Hat für mich mehr von Enola Holmes als von Bridgerton
Wycherleys - Die DebütantinDas Buch hat mich allein durch die Beschreibung „Bridgerton mit Hexen“ sofort gecatcht – und ich habe es definitiv nicht bereut.
Generell wirkt das Buch vom sozialen Background und vom Verhaltenskodex ...
Das Buch hat mich allein durch die Beschreibung „Bridgerton mit Hexen“ sofort gecatcht – und ich habe es definitiv nicht bereut.
Generell wirkt das Buch vom sozialen Background und vom Verhaltenskodex her wesentlich moderner als die tatsächliche Regency-Ära. Aber der tolle Schreibstil der Autorin lässt einen das definitiv verzeihen. Aurelia ist eben keine typische Debütantin des frühen 19. Jahrhunderts, sondern hat ihre eigenen Vorstellungen und ihren ganz eigenen moralischen Kompass.
Schon auf den ersten Seiten taucht man tief ins London des frühen 19. Jahrhunderts ein: Bälle, die feine Gesellschaft, soziale Schichten und natürlich gesellschaftliche Erwartungen. Aurelia, unsere Hauptperson, erlebt ihre erste Saison – doch anstatt mittendrin zu feiern, steht sie ausgegrenzt am Rand, da sie von einem uralten Familienfluch betroffen ist. Dieser verbietet es ihr, eine magische Bindung mit einem magischen Pendant einzugehen. Und ohne Pendant wird ihre Magie über kurz oder lang versiegen.
Während Aurelia um ihren Platz in der Gesellschaft kämpft, trifft sie auf Jules, einen Ur-Ur-Ur… Enkel des Fluchsprechers. Obwohl hier Enemies-to-Lovers als Trope angegeben wird, hatte ich nie das Gefühl, dass die beiden wirklich stark verfeindet sind. Für mich stand hier eher die langsam entstehende Verbindung im Vordergrund als echte Feindschaft. Nachdem sie sich kennenlernen, entwickeln sich relativ rasch Gefühle, und es gibt zwar einige verbale Gefechte zwischen ihnen, aber für mich war es nicht genug, um wirklich als Enemies to Lovers durchzugehen.
Aurelia ist eine sehr sympathische Protagonistin. Obwohl sie mit der sozialen Ausgrenzung durch den Fluch kämpfen muss, bleibt sie eine liebenswerte und starke Kämpfernatur, die einen Weg finden will, ihre Magie zu behalten. Jules sucht ebenfalls nach genau dieser Möglichkeit – allerdings für seine Schwester, die ebenfalls kein Pendant gefunden hat. So entwickelt sich aus einer Zweckgemeinschaft langsam eine tiefere emotionale Beziehung.
Besonders mochte ich die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen Jules und Aurelia. Die beiden harmonieren wunderbar miteinander, und auch wenn ihre jeweiligen Familien damit Probleme haben, finden sie doch immer wieder zueinander.
Auch der fast schon an Enola Holmes erinnernde Krimiplot passt wunderbar ins Buch und lädt richtig zum Rätseln und Mitfiebern ein. Toll fand ich außerdem das Ende: Das Buch schließt stimmig ab, hat keinen fiesen Cliffhanger, erzeugt aber trotzdem genug Spannung, dass man den nächsten Teil unbedingt weiterlesen möchte.