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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2019

Blieb leider deutlich hinter meinen Erwartungen zurück

Die Mauer
1

Zum Inhalt

Großbritannien in der Zukunft. Nach Entwicklungen, die in diesem Buch nur mit dem Begriff „Wandel“ umschrieben werden, hat sich das Land mit Hilfe einer Mauer, die die gesamte Küste entlang ...

Zum Inhalt

Großbritannien in der Zukunft. Nach Entwicklungen, die in diesem Buch nur mit dem Begriff „Wandel“ umschrieben werden, hat sich das Land mit Hilfe einer Mauer, die die gesamte Küste entlang verläuft, abgeschottet. In einer Form von Wehrdienst müssen junge Menschen zwei Jahre ihres Lebens auf dieser Mauer zubringen und tragen dabei die Verantwortung dafür, dass die „Anderen“ nicht über die Mauer ins Landesinnere kommen. In dieser Welt begleiten wir als Leser den „Verteidiger“ Jospeh Kavanagh, als dieser seinen Dienst auf der Mauer antritt.

Meine Meinung

Die Leseprobe zu „Die Mauer“ und der Klappentext hatten mich vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussionen zum Thema „Flucht und Zuwanderung“ sehr neugierig auf das vom Autor beschriebene düstere Zukunftsszenario gemacht. Denn John Lanchester zeichnet ein wirklich grauenhaftes Zukunftsbild, in der tatsächlich eine physische Mauer aus Beton hochgezogen wird, um Menschen, die aus verschiedenen Gründen auf der Flucht sind, daran zu hindern, Großbritannien zu betreten. Jeder aus der jüngeren Generation ist dazu verpflichtet, eine Art Verteidigungsdienst auf dieser Mauer zu absolvieren. Dabei soll die „Motivation“ zur Verteidigung der Landesgrenze mit Waffengewalt dadurch gesteigert werden, dass bei Versagen quasi eine Verbannung für die jeweils verantwortlichen Verteidiger ausgesprochen wird, die dann dem Meer überlassen werden – was defacto in der Regel den sicheren Tod bedeutet. Das grundsätzliche Setting der Geschichte hatte also meinen Erwartungen nach einiges an Spannung und Dramatik zu bieten.

Allerdings muss ich nach der Lektüre von „Die Mauer“ sagen, dass der beste Teil des Buches meiner Meinung nach bereits in der Leseprobe enthalten war. Zum einen bin ich mit dem Protagonisten der Geschichte, Joseph Kavanagh, nicht wirklich warm geworden. In großen Teilen der Geschichte war er mir einfach unsympathisch. Die kurzen Momente der Nachdenklichkeit, in denen er darüber reflektiert, was es eigentlich bedeutet, dass sich sein Land so abgeschottet hat und wie unmenschlich mit Flüchtenden umgegangen wird, sind sehr selten und dann meist auch sehr oberflächlich abgehandelt.
Zum anderen wiederholt sich der Autor in seinen Ausführungen meiner Meinung nach zu oft. Wie oft der Beton, der Himmel, der Wind und die Kälte erwähnt werden, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Eine gewisse Anzahl an Wiederholungen lasse ich mir als Stilmittel zur Verdeutlichung oder Betonung von bestimmten Sachverhalten ja gefallen, aber die Anzahl in „Die Mauer“ hat einfach für mich dazu geführt, dass sich die Geschichte gezogen hat und Längen hatte, die unnötig waren.

Andere Themen, zum Beispiel, was genau den „Wandel“ umfasste, werden sehr oberflächlich behandelt und die Wendungen der Geschichte, die für Spannung sorgen könnten, kündigt Kavanagh in seiner rückschauenden Erzählung aus der Ich-Perspektive immer bereits an, sodass man als Leser dann nur noch darauf wartet, dass die dann sehr vorhersehbare Wendung eintritt.
Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt – und gerade der Sinn des letzten Abschnitts hat sich mir nur bedingt erschlossen. Es bleiben wiederum Fragen offen und die offensichtlichen ethischen Fragenstellungen, die wohl damit behandelt werden sollten, werden wiederum vom Kavanagh nur oberflächlich betrachtet. Kurzum, irgendwie hat mich das Ende mit einem schalen Nachgeschmack zurückgelassen.

Von mir erhält „Die Mauer“ daher auch nur zwei von fünf Sternen. Das Buch blieb leider deutlich hinter meinen Erwartungen zurück. Zu dem Thema „Flucht“ gibt es da deutlich bessere aktuelle Veröffentlichungen, wie z.B. „Davor und Danach“ von Nicky Singer.

Veröffentlicht am 12.06.2017

Bizarrer Mord in Liverpool

Totenengel
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„Totenengel“ von Mark Roberts ist der zweite Band einer Thriller-Reihe rund um die britische Ermittlerin Eve Clay. Wie der Klappentext bereits verrät, beginnt der Thriller mit dem grausamen Mord und der ...

„Totenengel“ von Mark Roberts ist der zweite Band einer Thriller-Reihe rund um die britische Ermittlerin Eve Clay. Wie der Klappentext bereits verrät, beginnt der Thriller mit dem grausamen Mord und der bizarren Inszenierung des Tatorts, an den Eve Clay und ihr Team von Ermittlern gerufen werden. Zusammen mit den Ermittlern stellt man sich als Leser die Frage, wieso der ehemalige Kunstprofessor auf so grausige Art und Weise sterben musste.

Mark Roberts erzählt die Geschichte rund um die Mordermittlung allerdings nicht nur aus Sicht von Eve Clay, sondern auch der übrigen ermittelnden Beamten und gewährt sogar auch Einblicke in die Wahrnehmung des Täters. Stück für Stück werden die Informationen aufgedeckt, die Eve und ihr Team zur Lösung des Falls benötigen, wobei der Spannungsbogen konstant aufrechterhalten wird. Dies geschieht z.B. dadurch, dass die Ermittler gegen Ende der Kapitel eine bestimmte Information erhalten, diese dem Leser selbst aber noch eine Weile vorenthalten wird. Und gerade deswegen ist man als Leser gefordert, mitzudenken, zu kombinieren und gemeinsam mit den Ermittlern auf die Lösung des Falls hinzuarbeiten.
Es wird ein ganzer Haufen an Fragen aufgeworfen, die jedoch spätestens zum Ende des Thrillers hin beantwortet werden.

Generell finde ich, dass Mark Roberts ein Händchen dafür hat, Spannung aufzubauen. Die Handlung rund um die Ermordung des pensionierten Kunstprofessors ist gut durchdacht und strukturiert. Und mit Eve Clay wird eine kompetente, mutige und nicht zuletzt sympathische Ermittlerin präsentiert.

Zusammenfassend kann ich für „Totenengel“ von Mark Roberts eine unbedingte Leseempfehlung für Fans spannender Thriller aussprechen und vergebe daher fünf von fünf möglichen Sternen für den Thriller.

Veröffentlicht am 29.05.2019

Kommt nicht an "Still Missing" heran

Ich beobachte dich
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Die Autorin Chevy Stevens steht seit ihrem grandiosen Thriller "Still Missing" auf der Liste meiner Lieblingsautorinnen. Allerdings kann ich nach der Lektüre von "Ich beobachte dich" leider nur sagen, ...

Die Autorin Chevy Stevens steht seit ihrem grandiosen Thriller "Still Missing" auf der Liste meiner Lieblingsautorinnen. Allerdings kann ich nach der Lektüre von "Ich beobachte dich" leider nur sagen, dass dieses Werk mir nicht annähernd so gut gefallen hat wie "Still Missing".

Eventuell liegt das an den Protagonisten, mit denen ich nicht wirklich warm geworden bin. Da ist zum einen Lindsey, die Frau, die stark genug war, vor ihren gewalttätigen Ehemann zu fliehen und ihre Tochter mitzunehmen. Ich kann zwar auf einer gewissen Ebene nachvollziehen, dass sie sich nach wie vor vor Andrew fürchtet, aber die sich immer wiederholenden Anschuldigungen und Ängste, die sie auch in diversen Gesprächen mit anderen Charakteren äußert, wirken nach einiger Zeit leider ermüdend und sorgen für Längen in der Geschichte. Zum hundertsten Mal zu hören, was Andrew doch für ein Monster ist, sorgte bei mir nicht für die Unterstreichung von Lindseys Angst, sondern ging mir ab einem gewissen Punkt eher auf die Nerven. Die Beziehung zwischen Lindsey und Greg kam mir auch extrem konstruiert vor, genau wie die dann irgendwie vorhersehbare Trennung...

Und dann ist da Sophie, die sich wieder und wieder den Wünschen ihrer Mutter widersetzt, Informationen über ihren Aufenthaltsort und das Leben mit ihrer Mutter mit anderen Menschen teilt, obwohl sie doch ab einem bestimmten Punkt innerhalb des Buches auch schreckliche Angst vor ihrem Vater hat. Ja, ich weiß, sie ist ein Teenager, aber trotzdem...

Die Geschichte klang anhand des Klappentextes für mich spannender, als es die Lektüre dann letztlich war. Daher kann ich leider auch nur drei von fünf Sternen vergeben.

Veröffentlicht am 26.05.2019

Erschreckend schonungslos und extrem spannend

Dry
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Zum Inhalt

Amerika, Kalifornien. Im Sonnenstaat der Vereinigten Staaten haben die Wassersparmaßnahmen versagt – von jetzt auf gleich, ohne Ankündigung, bricht die Versorgung mit Trinkwasser zusammen. ...

Zum Inhalt

Amerika, Kalifornien. Im Sonnenstaat der Vereinigten Staaten haben die Wassersparmaßnahmen versagt – von jetzt auf gleich, ohne Ankündigung, bricht die Versorgung mit Trinkwasser zusammen. Aus den Leitungen kommt kein Wasser mehr und auch in den Supermärkten ist nach einer panikartigen Einkaufwelle als Reaktion auf den sogenannten Tap-Out, kein Trinkwasser mehr zu bekommen. Wie weit gehen Menschen, wenn sie mit dem Tod durch Verdursten konfrontiert werden? Wie lange dauert es, bis Menschen ihr zivilisiertes Verhalten abstreifen und sich gegeneinander wenden, um ihr eigenes Überleben zu sichern? Die junge Alyssa, ihr Bruder Jarrod und der Nachbarsjunge Kelton werden genau das herausfinden, während Neal Shusterman ein erschreckend realistisches Szenario beschreibt, in dem sie die Hauptrolle spielen.

Meine Meinung

Neal Shusterman war mir auch schon vor „Dry“ als Autor ein Begriff. Ich liebe die Scythe-Trilogie (und warte sehnsüchtig auf den dritten Band, der noch in diesem Jahr erscheinen soll), wie auch die „Vollendet“-Reihe. Daher war ich sehr gespannt darauf, inwieweit sich „Dry“ aufgrund der gemeinsamen Autorenschaft von Vater und Sohn von den bisherigen Einzelwerken von Neal Shusterman unterscheiden würde. Nach der Lektüre kann ich definitiv sagen, dass mir das gemeinsame Werk der beiden genauso gut gefallen hat wie die Einzelwerke. Nach wie vor schafft es Neal Shusterman, durch den andauernden Perspektivenwechsel, sehr schnell einen Spannungsbogen aufzubauen und dafür zu sorgen, dass man zumindest die Möglichkeit hat, sich mit jedem Charakter zu identifizieren. Oder eine abgrundtiefe Abneigung gegen ihn zu entwickeln. Die Geschichte ist auch immer wieder mit Berichten anderer, vom Tap-Out betroffener Menschen, durchzogen, wodurch die sich sehr schnell steigernde Verzweiflung noch greifbarer wird.

Das Autorenduo hat einen flüssigen und eingängigen Schreibstil, durch den man sehr leicht in die Geschichte eintauchen kann. Das Szenario, dass sie hier vorstellen, ist aufgrund der Tatsache, dass man sich tatsächlich vorstellen könnte, dass so etwas passiert, extrem erschreckend. In einer schonungslosen Art und Weise wird dem Leser ein Einblick in den Verfall der zivilisierten Ordnung ermöglicht, die unter normalen Bedingungen existiert. Dadurch, dass ein Mangel an Trinkwasser viel schneller tödlich endet als z.B. ein Mangel an Nahrung, eskalieren die Ereignisse sehr zügig, in der Geschichte kommen daher auch meiner Meinung nach keine Längen vor.

Mir hat „Dry“ sehr gut gefallen und ich vergebe daher auch fünf von fünf Sternen für diesen Roman. Spannend, aufwühlend, schonungslos und absolut lesenswert, so würde ich diesen Roman beschreiben.

Veröffentlicht am 18.05.2019

Zu viel Potential verschenkt

Golden Darkness. Stadt aus Licht & Schatten
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Zum Inhalt

Sarah Rees Brennan erzählt in „Golden Darkness“ die Geschichte einer geteilten Stadt – New York in der Zukunft, aufgeteilt in die Licht- und Dunkelstadt. In der Dunkelstadt herrscht ein Mangel ...

Zum Inhalt

Sarah Rees Brennan erzählt in „Golden Darkness“ die Geschichte einer geteilten Stadt – New York in der Zukunft, aufgeteilt in die Licht- und Dunkelstadt. In der Dunkelstadt herrscht ein Mangel an Nahrung, gesundheitlicher Versorgung… eigentlich an allem. In der Lichtstadt lebt es sich bequem und teilweise in extremen Luxus. Dunkle Magier oder Menschen, die mit solchen verwandt sind, leben in der Dunkelstadt, während die Lichtmagier und ihre Angehörigen in der Lichtstadt leben. Lucie und ihr Vater haben ihr Leben in der Dunkelstadt hinter sich gelassen, aber auch dort ist die Sicherheit vielleicht fragiler, als es bisher den Anschein hatte.

Meine Meinung

Die Geschichte hatte unglaublich viel Potential, nur leider wurde meiner Meinung nach viel zu viel davon verschenkt bzw. nicht genutzt. Nachdem mich der Klappentext einfach sehr, sehr neugierig auf die Geschichte einer derart geteilten Stadt gemacht hatte, war ich leider umso enttäuschter von der Umsetzung durch Sarah Rees Brennan.

Da sind zum einen die Charaktere, die zum Teil viel zu oberflächlich behandelt werden und daher für mich nicht wirklich greifbar wurden. Ethan zum Beispiel wird zwar als eine Art Sinnbild des Guten dargestellt, aber eigentlich erfährt man nicht viel mehr über ihn, als dass er sich Lucie gegenüber immer anständig verhalten hat und sie liebt. In einem angestrengt wirkenden Versuch offenbart die Autorin ab und an ein durch ihn gehütetes Geheimnis, um einen Spannungsbogen zu erzeugen, aber das hat für mich nur bedingt funktioniert.

Und Lucie selbst ging mir ab dem ersten Viertel des Buches eigentlich nur noch auf die Nerven. Ständig stellt sie sich selbst in Frage, die Autorin lässt die Leser lang und breit an den Überlegungen, Vorwürfen und Schlüssen teilhaben, die Lucie selbst über ihr Verhalten hin und her wälzt. Das ist zum einen ermüdend, zum anderen konnte ich die wirren Gedankengänge von Lucie auch nicht immer nachvollziehen. In den Anmerkungen der Autorin führt sie aus, dass sie Lucie als starken Charaktere darstellen wollte – was für mich definitiv danebengegangen ist. Nur weil ein Charakter in der Lage ist, mit einem Schwert umzugehen, ist er noch lange nicht stark. Anstatt dem Leser durch Verhalten und Szenen zu zeigen, was in den Charakteren vor sich geht, erzählt sie uns indirekt durch Lucie immer haarklein, verpackt in Selbstvorwürfe und Rechtfertigungen, was los ist.

Der Charakter, der noch am interessantesten gewesen wäre und wirklich Potential gehabt hätte – nämlich Carwyn, der Doppelgänger von Ethan – wird kaum beleuchtet. Bis zu einem gewissen Punkt ist er ein kompletter Stereotyp von „dem Bösen dunklen Magier“.
Es wäre durchaus möglich gewesen, mit dieser Charakterkonstellation in Grauzonen und Überraschungen zu arbeiten, aber die „überraschende“ Auflösung am Ende war für mich dann doch viel zu vorhersehbar und in gleichem Maße irgendwie unpassend. Es war, als würde die Autorin die Geschichte schnell zu Ende bringen wollen, nachdem ein zu großer Anteil des Buches für die Gedanken von Lucie draufgegangen sind.

Im Nachgang an die Lektüre kann ich sagen, dass das, was mir am besten an diesem Roman gefallen hat, das wirklich schöne Cover ist, das auch unter dem Schutzumschlag nochmals auf dem Hardcovereinband des Buches abgebildet ist.

Auch die Grundidee hat mir gut gefallen und generell verfügt die Autorin über einen angenehmen und flüssig zu lesenden Schreibstil. Von mir erhält „Golden Darkness“ aufgrund meiner Kritikpunkte leider nur zwei von fünf Sternen – eine Leseempfehlung kann ich auch nicht wirklich aussprechen, dafür hat sich die Lektüre für mich zu sehr gezogen.