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Veröffentlicht am 05.01.2020

Wer wird der Nächste sein?

Die Stille vor dem Sturm
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Eine Gruppe junger Menschen bricht auf, um eine Yacht in die Karibik zu überführen. Gleichzeitig möchte Armin Wendelstein, der Initiator dieses Unterfangens, seine Söhne und deren Freunde auf den Cayman ...

Eine Gruppe junger Menschen bricht auf, um eine Yacht in die Karibik zu überführen. Gleichzeitig möchte Armin Wendelstein, der Initiator dieses Unterfangens, seine Söhne und deren Freunde auf den Cayman Islands empfangen, um dort seinen Geburtstag zu feiern.
Doch dann hinterlässt Tim, der jüngste Sohn Wendelsteins, seinen Brüdern und seiner Freundin die Nachricht, dass er nicht mitfahren wird, da er mit einer bekannten Band touren darf. Also tritt der Rest der Truppe die Reise alleine an. Eine Reise, die keiner jemals wieder vergessen und der eine oder andere auch nicht überleben wird. Aber wer ist der Mörder? Wer wird der Nächste sein? Hat der Fremde, den die jungen Leute aus Seenot retten, etwas damit zu tun? Und steckt hinter Tims Nichterscheinen vielleicht doch noch etwas anderes?

Das Buch hat mich von Beginn an mitgerissen. Die Beschreibung der einzelnen Figuren ist sehr gelungen, die Wendelsteins werden wunderbar versnobt dargestellt, auch die Frauen kommen in der Regel nicht gut weg, so dass ein Zickenkrieg an Bord quasi vorprogrammiert ist. Selbst die Erzählung Maries über Nadines Leben macht es bei mir nicht besser. Und so gönnt man es eigentlich fast jedem, das nächste Opfer zu sein. Sind vielleicht sogar die, die sich aus diesem Schickimickileben nichts machen, diejenigen, die das Leben der anderen auf dem Gewissen haben? Marie finde ich eine besonders wunderbar skizzierte Protaginistin.

Die vielen seemännischen Fachausdrücke machten es mir zwar mitunter etwas schwer, dem Geschehen zu folgen, passen aber dennoch gut in die Geschichte und zeigen, dass die Autorin sich sehr in die Materie eingearbeitet hat, wodurch es für mich realistisch bleibt. Vielleicht wären ein kleines Schaubild und ein Glossar hilfreich gewesen.

Die Kapitellängen sind in der Regel überschaubar, aber da mich die Geschichte sowieso in den Bann gezogen hatte, wäre es mir gleich gewesen, da ich mich nicht von Kapitel zu Kapitel entlanghangeln musste.

Ich habe mehrfach gerätselt, was es nun mit den Morden auf sich hat, habe meine Vermutung immer mal wieder revidieren müssen und mich die ganze Zeit über großartig unterhalten gefühlt. Und immer öfter stellte man sich beim Lesen die Frage: Wem kann man eigentlich noch trauen?

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.12.2019

Psychopathen und Selbstjustiz

Schmutzige Seelen
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Ruben Hattinger, Kriminalbeamter aus Leidenschaft, ist eigentlich gerade in einem kleinen, beschaulichen Ort in der Oberpfalz mit Frau und Tochter im Urlaub, als er in die Ermittlungen eines brutalen Mordfalls ...

Ruben Hattinger, Kriminalbeamter aus Leidenschaft, ist eigentlich gerade in einem kleinen, beschaulichen Ort in der Oberpfalz mit Frau und Tochter im Urlaub, als er in die Ermittlungen eines brutalen Mordfalls gerät. Die Regensburger Polizei, genauer gesagt, die Oberkommissarin Eva Lange, zieht Hattinger hinzu. Weitere Morde geschehen im ländlichen Idyll um Regensburg und die Frage ist: Handelt es sich um eine ganze Mordserie? Wer wird der Nächste sein? Was haben die Personen miteinander zu tun und welche Bedeutung kommt hierbei Paul Janik zu, der dafür bekannt ist, sich an Kindern zu vergehen, der aber gerade einsitzt?

Dieser rasante Thriller lässt keine Sekunde Langeweile aufkommen. Die meist relativ kurzen Kapitel laden geradezu zum Weiterlesen ein. Man fiebert mit Eva und Ruben mit, geht auf persönliche Spurensuche und tappt immer wieder im Dunkeln. Was ist das Motiv des Mörders? Ist er einfach nur ein Psychopath, übt hier jemand Selbstjustiz und wem kann man eigentlich trauen?

Die Figuren sind sehr detailliert skizziert worden, man sieht die Protagonisten direkt vor sich, schnell haben sie den Leser in den Bann gezogen. Hattinger, der sowohl sein Leben als Sonderermittler als auch seine Familie liebt und immer zwischen seinem Beruf und dem Privatleben hin- und hergerissen ist. Eva, die gerade erst eine Trennung hinter sich hat, nachdem dieser sich mit der besten Freundin vergnügt hat und die sich in die neuen Fälle flüchtet. Janik, der dachte, sein Leben halbwegs in den Griff bekommen zu haben, der aber jetzt sogar in seiner Zelle von Einflüsterungen verfolgt wird. Aber auch die anderen Charaktere sind eindrücklich beschrieben und erwecken diesen Thriller zum Leben.

Es handelt sich bei diesem Buch um den Auftakt einer neuen Reihe um Ruben Hattinger und ich freue mich schon sehr auf weitere Bände - Spannung garantiert und definitiv eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.12.2019

Wenn eine Zahl das Schicksal bestimmt

Sechs
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Falco Brunner, mittlerweile als Privatdetektiv unterwegs, beginnt an seinem Verstand zu zweifeln. Seine Geliebte Emilia, eine Edel-Eskortdame, ruft ihn mitten in der Nacht an, kurz darauf wird sie brutal ...

Falco Brunner, mittlerweile als Privatdetektiv unterwegs, beginnt an seinem Verstand zu zweifeln. Seine Geliebte Emilia, eine Edel-Eskortdame, ruft ihn mitten in der Nacht an, kurz darauf wird sie brutal ermordet, aber als er eintrifft, ist die Wohnung völlig verwüstet, aber keine Leiche zu finden. Kurz darauf verliert er das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt, wird er von der Polizei in die Psychiatrie eingewiesen, denn er gilt als Einbrecher und die Wohnung ist absolut sauber, als sei nie etwas geschehen.

Wer hat ihn auf dem Gewissen oder hat Brunner den Mord doch selbst begangen? Und was hat ein weiterer Leichenfund mit der Sache zu tun? Hilfe erhält er von seinem alten Freund und ehemaligen Kollegen Bruno Horvath und seiner Ex-Frau Christina. Können sie gemeinsam die Intrigen aufdecken?

Die Figuren sind toll und facettenreich beschrieben. Dabei ist kaum einer wirklich nur gut oder böse dargestellt, bei einigen Charakteren schwankte ich während des Lesens zur anderen Seite. Der Titel des Buches ging bei mir zunächst unter, im Laufe der Geschichte gewann er aber an Bedeutung. Auch das Cover fand ich stimmig, obwohl es zunächst anscheinend nichts mit dem Titel zu tun hatte. Die kurzen Kapitel trugen ebenfalls dazu bei, dass ich dieses Buch fast verschlungen habe, die Wendungen kamen zum Teil unerwartet und haben das Lesen zu einer kurzweiligen Unterhaltung gemacht.
Dies ist bereits der dritte Fall des Falco Brunner und ich freue mich über weitere Fälle mit ihm und seinen Freunden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2019

Sehr leiser Auftakt einer neuen Reihe

Verborgen im Gletscher
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In Island verschwindet ein Mann spurlos. Dreißig Jahre später findet eine Reisegruppe auf einem Gletscher die Leiche Sigurvins. War es Selbstmord oder hatte da jemand seine Hände im Spiel? Vielleicht doch ...

In Island verschwindet ein Mann spurlos. Dreißig Jahre später findet eine Reisegruppe auf einem Gletscher die Leiche Sigurvins. War es Selbstmord oder hatte da jemand seine Hände im Spiel? Vielleicht doch der damalige Hauptverdächtige Hjaltalín, dem man aber nie etwas nachweisen konnte? Und was hat ein Verkehrsunfall mit Unfalltod einige Jahre später damit zu tun? Die Polizei und der mittlerweile pensionierte Kriminalkommissar Konráð ermitteln in diesem Cold Case.

Dies ist der Auftakt einer neuen Reihe des isländischen Erfolgsautors Arnaldur Indriðason. Im Gegensatz zu seiner Reihe rund um Kommissar Erlendur, in der meist eine eher düstere Grundstimmung vorherrschte, lernen wir hier den pensionierten Konráð und dessen Vergangenheit kennen. Auch dieser hat eine bewegte und schwierige Zeit, dennoch kommt die Geschichte hier nicht Grau in Grau daher. Zumindest nicht, was das Wetter angeht, denn sie nimmt auch nicht so richtig Fahrt auf. An den Stellen, wo die Polizei nachlässig arbeitet, rollt Konráð den Fall noch einmal auf und verstrickt sich hierbei in allerlei unterschiedliche Handlungsstränge. Mal mehr, mal weniger von Bedeutung für den Fortgang der Geschichte.

Die Rückblicke in Konráðs Leben sind typisch für Indriðason und ich bin sicher, dass er diese auch wieder für seine Fortsetzungsbände von Belang sein werden. Insgesamt tauchen viele Personen auf, die nicht alle wirklich relevant für die Story sind - eben wie im richtigen Leben. Das macht diesen Krimi allerdings auch etwas zäh.

Das Cover gefällt mir gut, bezieht sich aber nicht unbedingt auf die Geschichte. Für Freunde nordischer Krimis und Islandfans durchaus lesenswert, aber nicht der rasante Indriðason, wie wir ihn sonst kennen.

  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Stimmung
  • Figuren
Veröffentlicht am 27.10.2019

Was wäre, wenn?

Alles richtig gemacht
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Was wäre, wenn man im Laufe seines Lebens einen anderen Weg eingeschlagen hätte? Was geschieht mit zwei Menschen, die als Jugendliche zusammen wohnen? Gehen sie den Weg gemeinsam weiter? Trennen sich ihre ...

Was wäre, wenn man im Laufe seines Lebens einen anderen Weg eingeschlagen hätte? Was geschieht mit zwei Menschen, die als Jugendliche zusammen wohnen? Gehen sie den Weg gemeinsam weiter? Trennen sich ihre Wege oder begegnen sie sich immer wieder? Und welches ist der richtige Weg?
Im Buch „Alles richtig gemacht“ von Gregor Sander gibt schon der Titel Rätsel auf – ist er als Frage oder als Feststellung gemeint?

Die Freunde Thomas und Daniel teilen sich als 17jährige eine Wohnung. Dabei sind sie doch recht verschieden. Thomas, der gerne auf Nummer Sicher geht und anscheinend alles lieber auf sich zukommen lässt. Auch die Frauen. Daniel, der das Risiko liebt, alles ausprobiert und sich zum Stehaufmännchen entwickelt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands gibt es einige Einschnitte im Leben der beiden, die es für immer prägen.

Das Buch besteht aus zwei Handlungssträngen in Vergangenheit und Gegenwart, die sich immer wieder ablösen. Hierbei wird vor allem aus der Sicht Thomas‘ erzählt, der es entgegen dem Wunsch seines Vaters zum Anwalt geschafft hat. Doch eines Tages verlässt ihn seine Frau, die gemeinsamen Zwillinge im Alter von 15 Jahren nimmt sie einfach mit. Schafft Thomas es, sich mit ihr zu versöhnen, nachdem er ja meist nicht derjenige ist, der die Initiative ergreift? Kann er am Ende sagen, er habe alles richtig gemacht? Und was wird aus seinem besten Freund Daniel?

Der Autor nimmt uns mit auf eine Reise in das Deutschland nach der Wende. So kann der eine oder andere in Erinnerungen schwelgen, die anderen lernen interessante Details kennen. Sander gibt keine klaren Antworten, lässt alles irgendwie in der Schwebe, was aber auch dazu verleitet, weitere Fragen zu stellen und sich Gedanken über das Buch, aber auch über sein eigenes Leben zu machen. Wenn ich damals anders gehandelt hätte, wäre mein Leben dann auch komplett anders verlaufen?

Insgesamt war es für mich trotz der Umbruchszeit mit wilden Partys, wie sie hier zum Teil beschrieben wurden, eher ein Buch der leisen Töne und gedeckten Farben als ein knallbuntes Feuerwerk. Und so passte für mich auch das Cover gut zum Gesamteindruck der Geschichte. Die goldenen Buchstaben wie leise Wunderkerzen auf einem schwarzen Hintergrund. Kein großes Spektakel, sondern das normale Leben und ein Funke Hoffnung, der durch die Welt geht, dass man es doch irgendwie richtig gemacht hat.