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Veröffentlicht am 09.06.2020

Syltige Geschichte mit einigen Längen

Ein Sommer auf Sylt
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Julia erbt von ihrem Vater ein Haus auf Sylt. Um in die Architekturfirma ihres Freundes Jo zu investieren, will sie es zum Höchstpreis verkaufen. Doch vorher muss sie es erst einmal anschauen – und so ...

Julia erbt von ihrem Vater ein Haus auf Sylt. Um in die Architekturfirma ihres Freundes Jo zu investieren, will sie es zum Höchstpreis verkaufen. Doch vorher muss sie es erst einmal anschauen – und so fährt sie kurzerhand mit ihrer Mutter und ihren beiden Tanten auf die Insel. Und stößt schon bei der ersten kleinen Besorgung mit dem attraktiven Mats zusammen….


Meine Meinung:
Da ich die Insel Sylt unglaublich gerne mag, hatte ich mich sehr auf diese Geschichte gefreut. Sie fing auch wirklich vielversprechend an und versprühte auch über weite Strecken authentisches Sylt-Flair. Es hat mir sehr gut gefallen, wie die Orte der Insel (Rantum, Keitum, Westerland, Ellenbogen…) in der Geschichte vorkamen, denn ich konnte mich sehr gut an meinen Sehnsuchtsort versetzen.
Die Handlung an sich war allerdings nicht ganz so mein Fall. Sie hatte immer wieder Längen und besonders Julia ging mir zwischenzeitlich etwas auf die Nerven, denn sie handelte sehr unreif und tanzte für meinen Geschmack viel zu sehr nach der Pfeife ihres unsympathischen Freundes Jo.
Auch die Geschichte von Julias Mutter und den Tanten war zwar im Ansatz recht vielversprechend angelegt, aber in der Ausführung hätte man meines Erachtens noch etwas mehr herausholen können.
Die Sprecherin hat die Geschichte im Großen und Ganzen okay gelesen, aber auch sie hatte eine Tendenz zwischendurch in nervige Stimmlagen zu verfallen…


Fazit:
Bei dieser Geschichte habe ich die Anklänge an die schöne Umgebung auf Sylt sehr, sehr genossen. Diese haben mich richtig in Urlaubsstimmung versetzt. Die Geschichte an sich hätte sicherlich noch mehr Potential gehabt.

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Veröffentlicht am 08.06.2020

Reizende Fortsetzung über das Kindermädchen Marie und den Buchhändler Oskar

Sommer in Wien
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Marie arbeitet weiterhin bei der Familie des Dichters Arthur Schnitzler als Kindermädchen und ist für das Wohlergehen von Heini und der kleinen Lili zuständig. Im Sommer darf sie gar mit der Familie in ...

Marie arbeitet weiterhin bei der Familie des Dichters Arthur Schnitzler als Kindermädchen und ist für das Wohlergehen von Heini und der kleinen Lili zuständig. Im Sommer darf sie gar mit der Familie in die Sommerfrische auf die Insel Brioni in Italien, während Oskar, der junge Buchhändler aus Wien, sehnsüchtig auf sie wartet.
Können sie ihre Beziehung noch weiter intensivieren…?


Meine Meinung:
Dieses Büchlein ist eine wunderbare Fortsetzung über Marie und Oskar und ihre zarte Liebe. Ich habe es wieder sehr gerne gelesen, wie Marie sich mit ihrer unverstellten Art um die Kinder kümmert und sich aber auch dank Oskars Hilfe das Lesen immer weiter erschließt.

Die Geschichte ist einfach so zart und reizend erzählt – wie ein ganz besonderes Kleinod.
Der Roman hat auch das Flair der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr gut eingefangen und man kann sich den Alltag der Leute aus den unterschiedlichen Schichten gut vorstellen. Auch eine etwas melancholische Stimmung kommt durch, denn es ist einem als Leser schon bewusst, dass der Roman kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs spielt.

Ich finde es wirklich immer wieder erstaunlich, wie viel Inhalt so ein kleiner Roman auf so wenigen Seiten rüberbringen kann.


Fazit:
Auch diese Fortsetzung ist ganz bezaubernd und vermittelt sowohl Zeitgeschichte als auch Gefühl als auch die Lebenswirklichkeit von unterschiedlichen Schichten. Sehr gelungen!

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Veröffentlicht am 05.06.2020

Toller dicker Schmöker – fundiert recherchiert und spannend geschrieben

Der Turm aus Licht
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Über 60 Jahre dauerte der Bau des Turms für das Freiburger Münster und über diesen Zeitraum spannt sich auch die Handlung des Romans.
Wir begleiten den Bau und gleichzeitig fiktive Menschen, die im Umfeld ...

Über 60 Jahre dauerte der Bau des Turms für das Freiburger Münster und über diesen Zeitraum spannt sich auch die Handlung des Romans.
Wir begleiten den Bau und gleichzeitig fiktive Menschen, die im Umfeld des Turmbaus gearbeitet, gelebt und geliebt haben.
So lernen wir zum Beispiel Findelkind Josef kennen, der nichts lieber machen möchte als Bildhauer zu werden, oder Thea, die in einer Bäckerfamilie aufwächst und von ihrem Vater viel schlechter und ungeliebter behandelt wird als ihre jüngeren Geschwister…


Meine Meinung:
Der Roman ist wirklich ein dicker Schmöker, der sich aber sehr gut und flüssig lesen lässt. Seine gut 800 Seiten sind in drei große Abschnitte aufgeteilt, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen, d.h. auf das Bauvorhaben als große Aufgabe, auf die Umsetzung des konkreten Turmbaus und schließlich auf das Zwischenmenschliche.

Den Aufbau und die Gestaltung des Romans mit einer Handlung, die sich über sechs Jahrzehnte erstreckt, finde ich dadurch sehr gelungen. Nachdem ich nach den ersten paar Seiten die Befürchtung hatte, ich könnte bei den vielen beteiligten Personen eventuell den Überblick verlieren, hat sich dies im weiteren Verlauf gar nicht bestätigt. Ich konnte der Handlung stets sehr gut folgen und die Geschichte dank der flüssigen und sehr anschaulichen Erzählweise in mich aufsaugen.

Ich habe mich zum einen durch die Geschehnisse auf der Beziehungsebene sehr gut unterhalten gefühlt und bei Schicksalsschlägen mit den Personen gelitten sowie auch an ihrer Entwicklung teilgehabt, zum anderen habe ich aber auch sehr viel über den Turmbau, die Zusammenhänge in einer Bauhütte (z.B. zwischen den einzelnen Gewerken), aber auch den Alltag der Menschen zu der Zeit gelernt. Dabei kam die Autorin nie mit erhobenem Zeigefinger daher, sondern man erfährt interessante Details ganz nebenher, so dass man die fundierte Recherche erkennen und schätzen kann, sich aber als Leser*in nie belehrt fühlt.

Dank des gelungenen Spannungsbogens habe ich auch über die sehr lange Strecke der Handlung mitgefiebert. Ich wurde sehr gut unterhalten und habe ganz viel gelernt – und das ist genau das, was ich von einem historischen Roman erwarte.


Fazit:
Dieser besondere historische Roman rund um den Bau des Freiburger Münsters ist für mich ein tolles Beispiel für einen guten historischen Roman, weil er fundierte Recherche mit einer spannenden Handlung verbindet.

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Veröffentlicht am 02.06.2020

Aufschlussreiche Fabel voller Denkanstöße

Das Erdmännchen-Prinzip
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Eine Erdmännchenkolonie, die bisher mit Arbeitsteilung, klaren Strukturen und einem hierarchischen System gut funktioniert hat, wird großen Veränderungen unterworfen – Angriffe durch Geier, Dürre etc. ...

Eine Erdmännchenkolonie, die bisher mit Arbeitsteilung, klaren Strukturen und einem hierarchischen System gut funktioniert hat, wird großen Veränderungen unterworfen – Angriffe durch Geier, Dürre etc. Nun kommen sie gar nicht mehr so gut zurecht, was einige junge Erdmännchen dazu bringt, sich umzuschauen, wie andere – möglicherweise kleinere Gruppen – mit Veränderungen umgehen.


Meine Meinung:
Die Geschichte ist zum einen wirklich süß geschrieben und ganz niedlich gestaltet als Fabel rund um Erdmännchen. Zum anderen kann man aber daraus aber auch wirklich viel über Organisationen lernen und wie sie funktionieren.
Das richtige Maß an Management vs. Leadership ist gerade für größere Firmen enorm wichtig. Es muss gewisse Strukturen und Regeln geben, aber auch Raum für Innovation, für kleinere Strukturen, in denen etwas ausprobiert werden kann etc.
Durch die Darstellung als Fabel (mit genau der richtigen Länge) kommen die wichtigsten Botschaften klar und einprägsam rüber.


Fazit:
Wie auch das Vorgängerbuch rund um die Pinguine (Our Iceberg is Melting) kann ich auch dieses Buch als anregende Managementlektüre empfehlen.

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Veröffentlicht am 02.06.2020

Berührende Familien- und Generationengeschichte zwischen Deutschland und Italien

Belmonte
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Simona leidet sehr unter dem Verlust ihrer geliebten Oma, bei der sie aufgewachsen ist. Von ihr erbt sie ein Haus in dem kleinen Ort Belmonte in den italienischen Marken. Da die gelernte Garten- und Landschaftsbauerin ...

Simona leidet sehr unter dem Verlust ihrer geliebten Oma, bei der sie aufgewachsen ist. Von ihr erbt sie ein Haus in dem kleinen Ort Belmonte in den italienischen Marken. Da die gelernte Garten- und Landschaftsbauerin ohnehin gerade ihren Job verloren hat und auch mit ihrer Beziehung zu dem angehenden Professor Sebastian ein wenig hadert, bricht sie nach Italien auf.
Dort erfährt sie vieles über ihre Familie, was sie noch nicht wusste, und muss auch mit der Lebensbeichte ihrer Großmutter umgehen.


Meine Meinung:
Der Roman kommt als schöner dicker Wälzer sehr vielversprechend daher mit einem wunderschönen Cover, das gleich an Italien erinnert. Auch die Geschichte überzeugt gleich durch verschiedene Perspektiven und Handlungsstränge auf unterschiedlichen zeitlichen Ebenen.
Ich habe zwar ein wenig gebraucht, um mit den handelnden Personen wie Simona und ihrer Großmutter Franca warm zu werden, aber gegen Ende hin wird die Geschichte wirklich sehr berührend und ich habe dann sehr stark mit den Protagonistinnen mitgefühlt.
Grundsätzlich hat mir das Setup als Familien- und Generationengeschichte mit italienischen Wurzeln sehr gefallen. Die Anfänge reichen bis in die Zeiten des Zweiten Weltkriegs und des Widerstands in Italien zurück und man bekommt ein gutes Bild vom Alltag der Menschen damals, insbesondere der Rolle der Frau. Auch die Beschreibungen des verträumten (fiktiven) Orts Belmonte zur heutigen Zeit sind sehr authentisch und glaubwürdig, so dass ich mich zeitweise wie nach Italien versetzt fühlte.
Am Stärksten sind mir jedoch die Beziehungsthemen und berührenden Gefühle in Erinnerung geblieben.


Fazit:
Ein atmosphärisches und stimmungsvolles Buch, das mich gegen Ende hin richtiggehend mitgenommen hat.

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