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Ignacio

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2018

Mehr Liebe zum Detail geht nicht

Tante Dimity und der verlorene Schatz
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Nancy Atherton vermag es mit ihrem besonderen Schreibstil Situationen und Umgebungen detailverliebt zu beschreiben.

Ganz schnell findet sich der Leser im jeweiligen Szenario wider. So auch im im Dörfchen ...

Nancy Atherton vermag es mit ihrem besonderen Schreibstil Situationen und Umgebungen detailverliebt zu beschreiben.

Ganz schnell findet sich der Leser im jeweiligen Szenario wider. So auch im im Dörfchen Finch, in dem die aktuelle Geschichte ihren Mittelpunkt hat. Der Dorfklatsch ist ständig auf der Suche nach neuen Material. Da stellt der Einzug neuer Nachbarn geradezu ein gefundenes Fressen dar. Besonders als diese auch noch mysteriöse Kisten mit der Aufschrift "Museum" ins Haus tragen. Soll möglicherweise ein Museum eröffnet werden und die behagliche Ruhe des Dorfes in Bedrängnis bringen?

Als die Hauptdarstellerin Lori bei einer Aufräumaktion auf dem Dachboden auch noch einen alten Armreif findet, befindet sich spätestens dann der Leser gefangen in der Suche nach möglichen Antworten für all das Fragwürdige was zu Tage tritt.

Gemeinsam mit Lori begibt er sich auf eine Zeitreise, zurück zur Jugendliebe einer sehr alten Freundin, zurück zu verborgenen Familiengeschichten, zurück in die Zeit des verheerenden Zweiten Weltkriegs und eines zerbombten Londons.

Stets wird die Geschichte getragen von einem besonders liebenswerten Blick auf die einzelnen Akteure dieser Geschichte, welche die Autorin besonders auszeichnet. Ein gelungenes Buch für die ganze Familie.

Veröffentlicht am 29.08.2018

Casellis persõnlichster Fall!

Römische Vergeltung
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"Römische Vergeltung" wird als Casellis persönlichster Fall angekündigt, und es ist des Commissarios persõnlichster Fall. Caselli hat dieses Mal an vielen Fronten zu kämpfen, doch die härteste Front ist ...

"Römische Vergeltung" wird als Casellis persönlichster Fall angekündigt, und es ist des Commissarios persõnlichster Fall. Caselli hat dieses Mal an vielen Fronten zu kämpfen, doch die härteste Front ist seine eigene.

Bianca Palma hat mit ihren bisherigen Krimis aus der Caselli-Reihe einen durchaus charmanten Commissario erschaffen, der den Leserinnen und Lesern ans Herz gewachsen ist. Caselli ist ein Gentleman der alten Schule. Sein Wertesystem beinhaltet den respektvollen Umgang mit anderen Menschen. Genauso erwartet er aber auch seiner Person gegenüber Respekt.

Caselli ist ein Macher. Er möchte gerne "die Schulter zum Anlehnen" bieten. Er hat ein klares Rollenverständnis, als Mann fühlt er sich zur Verantwortung berufen, er ist durchaus ein "Beschützertyp".

Und auf einmal gerät seine Welt ins Wanken. Er kann nicht mehr beschützen und beginnt an sich zu zweifeln. Mehr noch, er selber wird zum Gejagten, sein ganzes Umfeld gerät in Gefahr. Doch Caselli versucht zunächst ganz cool zu bleiben. Zumindest nach Außen hin. Seine eigenen Gefühle und Ängste unterdrückt er. Dazu kommt es ganz passend, dass er sich in die bildhübsche Chantal verliebt, welche ihn wiederum in die Welt der oberen Zehntausend einführt. In eine Welt voller "Schall und Rauch", eine Welt in der die Oberflächlichkeit den Ton angibt.

Bianca Palma baut immer wieder solche Gespräche und Momente ein, an denen die Scheinwelt sich in vollem Glanze prasentiert. Durchaus tiefgründige Gespräche werden totgeschwiegen oder einfach ignoriert, wenn beispielsweise ein seelisch traumatisierter Mann versucht über seinen grauenvollen Einsatz in Syrien zu berichten. Die Zuhörer reagieren kurz mit Entsetzen, um sich dann wieder dem Buffet zu widmen. Caselli zieht es in diese Gesellschaft. Sie verlangt nicht nach großer Selbstreflexion, was zählt ist der Moment. Notfalls hilft man ein wenig mit Kokain und Alkohol nach.

In diesen Kreisen kommt der Commissario erstmals intensiver mit gleichgeschlechtlich Liebenden, Travestiten und Trans in Berührung. Zu einem schwulen Mann entwickelt sich eine sehr spannend zu verfolgende Beziehung. Spannend, weil Caselli mit seinem eigenen Rollenverständnis kämpft. Immer wieder greift die Autorin dieses Thema auf, teilweise beschreibt sie diskussionswürdige Erklärungsmuster. Für mich bleibt die Erkenntnis, dass jeder Mensch eine Laune, ein Wunsch der Natur ist, so wie er/ sie ist einzigartig und für sich lebens- und liebenswert.

Für mich als Caselli-Fan, ist "Römische Vergeltung" eines der lesenswertesten Bücher aus der Reihe. Mag sein, dass das Kriminalistische in diesem Krimi etwas nach hinten fällt. Ich habe es beim Lesen sehr gerne in Kauf genommen. Die Auseinanderzusetzung mit Casellis "Dämonen" ist absolut gelungen und hat Freude beim Lesen bereitet. Wer außerdem Bianca Palma kennt, wird wissen, dass ihr immer viel an der Beschreibung der Umgebung, der Menschen, usw. liegt. Ein Abtauchen in die Weltstadt Rom ist dabei garantiert!

Veröffentlicht am 22.08.2018

Ein Krimihäppchen für zwischendurch!

Graffitimord in Lauf
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Es liegt nicht nur an der Kürze des Krimis mit seinen 111 Seiten. Leni Nathraths Schreibstil ist es viel eher zu verdanken, dass dieser Krimi mir als Leser wie ein "leckeres Häppchen für zwischendurch" ...

Es liegt nicht nur an der Kürze des Krimis mit seinen 111 Seiten. Leni Nathraths Schreibstil ist es viel eher zu verdanken, dass dieser Krimi mir als Leser wie ein "leckeres Häppchen für zwischendurch" erscheint. Klein, aber fein. So ein leckeres Häppchen geht immer.

Ganz im Stile anderer Krimiautoren, wie z. B. Ruby Summer, Bianca Palma, Rainer Kottke, usw., die ich ebenso lese, schätze und beurteile, kann Nathrath auf besonders drastische Gewaltszenen in ihrer Erzählung verzichten, ohne dass dabei das Buch an Spannung verliert. Ich vertrage durchaus gewaltgefüllte Szenen, zwar ziehe ich Harmonie vor, doch ist und bleibt Gewalt ein Teil unseres Lebens. Die Auseinanderzusetzung damit in Form eines Buches finde ich hilfreich. Doch ebenso gefallen mir Bücher die gänzlich oder soweit wie möglich auf Gewaltdarstellungen verzichten.

Schachfreunde werden mit diesem Buch ihre Freude haben. Nathrath ist vernarrt in das Schachspiel, sie ist Vorsitzende eines Schachclubs. In "Graffittimord in Lauf" kommt es zu einer Schachpartie, welche die Autorin detailverliebt beschreibt. Sehr unterhaltsam, es hat mich durchaus angeregt einige Spielverläufe und Spielausdrücke nachzuschlagen und tiefer zu erörtern.

Leni Nathraths hat Lust am Schreiben. Sie mag es Geschichten zu erzählen. Die 1949 in Bad Pyrmont geborene Autorin hat einiges zu erzählen, und dieses hält sie gerne in ihren Geschichten fest. Für mich als Leser wird all dies beim Lesen ihrer Krimis deutlich. Ihre Erzählart wirkt auf mich sehr erfrischend.

Eine Besonderheit sei unbedingt noch erwähnt: Nathraths Krimi wird durch einige Skizzen zusätzlich aufgewertet. Die Zeichnungen halten Momente des Krimis künstlerisch fest. Eine schöne Abwechslung.

Veröffentlicht am 16.08.2018

Schmerzlich (schön) berührend

Drei sind ein Dorf
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Es macht einfach zusätzlich Freude, wenn die äußere Verpackung mit den "inneren Werten" übereinstimmt! Dass ist immer meine Erfahrung mit den Büchern vom Mareverlag, denn sie sind durchweg schön gestaltet. ...

Es macht einfach zusätzlich Freude, wenn die äußere Verpackung mit den "inneren Werten" übereinstimmt! Dass ist immer meine Erfahrung mit den Büchern vom Mareverlag, denn sie sind durchweg schön gestaltet. Zumindest trifft das für alle Bücher zu, die ich bisher von diesem Verlag gelesen habe.

So auch beim vorliegenden Buch "Drei sind ein Dorf" von Dina Nayeri. Das entsprechende Cover, die lebendigen Farben, haben mich sofort angesprochen. Es "fühlt" sich besser an, wenn soviel Liebe und Ehrgeiz in die Verarbeitung eines Buches investiert wurde.

Nun aber genug zu den Äußerlichkeiten, letztendlich lesen wir doch die Bücher wegen ihrer "inneren Werte"! Und derer habe ich in diesem Buch vieler gefunden. Es ist eine sehr emotionale Geschichte, welche uns die junge Autorin erzählt. Eine Geschichte einer ständigen Reise auf der Suche nach dem Angekommensein, nach den eigenen Wurzeln, nach Heimat. Nayeri erzählt diese Geschichte anhand einer Biografie realistisch und dadurch zutiefst berührend. Ein Stück weit ist es Nayeri Geschichte selbst, emigrierte sie doch als 10-jährige aus dem Iran in die USA.

Nayeri greift ein Thema auf, welches heute sehr viele und zukünftig immer mehr Menschen betrifft. Millionen von Menschen sind auf der Flucht, Millionen von Menschen leben fernab ihrer Herkunft, Millionen von Menschen haben einen Migrationshintergrund. Ein Jeder stellt sich im Laufe seines Lebens die Frage nach der eigenen Herkunft, nach der Heimat. Diese Frage, bzw. daraus resultierende Gedanken und Handlungen, sind maßgeblich von Bedeutung für die Bildung einer eigenen Identität, für die Bildung der Persönlichkeit. Es ist durchaus eine anerkennenswerte Leistung, wenn Menschen mehrere Einflüsse, usw. in ihre Persönlichkeit positiv integriert haben. Ich erkenne darin einen Gewinn für das Individuum und die Gesellschaft.

Dieser Prozess geht aber nicht so einfach "von der Hand". Er ist oft mühsam und von Rückschlägen gekennzeichnet. Immer wieder muss sich dieser Mensch hinterfragen, oft nehmen Zweifel die Oberhand. Auch diese Momente beschreibt die Autorin eindrucksvoll, wenn es, z. B. um bestimmte Zwänge geht, um Erwartungen von Anderen die zu erfüllen sind.

Dabei könnte so vieles so viel einfacher sein. Würden wir tatsächlich in einen Austausch der Kulturen treten, so würden wir sehr viele Gemeinsamkeiten kennenlernen. Es gibt nämlich durchaus mehr was uns verbindet, als was uns voneinander trennt. Wir könnten beobachten, wie andere Menschen mit ähnlichen Herausforderungen und Problemen umgehen und voneinander lernen. Ein anderer Mensch ist keine Konkurrenz zu mir, ein anderer Mensch ist eine Ergänzung in meinem Leben.

"Drei sind ein Dorf" hat mich, mal wieder, zum Nachdenken über die Themen Heimat, Herkunft, Familie gebracht. "Mal wieder", weil ich diese Themen nie als vollkommen abgeschlossen erlebe. Diese Fragen haben mich in meiner Jugend durchaus noch stärker bewegt als heute, viele Fragen habe ich für mich persönlich beantwortet. Und, dennoch, immer wieder treten Gedanken in dieser Richtung bei mir auf. Mag sein, dass diese häufig von außen angestoßen werden, durch elendige und sich immer wieder wiederholende politische Diskussionen. Was auch immer der genaue Grund sein mag, sie bleiben ein Begleiter im Leben. Literatur, wie dieses Buch, verdeutlichen mir, dass ich mit diesen Fragen nicht alleine stehe. So wird aus einem Buch ein Wegbegleiter, ein freundschaftlicher Ratgeber.

Veröffentlicht am 14.08.2018

Ob die Liebe gewinnt?

Das Weingut. In stürmischen Zeiten
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Zunächst möchte ich einige Aspekte der Buchgestaltung, des "Drumherums" benennen, da sie mich sehr angesprochen haben. In den ersten Seiten finden sich Karten und ein Personenregister. Die Karten helfen ...

Zunächst möchte ich einige Aspekte der Buchgestaltung, des "Drumherums" benennen, da sie mich sehr angesprochen haben. In den ersten Seiten finden sich Karten und ein Personenregister. Die Karten helfen der örtlichen Orientierung in der Region um den Elsass zur Zeit des Ende des 19. Jahrhunderts. Sehr hilfreich. Aber auch das Personenregister kam mir sehr entgegen. Besonders in den ersten Seiten komme ich häufiger mit den Namen durcheinander, gerade wenn es viele unterschiedliche Protagonisten sind. Hier ist also ein kurzer Blick ins Personenregister sehr dienlich.

Ebenso nennenswert finde ich das Glossar am Ende des Buches und ein historisch hervorragend erarbeiteter Anhang mit weiteren Details und Informationen.

All das werten diesen eh schon sehr lesenswerten Roman weiter auf. Anfangs setze ich mich als Leser mit den Rollenverteilungen und dem Rollenverständnis zu dieser Zeit auseinander. Deutlich zeigen sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den sozialen Schichten. Die Autorin gewährt uns Einblick in die Lebenswelten sowohl der Dienerschaft wie auch der Partiarchen. Die herrschende Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit wird sehr deutlich.

In dieser klar hierarchisch strukturierten Gesellschaft kommt es zu einer Liebe die nicht sein darf. Sehr schnell habe ich Sympathien zu dem jungen Paar entwickelt. Es ist bewegend zu erfassen, zu welchen Leistungen die Liebe fähig ist.

Die Autorin Marie Lacrosse, vielen Lesern historischer Romane auch als Marita Spangenberg bekannt, verschont uns nicht mit den Grausamkeiten des Krieges, welcher 1870 zwischen Deutschland und Frankreich ausbricht und unzählige Opfer hinterlässt. Obwohl im Anhang die Autorin verrät, dass sie besonders drastische Beschreibungen den Lesers ersparen wollte, wird einem das Elend trotzdem sehr bewusst. Es sind nicht nur die Toten, die Eltern die verzweifelt auf ihre Söhne warten, die Kinder und Ehefrauen die auf ihre Väter und Ehemänner warten. Es sind auch die vielen Kriegsverletzte, die für ihr Leben körperlich und seelisch gekennzeichnet bleiben. Immer wieder baut die Autorin Momente von Menschlichkeit ein, Situationen in denen das Freund-Feind-Bild für einen Augenblick aufbricht. Diese Passagen haben mich besonders berührt.

"Das Weingut - In stürmischen Zeiten" hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. Nun bin ich gespannt auf die Fortführung der Geschichte, denn das vorliegende Buch ist der erste Teil einer Reihe. In "Das Weingut - Aufbruch in ein neues Leben" geht es mit dem Dienstmädchen Irene und dem reichen Erben Franz weiter. Ich freue mich drauf!