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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2017

Faszinierende Milieustudie

Sweetbitter
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"Sweetbitter" ist ein Buch, das polarisieren wird. Vielleicht ist das für manche bereits ein Grund es zu lesen - mich hat in jedem Fall wirklich der Klappentext sehr angesprochen, da ich die Gastronomie ...

"Sweetbitter" ist ein Buch, das polarisieren wird. Vielleicht ist das für manche bereits ein Grund es zu lesen - mich hat in jedem Fall wirklich der Klappentext sehr angesprochen, da ich die Gastronomie ein ganz spannendes Feld finde, und ich wurde nicht enttäuscht.
Es ist sehr speziell, ja, aber genau das mochte ich so gern! Die Protagonistin Tess ist ein typisches Landei, das aber durch Zufall einen Job in einem richtig guten Restaurant bekommt. Hierbei lernt sie eine Menge, kann aber auch vielen Belastungen nicht standhalten und in ihrem ersten Jahr im Big Apple begleiten sie nicht nur kulinarische Köstlichkeiten, kleine und große Katastrophen und eine schwierige Liebesbeziehung, sondern auch eine Menge Drogen und Alkohol.
Ich habe gelesen, dass Köche ein sehr hohes Berufsrisiko haben, an Alkoholismus zu erkranken. Diese und viele Hintergrundinformationen, die man so über die Gastro jemals gehört hat, kann man hier wunderbar einpassen, denn es ist eine ganz eigene Welt. Tess ist nicht alkoholkrank, sondern sie gerät erst in den Strudel dieses Betriebs - und natürlich auch in falsche Gesellschaft!
Dabei ist der Roman nicht geradlinig, obwohl die zeitliche Chronologie erscheint, sondern eher episodisch, blitzlichtartig, teilweise kryptisch...aber ich wurde einfach total in diese Welt eingesogen!
Eine kleine Warnung zum Schluss: Tess ist nicht sympathisch. Das muss sie auch nicht sein! Aber sie ist interessant - das in jedem Fall!
Man könnte diesem Buch vielleicht mangelnde Emotionalität vorwerfen...das würde aber bedeuten, dass Emotionalität immer die Grundlage eines Romans sein muss! Dieser Meinung bin ich nicht, denn ich habe mich in weiten Teilen der Geschichte als unbeteiligter Beobachter gefühlt - und war trotzdem involviert!
Bildet euch eure eigene Meinung - es kann sich lohnen!

Veröffentlicht am 12.03.2017

Kleiner Ausschnitt einer anderen Welt

Betrunkene Bäume
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"Betrunkene Bäume" sind ein Phänomen des Klimawandels und kommen beispielsweise in Sibirien vor, wo der Wissenschaftler Erich eine Zeit seines Lebens verbracht hat, die er nie vergessen wird.
Die Zeit ...

"Betrunkene Bäume" sind ein Phänomen des Klimawandels und kommen beispielsweise in Sibirien vor, wo der Wissenschaftler Erich eine Zeit seines Lebens verbracht hat, die er nie vergessen wird.
Die Zeit dort war für ihn bereichernd, aber er hat auch eine Schuld auf sich geladen, die ihn bis ins hohe Alter verfolgt.
Ada Dorian nimmt uns mit auf eine Reise ins kalte Sibirien und obwohl wir natürlich als Leser dieses recht kurzen Buches nur einen kleinen Ausschnitt kennenlernen dürfen, eröffnet sich eine ganz andere Welt. Eine Welt, in der Menschen stark abhängig von der Natur sind, andererseits aber auch in völligem Einklang mit ihr Leben können. Das ist bewundernswert.
Gleichzeitig lernen wir in Deutschland Katharina kennen, die eine Flucht aus ihrem Leben wagt, denn auch sie hat das Gefühl, jemanden an Sibirien verloren zu haben. Hierbei gerät sie in schlechte Gesellschaft, zum Glück aber auch in die von Erich.

Die Geschichte wird in einer sehr schönen Sprache erzählt, die mich wirklich mitgenommen hat und ich konnte das Buch nur schwerlich aus der Hand legen. Es liest sich sehr gut in einem Weg und ist dabei nicht nur interessant, sondern auch ein bisschen lehrreich.
Für mich als Fan längerer Geschichten hätten es am Ende locker 100 Seiten mehr sein können - mehr Infos über die Figuren und noch ein Stück mehr von der Geschichte. Andererseits ist es auch eine Stärke der Erzählung, dass sie genau an dieser Stelle abbricht.
Von mir gibt es wohlverdiente 4 Sterne! Diese Debüt-Autorin werde ich sehr gerne im Auge behalten.

Veröffentlicht am 09.11.2016

Lange Rede, kurzer Sinn

Der Tag, als ich die Welt umarmte
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Romane sind mir eigentlich immer zu kurz. Eigentlich. Denn bei diesem Buch hätte ich leider gerne den Rotstift angesetzt und einfach Vieles herausgestrichen. Die ganzen Nebenhandlungen, die weder die Story ...

Romane sind mir eigentlich immer zu kurz. Eigentlich. Denn bei diesem Buch hätte ich leider gerne den Rotstift angesetzt und einfach Vieles herausgestrichen. Die ganzen Nebenhandlungen, die weder die Story weiterbrachten, noch wirklich für Unterhaltung sorgten. Die Überlegungen der Protagonistin, die leider immer sehr hypothetisch waren. De facto gibt es für Harri, die Reisebüromitarbeiterin, leider überhaupt keinen Grund, nicht zu reisen. Gut, nach Venedig möchte sie nicht alleine. Aber alle anderen Städte? Leider stimmt damit irgendwie der ganze Aufhänger nicht. 
Ansonsten kommen noch einige andere logische Fehler hinzu, die leider das Lesevergnügen stark trüben. Die Dialoge waren wenig überzeugend, der sprachliche Stil nicht immer ganz angemessen (Bsp. "Er hatte ein Gesicht, das nur eine Mutter lieben konnte"). 
Insgesamt sind mir die Protagonisten leider nicht sympathisch geworden und ich habe keine rechte Lesefreude empfunden. Nach dem Klappentext erwartet man einfach eine ganz andere Geschichte, denn die Partnersuche à la 'Schwiegertochter gesucht', die einem serviert wird, wurde so nicht angekündigt und ist leider auch nicht unbedingt eine Bereicherung. Schade!

Veröffentlicht am 14.06.2018

Band 1 deutlich überlegen

Die Stürme der Zeit
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Eine Verlegerfamilie zwischen zwei Weltkriegen - Geschäft, Familie und Liebe stehen auf dem Spiel. Die Lytton Saga von Penny Vincenzi fing mit dem ersten Band gut an, konnte sich aber nun im zweiten Band ...

Eine Verlegerfamilie zwischen zwei Weltkriegen - Geschäft, Familie und Liebe stehen auf dem Spiel. Die Lytton Saga von Penny Vincenzi fing mit dem ersten Band gut an, konnte sich aber nun im zweiten Band aber erst richtig entwickeln.
"Die Stürme der Zeit" hat mich absolut überzeugt und ich konnte es schwerlich aus der Hand legen. Nun sind die Figuren für mich wirklich ausgereift und alles noch etwas packender beschrieben - auch wenn man der Autorin vielleicht eine leichte Tendenz zusprechen könnte, ihre Protagonisten zu schützen ;)
Es gibt den einen oder anderen Schicksalsschlag in diesem Buch, trotzdem bleibt es noch im Rahmen. Die Reihe gehört damit für mich nicht zu den historischen Romanen, die drastisch von den Ereignissen während der Weltkriege berichten, sondern eher zu historischen Familienromanen. Ich fand es jedoch super, dass die Geschichte im zweiten Band nun richtig Fahrt aufnahm und freue mich auf den dritten Band - vor allem, da in der Leseprobe ein absoluter Umbruch vorweg genommen wird!
Toll entwickelt haben sich in diesem Band unter anderem die Zwillinge, die ich im ersten Band eher schwierig fand. Ich finde es gut, dass Penny Vincenzi nicht jede ihrer Figuren zum Sympathieträger aufbauen will - es darf ja auch mal Protagonisten gehen, die einem einfach nie so richtig ans Herz wachsen. Gerade das befeuert die Konflikte zwischen den Figuren und macht es noch spannender zu lesen.
Lesedaumen hoch!

Veröffentlicht am 13.06.2018

Flacher Sommerroman

Azurblau für zwei
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Sommer, Sonne und saure Zitronenlimonade - Emma Sternberg nimmt uns mit nach Capri und lässt ihre Protagonistin Isa in "Azurblau für Zwei" eine alte und eine neue Liebe entdecken.
Ich mag es sehr gerne, ...

Sommer, Sonne und saure Zitronenlimonade - Emma Sternberg nimmt uns mit nach Capri und lässt ihre Protagonistin Isa in "Azurblau für Zwei" eine alte und eine neue Liebe entdecken.
Ich mag es sehr gerne, solche leichten sommerlichen Romane auf Autofahrten als Hörbuch zu hören. Daher dachte ich, diese Geschichte wäre genau das Richtige für mich. Die eigentliche Idee finde ich auch weiterhin gut, leider hat mir die Umsetzung nicht sonderlich gut gefallen.
Protagonistin Isa ist eine authentische junge Frau mit echten Problemen, verliert sich aber meiner Meinung nach ein wenig zu sehr in Gedanken. Diese fand ich wie so manchen gestelzten Dialog teilweise etwas anstrengend und die sehr...blumige Erzählweise von Sprecherin Vanida Karun hat es für mich nicht besser gemacht.
Manchem mag es vielleicht gefallen, wenn gerade die italienischen Männer alle mit Schmonzetten-Akzent imitiert werden, ich fand es aber eher nervig und auch unglaubwürdig, da Isa schließlich Italienisch mit ihnen spricht.
Ein Lichtblick war immer die alte Granddame Mitzi, deren Lebensgeschichte wirklich interessant angelegt war, sich aber wie alles andere auch etwas zu sehr ins Perfekte fügte.
Das Thema Kinderlosigkeit wird in diesem Roman teilweise sehr mitfühlend aufgegriffen, an anderen Stellen ist es mir aber auch etwas zu klischeehaft.
Leider gibt es für dieses Hörbuch von mir nur 2,5 Sterne - ein leichter Sommerroman, der streckenweise eher flach ist und ggf. lieber selbst gelesen als gehört werden sollte!