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Veröffentlicht am 21.03.2020

Authentische Charaktere, realistische Darstellung und ein schlichter, ergreifender Erzählstil

Die Bagage
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Das Jahr 1914 ist schicksalsträchtig für die Familie der Autorin Monika Helfer, denn damals wurde im September ihr Großvater zum Wehrdienst eingezogen. Aber sie erzählt in ihrem Roman „Die Bagage“ nicht ...

Das Jahr 1914 ist schicksalsträchtig für die Familie der Autorin Monika Helfer, denn damals wurde im September ihr Großvater zum Wehrdienst eingezogen. Aber sie erzählt in ihrem Roman „Die Bagage“ nicht nur die Geschichte ihrer Großeltern und deren Kinder, sondern erinnert sich auch an Episoden aus ihrem eigenen Leben.

Ihre Großeltern Josef und Maria Moosbrugger wohnten ganz am Ende eines kleinen Dorfs in Vorarlberg auf einer Anhöhe. Ihr kleiner Bauernhof stand dort recht einsam, der Boden war karg und die Arbeit darauf mühsam. Später sollte das Paar einmal sieben Kinder haben, zur Zeit der Einberufung waren es vier. Grete, die Mutter von Monika Helfer wurde zu Kriegszeiten geboren. Wer Gretes Vater tatsächlich ist, weiß wohl nur Maria. Wie es zu diesem Mysterium gekommen ist, davon erzählt die Autorin in ihrem Roman. Der Titel des Buchs ergibt sich aus der Nutzung des Begriffs „Bagage“ für diejenigen, die am unteren Ende der gesellschaftlichen Schicht standen. Auch hier bei uns am Niederrhein wird die Bezeichnung abwertend für eine als lästig empfundene Gruppe genutzt.

Monika Helfer schildert das Geschehen in einem eigenwilligen Schreibstil mit meist kurzen Sätzen. Dennoch beschränkt sie sich nicht nur auf das Wesentliche, sondern versucht mögliche Erklärungen für das Verhalten ihrer Verwandtschaft zu finden. Eine wesentliche Quelle für sie, waren die Gespräche mit ihrer Tante Katharina, der ältesten Schwester ihrer Mutter, die damals im Herbst 1914 elf Jahre alt war. Manchmal verlässt die Autorin abrupt die Erzählebene des außenstehenden Betrachters um sie als Ich-Erzähler mit Ereignissen aus ihrer eigenen Erinnerung fortzusetzen.
Maria legt sehr viel Wert auf saubere Kleidung. Ihr ist bewusst, dass sie allgemein als schön gilt und ihr daher Männer gerne Avancen machen. Es ist ein ärmliches Leben, das durch das Fehlen des Vaters zu Kriegszeiten dazu führt, dass kaum mehr genug zu essen da ist. Maria versucht das beste aus der Situation zu machen. Es wird deutlich, dass zu vergangenen Zeiten der Liebe ein anderer Stellenwert zukommt wie heute, denn um eine Ehe zu führen war sie früher nicht entscheidend.

Monika Helfer füllt die fehlenden Informationen mit ihrer Fantasie und versucht auf diese Weise die Beweggründe ihrer Großmutter nachzuvollziehen. Ganz bestimmte Ansichten über einzelne Familienmitglieder stellt sie durch Wiederholungen heraus. Anhand vieler, kleiner Episoden, die sich in der Realität so zugetragen haben, baut sie Szenen weiter aus. Zeitsprünge, auch zu Erlebnissen im Leben der Autorin, machten mir das Lesen nicht immer einfach.

Monika Helfers Roman „Die Bagage“ ist nur teilweise fiktiv. Die meisten Begebenheiten beruhen auf Geschichten aus ihrer eigenen Familie. Sie gab mir als Leser Einblicke in den harten Alltag ihrer Großmutter, deren Handlungen auch die nachfolgenden Generationen geprägt haben. Die Autorin versteht es, die Fakten ansprechend aufzubereiten, so dass es unterhaltsam ist, den Schilderungen zu folgen. Gerne vergebe ich hierzu eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.03.2020

Als Deutscher in den Vereinigten Staaten vor und während des Zweiten Weltkriegs

Der Empfänger
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In ihrem Roman „Der Empfänger“ schreibt Ulla Lenze über ihren Großonkel Josef Klein, dessen Leben sie fiktionalisiert hat. Er wanderte im Jahr 1924 in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Durch seine ...

In ihrem Roman „Der Empfänger“ schreibt Ulla Lenze über ihren Großonkel Josef Klein, dessen Leben sie fiktionalisiert hat. Er wanderte im Jahr 1924 in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Durch seine Tätigkeit in einer Druckerei wurde er vor dem Zweiten Weltkrieg mit einer Gruppe bekannt, die Deutschland und seiner damaligen Politik stark verbunden war. Josef, der in Amerika nur noch Joe gerufen wurde, besaß ein Funkgerät, einen Detektorempfänger, damit soll er die Gruppe zu festgelegten Zeiten mit seinen Kenntnissen als Funker im Austausch mit Deutschland unterstützen.

Das erste Kapitel des Romans spielt in Costa Rica im Jahr 1953. Josef hilft zu dem Zeitpunkt beim Verzeichnen des Landes. In Rückblicken schaut er auf sein bewegtes Leben zurück. Vier Jahre vorher war er aus dem Internierungslager für feindliche Ausländer auf Ellis Island entlassen und des Landes verwiesen worden. Sein Weg führte ihn direkt in seine Heimat nach Neuss, wo die Familie seines jüngeren Bruders Carl noch immer wohnt. Von der Familie seines Bruders erfährt er ein gewisses Unverständnis für seine aktuelle Lage, auch aufgrund der Unkenntnis seiner vorigen Erlebnisse. Sein Ehrgeiz, wieder von anderen unabhängig leben zu können, veranlasst Josef dazu, seine früheren Kontakte zu nutzen, um einerseits wieder Arbeit zu finden und andererseits vielleicht sogar wieder in die Vereinigten Staaten zurück zu finden.

Durch die ersten Seiten des Romans wusste ich, wohin der Weg von Josef ihn führen wird. Meiner Meinung nach nimmt diese Gestaltung der Geschichte eine möglich gewesene gewisse Spannung, die sich aufgrund der Ungewissheit über Josefs weiteres Leben ergeben hätte. Danach lernte ich Josefs Familie in Neuss kennen. 1949 herrscht immer noch Mangel an vielen Dingen des Alltags. Sein jüngerer Bruder hat sich zum Familienoberhaupt entwickelt, Josef wird zum geduldeten Gast. Er sehnt sich aufgrund seiner früheren Erfahrungen nach Liebe und Aufmerksamkeit und sucht sie vor allem bei seiner Schwägerin, wodurch sich das Verhältnis zu ihr schwierig gestaltet.

Die Autorin wertet nicht über das Leben ihres Großonkels. Zaghaft beschreibt sie Josefs Aktivitäten als Funker und schafft ein realistisches Szenario. Dabei öffnete sie mir als Leser den Zugang zu dem interessanten Thema der geschickten Spionagetätigkeiten der Nationalsozialisten in den Vereinigten Staaten.

Josef ist inzwischen 36 Jahre alt. Eine beschriebene Liebesgeschichte blieb recht blass, denn ich konnte die Empfindungen von Josef nicht nachvollziehen. Vielleicht waren seine Gefühle nervlich zu sehr angespannt aufgrund seiner konträren Ansichten über seine Tätigkeit als Funker. Leider erfuhr ich so gut wie nichts über die ersten Jahre seines Aufenthalts in den USA. Ulla Lenze lässt die damalige brodelnde Atmosphäre in den Straßen New Yorks und das Miteinander der verschiedenen Kulturen durch ihre Beschreibungen wieder Gestalt annehmen.

In ihrem Roman „Der Empfänger“ zeigt Ulla Lenze, dass man auch nach Jahren an einem Ort fernab der Heimat innerlich noch immer nicht angekommen sein kann. Die Suche nach Liebe, Vertrauen und Geborgenheit birgt dabei ungeahnte Risiken, die ihr Großonkel in den Tagen vor und während des Zweiten Weltkriegs in den Vereinigten Staaten erfahren hat. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 11.03.2020

Erschütternde Umstände in einer illegalen Siedlung am Rand einer indischen Großstadt

Die Detektive vom Bhoot-Basar
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Der Debütroman der in Südindien geborenen Autorin Deepa Anappara führte mich tief hinein in ein indisches Basti, das ist eine illegale Siedlung am Rand einer großen Stadt. Die Häuser dort sind zwar klein ...

Der Debütroman der in Südindien geborenen Autorin Deepa Anappara führte mich tief hinein in ein indisches Basti, das ist eine illegale Siedlung am Rand einer großen Stadt. Die Häuser dort sind zwar klein und bestehen meist nur aus einem Raum, aber immerhin sind sie aus Stein gemauert. Zur Ausstattung gehört oft ein Fernseher und von den erwachsenen Bewohnern besitzt fast jeder ein Handy. Aber es besteht ständig die Gefahr, dass die Siedlung auf Anordnung der Verwaltung mit Bulldozern niedergewalzt wird. Darum versuchen die Bewohner sich möglichst unauffällig zu verhalten und die örtlichen Polizisten nicht zu verärgern.

Der neunjährige Jai lebt in einem solchen Basti zusammen mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester Runu. Sein Vater verdingt sich auf einer Baustelle und seine Mutter ist Dienstmädchen in der angrenzenden Hochhaussiedlung der Reichen. Eines Tages verschwindet ein Klassenkamerad von Jai, schon bald ist es ein zweites Kind und weitere folgen. Jai begibt sich mit seinen gleichaltrigen Freunden Pari und Faiz auf die Suche nach ihnen. Dabei hofft er, dass ihm sein Wissen über das Lösen von Kriminalfällen, das er sich beim Anschauen von Fernsehsendungen erworben hat, zugutekommt.

Die Wege der Freunde führen sie durch die verwinkelten Gassen des Bastis, hin zum quirligen Bhoot-Basar, der seinen Namen von dem indischen Volksglauben an Bhutas d.h. Geister ableitet, und mittels U-Bahn bis hin in die Großstadt. Die drei halten Augen und Ohren offen und kommen der Lösung immer näher, die verbunden ist mit unglaublichen Erkenntnissen über die Realität.

Jai hat in seinem jungen Alter noch eine unverstellte frische Sicht auf sein Umfeld und das ist auch genau das, was den Roman ausmacht. Aus seiner Ich-Erzähler-Perspektive heraus schildert er einfach alles was er wahrnimmt und seine Gedanken dazu. Auf diese Weise vermittelte er mir damit all die Geräusche, Gerüche und Farben seiner Welt, die sich eigentlich auf das Basti beschränken sollten und nun durch seine Ermittlungen um einiges erweitert werden. Bewusst fügt die Autorin indische Bezeichnungen für Personen und Dinge ein, um ein gewisses Feeling für das Milieu zu vermitteln.

Indem die Freunde genau hinhören und hinsehen erfahren sie von den Erwachsenen Tatsachen und Gerüchte, die eigentlich nicht für so junge Kinder gedacht sind, aber zu einem verstörenden Bild für mich als Leserin werden. Denn trotz der wenigen Mittel die Jai zum Spielen zur Verfügung stehen, vermisst er nichts. Er besucht die Schule, trifft sich mit Freunden und spielt fantasievolle Spiele. Der Zusammenhang zwischen guten Noten und seiner späteren beruflichen Perspektive ist ihm noch nicht klar. Der Glaube an Geister verlangt nach gewissen Ritualen und setzt Regeln. Doch die zunehmende Zahl verschwundener Kinder geht auch an ihm nicht spurlos vorbei.

Während Jais Ahnungslosigkeit dem gesamten Roman einen gewissen heiteren Unterton verleiht, erfuhr ich zunehmend mehr über Missstände, die die indische Gesellschaft betreffen. Das Verschwinden der Kinder beruht auf wahren Ereignissen. In Einschüben erzählt die Autorin zu jedem vermissten Kind eine Geschichte bis zu dessen Verschwinden, doch was danach geschieht, bleibt offen und füllte sich für mich mit der Zeit mit Beschreibungen der Basti-Bewohner über Missbrauch, Kriminalität, Korruption, Ausbeutung und der Nachlässigkeit der Polizei. Gegenseitiges Misstrauen, das auch auf Glaubensunterschiede zurückgeführt werden kann, erschweren die Aufklärung. Leider kam es nach etwa der Hälfte des Buchs zu ein paar Längen.

Im Roman „Die Detektive vom Bhoot-Basar“ nahm Deepa Anappara mich mit in die illegalen Siedlung am Rande einer Großstadt. Aus kindischen Augen des Protagonisten Jai betrachtet, konnte ich am quirligen Leben dort teilnehmen. Ganz nebenher übt die Autorin deutliche soziale Kritik am System und prangert so manchen Missstand an. Ich fand die Geschichte beeindruckend und faszinierend und war erschüttert über die Umstände, die mich erschrocken zurückließen. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 10.03.2020

Komplexer Thriller, der durch seine detailliert beschriebenen Ideen über unsere Zukunft beeindruckt

Qube
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Der Science-Fiction-Thrillers mit utopischen Charakter „Qube“ von Tom Hillenbrand spielt drei Jahre nach den Ereignissen des zweiten Turing-Zwischenfalls im Jahr 2088, die Thema des Vorgängerbands „Hologrammatica“ ...

Der Science-Fiction-Thrillers mit utopischen Charakter „Qube“ von Tom Hillenbrand spielt drei Jahre nach den Ereignissen des zweiten Turing-Zwischenfalls im Jahr 2088, die Thema des Vorgängerbands „Hologrammatica“ waren. Damals erwachte ein längst zerstört geglaubter Klimacomputer erneut und versuchte die Weltherrschaft zu übernehmen. Natürlich stellte sich für mich vor Beginn des Lesens die Frage, ob die Welt die Künstlichen Intelligenzen inzwischen im Griff hat. Das es auch in „Qube“ wieder um eine ähnliche Problematik gehen wird, sagt bereits der Titel aus, der sich aus den Begriffen für Quantum und Cube zusammensetzt und so einen auf quantenmechanischen Prinzipien basierenden Hochleistungsrechner bezeichnet.

Der Londoner Journalist Calvary Doyle wird durch einen gezielt gesetzten Kopfschuss schwer verwundet. Der UNANPAI, einer Behörde, deren Aufgabe darin besteht, Künstliche Intelligenzen (KI) aufzuspüren, bleibt das nicht verborgen. Eventuell könnte das Verbrechen damit zusammenhängen, dass Doyle vor der Tat auf dem Gebiet der KI recherchiert hat. Zum Glück hat er Vorkehrungen getroffen und sein Wissen in einen Qube laden lassen, der ihm nun eingesetzt werden kann. Allerdings fehlt ihm die Erinnerung zwischen Gehirnscan und Kopfschuss. Fran Bittner, eine UNANPAI-Agentin, der bereits in „Hologrammatica“ eine wichtige Rolle zukam, wird mit den Ermittlungen beauftragt.

In weiteren Handlungssträngen lernte ich Clifford Torus kennen, einen reichen Unternehmer. Er ist ständig daran interessiert, die neuesten technischen Entwicklungen zu erwerben, vor allem diejenigen, die sein Leben erhalten verlängern könnten. Außerdem zeigt Persia, eine Profi-Gamerin, ihr Können und mit dem Auserwählten Franek reiste ich in eine magisch anmutende Welt.

Das Lesen von „Qube“ fiel mir leichter im Vergleich zum Vorgängerband, was einerseits daran lag, dass mir die Science-Fiction-Welt von Tom Hillenbrand schon bekannt war und andererseits, dass es diesmal keinen Perspektivenwechsel zu einem Ich-Erzähler gibt. Hilfreich war auch ein Glossar am Ende des Buches, dass einige spezielle Begrifflichkeiten erklärt.

Es ist beeindruckend, mit welcher Detailverliebtheit der Autor seine Szenen ausformuliert, so dass sie bildlich vorstellbar werden. Sicher sind viele Ideen seiner Zukunftsvorstellungen nicht unbedingt neu, aber so geschickt kombiniert, dass sie denkbar sind. Die Storyline begeisterte mich zu Beginn des Thrillers, doch leider kam es in der zweiten Hälfte zu Längen, auch durch die Beschreibungen von Spielrunden.

Das Problem der Datensammlungen und Auswertungen durch Künstliche Intelligenzen ist heute schon spürbar. Der Thriller verdeutlicht, welche Risiken bestehen, wenn KI aufgrund ihrer vorgenommenen permanenten Selbstoptimierung sich irgendwann unserer Steuerung entziehen könnten. Dabei verarbeiten sie nicht nur die von uns eingegebenen Daten, sondern nehmen auch aus ihrer Umgebung beispielsweise über Sprache Angaben auf und wandeln sie in verwendbaren Code um. Für uns wird der kritische Umgang mit Daten umso wichtiger.

„Qube“ von Tom Hillenbrand ist ein komplexer Thriller, der durch seine vielen, detailliert beschriebenen und verbundenen Ideen über unsere Zukunft beeindruckt. Dabei wirft der Autor problematische Fragen auf zur Datennutzung und der Begrifflichkeit unseres Menschseins. Das Buch ist vor allem für Leser des Genres Science Fiction interessant, denen ich es gerne weiterempfehle. Die Geschichte ruft nach einer Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 06.03.2020

Erzählungen durch Zeit und Raum innerhalb deutsch-deutscher Geschichte

Katzensprung
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Das Buch „Der Katzensprung“ von Uwe Preuss beinhaltet eine Reihe von Geschichten aus dem vor allem als Schauspieler bekannten Autors. Offen und ehrlich, wie wenige Prominente über ihre Vergangenheit erzählen, ...

Das Buch „Der Katzensprung“ von Uwe Preuss beinhaltet eine Reihe von Geschichten aus dem vor allem als Schauspieler bekannten Autors. Offen und ehrlich, wie wenige Prominente über ihre Vergangenheit erzählen, ließ er mich an mancher brisanten, humorvollen oder auch mal verhängnisvollen Situation teilhaben. Die Orte und Zeiten wechseln beliebig, einzuordnen sind sie durch die Untertitel der Kapitel.

Ein „Katzensprung“ ist es jeweils für den Autor, sich zwischen den Aufenthaltsorten seines Lebens zu bewegen. Die Sprache ist reduziert. Uwe Preuss erzählt, was er erlebt hat, was er beobachtet hat. Stellenweise fehlte mir dabei aber die Beschreibung seiner Empfindungen, die aufgrund des Schreibstils ebenfalls auf das Wichtigste beschränkt sind. Auf diese Weise konnten mich die Erzählungen nicht tiefer berühren. Im Abgleich mit Selbsterlebtem und den Geschichten von Freunden entdeckte ich Bekanntes und Interessantes.

Uwe Preuss erzählt von sich, von seinen Großeltern in seiner Heimat in Ostdeutschland und von seinem Vater, der berufsmäßig ins Ausland entsendet wurde, wodurch der Autor als Kind einige Jahre in Brasilien gelebt hat. Er schildert seinen schwierigen Start ins Berufsleben mit wechselnden Arbeitsplätzen und seine Ausreise in den Westen. Abenteuerlich ist der spontane Entschluss zu einer kurzzeitigen unauffälligen Wiedereinreise aus Liebe. Die Erinnerungen begleiten ihn an Orte, die für ihn von Bedeutung sind.

„Katzensprung“ ist ein Buch für Leser, die mehr über den bekannten Schauspieler Uwe Preuss erfahren möchten. Sprunghaft bewegen sich die Erzählungen durch Zeit und Raum und spiegeln auf ihre Art auch ein Stück deutsche Geschichte wieder.

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