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Veröffentlicht am 25.08.2025

Schau mal, wer da unterrichtet

Schule des Schreckens, Bd. 1
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Mit seinem Jugendbuch “Schule des Schreckens: Die Gruftis sind los” hat der bekannte Autor Boris Koch ein witziges und spannendes Buch für Kinder ab zehn Jahren vorgelegt. Schon das gelungene und phantasievolle ...


Mit seinem Jugendbuch “Schule des Schreckens: Die Gruftis sind los” hat der bekannte Autor Boris Koch ein witziges und spannendes Buch für Kinder ab zehn Jahren vorgelegt. Schon das gelungene und phantasievolle Hardcover macht deutlich, wie im Internat Buchenschlag der Lehrermangel bekämpft werden soll. Da zu der Schule auch ein Friedhof gehört, haben ehemalige in einer Gruft bestattete Lehrer einen Schwur abgelegt: Wenn sie gebraucht werden, kommen sie zurück.

Kilian ist fast zwölf Jahre alt, als seine Eltern eine neue Arbeit in Buchenschlag übernehmen, die Mutter als Friedhofsgärtnerin und der Vater als Steinmetz. Zuerst ist Kilian von einem Umzug nicht begeistert, vor allem empört ihn, dass er dazu nicht gefragt wurde. Doch schließlich gefällt ihm die neue Schule, nur etwas haben ihm die Eltern verschwiegen; in der Schule herrscht Lehrermangel und die Schulleiterin, Frau Fuchs, greift schlauerweise auf die Friedhofsbewohner ihrer Schule zurück. Zuerst sind alle Kinder skeptisch, doch bald erkennen sie, dass die meisten Gruftis nett sind. Nur der Lehrstoff ist veraltet- wer spricht heute noch Mittelhochdeutsch oder Altgriechisch? Auch mit der modernen Technik tun sich die untoten Lehrer schwer. Und manche Unterrichtsmethoden sind heute einfach unmöglich! Natürlich werden die Gruftis angefeindet, vor allem von Dominik, der auch Kilian immer wieder anstänkert. Doch Kilian hat schnell Freunde gefunden, Ole und Yunai, Kinder anderer Angestellter. Sie mögen die Gruftis und versuchen alles, um sie zu beschützen und zu verhindern, dass sie wieder auf den Friedhof verbannt werden. Dabei haben die drei Freunde zahlreiche ungewöhnliche Abenteuer zu bestehen. Als zudem noch die Presse Wind von den außerordentlichen Lehrkräften bekommt, wird die Schule von Neugierigen gestürmt. Werden Kilian und seine Freunde wirklich verhindern können, dass die Schule auf ihre ungewöhnlichen Lehrkräfte verzichten muss?

Die Schule des Schreckens ist ein sehr witzig geschriebenes Buch mit schrägen Charakteren. Das eigentlich ernste Thema Tod wird hier so leicht und lustig aufgearbeitet, dass die Kinder das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollen. Die Geschichte ist unterhaltend, die Schulatmosphäre wird sehr gut geschildert, zahlreiche Geheimnisse müssen von Kilian und seinen Freunden erkundet werden. Auch Alchemie und der Stein der Weisen sollen bei der Lösung der Probleme helfen, eine Situation, die den Kindern alles abverlangt. Boris Koch erzählt hier eine zwar phantastische, aber sehr lebendige Geschichte, die gelungenen Illustrationen, die den Text auflockern, sind von Michael Hülse. Immer wieder werden andere Schriftarten verwendet, wenn aus dem Text etwas herausgehoben werden soll, das macht das Lesen abwechslungsreich und das Buch auch für Lesemuffel interessant. Oft werden die lesenden Kinder im Text direkt angesprochen und so zu Mitwissern gemacht, denen Kilian gerade ein Geheimnis anvertraut.

Doch nicht nur Kinder werden an diesem Buch ihre Freude haben. Erwachsene, die die Probleme im Bildungswesen mit einem Augenzwinkern betrachten können, finden hier viele Anspielungen, die zum Schmunzeln anregen. Auch die Boulevardpresse wird sehr treffend aufs Korn genommen. Also lohnt es sich durchaus auch für Eltern, Großeltern und andere Interessierte, dieses Buch mit ihren Kindern zu lesen.

Mein Fazit:

“Die Schule des Schreckens- Die Gruftis sind los” ist angenehm gruselig und sehr, sehr lustig. Der Wert von Freundschaft steht im Mittelpunkt, auch dass man mit Neugier und Durchhaltevermögen ungewöhnliche Probleme meistern kann, selbst wenn sie nicht ganz von dieser Welt sind. Um mit Kilian zu sprechen: “In diesem Buch steht die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit”. Die Wahrheit ist auch, dass dieses Buch wirklich gelungen ist und die Geschichte bald in einer Fortsetzung weiter erzählt wird.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Alte Schuld- neue Liebe

Der Sommer am Ende der Welt
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Mit “Der Sommer am Ende der Welt” hat die Spiegel Bestseller-Autorin Eva Völler einen Unterhaltungsroman, der tief in die Vergangenheit blickt, vorgelegt. Inspiriert wurde die Autorin durch die Erlebnisse ...

Mit “Der Sommer am Ende der Welt” hat die Spiegel Bestseller-Autorin Eva Völler einen Unterhaltungsroman, der tief in die Vergangenheit blickt, vorgelegt. Inspiriert wurde die Autorin durch die Erlebnisse ihrer Geschwister, die als Verschickungskinder traumatische Erfahrungen machen mussten. Daher wird in dieser fiktiven Geschichte auf wahre Begebenheiten Bezug genommen und die Leiden und Demütigungen dieser Kinder thematisiert. Schon das stimmige Cover zeigt ein Kind, das mit gesenktem Kopf das Wasser betrachtet und in sein Schicksal ergeben scheint.

Die Journalistin Hanna ist mit ihrer sechzehn Jahre alten Tochter Katie auf dem Weg nach Borkum. Sie will einen Artikel über das Schicksal der Verschickungskinder schreiben. Nicht nur auf Borkum gab es viele Heime, es waren tausende Kinder betroffen. Dieser Aufenthalt sollte die Gesundheit der Kinder bessern, sie wurden jedoch von den Betreuern zu Nummern gemacht, gequält, geschlagen und verspottet. Hanna erhält bei ihrer Recherche unerwartete Hilfe durch ein geheimnisvolles Tagebuch einer früheren Betreuerin, vor allem die Zeitzeugin Sabine bietet wertvolle Informationen, auf die Hanna mit tiefem Mitgefühl reagiert.

Doch neben diesem düsteren Kapitel hat die Autorin zwei interessante Liebesgeschichten in die Handlung verwoben. Eine betrifft Hanna, die sich in den Arzt Ole verliebt und auch dazu beiträgt, dass Oles Familiengeschichte mit entsetzlichen Geheimnissen ans Licht kommt. Katie verliebt sich in Bengt, den Sohn der Hoteleigentümerin, die alles daran setzt, dass Hanna ihren Artikel nicht veröffentlicht, denn auch das Hotel war in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein übel beleumdetes Kinderheim.

Mit “Der Sommer am Ende der Welt” schlägt Eva Völler eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Aufdeckung vergangener Verbrechen, die Lieblosigkeit, die die Kinder erleiden mussten, Traumata, die auch in den Nachkommen fortwirken sind oft bestürzende Themen, denen sich der Roman widmet. Auch Hanna hat unerwartet mit Krankheit zu kämpfen. Dennoch bleibt sie optimistisch und bemüht sich sehr um ihre Tochter Katie, die in Bengt ihre erste Liebe gefunden hat. Haben die Beziehungen von Hanna und Katie eine Chance? Und wird Hanna wirklich ihren Artikel schreiben oder aus Rücksicht auf Oles Familie davon Abstand nehmen?

In ihren Roman bietet die Autorin ein breites Spektrum an Themen, sodass die Lesenden selbst entscheiden können, auf welchen Handlungsstrang sie ihr Hauptaugenmerk richten wollen. Manchmal scheint der Sprung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu groß, denn das Schicksal der Verschickungskinder steht gleichrangig mit gegenwärtigen Ereignissen, was einige Lesende vielleicht irritieren könnte. Dem Grauen der Nazi-Zeit und den damals begangenen Verbrechen sowie den erschütternden Kinderschicksalen stehen eine nicht ganz einfache Mutter-Kind Beziehung und eine gefühlvolle Liebesgeschichte gegenüber, deren Ausgang die Autorin erst in ihrem Epilog verrät.

Eva Völler besticht in ihrem Roman durch eine gelungene Zeichnung einprägsamer Charaktere. Der Roman, der sich gut und flüssig liest, lässt immer wieder Mitleid und auch Abscheu vor den Ereignissen der Vergangenheit aufkommen, wobei in der Gegenwart positive Entwicklungen, aber auch Probleme in diesem Buch thematisiert werden. Viele Handlungsstränge bringen Abwechslung. Der Autorin ist hoch anzurechnen, dass sie den damals gepeinigten Kindern eine Stimme gibt. Eva Völler bietet in ihrem Buch eine große Themenvielfalt, für Lesende, die zeitgeschichtlich interessiert sind und auch Liebesgeschichten mögen, kann ich das Buch gerne empfehlen.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Auf der Flucht

Deckname: Bird
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Die vielfach preisgekrönte Autorin Louise Doughty hat mit “Deckname Bird” ihren zehnten Roman vorgelegt, einen Thriller der etwas anderen Art. Die Titelfigur des stimmigen Covers zeigt Heather Berriman, ...

Die vielfach preisgekrönte Autorin Louise Doughty hat mit “Deckname Bird” ihren zehnten Roman vorgelegt, einen Thriller der etwas anderen Art. Die Titelfigur des stimmigen Covers zeigt Heather Berriman, Deckname Bird, die Protagonistin, die ihre Geschichte in der Ich- Form erzählt.

Heather erkennt schon als Kind, dass in ihrer Familie die Lüge dominiert, später versteht sie, dass ihr Vater als Geheimagent arbeitet. Sie selbst schlägt eine militärische Laufbahn ein, um nach einigen Jahren und Zwischenschritten auch im Dienst des britischen Secret Service zu landen. Dort macht sie Karriere, ist zufrieden im Job und sieht ihre Rolle im Schutz der Bürger. Doch alles ändert sich, als Heather, nunmehr eine Frau mittleren Alters, nach Birmingham versetzt wird. In einer Teambesprechung erkennt sie, dass sie nur wenige Sekunden Zeit hat, um zu fliehen. Den Grund für ihre Flucht und von wem Heather verfolgt wird, erfahren die Lesenden erst spät.

“Deckname Bird” ist kein typischer Agententhriller. Es geht weder um Staatsgeheimnisse, Bedrohungen durch ausländische Mächte oder Verfolgungsjagden. Einzig die Flucht von Heather ist relevant. Hier beschreibt die Autorin akribisch, welchen Weg die Protagonistin zurücklegt. Ebenso bringen die detaillierten Schilderungen der Stationen und Szenerien die Lesenden dazu, Heather auf ihrer Flucht, die bis nach Island führt, zu begleiten. Die Lesenden sehen die Gefahr durch Heathers Augen, hören durch ihre Ohren den Gesprächen der Menschen zu und fühlen mit ihr die Angst, verfolgt, bedroht und ermordet zu werden. Wird es für Heather möglich sein, jemals zur Ruhe zu kommen und ein normales Leben zu führen?

In diesem psychologisch ausgefeilten Thriller werden in Rückblenden die persönlichen Beziehungen von Heather, der Computer lieber sind als Menschen, thematisiert. Aus ihrer Militärzeit hat Heather nur eine enge Freundin, Flavia, die sie platonisch innig liebt, mit der sie sich aber überwirft. Denn Heather kann ihr nicht erklären, warum sie nicht immer da sein kann, wenn Flavia sie braucht. Diese Entwicklung ist für Heather schmerzlich, denn sie fühlt auch große Zuneigung zu Flavias Tochter Adelina, hat aber lange keinen Kontakt mit ihr. Erst nach langen Jahren wird sie versuchen, wieder an Adelinas Leben teilzunehmen, auch wenn sie weiß, dass ihr Beruf eine enge Bindung unmöglich macht. Die Beziehungen zu Männern bleiben oberflächlich, dennoch spürt man, dass Heather sich wünschen würde, Geborgenheit und Ruhe zu finden. Letztlich bleibt der Ausgang dieses tiefgründigen Romans offen.

Louise Doughty hat mit “Deckname Bird” eine faszinierendes Buch geschrieben, das den Spannungsbogen bis zum Ende halten kann und ein genaues Persönlichkeitsprofil der Titelfigur zeichnet. Als Lesernde:r erlebt man mit, welchen Erkenntnisschock es für Heather bedeutet, von der Jägerin korrupter Agenten selbst zur Gejagten zu werden. Lange ist nicht klar, wer sie ausgenutzt und betrogen hat. Die Sprache der Autorin ist präzise und realitätsnah, dennoch ist das Buch gut lesbar und die Geschichte sehr eindringlich erzählt. Ich kann daher diesen Thriller gerne empfehlen und bewerte ihn mit verdienten fünf Sternen.

Mein Fazit:

“Deckname Bird” ist ein vielschichtiger Roman, der den Lesenden die Schrecken von Verfolgung und Bedrohung vor Augen führt, ohne dass es einer fulminanten Handlung bedarf. Hier geht es um die Kunst zu überleben, etwas, das selbst der Geheimagentin Bird schwer fällt und sie immer wieder in scheinbar ausweglose Situationen bringt. Durch die intensive Beschreibung der Flucht der Protagonistin wird man direkt in das Geschehen mit einbezogen, die detailreiche Beschreibung
des Fluchtweges und der widrigen Umstände machen ein Mitfühlen möglich. Louise Doughty ist ein Buch gelungen, dessen Geschichte Spannung bietet und fasziniert.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Lerne lachen ohne zu weinen

Auf tausend Straßen
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Wer “Auf tausend Straßen” liest, liest die Beiträge von fünf Autoren: Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser. Trotzdem sind die Vier nur ein Literat, Kurt Tucholsky, der diese Pseudonyme ...

Wer “Auf tausend Straßen” liest, liest die Beiträge von fünf Autoren: Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser. Trotzdem sind die Vier nur ein Literat, Kurt Tucholsky, der diese Pseudonyme gewählt hat. Er schreibt in seinem Beitrag “Start”, dass es nützlich sei, unter verschiedenen Namen zu schreiben, denn der Satiriker werde nicht ernst genommen, und Humor wird einem politischen Schriftsteller nicht zugetraut. So entstand eine heitere Schizophrenie, jede Figur hatte ihren persönlichen Bereich. Doch alle Fünf einigt das offene Auge, der klare, fast prophetische Blick auf die Gesellschaft vom Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bis zu den Jahren nach dem ersten Weltkrieg sowie auf den aufstrebenden Nationalsozialismus.

Die Bandbreite der Arbeiten Tucholskys ist riesig, er war Lyriker, Journalist, Romanautor, Kritiker und textete Chansons und Kabarettnummern. Da man damals den Kaiser nicht kritisieren durfte, schrieb er bereits im Alter von siebzehn Jahren das “Märchen“, um die rückständigen Ansichten des deutschen Kaisers auf moderne Kunst zu persiflieren. Seine Gedichte und seine Prosa zeigen mit einprägsamen und präzisen Worten die Zustände der Zeit, nie um Humor und Ironie verlegen und, wie der Autor selbst sagt: “Satire darf alles“. Interessant ist, dass in dem Gedicht “Gebet des Zeitungslesers” die damalige Informationsüberflutung aufgezeigt wird, die in der Bitte gipfelt, den Leser von diesem Zeitungsregen zu befreien, denn wie sagt der Dichter: “Was geht mich das an?” So sprach der Autor damals gegen seine kommerziellen Interessen, nicht aber in “Die diskreditierte Literatur” , wo er das Erscheinen billiger Bücher kritisiert, eine für einen Sozialdemokraten vielleicht hinterfragenswerte Einstellung, da Bildung nun auch für einfache Schichten erschwinglich wurde. Ebenso wendete er sich gegen die Verluderung der Sprache, da Sprache eine Waffe sei. Obwohl der Autor sehr bekannt und nachgefragt war, musste auch er schließlich erkennen, dass man mit der Schreibmaschine keine Änderung der Verhältnisse herbeiführen kann.

Tucholsky wendet sich gegen die Kriegshetze, gegen Fehlinformation des Volkes, das letztlich nur als Kanonenfutter taugt und den Reichtum der Unternehmer mehrt. Dieser Teil des Buches ist für mich der leider bestürzend aktuelle Bereich. Männer, die in ihrer bürgerlichen Existenz Handwerker oder Bankbeamter waren, wurden in den Krieg getrieben, erbarmungslos und sinnlos. Daher gilt auch heute noch der brennende Appell des Autors: “Krieg dem Kriege”.

Die Vielfältigkeit des Werkes dieses großen Schriftstellers, der die Ansichten ganzer Generationen geprägt hat, findet sich in der Zusammenstellung seines Werkes “Auf tausend Straßen”, das dem Autor zum hundertfünfunddreißigsten Geburtstag ein Denkmal setzt. Diese hochwertige Ausgabe mit Hardcover und Lesebändchen wird wunderbar bereichert durch die Illustrationen von Stefanie Harjes, einer Illustratorin, deren Arbeiten national und international seit Jahren höchste Anerkennung finden.

Tucholskys pointierte, bissige und doch so treffende Schilderung seiner Beobachtungen machten vor keiner Gesellschaftsschicht halt, weder vor dem Großbürgertum, den Unternehmern, den Richtern oder den Militaristen. Tucholsky war Patriot, der sein Land liebte, aber immer gegen Nationalismus anschrieb. Nach seiner frühen Auswanderung nach Schweden kritisierte der Autor die deutschen Verhältnisse weiterhin. Doch findet sich im Buch auch ein Auszug aus dem Kurzroman “Schloss Gripsholm”, der Leichtigkeit und Romantik bringt. Sogar die Beschreibung seiner Beerdigung, hier wird Ignaz Wrobel zu Grabe getragen, wirft ein bezeichnendes Licht auf den bitteren Humor des Autors. Wer wird hier teilnehmen, nur um im Rampenlicht zu stehen? Und als Ignaz Wrobel sollte auf seinem Grabstein stehen “Hier ruht ein goldenes Herz und eine eiserne Schnauze-gute Nacht.”

Mein Fazit:

Kurt Tucholsky war einer der wichtigsten Schriftsteller meiner Jugend, ich habe es immer bewundert, mit welcher Präzision er Missstände und Lügen aufgedeckt hat. “Unter tausend Straßen” hat mir seine Werke wieder vor Augen gestellt und an meiner Bewunderung für seinen Mut und seine klaren Worte hat sich nichts geändert. Er war Mahner, Aufklärer und überzeugter Pazifist, seine Gedichte und Prosa sind so erschreckend aktuell, dass es fast weh tut. Mit “Auf Tausend Straßen” wurde dem Autor ein würdiges Denkmal gesetzt in einem wunderbaren Buch, das ich gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Junge Liebe auf dem Pferdehof

Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück
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Mit “Hearts & Horses” hat die bekannte Autorin Sabrina Qunaj ein gelungenes Buch vorgelegt, das die Liebe zu Pferden und das Aufkommen erster Gefühle sehr einfühlsam behandelt. Schon das schön gestaltete ...

Mit “Hearts & Horses” hat die bekannte Autorin Sabrina Qunaj ein gelungenes Buch vorgelegt, das die Liebe zu Pferden und das Aufkommen erster Gefühle sehr einfühlsam behandelt. Schon das schön gestaltete Hardcover zeigt, dass Pferdeliebe dazu führen kann, dass sich auch junge Menschen näher kommen.

Mia ist elf Jahre alt, als ihre Mutter bei einem Reitunfall stirbt. Der trauernde Vater verkauft daraufhin das Pferd der Mutter, Tiago, und verbietet Mia nicht nur das Reiten, sondern auch jeden Besuch in einem Reitstall. Doch Mia verspricht sich selbst, Tiago wieder zu finden. Plötzlich, nach zwei Jahren, erfährt sie durch eine Freundin, wo Tiago eingestellt ist. Doch darf Mia sich über das väterliche Verbot hinwegsetzen? Ist es möglich, dass Mia ihren Vater doch noch umstimmen kann?

Arvid ist vierzehn Jahre alt und schon ein Star, der als Sänger und Songwriter bereits Tourneen gemacht hat und nun ein neues Album herausbringen soll. Doch Arvid ist ausgelaugt, seine Berühmtheit ist nicht nur Freude sondern auch Stress. Daher will er auf dem Pferdegut seiner Großtante einen ruhigen Sommer verbringen, wo ihn niemand erkennt. Durch Zufall ist es das Gut, in dem Tiago lebt. So lernt Arvid Mia kennen, die Tiago heimlich besucht. Doch das Pferd lehnt Mia ab und geht auf Arvid zu. Mia freut sich, Tiago endlich gefunden zu haben, auch wenn es schmerzt , dass das geliebte Pferd vor ihr zurückschreckt. Doch verschweigen einander Mia und Arvid ihre wahre Geschichte, auch wenn die gegenseitige Sympathie von Tag zu Tag wächst.

“Hearts & Horses” schildert einprägsam, wie sehr Tierliebe das Schicksal eines jungen Menschen beeinflussen kann und wie wunderbar es ist, eine besondere Beziehung zu einem Pferd zu haben. Mia ist ein Mädchen, das den Tod der Mutter noch nicht ganz verwunden hat, Tiago erinnert sie an ihre Mutter und gibt Mia das Gefühl, noch immer mit ihr verbunden zu sein. Aber die Geschichte zeigt auch, dass man sich Vertrauen und Zuneigung- sei es bei Mensch oder Tier- erst langsam erarbeiten muss. Ebenso muss sich Mia fragen, wie sie mit der Berühmtheit von Arvid umgehen soll, die sie eigentlich ängstigt. Offen bleibt, ob Mia ihren Vater davon überzeugen kann, wie wichtig das Reiten für sie ist oder ob erst eine ernsthafte Gefahr dazu führen wird, dass auch der Vater seine Haltung überdenkt.

Arvid ist ein sensibler Junge, der sich sanft bemüht, Mia langsam näher zu kommen und der erst wieder die Liebe zur Musik finden muss. Doch wird er Mia als Freundin gewinnen, obwohl ihr Vater dagegen ist? Und können Arvid und Tiago zusammen ein großes Unglück verhindern?

Dieser Roman für Kinder ab zehn Jahren handelt von großer Tierliebe, besonders natürlich zu Pferden, und macht klar, wie sorgsam und mit welchem Einfühlungsvermögen diese Tiere behandelt werden müssen. In flüssigem und gut lesbaren Schreibstil wird die Geschichte zweier junger Menschen erzählt, die ihren Weg zum Erwachsenen langsam zu gehen beginnen. Die Autorin beschreibt lebensecht die Gefühle, die Mia und Arvid füreinander empfinden, immer bedacht, hier die Verletzlichkeit, aber auch die Freude an der Zweisamkeit altersgerecht zu schildern. Ich kann dieses Buch daher gerne empfehlen und bewerte es mit verdienten fünf Sternen.

Mein Fazit:

“Hearts & Horses” ist ein Roman, der mit viel Empathie die ersten zarten Gefühle zwischen ganz unterschiedlichen Jugendlichen beschreibt und sie in ihrer Entwicklung begleitet. Einfühlsam und doch prägnant wird erzählt, wie die Liebe zu einem Tier das Leben eines Menschen bestimmen kann und dass Ruhm und öffentliche Aufmerksamkeit nicht nur positiv für das eigene Leben sind. Sabrina Qunaj erzählt eine schöne Liebesgeschichte und zeigt, dass Gefühle und Freundschaft auch unter schwierigen Umständen eine Chance haben. Von mir daher eine absolute Leseempfehlung.

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