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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2019

Ein gut gehütetes Familiengeheimnis

Das Gemälde der Tänzerin
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Helena, alleinerziehende Mutter von mittlerweile pubertären Zwillingen, musste ihren großen Traum vom Ballett aufgeben, nachdem sie schwanger wurde. Wer der Vater ist, verheimlicht sie selbst ihren Kindern. ...

Helena, alleinerziehende Mutter von mittlerweile pubertären Zwillingen, musste ihren großen Traum vom Ballett aufgeben, nachdem sie schwanger wurde. Wer der Vater ist, verheimlicht sie selbst ihren Kindern. Nur ihre Eltern und einige Verwandte des Zwillingsvaters wissen um die Sache. Und nicht alle sind glücklich darüber…
Zur selben Zeit begibt sich ein Teil der Hoteliersfamilie Kronenberg auf die Suche nach einem Gemälde, der „Tänzerin im Regen“.
Als Helena ihren Job als Verkäuferin verliert, bewirbt sie sich im Hotel Kronenberg als Zimmermädchen und ein lange gehütetes Geheimnis kommt ans Licht. Was hat sie mit dem Bild zu tun? Und warum sind viele der Familie Kronenberg nicht gut auf sie zu sprechen? Findet sie in Noah Kronenberg einen Verbündeten?

Christine Jaeggi entwirft eine Geschichte, die sich bis in die Jahre des zweiten Weltkriegs entspinnt. Dabei schafft sie es, starke Frauengestalten hervorzubringen, wie Helena und Lydia es sind. Mit viel Herz, Verstand und einem starken Willen ausgestattet. Aber auch diese starken Frauen drohen aufgrund der Geschehnisse fast zu zerbrechen.
Ihnen gegenüber stehen die Mitglieder der Familie Kronenberg, wundervoll skizziert, jeder einzelne sehr facettenreich dargestellt.

Mitunter fand ich die Beschreibungen der Vergangenheit etwas verwirrend, aber letztendlich konnte ich mich gut auf den Schreibstil einlassen und die Fäden, die sich nach und nach entwirrten, neu verknüpfen. Für mich eine gelungene Mischung aus Familienepos, Krimi und Liebesroman.

Veröffentlicht am 11.09.2019

Eine verhängnisvolle Affäre?

Sinful Prince
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Temperance, Mitarbeiterin einer Whiskeydestillerie, die eigentlich zu einem Kundentermin fahren wollte, gelangt (versehentlich?) in einem geheimen Sexclub. Woher stammt die Einladung? Von Neugier getrieben ...

Temperance, Mitarbeiterin einer Whiskeydestillerie, die eigentlich zu einem Kundentermin fahren wollte, gelangt (versehentlich?) in einem geheimen Sexclub. Woher stammt die Einladung? Von Neugier getrieben beobachtet sie fasziniert das Geschehen, bis sie dort auf einen geheimen Fremden trifft, der sie selbst zur Handelnden macht, indem er sie verführt und ihr ein paar unvergessliche Momente beschert. Obwohl sie sich schwört, dort nie wieder hinzufahren, kann sie den Fremden doch nicht vergessen. Nicht einmal die Warnung ihres Bruders kann Temperance davon abhalten, den Club erneut aufzusuchen. Aber weshalb soll er so gefährlich sein?
Während der Namenlose Temperance schlaflose Nächte bereitet, kann sie durch einen (un)glücklichen Zufall eine ihrer Statuen verkaufen – wobei sie sich anfangs noch scheut, sich als Künstlerin offiziell zu erkennen zu geben. Die Erschaffung weiterer Kunstwerke führt sie zurück in eine Vergangenheit, mit der sie eigentlich abgeschlossen zu haben glaubte…
Das Ende lässt einen ratlos zurück. Wer ist denn nun dieser Fremde? Während er Temperance ein Geheimnis offenbart, bleibt sein Name bis zuletzt ungenannt.


Temperance fand ich persönlich einerseits stark und selbstbewusst und mit einer gewissen Neugier ausgestattet, andererseits aber auch sehr unsicher. Sie muss sich mit den Dämonen ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und ist hin- und hergerissen, ob sie auf die Einladungen des Unbekannten eingehen soll.
Ihre Vermieterin unterstützt sie dabei, sich einfach mal gehen zu lassen. Eine wundervolle Person mit viel Herz und Witz, von der man in diesem ersten Band leider viel zu wenig lesen dufte.

Die weiteren Charaktere sind mal mehr, mal weniger ausführlich dargestellt worden, was die Story manchmal etwas undurchsichtig macht. Auch hier hofft man auf den zweiten Teil.

Insgesamt ist einiges an Handlung gegeben, die Sexszenen nehmen nicht überhand, eine ausgewogene Mischung. Am Ende bleiben noch einige Fragen offen – ein perfekter Cliffhanger also.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Geschichte flüssig zu lesen war, mit mal mehr und mal weniger Tiefgang, aber durchaus kurzweilig und durch die vielen Andeutungen zum Fortgang der Story durchaus mit einem gewissen Suchtpotenzial.

Veröffentlicht am 28.08.2019

Viel Wirbel um ein rotes Kleid

Die besten Tantenretter der Welt
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Was macht man, wenn man aus seiner Wohnung ausziehen soll, weil man es sich nicht leisten kann, sie zu kaufen? – Na klar, man überfällt eine Bank! Und weil sie da noch nicht sonderlich viel Erfahrung mit ...

Was macht man, wenn man aus seiner Wohnung ausziehen soll, weil man es sich nicht leisten kann, sie zu kaufen? – Na klar, man überfällt eine Bank! Und weil sie da noch nicht sonderlich viel Erfahrung mit hat, tut Tante Erdmute es in einem roten Kleid. Immerhin hat sie ja als Tarnung Sonnenbrille und Hut!
Ihre beiden Neffen sind von der Aktion nicht sonderlich begeistert, denn so abenteuerliche Ferien wollten die beiden dann doch nicht haben. Aber was sollen sie machen? Also flüchten die drei kurzerhand Richtung Paris. Mit dem Geld und mit Gunilla, der Schildkröte.
Werden sie dort ankommen und was wird aus der Wohnung? Und was hat er mit dem Verschwinden der Grünen Blauritius auf sich?

Wer mehr wissen will, dem lege ich dieses Buch wärmstens ans Herz. Mit viel Witz beschreibt Andrea Schomburg die Geschichte rund um Tante Erdmute und ihre Neffen, die bei ihr leben, nachdem beide Eltern verstorben sind. Eine kurzweilige Unterhaltung für Jung und Alt!

Veröffentlicht am 16.08.2019

Wenn das Glück blökend um die Ecke kommt…

Die Tage mit Bumerang
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Wenn man teilweise in der Vergangenheit lebt und es die Gegenwart momentan nicht gut mit einem meint – wie kann man dann mutig der Zukunft in die Augen blicken?

Annu ist Halbfinnin und lebt allein in ...

Wenn man teilweise in der Vergangenheit lebt und es die Gegenwart momentan nicht gut mit einem meint – wie kann man dann mutig der Zukunft in die Augen blicken?

Annu ist Halbfinnin und lebt allein in einem schiefen Haus in einem Siebenundachtzigseelendorf. Ihr bester Freund aus Schultagen und dessen Frau und Sohn sind ihre einzigen Kontakte, denn Annu liebt es ansonsten einsam. Als eines Tages ein schicksalsschweres Ereignis alles zu zerstören droht und sie vom ganzen Dorf gemieden wird, merkt Annu, dass Alleinsein nur Spaß macht, wenn man nicht dazu gezwungen ist. Sie vergräbt sich immer mehr in der Vergangenheit, als ihre Eltern noch lebten.
Doch da steht eines Tages plötzlich ein Schaf in ihrem Garten… Wird Annu es schaffen, wieder ins Leben zurückzufinden und andere Menschen zuzulassen?

Nina Sahm erzählt die Geschichte von Annu und Bumerang mit so viel Liebe und Humor, dass die eigentlich traurigen Momente nicht nur mit einem weinenden, sondern auch einem lachenden Auge vorbeiziehen. Sie schafft eine ganz wunderbare Stimmung, man taucht vom ersten Moment an in das Buch ein und möchte es gar nicht wieder verlassen. Annu wird hier in ihrer liebenswerten, aber dennoch sehr außergewöhnlichen und eigenbrötlerischen Art dargestellt. Die Umgebung ist so schön beschrieben, dass man meinen könnte, sie direkt vor sich zu sehen, Bumerang blöken zu hören, die besonderen Düfte des Hauses und des Gartens in sich aufnehmen zu können. Besonders gut gefällt mir auch das Anlegen von Listen für alle Gelegenheiten, das sich Annu von ihren Eltern abgeguckt hat.

So wie die Geschichte trotz ihrer eigentlich oft melancholischen Stimmung nie wirklich schwermütig wirkt, so ist auch das Cover sehr einfach und leicht, aber für mich wunderschön passend.

Ich habe das Buch verschlungen und kann es nur jedem empfehlen und bei nächster Gelegenheit backe ich Korvapuusti!

Veröffentlicht am 14.08.2019

Tritt häufig auf der Stelle

Als wir im Regen tanzten
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Im zweiten Band geht es um die Entwicklungen im Leben Recha Süßapfels, DEM Stummfilmstar schlechthin und ihrem Mann Willi von Rechen, der auf der Suche nach einem neuen Erfolgsfilm seine Ehe aus den Augen ...

Im zweiten Band geht es um die Entwicklungen im Leben Recha Süßapfels, DEM Stummfilmstar schlechthin und ihrem Mann Willi von Rechen, der auf der Suche nach einem neuen Erfolgsfilm seine Ehe aus den Augen verliert. Recha wird als Jüdin durch die sich zuspitzende politische Situation immer mehr ins Abseits gedrängt, ihre Zeit als Stummfilmstar scheint spätestens dann vorbei, als der Tonfilm aus Hollywood herüberzuschwappen droht. Auch ihre Kinderlosigkeit macht ihr stark zu schaffen. Von ihrem Mann fühlt sie sich missverstanden und alleingelassen.
Parallel dazu handelt die Geschichte von Rechas Schwägerin und deren Familie, die sich mit familiären Problemen herumschlagen muss. Felice kämpft den schwersten Kampf ihres Lebens – den um ihre Familie.

Das Thema Film und seine Einordnung in die geschichtliche Lage der Weimarer Republik klangen für mich sehr reizvoll. Und die Ideen waren auch nicht schlecht, aber für mich nicht immer gut umgesetzt. Der Schreibstil ist manchmal sehr anstrengend und wird durch sehr sehr viele Wiederholungen und Rückblenden gestört. Willi denkt völlig fanatisch nur noch an den nächsten großen Erfolg, da der letzte bereits so lang her ist und nimmt kaum etwas von seinen Mitmenschen um ihn herum wahr. Diese Passagen ziehen sich zum Teil extrem lang dahin, was wirklich schade ist. Rechas Entwicklung hatte ich mir nach dem Klappentext noch intensiver vorgestellt. Der Aspekt der Judenverfolgung nimmt aber keinen allzu großen Teil ein. Sie kämpft eher mit anderen Dämonen wie ihrer Kinderlosigkeit und der Entfremdung ihres Mannes.
Selbst die Geschichte um Felice, die ich anfangs sehr sympathisch fand, wendet sich nach und nach fast ins Fanatische.

Der Schluss kam dann doch sehr plötzlich, obwohl hier eigentlich noch so viel Potenzial gesteckt hätte. Stimmen, die den ersten Teil ebenfalls gelesen haben, berichteten, der zweite Band sei ein deutlicher Rückschritt. Ich weiß noch nicht, ob ich mich davon überzeugen werde. Auf jeden Fall schade um eine schöne Idee!