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Veröffentlicht am 19.01.2020

Der Attentäter ist ein Buch, das Geschichte wieder lebendig werden lässt

Der Attentäter
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Wir schreiben das Jahr 1914, ein heißer Sommer hat begonnen. Aber die Situation ist nicht nur klimatisch heiß. An vielen Ecken in Europa brodelt es, versteckt oder auch offen. Und rein in diese geschichtliche ...

Wir schreiben das Jahr 1914, ein heißer Sommer hat begonnen. Aber die Situation ist nicht nur klimatisch heiß. An vielen Ecken in Europa brodelt es, versteckt oder auch offen. Und rein in diese geschichtliche Situation geschieht etwas, das den Sommer nicht nur heißer werden lässt, sondern auch das Zünglein an der Waffe ist, die das Pulverfass Europa explodieren endgültig lässt. Dies ist der große Rahmen, in den Ulf Schiewe seinen historischen Roman "Der Attentäter" platziert. In diesem Buch beschreibt er die letzten Tage bis die sprichwörtliche Lunte mit dem Tod des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand von Habsburg angezündet wurde.

Der Autor beschreibt die letzte Woche vor dem dramatischen Ereignis aus mehreren Perspektiven.

Zunächst sind da die jungen Attentäter. Sie haben aufgrund ihrer sozialen Stellung und gesundheitlicher Probleme (Schwindsucht / Tuberkulose) ihrer Meinung nach nichts zu verlieren, und wollen ihrem geliebten Land mit der Ermordung Franz Ferdinands einen historischen Dienst erweisen. Doch 100%-ig sicher sind sie sich trotz ihrer Reise nach Sarajevo nicht. Gerade der eigentliche Attentäter Gavrilo Prinzip, der es ob seiner etwas besseren Ausbildung, auch besser wissen müsste, ist in seiner Gedankenwelt nicht so gefestigt, wie er nach außen hin erscheinen lässt. Endgültig ins Schwanken gerät die Ausführung des Attentats als er einer Jugendliebe begegnet, die ihn trotz erster Avancen am Vorabend des Attentates doch abblitzen lässt. Oder Trifko, der aufgrund seiner psychischen Labilität, das Ganze fast noch zu Fall bringt, bevor es richtig angefangen hat.

Dann sind es die Offiziellen, die zu überheblich sind, um den Völkern Bosniens und Herzegowinas, in Besonderem den Serben, mehr Fingerspitzengefühl entgegenzubringen. Anstatt diesen am Vidovdan (Schlacht auf dem Amselfeld gegen die Türken einige 100 Jahre davor) entgegen zu kommen, ihnen z.B. Feierlichkeiten dazu zuzugestehen oder auszustatten, brüskiert man sie mit Militärmanövern nahe Sarajevo. Weiters schlägt man alle Sicherheitsvorkehrungen für den Thronfolger in den Wind und will nicht wahrhaben, dass es nicht nur Jubelrufe für die Monarchie gibt.

Weiters ist da noch das Thronfolgerpaar, welches wir in diesem Buch ebenso näherkommen und. Fast wirkt es mit seinen Problemen, Ängsten, Gedankenspielen, Herzlichkeiten und gegenseitigen Neckungen wie ein ganz normales Ehepaar aus zwar besserer Klasse, aber eben nicht unbedingt wie ein "behütetes" & abgehobenes Thronfolgerpaar.

Schlussendlich dann noch die fiktiven Charaktere des Geheimdienstes und deren Zuarbeiter. Svjetlana, einer Bordellbesitzerin, Rudolf Markovic, Leiter der Geheimdienstabteilung in Sarajevo und seines Mitarbeiters Simon. Markovic und Simon erhalten schnell Wind von der Sache und versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, wozu auch Prügelfolter zählt, den Attentätern habhaft zu werden. Diese Protagonisten verbinden die ganze Geschichte zu einem schlüssigen Ganzen.

Ulf Schiewe verbindet alle diese Personen, Sichtweisen, Orte und Zeiten zu einem wunderbaren Ganzen, bei dem man hin und hergerissen wird zwischen Hoffen, dass der Anschlag missling aber auch, dass er doch gelingt. Abgesehen von den obersten Offiziellen, z.B. Oskar Potiorek, wirkt keiner der dargestellten Protagonisten tatsächlich unsympathisch oder ist nur der Böse. Dem Autor gelingt es allen Protagonisten ein menschliches Antlitz zu geben und deren Handlungen und Beweggründe nachvollziehbar zu machen. Er spickt die Erzählhandlung mit historischen Berichten und Fakten und webt diese so geschickt in den Handlungsfaden ein, dass man meinen könnte, genau so hätte es sich zugetragen. Kleine Episoden der Ruhe nehmen kurzzeitig passend fahrt aus der Geschichte um den Leserinnen und Lesern eine kleine Verschnaufpause zu geben, aber auch um diesen einige weitere Details aus dieser Zeit an die Hand zu geben bzw. ins Gedächtnis zu rufen. Dadurch kann man regelrecht wieder eintauchen in eine nicht allzu ferne Vergangenheit.

Alles in allem ein großartiges Buch, dass Geschichte wieder lebendig werden lässt.

  • Spannung
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Thema
Veröffentlicht am 11.12.2019

Holländische Festmahlküche - Ein Buchtitel mit Fragezeichen

Weihnachten in Amsterdam
2

Als ich meiner Familie und meinen Freunden von dem Buch erzählt habe, waren viele sehr skeptisch ...

Die Holländer haben eine Festmahlküche?
Die Holländer können kochen?

War so das harmloseste was man ...

Als ich meiner Familie und meinen Freunden von dem Buch erzählt habe, waren viele sehr skeptisch ...

Die Holländer haben eine Festmahlküche?
Die Holländer können kochen?

War so das harmloseste was man da hörte. Doch diese Aussagen erweckten mehr Neugier als Skepsis. Und ich muss sagen, die Neugier wurde befriedigt, auch wenn das anders geschah als erwartet.

Zunächst mal wurde die Erwartung, holländische Küche kennen zu lernen stark gedämpft, weil das Buch gar nicht den Anspruch erhebt, holländische Festtagsküche zu präsentieren (ausser einer handvoll Speisen). Ivette van Bowen präsentiert einfach Festtagsspeisen, welche sowohl sie als auch ihre Famile und Freunde gern haben und schätzen. Dazu werden Tipps für ein streßfreies Fest gereicht und mit einer Prise zartem Humor und schönen Zeichnungen garniert. Abgerundet wird das Buch mit schönen zur Jahreszeit passenden Aufnahmen in Amsterdam. Ein durchaus gelungenes Buch sollte man meinen beim ersten durchsehen.

Doch was das Auge trübt sind manchmal sehr exotische Zutaten, teilweise recht lange Zutatenlisten und leicht missverständliche Herstellugnsangaben. Auch echte Fehler (z.B. was Gewichstangaben betrifft) finden sich leider einige in dem Buch, was es manchmal schwieriger macht, Rezepte Nachzukochen. Allerdings wenn man da mal durch ist, belohnen einige Rezepte die Arbeit durchaus mit Wohlgefallen sowohl in Duft, Geschmack und auf den Hüften

Fazit:
Ein durchaus gelungenes Buch für die Festtagsküche mit kleinen Abstrichen für ein paar Rezepte und dem doch vielen Alkohol. Aufgrund der Mengen ist das Buch auch definitiv nichts für den Alltag (war es nie gedacht), aber zu Festen kann es doch schon einige Hinguckerrezepte bieten.

  • Cover
  • Gestaltung
  • Rezepte
Veröffentlicht am 15.10.2019

Film und Fernsehen in Kochrezepten - eine durchaus spritzige Idee

Filmreif kochen
2

Ein Kochbuch von einer Dame mit Namen Dotterweich in Händen zu halten, das muss Programm sein. Nach dem Lesen und Nachkochen der Rezepte aus dem Buch weiß man es mit Bestimmtheit: Es ist so! Die Idee, ...

Ein Kochbuch von einer Dame mit Namen Dotterweich in Händen zu halten, das muss Programm sein. Nach dem Lesen und Nachkochen der Rezepte aus dem Buch weiß man es mit Bestimmtheit: Es ist so! Die Idee, Essen nach Fernsehserien und filmen zu kreieren, sortieren und in ein Buch zu bringen ist mal etwas ganz Neues. Aber, so etwas war zum jetztigen Zeitpunkt doch schon überfällig würde ich sagen. Bei über 160 Rezepte aufgeteilt in 4 Gruppen fällt die Auswahl, was man kochen soll, nicht gerade leicht. Alles ist mit viel Phantasie und Kreativität zusammengestellt und beschrieben. Sich da durchzukochen macht nicht nur Laune, sondern fordert auch vom Ausführenden etwas Kreativität, vor allem wenn man aufgrund fehlender Zutaten etwas umorganisieren muss. Besonders erwähnen sollte man, dass es auch ein paar Rezepte für Vegetarier und Veganer gibt und man einiges relativ leicht vegetarisieren oder veganisieren kann. Selbst wenn bei einigen Rezepten die Mengenangaben etwas mehr Portionen ergeben als angegeben, tut dies weder dem Spaß an der Sache, noch dem Geschmack einen Abbruch. Nebenbei erfährt man auch einiges zu diversen Fernsehrien und Filmen. Eine Auflistung unterschiedlicher Salze, Küchen- und Reinigungshelfer runden das Buch ab und passen gut ins Konzept. Das Buch ist eine gute Empfehlung an Film- und Fernsehfreunde.


Persönliche Erfahrung zum Buch.

Zwar kannte ich effektiv nur 1 Serie und 1 Film und ein paar weitere vom Namen aber nicht vom Sehen, hatte also keine wirkliche Beziehung dazu. Deswegen habe ich genau diese hergenommen und mir da entsprechende Rezepte rausgesucht.

Die Snacks aus der orangenen Fraktion sind schnell und einfach hergestellt. An gesunde Snacks darf man da nicht denken. Das meiste aus dem Bereich gelingt einfach, ist schmackhaft und schnell hergestellt, auch für ungeübte Köche. Seien es die Cheddartaler, die Spicey Cheddar-Taler, Orangencreme oder die Kürbissuppe. Einzig bei den Schnitten muss man bei der obersten Schicht etwas Geschick aufweisen, wenn man statt Blattgelatine tierfreie Alternativen einsetzt.

Bei den Tartes und Tartlettes sind mit den zusätzlichen Zutaten im Mürbteig (Kartoffelchips, Haferflocken, Essig) eine tolle geschmackliche Bereicherung. Auch die Herstellung erwies sich für etwas geübte Köche als recht einfach.

Die veganen Mettigel sind noch schneller und einfacher gemacht als man denkt. Dierekt etwas für Kinderhände (wenn man ihnen die Zwiebel kleinschneidet). Die Crostata war, trotz ihres genialen Geschmacks, das erste Rezept, das meiner Meinung nach nicht ganz zusammen gegangen ist. Die Menge des Belags war für die Teiggröße viel zu viel. Auch als Teig würde ich hier eher etwas brot- oder pizzartiges und nicht einen Mürbteig erwarten. Allerdings trübt das nur die Herstellung, aber nicht den Geschmack.

Die Scones und die Washington Hero Taschen wurden zur Königs-und Heldenklasse erklärt und als krönender Abschluß der Testreihe hergestellt. Auch hier waren die Mengen für die angegebenen Portionen bei beiden Rezepten zu viel. Aus 10 Scones wurden 20 und selbst die um 30 % verminderte Menge der Füllung für die Taschen war immer noch so viel, dass die Taschen kaum zugingen und vor allem zu blieben. Allerdings sind das, wie bei der Crostata, nur optische und herstellungstechnische Mängel. Dies sollte für versierte Hobbyköche allerdings kein unüberwindbares Hindernis dar. Der Geschmack macht dieses kleine Manko aber mehr als wett.

Fazit:
Das Buch ist Film- und Serienjunkies, die gerne kochen durchaus zu empfehlen. Der Schwierigkeitsgrad der Rezepte reicht von einfach bis durchaus anspruchsvoll, aber es gibt nichts, was man mit etwas Übung nicht hinbekommen sollte. Einzig bei den Mengenangaben mancher Rezepte bzw. Zutaten sollte man sich bereits beim Anrichten überlegen, ob das nicht zu viel wird bzw. ensprechend auch vom Rest etwas mehr nehmen, da einem sonst z.B. bei der Fülle mal schnell der Teig ausgehen kann.

  • Cover
  • Rezeptideen