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Veröffentlicht am 25.01.2026

Rettet Stormi!

Mein Seepferdchenhof 1. Wilde Flosse, großes Herz
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“Mein Seepferdchenhof- Wilde Flosse, großes Herz” ist das erste Kinderbuch, das meine Enkelin und ich an einem Nachmittag regelrecht verschlungen haben. Schon das liebevoll gestaltete Hardcover hat uns ...

“Mein Seepferdchenhof- Wilde Flosse, großes Herz” ist das erste Kinderbuch, das meine Enkelin und ich an einem Nachmittag regelrecht verschlungen haben. Schon das liebevoll gestaltete Hardcover hat uns von Anfang an gefallen, meine Enkelin hat das Buch sofort beschlagnahmt und zu lesen begonnen- etwas, das sie üblicherweise nicht tun würde. Die Illustrationen von Leonie Engel sind farbenfroh, phantasievoll gezeichnet, passen hervorragend zum Text und bieten vor allem Kindern, die nicht gerne lesen oder gerade mit dem Lesen beginnen, willkommene Ruhepunkte. Die Geschichte der Autorin Kathrin Lena Orso bietet alles, was Mädchen mögen: Eine phantastische Unterwasserwelt, in die man am Liebsten gleich selbst eintauchen würde; viel Spannung, eine tolle Heldin und natürlich richtig niedliche Seepferdchen. Zu Beginn werden die wichtigsten Figuren des Buches mit Bildern vorgestellt. So wird den Kindern ein guter Einstieg in das Leseerlebnis ermöglicht.

Heldin der Geschichte ist Elli, ein Meermädchen, das auf Grund einer Verletzung nicht an einem Wasserball- Turnier teilnehmen kann. Besonders schlimm für sie ist, dass sie den Eindruck hat, ihr Team brauche sie nicht mehr. Auch ihre beste Freundin Mona vernachlässigt sie. Doch Maris, ein Klassenkamerad, lädt Elli auf seinen Seepferdchenhof ein, die wunderschönen Seepferdchen begeistern Elli sofort. Mit Stormi, einem verstörten Rennseepferd, verbindet Elli eine besondere Beziehung, denn Stormi lässt eigentlich niemanden an sich heran. Als sein fieser Besitzer Stormi zurück will, ist für Elli klar: Stormi muss gerettet werden!

Kathrin Lena Orso und Leonie Engel haben mit “Mein Seepferdchenhof- Wilde Flosse, großes Herz” den ersten Band einer neuen Reihe vorgelegt, die sich besonders an Mädchen, die Reiten und Tiere mögen, richtet. Allerdings wird das Buch, das für Kinder ab sechs Jahren empfohlen wird, auch älteren Kindern gefallen. Es eignet sich sehr gut zum Vorlesen und zum selbst Lesen, die Sprache ist altersangepasst und leicht verständlich. Besonders gut hat uns gefallen, dass Begriffe, die die Kinder kennen, leicht abgewandelt auch in der Unterwasserwelt vorkommen und so auch Erwachsenen ein Schmunzeln entlocken können. Kurze Kapitel, die große Schrift und durchgehend farbige Illustrationen erhalten die Lesefreude. Der stabile Einband und das dicke Papier dieses hochwertig ausgestatteten Buches garantieren, dass auch Geschwisterkinder noch Freude daran haben werden.

Besonders begeistert hat uns die spannende und warmherzige Geschichte über Freundschaft, Tierliebe und den Wunsch, dazu zu gehören. Hier können Kinder sicher selbst einige Erlebnisse erzählen, denn es ist nicht immer einfach, befreundet zu sein. Natürlich haben wir das niedliche Rennseepferdchen Stormi sofort ins Herz geschlossen und die mutige Heldin Elli bewundert, die sich auch durch Rückschläge nicht unterkriegen lässt und den Mut hat, Neues zu wagen. Meine Enkelin war so begeistert von diesem Buch, dass wir auch gleich das im Anhang befindliche erste Kapitel des nächsten Bandes gelesen haben. Wir empfehlen kleinen und großen Leseratten die zauberhafte Geschichte von Stormi und freuen uns schon auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Das ultimative Tagebuch über den Umgang mit finsteren Kreaturen und für ganz viel gute Laune

Willkommen in Gravity Falls - Dippers und Mabels Leitfaden zu Mysterien und endlosem Spaß
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Lust auf Monster, Übernatürliches und Geheimgesellschaften oder nur auf Spaß? Dann bist Du bei “Gravity Falls: Dippers & Mabels Leitfaden zu Mysterien und endlosem Spaß” genau richtig. Dieses Tagebuch ...

Lust auf Monster, Übernatürliches und Geheimgesellschaften oder nur auf Spaß? Dann bist Du bei “Gravity Falls: Dippers & Mabels Leitfaden zu Mysterien und endlosem Spaß” genau richtig. Dieses Tagebuch im Comic-Stil nimmt dich mit nach Gravity Falls, einer Kleinstadt in Oregon/ USA. Dort verbringen die zwölf Jahre alten Zwillinge Dipper und Mabel ihre Ferien bei ihrem Großonkel (kurz einfach Gronkel) Sam. Dieses übernatürlich nützliche, bunte und phantasievolle Tagebuch- hast du schon das Hardcover gesehen, mit Glitter, da möchte man direkt zugreifen- ist ein New York Times Bestseller und geht auf eine Disney Animationsserie zurück, die zwischen 2012 und 2016 gelaufen ist. Du kennst die Serie nicht? Du warst damals zu jung, zu alt oder noch gar nicht geboren? Kein Problem! Gleich zu Beginn des Buches gibt es einen kurzen Steckbrief zu den Serienfiguren. Und von Gravity Falls gibt es auf den Innenseiten des Buchumschlages einen Stadtplan- du sollst dich schließlich auskennen.

Dipper und Mabel schreiben gemeinsam ein Tagebuch, aber sind nicht immer einer Meinung. Dipper hat bereits viele Geheimnisse von Gravity Falls gelöst und möchte sein Wissen mit dir teilen. Sicher interessiert es dich, wie man Bestien bezwingt, was man macht, wenn man Geistern begegnet oder wie man sich mit einem Gespenst unterhält. Da hat Dipper viele Ratschläge und mit Fragebögen kannst du testen, ob du bereits allen Herausforderungen gewachsen bist. Möchtest du lernen, wie man einen Code knackt, dann bist du hier richtig. Übernatürliches und Mysterien fallen auf jeden Fall in Dippers Zuständigkeit.

Die erfindungsreiche und etwas durchgeknallte Mabel will einfach nur Spaß haben, mit Freundinnen oder ihrem geliebten Hausschwein Schwabbel. Brauchst du auf die Schnelle ein Haustier? Folge einfach Mabels Anleitungen. Aber verabschiede dich auch von deinem Vorsatz, nie, wirklich nie, eine Seite aus einem Buch herauszureißen. Mabel hat viele tolle Ideen für lustige Bastelarbeiten und ihre Pullover sind legendär. Allerdings hat sie eine Schwäche für süße Jungs, gerne Vampire oder Klone. Auch wenn Mabel manchmal die Tagebucheintragungen ihres Bruders korrigiert, die beiden sind beste Freunde.

“Dippers & Mabels Leitfaden zu Mysterien und endlosem Spaß” ist eine gelungene Mischung von Fantasie, Humor, Spannung und Mitmachbuch. Die Texte sind einfach lesbar, so dass auch Lesemuffel gerne zugreifen werden, die Illustrationen sind ideenreich und fröhlich. Das Buch wird für Kinder ab acht Jahren empfohlen, ist aber ebenfalls gut zum Vorlesen geeignet. Auch ältere Kinder werden ihren Spaß haben. Erwachsene werden sich über kleine Außergewöhnlichkeiten wie das Ektoplasma oder den Rorschach- Test freuen. Diese Begriffe muss man, wenn man als Eltern- oder Großelternteil mit dem Schmunzeln fertig ist, den Kindern wohl erklären. Eines hätten wir- meine Enkelkinder und ich- allerdings gerne gewusst: Auf fast jeder Seite gibt es Symbole, für die wir keine Auflösung im Buch gefunden haben. Da hätten wir gerne Näheres erfahren.

Mein Fazit:
Ein tolles, gelungenes Mitmachbuch für die ganze Familie, das auf Grund seiner hochwertigen Ausstattung, des dicken Papiers und des stabilen Hardcovers auch Geschwistern noch Freude machen wird. Bunt, freundlich und mit viel Witz werden hier wichtige Geheimnisse gelöst, Freundschaft und Verständnis gefördert sowie die Kinder direkt in das Geschehen einbezogen. Es gibt viele Rätsel, Fragebögen und am Schluss einige Seiten, die die Kinder selbständig gestalten können. Wir hatten beim Lesen, Vorlesen und Mitraten viel Spaß, empfehlen das Buch gerne weiter und bewerten es mit fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Jennerwein und die Literatur

Kommissar Jennerwein und der tintendunkle Verdacht
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Weimar im Jahr 1806. Bekannte Autoren aller Epochen flanieren durch die Straßen, alles ist lebensecht. Goethe und Kafka, Schiller und Bert Brecht unterhalten sich über Literatur. Virtual Reality macht ...

Weimar im Jahr 1806. Bekannte Autoren aller Epochen flanieren durch die Straßen, alles ist lebensecht. Goethe und Kafka, Schiller und Bert Brecht unterhalten sich über Literatur. Virtual Reality macht es möglich.
Alle Beteiligten wollen etwas gegen den Niedergang der Lesekultur tun, daher sind sie Mitglieder von Salomes Lesekränzchen. Doch wie Aufmerksamkeit generieren? Unter dem Motto “LESEN HILFT” stellen sie in der Literatur beschriebene Verbrechen nach. Besonders spektakulär agieren dabei drei Influencerinnen, Ene, Mene und Muh. Dass Autor Jörg Maurer den Dreien die Figur des Konfuzius zugeschrieben hat, zeugt von leiser Ironie. Aber auch von Verachtung, denn als die alltäglichen Klarnamen der Foristen, die über die ganze Welt verstreut leben, publik werden, bleiben die drei Frauen weiterhin Ene, Mene und Muh.

Jennerwein spielt in diesem sechzehnten Fall “Kommissar Jennerwein und der tintendunkle Verdacht” eine völlig andere Rolle als in den bisherigen Bänden von Jörg Maurer. Diesmal reist er durch die Welt und hält Vorträge über den “besonderen Blick”, das sofortige Erkennen, was an einem Tatort ungewöhnlich ist. Doch Jennerwein greift ein, als ein Politiker ermordet wird, der die Sprache vereinfachen wollte. Können seine radikalen Ideen das Motiv für den Mord gewesen sein? Keine Groß- und Kleinschreibung mehr? Das geht gar nicht, findet der Autor und ich pflichte ihm bei, denn das kann den Sinn eines Satzes verändern. Zwischen “ich habe liebe Genossen” und “ich habe Liebe genossen” ist ein himmelweiter Unterschied! Und für einen zum Tode verurteilten Delinquenten kann ein Komma lebensrettend sein: "Wartet, nicht hängen!” ist etwas Anderes als “wartet nicht, hängen!”

Jörg Maurer betont in diesem Buch unter den Schlagwort “LESEN HILFT” die Wichtigkeit von Leseförderung und humanistischer Bildung. Der Erhalt der Schönheit der Sprache- wir sind ja das Land der Dichter- sowie ihrer Klarheit und Präzision- wir sind auch das Land der Denker- wird in zahlreichen Appellen betont. Allerdings meine ich, dass die Zielgruppe hier nicht erreicht wird, denn die in virtuellen Lesezirkeln Engagierten lesen sowieso mit Leidenschaft, Literaturverweigerer werden durch die Aufzählung vieler großer Namen, die den Betroffenen wenig sagen, eher abgeschreckt.

Und Jennerwein? Er hat seinen Auftritt vor allem im zweiten Teil des Buches, wo er Indizien sammelt, um den Politikermord aufzuklären. Leider wird sein Team nur in einer kurzen Sequenz erwähnt, die oft humorvollen gruppendynamischen Prozesse bleiben dabei auf der Strecke. Doch es gibt in der virtuellen Welt von Salomes Lesekränzchen humorvolle Szenen. So leidet die Figur des Shakespeare am Tourette-Syndrom und sondert ausschließlich Schimpfwörter ab. Eine künstliche Intelligenz wird ausgeknockt, indem man ihr Entscheidungsfragen stellt. Hinter phantasievollen Schilderungen verbergen sich jedoch ernste Überlegungen zum Zustand des Bildungssystems und zum Einfluss der Technik auf Sprache und Büchermarkt. Dennoch hätte ich mir von diesem Roman gewünscht, dass, wenn Jennerwein draufsteht, auch mehr Jennerwein drin ist.

Witzig ausgesucht sind die Schlussworte des Buches (da kommt sogar Uschi Obermaier zu Wort, die allerdings nur älteren Lesenden bekannt sein dürfte). Jörg Maurer zitiert Georg Christoph Lichtenberg, der Rezensionen als eine Art Kinderkrankheit bezeichnet, die neugeborene Bücher befällt. Der Büchergeburtstag dieses Romanes ist jetzt schon ein bisschen her, daher hoffe ich, dass diese Rezension nicht als Krankheitssymptom, sondern als Placebo verstanden wird, verabreicht von einem wohlwollenden Jennerwein- Fan. Wer Krimis, Literatur und virtuelle Welten mag, hat hier sicher zum richtigen Buch gegriffen.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Hochzeit auf italienisch

Lieber solo als allein
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“Dio mio” eine italienische Hochzeit! Genau darum dreht sich der Liebesroman der bekannten Autorin Tessa Hennig Schon das fröhliche Cover macht Lust, die Protagonisten nach Italien zu begleiten. Doch italienische ...

“Dio mio” eine italienische Hochzeit! Genau darum dreht sich der Liebesroman der bekannten Autorin Tessa Hennig Schon das fröhliche Cover macht Lust, die Protagonisten nach Italien zu begleiten. Doch italienische Familienangelegenheiten haben so ihre Tücken und natürlich geht auch in diesem witzigen Liebesroman nicht alles glatt.

Leonie und Luca wollen heiraten. Leonie kommt aus Deutschland zu den zukünftigen Schwiegereltern nach Italien, die in Perugia ein in die Jahre gekommenes Hotel betreiben. Entspricht das Leonies Vorstellung von ihrer Zukunft? Luca, der aus Perugia stammt, ist ebenfalls hin und her gerissen zwischen der Möglichkeit, das Hotel seiner Eltern zu übernehmen oder mit Leonie noch die Welt zu sehen, denn beide sind Hotelfachleute. Und natürlich darf bei dieser Hochzeit die deutsche Familie nicht fehlen. So reisen Oma Gabriele, Mutter Katrin und Papa Oliver an, allerdings sind Oliver und Katrin bereits länger getrennt.

Tessa Hennig beschreibt die Charaktere der Protagonisten liebevoll und einfühlsam, ohne jedoch in Klischees abzugleiten. Für alle Generationen ist gesorgt: Oma Gabriele, die nach dem Tod ihres Mannes sehr zurückgezogen gelebt hat, blüht wieder auf. Das liegt unter anderem daran, dass ihre Kochkünste wieder gefragt sind, aber da gibt es auch noch Francesco. Katrin hinterfragt ihr Karrierefrau-Image und ist unschlüssig, ob sie Oliver noch liebt. Oliver, der eigentlich zurückhaltend ist, blüht in Italien richtig auf. Lucas italienische Familie hat auch ihre unerwarteten Geheimnisse. Und nicht zuletzt Leonie und Luca, das Brautpaar, dessen Lebensentwurf nicht so klar ist und das eine große Bewährungsprobe bestehen muss, bevor es- natürlich- ein Happy End gibt.

Dieses Buch hat alles, was man sich von einem gelungenen Liebesroman erwartet: Italienisches Temperament, grande amore, familiäre Wirrungen und Verstrickungen, porca miseria! (Das ist ein Schimpfwort und braucht nicht übersetzt zu werden.)

“Lieber solo als allein” ist ein fröhliches und entspannendes Buch, das sich gut lesen lässt. Der Schreibstil der Autorin ist realitätsnah, leichthändig und beschwingt entführt sie die Lesenden nach Perugia, in das sonnige Italien, nach dem die Sehnsucht in der Winterzeit besonders groß ist. Der Liebesroman bietet eine vergnügliche, unterhaltsame Geschichte, daher empfehle ich das Buch gerne weiter.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

In den Falten der Zeit

Das Buch der verlorenen Stunden
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“Das Buch der verlorenen Stunden“, der Debütroman der Autorin Hayley Gelfuso, wirft zu Anfang eine philosophische Frage auf, die heute auch Wissenschaftler noch nicht beantworten können: Was geschieht ...

“Das Buch der verlorenen Stunden“, der Debütroman der Autorin Hayley Gelfuso, wirft zu Anfang eine philosophische Frage auf, die heute auch Wissenschaftler noch nicht beantworten können: Was geschieht mit unseren Erinnerungen, kann man sie verändern und manipulieren? Welche sind es wert, erhalten zu bleiben? Diesem interessanten Thema entspricht die hochwertige Ausstattung des Buches mit Goldprägung des Buchumschlages und der Abbildung des Zeitraums, einer Bibliothek, in der die Erinnerungen der Menschheit aufbewahrt werden.

Der Roman hat zwei sehr unterschiedliche Handlungsstränge und Zeitebenen.

Die Geschichte beginnt 1938 in der Reichskristallnacht, als ein jüdisches Mädchen, Lisavet, von ihrem Vater, einem Zeithüter, in den Zeitraum gebracht wird. Dort ist sie vor Verfolgung sicher. Doch dort ist sie auch gefangen, denn der Vater kommt nicht zurück. In dieser Falte der Zeit gelten keine realen Regeln und Bedürfnisse, doch Lisavet gelingt es, in die Erinnerungen anderer Menschen einzutauchen und dort mitzuleben. Nur Zeithüter, meistens Agenten der jeweiligen Regierungen, können den Zeitraum betreten. Sie vernichten unliebsame Erinnerungen, doch Lisavet setzt alles daran, diese Erinnerungen zu retten. Als sie eines Tages einem amerikanischen Zeithüter, Ernest, begegnet, ändert sich Lisavets Leben und sie überlegt erstmals, den Zeitraum zu verlassen.

Im zweiten, 1952 beginnenden Handlungsstrang versucht Moira, eine in Diensten des CIA stehende Agentin und skrupellose Mörderin, ein junges Mädchen, Amelia, zu schützen. Denn Amelia soll im Zeitraum Lisavets gerettete Erinnerungen finden.

Als sich beide Handlungsstränge vereinen, entsteht eine phantastische Geschichte, die jedoch starke Brüche in Sinn und Inhalt aufweist. Der Roman, am Anfang durch die junge Protagonistin durchaus für Jugendliche und junge Erwachsene geeignet, wird zu einem, allerdings nicht mit Bedacht ausgearbeiteten, Agententhriller. Die Wandlung in den Charakteren der Figuren ist schwer nachvollziehbar, eine eingebaute schwierige Liebesgeschichte bringt einen unerwarteten Plottwist. Das Buch nimmt sowohl oberflächlich auf den kalten Krieg Bezug als auch auf historische und wissenschaftliche Fakten, die jedoch zur Erklärung des Geschehens kaum etwas beitragen können.

Haley Gelfuso hat mit “ Das Buch der verlorenen Stunden” einen Roman geschrieben, der mit einer der großen Fragen der Menschheit beginnt, eine schön ausgearbeitete Geschichte, die auf ein jüdisches Schicksal hinweist, ohne jedoch näher auf die Gräueltaten der Nazis einzugehen. Hier zeigt sich die durchaus nachvollziehbare Entwicklung der Figur von Lisavet, die von moralischen und ethischen Grundsätzen in ihren Handlungen geleitet wird. Der Schreibstil der Autorin ist in diesem Abschnitt klug, empathisch und manchmal poetisch, denn Lyrik spielt eine bedeutende Rolle.

Kalte Sachlichkeit und Gewalt prägt den Wechsel des Genres zu einem Agententhriller und zu der Figur von Moira, die dem Charakter von Lisavet diametral entgegengesetzt agiert. Zu unstimmig entwickelt sich die Handlung, zu durchsichtig sind die Argumente, mit denen Moira ihre Taten rechtfertigt.

Auch wenn des Buch einen positiven, versöhnlichen Schluss bietet, der es den Lesenden überlässt, ihn der Fiktion oder der Realität zuzuschreiben, hält für mich dieser Roman in seiner Gesamtheit leider nicht, was der gelungene Anfang der Buches versprochen hat. Doch stimme ich aus vollem Herzen der Autorin zu, die in ihrem Nachwort betont, dieses Buch für all jene geschrieben zu haben, die so gut wie vergessen sind. Daher bewerte ich den Roman mit vier Sternen.

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