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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.04.2019

Heiß, heißer, Emeric!

His Dark Symphony
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Eine Schülerin, die sich mehr als alles andere auf der Welt ein Stipendium für das renommierte Leopold-Konservatorium wünscht und ein Lehrer, der alles dransetzen will, damit dies gelingt.
Allerdings ...

Eine Schülerin, die sich mehr als alles andere auf der Welt ein Stipendium für das renommierte Leopold-Konservatorium wünscht und ein Lehrer, der alles dransetzen will, damit dies gelingt.
Allerdings ist er nicht in erster Linie von ihrer Musik gefesselt, auch wenn Emeric Marceaux durchaus Ivorys Talent fühlen kann. So entspinnt sich eine Geschichte über eine verbotene Schüler-Lehrer-Beziehung.
Man erfährt etwas über die bisher traurige Vergangenheit Ivorys, die sich mit Bruder und Mutter in ärmlichsten Verhältnissen aufwachsend durchs Leben schlagen muss. Dabei gerät sie auch in gewisse Abhängigkeiten.
Ihr Lehrer, Emeric Marceaux, kommt aus völlig anderem Hause. Seine Eltern, gut situiert, stehen in freundschaftlichem Verhältnis zu ihrem Sohn. Und seine Mutter gehört außerdem zum Kreise derer, die Einfluss auf die Aufnahme ans Leopold Conservatory haben.
Dies führt dazu, dass auch andere das ausnutzen wollen, um ihr Kind dorthin zu bekommen. So entstehen Intrigen, denen sich Emeric scheinbar zu beugen hat, will er seine Stellung nicht verlieren. Denn an seiner alten Schule gab es Vorkommnisse, die ihn seinen Ruf kosten könnten.
Aber er nimmt sich dennoch Ivory in besonderer Art und Weise an, BDSM-Fans kommen hier auf ihre Kosten, wobei es auch da noch deutliche Steigerungen gäbe.

Die Hauptcharaktere werden wunderbar differenziert dargestellt. Zum einen Ivory mit ihren Konflikten, Sex eigentlich nur als Mittel zum Zweck zu sehen und die Wandlung, die mit ihrer Beziehung zu Emeric einhergeht. Ihre Gefühle, die auch die äußerliche Veränderung nach sich zieht. Die Angst vor denen, die sie nicht respektieren, sondern nur als ein Stück Fleisch sehen. Das Vertrauen, das sich zwischen ihr und Emeric langsam aufbaut. Die Beschreibung ihres trostlosen Zuhauses ist wirklich toll dargestellt.
Zum anderen der Zwiespalt, der in Emeric entfacht wird. Auf der einen Seite darf die verbotene Beziehung nicht ans Licht kommen, weil er vor allem Ivory nicht schaden möchte, aber seine Gefühle und auch Triebe für sie so stark sind, dass er nicht die Finger von ihr lassen kann. Die Szenen, wo er sie unbedingt beschützt wissen möchte und er sich auch seinen Eltern anvertraut. Und gleichzeitig kommt es einem wie ein typischer Kontrollzwang vor, den man in BDSM-Büchern häufig hat und der für die meisten Leser sicher so gar nicht zu wahren Gefühlen passen möchte.

Da der Roman als solcher im Klappentext nicht explizit darauf hinweist, kann die Geschichte bei einigen Lesern so auf Widerstand stoßen. Sicher sind viele Dinge überzogen dargestellt, scheinen auf den ersten Blick unrealistisch, sind aber durchaus denkbar. Bei einigen Handlungen muss man sich auch klar machen, dass es in Amerika spielt, wo die Gesetzgebung z.T. eine andere ist.
Der Sex spielt im Buch eine ganz klar vordergründige Rolle, darauf muss man sich eben einlassen wollen. Aber dennoch sind meiner Meinung nach auch Gefühle sehr gut rübergekommen. Ebenso hat die Autorin Musik und Gefühl gut miteinander verbinden können. Einige Passagen sind vielleicht einfacher zu verstehen, wenn man selbst Musik liebt und ein Instrument spielt.
An einigen Stellen hätte ich mir vielleicht etwas mehr Handlung zwischen Ivory und den anderen Schülern gewünscht, diese Dialoge fielen sehr knapp aus oder entfielen ganz.
Auch vom Titel her hätte man sich vielleicht denken können, dass es nicht unbedingt für diejenigen geschrieben ist, die auf eine leichte Liebesgeschichte hoffen. Insgesamt kann ich aber für mich sagen, dass es ein Buch mit Potenzial ist und unter den richtigen Voraussetzungen gelesen (in dem Wissen nämlich, dass es vorwiegend ein BDSM-Roman ist) absolut kurzweilig und durchaus mit Suchtpotenzial!

Veröffentlicht am 06.07.2019

Für jeden was dabei!

Brot backen mit Christina
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Dass das Buch so schnell geliefert wird, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Habe also gleich nachgesehen, was der Küchenschrank noch so hergibt und mich gleich auf das Knäckebrot und die schnellen Minibrote ...

Dass das Buch so schnell geliefert wird, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Habe also gleich nachgesehen, was der Küchenschrank noch so hergibt und mich gleich auf das Knäckebrot und die schnellen Minibrote gestürzt. Alles wirklich super einfach zu machen und die Ergebnisse waren bisher sehr lecker! Allein für den Duft, der sich aus der Küche in der ganzen Wohnung verteilte, hatte es sich schon gelohnt!

Die Aufmachung des Buches gefällt mir dabei auch sehr gut. Eine kurze Einführung zu den wichtigsten Materialien und Arbeitsgängen, Kapitel zu verschiedenen Themen wie schnelle Brote, Brote mit Sauerteig, süße Brote, besondere Brote usw. (an die Brote mit längerer Wartedauer mache ich mich dann nächste Woche). Dabei wurde alles liebevoll illustriert und schrittweise erklärt, so dass es wirklich jeder verstehen kann.
Eine ganz klare Kaufempfehlung!

Veröffentlicht am 03.07.2019

Ein Kiez im Umbruch

Sungs Laden
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Wenn man Prenzlauer Berg hört, denkt man an das arme Studentenviertel, das sich zum gehobeneren Familienkiez gemausert hat. Hier lernt man es noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Und ...

Wenn man Prenzlauer Berg hört, denkt man an das arme Studentenviertel, das sich zum gehobeneren Familienkiez gemausert hat. Hier lernt man es noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Und als zeitweilige Wahlberlinerin habe ich jedes Mal bestimmte Ecken in Lichtenberg und einigen anderen Bezirken vor mir gesehen, die ebenfalls stark von Vietnamesen geprägt sind.
Dass das so ist, wurde mir erst klar, nachdem ich dorthin gezogen war. Die Geschichte, die Kalisa webt, ist viel mehr als eine kleine Revolution, es ist die Geschichte verschiedenster Begegnungen, ein Sichannähern an fremde Kulturen, die eine tagtäglich umgeben und über die man doch nichts weiß.
Es ist die Geschichte einer vietnamesischen Familie und der Menschen, denen sie begegnen, die so unscheinbar mit einer schulischen Veranstaltung beginnt und doch so große Wellen schlägt.
Und wie im Klappentext schon gesagt wird - Eine Utopie, "aber von unserer Gegenwart gar nicht so weit entfernt".

Veröffentlicht am 03.07.2019

Ein Buch auf zu vielen Abwegen

Die Frau aus Oslo
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Norwegen im Jahr 1942: Die junge Jüdin Ester muss mit ansehen, wie ihr Vater deportiert wird. Während sie von Oslo nach Schweden flüchten kann, werden auch ihre Mutter und Großmutter zusammen mit ihrem ...

Norwegen im Jahr 1942: Die junge Jüdin Ester muss mit ansehen, wie ihr Vater deportiert wird. Während sie von Oslo nach Schweden flüchten kann, werden auch ihre Mutter und Großmutter zusammen mit ihrem Vater auf ein Schiff verladen, die gesamte Wohnungseinrichtung beschlagnahmt. Viele Jahre später taucht ein Schmuckstück auf, das Esters Mutter gehörte und ein großes Rätsel in sich birgt. Welche Verbindung besteht zwischen ihm und Turid, der Tochter von Esters ehemals bester Freundin Åse, die eines Tages ermordet aufgefunden wurde? Und welche Rolle spielen Gerhard, Åses Lebensgefährte, der zunächst spurlos verschwindet, und Roar, der Turid adoptiert und ein Verhältnis mit Åse hatte? Und wer hat noch seine Finger in diesem Spiel?

Nach der Leseprobe war ich schon sehr gespannt, wie die Geschichte um Ester weitergeht. Das Cover hat mir sehr gut gefallen und dazu eingeladen, sich die Geschichte vorzustellen, die Ester erlebt haben könnte. Was erwartet sie hinter der Brücke? Gelingt ihr die Flucht? Wie ergeht es ihr danach? Wie verarbeitet sie die Geschehnisse um ihre Familie? Wann und mit wem hat sie ihren Sohn bekommen? Und was hat es mit dem Schmuckstück auf sich? Eigentlich ein wirklich guter Stoff für eine Geschichte.

Leider hatte ich beim weiteren Lesen immer mehr das Gefühl, dass es im Grunde genommen aber gar nicht um Ester und ihr Gefühlsleben ging. Für mich war sie eher ein Mittel zum Zweck für die Geschichte um sie herum, aber nicht unbedingt die Protagonistin des Buches. Das Thema Juden nahm nur einen sehr geringen Anteil ein, auch wenn es für die Auflösung des Rätsels um das Armband nicht unbedeutend war. In weiten Teilen ging es um mehr oder weniger offene Bespitzelung, vor allem der Mittelteil kam mir dadurch sehr langatmig vor. Richtig packen konnte mich das Buch damit nicht. Auch die Zeitsprünge machten das Lesen mitunter etwas mühsam, zumal die Kapitel häufig die gleiche Überschrift trugen.

Insgesamt für mich daher ein Buch mit viel Potenzial, aber leider auf zu vielen Abwegen.

Veröffentlicht am 30.06.2019

Eine Hommage an das Leben und den Glauben an sich selbst

Find mich da, wo Liebe ist
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Grace, Geigenbauerin und verhinderte Cellistin, unterhält seit acht Jahren eine Affäre mit David. Als dieser eines Tages einer Frau das Leben rettet, gerät alles aus den Fugen, denn David ist verheiratet. ...

Grace, Geigenbauerin und verhinderte Cellistin, unterhält seit acht Jahren eine Affäre mit David. Als dieser eines Tages einer Frau das Leben rettet, gerät alles aus den Fugen, denn David ist verheiratet. Und obwohl Grace davon wusste, beginnt damit für sie ein Alptraum, der auch dafür sorgt, dass sie ihren großen Traum, einen Preis für das beste Cello beim Wettbewerb in Cremona, aufs Spiel setzt. Mit Hilfe ihrer Aushilfe Nadia und dem guten alten Kunden Mr. Williams findet Grace den Glauben an sich selbst und ihr Talent und den Weg zurück ins Leben.

Das Buch zieht einen durch vielerlei Facetten in den Bann. Man schwebt mit Grace durch die Leichtigkeit von Paris, versinkt in ihrer dunklen Vergangenheit in der Musikhochschule, die dazu führte, dass Grace nicht mehr in der Öffentlichkeit Cello spielen kann, ohne Panikattacken zu bekommen. Man erfährt eine Menge über den Bau eines Cellos und darüber, was Freundschaft und Verlust bedeuten.

Cover und Schreibstil sind wunderbar passend, die Charaktere so detailliert beschreiben, dass man meint, sie vor sich zu sehen. Man kann sich genau vorstellen, wie Grace‘ Laden aussieht und wie es dort riecht, fühlt mit ihr, wenn sie Cello spielt und wenn sie alle Liebe in ihre Beziehung zu David oder den Bau ihrer Instrumente steckt.

Alles in allem ein Buch für alle Gefühlslagen und eine Hommage an das Leben und eine Aufforderung, an sich selbst zu glauben.