor. Immer präsent, hilfreich im Geschehen verankert: Caz. Diese innige Freundschaft lässt Schlucken und Kichern zugleich. Im Verlauf erfahren wir einiges über die Entstehung des Spinnenkrauts und über die Verbindung zwischen ihm und der Bibliothekarin, was diese besondere Dynamik zusätzlich untermauert. Auch Hintergründe über die Revolution und das Verbot, ausgesprochen von Obrigkeiten, Magie zu wirken, kristallisieren sich im selben Tempo heraus, wie wir DörflerInnen, bspw. die Zentaurin Bryn, kennenlernen. Natürlich wäre da noch der anfänglich forsche Larran, der seine Hilfe und Fürsorge regelrecht in Kielas Richtung schmeißt – und sie letztlich mit seiner Aufmerksamkeit und Sensibilität umwirft. Hach: unschuldig und unbeholfen, mit lautem Knistern und leisen Gefühlen. Perfekt inszeniert für diese Cozy-Story.

Kiela Orobidan entwickelt sich innerhalb der Handlung deutlich, wächst über sich hinaus, beginnt, Strukturen und Gesetze zu hinterfragen. Sie knüpft Freundschaften, hilft mit ihrem zauberhaft-verbotenen Wissen und schenkt Leben – wie der laufende Kaktus Miep beweist. Ich fand es großartig, zu verfolgen, wie die Einsamkeit der Einsiedlerin schwindet; Wehmut durch Aufregung und Euphorie ersetzt wird und sich die junge Frau integriert und öffnet. Mutig ist. Zuletzt selbstlos und bereit, das aufzugeben, was sie sich in wenigen Wochen aufbaute – ein echtes zu Hause – um andere zu retten.

„Spellshop“ strotzt vor Gemütlichkeit, Witz und Charme, verlangt nach einer Tasse Tee und Gebäck und verzaubert mit einer wahrlich wundersamen Geschichte.

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Veröffentlicht am 04.10.2024

Zauberhaftes Abenteuer.

Birds of Paris – Das magische Pendel
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In „Das magische Pendel“ entführt uns Kathrin Tordasi in ein verborgenes Paris und in eine Geschichte, in der Freundschaft, trotz aller Wunder, im Fokus steht.

Band eins der Kinderbuchreihe „Birds of ...

In „Das magische Pendel“ entführt uns Kathrin Tordasi in ein verborgenes Paris und in eine Geschichte, in der Freundschaft, trotz aller Wunder, im Fokus steht.

Band eins der Kinderbuchreihe „Birds of Paris“ wird hauptsächlich aus der Perspektive von Léa erzählt. Das Mädchen steht erneut vor der Aufgabe, sich in einer unbekannten Umgebung einzugewöhnen – mit der Hoffnung, dem tiefen Wunsch, hier Freunde zu finden.
Bei einem Streifzug durch die Stadt trifft sie auf ein mysteriöses Mädchen –  und folgt diesem. Mittenhinein in eine unglaubliche Welt. Als Alex verschwindet, macht sich die Clique aus Straßenkindern auf, ihre Freundin zu suchen, und Léa steht vor der Frage, ob sie sich diesem gefährlichen Unterfangen wirklich anschließen will.

Tordasi schuf in einem altersgerechten Ton eine magische Welt, die wir in einer spannenden Storyline ergründen. Obgleich die Protagonistin, ihre Gefühle und Reaktionen am greifbarsten geschildert werden, sind auch Alex, Ari, Roux und Coralie präsent integriert. Es war spaßig und aufregend, die Vier kennenzulernen und ihren Umgang mit der „Neuen“ sowie die sich entwickelnde Dynamik zu verfolgen. Fesselnde und geheimnisvolle Momente werden von kindlicher Leichtigkeit umschmeichelt. Dennoch gab es berührende Szenen und Einblicke. Die Autorin setzt Wert auf ein respekt- und rücksichtsvolles Miteinander, was gerade für Geschichten, die sich an eine junge Altersgruppe richten, sehr wichtig ist. 

Auch wenn das Abenteuer über „Das magische Pendel“ abgeschlossen ist, bin ich gespannt, was Léa, Roux und Co. noch alles in Paris gemeinsam erleben werden. 

„Birds of Paris“ ist eine magische Geschichte, die nicht nur inhaltlich überzeugen konnte, sondern auch äußerlich wunderschön gestaltet wurde. Außerdem wartet an jedem Kapitelanfang eine liebevolle Illustration von Heiko Hentschel.

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Veröffentlicht am 01.10.2024

Rundum perfekt. Absolut großartig. Unglaublich wichtig.

HAEXED - Von magischen Hacktivisten und teuflischen Influencerinnen
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„HAEXED - Von magischen Hacktivisten und teuflischen Influencerinnen“ ist ein ungewöhnlich-außergewöhnlicher Roman, der neben queeren Repräsentationen und gewichtigen Themen ein komplexes Worldbuilding ...


„HAEXED - Von magischen Hacktivisten und teuflischen Influencerinnen“ ist ein ungewöhnlich-außergewöhnlicher Roman, der neben queeren Repräsentationen und gewichtigen Themen ein komplexes Worldbuilding sowie ein ausgeklügeltes Cyber-Magiesystem beinhaltet. Trotz allerhand Informationen und Input, Kämpfen, die es auszutragen gilt, und lebensverändernden Offenbarungen, einer Menge Action und Spaß ist es aufgrund des modernen, »hippen« Stils, Humor und Details leicht, an der packenden Storyline zu kleben und die Individualität jeder Zeile zu feiern.

Die Autorin setzt darauf, dass die diverse Vielfalt inkl. der Einschränkungen/Bedürfnisse bestimmter Personengruppen samt den idealistischen Zielen und dem Aktivismus der »Haexonymous« ein treibender, fester Bestandteil der Handlung ist. Genau wie die – nicht ausschließlich unterschwellige – Kritik an Gesellschaft, Politik und Gesundheitssystem. Aufgegriffen werden zudem u. A. Bodyshaming, Transition und Partizipation, Rebellion und schillernde Queerness.

Von Anfang an begleiten wir die in ihrer Sehkraft gehandicapte, dennoch eigenständige Celeste. Erst seit Kurzem lebt die junge Frau bei ihrer besten Freundin in London und arbeitet in deren »V R Awesome«. Obwohl Krisha und Cece äußerlich komplett verschieden sind, verbindet die beiden – neben einer Vergangenheit in der Außenseiter- und Mobbing-Opfer-Position – ihre Liebe zu Nerdy-Kram. Bis zu ihrem Umzug stand die curvy Protagonistin unter Psychopharmaka, doch aufgrund „unglücklicher Umstände“ sind diese gerade aus – und Celeste sieht auf einmal wieder strahlende Schemen und leuchtende Farben; spürt, wie sich die Technik in ihrer Nähe auflehnt – und stolpert prompt in ein Horrorgame. Und auf Blaze. Entzugserscheinungen, Schizophrenie oder doch Magie?

Erzählt wird der lebendige Verlauf in genderneutraler Sprache, einfühlsam, authentisch und aus wechselnder Perspektive. So lernen wir nicht nur Blaze Dawson und seine selbst gewählte Familie kennen, sind Teil von deren beeindruckendem Aktivismus, sondern erhalten Einblicke in Vergangenes beider Protagonisten und in ihre negativ behafteten Gefühle. Durch diese eindringlich geschilderte Basis mimt Murphy Malone Figuren, mit denen es leicht fällt, sich zu identifizieren, sie zu verstehen, sie zu fühlen.
Blaze, der auf Kontrolle und die Unterwerfung seiner Kräfte setzt, ein bisschen überheblich, im gleichen Maße selbstlos ist, war sofort von Celestes Auftreten, ihrer Stärke und dem Chaos, das in ihr tobt, fasziniert. Ich fand die Dynamik der beiden, die individuelle wie zwischenmenschliche Entwicklung, wunderschön. Dabei gab es reichlich Misstrauen, Konflikt und puren Schmerz. Auch die restlichen Mitglieder der Hackertruppe sowie Krisha wurden gut ausgearbeitet, bringen eigene Probleme und reichlich Eigenheiten mit sich. Mit Hilfe der chaotischen Magierin hoffen die Haexonymous, einer der angesagtesten Influencerin das Handwerk zu legen – und somit Krisha und tausende andere zu retten. Welchem vertrackten, kranken Spiel sie auf die Schliche kommen, wie oft Cece und Blaze ihr Leben riskieren müssen, sorgt für Spannung, Twists und Momente zum Mitbangen- und wüten. Denn die Wurzeln von Magnolias Schrecken reichen bis in die patriarchalische und von Ideologie durchzogene, magische Regierung…

„HAEXED - Von magischen Hacktivisten und teuflischen Influencerinnen“ ist ereignis- und abwechslungsreich, kritisch, aktuell und unkompliziert-frisch. Die Geschichte wird nie langweilig, denn auch in den wenigen Ruhepausen ist der Input an Informationen, Emotionen und niederschmetternden Wahrheiten riesig.
Es werden Kämpfe ausgetragen – gegen feindliche InitiatorInnen, gesellschaftliche Systeme, Vorurteile und sich selbst. Es wird gestrauchelt, gefallen und aufgestanden. Geliebt und gelitten.
Malone durchdachte meiner Einschätzung nach jede Einzelheit, begonnen bei der Plot- und intensiven Figurenentwicklung, bis hin zu Missionsabläufen und der Wirkungsweise unterschiedlicher Magieformen. Hintergründe, Zusammenhänge und die wechselhaften Ebenen/Settings wurden logisch und vorbestellbar dargelegt. Obgleich etliche Themen schwer wiegen, wirkt der saloppe Ton sowie Sarkasmus und Witz herannahender Melancholie entgegen, ohne den Ernst zu minimieren.
Wir lesen von mangelndem Selbstwert, verzehrten Spiegelbildern und Schuld, von Hass, medialer Manipulation und Kapitalismus, der über Leıchen geht, von festgefahrenen Strukturen, gegen die nur ein „gemeinsam“ etwas ausrichten kann. Von fragwürdigen Gesundheitssystemen und noch fraglicheren Gesetzesbeschlüssen.
Aber wir finden in dem Eyecatcher auch Trost, Zuspruch und Respekt. Freiheit, Freundschaft und Liebe.
Die Autorin weist sacht auf die Eigenständigkeit beeinträchtigter Menschen hin; darauf, wie nichtssagend Äußerlichkeiten, Geschlecht und S*xualität sind. Erzählt von Schönheit, die nur das Chaos bringt. Und davon, wie viel mehr zwischen Schwarz und Weiß existiert.

Ein unglaublich großartiges Buch.

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Veröffentlicht am 29.09.2024

Unterhaltsame Story.

Ich fürchte, Ihr habt Drachen
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„Ich fürchte, Ihr habt Drachen“ ist ein neuer Fantasy-Roman aus der Feder von Peter S. Beagle, der vor allem durch seinen allseits beliebten Klassiker „Das letzte Einhorn“ Bekanntheit erlangte.

In diesem ...

„Ich fürchte, Ihr habt Drachen“ ist ein neuer Fantasy-Roman aus der Feder von Peter S. Beagle, der vor allem durch seinen allseits beliebten Klassiker „Das letzte Einhorn“ Bekanntheit erlangte.

In diesem Buch liegt der Fokus auf drei Charakteren, die sich im Verlauf selbst finden und den Druck von Erwartungen und lästigen Pflichten abstreifen, während sie dieses eine große Abenteuer erleben: einen Drachen erlegen. Einen von der gigantischen Sorte, versteht sich.

Ein Prinz, eine Prinzessin und ein Drachentöter – alle drei sind ziemlich unterschiedlich und verfolgen eigene Ziele, doch in einem sind sie sich einig: Ihre auferlegte Bestimmung, die mit der Rolle, in der sie geboren wurden, einhergeht, ist ihnen lästig. 

Robert, der in die Fußstapfen seines Vaters gezwungen wird, obgleich er als Kämpfer gegen die sich ausbreitende Drachenplage weder geeignet noch sonderlich motiviert ist –  empfindet er doch hauptsächlich Mitgefühl und Ehrfurcht den mächtigen Geschöpfen, die hier durch Individualität glänzen, gegenüber. 
Prinzessin Cerise, die sich doch bitte endlich, und zwar bald, vermählen soll. Dabei handelt es sich bei dieser Adeligen nicht um eine Maid in Nöten. Sondern um eine schlagfertige, willenstarke Frau, die sich allein vor Bestien verteidigen kann.
Prinz Reginald, zukünftiger König des Nachbarreiches, soll auf Auftrag seines Vaters eine Heldentat begehen. Ruhm einheimsen, der den Sprössling ja so gar nicht interessiert.

Das Innenleben dieser drei Charaktere, ihre Zweifel und der Zwiespalt, in den sie durch die ihnen zugeteilten Aufgaben geraten, ihre eigenen Wünsche und Träume werden ausgiebig beleuchtet, so dass es ein Leichtes ist, sich einzufühlen. Sobald sich ihre Wege kreuzen, geht das Abenteuer los – skurril, unterhaltsam und gefährlich. Peter S. Beagle führt uns durch das Land, inmitten in die drachenstarke Plage. Ob klein, groß, riesig, freundlich oder wütend: Wir treffen auf eine Vielzahl der geschuppten Wesen und erkennen schnell, dass sich die Protagonisten nicht in die zu erwartenden Schubladen packen lassen. Ebenso humorvoll, mit einem Hauch Ironie, geht der Autor mit fantastischen Elementen um – bricht Schemen und überrascht. Selbst der Ton ist trotz des historischen, gehobenen Einschlags locker-modern. Empfand ich die Welt von Bellemontagne als nicht ausreichend inszeniert, gab es sympathische Figuren, die mit Tiefe ausgearbeitet wurden, charmante, intelligente Gespräche, Drachen und eine Menge Spaß. 

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Veröffentlicht am 25.09.2024

Unausgereift, oberflächlich und auch in der Logik gibt's allerhand Überarbeitungsbedarf.

Snowshill Academy – Nebelnacht
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Dark Academia, Fantasy-Vibes und eine unkonventionelle Protagonistin – da der Klappentext die Legende des kopflosen Reiters sowie mysteriöse Begebenheiten anteaserte, war ich sehr auf das Debüt von Laili ...

Dark Academia, Fantasy-Vibes und eine unkonventionelle Protagonistin – da der Klappentext die Legende des kopflosen Reiters sowie mysteriöse Begebenheiten anteaserte, war ich sehr auf das Debüt von Laili Atlas gespannt.

Drei Monate sind vergangen, seit man die Leiche von Evaline in der Nähe des privaten und konservativen Internats, das sie gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester besuchte, fand. In der Überzeugung, gefestigt und stabil zu sein, kehrt Sindre zu Beginn ihres Abschlussjahres zurück. Mit dem Ziel, weiterhin die Beste zu sein, erneut mit herausragenden Leistungen zu glänzen. Doch alles kommt anders, als die Einzelgängerin begreift, dass sie zu oft auf sich selbst und ihre Leistungen fokussiert war und das Leben ihrer Schwester aus den Augen verlor. Als River auftaucht und allerhand Fragen mit sich bringt, historische Artefakte die Schule verlassen müssen und sich unheimliche Beobachtungen samt der Anzahl von Toten häufen, steckt Sindre schon zu tief drinnen. Doch was ist wahr und was Stoff aus Horrorgeschichten? Zu Beginn: ich fand Idee und Setting vielversprechend und interessant. Das ehemalige Kloster sowie die dichten Wälder, von Statuen gesäumt, kamen vorstellbar zur Geltung, während das Geschehen öfter von einer düsteren, schaurigen Stimmung begleitet wird. Jeder Schatten schreit nach Vorsicht, verbirgt die Bedrohung.

Im Vordergrund steht Sindre. Wir lernen die introvertierte Schülerin, auf deren Schultern nicht mehr nur Verlust, Druck und Erwartungen lastet, sondern nun auch das Schicksal der Welt, ausreichend kennen, bekommen eine Ahnung von ihrem Auftreten und ihren Prioritäten vor Evalines schrecklichem Tod und ihrer – für die KlassenkameradInnen und LehrerInnen überraschenden – Veränderung. Denn seit River auf der Bildfläche auftauchte, mit Anschuldigungen und Prophezeiungen um sich warf, scheint die Realität aus den Angeln gehoben worden zu sein und der Untergang allen Seins nah. Doch was hat ihre Schwester damit zu tun und wieso musste diese wirklich sterben? Wer will, dass die Apokalypse hervorbricht, und welche Rolle spielt die „Snowshill Academy“?

Obgleich Atlas allerhand gute Ansätze einbrachte, ist nicht zu übersehen, dass ein Großteil nicht zu Ende gedacht wurde. Viele Fragen bleiben offen und der Verbleib von Figuren und Zusammenhängen unklar. Angefangen damit, dass die Gefahren aus der Hölle von allen „menschlichen“ Charakteren einfach an- und hingenommen werden. Des Weiteren waren viele Informationen über den Mythos des Kopflosen Reiters – ob vom Totengräber preisgegeben oder aus Büchern stibitzt –, maximal Annahmen der sich bildenden „Clique“. Es gab halbgare Pläne, genauso willkürlich wie die eine oder andere Reaktion. Neben Struktur, einem nachvollziehbaren Aufbau und Logik mangelt es diesem Roman auch an Tiefe und authentischen Entwicklungen. Abgesehen der Erzählenden, die sich im Verlauf zumindest teilweise ihrer eigenen Fehler bewusst wird, bleiben andere „unsympathisch gezeichnete“ Schemen. Damit bietet die Autorin zumindest einige MitschülerInnen, FördererInnen und Lehrkräfte an, die für das Beschwören der Apokalypse infrage kämen. (Wobei ich ehrlich gesagt recht schnell sicher war, wer falsch spielt.) Enttäuschend war die Rolle von River, der letztlich gar nicht so viel mit Wissen und Tatendrang glänzte wie angenommen. „Nebelnacht“ wird zwar als Romantasy vermarktet, aber weder konnte ich eine bittersüße Romanze noch eine (entstehende) Liebe ausmachen. Der romantische Strang war komplett unausgegoren – wie auch jener, der hinter das mysteriöse Geheimnis der Schule, den Reitern und dem „Böse“ führt. Wenngleich Fantastische- und Spannungselemente rar gesät sind, gab es jedoch Szenen zum Mitfiebern. Ich hoffte bis zum Schluss, dass sich Lücken schließen, ein bisschen Drama für Emotionen sorgt, ein actionreicher Showdown wartet … Tja – und dann kamen die letzten 50, 40, 30 Seiten, und die kleine Truppe, die den Untergang der Welt verhindern will, steht quasi immer noch am Anfang. Vielleicht könnt ihr erahnen, wie abrupt, nichtssagend und blass das Finale ablief?

Positiv zu erwähnen: In diesem Roman gab es nicht annähernd so viele Fehler wie vom Verlag gewohnt. Fazit: Guter Anfang, spannende Idee – leider entpuppt sich „Snowshill Academy – Nebelnacht“ als lasch, oberflächlich und irgendwie nicht ausgereift.

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