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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2020

Fiktiv mit einem wahren historischen Kern

Ich bleibe hier
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Graun ist ein kleines, idyllisches Dorf in Südtirol. Seit Jahrhunderten zusammengewachsen, werden die Bewohner von 1939 bis 1943 gefragt, ob sie nach Deutschland auswandern oder als Bürger zweiter Klasse ...

Graun ist ein kleines, idyllisches Dorf in Südtirol. Seit Jahrhunderten zusammengewachsen, werden die Bewohner von 1939 bis 1943 gefragt, ob sie nach Deutschland auswandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien bleiben. Die junge Trina entscheidet sich für ihr Dorf. Allerdings darf sie dann nicht als Lehrerin tätig sein, nur heimlich unterrichtet sie auf deutsch in Kellern und Scheunen. Da holt die italienische Regierung eine alte Idee erneut hervor: Ein Energiekonzern soll die Felder und Häuser für einen Stausee überfluten. Mit ihrem Ehemann leistet Trina Widerstand gegen diesen Plan.

Es ist ein bekanntes Bild: der Turm der Kirche, der aus dem See herausragt, passend auch auf dem Titelbild des Buches wiedergegeben. Der Autor Marco Balzano spinnt um die Geschichte der versunkenen Dörfer Reschen und Graun eine Erzählung, die sich an den historischen Hintergrund im letzten Jahrhundert anlehnt. Das Problem der Südtiroler, die weder so richtig italienisch noch so richtig deutsch sind, wird gut dargestellt. Bitter ist die Herangehensweise des italienischen Staates, das über die Bedürfnisse der Dorfbewohner hinweggeht. Das spiegelt Balzanos Geschichte gut wieder. Etwas gestört hat mich der Erzählstrang um Trinas Tochter Marica, es lenkt zeitweise vom eigentlichen Konflikt des Buches ab.

Diese fiktive Geschichte mit einem wahren historischen Kern empfehle ich gerne weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 17.07.2020

Düster und mysteriös

Das Dorf der toten Seelen
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Alice Linstedt plant zusammen mit vier Freunden den Dreh ihres ersten Dokumentarfilms: über Silvertjärn, einen abgelegenen Grubenort im Wald von Norrland. Ihre Großmutter wuchs dort auf, war allerdings ...

Alice Linstedt plant zusammen mit vier Freunden den Dreh ihres ersten Dokumentarfilms: über Silvertjärn, einen abgelegenen Grubenort im Wald von Norrland. Ihre Großmutter wuchs dort auf, war allerdings bereits weggezogen, als vor 60 Jahren auf unerklärliche Weise alle Dorfbewohner verschwanden. Alice und ihre Freunde finden den Ort wie im Dornröschenschlaf vor, doch bald geschehen unerklärliche Dinge. Nun ist nicht nur die Frage, was damals geschehen ist, sondern auch, ob die Filmcrew den Ort lebend wieder verlassen kann.

In zwei Zeitebenen, die sich gegenseitig nach und nach ergänzen, schildert die Autorin Camilla Sten die Geschichte, die erst noch ziemlich harmlos daherkommt, bei der sich jedoch die Spannung mit jeder Seite weiter steigert. Wie Alice steht auch der Leser vor dem Rätsel, was vor 60 Jahren geschehen ist, aber auch, was gerade passiert. Düsternis und schwere Geheimnisse drücken auf die Stimmung. Dieser Thriller webt viele Handlungsfäden geschickt zusammen und erzählt in mehreren Schichten eine Geschichte, die bis zum Schluss überhaupt nicht zu passen scheint. Die Erklärung ist letztendlich verblüffend einfach, auch wenn man sie als Leser schier nicht erkennt.

Dieser mysteriös erzählte und gut eingefädelte Thriller hat mir besondere Lesestunden beschert, deshalb vergebe ich alle 5 möglichen Sterne und empfehle das Buch unbedingt weiter.

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Veröffentlicht am 15.07.2020

Ein Krimi für den Lügenbaron

Münchhausenwut
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Im beschaulichen Bodenwerder bereitet man sich auf die Aufführung des Musicals Münchhausen vor. Da wird der Hauptdarsteller, der Gynäkologe Ralf Ebelski ermordet am Münchhausenbrunnen aufgefunden. Zunächst ...

Im beschaulichen Bodenwerder bereitet man sich auf die Aufführung des Musicals Münchhausen vor. Da wird der Hauptdarsteller, der Gynäkologe Ralf Ebelski ermordet am Münchhausenbrunnen aufgefunden. Zunächst wird die Zweitbesetzung für die Rolle des Münchhausen beschuldigt, doch bald gibt es gleich mehrere Verdächtige, die alle etwas zu verbergen haben…

Ziemlich schnell tauchen hier die Fragen auf, die das Geschehen immer weiter treiben, und so ist der Leser unversehens im Sog dieser Geschichte gefangen. Die Autorin legt ihrer Kommissarin (und damit auch dem Leser) einige falsche Spuren aus, bis letztendlich der Fall schlüssig aufgeklärt wird und die Motivation des Täters gut nachzuvollziehen ist. Dabei gibt es noch einige äußerst dramatische Szenen. Ich hätte mir gewünscht, dass auch die nebensächlichen Handlungsfäden alle aufgelöst worden wären, aber das ist vermutlich Geschmackssache. Für den nächsten Fall darf die Kommissarin m.E. aber etwas mehr Kante zeigen, hier droht sie immer wieder, sich in ihren privaten Schwierigkeiten zu verlieren.

Insgesamt ist dies ein interessanter Fall, der zu der Figur des Münchhausen gut passt. Mich konnte das Buch gut unterhalten, so dass ich sehr gerne 4 von 5 Sternen vergebe.

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Veröffentlicht am 15.07.2020

Eine gefährliche Zukunft

Das Dorf (Finsterzeit 1)
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Lara und Thomas sind auf der Flucht: Nach dem Zusammenbruch des Stromnetzes hat sich die Welt völlig verändert, Hunger, Gewalt und Mord sind an der Tagesordnung. Thomas hat ein Ziel, das Sicherheit verspricht: ...

Lara und Thomas sind auf der Flucht: Nach dem Zusammenbruch des Stromnetzes hat sich die Welt völlig verändert, Hunger, Gewalt und Mord sind an der Tagesordnung. Thomas hat ein Ziel, das Sicherheit verspricht: Sein Großvater hat eine Festung erschaffen, dorthin will er mit Lara gelangen. Eine weitere Gruppe Menschen wird angeführt von Viktor, der in dem Dorf seiner Eltern eine überlebensfähige Gemeinschaft aufbauen will.

Es ist eine bedrohliche Welt, in der sich die Menschen durchschlagen müssen, eine Welt, in der es kaum noch Sicherheit gibt. Sehr schnell erklärt sich der Titel des Buches, „Finsterzeit“, und schon auf den ersten Seiten fiebert der Leser mit den Protagonisten mit, die sich auf die Suche nach einer Zukunft begeben haben. Äußerst realistisch erscheinen die Geschehnisse im Buch, erschreckend gespiegelt von den Ereignissen rund um die Pandemie, die unsere eigene Welt gerade in Griff hält. So erhält die Geschichte eine ganz besondere Spannung. Das offene Ende macht Lust, sich sofort auf die Fortsetzung zu stürzen.

Auch wenn der Dystopie noch etwas Hintergrund fehlt, konnte mich das Buch schnell in seinen Bann ziehen, so dass ich es sehr gerne weiter empfehle. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 07.07.2020

Aus der Geschichte der Psychiatrie

Die Tanzenden
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Louise und Eugénie sind Patientinnen im Salpêtrière, dem Pariser Krankenhaus für geisteskranke Frauen. Eugénie wurde erst kürzlich von ihrem Vater ins Krankenhaus gebracht, weil sie ihrer Großmutter erzählte, ...

Louise und Eugénie sind Patientinnen im Salpêtrière, dem Pariser Krankenhaus für geisteskranke Frauen. Eugénie wurde erst kürzlich von ihrem Vater ins Krankenhaus gebracht, weil sie ihrer Großmutter erzählte, dass sie Kontakt mit Toten hat. Es ist Ende des 19. Jahrhunderts, viele Frauen dieses Krankenhauses werden als Hysterikerinnen eingestuft und öffentlich in Hypnose versetzt. Die Oberschwester Geneviève hat ein strenges Auge auf die Frauen in diesem Krankenhaus. Der alljährliche Ball des Salpêtrière steht an, ein großes Ereignis, bei dem die „Irren“ vor der Öffentlichkeit auftreten dürfen.

Mit großer Leichtigkeit in der Sprache, dafür aber umso mehr Nachdruck in ihrer Geschichte erzählt die Autorin Victoria Mas über die Zustände in diesem Krankenhaus, in dem die Frauen meistens gegen ihren Willen eingeliefert werden, um nie wieder in ein selbstbestimmtes Leben entlassen zu werden. Liebevoll werden die einzelnen Patientinnen dargestellt, bedrückend wirkt ihr Schicksal bei näherer Betrachtung. Sogar der Ball, fieberhaft erwartet von den Frauen selbst, erhält einen schalen Beigeschmack, wenn die (vermeintlich) Kranken letztendlich nur vorgeführt werden vor all den Bürgerinnen und Bürgern, die sich über diesen Frauen stehend wähnen. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Louise, Eugénie und Geneviève, ihre Schicksale sind eingebettet in die unzweifelhaft authentische Geschichte dieser Anstalt für Frauen, deren Empfindungen nicht den Erwartungen entsprachen.

Für mich ist diese Geschichte überraschend anders als erwartet, berührend in den Schicksalen der einzelnen Frauen. Sehr gerne vergebe ich alle 5 möglichen Sterne und empfehle das Buch gerne weiter

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