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Veröffentlicht am 22.04.2025

Das verlorene Dorf

Die Schanze
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Eine schmerzhafte Trennung lässt die Allgemeinärztin Ellen an ihrem Geburtsort, ein kleiner Ort am Rand der Alpen, zurückkehren. Mit zwiespältigen Gefühlen richtet sie sich in ihrer Praxis ein, während ...

Eine schmerzhafte Trennung lässt die Allgemeinärztin Ellen an ihrem Geburtsort, ein kleiner Ort am Rand der Alpen, zurückkehren. Mit zwiespältigen Gefühlen richtet sie sich in ihrer Praxis ein, während auf der nahegelegenen Schanze ein grausamer, brutaler Mord geschieht.
Ein Mann wird mit Hilfe eines elektrischen Viehtreibers zur Schanze getrieben, um vom höchsten Punkt mit einem Seil um den Hals hinab gestoßen zu werden.
Als Ellen beim abendlichen Joggen den Toten sieht, erstarrt sie vor Panik. Sie kennt das Opfer und sie hätte ein Motiv diesen Mord zu begehen.
Wann wird sie in Verdacht geraten und was passiert noch?


Das Thriller-Debut von Lars Menz hat mir gut gefallen. Der Thriller ist spannend, hat kurze knappe Kapitel, ist unkompliziert geschrieben, zeigt das Misstrauen und die gegenseitigen Verdächtigungen im Dorf und beleuchtet die psychischen Belastungen und Verletzungen von Ellen.
Die einzelnen Protagonisten sind nicht unbedingt sympathisch, stecken aber tief in Ellens Schuld. Ellen selber leidet und durchlebt die schlimmsten Stunden ihres Lebens immer und immer wieder. Ihr fällt es schwer Vertrauen zu fassen. Der Autor beleuchtet aus verschiedenen Perspektiven deutlich, dass einige Bewohner des Dorfes schreckliche Verbrechen vertuscht und zudem Ellen verraten haben.
Die Folterungen und Morde werden aus der Perspektive des Mörders beschrieben. Ellen, der Lokalreporter, der ehemalige Polizist und wir Leser rätseln fast bis zum Schluss, wer der mysteriöse Mörder bzw. Rächer sein könnte. Den Spannungsbogen jongliert Lars Menz durch kurze Kapitel und ständigen Perspektivenwechsel in gleichbleibender Höhe.
Egal ob Lars Menz Ellens Geschichte weitererzählt oder sich einem anderen Thema in seinem nächsten Thriller widmet, ich freue mich drauf.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Inspirierend und fesselnd

In einem Zug
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In einem Zug von Wien nach München sitzt eine attraktive Frau, mittleren Alters dem ehemals gefeierten Autor Eduard Brünhofer gegenüber. Man kommt ins Gespräch. Ein Gespräch, das über die gesamte 4-stündige ...

In einem Zug von Wien nach München sitzt eine attraktive Frau, mittleren Alters dem ehemals gefeierten Autor Eduard Brünhofer gegenüber. Man kommt ins Gespräch. Ein Gespräch, das über die gesamte 4-stündige Fahrt intensiv geführt wird. Eduard Brünhofer gibt in dieser Zeit mehr privates als jemals zuvor preis.
Was geschieht während der Zugfahrt passiert zwischen den Beiden?

Es ist erstaunlich, dass es Daniel Glattauer es immer wieder schafft den Leser, in diesem Fall mich, die skeptisch an dieses Buch rangegangen ist, zu fesseln. Vor einigen Jahren habe ich „Gut gegen Nordwind“ verschlungen, aber nicht geglaubt, dass David Glattauer mich noch einmal mit einem Dialog-Roman einfangen könnte. Die Info, dass Christian Berkel den Roman einliest, hat mich aber doch neugierig gemacht. Ich wurde nicht enttäuscht. Die Stimmfarbe und Sprechweise von Christian Berkel passt hervorragend zu diesem Text.
Anfänglich hat sich meine Begeisterung in Grenzen gehalten, da meiner Meinung nach Eduard Brünhofer sich zu sehr in seinen Beobachtungen, in die daran anschließenden Assoziationen und vielen Abschweifungen verloren hat. Während des sich langsam entwickelnden Gesprächs fand ich seine Gedankenblitze allerdings wieder sehr erfrischend.
Mit steigender Intensität des Gesprächs wurde ich eingefangen und konnte das Hörbuch nicht mehr ausschalten.
Daniel Glattauer schafft es mit seinen inspirierenden Dialogen bei dem Leser oder Hörer eigene Gedanken sich entwickeln zu lassen. Mit zunehmender Gesprächsdauer stieg auch die Spannung, wohin das Gespräch die Beiden führen wird.
„In einem Zug“ ist inspirierend, spannend und macht Spaß zu hören. Was will man mehr?

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Veröffentlicht am 20.04.2025

Traumata

Der Wolf im dunklen Wald
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Wieder wird die ruhige Idylle, die Kommissarin Carla Seidel sich im Wendland erhofft, getrübt und unterbrochen. Während einer großen Gesellschaftsjagd wird ein Mann mit massiven Messerstichen ermordet. ...

Wieder wird die ruhige Idylle, die Kommissarin Carla Seidel sich im Wendland erhofft, getrübt und unterbrochen. Während einer großen Gesellschaftsjagd wird ein Mann mit massiven Messerstichen ermordet. Die Brutalität und hohe Anzahl der Stickverletzungen lassen Carla ein Verbrechen aus Rache vermuten.
Die Brisanz bei den Ermittlungen liegt im emotionalen Verhältnis von Carlas Tochter Lana zu Fabian, dem Sohn des Jagdausrichters.
Während Carla und ihr Team fieberhaft nach einem Motiv suchen, wird schon das zweite Opfer ins Visier des Mörders genommen.

Der zweite Band, heißersehnt, nachdem mir der erste Band gut gefallen hat, führt uns wieder ins Wendland und zu tiefen Traumata. Ich habe den Eindruck, dass in diesem Band noch mehr die brutalen Verletzungen an Carlas Körper und vor allem an Carlas und Lanas Seelen thematisiert werden. Das, was die beiden erleben mussten und jetzt nach ihrem Ortswechsel mit niemanden teilen, ist heftig. Mich wundert, dass sie nicht psychologisch betreut werden.
Sia Piontek zeigt uns Lesern gnadenlos die Gedanken und Ängste der beiden Frauen, was eigentlich schon Krimi genug ist, während im Wald bzw. im Wendland ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Sehr gut beschrieben finde ich die Polizeiarbeit des gesamten Teams. Sie suchen emsig nach einem Motiv, verirren sich in etlichen Sackgassen, um dann mit viel Beharrlichkeit an Ziel zu gelangen. Die Wege und Alleingänge treiben unseren Puls ständig in die Höhe. Der Spannungsbogen reicht tatsächlich bis zu den letzten Seiten. Lange irre ich mit meinen Mutmaßungen in die falsche Richtung, aber hallo, ich bin keine Kommissarin, sondern begeisterte Krimileserin und hier werde ich bestens bedient.
Jetzt freue ich mich auf den nächsten Fall, den Sia Piontek für uns spannend, fesselnd und mit überraschenden Wendungen für uns bereithält.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Träumerisch, berührend, aber ...

Das kleine Café der zweiten Chancen
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Die seelisch verletzte und einsame Misaki begegnet auf ihrem Weg zur neuen Schule Sugiura-San, die ihr Mut macht und sie unterstützt, sich gegen Mobbing und unfreundliche Mitschüler zu wappnen. Nach einem ...

Die seelisch verletzte und einsame Misaki begegnet auf ihrem Weg zur neuen Schule Sugiura-San, die ihr Mut macht und sie unterstützt, sich gegen Mobbing und unfreundliche Mitschüler zu wappnen. Nach einem angenehmen ersten Schultag verbringt Misaki einen harmonischen Nachmittag bei Sugiura. Misaki fühlt sich angenommen und geborgen. Zum Abschied erhält sie von Sugiura den Rat das Café Tacet Yuguredo (das Café der zweiten Chancen) zu besuchen.
Am nächsten Tag ist Sugiura-San verschwunden. Misaki versucht im Café Tacet das Erlebte zu ergründen.


Dieser Roman ist in einer zurückgenommenen, vielleicht sogar demütigen Sprache geschrieben, sicher der japanischen Mentalität geschuldet. Mit den Namen und dieser Erzählweise hatte ich anfänglich Schwierigkeiten. Manchmal, wenn die Freundin Tsukiko beschrieben wurde, kam mir das ziemlich kitschig vor.
Die Nöte und auch zwischenzeitlichen Glücksgefühle von Misaki sind eindringlich beschrieben worden. Aber trotzdem konnte ich die Atmosphäre nicht ganz nachvollziehen. Die ständigen Demütigungen seitens der Mutter und auch seitens der Schwester, ist das in Japan heute immer noch so üblich oder spielt der Roman in einer anderer Zeit.
Das Café der zweiten Chancen ist fiktiv. Das ist klar, aber das Verhalten der Protagonisten untereinander erschien mir genauso fiktiv und nichtsagend. Die Geschichte als solche erschien mir reizvoll, aber die Umsetzung überzeugt mich nicht. Die Grundstimmung in diesem Roman ist traurig und bedrückt. Ich vermisse einen Hoffnungsschimmer für Misaki. So lässt mich das Buch traurig zurück.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Spannung pur und Gänsehaut

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
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Art Meyer lässt es keine Ruhe. Er muss unbedingt Dana, Millas Mutter, die vor achtzehn Monaten verschwunden ist, finden. Da er kein Vorankommen in den Ermittlungen sieht, drängt er an höherer Stelle, Bundeskanzler ...

Art Meyer lässt es keine Ruhe. Er muss unbedingt Dana, Millas Mutter, die vor achtzehn Monaten verschwunden ist, finden. Da er kein Vorankommen in den Ermittlungen sieht, drängt er an höherer Stelle, Bundeskanzler Westphal, Druck zu machen.
Die unmittelbare Reaktion unbekannter Tippgeber, eröffnet Art Meyer und Nele Tschaikowski einen brandheißen Fall, der nicht nur ihr Leben gefährdet.


Sehnsüchtig erwartet, hat mich dieser Thriller genauso in den Bann gezogen, wie erwartet.
Die beiden Ermittler Art und Nele, wenig nachgeschärft, verhalten sich, wie erwartet. Wobei Arts Dringlichkeit, Dana zu finden, heraussticht. Nele ist, wie erwartet, der reinen Mutterschaft ohne Hilfe des Kind-Vaters überdrüssig und sehnt sich der Ermittlerarbeit entgegen.
Die Zweigleisigkeit der Erzählstränge auf zwei Zeitebenen bringt mich in Lesestress, weil ich das Buch nicht aus der Hand legen kann, einfach zu spannend.
An manchen Stellen erscheinen vielleicht zu viele Zufälle, aber ehrlich gesagt ist mir das egal. Der Thriller ist kurzweilig, unterhaltsam, spannend und die Protagonisten sind mir ans Herz gewachsen.
Ich denke, alle Leser der drei Thriller wollen wissen, wie es weitergeht. Einerseits interessiert uns das private Fortkommen der Protagonisten, andererseits sind in diesem dritten Thriller noch einige Fragen offengeblieben.

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