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Veröffentlicht am 25.12.2024

"Was ist mit Bob?" - in Island und keine Komödie

Der Anhalter
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Wer den Film "Was ist mit Bob?" kennt, kennt die Ausgangssituation dieses Romans, jedoch in der lustigen Variante. Ein niederländischer Vater, der den Kontakt zu seiner Familie verloren hat, will mit einem ...

Wer den Film "Was ist mit Bob?" kennt, kennt die Ausgangssituation dieses Romans, jedoch in der lustigen Variante. Ein niederländischer Vater, der den Kontakt zu seiner Familie verloren hat, will mit einem außergewöhnlichen Urlaub auf Island sein Familienleben retten. Dieser Vater, Tiddo, ist zunächst Sympathieträger, da er ja ein heheres Anliegen hat. Zur Mischung hinzu kommt nun ein merkwürdiger Anhalter, den die Familie zum einen so schnell nicht mehr loswird und den zum anderen die Frau und der Sohn plötzlich viel liebenswerter finden, als den Ehemann und Vater. Alles läuft also schief.

Der Unterschied zum genannten Film ist jedoch nicht nur der Ernst der Situation sondern auch die psychologische Tiefe des Romans. Hier wird in den Gedankengängen des Ich-Erzählers Tiddo das langsame Zerfallen einer Familie durch Schicksalsschläge und Auseinanderleben dargelegt, das Unvermögen eines Mannes, seine Gefühle adäquat zu äußern und sein Abdriften in psychisch absonderliche Welten. Bald stellt sich die Frage, wer hier eigentlich der Störenfried ist.

Die Thematik des Romans ist nicht neu, jedoch die Szenerie, in die dieses Kammerspiel gebettet wird, fasziniert mich hier doch sehr. Die Landschaft Islands wird zum Katalysator für die Beziehungs- und Gefühlswelten der Protagonisten. Die Naturbeschreibungen sind intensiv und bildhaft. So wird dann der zunehmend nervige Hauptcharakter zur Nebensache.

Insgesamt ein guter bis sehr guter psychothrillerhafte Roman in der Einöde Islands.

Veröffentlicht am 25.12.2024

Wichtiges Thema, zu unterfordernd umgesetzt. 2,5*

Halbmond über Heinde
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Sarina Hayat beschäftigt sich in ihrem Jugendroman mit dem Krieg in Syrien, der Flucht von dort und das Ankommen in einem fremden Deutschland aus Sicht einer 15- bzw. später 17-Jährigen Protagonistin. ...

Sarina Hayat beschäftigt sich in ihrem Jugendroman mit dem Krieg in Syrien, der Flucht von dort und das Ankommen in einem fremden Deutschland aus Sicht einer 15- bzw. später 17-Jährigen Protagonistin. Diese kommt als Waise in die niedersächsische Provinz und lernt sich dort in ein neues Leben zu integrieren.

Dieses 117 Seiten Büchlein nimmt sich viel vor. Neben der Skizzierung des oben genannten Konflikts geht es außerdem um viele andere angerissene Themengebiete, wie Fremdenfeindlichkeit, intramuslimische Konflikte im Irak, Freundschaften finden, erste Liebe, Traumatisierung, Gutbürgertum usw. usf.. Das ist ganz schön heftig für ein einziges Buch. Fast zwingend können in diesem begrenzten Umfang die angesprochenen Themen gar nicht tiefgründig behandelt werden. Sie werden (fast) kindgerecht vorgekaut, zusammengefasst, pointiert und mit moralisch einwandfreien Lösungen versehen. Das funktioniert sicherlich als gute Schullektüre, als Stichwortgeber für weitere geleitete Diskussionen. Als selbstständige Lektüre fehlt mir hier eine bessere Einbettung, eine ausgearbeitetere Geschichte. So wirkt der Roman eher wie ein Entfwurf für einen "ausgewachsenen" Roman. Viele Jugendbücher mit ernsten Themen sind durchaus auch für Erwachsene geeignet. Dies ist hier weniger der Fall. Da darf auch den Jugendlichen mehr Vertrauen bezüglich ihrer Aufnahmefähigkeit geschenkt werden.

Insgesamt handelt es sich um einen gut konstruierten, jedoch noch nicht ausgereiften Roman, der etwas mehr Emotionalität, Tiefe sowie Mut zu ungelösten Problemen gut zu Gesicht gestanden hätte. Dass sich an dieses (leider immer noch) aktuelle Thema in Form einer Umsetzung für Jugendliche herangewagt wurde, verdient definitiv Respekt. Ich vermute hier eine Zielgruppe von um die 13-Jährigen, weniger dem Alter der Protagonistin entsprechend Jährigen, welche ja im Hauptteil schon 17 Jahre alt ist. Ältere Jugendliche wären vermutlich ein wenig unterfordert.

Veröffentlicht am 25.12.2024

Akute Krankheitserfahrung gut geschildert

Jetzt noch nicht, aber irgendwann schon
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Martin Simons reiht sich ein in die Liste von Autoren, die eigene autobiografische Krankheitserlebnisse in Romanform packen und veröffentlichen. Hier zu nennen sind zum Beispiel David Wagner mit "Leben", ...

Martin Simons reiht sich ein in die Liste von Autoren, die eigene autobiografische Krankheitserlebnisse in Romanform packen und veröffentlichen. Hier zu nennen sind zum Beispiel David Wagner mit "Leben", Kathrin Schmidt "Du stirbst nicht" oder Anika Decker "Wir von der anderen Seite". Der Plot ähnelt sich: Eine akute Erkrankung bzw. Verschlechterung des Gesundheitszustandes tritt durch Leberversagen/Hirnblutung/Trombose ein und der Weg zur Genesung mit Rückblicken auf das eigene Leben wird geschildert.

Bei Simons ist es die Hirnblutung, die ihn kurz vor Weihnachten erwischt und auf die Stroke Unit befördert. In recht kurzen Kapiteln und auch insgesamt einem recht kurzen Roman beschreibt er seine Empfindung in diesem Zeitraum der Rekonvaleszenz. Dies macht er literarisch auf hohem Niveau. Mitreißen konnten mich das Buch und die Gedankengänge des Autors leider nicht so stark wie bei Schmidt oder Decker. Sind es die eher unsympathischen egozentrischen Einstellungen des Autors, die ihn und seine Geschichte weniger empathisch machen? Obwohl ich es für einen Pluspunkt halte, dass er ehrlich mit seiner Person umgeht.

Insgesamt ein gut bis sehr gutes Leseerlebnis, welches bei mir jedoch keine tiefergründigere Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod anregen konnte.

Veröffentlicht am 25.12.2024

Ein wahrlich farbenreicher, wenn auch nicht farbenfroher Roman.

Das Leben ist ein Fest
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Die französische Autorin Claire Berest schafft in ihrem Roman sehr eindringlich, die überbordende und auch unheimlich verletzende Liebe zwischen der Malerin Frida Kahlo und dem "größten mexikanischen Maler" ...

Die französische Autorin Claire Berest schafft in ihrem Roman sehr eindringlich, die überbordende und auch unheimlich verletzende Liebe zwischen der Malerin Frida Kahlo und dem "größten mexikanischen Maler" Diego Rivera darzustellen. Hier geht es um nicht weniger als Liebe, Hass, Zärtlichkeit und Verletzungen, Schmerzen - seelischer wie auch körperlicher Art und allem dazwischen.

Mit einer vollmundigen Sprache passt sich die Autorin scheinbar auch stilistisch der Art von Frida Kahlo an. Hier gibt es keine Grautöne, sondern viele Farbnuancen des Lebens. Wobei mir da der französische Originaltitel "Rien n'est noir." (Nichts ist schwarz.) passender erscheint, als der deutsche "Das Leben ist ein Fest". Hier ist nichts ausschließlich schwarz, auch weil jede Kapitelüberschrift einer Farbnuance zugeordnet ist und damit den Inhalt des jeweiligen Kapitels vorausscheinen lässt. Hier orientiert sich die Autorin an das "Gemalte Tagebuch" von Kahlo selbst. Auch nutzt sie viele Zitate aus erhaltenen Briefwechseln von Kahlo und Rivera. Das ist sehr gut recherchiert und lässt den Text unglaublich lebendig werden. Man hat das Gefühl mit Frida im Bett zu liegen und zu leiden oder zu lieben (je nachdem). In den Anmerkungen am Ende des Buches wir darauf hingewiesen, dass die Zitate kursiv gedruckt sind. Das ist eindeutig. Was weniger eindeutig ist, ist der erste Teil des somit kryptisch werdenden Kommentars: "Bei den kursiv gesetzten Stellen handelt es sich um kleine Anspielungen der Autorin oder um fremdsprachige Ausdrücke oder um Zitate von Frida Kahlo und Diego Rivera." Ist nicht immer ein gesamter fiktionaler/fiktionalisierter Roman eine Anspielung der Autor*innen? Was soll das denn heißen? Nun gut, selbst wenn ich dies diskret überlese, kann ich explizit eine andere genutzte Wortwahl leider nicht überlesen: Im Buch tauche immer wieder die Wörter "Indianerin", "indianisch" etc. auf. Das kann man machen in einem aktuell verfassten Roman, aber meines Erachtens unter den Bedingungen, dass es sich entweder um belegte Zitate von historischen Figuren handelt, aus dem Kontext hervorgeht, dass dieses Wort gezielt genutzt wird, um eine gesellschaftliche Einordnung im Rahmen der damaligen Zeit zu geben oder durch eine Anmerkung im Nachwort einsortiert wird. Indianer ist die im Deutschen verbreitete Sammelbezeichnung für die indigenen Völker Amerikas mit bestimmten Ausnahmen und dabei eine Fremdbezeichnung durch die Kolonialisten. Ich finde es bedenklich und nicht zu ignorieren, wenn in einem heutigen Roman unkommentiert dieses Wort repliziert wird.

Im Großen und Ganzen hat mir der vorliegende Roman wirklich sehr gut gefallen. Ich hatte bisher nur rudimentäre Kenntnisse zu Frida Kahlos und Diego Riveras Beziehung bzw. dem Leben von Frida Kahlo. Zu Ersterem erfuhr ich sehr viel - zu Letzterem nebenher durch Rückblicke auch so einiges, was bei Bedarf vertieft werden kann. Also eigentlich eine 4 Sterne Bewertung. Im speziellen Fall jedoch mit Abstrichen in der Form. Demnach sehr gute 3 Sterne von mir für diesen außergewöhnlichen Roman über eine außergewöhnliche Frau sowie ihre außergewöhnliche Beziehung.

Veröffentlicht am 25.12.2024

Actionreiches Weltraumabenteuer

Knights of Sidonia - Master Edition 1
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Nagate Tanikaze lebt mit seinem Großvater zusammen in einem abgeschiedenen Industriekomplex und verbringt seine Tage damit, in einem Mech-Simulator gegen außerirdische Tentakelmonster zu kämpfen. Da sein ...

Nagate Tanikaze lebt mit seinem Großvater zusammen in einem abgeschiedenen Industriekomplex und verbringt seine Tage damit, in einem Mech-Simulator gegen außerirdische Tentakelmonster zu kämpfen. Da sein Großvater allerdings tot ist und die Reisvorräte zur Neige gehen, wagt er sich gezwungenermaßen tiefer in die Gänge des Großkomplexes und muss feststellen, dass er sich all die Jahre im Keller eines gigantischen Kolonieraumschiffes aufgehalten hat, welches sich schon seit 1000 Jahren auf der Suche nach einem neuen Planeten für die an Bord befindlichen Menschen befindet. Auf ihrem Weg wird die Sidonia immer wieder von einer speziellen Art außerirdischer Lebensformen, genannt Gauna, angegriffen und verteidigt sich mit von jungen Piloten gesteuerten Kampfanzügen.

Tsutomu Nihei, Schöpfer der Mangas BLAME! und BIOMEGA, hat sich bei seiner detaillierten Darstellung von Technik und gigantischer Architektur wieder größte Mühe gegeben, auch wenn mir persönlich das Ganzte hier im Vergleich etwas zu “hell” vorkommt. Er schafft es aber gut, Abnutzungserscheinungen durch die lange Reise darzustellen und überrascht immer wieder mit klugen Gedanken zum Alltagsleben auf dem Raumschiff. Was mich gestört hat, war der gefühlte Wechsel des Zielpublikums. Waren Niheis frühere Werke klar dem “Seinen”-Genre zuzuordnen (erwachsene Leser), kommen in “Sidonia” sehr viele Elemente des “Shonen”-Mangas (jugendliche Leser) vor. Dazu zählt der junge Protagonist, die überproportional vielen (jungen) weiblichen Pilotinnen, geringe Anflüge von Schulalltag und Klischees über Interaktion zwischen pubertierenden Jugendlichen. Diese machen den Manga aber nicht per se schlecht, sind für mich nur für eine Geschichte von Tsutomu Nihei recht ungewohnt. Die Action der Kämpfe ist toll, die Aliens angenehm ekelig-kreativ und die Charaktere bekommen auch immer wieder schöne persönliche Momente. Darüber hinaus hat die vorliegende Veröffentlichung als Master Edition ein tolles Design und ist hochwertig verarbeitet.

Im Großen und Ganzen ist Knights of Sidonia ein toller SciFi Manga, fällt für mich aber leider im Vergleich zu den früheren Werken von Tsutomu Nihei in seiner Qualität etwas ab.