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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2017

Bizarrer Mord in Liverpool

Totenengel
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„Totenengel“ von Mark Roberts ist der zweite Band einer Thriller-Reihe rund um die britische Ermittlerin Eve Clay. Wie der Klappentext bereits verrät, beginnt der Thriller mit dem grausamen Mord und der ...

„Totenengel“ von Mark Roberts ist der zweite Band einer Thriller-Reihe rund um die britische Ermittlerin Eve Clay. Wie der Klappentext bereits verrät, beginnt der Thriller mit dem grausamen Mord und der bizarren Inszenierung des Tatorts, an den Eve Clay und ihr Team von Ermittlern gerufen werden. Zusammen mit den Ermittlern stellt man sich als Leser die Frage, wieso der ehemalige Kunstprofessor auf so grausige Art und Weise sterben musste.

Mark Roberts erzählt die Geschichte rund um die Mordermittlung allerdings nicht nur aus Sicht von Eve Clay, sondern auch der übrigen ermittelnden Beamten und gewährt sogar auch Einblicke in die Wahrnehmung des Täters. Stück für Stück werden die Informationen aufgedeckt, die Eve und ihr Team zur Lösung des Falls benötigen, wobei der Spannungsbogen konstant aufrechterhalten wird. Dies geschieht z.B. dadurch, dass die Ermittler gegen Ende der Kapitel eine bestimmte Information erhalten, diese dem Leser selbst aber noch eine Weile vorenthalten wird. Und gerade deswegen ist man als Leser gefordert, mitzudenken, zu kombinieren und gemeinsam mit den Ermittlern auf die Lösung des Falls hinzuarbeiten.
Es wird ein ganzer Haufen an Fragen aufgeworfen, die jedoch spätestens zum Ende des Thrillers hin beantwortet werden.

Generell finde ich, dass Mark Roberts ein Händchen dafür hat, Spannung aufzubauen. Die Handlung rund um die Ermordung des pensionierten Kunstprofessors ist gut durchdacht und strukturiert. Und mit Eve Clay wird eine kompetente, mutige und nicht zuletzt sympathische Ermittlerin präsentiert.

Zusammenfassend kann ich für „Totenengel“ von Mark Roberts eine unbedingte Leseempfehlung für Fans spannender Thriller aussprechen und vergebe daher fünf von fünf möglichen Sternen für den Thriller.

Veröffentlicht am 16.03.2019

Blieb leider deutlich hinter meinen Erwartungen zurück

Die Mauer
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Zum Inhalt

Großbritannien in der Zukunft. Nach Entwicklungen, die in diesem Buch nur mit dem Begriff „Wandel“ umschrieben werden, hat sich das Land mit Hilfe einer Mauer, die die gesamte Küste entlang ...

Zum Inhalt

Großbritannien in der Zukunft. Nach Entwicklungen, die in diesem Buch nur mit dem Begriff „Wandel“ umschrieben werden, hat sich das Land mit Hilfe einer Mauer, die die gesamte Küste entlang verläuft, abgeschottet. In einer Form von Wehrdienst müssen junge Menschen zwei Jahre ihres Lebens auf dieser Mauer zubringen und tragen dabei die Verantwortung dafür, dass die „Anderen“ nicht über die Mauer ins Landesinnere kommen. In dieser Welt begleiten wir als Leser den „Verteidiger“ Jospeh Kavanagh, als dieser seinen Dienst auf der Mauer antritt.

Meine Meinung

Die Leseprobe zu „Die Mauer“ und der Klappentext hatten mich vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussionen zum Thema „Flucht und Zuwanderung“ sehr neugierig auf das vom Autor beschriebene düstere Zukunftsszenario gemacht. Denn John Lanchester zeichnet ein wirklich grauenhaftes Zukunftsbild, in der tatsächlich eine physische Mauer aus Beton hochgezogen wird, um Menschen, die aus verschiedenen Gründen auf der Flucht sind, daran zu hindern, Großbritannien zu betreten. Jeder aus der jüngeren Generation ist dazu verpflichtet, eine Art Verteidigungsdienst auf dieser Mauer zu absolvieren. Dabei soll die „Motivation“ zur Verteidigung der Landesgrenze mit Waffengewalt dadurch gesteigert werden, dass bei Versagen quasi eine Verbannung für die jeweils verantwortlichen Verteidiger ausgesprochen wird, die dann dem Meer überlassen werden – was defacto in der Regel den sicheren Tod bedeutet. Das grundsätzliche Setting der Geschichte hatte also meinen Erwartungen nach einiges an Spannung und Dramatik zu bieten.

Allerdings muss ich nach der Lektüre von „Die Mauer“ sagen, dass der beste Teil des Buches meiner Meinung nach bereits in der Leseprobe enthalten war. Zum einen bin ich mit dem Protagonisten der Geschichte, Joseph Kavanagh, nicht wirklich warm geworden. In großen Teilen der Geschichte war er mir einfach unsympathisch. Die kurzen Momente der Nachdenklichkeit, in denen er darüber reflektiert, was es eigentlich bedeutet, dass sich sein Land so abgeschottet hat und wie unmenschlich mit Flüchtenden umgegangen wird, sind sehr selten und dann meist auch sehr oberflächlich abgehandelt.
Zum anderen wiederholt sich der Autor in seinen Ausführungen meiner Meinung nach zu oft. Wie oft der Beton, der Himmel, der Wind und die Kälte erwähnt werden, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Eine gewisse Anzahl an Wiederholungen lasse ich mir als Stilmittel zur Verdeutlichung oder Betonung von bestimmten Sachverhalten ja gefallen, aber die Anzahl in „Die Mauer“ hat einfach für mich dazu geführt, dass sich die Geschichte gezogen hat und Längen hatte, die unnötig waren.

Andere Themen, zum Beispiel, was genau den „Wandel“ umfasste, werden sehr oberflächlich behandelt und die Wendungen der Geschichte, die für Spannung sorgen könnten, kündigt Kavanagh in seiner rückschauenden Erzählung aus der Ich-Perspektive immer bereits an, sodass man als Leser dann nur noch darauf wartet, dass die dann sehr vorhersehbare Wendung eintritt.
Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt – und gerade der Sinn des letzten Abschnitts hat sich mir nur bedingt erschlossen. Es bleiben wiederum Fragen offen und die offensichtlichen ethischen Fragenstellungen, die wohl damit behandelt werden sollten, werden wiederum vom Kavanagh nur oberflächlich betrachtet. Kurzum, irgendwie hat mich das Ende mit einem schalen Nachgeschmack zurückgelassen.

Von mir erhält „Die Mauer“ daher auch nur zwei von fünf Sternen. Das Buch blieb leider deutlich hinter meinen Erwartungen zurück. Zu dem Thema „Flucht“ gibt es da deutlich bessere aktuelle Veröffentlichungen, wie z.B. „Davor und Danach“ von Nicky Singer.

Veröffentlicht am 04.03.2019

Spannung pur

Jetzt gehörst du mir
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Inhalt

Nach dem 7. Band der Reihe („Er will dein Herz“) beginnt „Jetzt gehörst du mir“ zumindest im Hinblick auf die Ehe von Marina und Phil erst einmal harmonischer als der Vorgängerband. Phil und seine ...

Inhalt

Nach dem 7. Band der Reihe („Er will dein Herz“) beginnt „Jetzt gehörst du mir“ zumindest im Hinblick auf die Ehe von Marina und Phil erst einmal harmonischer als der Vorgängerband. Phil und seine Frau sehen sich zwar immer noch der Gefahr durch Phils mysteriöse Stalkerin gegenüber, haben aber beschlossen, dass sie von nun an wieder gemeinsam versuchen werden mit der Situation umzugehen.
In diesem Band kommt die Geschichte um die Person, die bisher unter dem Namen Fiona Welch ihr Unwesen getrieben hat, zu ihrem Höhepunkt.

Meine Meinung

Als Fan der Reihe um das gemeinsam ermittelnde Ehepaar, bestehend aus Marina Esposito, ihre Zeichens Profilerin, und Phil Brennan, DI bei der Mordkommission, habe ich mich auf den neuesten Band der Reihe sehr gefreut. Man leidet nach wie vor mit den beiden Helden der Buchreihe mit. In diesem Band sehen sich die beliebten Protagonisten besonders üblen Verbrechen und Erlebnissen konfrontiert und stehen dieses Mal von Anfang an in der Schusslinie der Täterin.

Wie bereits in den Vorgängerbänden erzählt Tania Carver die Handlung zum einen aus der Sicht der verschiedenen Personen, die an der Ermittlung beteiligt sind, zum anderen werden immer wieder Informationen, Gedankengänge und Motive des Täters/der Täterin in die Handlung eingefügt, sodass man als Leser ab und an einen kleinen Wissensvorsprung zu haben scheint. Ob die Vermutungen, die man aufgrund dieser Informationen anstellt, am Ende dem entsprechen, was letztlich aufgedeckt wird, bleibt dem Leser und seiner Phantasie bis zur Auflösung selbst überlassen. Gerade dadurch gewinnen die Thriller von Tania Carver so unglaublich an Spannung – und „Jetzt gehörst du mir“ ist dabei keine Ausnahme.

Ein mitreißender Schreibstil, Protagonisten, die einem ans Herz gewachsen sind und mit denen man mitfiebert und ein absolutes Gespür für gekonnten Spannungsaufbau – was will man von einem Thriller mehr? Von mir erhält „Jetzt gehörst du mir“ daher volle fünf Sterne und eine Leseempfehlung an alle Thrillerfans.

Veröffentlicht am 14.02.2019

Fesselnd bis zum Ende

A Stranger in the House
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"A Stranger in the House" von Shari Lapena war noch so viel besser als ich erwartet hatte. Nachdem der Klappentext mich schon neugierig auf den Inhalt gemacht hatte, konnte ich das Buch gar nicht mehr ...

"A Stranger in the House" von Shari Lapena war noch so viel besser als ich erwartet hatte. Nachdem der Klappentext mich schon neugierig auf den Inhalt gemacht hatte, konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin hat ein Händchen dafür, Spannungsbogen nach Spannungsbogen aufzubauen. Wenn man gerade glaubt, begriffen zu haben, was in diesem spannenden Thriller vor sich geht, kommt eine Wendung um die Ecke, die einen trifft wie ein buchstäblicher Holzhammer und alles über den Haufen wirft, was man über die Protagonisten der Geschichte zu wissen glaubt.

Und da wären wir auch schon bei den Charakteren, die Shari Lapena ihren Lesern präsentiert. Karen, brave Hausfrau und außer sich, als sie im Krankenhaus zu sich kommt und nicht mehr weiß, was geschehen ist und wie sie ins Krankenhaus gekommen ist. Und ihr Mann Tom, der zu Beginn der Geschichte bereits irgendeine Last mit sich herumzutragen scheint und er von dem plötzlichen Interesse der Polizei an seiner Frau einfach nur überfordert ist. Hin- und hergerissen zwischen der Angst, die Frau, mit der er zusammenlebt, gar nicht richtig zu kennen und dem tiefen Wunsch sie zu beschützen.

Nach und nach werden einzelne Teile des großen, komplizierten Puzzles, das die Handlung von "A Stranger in the House" darstellt, aufgedeckt. Man ist in die Geschichte eingebunden, leidet mit Tom und Karen mit und fragt sich, was wirklich geschehen ist. Ist Karen zu dem fähig, was die Polizei ihr vorwirft? Traut ihr Mann wirklich einen Mord zu? Die Spannung bleibt bis zum Ende durchgehend hoch und ich war von dem Ende der Geschichte tatsächlich ein bisschen geplättet. Und das ist für einen Thriller ein echtes Kompliment.

Der Schreibstil der Autorin war für mich sehr eingänglich und hat dafür gesorgt, dass ich sehr leicht in die Geschichte eintauchen konnte. Zudem war er eindringlich genug, um mich zu fesseln. Auch das Cover ist meiner Meinung nach absolut gelungen und passt perfekt zu der Geschichte, die die Leser erwartet.

Von mir erhält "A Stranger in the House" eine absolute Leseempfehlung und volle fünf Sterne!

Veröffentlicht am 08.02.2019

Bietet Interpretationsspielraum

Agathe
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Zum Inhalt: Obwohl er eigentlich schon angefangen hat, die Tage bis zu seinem Ruhestand zu zählen und er eigentlich keine neuen Patienten mehr annehmen möchte, ist eine weitere Patientin fest entschlossen ...

Zum Inhalt: Obwohl er eigentlich schon angefangen hat, die Tage bis zu seinem Ruhestand zu zählen und er eigentlich keine neuen Patienten mehr annehmen möchte, ist eine weitere Patientin fest entschlossen sich nur von ihm behandeln zu lassen. Dabei ahnt er noch nicht, dass diese Patientin auch für ihn einiges verändern wird – ganz plötzlich taut der ältere Herr wieder auf, beginnt sich wieder mehr für sein Umfeld zu interessieren und am Leben teilzunehmen. Zu Beginn des Buches sind ihm seine Patienten mit ihren Problemen eher lästig, zum Ende hin macht es ihm wieder Freude, anderen Menschen bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten zu helfen.

Mit seinen 160 Seiten ist „Agathe“ ein eher schmales Buch für einen Roman. Und meiner persönlichen Ansicht nach entspricht „Agathe“ auch sonst eher nicht den Merkmalen eines klassischen Romans. Dafür hängen die einzelnen Abschnitte mit ehrlich gesagt zu wenig zusammen. Anne Cathrine Bomann lässt uns in einzelnen Szenen aus dem Leben und der beruflichen Tätigkeit des bis zum Ende des Buches lediglich „der Psychiater“ ist.

Dabei sind die Szenen und Informationen, die die Autorin ihrer Leserschaft präsentiert, klug gewählt, regen zum Nachdenken an und berühren. Man empfindet Mitleid mit diesem älteren Herren, der sich so von seinem Umfeld zurückgezogen hat und isoliert fühlt. Allerdings kratzen mir viele der Szenen zu sehr an der Oberfläche. Ich hätte mir zum Beispiel mehr Informationen zum Leben des Psychiaters gewünscht, angefangen bei seinem Namen. Es hat sich irgendwie unpersönlich angefühlt, ihn bis zum Ende des Buches nur als den „Psychiater“ bezeichnen zu können.
Was mir bis zum Ende hin auch nicht ganz klar geworden ist, ist die „Beziehung“, die der Psychiater zu seiner neuen Patientin (Agathe) entwickelt. Es ist eine etwas merkwürdig anmutende Faszination, die ihn da gepackt zu haben scheint.

Allerdings verfügt Anne Cathrine Bomann über einen sehr anmutigen, wundervollen Schreibstil, der der Geschichte viele Emotionen einhaucht, ganz besonders die melancholischen Momente und bittersüßen Szenen gewinnen unglaublich durch die Wahl der treffenden Worte.

Zuletzt noch ein Wort zu der wunderschönen Gestaltung des Buches, das anmutet, als wäre es mit Stoff bezogen und im Stil wie ein altmodischer Sofabezug daherkommt. Das Äußere des Buches passt dabei sehr gut zu dem Inhalt und selbst der kleine Spatz auf dem Cover scheint eine Anspielung auf einen Moment in der Handlung zu sein.

„Agathe“ lässt mir auf der einen Seite ein wenig zu viel Raum für Interpretationen, auf der anderen Seite hat mich die übertriebe Faszination des Psychiaters für seine Patientin Agathe etwas irritiert. Auf der anderen Seite hat mich die Einsamkeit dieses Mannes berührt und der Schreibstil hat mir unglaublich gut gefallen. Daher komme ich in einer Gesamtwertung zu einer Bewertung mit drei Sternen.