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FranziskaBo96

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.01.2026

Das perfekte Doppelleben

Belladonnas
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Das Leben der in der Kindheit getrennten Zwillingsschwestern Chloe und Julie könnte nicht unterschiedlich sein. Während Julie ein armseliges Leben mit Depressionen und Mindestlohnjob führt, ist Chloe beliebtes ...

Das Leben der in der Kindheit getrennten Zwillingsschwestern Chloe und Julie könnte nicht unterschiedlich sein. Während Julie ein armseliges Leben mit Depressionen und Mindestlohnjob führt, ist Chloe beliebtes It-Girl und Influencerin. Als Julie beschließt, Chloe in ihrer schicken New Yorker Wohnung einen Besuch abzustatten, trifft sie dort aber auf ihre Leiche - und entscheidet spontan, das Leben ihrer Schwester einzunehmen. Doch schafft sie es, die Millionen von Followern und die New Yorker High Society von ihrer Schwindelei zu überzeugen?

Diese düstere Zwillingsgeschichte konnte mich anfangs sehr mit seiner Prämisse überzeugen. Ich fand super spannend, Antiheldin Julie dabei zu begleiten, wie sie ihren Plan austüftelt und sich in die Influencerwelt einschleußt. Dabei schafft es die Autorin, Kritik an der Internetkultur gekonnt in die Thriller-Handlung einzufädeln. Gerade die erste Hälfte der Geschichte war super spannend geschrieben und wirklich ein Pageturner.

Leider driftete die Geschichte im letzten Drittel komplett ab. Thematisch geht das Ende der Geschichte in eine ganz andere Richtung und verliert komplett den Faden. Die gute Vorarbeit aus dem Beginn des Buches ist dann wie weggefegt und es wird einfach komplett wild.

Ich kann also leider keine wirkliche Empfehlung für das Buch aussprechen, auch wenn mir weite Teile gefallen haben.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Das Spiel mit dem Feuer

The Night Ends With Fire
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Meilin fristet ein trauriges Dasein als Tochter eines verarmten und gewaltvollen Kaufmannes. Als aus jedem Haushalt ein Mann in den Krieg gezogen wird, sieht sie ihre Chance, einer Zwangsehe zu kommen ...

Meilin fristet ein trauriges Dasein als Tochter eines verarmten und gewaltvollen Kaufmannes. Als aus jedem Haushalt ein Mann in den Krieg gezogen wird, sieht sie ihre Chance, einer Zwangsehe zu kommen und ihre antrainierten Kampffähigkeiten unter Beweis zu stellen, indem sie sich als Junge ausgibt. In der Armee warten nicht nur der charismatische Prinz Liu und einige Herausforderungen auf sie, sondern auch die Erkenntnis, dass sie über gewisse magische Kräfte verfügt, die in Verbindung mit ihrer verstorbenen Mutter stehen. Schnell erkennt sie, dass es in diesem Krieg um mehr geht als um verfeindete Königreiche.

Bei "The Night Ends With Fire" dreht es sich offensichtlich um ein Mulan-Retelling, das jedoch einige interessante Änderungen zu der Geschichte hat, die die meisten von uns aus dem Disney-Film kennen. Gerade das Nachwort der Autorin gab dahingehend nochmal einige Erklärungen zu feministischen Themen und realistischeren Aspekten, die definitiv dafür sorgten, dass ich mehr Wertschätzung für diese andere Erzählweise bekommen habe. Die Autorin hat definitiv einige tolle Ideen gehabt, die zum Teil auch gut umgesetzt wurden.

Handlungstechnisch war das Buch für mich ein bisschen ein Auf und Ab. Während ich vor allem das Wordbuilding cool fand, waren mir einige Beschreibungen der Kriegshandlungen etwas öde bzw. sehr schwer vorzustellen. Auch viele der Charaktere konnten mir einfach nicht ans Herz wachsen.

Das größte Problem war für mich Meilin selbst. Ihre Entwicklung von dem schüchternen Mädchen zur absoluten Kampfmaschine geschieht mir etwas zu plötzlich und allgemein blieb sie mir oft zu oberflächlich und distant, sodass ich das ganze Buch über irgendwie nicht so warm mit ihr werden konnte.

"The Night Ends In Fire" hatte wirklich gute Ideen, aber in der Umsetzung hat mir vor allem bei den Figuren viel gefehlt.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Der Zauber der Orientierungslosigkeit

Sunny
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Jon und Benno könnten eigentlich nicht unterschiedlicher sein. Jon ist 14 Jahre alt und gerade von der Schule geflogen - dabei hat er mit der neuen Klassenkameradin Sunny gerade einen Grund gefunden, mit ...

Jon und Benno könnten eigentlich nicht unterschiedlicher sein. Jon ist 14 Jahre alt und gerade von der Schule geflogen - dabei hat er mit der neuen Klassenkameradin Sunny gerade einen Grund gefunden, mit mehr Elan dem Unterricht beizuwohnen. Missverstanden von seinen Lehrern, den Eltern und auch irgendwie von sich selbst trottet er durch den Brandenburger Wald und trifft dort auf eine mysteriöse Ruine - und auf Benno, der nach Jahrzehnten im afrikanischen Exil versucht, das moderne Deutschland mit seiner eigenen Jugend in der DDR zu vereinen. Zusammen begeben sie sich gewissermaßen auf die Suche nach Orientierung in ihren chaotischen Leben.

Karin Kalisa konnte mich bei diesem Buch vor allem mit ihrem ausladenden, bezaubernden und auch durchaus humorvollen Schreibstil überzeugen - wenn auch nicht von Anfang an. Dass die Charaktere immer wieder in ihre eigenen Gedankenwelten untertauchen und die Geschichte damit abschweift, ist sicher nichts für jeden und auch ich musste mich erstmal damit zurechtfinden. Doch die Autorin schafft es einfach wunderbar, viele schlaue Sätze in einem doch relativ kurzen Buch unterzubringen.

Dabei gefiel mir Jons Erzählstrang immer deutlich besser. Das mag vielleicht daran liegen, dass ich altersmäßig eher an ihm als an Benno dran bin, aber ich denke auch, dass die Frustration mit dem Schulsystem, die ein zentrales Thema für Jon ist, viele Lesenden beschäftigen wird. Tatsächlich ist für mich die große Schwäche des Buches, dass ich nie so ganz mit Benno warm werden konnte und mir seine Probleme immer etwas egal waren. Auch das Ende fand ich für die Komplexität des restlichen Buches doch etwas zu einfach gestrickt.

Nichtsdestotrotz konnte mich Karin Kalisas Schreibstil so bezaubern, dass das Buch von mir wohlverdiente vier Sterne bekommt.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

In den Tiefen des Meeres

Unbeugsam wie die See
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"Unbeugsam wie die See" begibt sich auf eine Zeitreise der besonderen Art. Im Jahr 2019 wacht Lucy plötzlich aus dem Schlafwandeln auf beim Versuch, ihren Ex zu erwürgen. 1999 verliebt sich ihre Schwester ...

"Unbeugsam wie die See" begibt sich auf eine Zeitreise der besonderen Art. Im Jahr 2019 wacht Lucy plötzlich aus dem Schlafwandeln auf beim Versuch, ihren Ex zu erwürgen. 1999 verliebt sich ihre Schwester Jess in ihren Kunstlehrer. Und 1800 begeben sich die irischen Schwestern Mary und Eliza auf die ungewollte und lebensgefährliche Reise ins unbekannte Australien. Sie alle werden seltsam vom Wasser angezogen - und dass obwohl sie eine ungewöhnliche Wasserallergie teilen.

Ich denke, schon beim Lesen des Klappentextes kann man sich so einigermaßen denken, in welche Richtung die Reise geht. Das Buch hält handlungstechnisch wenige Überraschungen parat, ich denke, der aufmerksame Leser sieht einige groß aufgezogene Plottwists schon weit vorher kommen. Da das Buch tatsächlich gewisse Krimi- und Mystery-Elemente enthält, hätte ich mir dahingehend schon gewünscht, dass die Autorin ihren Leser:innen etwas mehr Intelligenz zutraut und ein paar komplexere Wendungen einbaut.

Nichtsdestotrotz konnte mich dieses Buch so begeistern, dass der fehlende Überraschungsfaktor für mich nur ein kleines Manko darstellt. Das lag vor allem am tollen Schreibstil sowie an der trotzdem spannenden Geschichte, die historische Elemente mit Sagen und Rätselraten kombiniert. Auch in die Figuren und ihre Umstände konnte ich unheimlich gut eintauchen.

Auch wenn ich also bei so manchem vermeintlichen Plottwist etwas mit den Augen rollen musste, hatte ich wirklich viel Freude mit Buch und empfehle es vor allem Fans von Familiengeschichten, die vielleicht auch ein paar fantastische Elemente ertragen können.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Für Freunde des Absurden

Dr. No
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Mathematiker Wala Kitu ist Koryphäe auf seinem Gebiet - (das) Nichts. Das sorgt auch bei Superschurke John Sill für Aufmerksamkeit, der Fort Knox ausrauben will, um... nichts zu stehlen. Was folgt ist ...

Mathematiker Wala Kitu ist Koryphäe auf seinem Gebiet - (das) Nichts. Das sorgt auch bei Superschurke John Sill für Aufmerksamkeit, der Fort Knox ausrauben will, um... nichts zu stehlen. Was folgt ist eine aberwitzige James Bond-Persiflage, bei der sich Wala mit seinen eigenen Marotten und seiner Rolle als Handlanger auseinandersetzen.

Selten habe ich ein Buch gelesen, bei dem mir eine Bewertung so schwerfällt. Ich habe mich definitiv köstlich bei dieser Lektüre amüsiert. Vor allem zu Beginn des Buches musste ich mehrmals laut lachen, was mir beim Lesen äußerst selten passiert. Der Autor überzeugt mit einem wirklich unheimlich witzigen Schreibstil und oft schon bizarren Handlungen. Wer es gern absurd mag, wird bei diesem Buch total auf seine Kosten kommen, denn dieses eine Wort trifft es für mich wirklich perfekt.

Leider wurde mir vor allem gegen Ende nicht so ganz klar, wohin diese ganze Absurdität führen sollte. Vielleicht ist das einer dieser Fälle, wo ich nicht schlau genug für ein Buch bin, aber ich war ein bisschen ratlos, welchen tieferen Sinn das Buch hatte. Gut möglich, dass es auch wirklich nur eine Spionagekomödie mit ein paar gesellschaftskritischen Einschüben war, dafür war mir der Humor dann aber gegen Ende irgendwie zu überufernd.

Ich denke, bei diesem Buch werden sich die Geister scheiden - ich bin mir ja selbst nicht so ganz sicher, ob ich es gut oder schlecht fand. Eins weiß ich auf jeden Fall: Ich werde es so schnell nicht vergessen.

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